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„Super Mario Bros.“ – Das Review zur Definition von „Mut“

Springfidel und garantiert ohne Fragezeichen(block): Super Mario ist mit Abstand der coolste Pixelclown bis zum Erscheinen des ersten Mario-Barth-Spiels. Eben ein Jump & Run, um alle anderen zu knechten. Doch „Aufspringen & Rennen“, das war auch Anfang der 90er das Begehr des Publikums, welches den Mario-Kinofilm sehen durfte, Platzanweiser mit Peitsche sei Dank. Der Ruf dieses Fantasy-Machwerks ist heute ungefähr so mies wie der von Bowser unter Schildkrötenphobikern (nach Spinnen das NÄCHSTE große Angst-Ding). Doch ist der Streifen wirklich so mies wie fliegende Koopas im Flugzeugtriebwerk? – Wir verwandeln uns per Item in Review-Mario und klären‘s ab…

INFORMATIONEN:

Regie: Annabel Jankel
Jahr: 1993
Budget: 48 Mio $

Poster
Nintendo hatte da mal was springen lassen
Inhalt: Dinosaurier-Fangirl Daisy möchte in Brooklyn Knochen ausbuddeln, gelangt dabei aber in eine Paralleldimension, in der ein Meteorit vor 65 Millionen Jahre die Dinosaurier NICHT gekillt hat, sondern sie quasi zu Menschen werden ließ. – Wie? Nein, das ist nicht schon die Kritik, dass ist noch die objektive Zusammenfassung. Jedenfalls fehlt jetzt nur noch ein winziger Meteoritensplitter, um die Dimensionen wieder zu vereinen, was König Koopa (Dennis Hopper) für sich spontan beschlossen hat, um… um… Na, er hasst vermutlich seriöse Wissenschaften oder so. Nur Mario und Luigi können ihn jetzt noch aufhalten, indem sie… überall… irgendwas… machen. (*Schweißtuch auswring*)

Besprechung:

Waffen? Dystopie?! Das Pilz-Thema taucht in Form eines schmierigen Riesenpopels auf, der überall herumbaumelt?!

Wie unschwer zu erwarten war, darf man hier natürlich NICHT davon ausgehen, dass dieser Film hier mehr mit den Spielen gemeinsam hat, als ein feuchtfröhlicher Marketingfutzis feucht träumen kann. Aber Oscarreifes (oder zumindest Werktreues) konnte man ja auch nicht erwarten: Hügel mit lachenden Gesichtern sind in der realen (Film-)Welt eben schwer umzusetzen. – Es sei denn, man macht ein moralisches Drama daraus, ob es ethisch ist, durch dieses Lebewesen(?) z.B. einen Tunnel zu bohren.

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„Süüüß, dieser Yoshi! Gut, dass die hier keinen Film über Kirby gedreht haben, sonst würden die Bewohner hier alle von rosa Knödeln im Kochbeutel abstammen!“ – Zunge zeigen: Die vom logischen Standpunkt her prähistorische Evolution/Devolution/Abspaltungs-Story ist der größte Schwachpunkt des Films. Aber wer DAS alles ernst nimmt, hat sich vermutlich schon bei „Bill & Ted“ umgebracht.

Das Zerdeppern von schwebenden Steinen mit dem Kopf fiel ebenfalls raus, weil eben jenes Zerdepperungsinstrument schon allein vom Zuschauer gar nicht benötigt wird. Storyinhaltlich jetzt. – Okay, Dinos konnte man irgendwie reinkloppen, schwebende Notentrampoline aber nicht. Einen comicartigen Alleinherrscher durfte es hingegen geben, eine versteckte Warpzone, die zum Ende des Spiels… äh… Films führt, hingegen nicht. Leider. Wir könnten ewig weitermachen und würden doch nur stets feststellen können: Magische Storysteine: Jau, gelbe Unbesiegbarkeitssterne: Nope. Bunte Welten: Nööö, graue Kulissen: Olèè!

Aber fangen wir mit dem Guten an! Die Musik ist nämlich von niemand anderen als dem begnadeten Ohrwurm-Einsetzer Alan Silvestri, der uns u.a. „Zurück in die Zukunft“ unsterblich fiedelte! Und tatsächlich gibt sein Score der dystopischen Kinderzimmer-Geschichte einen gewissen Hollywood-Flair. Und wenn man sich erst mal daran gewöhnt hat, dass Luigi nur den Intellekt (und später die Farbe) einer Gewürzgurke verströmt, fühlt man sich die ersten Minuten sogar wunderbar unterhalten. Die übertrieben desaströsen Reviews im Internet und das eigene (Achtung!) Pils-Königreich im heimischen Bierglas sei Dank.

Auch die Tatsache, dass Michel Friedman den schmierigen Mafiosi spielt, gefällt!

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„Hören sie sofort auf, Dinosaurierknochen auszugraben, ohne sie danach auf eine Pizza zu legen! Wir sind Italiener, Lady. Und so ein Verhalten macht uns böse!“ – Der jüdische Talkmaster brilliert hier bei einem Kurzauftritt als Storyeinheizer. Aber gut, irgendwie musste das Ding ja auf Minus 10 Grad hochgewärmt werden.

Die halbgaren Klempnergags zünden selbstverständlich schon zu Beginn nicht, die plumpen Romantikanleihen schlagen nicht mal Funken („Du hast Daisy in den ersten 30 Sekunden nicht genug angemacht, Luigi!“ – *verwarn*) und die Charaktere sind klischeehaft an der Grenze zu „Kevin allein zu Haus“. Zusammengefasst also eine ganz normale Komödie der 80er/frühen 90er Jahre! Unterhaltung auf dem Niveau von Comedy-Newcomern, die nie an-comen. Wäsche bügeln geht dabei noch, zusammenfalten dann schon nicht mehr…

Schön Panne ist schon die Sequenz, in der die seltenen „Klempner-Skills“ (im Ernst: Wer levelt in Rollenspielen DIESE Fähigkeiten?) die Story voranbringen, weil Bösewichte eine Höhle mit Saurierknochen fluten wollen. Dimensionsprünge werden danach mit pseudowitzigen Sprüchen wie „Ich hatte mich aufgelöst, bin ich noch da?“ quittiert. Was alles nicht so schlimm wäre, wenn Koopa denn wenigstens etwas echsenhafter wäre, als es Menschen über 40 sowieso schon sind. Aber gut, dafür sind die Echsen da sooo menschlich, dass ausgerechnet eine dickbusige Frau über SÄUGEtiere schimpfen darf.

Doch wer über solche Dinge zu sehr nachdenkt, kann auch mit zwei Lokuspömpeln sein Hirn nicht davor bewahren, seitlich aus den Ohren zu laufen.

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„Hey, du da! Ihr seid jetzt meine gefügigen Lakeien! Du musst auch nur eine Regel beachten: Trage nie einen Hut in MEINER Kopfgröße, wenn du in der Nähe eines Abgrunds unterwegs bist, kapito?“ – Minikopf, randvoll mit tollen Ideen: Laut Wikipedia waren auch die beiden Regisseure im Goomba-Kostüm unterwegs, was so maaanches erklären dürfte. Sauerstoffmangel, fehlende Sehschlitze, Identifikation mit der Rolle oder physisch wirklich reingepresste Köpfe böten sich hier als Erklärmodell an.

Und man sollte sogar teilweise VÖLLIG über Ungereimtheiten hinwegsehen, da Gangster-Omas, dicke Frauen mit Raketenstiefeln und Entpilzungsspray in Bob Hoskins Unterhose dafür sorgen, dass man nach 10 Sekunden wieder vergessen hat, was einem eben noch komisch… – Oh, Kameras mit dem Aussehen von Maschinengewehren?! Seltsam. Eine Maschine zur De-Evolutionierung? Na ja, wenn gerade keine neuen „Doctor Who“-Folgen laufen, warum nicht?!

Und spätestens, wenn Mario Mario und Luigi Mario (ja, die heißen mit Nachnamen „Mario“. Problem, ey?) mit Polizeiauto/Pistenschaufler-Kreuzungen durch die Gegend düsen, nachdem Luigi festgestellt hat, dass er zu viele Videospiele spielt, muss man neidlos anerkennen: Das hier ist genau der selbe Schwachmaten-Scheiß, den auch andere Kult(ur)charaktere spendiert bekommen. So werden Wagners Opern ja auch ganz real mit Clownsfiguren aufgeführt, bei ultramodernen Goethe-Theaterstücken bewerfen sich die Darsteller mit Kacke und ganze Kunstausstellungen werden mit Menstruationsblut auf Leinwand bestritten. – Also hat es auch Nintendo schon früh geschafft: Die Figuren der Firma sind eine… INTERPRETATION eines – Achtung! – mutigen Künstlers geworden. Mehr Ehre kann auch ein inniger Fan nicht verlangen, und das sogar schon so früh, in den 90ern!

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„Nun pass doch auf, wohin Du einen fahren lässt!“ – „Das nennt sich nur ‚Fahrtwind‘, Mario. Muhaha!“ – Zurück in die Klo-Zunft: Die Klempner düsen lachend, scherzend und krachend durch allerlei Situationen, die der Drehbuchautor beim Blättern in einem Film-Almanach zufällig angekreuzt hat. Immerhin sind die Actionszenen handwerklich gar nicht mal sooo übel, wie es die Einbindung des Spieleelements „Feuer“ suggeriert.

Es wäre leicht, sich über den tolldreisten Gaga-Stil lustig zu machen, aber irgendwie fällt es mir hier schwerer als damals bei CGI-Granaten à la „Battleship“ oder „Flucht der Karibik“ (welcher Teil auch immer gerade der schlechteste ist). Eigentlich IST das hier ja schon eine experimentelle Dystopie-Parodie mit lockeren Brainstorming-Anteilen aus einem Jump&Run. Und das ist immerhin eigenständiger als eine Actionfilm mit massig Actionanteilen und etwas Action zum Abschmecken.

Klar, dieser Film ist eine Beleidigung für echte Mario-Fans oder solche, die ihren abendlichen Film-Unterhaltungsgrad nicht mit dem Promillegehalt ihres Bluts in Korrelation bringen wollen. Aber dafür besitzt er auch nicht die Frechheit, mal ordentlich langweilig zu sein! Das Geschehen ist zwar nur auf dem Niveau eines Tutorial-Mario-Levels für sehschwache Blindgänger, dafür wechselt der Schwachsinn aber alle paar Minuten so rabiat, dass man nur mit WOHLIGEN Gedanken einpennt. Was wohl auch daran liegt, dass der kleine Yoshi so knuddelig-süß ist!

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„Liebe Kinder, wir haben in der heutigen Folge folgendes gelernt: Tut ES stets nur mit Gummis an den Händen. Euer Super Mario!“ – Drei (Niveau-)Levels übersprungen: Wer die Spiele gespielt hat, wird sich mit Sicherheit daran erinnern: Marios Tanz mit den farbigen Stachelfischen! Hier muss er aber noch zusätzlich den Meteoritenstein mopsen. Und das sogar mit 12 Trilliarden Polygonen am Nippelgewand der Tänzerin!

Klar: All meine relativierenden Erkenntnisse machen diesen daumenkinospannenden Dadaismus frühgeborener Videospiel/Kinofilm-Vorkämpfer nicht wirklich GUT, aber mein pures AUFREGEN ist irgendwie viel weniger sabberbehaftet, wenn dieser Schmonzes keine 200 Millionen Budget hinter sich hat. „Star Trek 12“ hat auch keine bessere Story, ja, nicht mal den eindrucksvolleren Bösewicht als unser Dennis Hopper hier, der den Koopa in der bewährten Tradition zwischen Disney-Fiesling und tragischem Friseuropfer spielt.


Fazit: Bei aller Kritik muss man zugestehen: Die Videospiel-Verfilmungen von Uwe Boll sind liebloser (der will doch nur Münzen aufsammeln, ey!), die anderen, neueren fast schon zu mainstreamig und der parodistische Rest schon in 491.203 YouTube-Videos (teils prima) verarbeitet worden.

Hier sehen wir hingegen einen wilden Stilmix, der trotz aller Gelegenheiten, laut „Banane!“ zu rufen, selten extrem langweilt. Eben doof, aber sympathisch. Halt wie der bekloppte Typ, der einem mit dem Helm aus Alufolie immer in der U-Bahn das Ohr abkaut.

Da machen einem neuere Effektorgien à la „Transformers“ den Hass deutlich leichter. Wobei es HEUTE sogar CGI-technisch möglich wäre, die Elemente aus den Mariospielen passend zu erstellen: Lavabecken in Schloss Neuschwanstein, automatisch scrollende Levels (auch „Arbeitsalltag“ genannt) oder Himmelskörper à la „Mario Galaxy“ mit lächelndem Gay-Gesicht wären inzwischen problemlos möglich.

Schade, dass wir DAS aber wohl nie sehen werden…

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM
SPARKS MICKRIGER MEINUNGSKASTEN
Bruderhiebe für das Hirn
Überraschung, diese Spieleverfilmung ist kacke! Sowas von unerwartet aber auch, ganz besonders wenn es sich um einen Streifen aus den 90ern handelt. Eine Ära, welche grundsätzlich einen feinen Jahr(zehnt)gang für sowas darstelle.

Aber in bester Spark-Logik GEFÄLLT mir der Film deswegen sogar wieder. Ein bisschen jedenfalls und dann auch nur aus den selben Gründen, warum man bei Autounfällen nicht die eigenen Glotzer abwenden kann. Denn wie muß das Damals nur abgelaufen sein, als man sich die Rechte für ein eher simples, aber erfolgreiches, Hüpfspiel sicherte?

Sicherlich, man hätte die einfallslos-klassische Route eines Jugendlichen gehen können, welcher in die Spielwelt hineingesogen wird und an der Seite der bekannten Klischee-Italiener die Prinzessin retten muß. Auch eine Parodie hätte wohl Potential gehabt. Aber das wäre schließlich zu einfach gewesen…

Hier wurde den Autoren (welche mittlerweile anscheinend alle im Erdboben versunken sind) anscheinend nur ein kleines Zettelchen mit kurzen Stichpunkten in die Hand gedrückt und den Rest überließ man der Fantasie. Und/Oder gehörigen Mengen Halluzinogenen. Durch das reptile Aussehen von Yoshi, Koopa & Co. scheint man jedenfalls auf den Dino-Pfad gekommen zu sein, was in der tollen Vorgeschichte gipfelt, in welcher der bekannte Saurier-Komet damals einfach eine Dimension erschuf, in welcher eine parallele Evolution stattfand.

Was in Sachen Budget auch den praktischen Nebeneffekt hatte, daß die entwickelten Dinos genau wie wir Menschen aussehen. (Mal ernsthaft, wäre nichtmal ein kleiner Schuppen-Aufkleber an ein paar Hautstellen möglich gewesen?) Und trotzdem gibt es immer wieder Widersprüche: So ist der animatronische Yoshi wirklich sehr dufte gemacht und qualitativ auf einer Ebene mit den Echsen aus Jurassic Park. Auch die schmalköpfigen Goombas wirken wirklich nicht billig und überhaupt hat die Kulisse eines parallelen New Yorks etwas sehr aufwändiges. Und Bob Hoskins kriegte man ja wohl auch nicht gerade nachgeschmissen.

Den nachtragenden Zeigefinger möchte ich da eher auf das führende kreative Team richten, vor allem in den Bereichen Regie und Story. Würde mich ja doch interessieren, warum man dort anscheinend totale Nullnummern eingesetzt hat, welche vorher (wie verdienterweise auch nachher) nicht viel produziert haben. Da kann man bestimmt ein eigenes Buch nur über diesen Film schreiben, welches bestimmt auch schon existiert. (Eure Google-Hausaufgabe für Heute.)

Fazit: Wirre Ideen trafen hier auf wirre Köpfe. Doch genau dies sorgt für viel Spaß beim Gucken und sich dem Selberstellen von Fragen wie „Wer zum Henker hat dies durchgewinkt?“ oder „Schunkelnde Schrumpfkopf-Dinos im Fahrstuhl? Eeeehrlich?!“. Also, wenn die in Hollywood SOWAS toll finden, dann muß ich mich dort wohl doch mal endlich hochschlafen…

*schachtel valium und eine leiter hol*

Wertung: 5 von 10 Punkten


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Artikel

von Klapowski am 08.04.14 in Film-Review

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Kommentare (1)

  1. icebär sagt:

    Super Mario Bros. – Da Muhwie….

    Das ist der kleine behinderte Bruder des gleichnamigen Spiels.

    Dennis Hopper himself hat diesen Streifen sogar als „Alptraum“ bezeichnet:
    http://www.avclub.com/article/random-roles-dennis-hopper-2549

    >>“It was a nightmare, very honestly, that movie. It was a husband-and-wife directing team who were both control freaks and wouldn’t talk before they made decisions. Anyway, I was supposed to go down there for five weeks, and I was there for 17. It was so over budget.“<<

    Dagegen ist die Verfilmung des Computerspiels "Doom" (wie wärs mit einem Review? ;)) dem Vorbild sogar ganze 4 Minuten lang ziemlich treu geblieben:

    https://www.youtube.com/watch?v=ueKhVcqQBtg

    Unterm Strich ist der Film zwar immer noch grottig, aber immerhin ist das schon erheblich mehr, als dieser Super Mario Bros.-Schwachsinn leistet…

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