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„300“ – Das Review zur Kultzahl!

Comicverfilmungen sind feist und hinterhältig: Nachdem so gut wie alle tiefgründigen Superhelden von A wie „Amphetaminman“ bis Z wie „von Zitteraal gebissen“ in die Obhut der Schwermut übergeben wurden, mogeln sich nun immer häufiger Un-Man-liche Comichelden auf die Leinwände. Nach dem Erfolg von Frank Millers „Sin City“ dachte man sich wohl, dass man hier eine neue Nische „kult“ivieren könnte. So entstand also „300“, eine schwermütige Parabel auf das Leben jüdischer Siedler im Norden der Tschechoslowakei…

Ich kann schon jetzt die ewige Ausrede aus der Fressecke des heimischen Nerd-Herds hören: „Das ist doch Cooooomic-Kunst! ‚300’ erlangte schließlich 2003 einen Sonderpreis für den besten Tintenkiller sowie eine Goldene Schreibplatte, da Frank Miller mehr als unglaubliche 3 x 300 Exemplare verkaufen konnte!“

Alles Quatsch mit Soße! Auch, wenn diese Behauptung nicht dem aktuellen Zeitgeist entsprechen mag, dem die Schautafel mit den Kinocharts ein paar Jahre zu oft auf den Schädel gedonnert ist, so sage ich an dieser Stelle: 80% aller Comics – vor allem die Amerikanischen – sind Schund, Mist, intellektuelle Ausparkhilfe und oftmals konfuses Suchbild für schwer Ersehbare. Verwirrende Bildaufteilungen, bei denen von hinten durchs Herz gezoomt wird, während sich der Satz „Darf… Speer… nicht… in… Rücken bekommen…werden!“ über 4 Doppelseiten zieht, werden einem als „cineastische Zeichenkunst“ verkauft. – Was Blödsinn ist, da das digitale Papier noch in den Schlafstrümpfen steckt und animierte wmv-Lichtspielbilder wohl noch ein ganzes Geilchen auf sich warten lassen werden.

“300 Männer… Massig sind sie, eine stets hungrige Horde… Schweiß rinnt über ihre Körper wie der Styx selbst…” – “Schluss jetzt, Bösopolus! Wir wissen doch längst, dass nur Nerds im Kinopublikum sitzen!“ – Stell Dir vor, es ist Griech und jeder geht hin: „300“ erschafft eine sehr eigene Welt, was aber nicht weiter schlimm ist. Denn dieser feine Herr Atlas bekommt auch noch sein Fett weg, harhar!

Was ich damit sagen will (auch so eine Floskel, die in modernen Comics nicht zu füllen wäre), ist verfolgendes: Frank Millers Comicvorlage mag optisch noch so liebevoll transformiert worden sein; letztendlich könnte ich das auch von meinem Käsebrot behaupten, das ich vor zwei Tagen gegessen habe. Nun gibt es sicher Menschen, die jetzt obelixhaft beleidigt mit den Händen auf die Wampe tippen, um beleidigt auszurufen, dass Klapo ja keine Ahnung habe und der nun folgende Verriss nur ein weiterer Beweis für sein Unvermögen ist, erstklassige, wenn nicht sogar vorschulige Kunst zu erkennen und zu würdigen. Doch diesen Weightwatchern des eingebildeten künstlerischen Schwergewichts möchte ich zurufen, dass diese Argumentation nicht zieht.

Dynamische, ungewöhnliche und schwer erziehbare Bildeinstellungen gibt es auch in jeder modernen SFX-Anbetung à la „Spiderman 3“. Wer bei einer Comicverfilmung nur Wert auf einprägsame Bilder legt und inhaltliche Auseinandersetzungen mit einem geraunzten „M & M“ entgegnet („Miller ist Messias!“), ist nicht besser als die Kiddies, die nach „Star Wars Episode 1“ einen erheblichen Frühstücksflockenvorrat anlegten, um endlich den tollen Pod-Racer zu erhaschen, den es in jeder 3. Schachtel zu finden galt. – Ein Film, der nur über seine Bilder funktionieren will, muss derer schon so großartiges bieten, dass ich auf dem Sterbebett dem Pastor zurufen möchte: „Ooohj! Diese helle Tunnel mit dem weißen Licht, in den ich gerade einbiege… Ich habe noch nie etwas so Hässliches gesehen!“

„Super, Baby! Diesmal wird das DEIN Durchbruch in der seriösen Schauspielerdingserei! Dass es mit den Nebenrollen in ‚Moulin Rouge’ und ‚Coyote Ugly’ nicht geklappt hat, ist mir ja bis heute ein Rätsel.“ – Der Qualm der Wahl: Viele Aufnahmen sind tatsächlich sehr ästhetisch und künstlerisch wertvoll… (Okay, ich hab’s jetzt doch geschrieben. Und jetzt noch mal 3 Sekunden Nippel, wie besprochen, jaaa?)

Ich will jetzt „Disneys Lustige Taschenbücher“ nicht in den Olymp heben, zumal sie seit über 10 Jahren wirklich mies geworden sind. „Mies“ im Sinne von: Rumänischer Hilfszeichner sucht Entenschnabelschablone zwecks promillehaltigen Entmystifizierungsritual. – Doch früher waren die LTBs tatsächlich das Maß aller guten Dinge, auch wenn ich bis heute an keiner einzigen Stelle lachen musste. Vermutlich ist hier der Terminus „Lustig“ mit dem in „Lustige Musikanten“ verwandt. – Damals jedenfalls hätten wir auf dem Pausenhof noch diejenigen gnadenlos verprügelt, die mit einem Comicalbum im Stile von „300“ angedackelt wären. Einfach, weil wir Donaldianer keine sinnlose Gewalt schätzen. Mit panzerknackenden Wurfgeschossen hätten wir denjenigen traktiert, der es wagt, unsere bunte Welt der Vielfalt mit einem neumodischen Killerheft aus dem „Amok Verlag“ zu besudeln!

Wie ich den Brutzel- und Hochkochgeräuschen unter Euren Schirmmützen entnehme, habt Ihr es wohl schon erraten: Ich finde den Film „300“ Scheiße. Nicht, weil es eine Comicvorlage ist, sondern weil er gegen dramaturgische Grundregeln verstößt, die sich für einen wohl erzogenen Splatterfilm genau so gehören wie für „Die Lümmel von der ersten Bank“. So besteht der ganze Film aus dem bloßen Mittelteil und wirkt ein bisschen wie „Kill Bill 1“, in dem Bill bekanntermaßen gerade besseres zu tun hat, als total schlecht zu sein. Nach einer kurzen Einführung, in der der Krieg so erklärt wird, dass ihn auch der geistig minderbemittelte Zuschauer versteht, stapfen sie auch schon los: 300 muskel- und schmierfilmbepackte Spartaner auf dem Weg zur Altölstation.

Doch was bedeutet es eigentlich, einem Volk anzugehören, das heute nur noch im sprichwörtlichen „spartanisch leben“ für miese Ikeamöbel und gestrichene Mittagsmahle steht? „Millers Methadonalmanach“, Seite 12, hilft da weiter:

„Spartaner, Die. Trotzdem hauptsächlich maskulin. Halbnackte Volksgruppe. Frühe Abgesandte des Planeten Crypton. Ihre Körperkraft übersteigt die eines Normalsterblichen um den Faktor 50, bei Sprechrollen sogar um den Faktor 150. Weitere Merkmale: Ein Spartaner merkt nicht mehr viel und kann sich mitunter tagelang in inneren Kriegsmonologen vertiefen, die einen Toilettengang auf den exakt selben Zeitraum strecken können. Erfinder des Zeitlupenangriffs, des Überlebenstriebes und der natürlichen Selektion. Schwache Nachkommen werden bei Anzeichen von Wehleidigkeit und Heulsusentum nach der Geburt getötet. Die Säuglingssterblichkeit liegt bei nahezu 100%.“

“Jetzt live in meiner Sendung anrufen und einen Toyota gewinnen! Ich drück Euch auch die DAAAAUUUMMMÄÄÄÄN!“ – Saruman-TV: Viele Figuren in „300“ sind nicht eindeutig Gut oder Böse zuzuordnen. Das liegt aber auch daran, dass Satans Heerscharen (vorne) ständig den Blick auf die Passanten im Hintergrund versperren.

So metzeln sich die Spartaner standesgemäß durch ein Spar-Drehbuch und sind alles, nur keine Spar-Killer. Das einzige Stilmittel des Filmes ist die exponentielle Erhöhung der Angreiferzahl, welche eine lineare Erhöhung an Warzen, Pusteln und dermatologisch anderweitig überwachungsbedürftigen Auffälligkeiten aufweisen. Um den Zuschauer nicht übermäßig zu unterfordern, werden zwischen den Angriffswellen sogenannte „Verschnaufpausen“ eingelegt, die sich in zeitlicher Hinsicht jedoch nur für Kurzatmige eignen. So wird zu Beginn auch die Figur des buckeligen Möchtegern-Kriegers eingeführt, dessen Rückenpartie in einem Backwettbewerb um den weltgrößten Plastik-Windbeutel geboren sein dürfte. Diese goluminöse Gesichtsbaracke wäre auch wunderbar geeignet gewesen, den Kult um die schön-glänzenden Spartaner (Motto: „Halt still, Kollege. Ich spiegele mich gerade in Deinem Oberkörper.“) aufzubrechen.

Doch obwohl der Bucklige die Guten verrät, bleibt dies moralisch ohne Folgen. Weder wird sein Verrat bestraft (z.B. 1.000 Jahre Zwangs-Glöcknern im frühen Notre Dame wäre angemessen gewesen), noch kehrt Stinkmorchelköpfchen am Ende des Filmes wieder in den Schoß der Edelmütigen zurück. – Wenn schon die Schönen und das Biest, dann auch mit Gesangseinlage oder großer Gerichtsverhandlung im Prolog! Mit der bloßen Botschaft „Wir waren Helden (andere eher weniger)“ kann ich in Filmen wenig anfangen… Doch sinnlose Einsprengsel wie diese ziehen sich durch den Streifen wie Streifen menschlichen Fleisches. Hier sei auch die Billigheimer-Version einer politischen Intrige genannt: Ab und an dürfen wir die Frau des Königs sehen, die sich daheim mit Beratern und Widersachern trifft, um abwechselnd beraten oder vergewaltigt zu werden. – Eine hübsche Idee, wie ich ungeachtet der Proteste Alice Schwarzers behaupten möchte, jedoch im Gesamtkontext völlig unerheblich und nur als vierdimensionaler Abstandshalter zur nächsten Entkörperungsszene zu gebrauchen…

“Okay, ich hab’ noch einen Guten: Kommt ‘n Vermummungsverbotsgesetz in den Bundestag…“ – „Junge, halt endlich den Klappe und maschier fröhlich in den Tod, wie das restliche Kanonenfutter auch!“ – „Was ist eine Kanone?“ – „Wieso will denn hier nur keiner meinen Schwerbehindertenausweis sehen, buhuuu?“ – „Sollen wir nicht doch desertieren?“ – „Chef, bitte hören sie doch mal 5 Minuten auf mit der ewigen Fragerei!“

Die Computeroptik bemüht sich natürlich nach Kräften – soviel eigener Wille darf ihr nach Jahrzehnten der KI-Forschung zugestanden werden – das Drehbuch auszugleichen, das man ohne Zweifel auf eine Bierschaumblase ritzen könnte. Ähnlich „Sin City“ wird hier an Farben gespart. Am deutlichsten schimmern meist nur ein paar abgewrackte Leberschaden-Gelbs durch den zwangsminimalisierten Kunsthochschulstil. Und natürlich darf auch das liebe Rot nicht fehlen, das von Umhängen und Blutabnehmutensilien blitzt. – Ein gewisse Körnigkeit des Bildes (möglicherweise nur im Kino auszumachen) scheint dabei ebenfalls gewollt zu sein. Vielleicht hegte man die Hoffnung, zufällig irgendwo den Samen des recht bald aufblühenden Kults untergemischt zu haben.

Durch die mangelnde Tiefenschärfe und dem sparsamen Gebrauch von saftigen Schwarz-Weiß-Auen (wobei dies bei unserem regenarmen April fast schon als prophetische Bauernvision durchgegangen wäre) wirken die Einstellungen oftmals etwas beengt, zusammengezurrt, wenn auch irgendwie klassisch. Episch vom Nähtisch. – Aber bei einem Bluescreenabenteuer, bei dem jene Blauscreen höchstens aus psychologischen Gründen in einem Studio in Neuseeland aufgestellt werden würde, ist natürlich die eine oder andere Einschränkung zu erwarten. „300“ ist definitiv kein „Herr der Ringe“-Konkurrent. Ich sage das nur so deutlich, damit er selbst es auch begreift, denn visuell driftet das Gesamtklumbwerk immer unverblümter in Sagenwelten ab: Olif… Elefanten sind da schon mal plötzlich 20 Meter hoch, was ihnen nach Darwin auch vergönnt sei.

Ork-ähnliche Hirnschmalzunterrepräsentanten sind ebenso zu sichten wie ein plötzliches Tier-Mischwesen im Zelt des 3 Meter großen Oberbusenwichtes. Mittendrin steht übrigens der genannte Bucklige, dessen Kautschuk-Anzug in dieser Szene von willigen Sklavinnen abgeschleckt wird. Da platzt dem Guten fast das vergrößerte CGI-Auge, welches übrigens sein rechtes ist. – Wer nach Bildern wie diesen am Kinoausgang nicht nach Werbung für LSD-Eis und Extasy-Popkorn Ausschau hält, muss in Sachen Schrägheit wohl mindestens in Pisa aufgewachsen sein…

“Auuuuf iiihn mit Getüll!” – Arbeit nach der Stechuhr: Der Gute (hier gut im Bild) zeigt den Bösen, was seine Schwarte ist. Immerhin ist so nicht nur Jan Ullrich bis zum Lebensende mächtig gespeert… Diese Szene läuft übrigens in extremer Zeitlupe ab. – He, Ihr beiden Idioten! Wieso starrt ihr dieses JPG so ausgiebig an und nickt wie bescheuert, hä?

Natürlich muss man den ganzen Krempel so sehen: Diese Geschichte ist natürlich eine Sage mit einem wahren Kern in Gestalt eines versteckten Pixelfehlers. So, wie Anglerlatein den gefangenen Fisch nachträglich auf ein Niveau aufbläht, dass der Erzähler sich zum Zeigen längere Arme anschrauben müsste, so gigantomisieren sich hier auch die Gegner. Man kann sich zu Beginn des Films gut vorstellen, dass irgendwo ein Erzähler um das Lagerfeuer in der Kinokasse sitzt und aufgeregt berichtet: „Der Wolf, er hatte die Schulterhöhe eines ausgewachsenen Kriegers. Sein Fell war schwärzer als die mondlose Nacht… – Und seine Zähne sahen voll krass nach ‚Alien’ aus, Alter!“

Ist wenigstens die Human-Schächtung auf einem eindeutig positiven Niveau? Kann die Action versprechen, was die Lanze hält? Bekommen wir ein episches Schlachtengemälde oder den röhrenden Hirsch in Schwarz, Rot, Blass-Gelb? – Nun, wer den Maßstab in Form eines Speers auf ein gänzlich neues Niveau angehoben sehen möchte, wird wohl enttäuscht werden. Gegen die realistische Wucht eines „Braveheart“ stinken die inszenierten Guckloch-Anfertigungen dann doch ein wenig ab. Ein paar Einstellungen kann man als durchaus gelungen betrachten, jedoch ist dies wohl persönliche Einstellungssache… Unvergessliche Sequenzen haben sich höchstens bis Oberkante Unterschenkel in meinem Körper eingegraben. Ein spontanes Brainstorming besonders prägender Momente enthüllt:

– Elefanten, von Klippe fallend (Notiz an mich: Wortspiel „chauvinistischer Rüsselvergleichs-Film“ unterbringen)
– Pfeilhagel, der die Sonne verdunkelt (Notiz an mich: Wieder mal die Bibel lesen)
– Lachanfall, siehe kränker werdende Gegnerhorden
– Digitales Blut, das nach dem Auftreffen auf dem Boden verschwindet (Notiz an mich: Begriff „Blutiger Film“ neu definieren)

Ab und an hätte man sich durchaus eine Perspektive gewünscht, die nicht aus der Hosenschlitzkamera gefilmt worden wäre. Zwar sieht man die Gegnerhorden durchaus in epischer DSL-Bandbreite anrücken (natürlich alles digital), jedoch ist der gewählte Bildausschnitt für die Nahkämpfe meist so leer wie ein Schulaufsatz zur „Aussage des Films“: Ein paar Stuntmänner hacken stets am selben Felsen auf andere Stuntmänner ein, dessen Mund mittels eines baumwollenen Fliegenschutzes vor Gähnunfällen geschützt wird. Am Ende eines jeden Levels wird dann dem Endgegner die erste Silbe seines Namens näher gebracht. – Alles nett anzusehen, aber nichts, was man gesehen haben müsste, wenn man nicht wollte.

Die Darstellung des Spartaner-Königs kann im Rahmen der eingeschränkten dramatischen Möglichkeiten als gelungen betrachtet werden: Bart, traurige Augen, Haupthaar. Wirkt alles sehr griechisch.

Kommen wir nun zu dem letzten und vernachlässigbarsten Punkt unserer Besprechung:

Story:

Tausende Perser unter der Führung eines Riesen greifen Sparta an. 300 Männer halten einen schmalen Durchgang am Strand.


Fazit: Es gibt eindringlichere Beispiele von misslungenen Filmen, die sich auf Hämoglobinwogen in unser Herz spülen wollten. Der Look ist noch einigermaßen frisch, die Übertreibungen nahe den Grenzwerten zur Eigenparodie. Leider enttäuscht jedoch das Ende: Statt einem epischen Kampf Mann gegen Monster zu präsentieren, fällt der Spannungsbogen auf seiner Spitze zusammen wie ein Spartaner im Seminar „Emotionale Intelligenz verstehen“. Die Fragen „Kommt da noch was?“ bzw. „Geht’s noch/schon?“ waren das, was am Ende übrig blieb.

Zumindest ein Spin-Off würde ich mir noch wünschen: „The Rise of the Buckligen“ – Wurde er jemals sexuell befriedigt? Und ist der Nacken eines Mannes wirklich eine erogene Zone?

3 Ohren1 Ohren0 Ohren4
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300 halbnackte Männer ziehen aus… pardon, geht ja gar nicht mehr… marschieren an die Küste, um sich persischen Mutanten zu stellen. So, die Inhaltsangabe hätten wir damit hinter uns.

Aber mehr hatte ich selbst auch nicht erwartet. Denn 300 lebt wie schon „Sin City“ vom ungewöhnlichen Comic-Look, welcher die Szenerie als liebevoll zusammengefügte Collage zeigt. Zwar muckt eine Handlung in Form von Verrat und Machtspielen mal kurz auf, aber dann konzentriert man sich doch lieber auf die Parade unserer spartanischen Elitekämpfer, welche etwas wie „Bekleidung des Oberkörpers“ wohl für eine Art Kellner-Uniform halten würden.

Viel gibt es zu den tapferen Recken auch nicht zu erzählen, da die Charaktere auch für einen Actionfilm leider sehr karg ausgearbeitet wurden. Kriegt King Leonidas zu Anfang noch eine schöne Szene, wo er dem persischen Gesandten das hiesige Problem mit Schlaglöchern praktisch demonstriert, wird kurz danach auch schon losmarschiert, während Weib nebst Volke traurig Winke-Winke machen und der 08/15-Verräter im Hintergrund schon die Messer schärft.

Aber wie gesagt, das alles dient sowieso nur dazu, um die eigentliche Absicht des Films ein wenig zu vertuschen. Nämlich das Zeigen brutaler Massen-Kloppereien. Und diese haben mir eigentlich durchgängig sehr gut gefallen, wenn sie durch den starken Bluescreen-Einsatz auch häufig sehr steril wirken. Da ziehe ich selber echte Schein-Schlachten inklusive Dreck und Staub doch noch vor, aber durch das Comic-Stilmittel vergebe ich so etwas gerne. Auch, daß die persische Armee größtenteils aus Orcs und anderen Verstümmelten zu bestehen scheint, während Xerxes damals anscheinend drei Meter groß war.

Doch dies zeigt nur umso mehr, daß sich niemand unter 300 einen historischen Epos vorstellen sollte und es sich stattdessen schlicht und einfach um einen knorken Popcorn-Streifen Marke „Hirn aus“ handelt. Außerdem hatte ich danach umheimlich Lust, mal ein Dampfbad zu besuchen. Keine Ahnung, wieso.

Meine Note: 3+


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Artikel

von Klapowski am 03.05.07 in Film-Review

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Kommentare (14)

  1. Gast sagt:

    wer hier mehr als popcornkino erwartet ist selbst schuld ^^

  2. nakedtruth sagt:

    Das wirklich peinliche ist, das ich den Film gesehen habe, mit wenigen Erwartungen an die Story, vielen an die Optik und dem Film auch so ca. bei 4 einordnen würde.

    Eine Woche später gehen meine Eltern rein und sind begeistert.

    Fazit : Spar ich mir jetzt lieber.

    Und fordere ein Sunshine Review. Gesamtnote 3+ (1 Punkt Abzug f. dussligen Schmorbraten Mystik Mist)

  3. Gast sagt:

    Wieso Klapowski Braveheart gut findet ist mir schleierhaft. Der kitschige Mist ist doch nicht auszuhalten. In einer Reihe mit "Glanzlichtern" wie Pearl Harbor oder Armageddon.

    Ich finde es schade, dass 300 sich krampfhaft an die Comicvorlage haelt.
    Ein bisschen mehr Charakter- und Dialogschliff haette gut getan. Die Medien Comic und Film sind einfach zu verschieden.

  4. Gast sagt:

    Also mir hat der Film gefallen…

  5. P.N. 03 sagt:

    ich fand den Film gut.

    …und zwar, weil ich mir von ihm genau NICHT MEHR erwartete als Popcornkino mit Matrix-ähnlichen Zeitlupeneffekten, sinnlose Mutanten, überzogenen Sprüchen und einem Goa'uld als Perserkönig.

    selbst die "Captain am Spieß" Szene kurz vor Schluss, in der selbiger, schon aufgespießt, noch weiter munter 2-3 Orks abschlachtet, war für mich mehr als absehbar. Gestört hats mich nicht, auch wenn die Kopie dieser beliebten HdR-Szene genauso dreist wie auch bei "Nemesis" wirkt.

    Ich wollte keinen Realismus und auch keinen Tiefsinn sehen.

    die Sterilität der Optik ist Geschmackssache. Ich steh drauf, egal ob es sich um Innenarchitektur, Landschaften, Videospielgrafik o.ä. handelt.

    im Gegensatz zu vielen Reviews konnte ich in den Kameraschnitten und den Effekten allerdings nix ach so revolutionäres entdecken. Für mich waren die Kämpfe mit einer aufpolierten Bullet-Time versehen, nicht mehr und nicht weniger.

  6. crysis sagt:

    Also ich dand den Film…gar nicht. Ich hab ihn nämlich gar nicht erst gesucht. Dank dir fühle ich mich damit auch sauwohl, man hat ja schließlich wichtigeres zu tun…Äh…

    Ich freue mich übrigens sehr, dass Klapowski "Emotionale Intelligenz" kennt.

    Btw, hast du meine Mail bekommen?

  7. Gast sagt:

    Habe den Film gesehen, schlachten von Feinden, sex, geile musik
    und six packs. :-)

  8. GG-Hoffmann sagt:

    Comic-Verfilmung? Kein historisches Heldenepos? Offensichtlich habe ich beim Überfliegen des Kulturspiegels der Heimatgazette 'mal wieder alles gründlich mißverstanden. Bin total enttäuscht. Hatte mich nämlich bereits in die spartanische Geschichte eingelesen, um nach dem Kino-Abend meine Freunde mit gehobener Klugscheißerei langweilen zu können. Hätte mir aber auch gleich auffallen können, daß in den geschichtlichen Quellen eine Schlacht der Spartaner gegen mutierte Nazis am Ohama-Beach nicht erwähnt ist.

    Jedenfalls hat mir dieser Doppelhammer – wie eigentlich jedes Review auf dieser Seite – wieder einmal die Lust auf den Film gründlich versaut. Könntet Ihr bitte auch noch Spider Man 3 besprechen? Vielleicht kann ich mir die 8 Euro auch noch sparen. Nur von "Fluch der Karibik 3" werdet Ihr mich nicht abhalten. Habe mir bereits Lidschatten aufgetragen und mich in mein schönstes Piratenkleid geworfen. Ho He Ho und ne Buddel voll Prosecco… Stößchen!

    Mit freundlichen kollegialen Grüßen,

    GGH

  9. Gast sagt:

    Sin City? War doof. Frank Miller? Kenn' ich nicht. Comics? Kenne nur Asterix, aber… 300? Super !

    Ich fand den Film einfach nur lustig! Die Szene mit dem Apfel: Hilarious! Das Einzige was mich störte war die Verwurstung von alten Kostümen: Ich könnte schwören das so ziemlich jedes Perser-Bösewicht-Kostüm schonmal in irgendeinen anderen Film aufgetaucht ist (Kennt sich da jemand besser aus?) Aber hey, dafür ist es auch ein Action-Film den man sich sorglos ohne Nörgelei mit seinem Mädel anschauen kann…

  10. DJ Doena sagt:

    Geniale Schlachtszenen in einem Fantasy-Metzelfilm.

    Es gab nur zwei Dinge, die mich am Film wirklich gestört haben und das war, dass die hässlichen Spartaner alle zu den Verrätern gehörten, an der Stelle wars dann sogar für diesen zweidimensionalen Film zu platt.

    Das zweite war die Senatsszene mit der Frau Königin. Die passte in keiner Art und Weise. Zum einen nahm sie völlig unnötig die Fahrt aus dem Film, zum anderen war sie völlig unglaubwürdig inszeniert und man hatte das Gefühl, der Film sollte hier eine Tiefe bekommen, die er nunmal nicht hatte. Allein diese ganze "oh der war ja ein Verräter, na dann sind wir mal für die Königin" war oberpeinlich. Sollte IMHO im DC gnadenlos gecuttet werden.

    Ansonsten hab ich beim besten Willen keinen einzigen Iraner in dem Film erkennen mögen, so sehr ich auch gesucht habe. Nagut, ich hab ja in den Spartakus-Filmen auch nie Italiener gesehen, nur ein paar Römer.

    Im Prinzip hab ich das gesehen, was ich erwartet hatte: Eine Comicvorlage stilistisch astrein umgesetzt.

  11. Cronos sagt:

    Klar war der Film Schwachsinn hoch drei, aber dafür gut gemacht. So richtig sinnloses Gemetzel hatten wir lange nicht mehr. Jedenfalls nicht in dieser Qualität.

    Außerdem, wann durfte man schon mal ungestraft hunderte Behinderte abschlachten?

    ;)

  12. bergh sagt:

    tach auch !

    [quote]
    #9592 von crysis am 04.05.07 um 10:12 Uhr
    Also ich dand den Film…gar nicht. Ich hab ihn nämlich gar nicht erst gesucht. Dank dir fühle ich mich damit auch sauwohl, man hat ja schließlich wichtigeres zu tun…Äh… [/quote]

    DITO !!!!!

    Und in FDK III gehe ich auch wenn Klapo ihn verreist.

    Die Rezension an sisch war klasse, weil Klapowski Sin City gut findet (ich auch)
    und GGH Fluch der Karibik (ich auch).

    Und die liebevolle Homage an seinen Redaktionskollegen Sparki.

    Weiter so.
    Gruss BergH

  13. Gast sagt:

    300 fand ich ok… Es sind aber nicht genug Leute brutal geschlachtet worden….

    Naja, der ersten FDH äh FDK fand ich auch gut, den zweiten… NAAAAJAAAA…. vorhersehbar, abstrus und die Charaktere teilweise verändert seit dem ersten.
    Wer mir der dritten aber in jedem Fall ansehen.

  14. leonidas sagt:

    also ich muss sagen, dass 300 der beste Film ist, den ich je gesehen habe..
    allein die sprache, wie ellios, der erzähler, die Geschichte erzählt…
    wirklich hammer, die sprache, die effekte.. ALLES

    „nur die starken, erbamungslosen dürfen sich sparthiat nennen“
    „schenkt ihnen nichts, nehmt ihnen alles“

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