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„Cowboys & Aliens“ – Review, knallhart durchgekaut

„Cowboys & Aliens“ ist einer jener Filme, die für mich den ungesehenen SF-Kracher der letzten Jahre verkörpern: Irgendwie hat man das vage Gefühl, ihn für Zukunftia reviewen zu müssen, hat aber auf der anderen Seite noch so viele wichtigere Dinge zu tun, die alle irgendwas mit Nasebohren zu tun haben. Nun habe ich den Schinken aber doch mal gesehen und muss mit allem Nachdruck sagen: „Äh, könnte ich ‚Zurück in die Zukunft III‘ stattdessen bitte noch mal sehen?“

INFORMATIONEN:

Regie: Jon Favreau
Jahr: 2011
Budget: 163 Mio $

Poster
Spiel mir das Lied vom Todeslaser
Inhalt: Aliens beuten Menschen im Wilden Westen aus. Cowboys gehen mit Indianern zu Aliens und sprengen alles. Ende.

Die Polizei von Alpha Schnickschnack III warnt: „Die Zahl der Zentimeter, die Einbrecher groß sind, hat sich in diesem Jahr erneut vergrößert. Die Diebe sind nun im Durchschnitt 30 Meter breit!“

Anders ist es nicht zu erklären, dass das High-Tech (in diesem Fall wirklich mehr „Hick-Tech“, wie meine Oma es auszusprechen pflegte) der Aliens IMMER 10-15 Meter daneben schießt, wenn Eindringlinge plakativ geradeaus laufend vom Schiff wegrennen. Nichts gegen das gute alte Star-Wars-Zielwasser (= 2 Wodka und 28 Korn), aber irgendwann wird’s dann doch etwas albern, wenn der Nachbarstaat schon mehr Angst vor einem Treffer haben muss als die durch die Altersfreigabe explosionsgeschützten Cowboys.


Der Sonderschüler Kevin Kevinowitsch meint: „Eeeey, die KI der Gegner ist ja voll dooov! Da könn‘ die jah bei Call of Beauty bessa den Weg finden!“

Wobei der Vergleich natürlich hinkt, denn erstens heißt es heute politisch korrekt „Inklusionsschüler“ statt Sonderschüler und zweitens würde dieser wohl eher anmerken, dass in einem Film nicht mal Videospiel-Logik erreicht werden muss, weil der ja ein „Somablockbaster“ sei und man sich als Kritiker doch gefälligst mal berieseln lassen soll, damit aus einem endlich mal ein Klumpen berieselter Kino-Fleischsack wird.

Aber wenn Gegner sich zu zwanzigst(!!) an einer Weggabelung abknallen lassen, weil der Hauptcharakter einfach mit der Wumme in den Hausflur hält, muss man sich mal ernsthaft fragen, ob die Besiedlung des Weltraums durch den Menschen nicht schon seit den Neandertalern eine erreichbare Sache gewesen sein könnte.

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„Flossen hoch und stehen bleiben, oder ich schieße weiter, Jungs!!“ – „Ich kann nicht aaaanhalten!! Meine Cousins vom Planeten Lemming VII drücken von hiiinteeen!“ – Moorhuhn meets Michael Bay: Natürlich KANN und DARF man mit derart übersprudelnder Uterus-Unterhaltung auch mal seinen Spaß haben. Allerdings köööönnte man stattdessen auch einfach ein paar Mentos mit Cola genießen…


CGI-Berufsbetrachter Daniel Klapowski: „Oh, sieht das geil aus! Wie das animierte Vieh ganz nach vorne an die Kamera kommt, rumspringt, Geräusche macht und irgendwie total niedlich aussieht!“

Kenner haben es sofort erkannt: Ich spreche von dem Margarine-Mädchen aus der Rama-Werbung, der man in der Werbung fast unter den Rock schauen kann. Doch zurück zu den Effekten im Film: Dieses digitale Abziehbilder-Daumenkino, das man auch mit Duplo-Fußballbildchen gruseliger hinbekommen hätte, spottet hingegen jeder Beschreibung. Natürlich sehen die Standardaliens mit der grauen Standardfarbe und dem sabbernden Standardmaul irgendwie… hm… na ja… „Standard“ aus, aber das ist ja inzwischen durchaus der (Achtung!) Standard.

Zusammengefügt wurde das alles jedoch nicht sehr mitreißend. Da hätte mich Christbaumschmuck, der zur baumelnden Gummitentakel umfunktioniert worden wäre, wohl mehr angemacht, als diese „Star Wars – Episode Einstellig“-verdächtigen Kämpfe gegen die ohnmächtige Allmacht des Powerpixels. Motto: Pferd und Reiter fallen, weil der Regisseur das gesagt hat und später ein Effektekünstler was draufgeklatscht hat. Immer und immer wieder die gleiche Szene. In die Handlung zieht einen das nie, da diese kaum vorhanden ist, aber immerhin auch nicht raus.

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Oben: Die Aliens, wie die Filmemacher sie sehen. Unten: Die Aliens, wie der kritische Zuschauer sie sieht. Der leere Raum dazwischen: Meine Erwartungen an zukünftige Actionknaller dieser Machart…


Aus einer Stellenanzeige für Hollywoodstars: „Suchen Darsteller für SF-Actionfilm. Lichtdouble-Vorkenntnisse erforderlich, Charakterzeichnung und Emotionen werden nur für die Promointerviews zum Film benötigt. Wer Interesse hat und in der Vergangenheit mehr als 5 Millionen pro Film nehmen konnte, der melde sich bitte unter hackfressentheater@hollywoodmovie.shit

Harrison Ford spielt einen gesichtslosen Hutständer, dessen Sohn(?) mal seine zweiteilige Emotionssammlung übernehmen soll, sofern er beim Notar seinen Vaterkomplex bescheinigt bekommen hat. Irgendwie so was in der Art. Daniel Craig hingegen hat blaue Augen, kann belegen, sie schon immer besessen zu haben und könnte eidesstattlich erklären, sie weiterhin zu behalten. Die zuständige Model-Trulla vom U-30-Dienst wird hingegen hinter jedem Wüstenstein schon mal für den roten Teppich im Alienraumschiff geföhnt, gepudert und ge-sextsymbolt. Motto: Wer in einen epischen Kampf gegen Außerirdische verwickelt ist, für den hat Schwitzen längst jede Bedeutung verloren.

Dann fehlt da eigentlich nur noch das Kind, bzw. ist hier zu viel: Dank der Spielberg’schen Regieschule darf der kleine Kacker an der finalen Gähnstelle in eine Erdhöhle schlüpfen, das Alien im Nacken, das knapp nicht durch den Spalt passt. Eine Szene, so voll mit… mit… (mangels geweckter Emotionen sage ich einfach mal:) – mit Alien im Spalt, dass es ein wahres Entgnügen ist.

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„Platz da, hier kommt der Vatter mit dem Mazda!“ – Doofe Sprüche dürfen in einem Film wie diesem natürlich nicht fehlen. Witzig oder einfallsreich sind diese aber nie. Komisch, dabei würde sich das Westernsetting doch prima für eine der berühmten Spencer/Hill-Synchronisationen anbieten?! Zum Beispiel: „Werft die Friedensgabel ins Gemüse, seid so freundlich!“


Die Space-Polizei sucht einen Atmosphäre-Killer: „Der Gesuchte ist ca. völlig egal, ungefähr einen Schnurz groß und besitzt eine Vielzahl von Eigenheiten, die wir schon wieder vergessen haben. Wer den Gesuchten findet, darf ihn gerne behalten, rülps.“

Ja, hier qualifiziert sich das Wort „Egal“ für die komplette Zusammenfassung dieses Films. Wer kann schon Außerirdische ernst nehmen, die zwar Bumm-Bumm-Waffen an der Außenhülle angebracht haben, aber dann ohne Handknarren – oder wenigstens einem Schweizer Flaschenöffner – aus dem Schiff strömen, wenn sie angegriffen werden. Sogar Höhlenmenschen hatten Keulen und Speere, doch diese Gesellen haben aus einem falsch verstandenen „Klauen reichen doch“-Ehrenkodex so ziemlich alles vergessen, was man nützliches dabei haben kann. Von „Hose“, „Unterscheidbarkeit“ oder „Rangabzeichen“ ganz zu schweigen. Die Hasen in einem Karnickelstall sehen da sogar unterschiedlicher aus, und die haben in einem Karnickelstall sogar nicht mal was zu suchen!

Und natürlich dürfen auch solche „An Kopp pack“-Szenen nicht fehlen, wie diese hier:

„Sieh nicht in das (offensichtlich hypnotisierende) Licht an der Decke, wo schon 100 Zombiefizierte stehen!“
„Na klar, ich bin doch nicht blö… – Oh, guck mal, dieeee haben aber schöne Lamp… Lamp… Lamp…“

Bevor das Schiff dann endlich gesprengt wird, klettert die Dekaden-Berühmtheit Mausi Schminkstedt dann natürlich aufopferungsvoll in den glänzenden, wunderschön schimmernden Maschinenraum(?) der Aliens. Passt zwar optisch nicht zum Rest des Films, man wollte wohl zum Schluss auch nicht zeigen, wie die Dame in einer nassen Ecke zwei Wäschetrockner zwischen zwei Schatten kurzschließt.

Das Ende ist für das, was dieser Film sein will, nämlich hirnlose Blockbuster-Down-Holding… äh… Unter-Haltung, erstaunlich unspektakulär. Schiff Bumm, alle jubeln, Sohnemann übernimmt die Schokoladenfabrik am Nordpol (oder so) und alle sind glücklich und im Abspann aufgeführt.

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„Wieso oberflächliche Unterhaltung? So logisch wie dieser Streifen hat noch KEIN ANDERER meiner Filme erklärt, warum man in Strapse und Pumps vor Außerirdischen weglaufen sollte!“ – Heute auf der Dessertkarte: Mandelauge mit Photoshop-Rot/Weiß. Hübsch sieht sie ja aus, aber das tue ICH ja auch und darf trotzdem nur alle zwei Jahre vor Kollege Sparkillers Bluescreen, pöööh.


Fazit: Selbst mit offener Erwartung UND Hose ein ziemlich belangloser Krach-Pfffff-Streifen (für „Bumm“ reichte es knapp nicht). Emotionen habe ich dabei sogar nicht mal erwartet, aber dafür Spannung oder bahnbrechende Effekte, die man hier jedoch mit der Schnuppe… äh… Lupe suchen muss. Daniel Craig (s)pult sein Männlichkeitsprogramm routiniert ab, bis alle Space-Fiesos an der eigenen Dämlichkeit zugrunde gehen. Danke, nächster.

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM
SPARKS MICKRIGER MEINUNGSKASTEN
Für eine Handvoll Pixel
Haha, Cowboys gegen Aliens! Nach diesem bekloppten zweiten Transformers-Film von Orci und Kurtzman wird das bestimmt mal ein schönes Stück Science-Fiction zum Abschalten…

*dreht die hülle um*

Oh.

Aber ich übertreibe. Ein bisschen jedenfalls. Denn überraschenderweise ist zumindestens das Cowboy-Element sehr schön ausgefallen. Die Klischees halten sich in Grenzen und die Landschaftsaufnahmen motivieren dazu, sich sein Bier ganz breitbeinig aus der Küche zu holen. Hier wird die Geschichte auch mal ganz unaufgeregt präsentiert, weswegen Orkus und Kotzmann wohl auch nur für den Alien-Teil zuständig waren.

Welcher dann auch verdächtig danach aussieht. Die Aliens sind schon rein designtechnisch der selbe wirre Eintopf aus wahllos zusammengetackerten Reißzähnen und Gliedmaßen, über welchen wir uns schon vor einer Weile hier ausgelassen haben. Haben denn nur wir Menschen im Universum die Hosen an?

Fazit: Schöner Western trifft dumpe Alien-Action. Da muß man sich als Vergleich nur im Kopp „Spiel mir das Lied vom Tod“ vorstellen, wo plötzlich ein beschissen designter Transformer um den Saloon gestampft kommt. Dann doch lieber eine Klapperschlange als Schnied— im Stiefel!

Wertung: 5 von 10 Punkten


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Artikel

von Klapowski am 22.07.14 in Film-Review

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Kommentare (5)

  1. Ferox21 sagt:

    Ach ja, die Kuhjungen gegen die Außerirdischen vom Deppenplanet X. War wirklich ein langweiliger Film. Wie schon angesprochen sind die Aliens auch hier wieder die letzten Flachpfeifen, so dass man sich zum gefühlt tausendsten mal fragt, wie diese Doofköppe jemals die interstellare Raumfahrt entwickeln konnten, wenn sie nicht mal so was banales wie Kleidung hinbekommen – geradeauslaufen verlange ich da schon gar nicht mehr. Ach ja, auch nett, dass Craigs Charakter die schnieke Plasmawumme am Arm hat, aber kaum einer der Aliens auf die Idee kommt, sich im Kampf gegen Cowboys und Indianer gleichfalls zu bewaffnen.

    Das in dem Streifen auch der Harrison mit seinem Ford mitgespielt hat, war mir sogar gar nicht mehr bewusst – und das spricht nicht für den Film. Na ja, sollte man wegen der wenigstens erfrischenden, aber im Prinzip bescheuerten Grundidee mal gesehen haben, ist aber ansonsten zum Abhaken.

  2. Bergh sagt:

    abgehakt.

    Gruß BergH

  3. G.G.Hoffmann sagt:

    Ich erinnere mich nicht, diesen Film gesehen zu haben. Meine Pinnwand mit alten Kinokarten behauptet das aber. Spricht nicht gerade für den Film.

  4. Onkel Hotte sagt:

    Als ich von diesem Film das erste Mal hörte dachte ich mir nur: Wie scheisse kann der denn nur werden ? Cowboys und Aliens in einem Film ? Änderungen oder neue Crossovers stets ablehnend hatte der Streifen keine Chance bei mir.
    Als ich dann mal todegelangweilt bei meinen Schwiegereltern vor dem Fernseher das Osterfest verbrachte, zappte ich in den Film da es tatsächlich nix besseres gab und fand den eigentlich ganz dufte. Aber es war schon spät und so kam ich bis zu der Stelle, wo die Mannen den umgedrehten Mississippidampfer entdecken und dort die Nacht verbringen. Den Rest wollte ich mir später angucken.
    Die Tage kam er also wieder ins TV und habe ihn mir komplett angesehen. Oh welche Schmach, just nach der Dampferszene flacht der Film tatsächlich voll ab. Und das liegt zu einen guten Teil an den langweiligen Aliens. Indys Expresswandlung vom fiesen Rinderbaron zum heulenden „Ich wünscht ich hätte einen Sohn wie dich gehabt und nicht so eine schwache Schwuchtel, oh du mein wilder indianischer Freund“ setzte dem da noch die Krone auf.
    Bei Olivias selbstlosem Terroranschlag hatte ich sofort „Independence Day“ und „Oblivion“ vor dem geistigen Auge.
    Also das die nackt rumlaufen stört mich jetzt weniger. Warum was anziehen wenns nicht zu kalt ist ? Die Scham wurde uns von irgendwelchen Dumpfmuffen eingetrichtert, die Christianisierung hats bisher noch nicht in den Weltall geschafft. Ausserdem gibts doch nur Kloppe und Abziehen wenn Alien 1 coolere Markenklamotten anhat als Alien 2, von daher sind die uns schon weit voraus.
    Das die Kollegen nicht mit dem ganzen Equipment aufwarten habe ich schon bei „Pacific Rim“ bemängelt, ist vielleicht eine neue Drehbuchautorenmode.

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