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Amazon, Google, Facebook… – oder: Großer Test! Wer ist eigentlich am fiesesten?

Ganze Foren, Blogs und Häuserwände werden tagtäglich mit dieser Frage gefüllt: Welcher Internetkonzern ist denn nun der böseste? Wieso kann ich meine Amazon-Cloud mit den geheimen Nacktbildern von Helmut Kohl nicht mit meiner Google- und Facebook-Cloud synchronisieren? Wieso machen Großkonzerne ihre Konkurrenten kaputt, obwohl sie doch in der selben Zeit an einer Rose im Park schnüffeln könnten? Wieso sind alle nur so kapitalistisch und weshalb erforscht Google z.B. für Milliarden altersbedingte Krankheiten? Hass auf Junge? – Wir klären, wer am fiesesten ist!

Wenn ein Konzern fies ist, dann ja wohl Amazon:

– Der Konzern sperrt sich gegen einen Tarifvertrag, wie er laut Verdi üblich ist. So liegt der Lohn (je nach in Frage kommendem Vertrag) bis zu einem Euro unter den Verdi-Empfehlungen. Das ist ärgerlich, ist es sonst im Einzelhandel doch üblich (Aldi, Lidl, Netto, Tanke an der Ecke…), erst mal nach Tarif zu bezahlen und die Mitarbeiter dann inoffiziell von 16 bis 22 Uhr zum Gemüsefachauskehren da zu behalten. Ein bisschen Anpassungsbereitschaft an deutsche Beschissregeln wäre da schon toll.

– Die Zahlen sind eindeutig: Amazon gängelt Verlage, indem sie Autoren hohe, zwischen 35% und 70% Tantieme anbieten, wenn sie ihre Werke über Amazon direkt veröffentlichen. Für Autoren eine Katastrophe, ist doch die Aura des „brotlosen Künstlers“ substanziell beim Abschleppen von Schal tragenden Ökoweibchen.

– Nun macht der Konzern in Polen und Tschechien neue Lager auf. Gut für die dortigen Mitarbeiter, die ja eigentlich auch schon die jetzigen sind! Dort bekommt man für 9,55 Euro/Stunde deutlich mehr trockenes Brot (mit Wasser) zu kaufen und die langen Fahrten nach z.B. Leipzig fallen endlich weg (Gut für die Umwelt). Leider fallen wohl auch deutsche Arbeitsplätze weg, die aber sicherlich gerne von den Verlagen neu geschaffen werden, die sich derzeit über Amazon beschweren. In Leipzig z.B. der renommierte Verlag Lehmstedt. Wer kennt ihn scho… nicht?

– Und ja, Amazon macht die deutsche Buchpreisbindung vermutlich demnächst mit seinen eBook-Preismodellen (und inoffiziellen Rabatten) kaputt! Wo wären wir ohne Buchpreisbindung? Thalia-Mitarbeiter hätten deutlich weniger Arbeit, scheint es doch ihre Hauptaufgabe zu sein, alte Ladenhüter mit scharfen Gegenstände dezent zu zerkratzen, um diese dann für 2,99 Euro als „Preisreduziertes Mängelexemplar“ verkaufen zu können. (Bei drei Exemplaren nur 7,50 Euro, supi!)
– Amazon hält außerdem Bücher von Verlagen zurück, die mit Amazon im Clinch liegen. Das ist natürlich schlimm für alle Beteiligten, kaufe ich doch das neue Buch meines Lieblingsautoren nicht, wenn es das bei Amazon NICHT gibt. Lieber verzichte ich auf das heiß erwartete Werk von Didi Klutenhöfer („Mit Science Fiction-Satire im Internet Erfolg haben, Band 17“), als auf den schönen braunen Karton an der Haustür – nebst genervten Blick des Lieferanten, der erst vorgestern einen abgegeben hat – zu verzichten.

amazonparodie

Hieronymos Bosch wusste es schon bei der Erstellung seiner preisgekrönten Höllenbilder (Bildbände buchpreisgebunden im Handel erhältich): Amazon ist der Teufel, oder zumindest steckt es mit der kotzenden Rundmaul-Blinse (oben) unter einer bösartigen Decke!

– Als derzeitiger Bestseller-Autor bin ich ebenfalls bestürzt, dass Heyne… äh… Amazon mich in seine Klauen bekommen hat. Dieses widerlich vorlaute Veröffentlichungssystem, das einen ständig anschreit, unter der hochgeladenen Datei auf „Jetzt veröffentlichen“ zu klicken, überfordert und drangsaliert zugleich! Wer soll denn soooo viel schreiben, um der Einfachheit des Systems gerecht zu werden?

Da lobe ich mir den etablierten Buchhandel, der mit Knebelverträgen, Marktmanipulation und Abgehobenheit noch nie etwas zu schaffen hatte, jawohl! Da kommt immerhin schon nach 10 Monaten eine freundliche Ablehnung des Manuskripts und man hat trotzdem eine spannende Wartezeit erlebt. Schließlich kennt man die sinnvollen Regeln der Verlage nicht („Entschuldigen sie, aber wir veröffentlichen traditionell nur 2 Neuautoren mit den Nachnamen ‚K‘ bis ‚S‘ pro Jahr!“).
Da bleibe ich lieber bei deren professioneller Herablassung, da weiß man wenigstens, was man hatet… äh: HAT.

Fazit: Ein Onlineladen, der die Frechheit besitzt, günstig zu sein, schnell und gelegentlich innovativ? Ein Laden, der dafür sorgt, dass Innenstädte veröden (Der grundehrliche Geschäftsmann Berggruen wäre fast ausschließlich an Amazon verarmt!) und der Buchhändler bei ihren billigen Marketingoperationen („Einfach 2 Paletten mit dem neuen Krimi hinstellen, dann wird das der neue Bestseller!“) behindert? Böser geht es kaum!

Bösigkeit:

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Facebook ist völlig böse, das steht außer Frage!

Denn jeden Tag werden bis zu eine Million Menschen unter Waffengewalt der ISIS-Kämpfer dazu gezwungen, dort ein Konto zu eröffnen! Ist dieser Zugang dann erst mal mit gefälschten Nacktbildern und Alkoholvideos eingerichtet, kann nichts und niemand die Sammelwut des Unternehmens noch stoppen. Sogleich sorgen mobile Waterboarding-Einheiten dafür, dass jeder User täglich mindestens 3 Ferienerlebnisse oder 5 Bilder von aktuell verzehrtem Essen hochlädt. Ein wahrhaftiger Teufelskreisch!

Nur die unübersichtliche Oberfläche aus Links, Empfehlungen, Chat-Funktionen, Bildchengedöns und Reklame sorgt dann dafür, dass ab und an ein kleines Menschenvögelchen wieder aus diesem (bösen) Nest fällt. Verwirrt und desorientiert irrt dieses dann eine Weile in Onlineforen herum, wo es – zu RECHT – die Datenschutzpraktiken des non-inhaltigen Poesiealbums für Werbeschaffende anprangert. – Um dann dort zu verkünden, dass man Rolladen mit Ketchup hatte! lol, :-), rofl, Like!

Facebook wird immer wieder als Datenkrake bezeichnet, übrigens seltener als Kraken-Date oder Kraterdame. Facebook weiß nämlich genau, mit wem wir Kontakt haben, über was wir reden und wann dies über Facebook überflüssig ist (= 100%, reine Wahrscheinlichkeitsrechnung). Warum dieser Dienst trotz aller Bösigkeit für viele unverzichtbar zu sein scheint, wird wissenschaftlich weiterhin erforscht, sobald genug Forscher sich gegenseitig mal nett „angestubst“ haben. Eine Erklärung: Möglicherweise haben die wöchentlichen Spam-Nachrichten per Mail (“Komm zurück zu Facebook!“, „Sie haben 29 neue Veranstaltungshinweise vom Science Fiction Club Deutschland!“ oder „Lange nicht gesehen und trotzdem wiedererkannt, haharr!“) eine hypnotische Wirkung, die gesetzlich verboten gehört?

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Irgendwas finde ich an diesem ganzen „Face-Book“-Hype unheimlich. Ich kann nur nicht genau sagen, was!

Marc Zuckerberg ist ebenfalls böse, wie etliche Zeitzeugen, die gerne MEHR Geld vom ihm bekommen hätten, im Austausch gegen einige Hände mit Geld gerne bestätigen werden. David Finchers Film „Social Network“ ist auch hier sehr erhellend und deckt auf, was wir alle längst ahnten, mangels Interesse aber wieder vergessen hatten.

Facebook hat außerdem zahlreiche andere „Social Platforms“ kaputt gemacht, was 60 Jahre an deutschen Subventionen in Marktplätze, Parkbänke und andere Begnungsstätten unnötig gemacht hat. „Social Networks“ im Ruhrgebiet und in Sachsen stehen heute leer, verkommene Gebäude mit starr glotzenden Totenkopf-Smileys an den Fenstern. Eine postindustrielle Todeszone! Die StudiVZ-Gründer können teilweise nur noch drei Mal im Jahr in den Urlaub fahren, während Facebook seine User mit neu versteckten Menüoptionen in den Datenschutzreitern lockt. Ein süchtig machendes Suchspiel mit Wimmelbildcharakter!

Auch WIR können ohne Facebook nicht mehr länger existieren und „generieren“ (= völlig überflüssiges Wort für Leute, die ihre Webseite aus Spaß am Thema betreiben) bis zu 1% aller Zukunftia-Neubesuche über unsere Facebook-Einträge nach dem Erfolgsschema *Hier die ersten Sätze des neuesten Artikels nebst Verlinkung einbauen*. Ein unhaltbarer Zustand, der stets mit den neuesten Fettverbrennungs-Werbebannern wieder vergessen gemacht wird. Titel: „Deutsche Ärzte HASSEN diesen unseriösen Pillenverkäufer!“

Fazit: Facebook hat die Internetwelt völlig versaut. Waren Seiten wie die unsere früher führend in sinnfreiem Gelaber und seltsamen Bildmanipulationen, so kann heute jeder mit einen knackigen Spruch/Bild zu tagesaktuellen Themen (*Alice Schwarzer-Kopf auf Ulli Hoeneß-Rumpf verpflanz*) seine 3 Sekunden Ruhm abholen. Kein Wunder, dass wir hier nur noch von Chips und Liebe leben!

So-eine-Gemeinheit-Faktor:

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Google ist eine gemeine Sau, keine Frage.

Hier nur einige belegende Beispiele von vielen:

– Gratisdienste, die uns die Seele rauben („Surfdaten“ und „Seele“ sind nach neuerer Dudendefinition das selbe)

– Suchergebnisse, welche die eigenen Dienste bevorzugen (Nurrein zufällig oft besser als der Rest)

– Google Streetview, dank dem man mich jetzt rund um die Uhr auf dem Klo sitzen sehen kann (Die „Öffentliche Erregung ®“ darüber ist allerdings am 01.09.2012 abgelaufen und wurde seitdem nicht verlängert oder upgedatet)

– Es werden Mailinhalte gescannt und direkt an die neugierige Nachbarin weitergeleitet („Wie, der Klapo hat jetzt auch ein Facebook-Konto?! Gleich mal zum Kaffee vorbeikommen!“)

– Google weigert sich, Suchergebnisse wie „Wulffs Ehefrau war Prostituierte… nicht!“ auf dem kleinen Dienstweg zu löschen. Selbst eher unterdurchschnittliche Zukunftia-Artikel wurden vom Scan-Algorithmus noch nicht erfasst und entfernt, obwohl ich aus Qualitätssicherungsgründen darum gebeten habe.

– Google ist groß und somit verdächtig, irgendwie voluminös zu sein. Andere Anbieter haben keine Chance, gegen Microsoft… äh… Verzeihung, war gedanklich noch im 1998er Modus… – gegen Google anzukommen.

parodiegoogle

Google hält sich erst dann an geltende Gesetze, wenn Richter Google liebevoll mit dem Hämmerchen an ihre Existenz erinnern. Ein dreistes Verhalten, das man auch niemals bei Pharmaunternehmen, Ölfirmen oder Haustürgeschäftlern vorfinden würde!

Ja, wir sehen: Google ist ein Arschloch. Sogar Yahoo haben sie uns kaputtgemacht, die Penner! Und dabei hatte ich im Jahre 2000 sogar Aktien von denen, bevor ich im Jahr 2001 immer noch welche besaß, es sich aber nicht mehr wirklich nach Besitz anfühlte. Und die Suchmaschine Bing von Microsoft? Haben sie uns auch klein gehalten, diese monopolistischen Spinner (Google jetzt, nicht Microsoft)! ICH jedenfalls bin es leid, einen amerikanischen(!) Konzern(!!) zu unterstützen, wenn ich die coolsten Webseiten auch über die T-Online-Startseite finden kann! „Regionale Produkte“ ist das Zauberwort, Äpfel aus Bielefeld-Süd, Internetangebote aus Ostwestfalen-Lippe!

Besonders schlimm ist natürlich die Datensammelwut: Standorte (Stichwort: Android auf dem Handy), Sucheingaben, Mailinhalte und automatisierte Abfragen lassen schlimmste Erinnerungen an Adolf Hitler… äh… nein: Die STASI… nein: das ganz normale Geheimdienstgeschäft seit 50 Jahren… aufkommen! Was geht es Google an, was für Rohrbomben ich am 02.09.2014 unter der Fußgängerbrücke des Lutter-Baches hochgehen lassen möchte?! Und wieso müssen die Server speichern, WO ich mit meinem Handy überall in Deutschland unterwegs war? Das wissen doch schon die Mobilfunkanbieter und somit ist’s völlig doppelt gemoppelt!

Fazit: Google wird zu Recht als Datenkrake bezeichnet, nicht nur, weil dieses Meeresbewohnerbild auf Karnevalswagen so schön eindringlich ist. Diesem dreiarmigen Oktopu-Klops muss Einhalt geboten werden! – Oder zumindest eine dreistellige Übernahmesumme von der Zukunftia Inc.©! Ich zumindest will mir von einem Tintenfisch nicht länger vorschreiben lassen, wo der Füllfederhalter die Locken hat. Daher erhält Google auf unserer „Böse“-Skala auch fast die gesamte Punktzahl. Eine kleinen Bonus gibt es lediglich, weil es bei der Bildersuche selbst bei harmlosen Begriffen („Nacktschnecke“, „Haut Couture“, „Blaskonzert“) sehr attraktive junge Damen zu bestaunen gibt.

Bösismus-Wert:

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Artikel

von Klapowski am 29.09.14 in Das Test-Labor

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Kommentare (7)

  1. Onkel Hotte sagt:

    Die Verlogenheit ist am besten bei Google zu beobachten. StreetView würde das Ende des Abendlandes bedeuten echauffierten sich die gemeinen Leute ( in Deutschland alle über 50, also 90% der Bevölkerung).
    Als dann später Microsoft ganze Städte fotografierte hat sich schon keiner mehr drüber aufgeregt. Dann gabs noch ein anderes Privatprojekt dazu und Berlin machte das dieses Jahr sogar mit Staatsknete. Wo war der Aufschrei hier ?

  2. BergH sagt:

    tach auch !

    Ich finde alle 3 Böse.
    Aber bei Nacktschnecke kommt bei mir nur solch ein Ekelgetier.
    Das hat Google aber schnell hingekriegt.

    Gruss BergH

    • Klapowski sagt:

      „Aber bei Nacktschnecke kommt bei mir nur solch ein Ekelgetier.“

      Verstehe ich nicht.

      Surrealer Kommentar passend zum Kafka-Jubiläum?
      Bild von Nacktschnecke gegoogelt, vorher noch nie eine gesehen und daher furchtbar erschrocken?
      Ist „Nacktschnecke“ der Kosename für Deine Frau?

      Wie auch immer: Ein schöner BergH-Kommentar der alten Schule!

      Da rufe ich Dir freudig entgegen:

      „Da habe ich den Messerschmid gegraben? Man kann ja nicht alles haben.
      Jetzt ist der große G. auch noch weg.“

    • Onkel Hotte sagt:

      Er will kundtun das bei der Google Bildersuche nach Eingabe des Wortes „Nacktschnecke“ eben ganz viele dieser zoologischen Ekeltiere angezeigt werden.
      Das Google bei dir, Klapo, reizende Damen zeigt, zeigt uns wofür du die Bildersuche sonst noch so verwendest. Pfui deibel du Ferkel, das ist aber gar nicht löblich.

  3. Laerte sagt:

    Der fieseste Megakonzern ist ohne Zweifel Mojang, allerdings kennen nur wenige Erleuchtete das dunkle Geheimnis hinter Minecraft.

  4. Der Stille Leser sagt:

    Einach und genial (satirische) auf den Punkt gebracht. Dieser Beitrag war, abgesehen von den vielen genial anderen, spitzte. Standing ofacions.

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