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DVDs im Schredder: Klapos Mainstream-Nachtest (Teil 2)

„Kannst Du die DVD jetzt bitte wieder zurückspulen und die Hülle zurücklegen?“ (O-Ton mein Vadder) – Und noch einmal tauchen wir ab in den großen Mainstream-Nachtest. Diesmal habe ich vier Filmperlen der letzten Jahre zutage gefördert, von denen ich einige allerdings kurzerhand wieder in ihre Austern gesteckt und vernagelt habe. Doch wo viel Schatten ist, muss irgendwo auch ein Licht sein: In diesem Fall ist es ein Film, der sich von den restlichen dreien qualitativ so sehr abhebt wie ein Edelpups im pissigen Kinderschwimmbecken.

Lord of War

Unterhaltsame Filme, die zugleich tiefgründig daherkommen, sind schwerer zu drehen als ein fallendes Marmeladenbrot mit der beschmierten Seite nach oben. Noch komplizierter ist es, zusätzlich noch Humor einzubauen, ohne die Handlung zum völligen Unrealismus zu verdammen. Doch wie löst man das Problem? Bananenschalen auslegen, bis jemand ausrutscht, wäre in einem afrikanischen Staat sicherlich eine denkbare Möglichkeit, jedoch würde sich diese mit dem Grundthema des Filmes beißen, der immerhin von einem Waffenhändler erzählt. Die Antwort ist: So’n Film an sich braucht starke Charaktere, schmissige Dialoge und mindestens EINEN guten Autor. Sicherlich eine etwas unkonventionelle Ansicht in diesen Tagen, aber wir sind ja hier für unseren schrägen Geschmack bekannt.

All dies wird bei LoW jtatsächlich wunderbar gelöst und zu einem seligmachenden Gesamtkunstwerk verschmolzen! Der Humor ist von dieser sarkastischen Art, die nie die Tragik der Gesamtgeschichte außer acht lässt. So kommt Dimitri beispielsweise in sein Hotelzimmer, in dem sein Kunde, ein afrikanischer Diktator, bereits 2 attraktive Frauen zur freien Verfügbarkeit ausgelegt hat. Während sich die exotischen Schönheiten räkelnderweise auf ihn zu bewegen, gesellt sich die Stimme des Ich-Erzählers zu dem Bild: „Zwei heiße Frauen direkt vor meiner Nase… Und im Umkreis von Hundert Kilometern kein einziges Kondom.“ – Dies nimmt Bezug auf eine vorherige Anmerkung, dass jeder 4. Bewohner AIDS hat. Wahrlich nichts zum Schrottlachen, aber dafür so schmerzhaft wahr, dass man die Mundwinkel zumindest in die temporäre Obhut des Galgenhumors übergibt.

“Du gelogen, weißer Mann! Du haben versprochen, dass Deine Waffen machen Loch in Zivilisten, das ist so groß wie Kinderkopf! Wo ist Loch?“ – „Nee-heiiin, was hast Du getan?! Bei Unterernährten funktioniert das natürlich nicht! Die brechen selbstverständlich einfach in der Mitte durch…“ – Ganz anderes Kaliber: Und da regen sich Menschen in anderen Ländern über ihre TintenPATRONEN auf!

Die wenige Action wirkt stets maßvoll und nie zum Selbstzweck gedreht. Keine Sekunde ist ein Schusswechsel oder eine Explosion wichtiger als das Schicksal von Yuri, der für einen guten Deal zwar über Leichen geht, diesen Nebeneffekt aber auch durchaus mal mit einem traurigen Dackelblick bedenkt. Nicolas Cage ist einfach die richtige Besetzung für die Rolle: Cool wie ein Stahlmantelgeschoss, dabei aber noch durchschnittlich aussehend, um seinen Lieben ausreichend glaubwürdig eine Tüte Melittakaffee aufzumachen. Ganz zu schweigen davon, dass ich seine deutsche Stimme liebe. Und das hat schon viel zu sagen, brabbelt sein Sprecher doch seit mindestens 2 Jahren unentwegt in der Radiowerbung von „Praktiker“: „20% auf alles! Außer Tierfutter.“ – Nur die flötende Stimme von Tom Hanks („Skoda-Wochen im Määä-häärz!“) ist ähnlich resistent gegen eine Verblödungs-Überdosierung.

Generell stehe ich ja auf Filme, bei denen die Hauptfigur im Bild zu sehen ist, aus dem Off aber gleichzeitig den Part des Icherzählers übernimmt. Es geht doch nichts darüber, in Form eines tollwütigen Tagebucheintrages Hintergründe erläutert zu bekommen, während der Schauspieler eigentlich nur einen öden Feldweg entlangstiefelt: „Es war ein Gang… MEIN Gang. Nun sagen die Leute ja, dass jeder Gang schlank mache, doch ich habe daran nie geglaubt. Ich benutzte zu diesem Zweck lieber eine Packung ‚Schlund’s Spezial’, eine dänische Zigarettenmarke ohne Filter und extra viel Teer. Viele sagen auch, dass man sich durch solch eine dumme Angewohnheit nicht umbringen sollte. ICH sage jedoch, dass meine Angewohnheiten bereits mehr Leben gekostet haben, als dass ich diese durch den Verlust meiner eigenen Existenz jemals ausbügeln konnte. – Aus irgendeinem Grund bekam ich bei diesem Gedanken Durst auf einen Kakao und betrat eine Bar.“

Dieses Stilmittel hat mir bei der düsteren Klopper-Satire „Fight Club“ schon sehr gut gefallen, nur noch übertrumpft von dem Polizei-Thriller „Die nackte Kanone“: „Ich ging ziellos durch die Straßen und dachte noch mal über den ganzen Mordfall nach… Bis ich zu der wichtigen Frage gelangte: Wo zum Henker bin ich hier eigentlich?“

Auch sonst hat Lord of War wirklich nicht sehr viel von einem Hollywood-Film: Yuri liebt seine Frau, betrügt sie ohne ihr Wissen auf seinen Reisen und…. UND… liebt sie dennoch weiterhin über alles. Die Fremdgeherei wird nie zum Thema, was ich persönlich sehr angenehm finde, nachdem ich mir den ganzen Körpersafttausch-Schmonzes privat auch schon dauernd anhören muss. Yuris Bruder, der nur zum Anfang und zu Ende des Filmes eine wichtige Rolle spielt, verbringt eigentlich die ganze Zeit in Entzugskliniken, nachdem ein Kunde seine Knarren mit Kokain bezahlt hat. Das war zwar als Zahlungsmittel nicht erwünscht, jedoch wird man bei der Währungswahl nicht wählerisch, wenn man bereits mit einem glatten Bauchdeckendurchschuss am Verhandlungstisch steht. Dann gäbe es da noch den Ermittler auf der Seite der Guten, der absolut aufopfernd ist, jung, gutaussehend und… trotzdem nicht häufiger als nötig zu sehen.

“So, ihr Einwohner von Knatter-Tucka-Land! Das wird euch eine Strafe sein! STRAßE geht ja auch nicht mehr, haha.“ – Dieser Weg wird kein leichter sein: Yuri überprüft, ob seine Waffen auch ordnungsgemäß benutzt wurden. Ein paar der Kindersoldaten waren nämlich noch sooo klein, das der Saug- und Nuckelreflex am Pistolenlauf für bedauernswerte Truppenreduzierungen gesorgt hatte.

Besonders positiv ist der Mangel an Positivem: Wo ein normaler Hollywood-Film die Hauptfigur dahingehend weiterentwickelt hätte, dass sie Zweifel und Skrupel an ihrem Handeln verspüren würde (so à la: „Als das verblutende Kind in meinen Armen lag, kamen mir erstmals Zweifel, ob ich wirklich Panzerfäuste an die Insassen einer psychatrischen Klinik hätte verkaufen sollen.“), bleibt Yuri mehr oder weniger der gleiche Geschäftsmann. Um eine moralische Botschaft zu transportieren, braucht ein modernes Publikum ja auch keinen Mattscheiben-Stellvertreter der Idealvorstellung von sich selbst. Ein sympathischer Waffenschieber mit ordentlichem Haarschnitt reicht durchaus.

„Lord of War“ ist einer jener seltenen Filme, in denen fast JEDE Szene etwas Besonderes bietet. Einen besonders cleveren Dialog, ein einprägsames Bild, einen angenehm bodenständiger Drogenrausch (bei dem auf Waber- und Monstereffekte verzichtet wurde), eine interessante Wendung, eine besonders erschreckende Hinrichtungsszene, Ecetera und Pe-Pe. – Der Audiokommentar enthüllt interessante Details, wie z.B. die Tatsache, dass man für den Dreh mit einem echten Waffenhändlerflugzeug geflogen ist oder man in Afrika kriminelle Straßengangster als Bodyguards anheuerte. Dass der Streifen sehr preisgünstig produziert wurde und weniger Werbung hatte als ein Achtel Karibikfluch, ändert nichts an seinen Geheimtippqualitäten. Und den käsigen Sparstrumpfmief riecht man den bewegten Bildern nun wirklich überhaupt nicht an!

Der Film transportiert außerdem die afrikanische Mentalität erschreckend eindeutig, die leider seit Jahrzehnten heißt: „Tötet die Tyrannen! Denn wir Rebellen bieten Euch den Staatsterror zukünftig in 3 neuen Geschmacksrichtungen!“ – Ich würde „Lord of War“ sogar spontan in meiner persönlichen Film-Top 20 unterbringen. Sogar Top 10, wenn man Alien, Indiana Jones und Star Wars nur als jeweils einen Film rechnet… Hier tut es mir sogar schon in der Seele weh, wenn ich sehe, wie günstig der Streifen inzwischen schon verramscht wird. Hier wäre eine sinnfreie Special Edition für 25 Euro (im Patronengewehr und einem täuschend echten Kokainhaufen aus Plastik) in den ersten 10 Jahren nach dem Kinostart ausnahmsweise mal angebracht gewesen…

Fazit: Satire und Tiefgründigkeit zum Vorzugspreis: Wer hier nicht am Amazon-Einkaufswagen abdrückt, ist selber schuld!


Wächter der Nacht

Der Publikumserfolg aus Russland wurde damals auch bei uns standardmäßig vor sich hinge-hypt. Und tatsächlich ist dieser Film irgendwie „anders“. – Leider jedoch trotzdem keine heitere Schwulenkomödie, sondern der ewige Kampf zwischen „Ich mach jetzt mal alles putt!“ und „Kann ich bitte noch einen Beutel Zement haben?“.

Dies jedoch mit Genre-unüblichen Abwandlungen: Die etwas verqueren Begriffe „Wächter der Nacht“ (das sind die Guten) und „Wächter des Lichts (= die Bösen), sorgen im Eifer des Zuhörens sogar schon mal für Verwechslungen der Seiten. Was wohl durchaus gewollt ist: Gut und Böse wohnen schon mal im Hochhaus nebeneinander und sind sich gar nicht mal so unsympathisch: „Na und? Er ist mein Nachbar!“ – Eine durchaus interessante Sichtweise, die auf einen amerikanisierten Zuschauer fast wie eine Parodie klingen muss, was sie aber überhaupt nicht ist. Man ist es eben gewöhnt, dass Gut und Böse optisch, inhaltlich und sprachlich normalerweise kilometerweit auseinanderliegen. Vermutlich, um genug Platz für die dazwischenliegenden Explosionen zu erhalten. Da ist ein wenig Grau-Grau-Malerei durchaus gegen die Sehgewohnheiten…

„Da! Ich sehe Dich, Unhold! Jetzt gibt es richtig einen auf die Murmel! (*sich auf Nase dresch *)“ – Philosophie für Anfänger: Darf man etwas „Verkehrte Welt“ nennen, wenn man es spiegelverkehrt betrachtet? Tatsächlich kann Anton die von ihm zu jagenden Vampire nur in einem Spiegel(!) sehen. Dies ist im Genre sonst eigentlich umgekehrt und hätte vom (un)wissenschaftlichen Berater des Films normalerweise moniert werden müssen… Wo bleibt denn da sonst die reale Physik?

Dieser fast sportliche Wettkampf zwischen Gut und Böse kann durch die mangelnde Differenzierung fast ein wenig trashig wirken. Spätestens, wenn der dickliche, krawattentragende Chef der örtlichen Stadtwerke seine Akten und Papierstapel vom Tisch fegt, um sich in einem Wunderheiler zu verwandeln, trennt sich das innovationsfreudige Publikum von den wohlig vor sich hinschmatzenden HdR-Wiederkäuern. Wobei ein Kämpfer für das Gute sicher auch mal ein Gasanbieter sein darf, selbst wenn diese Merkwürdigkeit vielleicht nur zum Tausch gegen eine staatliche Drehgenehmigung eingebaut wurde („Natürlich dürft ihr im Kreml filmen! – Wenn Putin eine Nebenrolle als Erzengel bekommt.“). Warum sollen Freiheitskämpfer privat auch stets Niemande und Restaurantfachverkäufer bei McDonalds sein? Warum soll Gott nicht gleichzeitig der Leiter der Postbank sein dürfen, hä?

Schräg ist auch: Die „Guten“ erteilen den „Bösen“ Lizenzen. Zum Beispiel erlaubt es die Bürokratie durchaus, dass ein Vampir eine amtliche Genehmigung zum Biss eines Menschen aus dem Büro tragen kann. Was die Frage nach Mitschuld und standardisierten Online-PDF-Anträgen aufwerfen dürfte. Vielleicht sickert hier auch die russische Erfahrung mit korrupten Staatsorganen durch: Selbst die Guten sind nur das kleinere Übel. Aber wenn ich die Wahl zwischen jemanden habe, der an meiner Nackenmuskulatur nagen möchte, und jemanden, der sich dental eher für Popkorn und Erdnussflips interessiert, wähle ich natürlich die moralischen Pflichtverteidiger. Erwähnte ich schon, dass beide Seite fast ausschließlich wie besoffene Penner, Nerds oder Asi-Prolethen aussehen? – Ich hoffe mal nicht, hier in irgendeiner Form die russische Lebensweise zu beleidigen, denn vielleicht ist das ja kein gewolltes Stilmittel.

Bis zur Hälfte des Filmes lässt man sich diese angenehm andere Sichtweise auch gerne gefallen, doch irgendwann bricht nicht das Böse, sondern – ganz profan – einfach nur das Blöde durch:

Die Handlung wird immer irrer und undurchsichtiger, was auch an dem stetig schlechter werdenden Schnitt liegt: Das Timing der eigentlichen Schlusspointen ist so misslungen wie bei einem Zirkusclown mit epileptischen Anfall. Die Auflösung rasselt und holpert sich durch die letzten Szenen derartig miserabel, als hätte man einen russischen Spähpanzer zum Zweirad umgebaut. Haupt- und Nebenplots werden miteinander verwoben, bis man nicht mehr den kleinsten Schimmer hat, auf was der Film jetzt eigentlich hinauswill, von infantiler Rumstolper-Action auf Hochhausdächern vielleicht mal abgesehen. Ein paar klare Schwenks und Zooms aus dem Hause Hollywood hätten vielleicht zur Klarheit beigetragen, doch man entschied sich lieber dafür, die Szenen aus einem Autoscooter-Fahrgeschäft heraus zu filmen.

“Hier ist meine Batterie, sie ist so voll wie nie! Made in China, das war noch nie da! Jetzt kommt mein Schein, drum lass es doch sein! – Hex-hex!“ – Photonen zum Füttern: Anton exorziert auch schon mal mit der Taschenlampe in der U-Bahn. Warum? Weil er den Bus leider verpasst hat. Doch leider hilft in dieser Situation kein weinen, beten und klagen: der Fahrkartenkontrolleur bleibt standhaft und kommt bereits gefährlich näher…

Die Sympathie mit den Figuren nimmt mit jeder Sekunde ab. – Spätestens, sobald man merkt, dass die unterkühlt wirkenden Darsteller gar nicht cool sind, sondern sich nur seit 80 Minuten bemühen, sich mit schief sitzenden Sonnenbrillen und tonlosem Geseier in die Herzen der Zuschauer zu zucken. Was einem Film normalerweise in 10 Minuten gelingen sollte, würde dieser nicht mal schaffen, wenn der Hauptdarsteller 3 Stunden als Ich-Erzähler in einem Fahrstuhl festsitzt. Solche schnieken Kleinigkeiten wie die Eule, die sich in eine Frau verwandelt, finden später keine Beachtung mehr. Die eigenschaftslose Trulle trottet dann einfach nur mimikbereinigt neben dem Hauptcharakter her, bis die Augapfelrolläden des Zuschauers vertikal zufallen.

Fazit: Fast wie ein echter Spielberg-Film… aber nur wie die NACH Schindlers Liste: Nach einem grandiosen Anfang gibt’s nur noch Quäl-Qualitat aus Russland.


Blade 3 – Trinity

Blade 3… Was kommen allein beim Klang dieses Namens Erinnerungen an die Vorgänger hoch! – Äh, mal nachschauen… Ne, kommen keine. Außer, dass der erste Teil grandioses Popkorn-Kino war und der zweite mir mit seinen anstrengenden Zombiegemetzeln ähnlich viel Spaß machte wie eine Achterbahnfahrt zum Selber-Anschieben.

Der dritte Teil sollte also alles zum großen Abschuss… Abschluss führen. Alle drei losen Storyenden ein bisschen miteinander vertüddeln, neue Bedrohungen bieten und neue Dingsbums. Action halt. Ein bisschen hatte ich das Gefühl, dass man mir hier mit dem Holzpfahl-Hammer beweisen wollte, dass man im Blade-Universum auch gute Geschichten erzählen kann, ohne gleich den 500-Meter-Kamerakran für die Actionsequenzen rauszuholen. Denn irgendwie quält sich die ganze Story dahin, als sei Blade ein schwedischer Krimi-Kommissar mit eingewachsenen Fußnägeln. An die Story könnte ich mich – nur einige Wochen nach dem Sehen – nur dann NOCH dunkler erinnern, wenn ich ebenfalls sinnfrei mit Sonnenbrille durch Keller geistern würde. – Also, wie war das doch gleich in Teil 3?

Ich entsinne mich, dass Blades cooler Technikbastler (so ein 70-jähriger Hausbesetzer mit „wenn’s fällt, dann fällt’s“-Frisur) völlig sinnfrei den Löffel an eine Explosion abgegeben hat, nachdem er für Teil 2 mal gerade auferweckt wurde. – Irgendwie traf Blade in „Trinity“ dann auf eine bis dato unbekannte Widerstandszelle, in der die üblichen Unterwäschemodels dann zum „Schiesser“ wurden. Ich meine mich auch zu erinnern, dass Blade hier NOCH weniger Gesichtsausdrücke als sonst vorlegte. Oder waren es sogar schon Gesichts-Ausdrucke, die aufklebbaren Pappmasken aus dem Tintenstrahler?

„Ich weiß auch nicht, was mit uns los ist! Auch ich wollte mir heute nur ein grasgrünes T-Shirt und eine löchrige Jeans anziehen. Aber irgendwie habe ich es nicht geschafft. Sind wir verflucht?“ – Aufgeschwa(r)tzt: Wie wäre es, wenn ihr einfach nicht mehr beim „Matrix-Versand“ bestellen würdet? Wir sehen hier typische Hauptfiguren in trashigen Fantasyfilmen: Stylisch, bauchfrei, Leder, schwarz. Irgendwo in Hollywood muss dafür wohl eine große Schablone stehen, in die die zu bearbeitenden Schauspieler einfach nur reingesetzt werden…

Der Oberböseknilch in Trinity war übrigens Dracula Himself, woran ich mich bis eben gar nicht mehr erinnern konnte. Kein Wunder, wurde der ehrwürdige Vampir-Don in diesem Machwerk doch in einen Zuhälter verwandelt, der mit der Zauberkraft seiner Fitness-Studio-Karte alles in seine Schranken verweist, was an Bahnübergängen üblicherweise hoch- und runterklappt. Ich glaube, ein Kind à la „Rosemaries Baby“ war auch irgendwo im Spiel, aber vielleicht verwechsele ich das auch mit meinem infantilen Gemütszustand beim Gucken. Ich meine mich nur noch zu erinnern, dass Blade und Dracula vor dem Finale nur einmal richtig aufeinander treffen. Ganz stilecht, auf einem düsteren Friedhof. Der auf einem Hochhausdach lag. Vielleicht auch im Hellen. Und Gräber waren auch nirgends welche, wenn ich über mein verdrängtes Wissen so nachdenke…

An gute Action kann ich mich auch nicht erinnern. Sogar ganz allgemein an nichts, wo die Bezeichnung „gut“ vorkommen würde. Dracula verwandelte sich beim Endkampf in irgendein Viech, aber ich komme grade nicht drauf, in welches. Irgendein Säugetier, mit mehr als zwei Gliedmaßen. Ein Delphin? – War nicht auch ein Virus im Spiel, der alle Vampire töten sollte und es am Ende auch tat? Oder alle Menschen? Hat Blade überhaupt überlebt? Wieso weiß ich das denn nicht mehr? Ist das überhaupt meine Wohnung, in der ich das hier an die Wand schreibe? Die ist so weich… fast wie Gummi. Alles sehr verwirrend.

Fazit: Muss man wohl nicht gesehen haben. Habe ich denn?


Van Helsing

Würde man einen Superheldenfilm mit einer Prise Buffy würzen, so käme wohl das hier heraus: Ein glitschiger Fantasy-Aal, zu dem man besser nicht in’s Wasser steigen sollte. Es besteht sonst die Gefahr, dass er sich rektal bis in’s Großhirn hochschleimt, um nicht nur jede Menge Eier zu legen, sondern sie auch zu verdienen.

Das Wort „seelenlos“ fällt recht häufig, wenn ein Kritiker ein Mainstream-Movie bewerten muss, das im Prinzip alles richtig macht: Der Held möchte beim Sex heimlich „Mister Raubein“ gerufen werden, die grellen Effekte verschmoren die lästigen Staubfussel auf der Mattscheibe und die Frauen sind alle maximal 30 Jahre alt, Single, kämpfen wie Terence Hill unter Nagellackdämpfen und küssen bevorzugt kurz vorm Abspann.

Komplettiert wird das vorhersehbare Erlebnis mit einem lustigen Sidekick (einen nervösen Mönch, der in einem neueren Film wohl die Rolle des allwissenden Computerhackers bekommen hätte), 2 Werwölfen und drei fliegenden Vampirfrauen. Auch Frankensteins Monster wurde für den irren Mix gewonnen, praktisch die personifizierte Verkörperung der filmisch praktizierten Zusammenschraubung scheintoter Elemente.

“Tach, Mann! Du Taff dran?” – „Jau, Und Du bist Frau?“ – „Genau. Dracula, der schlägt uns blau.“ – „Fertigmach?“ – „Was Du nicht sach’!“ – „Ich bin Waffen-Spezi!“ – „Ich dann Dein Sexy-Hexi!“ – „Wir dann einig!“ – „Schloss bereinig’!“ – Dialog oder Dia-Blog? Bitte führen sie diese Szene logisch fort. Was passiert als nächstes? A.) Beide erkennen, dass Sie im Prinzip nichts miteinander zu tun haben und sehen sich nie wieder. B.) Dracula entpuppt sich als gar nicht abgrundtief böse. C.) Die nächste Bedrohung bricht herein und zwingt die beiden zur sofortigen Zusammenarbeit.

Und hier geht mir auch schon die Rezi-Puste aus, denn den Rest zu beschreiben, würde darauf hinauslaufen, einem Blinden die Farbe Schwarz zu erklären: Van Helsing ist in Ablauf und Dialog in etwa so überraschend wie die Abendnachrichten vom Gaza-Streifen: „Schwer bewaffnete Vampirjäger stürmten in den späten Abendstunden das Gebäude des Vampas-Cheffes. Dieser rief seine Truppen aus loyalen Babyvampiren dazu auf, nicht vor den Gegnern zurückzuschrecken. Die Kämpfe dauerten bis in die frühen Morgenstunden an und breiteten sich teilweise in umliegende Dörfer aus. Bei den Unruhen starben 3 Verletzte, wobei 289 Tote lebensbejahend verwundet wurden.“

Van Helsing ist nicht mehr oder weniger wie ein schnell geschnittener Filmtrailer. Man ist nach dem Konsum fast geneigt, zu sagen: „Sieht ja ganz nett aus. Vielleicht sehe ich mir diesen Film tatsächlich an!“ – Einen Fehler würde man damit nicht machen, wenn man nur sinnfreie Action und unkaputtbare Helden mit Anti-Knochenbruch-Legierung erwartet. Die Effekte sind Okay und die Präsentation hat mindestens Lutschpastillencharakter, wenn es auch ganz knapp nicht für „bonbonfarbend“ reichte.

Fazit: Eigentlich Okay, aber soooo radikal auf Kiddie-Mainstream gebrüstet, dass man sich viel lieber mal an einer Ecke oder Kante stoßen würde, als hier 130 Minuten Zielgruppen-Ringelreihe um den kreisrunden Autorentisch zu betrachten.


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von Klapowski am 21.07.07 in All-Gemeines

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Kommentare (13)

  1. DJ Doena sagt:

    Zu Lord of War: Etwas dünn und unlogisch fand ich jedoch das Ende mit seiner Frau. Spoiler: Da wohnt sich zich Jahre mit dem Kerl zusammen und besteht darauf nichts wissen zu wollen und dann hat sich ein lächerliches Gespräch mit einem Cop, der was erzählt, wie traurig doch ihre eigene Vergangenheit ist und sie packt die Koffer?!?! Hät er doch mal Drogen oder Prostituierte verkauft, dann wär alles ok gewesen….

    PS: Klapo, hast du Syriana gesehen? Echt deprimierend der Film mit unserem geliebten Doc Bashir.

    PPS: Post war noch nicht da, warte immer noch auf Potter 7

  2. bergh sagt:

    tach auch !

    Tja Syriana.
    Dieser Film gehört unter das Kriegswaffenkontrollgesetz.
    Da muß die cineastische Form von Nervengas vorliegen.
    Nach 10-15 Minuten sitzt BergH hypnotisiert vord er Scheibe und wacht auf nachdem der Film gelaufen ist und weiß nicht nehr was ab Minute 15 gelaufen ist.

    Schon 3 Mal probiert, immer erselbe Effekt.

    Villeicht hilft eine Klapowski Rezension, den Bann zu brechen.

    Denn Klpaowski Filmrezensionen machen Spass und schlau.
    Diese hier auch.

    Gruss BergH

  3. Gast sagt:

    Keine Erwähnung der dreisten Schleichwerbung in Wächter der Nacht? Abgesehen davon, dass der Film sowieso mächtig räudig ist, ist mir von der Story fast nur noch das Wort "Nescafe" in Erinnerung. Mit zumindest einem bissigen Seitenhieb auf diese, schon fast überschwellige, Beeinflussung hatte ich fest gerechnet.

  4. Gast sagt:

    "Der Film transportiert außerdem die afrikanische Mentalität erschreckend eindeutig, die leider seit Jahrzehnten heißt: „Tötet die Tyrannen! Denn wir Rebellen bieten Euch den Staatsterror zukünftig in 3 neuen Geschmacksrichtungen!“ "

    Also, die Witze über Kindersoldaten gehen vollkommen in Ordnung. Humor hört bekanntlich nur dort auf, wo Menschen ihre eigenen Grenzen zu denen der gesamten Gesellschaft herauf moralisieren. Aber diesen Kommentar hier finde ich doch sehr bedenklich… zumal er keineswegs satirisch gemeint zu sein scheint. Sicher ist das beschriebene Pest-Cholera-Dilemma Diktator-Rebellen in vielen afrikanischen Städten vorzufinden, aber das gleich zu einer "afrikanischen Mentalität" zu stilisieren, ist arg pauschalisierend, polemisch und uninformiert. Der Film selbst, obwohl er mir ansonsten ebenfalls sehr gefällt, vermittelt leider schon übereifrig das verzerrte und extrem einseitige Bild vom Afrika der Menschenschlächter, Kindersoldaten und Nutten. Das sollte man auch als (ansonsten grandioser) Satiriker berücksichtigen und bei einem derart politisch aufgeladenen Statement entweder professionelle Recherchen anstellen oder angesichts der eigenen Unkenntnis entweder einen neutraleren, reflektierteren Ton wählen oder ganz schweigen.

    Viele Grüße und ansonsten bitte weitermachen :-)
    Robin

  5. Klapowski sagt:

    Ich habe mir schon gedacht, dass diese Bemerkung eventuell Widerspruch heraufbeschwören würde. Jedoch kann ich GERADE als Satiriker keine Rücksicht auf die wenigen afrikanischen Staaten nehmen, in denen man das Wort "Menschenrechtsverletzung" von "normalen Umgangsformen" unterscheiden kann.

    Wer Spaß und Muße hat, möge ja mal stichprobenmäßig 5 von allen 53 Staaten herauspicken und die wirklich vertrauenswürdigen Länder herausfiltern:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Afrika

    (bis zum Ende runterscrollen)

    Es gleicht schon fast einem Glückstreffer, wenn man hier ein Land erwischt, dessen letzten 10 Jahre nicht mit folgenden Wörtern charakterisiert wurden:

    "Militärputsch"
    "Völkermord"
    "Bürgerkrieg"
    "Wahlbetrug"

    Gut, Ghana z.B. macht einen guten Eindruck… Insgesamt würde ich den afrikanischen Staaten jedoch leider – so hart es klingt – eine ernüchternde Gesamtbilanz ausstellen: Verschwendung (des wenigen Verfügabren), ein eher lockeres Demokratieverständnis, Korruption und ab und zu mal ein Krieg sind leider alles andere als eine Ausnahme. Es ist fraglos traurig, dass ein Kontinent, welcher auf maßenhaft Rohstoffen sitzt, global gesehen doch eher das Schmuddelkind ist.

  6. Gast sagt:

    Da gebe ich Dir vollkommen recht, die Situation ist leider Gottes so. Die Gründe dafür sind allerdings extrem komplex… hier greifen das Erbe des Kolonialismus (v.a. die einseitige, außerordentlich verwundbare Wirtschaft), korrupte Regierungseliten, finanzielle Abhängigkeiten vom Westen (Stichwort Weltbank) und vieles mehr ineinander. Trotzdem ist Afrika nicht das komplett marode Höllenloch, als das es in den Medien sensationalistischerweise immer dargestellt wird. Eine etwas facettenreichere Darstellung hätte dieser Kontinent trotz seiner zahllosen Krisen unbedingt verdient.

    Ganz sicher aber ist die gegenwärtige Lage Afrikas keiner "afrikanischen Mentalität" zu verdanken. Diese Unterstellung war es, die mich gestört hat. Die Formulierung impliziert ja nicht weniger als einen jedem Afrikaner innewohnenden Hang zur Gewalt und Korruption, was durchaus nah dran ist an kolonialistischer Propaganda im Sinne von "die unzivilisierten Wilden".

    Nicht, dass ich Dir dergleichen unterstellen würde… versteh mich nicht falsch! Ich rede hier von Implikationen, nicht von Intentionen.

    In Afrika gibt es genauso viele Arschlöcher und gute Menschen wie hier. Das Problem liegt nicht bei den Individuen, sondern in der strukturellen, v.a. wirtschaftlichen Ungleichheit zwischen Nord und Süd.

    Sicherlich dürfen und müssen Satiriker den Finger gezielt auf die Wunden legen. Aber das bedeutet nicht, dass auf Pauschalisierungen und Simplifizierungen zurück gegriffen werden muss.

    Viele Grüße,
    Robin

  7. Gast sagt:

    Öhm, die Praktiker-Werbung wird doch von Manfred Lehmann gesprochen… Der spricht doch nicht den Cage, sondern Bruce Willis, Kurt Russel etc.

  8. Gast sagt:

    Da hat der Gast recht, doch das gehört sicher alles zum perfiden Masterplan von Klapowski. Ja, so muss es sein…?

  9. GG-Hoffmann sagt:

    Ich vermisse übrigens noch eine Besprechung der großartigen Sommerhits "Stirb langsam 4" und "Ein perfektes Verbrechen". O.K., letzterer war zwar kein Hit, fand ihn aber trotzdem gut.

  10. Gast sagt:

    Und ich in Bälde eines des absoluten Krachers "Transformers". Da haben eigentlich die Trailer schon ausgereicht, um einen ordentlichen Klapowskiverriss zu erwarten.

  11. GG-Hoffmann sagt:

    Nach meinem gestrigen Kinobesuch setze ich eigentlich alle meine Hoffnungen hinsichtlich eines gnadenlosen Verrisses auf "Rise of the SilverSurfer". Der Vorschau zufolge offenbar absoluter Trash aus dem Hause Marvel Comics. Vermute aber mal, dafür gibt selbst Klapo keine 7,50 Euro aus (obwohl ihm ja sonst kein Film zu schlecht ist, um den Cineplex-Betreiber seines Vertrauens ungerechtfertigt zu bereichern).

  12. bergh sagt:

    tach auch !

    Ja wo war denn der Herr G.G. Hoffmann drin ?
    "Unter der Lederhose gibt's koa Sünd'" ?

    Gruss BergH

  13. Donald D. sagt:

    @ Gast 9911

    Das "Öhm" ist überflüssig. Du hast Recht. Manfred Lehmann spricht die "Praktiker" Werbung. Klapo liegt falsch. Manchmal klingen die beiden Stimmen aber sehr ähnlich. Ich hätte schwören können, daß Lehmann Sam Fisher in Splinter Cell 1 & 2 spricht und ihn erst ab Teil Drei die Synchronstimme von Cage sprach. Mir wurde aber gesagt, daß Cages´ Synchronstimme von Anfang an Sam Fisher sprach.

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