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„Scanners“ (1981) – Das Review mit dem Röntgenblick

Genial! Abscheulich! Unglaublich! – „Scanners“ hat wohl das trashigste Filmposter aller jemals unter dem Laberpseudonym „Review“ veröffentlichen Texte auf Zukunftia. Könnte auch aus „Frankensteins Monster“ sein oder ein Warnhinweis für Leute, die mit Starkstrom arbeiten. – Der Film selbst war der erste größere Erfolg unseres Freundes David Cronenberg, der vielen Zulesern hier unter dem Pseudonym „Neee, die Reviewsammlung mit dem Gedärm les’ ich nicht!“ bekannt sein dürfte. Doch taugt dieser Scanner überhaupt was? Oder gibt es da noch was Besseres von Medion?

INFORMATIONEN:

Regie: David Cronenberg
Jahr: 1981
Budget: ca. 2,5 Mio $

Poster
Man scannt sich ja sonst nichts…
Inhalt: Ein Mann lässt eine Frau per Gedankenkraft zusammenbrechen und wird daraufhin von einer geheimen Organisation eingefangen. Er ist einer von vielen „Scannern“, also ein hochbegabter Telepath. Ein anderer von denen schart jedoch bereits Personal für einen dunklen Plan zusammen, was aber eher verboten ist…

Besprechung:

„Scanners“ ist immerhin ein solch großer Klassiker, dass er 2 Nachfolger nach sich zog. Ich tippe jedoch – wider aller Logik – auf die Bestechung des Produzenten durch den Regisseur… Ist der allererste doch für Actionfreunde zu lahm (2x schießen, dann platzt der Kopp – also der des Schützen!) und für anspruchsvolle Kunstfilmliebhaber und andere Haschischraucher zu platt. Eigentlich ist er sogar für eine ausführliche Rezension zu belanglos, aber ich hatte Sparkiller VOR meinem Ansehen um einen Meinungskasten gebeten und wollte nicht zugeben, dass ich mir diesen Film“tipp“ beim Wikipedia-Roulette erspielt hatte.

Den Text-Rückzieher hat dann unerwarteterweise mein Kollege gemacht. Und er tat gut daran.

Die „Scanners“ können Gedanken lesen und auch punktuell manipulieren („Das sind nicht die Droiden, die ihr sucht. Ach ja, und erschießt euch selbst!“), sind aber hauptberuflich als Blutungsassistenten unterwegs: Wenn einer mal Nasenbluten braucht: Anrufen! Mal wieder die Hände auf die Ohren pressen und befreit aufschreien? Das hier sind die Männer für die nördlichen Körperöffnungen! Den Kopf in tausend Fetzen zerplatzen lassen, auch ohne Knarre? Unser Scanners-Team mit angeschlossenen Trickspezialisten nebst ausgehöhltem Filmkürbis können auch hier helfen! Epileptische Anfälle auslösen? WIR kitzeln ihre Nerven, bis selbst ihr Neurologe irre zuckt!

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„Hey, was habe ich denn da an den Händen? Oh… Sie haben wohl doch endlich die neue Glaswand in der Lobby installiert. Hatte ich beim Durchgehen gar nicht gemerkt.“ – Hier ist der Schnitt noch echte „Handarbeit“: Theo Triefaug unterwandert die Bösen, um ein Ticket für den Showdown zu lösen… Leider wirkt gegen seine pennetrante (kein Schreibfehler) Performance sogar Keanu Reeves in „Matrix“ wie ein flippiges Koffeeintestgebiet.

Das ist zwar alles gut gemeint, aber die durchaus gewollten politischen und gesellschaftlichen Aspekte, wie sie zum Beispiel auch in den X-Men-Filmen durchklingen, werden durch die ernst dreinblickenden Prota- und Propangasartisten (Pups) null transportiert. Trotz des ernsten Hintergrundes hat man hier das Gefühl, dass hier Hobbyagenten eine geheime Einkaufsliste jagen („Butter und Milch! Das Zielobjekt könnte einen Kuchen backen wollen?!“) oder man mal ordentlich die Sau und die Gefühle DRIN lassen wollte. Der Held schlappt im schicken Anzug durch Kunstausstellungen, Läden, Wohnhäuser und Fabriken, stellt mechanisch die eine oder andere… SELBE Frage und freut(?) sich mimikneutral, wenn wieder mal alle Informanten über den Haufen geschossen wurden. Dann war ER nämlich anscheinend wieder der glückliche statistische Ausreißer in Sachen Kugelfang…

Dass die Scanners nicht nur in Menschen, sondern auch in Computer eindringen können, war mir dann doch etwas weit hergeholt. Hauptsache, irgendwas mit Elektrizität? Gibt es hier dann theoretisch auch besessene Blitze oder einen elektrostatisch geladenen Pullover, der den Feind belauscht? Und wieso mussten die IT’ler durch explodierende Computer getötet werden und ST-TNG somit eine fragwürdige Vorlage liefern? DAS ist immerhin ein Film von David Cronenberg, da hätte man die Überlastung auch durch herumfliegende Bananen oder Genitalien visualisieren können!

Apropos Herumfliegen: Die Szene, in der einem Typ vor Publikum der Schädel explodiert, war damals (1981 bis 12. Mai 2009, wo das Publikum erstmals härter als diese Sequenz wurde) berüchtigt. Noch heute kann man sich diese Animation in Einzelbildern im Internet ansehen, was mich regelrecht anwidert. Weil es nämlich nur diesen EINEN bemerkenswerten Moment gibt und die restlichen „Splattereffekte“ des Films schon damals keinen Zweiten-Weltkriegsteilnehmer geschockt haben dürften („Blut am Kopf? Immerhin HAT der noch eine Murmel auf den Schultern. Mein Freund Emil hingegen…“).

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„Wo waren sie Gestern zwischen 12 Uhr Mittag und den Jahren davor?“ – „Ich weiß nicht mehr, ob ich das noch im Kopf habe.“ – „Dann gehen wir zusammen rein und schauen nach!“ – Hinz und Kunst: Theo Triefaug spricht mit vielen Leuten, die alle wenig wissen, diesen Umstand aber schon wieder vergessen haben. Hier ist daher eine Gesprächstaktik gefragt, die von Experten auch „Redenrückhaltebecken“ genannt wird. Echt spannende Sache… – NICHT.

Und ich möchte noch einmal erwähnen, dass der Hauptcharakter so unterbeschäftigt wirkt, als hätte er seinen Geist schon zu Beginn in einen Bürolocher transferiert. Dass auch er Angst hat bzw. haben MÜSSTE, trotz seiner durch eine Art SF-Contergan ausgelösten Hirn(i)-Fähigkeiten, das kommt zu kurz. Der Held ist lediglich ein leeres Blatt Papier, wobei der Schauspieler zum Casting wohl nur seine metallisch glänzenden Augen mitbringen musste, die am Ende sogar noch mal wichtig werden. Aber wie heißt es so schön in Jobangeboten, z.B. im Öffentlichen Dienst: „Behinderte werden bei gleicher Qualifikation bevorzugt“.

Der Böse wirkt dadurch fast charismatischer, schwankt aber SEHR zwischen irre („Aaahr, muss mir ein drittes Auge auf die Stirn bohren, rrraahr!“) und seiner fast beamtenmäßigen James-Bond-Bösewicht-Bosheit („Muss neue Menschheit erschaffen. Merkt ja sowieso keiner!“) hin und her. Immerhin sieht Michael Ironside (u.a. aus „Starship Troopers“) extrem aus wie ein junger Jack Nicholsen. Und Filme mit Jack Nicholsen waren eigentlich schon immer gut.

Manche Szenen wirken jedoch fast witzig oder zumindest mittelmäßig geschauspielert. Der Haupt-Professor erinnerte an eine Klischee-Klonung als „Professor Hastig“ aus der Sesamstraße und Wolfgang Thierse nach düsteren Experimenten mit einer Designerdroge namens „Baldrian“. Überhaupt wird in diesem Film nie gelacht, gelächelt, zart geschmunzelt oder mal ein versauter Witz erzählt. Die normale Bevölkerung wirkt dadurch nicht sehr rettenswert oder gar besonders… normal. Aber das zieht sich durch fast alle Cronenberg-Filme. Nur, dass es hier keine Halluzinationen gibt.

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„Nein, Herr Hautarzt, die Muttermale auf meinem Arm haben sich wirklich nicht vergrößert. Kann ich dann gehen?“ – Schon wieder mit dem Gesicht zu nah am Wattwurm-Terrarium geschlafen? Dass Psyche und Hautprobleme zusammenhängen, das wusste man bereits seit der Servicezeitschrift „Funkuhr“ von 1976. Für DIESE Giganto-Gesichtsausprägung muss man allerdings schon das Ego eines Online-Reszensenten besitzen.


Fazit: Gejagte Menschen mit besonderen, begehrenswerten Fähigkeiten? Was auf dem Lehrstellenmarkt immer seltener wird, gibt es zumindest im Filmbusiness schon massenhaft. Siehe „X-Men“, „Heroes“ oder „Daniel, der Zauberer“. – „Scanners“ bietet daher nichts, was andere Thriller der Marke „Vom Wickeltisch gefallen und kann seitdem Kraft seiner Gedanken den Müll trennen“ nicht schon besser gemacht hätten. Und optisch bewegt sich der Film, abgesehen von einem vorzüglich geplatzten Kopp, eher noch im 70er- als im 80er-Jahre-Bereich. Scannt Euch also lieber selbst an der Supermarktkasse…

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Artikel

von Klapowski am 12.07.13 in Film-Review

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