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Asterix, Band 36: „Der Papyrus des Cäsar“ – Das kolportierte Review!

Ja, der neue Asterix ist da! Was vor einigen Jahren noch ein Grund war, mit Idefix zusammen die ausgerissenen Bäume (und Träume) vor dem Egmont-Verlag anzuheulen, entwickelt sich endlich wieder zu einer soliden Freu-Lösung depressiver Altfans. Kollege Sparkiller legte dann auch sooo schnell mit einem Meinungskasten vor, dass ich diesen Band schnellstmöglich ebenfalls im Klokasten dieses Gehirns versenkte, um unten dieses Review rauszuziehen. – Na dann, WordPress-Papyrus ab:

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Irgendein antikes Dingsbums von A nach B bringen, das fand ich immer am kultigsten. Ob Kupferkessel, Zaubertrankfass oder einen spanischen Zigeuner(?)jungen: Transportobjekt plus neue Gegend (gern auch ohne „innovative“ Landesveräppelung) ergibt massig Spaß. Und da der Bösewicht sowieso immer das Interessanteste ist, mag ich stets eine präsentere Rolle von Cäsar. Hier präsent in Form einer Rolle Papyrus, ha-ha. Denn Julius ist der perfekte Gentleman-Bösewicht: Ein stets guter Verlierer, der nur immer EINE Verschwörung pro Jahr startet und alle fünfzehn Alben mit Asterix am Buffettisch sitzt. – Da konnte doch gar nichts schief gehen, als sein Kantengesicht das Heftchen schmückte, oder?

Zumindest aus der Sicht von Freunden gepflegter Slapstick-Wortspiele (Ein Römer, der vom Baum fällt, macht laut „WLAN!“) ist es das auch nicht. Die Missionen „Snowden“ und „Mediengedöns“ wurden ordnungsgemäß angerissen und werden – den leicht zuuu euphorischen Rezensionen sei Dank – bald zu NOCH mutigeren Geschichten führen. Besser waren die ersten zwei Bände von Uderzo nämlich auch nicht!

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Da guckt der Cäsar gleich viel konstatierter als schraffierter: Im Schnelldurchgang wird dem Leser erklärt, dass Informationen und Geschichtsschreibung generell wichtig sind. Eine Erkenntnis, die nach Band 34 („Asterix und Obelix feiern Geburtstag“) durchaus neu für nachwachsende Fans sein könnte. – An Cäsars Nase sieht man übrigens gleich: Der Mann hat nach den alten Bänden die eine oder andere Botox-Kur erleiden müssen…

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Was nach 24 Stunden der ersten „Papyrus“-Lesung am Zukunftia-Schrein erst mal hängenbleibt, ist das hier:

Dank dressierter Vögel wird getwittert, und wenn der alte Druide einen vollen Kopf hat, heißt es in schönster Computersprache: „Meine Kapazitäten sind erschöpft“. Dies ist aber nicht platt und LOLig, wie es jetzt vielleicht klingt, stellt aber einen gehörigen Anteil des mittleren Albumbereichs. Wobei ich das plötzliche Auftauchen von Einhörnern und dressierten Eichhörnchen noch doofer fand. Hatten die Hörren Autoren da etwa nichts anderes im (Achtung!) Arbeits-Speicher? Wo man früher noch auf interessante Figuren wie Steuerprüfer, Kuhhändler und Schausteller traf, müssen nun eben Fabelfiguren herhalten. – Aber immerhin besser als Dinge, die in beide Kategorien gehören, wie die Superman-Mickymäuse in „Gallien in Gefahr“.

Überragend interessant fand ich das namensgebende Papyrus jetzt natürlich nicht. Da fehlte mir etwas die Relevanz von diesem lapidar dahingezeichneten Stück Klopapier. Am Rande wird ja sogar gewitzelt, dass es nur 50 Exemplare des fraglichen „Buches“ gibt (mangels Buchdruck eben) und die Gallier eh nur mündlich überliefern. Da fällt es etwas schwer, Cäsars unlektoriertes Gefasel von nur zu 99,9999% besiegten Galliern für irgendwie wichtig oder verbreitenswert zu halten. In einer Comicserie, in denen Römer mit anderen Römern verdroschen werden, ist da durchaus AUCH bei Intellektuellen eine gewisse geistige Abstraktionsleistung vonnöten, um mitzufiebern.

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Römer, die sich mies tarnen oder kurz vor dem KNUFF noch diskutieren, das gehört in jeden Band der Reihe. – Mit 30 Merksätzen wie diesen kann bestimmt auch Oma Platuschke einen neuen Asterix schreiben… Wichtiger ist allerdings, dass Asterix hier gleich ZWEI Schlaganfälle hat. Den einen im Arm, den anderen im Gesicht, speziell in den Augen. Ist das die fehlende Seele, von der immer alle sprechen?

Letztendlich ziehen die Gallier nur durch Zauberwälder, um die Welt daran zu erinnern, dass die irren Abenteuer aus den vergangenen 35 Bänden noch „da“ sind. Schon irgendwie nett, aber einen Römer dauerhaft als Rassel zu missbrauchen („Der Sohn des Asterix“), das traf mein Gaga-Zentrum dann doch eeetwas besser.

Ach ja, auf Sparkillers weiter unten gestellte Frage, warum der Böse eigentlich Angst vor Gras hat, habe ich eine Antwort: „Graswurzeljournalismus“. HA! Wie ich wieder die Symbolik eines Kinderbuchs für Erwachsene rausgearbeitet habe!

Sowohl im grob- wie feinhumoristischen Bereich sind die neuen Macher schon mal recht stilsicher. Da kann sich selbst Uderzo noch mal anschauen, was er längst vergessen hatte. Asterix und Obelix liegen sich lachend in den Armen, für allerlei (unnötige) Nebengags sorgt das Thema Horoskop, und wem dann immer noch nicht langweilig/aufgewühlt genug zumute ist, der kann sich auf den eigenschaftslosen Kolporteur freuen. Letzterer wird auf 2-3 Seiten durch das Dorf geführt, wo er den üblichen Fischewerfern und Schiefsingern bei der Seitenfüllerarbeit zuschauen darf.

Übel ist das alles aber nicht! Dieses Review ist wohl eines der wenigen auf Zukunftia, das auszusagen versucht: „Alles schlechter als (ganz) früher, bitte weiter so!“ – Denn die Tatsache, dass ich mich auf den mittelschlanken Blauhosenträger und seinen Minimus wieder freue, ist schon Album-Ruhm genug!

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Der Sprachrhythmus und der generelle „Takt“ erinnern schon sehr an die alten Bände. Aber da zumindest ICH das auch ein bisschen aus der Perspektive des Kreativen sehe, stelle ich mir beim schmökern automatisch vor, wie sich Ferri und Conrad alle möglichen Dialogsätze ewig überlegt haben. „Geh den neuen Asterix zeichnen, haben sie gesagt… Das ist fast stressfrei, haben sie gesagt…“ Vielleicht wirkt das Ganze schon deshalb immer etwas angestrengter.

Sieht man von gewissen „Lustiges Taschenbuch“-Abenteuerelementen ohne Mehrwert ab (Druiden tanzen singend im Kreis; Wasserfall muss überquert werden), so bekommt man hier das, was man aus Selbstschutzgründen seit anderthalb Jahrzehnten nicht mal mehr vermissen mochte. Nur bei den Zeichnungen würde ich mir noch ein bisschen mehr Sorgfalt wünschen: Die sichelförmigen, schwungvollen Striche der mittleren Uderzo-Jahre strahlten so viel mehr Dynamik aus als die brav und ruhig ausgemalten Panels der Franchise-Retter. Aber auch hier jammere ich auch hohem Retrogourmet-Niveau; immer wieder mal vergaß ich sogar, dass ich gerade nicht in der 1985er Dorfbibliothek sitze.

Ein paar Logikfehler dürfen natürlich auch nicht fehlen: So weiß plötzlich nur noch Majestix, dass der Notfall-Zaubertrank unter seinen Dielen versteckt ist, was nur durch das großzügige Ultimatum der Römer nicht in Obelix‘ breite Hosen geht („Meine Hosen sind nicht breit!!“). Und da ein Fass Kraftbrühe angeblich zu wenig ist, wird der Kolporteur vorher auch gänzlich ohne Trank in die Höhle des Löwen geschickt. Okay, das ist Comiclogik, aber gegen meinen Lieblingsband („Obelix GmbH & Co. KG“), wo sogar jeder marktwirtschaftliche Aspekt korrekt verballhornt wurde, wirkt das hier doch etwas „micky-mausig“.

Aber jeglicher Abgesang auf diesen Band verbietet sich trotzdem. Er ist so solide, wie es ein Band mit „Twitter“-Gags sein kann. Und ab und zu fand ich die Scherze sogar richtig(!) gut, z.B., wenn die Brieftaube schon unterwegs ist, der Anhang aber vergessen wurde. Genau SO überträgt man moderne Themen auf die ollen Zaubertrank-Schausteller! Und eben nicht mit Aliens, ICE- und Guido-Westerwelle-Wortspielchen.

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Viel „greifbarer“ als hier wird Polemix auch gegen Ende des Comics nicht mehr. Da hätte er ruhig den einen oder anderen Medienwitz bringen können. Dass mir die dann auch wieder zu viel gewesen wären, versteht sich von selbst! Große Zukunftia-Mecker-Ehre!


Fazit: Besser, gehaltvoller, solider. Sagt auch Cäsar, und der muss es ja eigentlich dissen, ähm, wissen. – Nach dem Pikten-Band ein weiterer Schritt in Richtung „Geht doch!“. Beruhigend zu sehen, dass man mit altmodischer Fleißarbeit und autorenseitigem Abstraktionsvermögen doch recht nah an die mittelguten Altbände dran kommt! Richtige Stilbrüche über mehrere Bildchen gibt es hier nicht mehr, sogar ganzseitige Werbekampagnen für kreativitätssteigernde Substanzen (bei den Pikten z.B. das blöde Nessi-Ungeheuer) bleiben hier aus. Wären die Zeichnungen etwas hübscher, so hätte ich gar 7 Punkte gegeben!

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM
SPARKS MICKRIGER MEINUNGSKASTEN
So sieht das schon runder aus. ('Wer ist hier dick?!')
Irgendwie habe ich das Gefühl, daß man aus dem Thema der Fackelweitergabe mittlerweile eine eigene Asterix-Geschichte erschaffen kann. In dieser treten unsere beiden liebgewonnenen Hauptfiguren einen längeren Urlaub an, woraufhin sich zwei bislang unbekannte Dorfbewohner als Ersatzhelden melden. Nur werden diese von Nebencharakteren wie Methusalix, Majestix und Co. pausenlos mit den Originalen verglichen („Bisschen zu groß, dein Schnurrbart…“), weswegen die zwei ungeliebten Kopien krampfhaft alles daran setzen wie ihre großen Vorbilder aufzutreten.

So ähnlich ging es mir dann auch beim Lesen des zweiten Werkes der Nachfolgeschreiber- und zeichnerlinge Ferri und Conrad. Wobei auf den ersten Blick alles sehr schön aussieht: Die Zeichnungen sind hübsch, die Witze sind nicht mehr so platt wie zuletzt bei den Pikten („Mich pikt die Distel!“) und die Geschichte ist nachvollziehbar, aktuell & originell. Sobald man aber das neue Band zuklappt und sich, wie Oppa an seine Kriegsgeschichten, an die alten Bände erinnert, dann findet man doch noch so einiges zum rumnörgeln. Und darum geht es schließlich hier auf Zukunftix. Zwar sind die Gags nicht mehr zum Fremdschämen, die Tendenz geht trotzdem eher in eine flache Richtung („Er ruft mit einem Schilfrohr?“ – „Das ist unsere altbewährte Rohrpost!“) mit dem gelegentlichen Zugeständnis eines Schmunzlers (Verprügelter Römer: „Da muß ich mich geschlagen geben.“). Aber auch einige wenige Highlights existieren, schon aufgrund persönlicher Erfahrungen (*römer schickt brieftaube weg* „Nein, warte! Wir haben den Anhang vergessen!“). Wobei ich manche Sachen wie die oft dargestellte Gras-Angst des Bösewichts schlicht nicht verstanden habe. Ist diese einfach nur pointenlos? Oder doch eine, für mich viel zu clevere, Anspielung auf die Legalisierung von Marihuana?

Der „Flow“ der Geschichte kommt meines Erachtens nicht ganz an meine persönliche Asterix-Hochzeit der mittleren Bände heran. Bereits auf Seite 6 wußte ich schon nicht, warum die beiden Soldaten einen fliehenden Schreiberling nicht verfolgen wollten und einer der beiden sich sogar völlig grundlos kaputtlacht. Und fehlt später bei dem Endresultat zweier vertauschten Nachrichten auf Seite 23 nicht irgendwie die Pointe? Die Geschichte um das Veröffentlichen der geheimen Cäsar-Schriftrolle wird uns im Verlauf dieser mindestens dreimal erklärt und überhaupt wirkt alles auf mich, wie schon bei den Pikten, etwas arg gestreckt mit immer auftauchenden Muss-nicht-sein-Details wie z.B. dem Methusalix-Horoskop und der irgendwie sinnlose Besuch des „Kolporteurs“ bei Troubadix zu Hause.

Eine weitere Gefahr des Nachahmens eines beliebten Originals ist auch das Abtauchen in Klischés. Und diese sind hier wieder alle vorhanden und fressen wertvollen Platz auf den Seiten. Ob Fischprügelei, Piraten, Handlanger von Cäsar, finale Römerschlacht und Bankett am Ende, hier wird alles auf dem Asterix-Rezept abgehakt, was man mittlerweile nun wirklich schon oft genug und vor allem besser gesehen hat. So bleibt natürlich nur wenig Raum für eigene Ideen, welche leider immer noch nicht so wirklich zünden wollen.

Aber so nörgelix… äh… nörgelig sich dies alles anhört, Band 36 gefällt mir trotzdem. Es ist schließlich auch eine Leistung, die Zeichnungen FAST so gut hinzukriegen wie Uderzo. Und das Schreiben FAST auf Goscinny-Niveau ja ebenfalls. Übrigens, die ganz oben erwähnte Geschichte hat dann doch noch ein gutes Ende, als die beiden Ersatzhelfer erkennen, daß man sich nicht verstellen und einfach sein eigenes Ding drehen sollte. Wer sagt denn beispielsweise, daß Asterix und Obelix nun für immer auf die selbe Art und Weise gezeichnet werden müssen? Einmal reinen Tisch machen wäre bestimmt nicht verkehrt.

*sich in der redaktion umschau*

Hier aber auch nicht. Igitt.

Note: 6 von 10 Punkten

(Diese Wertung hatten die Pikten zwar schon, diesen Band stufe ich jetzt aber auf 5/10 runter. Oder habt iiiiihr den etwa seitdem nochmal gelesen?)


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Artikel

von Klapowski am 23.10.15 in Das Test-Labor

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Kommentare (7)

  1. G.G.Hoffmann sagt:

    „Wer sagt denn beispielsweise, daß Asterix und Obelix nun für immer auf die selbe Art und Weise gezeichnet werden müssen?“

    Ich!

    Wobei Uderzo ja ebenfalls Jahrzehnte benötigt hat, um zu seinem endgültigen Stil zu finden. Aber es war eben immer „sein“ Stil, der stets liebevoll, charmant und lustig war. Conrad ist zur Zeit noch ein Imitator mit vielen Schwächen im Detail. Asterix‘ Augen, die „Nebendarsteller“ und die gallischen Frauen sind im neuen Band zwar schon besser geraten als bei den „Pikten“, aber noch lange nicht perfekt.

  2. Cronos sagt:

    Meiner Meinung nach sollte man Asterix und Co einfach in Frieden ruhen lassen. Ist doch mal wieder gut.

    • Klapowski sagt:

      Nö, finde ich nicht.

      Das kann man vielleicht bei schwer top-baren Sachen wie „Matrix“ oder „Zurück in die Zukunft“ sagen, aber bei einer Comic(!)serie, deren Zeichenstil man kopieren(!) kann, während die inhaltliche Ausrichtung für talentierte Schreiberlinge auch keine Raketenwissenschaft ist (= Länder, Römer, Kloppen, Sprüche), sehe ich keinen Grund, es nicht wenigstens zu versuchen.

      Und alle 2 Jahre ein Album auf diesem Niveau reicht mir schon fast.

      Genau genommen ist das der erste mittel- bis ganz-gute Band seit 1991 („Asterix und Maestria“). Gerade jetzt, nach unglaublichen 24 Jahren, wäre es blöd, mit diesem Argument aufzuhören. Denn das Franchise schuldet uns minimal die Nachlieferung der Lenze zwischen 1992 und 2013!

      Sooo leicht verzichtet ein Ostwestfale wie ich nicht auf die Schuldeneintreibung!

    • Cronos sagt:

      Dann drücke ich schon mal die Daumen, das wir nicht wieder so lange bis zum nächsten halbwegs guten Band warten müssen.

  3. G.G.Hoffmann sagt:

    Nie wieder Spontankäufe an der Supermarktkasse! Nach meinem Fehlgriff am vergangenen Samstag bzgl. „Jurassic World“ (siehe dort), nun gestern der Asterix-Supergau. Zeichnerisch und inhaltlich irgendwo zwischen „Fix&Foxi“ und „Knax“. Ich kann die positiven Besprechungen leider überhaupt nicht nachvollziehen. Nachdem ich mich zur Vorbereitung des neuen Bandes noch einmal der intensiven Lektüre von Heften aus besseren Zeiten (Korsika, Schweizer, GmbH&Co. KG) gewidmet habe, fällt das Fazit für den „Papyrus“ um so schlechter aus.

    Die Geschichte ist in meinen Augen nicht minder chaotisch und einfallslos wie bei den „Pikten“ und läßt völlig den roten Faden vermissen. Asterix, Obelix und Miraculix begeben sich in den Karnutenwald, um dort einen unterschlagenen Teil des „Gallischen Krieges“ im Hirn eines Alzheimer-Druiden abspeichern zu lassen. Dieser Ansatzpunkt ist schon nicht witzig oder originell, desaströs jedoch die Ausführung: Conrad ist ein schlechter Imitator des Uderzo’schen Zeichenstils. In jedem zehnten Bild trifft er zwar die Figuren und ihre Gesichtsausdrücke, meistens jedoch nicht. Auf mich wirken die Figuren überhaupt nicht vertraut. Der gemütlich-cholerische Majestix aus den Uderzo-Bänden, sieht bei Conrad völlig Panne aus, gleiches gilt für Gutemiene. Methusalix und seine Frau sind ebenfalls kaum wiederzuerkennen. Automatix und Verleihnix sind von den Figuren recht gut getroffen, auch bei ihnen mißlingt Conrad jedoch die Mimik. Leider gilt das nicht nur für die bekannten Hauptfiguren, sondern auch für jene, deren Aussehen Conrad selbst erfunden hat. Cäsars Berater sieht genauso charakterlos und langweilig aus wie Polemix. Der alte Druide Archaeopterix hat zwar einen lustigen Namen, wirkt aber wie eine Pausenzeichnung eines Sechsklässlers.

    Wo sind die schönen warmen Farben im (fast) ewigen Sommer des gallischen Dorfes geblieben? Die individuellen Charakterköpfe der römischen Zenturios? Die in jeder Hinsicht detailverliebten Bilder? Und was ist an dieser Story witzig oder unterhaltsam? Allein 11 Seiten lang wird das gallische Dorf von den Legionären belagert, ohne daß irgendetwas Spannendes, Lustiges oder Nachvollziehbares passiert. Erinnerte sehr an ähnliche Szenen in „Gallien in Gefahr“. Offenbar hat Ferri schon nach zwei Heften nur noch Einfälle für 20 Seiten. Aufhören, aufhören!

    Goscinny und Uderzo haben in ihren besten Zeiten 1-2 Bände pro Jahr herausgegeben, bei steigender Qualität. Ähnliches Potential sehe ich bei Ferri und Conrad nicht im Ansatz.

    Daß auch andere Comicfiguren von unterschiedlichen Zeichnern bearbeitet wurden, lasse ich nicht gelten. Asterix ist für mich ein Sonderfall, der nur mit Uderzo als Zeichner funktioniert. Hätte der oft gescholtene alte Mann die „Pikten“ und den „Papyrus“ zu verantworten gehabt, wäre er erneut in der Luft zerrissen worden. Warum also so viel Applaus für Ferri und Conrad?

  4. DerBeimNamenNennt sagt:

    Es stellt sich ja grundsätzlich immer die Frage: Aufhören oder Weitermachen?
    Manchmal kann es erfrischend sein, einen alten Klassiker (Krieg und Frieden) als abgeschlossen zu erklären und etwas völlig neues zu starten.
    Fehlt es heute nicht genau daran? Werden wir nicht überflutet von Remakes, unnötigen Prequels, Pseudo-Remakes (ja, ich denke an Star Trek!) und Fortsetzungen, die den Ton und den Inhalt des Orginals nicht mehr treffen?

    Klar, Asterix ist Kult und hat eine Generation von Schülern an Latein herangeführt. Da ist scho viel einmaliges dabei. Insofern lohnt es sich wahrscheinlich schon, das irgendwie fortzusetzen.

    Ich glaube, ich werde mir den neuen Band mal reinziehen… Vielleicht gefällt er mir ja. Wobei ich leider zugeben muss: Ich kenne eher die Filme als die Bände davor.

  5. Egon sagt:

    „Länder, Römer, Kloppen, Sprüche“
    Stimmt schon – nur wird gerade das letzte und so wichtige immer auf heutigem Pubertätsniveau betrieben (das einem immer etwas blöder als das frühere vorkommt). Gerade die Medienstory hätte doch so viel hergegeben, zumindest soviel, um ohne allzu offensichtliche Lückenbüßer auszukommen. Aber es scheint wohl wieder in eine einigermaßen verträgliche Richtung zu gehen.

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