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Star Trek Enterprise – 2.06 – „Marodeure“ („Marauders“) Review

“Himmel! Die Klingonen kommen!“ Da wird ja der Sand im Kasten verrückt! Das schlägt dem Fass die Düne aus! Da fällt der Kuchen aus dem Eimer! – Diesmal wagt Enterprise ein inhaltliches (Re)Förmchen…

Mein Gott, was für eine Folge! 6 Klingonen! 1 Sixpack Klebestirnolaner! Deuteriumpumpen, soweit das Auge schleicht! Mayweather im Unterhemd! – Nie war ST so endspannend…. nein, ENTspannend wie heute! ENT sei dank! Hab’ noch immer den Abdruck vom Escape-Knopf auf der Stirn!

Es gibt Folgen, die bieten überraschende Wendungen. Das geht OK, das lassen wir noch durchgehen… Dann gibt es aber noch welche, die wenden nur den Zuschauer. Bei jenen weiß man dank eingeblendetem Story-Routenplan bereits in der 10. Minute, wo die Post abgeht, gestempelt und frankiert wird. – Eben eine typische Ansichtskarten-Episode: Viel zu lange unterwegs und ständig mit besorgten Fragen um sich werfend: „Ist alles OK? Geht es euch guuut?“ Eine Frage, die bei dieser Episode durchaus minütliche Berechtigung gehabt hatte…

Wen interessiert denn bitteschön das Schicksal vierer Schauspieler mit ihrer Armee aus Zombie-Statisten? Die redenden Mitglieder noch dazu nach dem üblichen Konzept zusammengestellt: Vater, Mutter, Kind, Klaus Kinski…

Jetzt wird geblecht: “Aua Boden!“ – Und das gibt auch sicher `ne H(B)eule! Klingonen schickten Kinski’s Klaus in die Waagerechte…

Gut, sie waren nicht wirklich Vater und Mutter. Aber es ging in die ermüdende Richtung!

Dabei gehört diese Folge noch nicht mal zur erwähnten Kategorie, bei der man nach wenigen Minuten weiß, wo die Phrase läuft. Nein, hier genügte bereits ein handelsübliches Preview, um das Ende für die Handvoll verarmter Mienenarbeiter (oder seht ihr hier `ne Miene? Na also!) vorherzusehen: Nämlich lachend, Freude- und Phaserstrahlend, das Schmieröl schon wieder im Anschlag und sich als Meister von Putsch und Pumpe fühlend…

Warum nutzen die Klingonen nicht ihren Orbit? Natürlich ohne Zucker: Einfach mal aus Rache einen Torpedo auf’s Deuterium hetzen… Huiii, da weint der Siedler und die Wüste wundert sich! – Warum also nicht? Was war hier los? War die Schmach nicht groß oder die Ehre nicht klein genug? Ich hätte es ja getan. Nicht als Klingone, sondern als Zuschauer. Wäre ich einer der Siedler, ich würde ja meine geniale Ausweichtaktik noch gehörig weiterentwickeln. Auf planetarisches Niveau, sozusagen.

Apropos Ausweichtaktik: Ich bemerkte eine unzulässige Überschreitung der Höchstwerte auf meinem Springmesser! Lässt sich doch so ein ausgebildeter Klingone tatsächlich von einem rotierenden Herdmuttchen die Stirn in Falten legen… Ich habe nur mit dem Kopf geschüttelt. Werde ich demnächst auch tun, wenn ich bei rot über die Ampel gehe. – Sonst wird man ja noch überfahren!

Das Konzept „Wehrloses Dorf erhält Crashkurs in moderner Neandertal-Kriegsführung“ kennen wir schon aus einem halben Dutzend „Xena“-Folgen. Da durchbohren Küchenmägde ja auch ständig die gepanzerte Brust diverser Fies-Soldaten. Na, solange sie den Kochlöffel danach auch ordentlich abspülen… Aber in ST hat das doch nichts verloren! Auch wenn ich der Folge zugute(?) halten muss, dass kein Schuss traf und die Effektkoordinatoren nicht mal von hinten an den Kulissen rütteln mussten. Selbst die Zeltplanen machten nicht mal innerlich einen zerrissenen Eindruck… Wollte man es sich angesichts der enttäuschenden ENT-Einschaltquoten nicht mit der Camping-Zielgruppe verscherzen oder was?

Und niemand kannte einen, der schon von jemanden gehört hat, der irgendwann mal sterben musste. Willkommen zum neuen Bergfrühling-Trek: Sauber, frisch, von Grund auf Ryan, äh, rein… Doofe Geschichten für den schnellen Faustschlag zwischendurch…

Und dann dieses komische Vietnam-Feeling: Kinski ballert mit Stirnband und Rambokostüm auf angriffslustige Wüstengrillen, während 10 Meter weiter der Klingone tobt. In heißen Gegenden ist wohl auch das Zielwasser knapp… Und während der Captain noch durch den Schützengraben „robbt“ (In „Glöckner von Notre Dame“-Pose vor den Klingonen herumspazier), stanzt T` „Buffy“ Pol den Bösen ihre Schuhgröße spiegelverkehrt in den Waschbrettbauch.

”Leck’ meine Stiefel!“ – „Knote mein Stirnband!“ – T` “Lara Croft” Pol zeigt sich von ihrer schlagkräftigen Seite…

Kollege Hoffmann und ich haben es ja auch schon oft erwähnt: Diese „Fred Feuerstein“-Science Fiction geht unser Redaktion gehörig auf die Ketten! – Diese humorfreien, nichtssagenden und hochgradig unspannenden Plots auf Steineklopperplaneten sind nicht mal die Granittafel wert, auf der das Drehbuch gedruckt wurde…

Dabei muss ich bei allem Wohlwollen in der Vergangenheit (siehe bisherige Benotungen) mal ganz deutlich feststellen, dass meine Geduld mit Enterprise bald erschöpft ist: Auch schon wegen der zunehmend humorfreien, nichtssagenden und hochgradig unspannenden Plots auf dem Schiff, auf Raumstationen, galaktischen Baumärkten, Arztpraxen und überhaupt überall.

Hab` sogar schon beim Gesundheitsministerium angefragt, wann „Carbon Creek“ endlich unter das Betäubungsmittelgesetz fällt…

Das anfangs als frisch empfundene, neue Trek-Konzept (welches war das doch gleich?) besitzt inzwischen nur noch die Vitalität eines Borg-Kaffeekränzchens. Altes Plasma in neu… alten Flaschen. Altglasimitator Berman sei Tank!

Mal ganz ehrlich: Wer freut sich noch immer ernsthaft auf die neuesten Folgen?

Fazit:
Langweilig, albern, trocken, belanglos. Enterprise für Sandkastenadmiräle ihre Praktikanten.

Note: 5 +


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Artikel

von Klapowski am 02.11.02 in Star Trek - Enterprise

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Kommentare (10)

  1. Gast sagt:

    Hoshie hat in 2 Wochen wieder eine Folge fuer sich.Darauf kann man sich freuen.
    Huch, das war glaub ich die erste 5 fuer eine Folge…zu recht :(

  2. Gast sagt:

    nun, immerhin durfte in dieser Folge doch mal jeder aus der stammbesatzung was sagen… gabs deshalb noch das plus hinter der 5? ;)

  3. Hellspawn sagt:

    Ne Hoshi Folge? Darin versucht sie sicher sich selbst um die Ecke zu bringen weil alle Aliens so ein hübsches Englisch sprechen und sie net mehr gebraucht wird. Armes Schnuckelchen.

  4. Gast sagt:

    Ja das ist mir auch in dieser Folge uebel aufgefallen.Die kriegen das einfach nicht hin mit den Fremdsprachen.

  5. frakesjoe sagt:

    Fremdsprachen in ner Serie sind teuer. Wer soll denn dafür aufkommen? Klar, Paramount…. aber wer will dafür aufkommen, wenn die Fans eh keine Fragen mehr stellen…… Die "neuen" Fans sind eh der Meinung, das StarTrek 8 "First Blood" (oder hieß der anders als der zweite Rambo-Streifen? Handlung war ja auch ähnlich….) der beste StarTrek-Film aller Zeiten sei…..

  6. frakesjoe sagt:

    Dank des Hemdchens sieht der Maschinenwart auf dem zweiten Foto schon ein wenig wie der gute "zukünftige" Captain Kirk aus. Nur Spock ist so seltsam feminin……….

  7. Gast sagt:

    Die Folge war das letzte, erinnerte mich irgendwie an die verarsche von Galaxy Quest …

  8. Andro sagt:

    Mich hat nur eins gewundert:
    Die "ach so bösen" Klingonen stehen im Feuerkreis – haben die zwischenzeitlich ihre Transporter einer Ebene 1 Diagnose unterzogen? Warum zum klingonischen GE'kreth (Geier) beamen die sich nicht einfach 10 Meter weiter?

  9. Gast sagt:

    lol ja das mit dem Beamen ist mir auch eingefallen.
    Aber das hätte ja ein Happy End verhindert ;)
    ET Folge mit Bad End ?? Gibs das überhaupt ??? :(

  10. Sped sagt:

    Die Story war wirklich blödsinn, die einzige Möglichkeit sone Horde Klingonen davon abzubringen je wieder zu kommen ist sie umzubringen, ausserdem auch unglaubwürdig dass die sich einfach so haben ausbeuten lassen über die jahre.

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