Das ernsthafte Medienmagazin

Der animalische Weltraum

Wenn Gegenstände spurlos verschwinden, man sich matt und ausgelaugt fühlt und kleine Energiewesen das eigene Haus in Beschlag nehmen, muss es sich nicht unbedingt um Ehe handeln… Möglich ist auch, dass nur eine Weltraumanomalie über Sachsen-Anhalt zieht…

Von Daniel Klapowski und Sparkiller

Welcher Captain fürchtet sich nicht davor, eines Tages von seinem Steuermann zu hören… „Sir, Ionenumkehrspalt achtern voraus… sieht fast so aus wie der von Gestern, ist aber weit weniger photonisierend und temporal unbedenklich. *brrrrusch* Ach, nöööö… wir haben schon wieder einen Sprung in ein alternatives Universum gemacht *kerbe in die konsole einritz*…“

Das Universum ist groß. So voller Wunder, Mysterien und Universum!

Doch es hat auch eine langweilige Seite, wie über hundert Voyager-Folgen es bewiesen haben. Ich spreche von… Weltraum-Anomalien!

Überall liegen sie auf der Lauer. Wirbelnd, strudelnd oder einfach still: Weltraumanomalien, die nur auf ein argloses Raumschiff warten, das es mit Zeitsprüngen, Phasenverschiebungen und Raumpüree (tm by ST-E) verwirren und ermüden kann. Merke: Wenn der Faden beim Nähen nicht gleich das Nadelöhr trifft, ist das kein Zeichen für Senilität.

Denn dann knarzt bereits die Raumzeit und der Vermieter wundert sich… Wer dann keine bösen Überraschungen mit der nächsten (oder vorletzten, je nach chronotonischen Unterton) Mietabrechnung pro Quadratmeter erleben möchte, tut dann gut daran, sein Schiff in eine andere Anomalie zu hiefen. – Was leichter ist, als auch mal ökologisch unbedenklichen Weltraum in die erfrischend unspektakulären Vakuumarme zu stolpern…

Wobei wir Männer natürlich die Verwerfungen ab 18 bevorzugen, in der unsere ständigen, unermüdlichen Gedanken prompt Wirklichkeit werden (TNG – 1.06 „Der Reisende“)…

Tja. Anomalien sind das Salz in der Suppe des Subraums. Wäre das Universum ein Kuhdorf, so entsprächen sie wohl den jährlichen Schützenfesten: Eigentlich will man nur kurz gucken…

Und plötzlich wacht man 12 Stunden später in einer Mülltonne auf der Sonne auf. Und wie beim Schützenfest trifft man zahlreiche Bekannte wieder, die man entweder schon tot glaubte, oder denen man diesen Zustand zumindest von Herzen gewünscht hätte…

Plötzlich schaukeln verschollene Schiffe durch staubige Zeitlöcher, da ausgerechnet beim Eintreffen unserer Seriencrews die Spinnweben ihre strukturelle Integrität verlieren. Von der Titanic bis hin zum eigene Uropa ist so ziemlich alles dabei, was Rang und Narben hat.

„Sorry, Captain! Aber diesen Wagen habe ICH gefunden!“ – „Freuen sie sich nicht zu früh! Laut den Sensoren befinden sich die Fahrzeugpapiere nur 3 Wurmlöcher weiter!“ (aus „Die 37er“ – Voy 01.19)

Dabei hat eine Anomalie eigentlich auch viele Vorteile. Denn mit ihr kann man’s ja machen. – Was?

Na, alles! Wäre ich ein unkreativer Autor, ich würde mich wohl nur noch von Lichterketten inspirieren lassen, die ich zusammen mit flüssigem Stickstoff in meine Waschmaschine bugsiere. Dann fehlt nur noch eine ungewöhnliche Idee, die man am besten aus Vorschulzeiten rekrutiert…

Was haben wir als kleine Kinder nicht alles gespielt: Sehungeheuer (Mit Opas 5-Dioptrin-Brille), Todesstrahlen, die aus eigentlich bewährter Fisher-Price-Technologie entweichen, Gedankenkontrolle und dann später Kontrollgedanken („Ist der Herd auch wirklich aus? Voyager auch??“)…

Da wurde schon so manches Abenteuer von Klapowski-Legocity (60 Folgen auf Hörspielkassette) ungefragt neu verfilmt, ohne auf Urheberrecht und Datenschutz Wert zu legen! Kein Tag vergeht, an dem ich nicht mindestens 2 Mal täglich bei der lokalen Paramount-Vertretung Ostwestfalen-Lippe vorbeischneie, um meinen verdienten Söldnerlohn für „Illusion oder Wirklichkeit“ einzutreiben (TNG, 2.02)…

Gerade in den ersten beiden Voyager-Staffeln zeigte der Weltraum oft derartig anormale Phänomene, dass selbst mein hauseigener Poltergeist vergaß, am Schrank meiner Akte-X-DVD’s zu rütteln… Und ich gebe zu: Lange Zeit verwechselte auch ich „Anomalie“ noch mit „Anekdote“. Mit Wachsmalkreiden malte ich mir bunte Blitze und Smogwolken in meine Programmzeitschrift, wann immer es wieder hieß: „Heute gelangt das Schiff in eine Region, in der Gedanken frei werden und/oder jedes Lebewesen seinen niedersten Instinkten verfällt!“

– Doch statt eine Dokumentation über Demokratie oder die Love-Parade zu sehen, hampeln erwachsene Menschen in Schlafanzügen durch 10 Lichtjahre geballtes Nordlicht und machen sich zum Affen (TNG – „Genesis“).

„Behave, Baby!“ – Scan unnötig: Dieser Zeitstrudel führt schnurstracks in die 70er…

Pseudophysikalisch wird einem haarklein erklärt, warum eine Raumverzerrung die Teeküche mit der Sammelumkleide verquicken kann, jedoch niemand mit dem Kopf in der Wand stecken bleibt… Mich würden ja keine 10 Pferde auf eine Warpgondel bekommen, an der Bibi Blocksberg ein 7-Jahres-Abo besitzt… Wer will schon dauernd verhext, geschrumpft und verblödet werden, dessen Name nicht Neelix ist und der sowieso nichts mehr zu befürchten hat? ICH nicht!

Angeblich setzen sich ja schon stinknormale Jumbopiloten in ihrem Leben einer nicht unerheblichen Strahlenbelastung aus! Wer will mir da denn ernsthaft erzählen, dass Chronotonen nicht blind und Raumverzerrungen keinesfalls unfruchtbar machen? – Obwohl letzteres durchaus eine Überlegung wert wäre…

*Mit albern vorgestreckter Hüfte in einen Krautsalatnebel einflieg*

Das einzige, was mich interessiert, sind sowie Zeitreisen und Paralleluniversen. Wer will schon an der Decke spazieren gehen, wenn man sich statt dessen als Bundeskanzler selber die Hand (oder die Tentakel, je nach Parallelitätsgrad) schütteln könnte?
Alles andere ist meist nicht viel mehr als Beschäftigungstherapie für nervöse Fähnriche, die gleich in Panik geraten, wenn ihnen ein Krokodil aus dem Kopf wächst (Voy – „Die Schwelle“). Statt geistesgegenwärtig den Schluss der Folge vorzuziehen um mit einem Druck auf den Lichtschalter den Angriff der finsteren Schattenmaterie ein Ende zu setzen…

„Aaaarg, ich seh’ nichts mehr! Nehmt es weeeg!“ – manche Sektoren sind fast ein Fall für die (Achtung) Bunteswehr…

Was ich nie verstanden habe:

Seit Jahren setzt man uns diesen Krempel vor (Motto: Feucht durch Leuchtreklame), doch die WIRKLICH existierenden Phänomene sollen selber sehen, wo sie mal richtig abzappeln dürfen… So habe ich beispielsweise noch nie ein schwarzes Loch bei ST… äh… nicht gesehen! Dabei sitzt ein ganz Fettes im Zentrum unserer Galaxie und frisst uns die Sterne weg und WAS zeigte uns ST vor etliche Jahren im Inneren der Milchstraße? – `Nen fliegenden Kopf wie’n Einfamilienhaus, noch dazu mit langen Sozialarbeiterloden!

“Buhuuu! Ich pack’ dich gleich!“ – Wenn der Weltraum mysteriös und düster wirken soll, schreckt ST vor nichts zurück! Hier der gealterte Bud Spencer in seiner Paraderolle als 20-Meter-Migräne… (ST 5)

Noch nervtötender empfinde ich es da, wenn höchste Quantenmechanik zu stinkigem Abiturientenwissen gehört. Wie kompliziert die Mechanik der Quanten sind, weiß wohl jeder, der schon mal mit einem Elektron den Wagen aufbocken wollte. Nur extrem wenige Menschen verstehen diese Formelwerke und wenn sie clever sind, nicht mal die. Da kann der eigene Chef dann nämlich nur verlegen nicken, wenn die Entdeckung der 46. Stringdimension zwischen Pausenbrot und Kaffeepause eingeschoben wird…

Bei ST hingegen bekommt jeder 20-Jährige zum Geburtstag seinen hirneigenen Genius sowie die Lizenz, mit Speeren und Wasserstoffbomben seine erste eigene Anomalie zu erlegen. Auf das es an Bord eines Raumschiffs (und nun kommen wir zurück zum Beginn) recht bald wieder heißen möge: „Oh, ein aufgerissenes Protouniversum! Ich hol’ flux Nadel und Phasen…“

Von Kim oft erwähnt: Ein „Spatialer Abfluss“. Ein Rest „Spatiales“ ist sogar noch zu sehen. Das Wort ist Talaxianisch und bedeutet schlicht „Bohnensuppe wieder draußen“


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Artikel

von Klapowski am 27.10.02 in All-Gemeines

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Kommentare (2)

  1. Gast sagt:

    Oh mein Gott! Ich glaub ich hab ne Weltraumanomalie in meinem Arsch, durch die Antimaterie entweicht. HILFE!!

  2. frakesjoe sagt:

    Das sind AMERIKANER! Da ist sogar die Quantenphysik konservativ.

    Manchmal braucht man nichtmal eine Weltraumanomalie, um zu anomalisieren. Man denke nur an Geordie und den Roh Fähnrich, als die durch Wände gehen konnten (aber nicht durch die Decke fielen!)….. das war nisch mäa normaal. Und wer war schuld? Die Remuladier!

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