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Captain Future – Held der 7 Welt(raum)meere

Wir schreiben den 27. September 1980. Während fliegende Autos und der Weltfrieden sowieso nur noch eine Frage der Zeit sind, hat die Zukunft im deutschen Fernsehen bereits begonnen. Denn selbst wer bei der damaligen Premiere von „Captain Future” erst in einem Alter für begeistertes Klappern mit der Rassel und zufriedenen Speichelfäden aus dem Mundwinkel war, der verfällt selbst heute noch in ein so extremes Stadium komatöser Nostalgie, wie man es sonst nur von Oppa und seinen Kriegs-Erlebnissen in Frankreich kennt. Doch um wirklich ganz Vorne anzufangen, bedarf es eines weiteren Schrittes zurück in die Vergangenheit… *beschleunigt auf achtundachtzig anschläge in der sekunde*

Zauberer der Wissenschaft

Und zwar in das Jahr 1940. Weil wir auch schon einmal dabei sind, außerdem noch einige tausend Kilometer nach Westen, wo Mr. Edmond Hamilton (36) soeben einen Entschluß gefasst hat. Nämlich den, eine Geschichte zu verfassen, welche in einem von Autoren der damaligen Zeit nur selten aufgegriffenem großen schwarzen Dingsbums namens Weltraum spielen sollte. Dies brachte natürlich Probleme mit sich. Denn dem Gespür dieser Epoche für grandiose Science-Fiction-Titel folgend, hatten Hamiltons Herausgeber anspruchsvoller Groschenhefte nämlich zuerst die Absicht, die Abenteuer des Captains unter dem klangvollen Titel „Mr. Future, Wizard of Science“ zu veröffentlichen. (Ein früher Einfall für einen wohlklingenden Sci-Fi-Titel, welcher Jahre später von Ed Wood mit seinem „Plan 9 From Outer Space“ noch zur Perfektion gebracht werden sollte.) Einem eigenen zeitlosen Gespür namens guten Geschmack folgend, konnte Edward seine Vorgesetzen von „Better Publications“ aber von dieser Idee doch noch abbringen. Gerüchten zufolge soll es zudem einen Lizenz-Konflikt mit „Mr. Propper, Hero of Cleanness“ gegeben haben.

Die Romanen erschienen daraufhin vierteljährlich von 1940 bis 1944 im Magazin „Startling Stories“, welches dann aber wegen Papierknappheit eingestellt werden mußte. Grund für diese war übrigens ein kleineres Scharmützel namens „Zweiter Weltkrieg“. Bis 1951 erschienen daher nur noch vereinzelte Abenteuer des Zukunfts-Kapitäns, welche fast alle von Hammilton selbst geschrieben wurden.


„Was für bunte Lichter, welche scheinbar gar nicht mehr aufhören wollen. Mich übermannt zudem eine plötzliche Müdigkeit. Wir werden doch nicht… ?“ – Doch, da gibt es keinen Zweifel. Man ist im ersten Star Trek-Film gelandet.


Ins Land der aufgehenden Schlüpfer

Der nächste Schritt führt uns in das Jahr 1978 und gleichzeitig auch nach Japan. Was bei einigen von euch vielleicht so langsam die Frage aufwirft, von was für einer seltsamen Sorte Schritt hier eigentlich geredet wird. Es wird aber wohl irgendetwas mit „Quanten“-Physik zu tun haben, ha-ha! Äh, wo waren wie? Ach, ja… die altehrwürdige Zeichen-Klitsche „Toei Animation“ hat jedenfalls mittlerweile den Entschluß gefasst, daß die „Captain Future“-Geschichten von Edward sich exzellent für eine eigene Anime-Serie eignen würden. Wer sich fragt, warum dieses plötzliche Interesse erst knapp dreißig Jahren in den Toei-Köpfen aufkeimte, so möchten wir an dieser Stelle natürlich allen Leser versichern, daß dies bestimmt NICHTS mit dem Ableben von Mr. Hammilton nur wenige Monate vorher zu tun hat. Wenn überhaupt, dann hat er vielleicht die gebotene Summe in Yen mit Dollarn verwechselt, weswegen ihn dann direkt der Schlag getroffen hat. Oder er kannte sogar den aktuellen Wechselkurs und musste so sehr lachen bis die Nieren platzten. Was davon wirklich stimmt, weiß wohl niemand mehr. (Und wenn doch, wird die betreffende Person zum Schutz der Integrität des Autoren dieses Textes einfach ignoriert. Ätsch.)

Letztendlich wurden von der Serie jedenfalls 52 Folgen von fleißigen Zeichner-Sklaven produziert, welche auf 13 Hamilton-Originalstories basieren. Ausgestrahlt wurde „Captain Future“ vom 07.11.1978 bis zum 18.12.1979 auf dem Sender NHK, der japanischen Version unserer Öffentlich-Ungerechten. Wie bei den meisten Umsetzungen ins Fernsehen gab es natürlich ein paar kleinere Abweichungen vom Original, welche aber wahrscheinlich nur wegen der angenehmen Brise durch die Grab-Rotationen von Mr. Hamilton durchgeführt wurden. So wurde beispielsweise extra für die Zeichentrick-Serie die Figur des Ken Scott eingebaut, welche einen frühen Wesley Crusher-Prototypen darstellt und eigentlich nur dazu dient, den Zuschauern noch einmal zu verdeutlichen was der Captain doch für eine Granate ist. Doch dazu später mehr. Apropos später…


Deutsche Wurmkur

Deutschland, so um 1980. Da Eigenproduktionen (und eigene Ideen sowieso) knapp sind, ist man längst dazu übergegangen, Zeichentrick für eine Handvoll Yen aus Japan zu importieren. Doch während man heute die Dialoge aktueller Sammelkarten-Serien bereits im Voraus synchronisieren könnte („Oh Nein! Sanjii / Yamchu / Sakura hat sein Chakra / den Shenlong / seine Unterhosen verloren! Schnell, aktiviere Deine geheimen Saiyajin / Usoppu / Haudruff – Kräfte aus der Schlachmichtot-Dimension!“), wußten unsere Japano-Tontechniker aus den 80ern noch nicht einmal, wie man so etwas fortschrittliches wie zwei verschiedene Tonspuren für die Musik und Stimmen hinbekommt. Weswegen man den ganzen Mampf daher auch einfach zusammenrührte und die deutschen Kollegen dadurch blöd aus der Wäsche hat schauen lassen. Was sich aber letztendlich sogar als glücklicher Umstand herausstellen sollte!

Denn weil die Original-Musik aus Japan sowieso zu den lahmeren und wenig einfallsreichen Exemplaren zählte, hat man sich deswegen direkt dazu entschlossen, den alten Soundtrack-Haudegen Christian Bruhn zu verpflichten, welcher bereits für andere Asbach-Animes wie „Sindbad“, „Alice im Wunderland“ und auch „Wickie und die starken Männer“ (Wie sahen dafür eigentlich die Sammelkarten aus?) eine zeitlos-geniale musikalische Untermalung lieferte, welche nicht nur einmal die eigenen Plattfüße zum Wippen einlud. Aber für „Captain Future“ hat er es geschafft sich noch einmal zu übertrumpfen und einen so fantastischen Soundtrack zu komponieren, welchen man sich auch nach 20-mal Anhören am Stück ohne Ermüdungs-Erscheinungen weiter in die Gehörgänge pumpen kann. Manch ein Mieter wird sich damals wohl über die schrillen „Huuuuhuuuuhuhuhuu Hahahaaaaaa“-Laute gewundert haben, als beim Nachbarn gerade die Titelmelodie erklang:

Okay, anspruchsvolle Lied-Texte gehen anders, aber die Wunder und Weiten des Weltraums kommen dank Walküren-Gejaule trotzdem knorke rüber! Weswegen Kollege Kirk sein Sprecher am Ende auch noch einmal eine kurze Ehrehrbietung abläßt.

Den „Will nochmal höreeeen!“-Bonus hat man dann auch gerne ausgenutzt, weswegen viele der rund sechszehn angefertigten Melodien auch gerne ähnlich häufig in nur einer einzelnen Folge eingesetzt werden, was wohl auch die für den Sound-Techniker leicht sortierbaren Titel wie „Feinde greifen an“ oder „Der Böse“ erklärt. Dank permanentem Ohrwurm-Befall der einzelnen Stücke stellt dies aber wahrlich keinen Nachteil dar, besonders wenn man an das meist wenig inspirierte Gedudel heutiger Serien denkt. So reicht ja z.B. schon eine feuchte Achsel als Komplett-Orchester für die Kampfmusik aus Star Trek: Enterprise.

Auch bei den Stimmen wurde auf Qualität gesetzt. Mit Hans-Jürgen Dittberner erhält der Captain eine Stimme, welche ich persönlich immer noch für den Inbegriff eines Weltraumhelden halte. Future kommt dank der neuen Leih-Stimmbänder niemals arrogant rüber und lässt doch beim Sprechen permanent eine solche Authorität mitklingen, daß ich irgendwo froh darüber bin, daß sich Hans-Jürgen niemals entschlossen hat, Kundenberater bei der Sparkasse zu werden. Ich hätte bei dem sonst wohl auch eine Diebstahl-Versicherung für den Mount Everest unterschrieben, ha-ha! Besonders zu erwähnen ist wohl auch Wolfgang Völz als die Stimme von Otto, dem Androiden. Es hat wohl etwas damit zu tun, mit dieser Serie aufgewachsen zu sein, aber auch der Völz paßt für mich zu der Rolle des bärbeißigen Formwandlers wie die Faust auf das außerirdische Auge, was gerade bei den häufigen Streitgesprächen zwischen Otto und Grag sehr schön anzuseh… hören ist.

Doch der Sprung ins deutsche Fernsehen hatte auch einen Nachteil. Da Zeichentrick in den Köpfen der damals schon leicht angestaubten Verantwortlichen der Öffentlich-Rechtlichen automatisch in die Kinder-Abteilung gehört, landete die Serie deswegen natürlich auch im Nachmittags-Programm. Verhängnisvoll, da brutale und psychologisch zerstörende Gewalt zur damaligen Zeit etwas war, was die lieben Kleinen gefälligst erst im Berufsalltag kennenlernen sollten. Einziger logischer Schritt, die Schere der Verhunzung. Welcher letztendlich auch viele Meter Film als Opfer fand, da die Gegenspieler des Captains ihre Opfer im Laufe eines Mehrteilers bevorzugt auf sehr permanente Weise aus dem Weg räumen. Was halt um einiges leichter fällt, wenn diese alle Eigenschaften eines Häufchens Asche aufweisen. Über Feinstaub hat man sich damals halt kaum gekümmert. Dem deutschen Schnippel-Massaker von 1980 haben wir es jedenfalls zu verdanken, daß damals nur das Material von knapp 40 Folgen synchronisiert wurde. Von insgesamt 52!

Noch ärgerlicher ist aber auch brachiale Weise, mit welcher die für zarte Kinderaugen kaum geeigneten Szenen entfernt wurden. Nicht selten kommt es daher leider vor, daß jemand der gerade noch sehr lebendig und wenig bedroht aussah, nach einem wenig eleganten Synchron-Pflaster á la „Verdammt, sie müssen ihn erschossen haben als wir uns gerade umgedreht haben!“ plötzlich wenig lebendig und sehr tot in einer Ecke liegt. Beispiel: Eine Gruppe Reisender schließt sich in einer Folge der Future-Mannschaft an. Einige Minuten später wundert man sich. Von denen fehlt doch auf einmal einer? Huch, schon wieder einer weg! Doch die Zusammenfassung zu Beginn der nächsten Folge zeigt, wie die unerwartet Verschollenen beim Einsteigen ins Raumschiff erschossen werden. Vermutliche Logik der Verantwortlichen: Nacherzählungen sind Märchen und daher für Kinder gerade noch geeignet.


„Hier, diese Stelle mußt Du auch rausschneiden, da guckt einer ganz böse.“ – „Bin ja schon dabei. Dadurch geht jetzt aber der Zusammenhang verloren, da schneid ich besser ein größeres Stück ab.“ – Ein weiteres Opfer der Gewalt, aber was tut man nicht alles für die lieben Kleinen. Und dabei hätte man DENEN doch einfach die Ohren absägen können!

Beinharte Future-Fans haben sich übrigens die Arbeit gemacht, das Flickwerk aus deutschen Landen mit den vollständigen DVDs aus Frankreich abzugleichen. Der Nachteil: Es kann schon einmal vorkommen, daß sich Opa ein paar Minuten lang unter dem Tisch versteckt und etwas in der Richtung von „Raah! Die Franzmänner kommen! Jetzt rächen siiiie sich! Gertrude, hol sofort meinen Helm!“ schreit, bis wieder der deutsche Ton anspringt. Aber trotzdem eine tolle Sache, wenn man auch die restlichen Erlebnisse des Captains einmal erleben will. Da sich dies aber rechtlich zumindestens in der neutralen (Grau-)Zone befindet, verweisen wir für weitere Infos aber nur auf Kollege Google.


Captain & Company

Aber was hat es eigentlich mit der Mannschaft und ihrem Captain auf sich? Die Geschichte beginnen wir am Besten wohl mit letzteren. Besonders interessant zu erwähnen ist es vor allem, dass er der Sohn eines Mannes und einer Frau ist. Welche sogar seine Eltern sind. Und als wenn das nicht schon außergewöhnlich genug wäre, sind diese Beiden auch noch geniale Wissenschaftler und sowieso einfach töffte. Daß man als waschechte Helden-Eltern dafür im Gegenzug eine eher unterdurchschnittliche Lebenserwartung besitzt, muss an dieser Stelle wohl nicht extra erwähnt werden.

So bleibt ihnen auch kaum noch Zeit um zwei Androiden zu bauen, das Gehirn eines alten Freundes in ein Einweckglas zu stecken und den permanenten Wohnsitz auf den Mond zu verlegen, bevor Mister und Misses Future vom diaboliosch-brillianten Bösewicht Victor Corvo in die ewigen Jagdgründe geschickt werden. Sofern solche auf dem Mond überhaupt existieren. Baby-Future, welcher für seltene private Momente auf den Namen Curtis Newton hört, ist ab diesem Zeitpunkt mit extremer Waisheit gesegnet und wird von den oben erwähnten Bastelarbeiten seiner Eltern aufgezogen, auf welche wir in unserer Charakter-Übersicht später noch genauer eingehen wollen. Aber fangen wir an, natürlich mit:


Captain Future (gespr. von Hans-Jürgen Dittberner)

Wie seine Kapitäns-Kollegen aus den meisten anderen Sci-Fi-Serien ist er natürlich der strahlende Anführer, der moralische Zeigefinger in einem Universum voller Hühneraugen und der Wieder-Geradebieger vom Dienst. Als Geburtsjahr wird lustigerweise 1990 angegeben, was für Hamilton damals wohl absolut realistisch klang. Schließlich hätte man nach seiner Ansicht bestimmt schon spätestens 1980 den Mars und 2007 die Andromeda-Galaxis besiedelt. Ich selbst rechne ja bereits ebenfalls jeden Tag mit der Eröffnung der Karten-Schalter für den Pendel-Dienst.

In der Serie wirkt der Charakter des Captains leider wenig ausgefeilt, beschränken sich seine Aktionen doch eher darauf, tolle Ideen zu haben und im Wochentakt das Universum zu retten. Aber mehr wünscht man sich ja eigentlich nicht. Und damit niemand auf die Idee kommt er wäre vom anderen Ufer des Sonnensystems, führt er ja auch eine intensiv-platonische Beziehung mit seiner Sachbearbeiterin von der Planetaren Polizei. Obwohl diese ein ganz ähnliches Aufgabengebiet besitzt, versucht er sie aber aus seinen Abenteuern rauszuhalten, da dies (O-Ton) „viel zu gefährlich für eine Frau“ ist. (Keinesfalls teilt unsere Redaktion natürlich niemals eine solch sexistische Sichtweise nicht.)


Joan Randall (gespr. von Anita Kupsch)

Als Agentin der Planeten Polizei und moderne Frau ist es meistens ihre (vom Drehbuch vorgeschriebene) Aufgabe, sich zufällig gerade auf dem selben Planeten wie Captain Future aufzuhalten, mit welchem sie die bereits erwähnte pluto… Verzeihung… platonische Liebesbeziehung unterhält. Weswegen sie iiiihren Schnutzi-Putzi-Captain auch des öfteren penentrant und mit der festen Absicht verfolgt, ihn vor allen Gefahren zu beschützen, welche sich im Universum halt so rumtreiben. Sprich, potentielle Rivalinnen mit geifernden Tentakeln/Grabschhänden. Doch meistens stolpert sie dabei nur selbst in diverse Fettnäpfchen oder dem Captain einfach nur schmachtend hinterher. Typisch Galakto-Frau halt, harhar!

Nebenberuf: Future ebenfalls ganz doll super finden und es allen erzählen, ob sie wollen oder nicht. („Der Captaaaain wird uns schon alle rettääään!“ *kreisch, nerv*)


Prof. Simon Wright (gespr. von Jochen Schröder)

Ein alter Freund der Eltern des Captains und so etwas wie eine Vaterfigur. (Für den Captain, nicht den Eltern.)

Kleines Detail: Aufgrund einer Krankheit besteht er mittlerweile nur noch aus einem Gehirn in einer schwebenden Tupper-Dose, welche sich mit der Untermalung eines äußerst fortschrittlich klingenden *tüff, tüff, tüff*-Geräusches fortbewegt. Hauptaufgabe: Ab und zu doch noch ein klein bisschen schlauer als der Captain sein und in der übrigen Zeit von dessen Feinden mit Stromstößen gefoltert werden.


Grag (gespr. von Friedrich G. Beckhaus)

Version 1 des Kleb-Dir-Deinen-Eigenen-Roboter-Bausatzes der Familie Newton. Eine nur grob menschenähnliche, aber dafür bärenstarke, Maschine mit dem optischen Charme eines Ofens aus Gußeisen. Stellt hauptsächlich die Muskelkraft der Future-Crew dar und wird auch gerne für Situationen eingesetzt, in welchen Menschen nicht wirklich lange überleben würden. Beispielsweise hat er das Seepferdchen für 500 Meter Brustschwimmen in heißen (Ach?!) Methan- und Lavaseen.

Häufig kommt es auch zu kleineren Streitereien mit Otto („Schrotthaufen!“ – „Gummipuppe!“), welche sehr an die Wortgefechte von Quark und Odo aus Deep Space Nine („Dieb!“ – „Sozialversager!“) erinnern.


Otto (gespr. von Wolfgang Völz)

Ein verbesserter Androide mit Formwandler-Fähigkeiten und trotzdem nicht verwandt mit Odo. Trägt aus nicht näher genannten Gründen eine doofe Seemanns-Mütze und übernimmt bei diversen Gelegenheiten geheime Undercover-Aufgaben bei den Bösen(c). Basiert auf der handelsüblichen Standard-Schablone des „Harte Schale, weicher Kern“-Charakters, weswegen er auch niiiiie zugeben würde, daß Grag eigentlich sein bester Freund ist. (Eine homophobe Einstellung, welche ich nur unterstützen kann.)


Ken Scott (gespr. von Sven Plate)

Quasi eine schlankere Version des durchschnittlichen Trek-Convention-Gängers. Dieser nervige Anhängsel dient eigentlich nur dazu um deutlich zu machen, daß der Captain in Sachen Held-sein den Dreh einfach total raus hat. Ken möchte natürlich unbedingt zu seiner Mannschaft gehören und stellt für diese auch häufig eine äußerst große Hilfe da, indem er sich regelmäßig von den verschiedenen Erzfeinden(tm) gefangen nehmen läßt oder diesen effektiv wie wirkungslos gegen das Schienbein tritt. Gutes „Das könnte dabei herauskommen!“-Beispiel für Eltern, welche ihren Kinder eine regelmäßige, sowie erzieherisch wichtige, Schelle über beide Ohren verweigern.


„Der Sprecher“, auch bekannt als „Der Erzähler“ (Deckname: „Der Zusammenfasser“)
(gespr. von Helmut Krauss alias Hermann Paschulke aus „Löwenzahn“)

Immer zur Stelle, wenn es etwas zu erklären gibt. Denn auch wenn Zeit- und Dimensionssprünge heutzutage bereits zum Alltag gehören, mußte in den 80ern so ein Vorgang noch wenigstens mit der groben Kelle erklärt werden. Mit sonorer Stimme und im besten „Knoff Hoff“-Stil verdeutlicht der Erzähler dann zum Beispiel, daß eine parallele Dimension zwar sehr gerne den selben Raum beansprucht wie die eigene, man davon aber im Gegensatz zum schnorrenden Dauergast-Bekannten angenehm wenig mitbekommt.

Auch die sehr ausführliche Zusammenfassung am Anfang der ausschließlich mehrteiligen Folgen wird vom selben Sprecher vorgetragen. Aber auch wenn man nicht unter Extrem-Alzheimer leidet, sollte man diese übrigens nicht überspringen. Denn an dieser Stelle hat anscheinend jemand immer gerne einige der geschnittenen Szenen unter Lebensgefahr hineingeschmuggelt. Denn wer erwischt wurde, bei dem schnitt man nämlich einfach mal die eigene Geburt heraus!


Die Handlungs-Langer

Auch bei den einzelnen Geschichten kann man klar behaupten, daß das Story-Potential des Universums durchweg ausgenutzt wurde. Okay, so wirklich trifft das wohl für keine Sci-Fi-Serie zu, müsste diese sonst aus mindestens 5.000 Staffeln bestehen. Und selbst dann hätte man wohl höchstens die groben Ereignisse beim Urknall abgehandelt.

Aber ob parallelle Universen („Planet in Gefahr“), Zeitsprünge („Die Zeitmaschine“), Bruchlandungen („Mitgefangen im Weltall“) oder auch mal ein krimineller Weltraum-Zirkus („Das Geheimnis der sieben Steine“), bei Captain Future werden solche Themen noch mit einer erfrischenden Unbekümmertheit angegangen, daß jeder Wissenschaftler seine seitenlange Mängel-Liste verschämt wieder wegpacken würde. Und wer sagt überhaupt, daß unsere Laserkanonen denn später nicht tatsächlich „Atomflammer“ genannt werden?

Im Mittelpunkt steht aber sowieso der Kampf der porentief-reinen Guten („Der Captain ist aber saubeeeer! Ist der neeeeu?“ *angrabbel*) und der austauschbaren Bösen mit der finsteren Lache. Ob diese gerade ganze Völker versklaven, riesige Schätze stehlen oder einfach nur die Erde verarschen wollen (Episode „Der Zauberer vom Mars“), in den galaktischen gelben Seiten steht unter „Retter der Unterdrückten (Montags bis Freitags – 08.00 bis 16.00 Uhr)“ natürlich immer nur ein Name ganz oben auf der Liste.

Captain Future. Der Held, was er verspricht.


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von Sparkiller am 22.06.07 in All-Gemeines

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Kommentare (26)

  1. Klapowski sagt:

    Sehr schöner Artikel! Besonders gelacht habe ich bei: "So reicht ja z.B. schon eine feuchte Achsel als Komplett-Orchester für die Kampfmusik aus Star Trek: Enterprise."

    Jetzt weiß ich endlich, warum mir beim "Mitsingen" immer so wund unter'm Arm wurde.

    Da muss ich von "Captain Future" jetzt wohl doch mal meine erste Folge sehen, was? Klingt ja alles ein bisschen nach "bei TOS aus Budgetmangel gestrichen".

    Übrigens ist der laufende Nervbolzen für uns Deutsche tatsächlich ein vollwertiger Wesley-Ersatz: Denn Sven Plate sprach auch Wesley Crusher. – Und Bugs Bunny, wenn wir schon mal dabei sind. Da kann man wohl guten Gewissens von einer gewissen Spezialisierung auf sabbelnde Kiddie-Anheizer sprechen…

  2. bergh sagt:

    Zwaiter !

    Catain Future ?
    Hab' ci hebwußt nei gesehen, werde das aber nacholen.

    Schein viel Waisheit zu enthalten, die Serie.

    Gruss BergH

  3. Cronos sagt:

    @ BergH: Ja, in der Serie gibt es viel Weiß.

    ;)

    Ansonsten: Super Artikel. Den Captain hatte ich nämlich schon verdrängt. Jetzt ist sein Gesicht wieder präsent. *kotz*

  4. Gast sagt:

    Hach, ja…
    Kindheitserinnerungen, mehr noch als bei der klassischen Star Trek serie, werden da wach. Ich erinner mich dass ich die Serie zum ersten Mal bewusst irgendwann Mitte, Ende der Achziger als Wiederholung gesehen und kann mich erinnern dass ich das Design der Comet so genial fand. ich hab mich aber schon damals über die komischen Schnitte gewundert.
    Egal ist ein echter Klassiker, gute Review Mann.

    Wolfman "Warum-klappt-das-Anmelden.nicht?" Al

  5. Gast sagt:

    Traue es mich gar nicht sagen…ich fand als Kind die Musik (ja ich kritisiere tatsächlich die Musik) absolut unpassend für eine Science-Fiction-Serie! Auch wen die Melodie schön anzuhören ist, was bitte hat denn das so arg archisch anklingende Klaviergeklimper in einer Zukunftswelt zu suchen? Ich war einfach schwer enttäuscht, dass kein (in den 80igern ja sooooooo beliebter) Synthesizer benutzt wurde! Man nehme zum Vergleich Knight Rider! Perfektes eighties-feeling! Deshalb ging die Serie auch größtenteils an meinen an der Glotze klebenden Kinderaugen vorbei…

  6. Gast sagt:

    Ich weiß nicht warum, aber bei dem Teil
    >Nicht selten kommt es daher leider vor, daß jemand der gerade noch sehr lebendig und wenig bedroht aussah, nach einem wenig eleganten Synchron-Pflaster á la "Verdammt, sie müssen ihn erschossen haben als wir uns gerade umgedreht haben!" plötzlich wenig lebendig und sehr tot in einer Ecke liegt.<
    hab ich mich kaputt gelacht…
    @gast über mir: sollen wir dich steinigen oder gleich vierteilen? :)

  7. Gast sagt:

    Ich bevorzuge die Steinigung ^^

  8. bergh sagt:

    Grosse Steine, spitze Steine.
    Otternohren.

    [SCNR]

    Gruss BergH

    Wer den nicht versteht ist kein Monthy Python Fan.

  9. Gast sagt:

    Hey lustiger Artikel, hab früher viele Nachmittage mit dem Captain verbracht.
    Allerdings muss ich einer Sache widersprechen. Schon damals im Jahre 1940 und auch viel früher gab es in den USA eine sehr lenhafte SF-Szene, die sich oftmals in besagten Groschenheften austobte.

    Denke man da nur an Asimov und Konsorten …

  10. Donald D. sagt:

    Die meisten Synchronsprecher leben ja noch, vielleicht sogar alle. Man könnte sie für einen DVD Release (oder gab es den schon?) natürlich nochmal zusammentrommeln.

    @ BergH
    Schon kapiert. "Steinigt ihn, steinigt ihn!" "Kann es sein, daß Weibsvolk anwesend ist?" "Nein, nein, nööö…. ."

    @ Sparki & Klapo: Bitte mal ein "Saber Rider und die Star Sheriffs" und "Galaxy Rangers" Review

  11. Gast sagt:

    Tja, was mich allerdings an der deutschen Synchro stört, ist dass sie teilweise völlig undurchdacht ist. Da gab es eine Folge, in der der Erzähler zu einer kleinen Montage folgendes erzählt: "Die Galaxis besteht aus Millionen von Sternen… die um die Sonne kreisen" Ja, das ist Unterhaltung pur. In einer weiteren Folge hat sich Otto in den Genral (oder was es war) des Feindes verwandelt und seine gefangenen Freunde (außer dem Professor, der sich durch einen uftschacht verdünnisiert hat) rausgeholt. Ein Wachmann hält die Gruppe auf, erkennt aber seinen General, denkt nach. Man sieht die Bilder von Otto und dem Professor, was darauf hinweisen soll, dass der Wächter sich erinnert, dass die beiden auch dazu gehören und ihm auffällt, dass sie fehlen. Aber statt "Wo sind die fehlenden Gefangenen?" fragt der Wächter "Wer sind denn die beiden?", als hätte er eine Eingebung gehabt und fragt sich nun, wen er da gesehen hat… Das ist fast so schlimm wie die Futurama-Synchro (da könnte ich auch ein Fass aufmachen)….

    Die Frauenstimme im Titelsong ist übrigens die von Christian Bruhns Ehefrau.
    Vor zwei, drei Jahren erschien ein Remix-Soundtrack, wo bekannte E-Musik-Künstler sich an den Werken ausgetobt haben und Herr Bruhns persönlich einen Remix und einen bisher unveröffentlichten Track beisteuerte. Teilweise ganz nett….

    @ BergH: Wer Monthy Python schreibt, ist auch kein Monty Python-Fan :D SPALTER!

    @ Donald D.: Das will ich hören, wie Sven Plate heute noch den Ken gibt…. :P

    Gez.
    FrakesJoe

  12. Gast sagt:

    Interessant! :) Ihr popelt also an den Postings rum….

    Nochmal ich

  13. bergh sagt:

    tach auch !

    @Gast over me
    Eher nicht, weil man hier Postings nicht editieren kann.

    @Gast over Gast over me
    Monty Python
    Du bist ERSTER der das gemerkt hat.

    Gruss BergH

  14. Gast sagt:

    Beides der selbe Gast, nämlich ich. Und die, die ich mit dem Rumpopeln meine, wissen, dass ich sie meine, und auch warum.

    Gez.
    FrakesJoe

  15. Donald D. sagt:

    @ FrakesJoe

    Stimmen ändern sich im Laufe eines Lebens recht wenig.
    Bestes Beispiel: der leider erst kürzlich verstorbene Randolf Kronberg, Synchronstimme von Dr. McCoy und Eddie Murphy, quasselte in letzten 20 Jahren konstant, ohne irgendwelche auffälligen Veränderungen. Von daher sind Neusynchronisationen also nicht so schwer zu realisieren.

  16. Gast sagt:

    @ Donald D.: Was soll das heißen, 'leider erst kürzlich verstorben'? Wärs besser er wäre schon länger tot? :P

    Und dir ist schon klar, dass Sven Plate da so 13 Jahre alt war (hörbar eher vorm Stimmbruch) und jetzt eher so 41 ist (Würde mich doch sehr wundern, wenn er immernoch keinen Stimmbruch hatte)? Hör dir z.B. mal die 'echten' ersten Folgen von 'Die drei ???' an und achte auf Justus Jonas, danach sieh dir aktuelle Ben Stiller-Filme an (nur zum Hören, musst sie nicht gut finden… ach ja, es geht dabei auch um Ben Stiller…). Beides ist der selbige Sprecher, Olli Rohrbeck. Man KANN eine Ähnluchkeit hören, aber das klingt einfach SEHR unterschiedlich. Genauso hört man in der in den 90ern nachsynchronisierten TOS-Nazi-Planeten-Folge recht deutlich, dass die Sprecher seit TOS alle gealtert sind… (Man hats schon bei den Kinofilmen gehört, aber da passte es, weil ja auch die Schauspieler gealtert sind).
    Apropos Neusynchronisierung: Was wurde eigentlich aus der TOS-Neusynchro mit Thomas Danneberg (Ja, genau der, der in der Zeichentrick-Serie Scotty sprach :) ) als Kirk etc.?

    Gez.
    FrakesJoe

  17. Gast sagt:

    Kleine Korrektur: Herr Plate wird erst am 01.August einundvierzig… :)

    Gez.
    FrakesJoe

  18. Gast sagt:

    Und nochmal ich…

    Kleines, lustisches Detail: Wer spricht wohl am Ende vom Titelsong von Captain Future eben dessen Namen? :)

  19. Donald D. sagt:

    Um Himmels Willen!!! Was das "erst" da oben in meinem Satz sollte, weiß ich selbst nicht. Keine Ahnung, was ich da schreiben wollte. Nein, ich bin natürlich sehr traurig, daß Randolf Kronberg verstorben ist. Er war einer meiner Lieblingssynchronsprecher wobei Gert Günter Hoffman ( ja es gab auch einen Synchronsprecher mit diesem Namen (!), er hat Connery und Shatner synchronisiert), Rainer Brandt, Lothar Blumhagen uva. ebenfalls großartige Arbeit leisten bzw. geleistet haben.

    Was Sven Plate betrifft, muß ich wohl überlesen haben, daß er einen Knirps spricht. Ich dachte der spricht Captain Future. Aber Kinderstimmen klingen sowieso alle gleich, insofern wäre da ein neuer Sprecher bestimmt nicht schwer zu finden.

  20. Gast sagt:

    Naja, Sven Plate klingt aber heute immer noch nach Wesley Crusher…. aber eben nimmer nach Ken aus Capt. Future…

    Öhm, wenn Randolf Kronberg tot ist, wer synchronisiert dann in Shrek 3 den Esel? Ich hab den Film noch nicht gesehen….

    Gez.
    FrakesJoe

  21. Gast sagt:

    Ich nochmal….

    Hat Randolf Kronberg tatsächlich in der ZDF-Version von TOS Doktor McCoy gesprochen??? Ich finde nur Hinweise auf 'von Sat.1 synchronisierte Folgen', wovon mir allerdings keine bekannt ist. Außer der Nazi-Folge vielleicht…

    Gez.
    FrakesJoe

  22. Gast sagt:

    Und nochmal… sorry!

    Habs schon gefunden… Dennis Schmidt-Foss! Der klingt doch kein Stück wie Randolf. Den Herrn Schmidt-Foss mag ich aber sehr als Sprecher. John Crichton in FarScape und, ähmmm, der 'neue' Jan Tenner…. :P

    Gez.
    FrakesJoe

    PS: Ich hab nix dagegen, wenn ihr die Posts zusammensetzt…

  23. cyanmystery sagt:

    @FrakesJoe

    http://www.synchronkartei.de/index.php5?action=show&type=serie&id=2638

    Das ist 'ne Klasse Seite, was Synchro angeht!

    Und Dennis Schmidt-Foß synchronisiert den Esel im Dritten.
    http://www.synchronkartei.de/index.php5?action=show&type=film&id=10575

    ___

    @#9877 (vielleicht auch FrakesJoe ;-) )

    Das meinte Sparki doch mit
    "Weswegen Kollege Kirk am Ende auch noch einmal eine kurze Ehrehrbietung abläßt."
    unter'm youtube-Video. ;-)

    cu
    cyan

  24. Gast sagt:

    Hatte ich ja derweilen schon rausgefunden….

    Und ja, 9877 war auch ich. Hmm, hab ich wohl überlesen. Aber jetzt ist es wohl auch den letzten klar, was er meinte. Trotzdem, allemale lustig, besonders, weil der Herr Kirk-Synchronsprecher sonst in der Serie keine feste Rolle hat…

    Gez.
    FrakesJoe

  25. Gast sagt:

    Bin z.Z. dabei, mir die Serie nocheinmal anzusehen. Mir sind dann auch einige merkwürdige Schnitte aufgefallen…aber was ich erfrischend fand (in dem Zusammenhang vlt nicht ganz das passende Wort :) ) ist, dass in der Serie auch schonmal reihenweise Leute die Löffel abgeben. Das hat man in "Kinderserien" ja nicht oft.
    Allerdings ist der Schritt vom Muntervorsichhinleben bis zum Plötzlichtotinnereckeliegen tatsächlich oft etwas sprunghaft:
    "Wenn ich das Mittel nicht bekomme muß ich sterben! Steeerbeeeen!" *krampf* "Otto, nehmen sie die Leiche mit aufs Schiff!". Dann wird in bester CSI-Manier festgestellt, dass die Taschen verschiedene Pollen enthalten "Ha, diese Pollen gibt es doch nur auf Planeten XY! Professor, ist es nicht so, dass die Bewohner von XY vor Millionen von Jahren ein Getränk tranken, dass dem irdischen Bier sehr ählich war?" – "Da haben sie recht, Captain!"

    Professor Simon ist wohl einer der überflüssigsten Charaktäre. Denn der Captain ist offensichtlich selbst ein wandelndes Lexikon. Also quasi TKKG im Weltall, wo Karl der Computer am Ende auch nur noch dazu da war, um Tarz..Tim das Handy zu reichen

  26. AW sagt:

    Noch zwei Anmerkungen:
    Irgenwo habe ich gelesen, daß Otto in den Romanen eigentlich Otho hieß. Und Eszella Garni ursprünglich Ezra Guerny. Ursache war wohl, daß die Dialog-Regisseure die Originalromane nicht kannten und stattdessen die verhunzte japanische Phonetik übernommen haben.
    Mit einigen anderen Namen war dem wohl ebenso, aber diese Info ist irgendwo in der Abstellkammer meines Großhirns verlorenge… – als Geheim eingestuft worden.

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