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Star Trek Enterprise – 2.01 – „Die Schockwelle II“ („Shockwave II“) Review

Papst und Ossis könnte das nie passieren: Archer sitzt noch immer in der Zukunft fest. – Doch Bobo „Future Guy“ Blocksberg reibt schon verheißungsvoll seinen Zauberstab…

Muhahaha! Da kann sich selbst McGyver noch eine Phaserbank von abschneiden!

Da sitzt Future Guy doch tatsächlich in einer Berlinkulisse von 1945 und schlägt mit einem Faustkeil auf Archers Kommunikator ein… – Auf dass dieser endlich seinen erbitterten Widerstand aufgeben und in die Vergangenheit funken möge! Von hinten links kommt der Captain – schon etwas müde von der Mammutjagd – hinzu und reicht dem Handwerker einen verbeulten Suppenlöffel. In Sekundenschnelle analysierte Future Guy die Brauchbarkeit des neuen Gegenstandes: Ihn der Länge nach in das Gerät rammen und einen alten Toaster draufsetzen? Nein, das ginge zwar auch, aber ohne Toastbrot wäre das Gerät nutzlos. Daher instruiert er: „Super! Ich brauche nur ein paar Späne davon, nicht größer als einen Millimeter!“

Klar. Und wenn ich mir Puderzucker in den Arsch blase, nimmt das erste Fusionskraftwerk seinen Betrieb auf. Und ich wollte sowieso schon lange mal wieder in den Wald, mir aus Kastanien und Stöckchen eine Raketenrampe bauen…

Dagegen ist Voyager`s „Lasst uns ein neues Achterdeck replizieren“ ja noch direkt Kinderkacke mit süßer Sahne! Kein Zweifel: Die Zukunft gehört den Kleinkindern, die versehentlich zwei Duplosteine aufeinandersetzen und sich dadurch selbst atomisieren. – Na gut, angesichts dessen gehört ihnen die Zukunft wohl nur sehr kurzzeitig…

Ich weise angesichts dieser beunruhigenden Tendenzen bei ENTERPRISE darauf hin, dass ich in meinem letzten Review prinzipiell Recht hatte: Archer hockt in der Zukunft und kommt da nicht mehr raus. Basta. Die Tatsache, dass er es mit fadenscheinigen Tricks doch noch geschafft haben soll, ignoriere ich hiermit mit sturem Gesichtsausdruck und stoisch verschränkten Armen!

Das Ende war ja wohl am Kraftfeld herbeigezogen:

ZUFÄLLIG kommt Reed bis in`s Mannschaftsquartier von „Jugend forscht“, krempelt die Ärmel hoch und greift beherzt in das Spindfoto. Ein sexueller Verzweiflungsakt, den man sonst nur aus Bundeswehrkasernen kennt.

ZUFÄLLIG wird ihm der Rückweg ab- und die Oberlippe angeschnitten.

ZUFÄLLIG wird er beim Verhör nur angebeult, aber kein bißchen umgebracht.

ZUFÄLLIG hält der Chef des Verbandes für Eidottergesichter die unbekannte Gerätschaft für wichtig genug, um sie dorthin zu bringen, wo dunkle Schatten im hellen Lichtschein auftauchen und Minderbemittelten unmoralische Befehle erteilen. Wie? Nein, nicht zum Kinderspielplatz.

ZU-, SELBSTGE- und ein bisschen ÜBERFÄLLIG springt Archer aus dem Chronotonenmixer, haut das zitternde Bündel aus den Stiefeln und marschiert mit ihm schnurstracks Richtung grün beleuchteter Notausgangsschilder…

Erst am Ende erfahren wir, während wir dem Fernseher noch gratulierend an die Scheibe klopfen, dass alle obigen Punkte das Ergebnis eines perfiden Planes waren… Lückenlos durchdacht und mit einer potentiell niedrigen Fehlerquote, die durchaus Gutes verhieß. Gesetzt dem Fall, das ursprüngliche Ziel war Selbstmord oder Tod durch chronischen Wahnsinn.

Das letzte Mal, wo ich das „War doch einkalkuliert, haha!“-Konzept so glaubwürdig umgesetzt sah, bin ich vor „The Game“ mit Michael Douglas zusammengebrochen… Wie? Ja, mit ihm zusammen!

Die geenterte ENTERPRISE wurde da glücklicherweise glaubwürdiger befreit. Zwar war die Idee mit dem vorgetäuschtem Wahnsinn schon nicht mehr neu, seitdem wir alle „Voyager“ davon überzeugen konnten, dass sie ihr Ziel erreicht hat und abfliegen kann, der bohrende Großhirnzerfall blieb jedoch aus. Und dass wieder mal fiese Verstecker durch die Schiffsgänge robben, wollen wir angesichts Hoshis schicker Klaustrophobie-Performance mal nicht so streng bewerten. Die albern erzwungene Sekundenerotik (selbstverständlich nur erotisch für Menschen, die noch nie ein Schwimmbad besuchten) beim Verlust von Hoshis Shirt wollen wir mal mit einem lachenden und einem weinenden Auge betrachten. Und danach noch mal als Standbild, Farbausdruck und Desktopmotiv…

Mayweather wäre dieses kleine Dilemma zum Beispiel nie passiert. Aber ihm wäre ja auch nie ein eigener Handlungsstrang passiert…

Neckisch fand ich die allgemeine Folterei von Reed und T`Pol. So ein bisschen Gewalt braucht der Mensch ja… Auch wenn ich nicht ganz verstanden habe, was sie mit T`Pol nun genau angestellt haben. Flossen in den Schläuchen hinterm Rücken Psychodrogen oder doch Fanta Exotic auf dem Weg zum Chefbeleuchter weiter oben? – Jedenfalls sah das hübsche Kind trotz kurzzeitigem Logikloch unter`m Haupthaar immer noch aus, wie frisch hinter der Kasse von Douglas hervorgepellt. Nur eben mit 400 Gramm weniger Schminke.

Der erbitterte Kampf gegen die Halloween-Kürbisse hat mich dann wie immer nicht wirklich interessiert. War der gut? War der actionreich? Ich kenn` mich mit dem, was die jungen Trekkis heute so anspricht, ja nicht mehr so wirklich aus.

Was der Folge gegen Ende noch mal etwas Tiefgang verliehen hat, war dann noch das Absch(l)ussgespräch für die Enterprise-Crew. Trotz kleiner Haltungsfehler beim Diplomaten-Sackhüpfen auf Bosperus Prime drücken die Vulkanier noch mal sämtliche Augen zu. Die Enterprise darf weiterschaukeln, die neue Staffel ist eingeläutet und der Zuschauer klatscht begeistert in die körpereigenen Warpgondeln…

Fazit:

Solides Action-Trek mit „schön doof“-Mitleidsbonus.

ZUFÄLLIG habe ich auch gerade die passende Benotung hier!

*Bastelt aus Tannenzweigen eine große „3 +“ und verschwindet irre lachend auf dem Schrottplatz*

(dk)


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Artikel

von Klapowski am 06.10.02 in Star Trek - Enterprise

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Kommentare (1)

  1. Gast sagt:

    Schlimmer all's Marienhof kann's nich sein :-))))

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