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„Oblivion“ – Das Review für Plünderer

Tom Cruise? In einem S-S-S-S-Science Fiction-F-FiFi-Film? Dass ich hier nicht anders kann, als wie der erschrockene Ausguck bei den Asterix-Piraten zu reden, hat einen Grund: Toms „Edge Of Tomorrow“ war für mich eine recht substanzlose Videospiel(-fehlt-irgendwie)-Verfilmung mit emotionalen Fehlstellungen. Und, um es gleich vorweg zu nehmen: Auch bei „Oblivion“ ist die reine IDEE der potenzielle Guck-Grund. Aber ist der Film b-b-besser? Womöglich sogar g-gut? Sehen Sie her:

INFORMATIONEN:

Regie: Joseph Kosinski
Jahr: 2013
Budget: 120 Mio $

Poster
Besser als Drohne Willi

Inhalt: Die Erde liegt nach einem Kampf mit Aliens in Trümmern, Leben ist fast ausgestorben. Nur noch vereinzelte Fremde kriechen aus ihren Löchern, um den Planeten zu plündern. Gut, dass es da noch eine zweifach benannte Station hoch in den Lüften gibt, die die Erde von ihnen befreit.

Besprechung:

Tom Cruise hat als Person schon ziemlich viel Glück: Seitdem er aus dem selben Anti-Aging-Kessel wie Keanu Reeves trinkt, spielt er einfach immer den selben Typen Mitte 30, und das ziemlich erfolgreich: Man nimmt ihm den Helden einfach ab, was an seiner Mischung aus „Schönling“ und „Bubi“ wirkt, an seiner dezenten Mixtur aus Agilität und Zwergenwuchs. Und so ist er mir schon mal automatisch sympathisch, selbst wenn ich mir beim Video-Streamen ein Dutzend Scientologen mit auf die Couch downloaden würde.

Man muss sich halt darauf einstellen, dass der Protagonist hier ein amerikanischer Held ist, allen Widrigkeiten (und die gibt es hier im Dutzend billiger) zum Trotz. Dazu gehört das Auffinden seiner *SPOILER*, das Entdecken, dass er *SPOILER* ist und die *SPOILER* eigentlich von *SPOILER* sind.

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„Schön, dass da ein Ausläufer für den Pool ist. Aber wo sind die Blumenkästen und Wertstofftonnen, die Tom Cruise ständig kontrollieren könnte? Er geht schließlich langsam auf das entsprechende Alter zu!“ – Fliegende Wolkenmelk-Maschine: Auf das Artdesign von Thom Tenery ist man bei Universal Pictures durchaus ein bisschen stolz. Sollen sie ruhig. Jeder braucht (s)einen Sparkiller…

Hier spielt er nun einen Drohnenexperten, der die Menschheit vor den Überfällen der Plünderer bewacht, nur echt mit „iApplecopter“. Denn das Design seines Fluggeräts ist so porentief weiß, jede Rundung so … nicht eckig, dass man spätestens jetzt weiß, dass diese Art des SF-Designs mal als typisch für die 2010er-Jahre gelten wird. Und so war ich dann auch die erste Zeit hin- und hergerissen: Wieder so ein generischer SF-P(i)lot mit tausend Effekten, von Produzentenseite verordneter Zwangs-Coolness und EINER guten Idee, die die üblichen Fehler großer Blockbuster auf ihren Glasknochenschultern tragen muss? – Jein. „Oblivion“ ist einen Hauch anders, nur ein winziges Gutfindpünktlein besser. Aber das wirkt sich aus.

Um das Fazit etwas vorwegzunehmen: Ich bin mir immer noch nicht sicher, wie gut „Oblivion“ sein wird, wenn man ihn denn das zweite Mal sieht. Denn die Überraschung gegen Ende des Films (nichts krasses à la „Sixth Sense“, nur normal „Huch!“-herauskitzelnd) ist schon der beste Grund fürs Zuschauen. Mit einem Mal lösen sich die ganzen angesammelten Widersprüche und Ungereimtheiten auf, bis auf die kleinen, die auch Oma Platuschke irritieren würden: „Wieso nur ZWEI fehlbare Bewacher pro riesigem Sektor? Damals, in Polen, da…“

Da ich ausnahmsweise versuche, NICHT zu spoilen (tue ich nur bei Filmen, die ich schätze… und die Filme meinen Mindestmaßstab), nur hier eine gaaaanz zarte Anmerkung: Die Storyline hatte Glück, dass die Angreifer in der Höhle zu Beginn nicht erkennbar waren, keine gut erkennbare Leiche vor Toms Füße geplumpst ist – oder halt in einer der Missionen davor. Die Überraschung wäre sonst dahin gewesen. Aber gut, wir haben bei LOST auch staffelweise ertragen, dass KEINER auch nur eine vernünftige Frage stellt, da ist ein wenig dick aufgetragene Twist-Schminke kaum der Rede wert.

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„Nicht schießen, Samsung-Drohne! Ich bin keine Gefahr für dich! – Was? Dieser Apple-Mitarbeiter-Ausweis am Kragen? Reine Tarnung, ha-ha-ha!“ – Das kommt davon, wenn man sich nicht nachts den Wecker für die neuesten Updates stellt: Man wird als Techniker respektlos von der eigenen Hardware behandelt. Laut Kundenhotline ist es aber ein „einmaliger Fehler“. Also, für jeden getöteten Anwender jetzt…

Die Actionsequenzen bestehen fast zu 100 % aus naturbelassener Drohnen-Action: Schießende Drohne am Boden, ballernde Drohne am Himmel, Rattatata-machende Drohne in Verfolgungsjagd. Diese permanente Bedroh(n)ungssituation ist zwar visuell eher langweilig (natürlich auf hohem Niveau), wird aber eigentlich nie in die Länge gezogen, wie z.B. in die Längenversion von äh… – wie lang ging „Star Trek 12“ noch mal?

Auch Schnitt und Actionablauf scheinen sich langsam wieder bei Guckgewohnheiten einzupendeln, die auf Zuschauer ohne Ritalin-Rezept Rücksicht nehmen: Manche Flugpassagen sind erstaunlich lange ohne Schnitt, der ja durch die völlig freie (CGI-)Kamera auch überhaupt nicht notwendig ist. So wusste ich IMMER, wer sich WO befand und WO der Gegner. Teilweise fand ich mich sogar auf Toms Navigationscomputer zurecht, um dessen Bild im Kopf über die reale Landschaft zu legen. Endlich mal wieder ein Actionfeuerwerk, das auch im Altenheim zustimmendes Krückengeklopfe hervorruft! Die Transformers sind tot, es leben die … Toll-Formers aus der Tricktechnik!

Auch die Musik hält sich in den emotionaleren Momenten gut zurück: So trieft einem kein Schuss Honig ins Ohr, wenn es mal etwas Liebevoller wird (kommt selten vor, ist aber durchaus Bestandteil der Story) und das monotone Dauerstampfen/-klampfen/-krampfen, das gerade so modern ist, reduziert sich auf eine vergessenswerte Standardmucke. All das unterstreicht, dass der Film nicht mehr sein will, als er ist, was im „Mega-Giga-Sommerblockbuster-jetzt-auch-im-Winter“-Geschäft fast schon erholsam ist.

Morgan Freeman und Jamie Lannister haben ebenfalls kurze Auftritte. Diese bedienen zwar die üblichen Rollen der beiden (samtstimmiger Erklär-Bär und heißblütiger Kämpfer), aber da der Fokus fast zu 100 % auf Jacks Perspektive liegt, brauchte man eben „Schnell rein, schnell raus“-Charaktere, bei denen man sofort versteht, wofür sie da sind.

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„Wer ist bitte da? Der Herr Alterungsprozess?! Nicht mit mir! *Ratt* “ – Atemvoll durch die Nacht: Man kann von Cruise halten, was man will, aber den flinken Weltenretter nimmt man ihm irgendwie immer ab. Aber bei so kurzen Beinen verteilt sich die Körperenergie natürlich effizienter auf den Rest. (*Zwergenwitz auf Liste abhak*)

Das Ende mag nicht überraschend sein, ist es doch das typische „Neuralgischen Punkt an Raumstationsdecke ausschalten und ALLE Angreifer ausschalten. Im gaaaaanzen Weltraum!“ – Immer wieder gerne genommen seit dem extra gebauten(?) Explosionsschacht am Ende der ersten Star-Wars-Trilogie. Das Art-Design sagte mir hier besonders zu: So sind die riesigen Räume am Ende des Filmes eher kahl, leer, zweckmäßig. Man könnte natürlich sagen: „Wofür braucht man einen halben Mond für ein paar Tausend Eierkapseln, hätte es nicht das Amazon-Lager in Leipzig getan?“, aber dieser zurückgenommene Stil mit ein, zwei wabernden Oberflächen überlässt der Phantasie durchaus noch Eigenregie. Auch schön, dass man „sie“ auch hier nicht sieht. – Die Fremden jetzt, nicht die Phantasie.

Auch, wenn das natürlich Quatsch ist, aber man fühlt sich für Hollywood-Verhältnisse hier fast schon nach einem Indie-Film. Man erkennt, dass die Fliege-Action nur aus „Muss halt sein!“-Gründen eingebaut wurde, lässt sich dann aber auch Zeit für Swimmingpool-Bilder, Landschaftsaufnahmen und Tom Cruise fragendes Gesicht in Großaufnahme. Denn meistens ist er auf sich gestellt, was teile des Filmes fast schon still wirken lässt. Wie gesagt: Für Hollywood-Verhältnisse.

Natürlich wäre vieles noch etwas besser gegangen, mehr Fleisch am Storyknochen wäre möglich gewesen, um der Welt mehr Substanz zu verleihen: Wie ernähren sich die Menschen in jener Zeit? Wieso vernichten die X nicht die Y aus der Umlaufbahn heraus, wo der Eingang ja nicht sooo klein ist? Hätte man Toms Charakter nicht mal ein-zwei Momente des Ausrastens oder Flennens geben müssen? – Aber das sind alles nur Kleinigkeiten. Viel mehr wiegt da die Tatsache, dass der Film beim erneuten Schauen viel seiner Spannung verlieren dürfte. Und der interne Kritiker hat dann noch mal ein Pfund Neuronen mehr zur Verfügung, um weitere Schwachpunkte auszumachen.

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„Wissen sie was, Mister Freeman? Wir lassen das mit den Machtkämpfen. Als ich sie reinkommen sah, wusste ich es sofort: Der eiserne Thron soll allein ihnen gehören!“ – Grau-schwarze Eminenz: Schon irgendwie albern, dass Freeman inzwischen in JEDEM SF-Film den weisen Oberguru mimt („Transcendence“, „Lucy“, etc…), aber solange sein Gesicht auf der Fahne vor meiner Haustür flattert, muss ich wohl zugeben, dass es funktioniert.

Die allgemeine Kritik war sich relativ einig: Wenig visionär sei der Film, arm an Konflikten und Tiefe. Und da haben sie alle … recht! Aber das ist das Schöne dran: Ein Film wie eine Mischung aus Kunstausstellung und einer „Raumschiff Voyager“-Prämisse. In Zeiten, in denen „Guardians Of The Galaxies“ zum Teil eines neuen Megafranchises wird, 30 Superhelden irgendwie miteinander verknüpft und rebootet werden UND die nächsten 40 Star-Wars-Filme bereits fest eingeplant sind, ist dieses 120-Millionen-Low-Budget-Filmchen reinste Erholung.


Fazit: Eigentlich ist es ein klassischer 6-von-10er: Stromlinienförmiges Design und mangelnde Emotionalität sollten dem Streifen eigentlich höhere „Das ist der Wahnsinn!“-Weihen verwehren. Aber da ich mich beim Schauen durchgängig gut unterhalten fühlte und die 125 Minuten wie im (Drohnen-)Flug vergingen, trete ich gerne bei den Scientolo… – trete ich gerne für diesen Science-Fiction-Film ein!

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

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Artikel

von Klapowski am 12.04.15 in Film-Review

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Kommentare (1)

  1. G.G.Hoffmann sagt:

    Optisch hat mir der Film ausgesprochen gut gefallen. Schöne untersättigte Farbpalette, superscharfes Bild mit Referenzwerten. Inhaltlich ist bei mir allerdings gar nichts hängen geblieben. Ich könnte nicht einmal eine Kurzzusammenfassung geben, außer: Tom Cruise – irgendetwas mit Postapokalypse und Drohnen. Was ich im Ergebnis aber gar nicht schlecht finde, weil ich mir den Film deshalb bestimmt noch einmal ansehen werde.

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