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KLAP-KLASSIK: Jahr der offenen Tür – Sicherheit in Star Trek

„Spark, ich liege hier noch die nächsten Tage mit Grippe in Halle. Nein, nicht in der Aufbahrungshalle vom Bestatter…“ – Den Klapowski kann man so langsam aber sicher in der Pfeife rauchen. Wobei nicht nur der unangenehme Geschmack nach Altmännertränen und ranzigen Weinblättern ein Grund ist, dies nicht in der Praxis auszuprobieren. Es ist nun jedenfalls wieder einmal an der Zeit für einen Klap-Klassik, in welchem wir auf dieser Seite nicht mehr erhältliche Daniel-Texte aus unserem staubigen Archiv ziehen und den leichtgläubigen Lesern als völlig neu verkaufen. Ganz nach den Prinzipien der Musikbranche also.

Von Daniel Klapowski:

„Star Trek – Damit ich mir sicher bin!“ – Dieser Satz aus der Tampon-Werbung ist bei unserer Lieblingsserie leider immer noch nicht die… Regel. Die Sicherheitssysteme bei Star Trek hatten nämlich schon immer einen kleinen Haken: Wenn man sie gerade am nötigsten brauchte, zogen sie sich mit dem trotzigen Kommentar zurück, sie seien noch nicht erfunden.

Denn wer ernsthaft glaubt, beispielsweise kleine und futuristische Überwachungskameras an den Decken zu finden, der kann dort bei dieser Gelegenheit auch gleich nach dem Weihnachtsmann Ausschau halten. Zwar können die Sensoren schweißige Transpiration und keuchende Lungenbenutzungs-Lebenszeichen noch aus etlichen Lichtjahren Entfernung aufschnappen („Captain! Klingonische Lebenszeichen hinter dem 3. Stern rechts!“), wer jedoch zusammen mit Bekannten durch die Schiffscafeteria streift, sorgt in den Sensoren nur für die pauschale Feststellung: „Angriff der Klonkrieger!“. Ob Männlein, Weiblein oder Fähnrich Kim: Alles fällt dann unter die irreführende Bezeichnung „menschliche Lebenszeichen an Bord“.

Wer sich also an einem verregneten Samstagnachmittag wieder von einem Energiewesen hat übernehmen lassen, muss nur daran denken seinen Kommunikator an den Deckenventilator zu heften. Wer immer dann den Brückencomputer argwöhnisch nach seinen Pappenheimern befragt, erhält die beruhigende Antwort: „Mr. Neelix befindet sich in der Küche, in der er sich seit 13 Stunden im Kreis bewegt; Radius 0,56 Meter.“ Der anfragende Offizier nickt dann nur wissend und denkt: „Neelix, dieser Teufelskerl! Dank ihm läuft mal wieder alles rund!“. Unterdessen steckt der potentiell zu exorzierende Küchenchef aber in einer Plasmaleitung und versucht den Antrieb mit ätzenden Soßen zu sabotieren.

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Endlich gefunden: Die Schulungsunterlagen der Star Trek-Sicherheitscrews!

Statt überall rote Deckenlampen schnarren zu lassen, die die gesamte Crew in Alarmbereitschaft versetzen, stolpern nach dem Sprüchlein „Captain an Sicherheit! Fangen sie die Eindringlinge!“ maximal drei Jugendliche aus dem Bett im schiffsinternen Taubstummenheim. In dem trägen Galopp, den man immer dann an den Tag legt wenn man auf’s Klo muss jedoch auch nicht zu unangenehm auffallen will, hampeln sie schweigsam durch die Gänge. Die Worte „Teamfähigkeit“ und „Kommunikationsbereitschaft“ in der Stellenbeschreibung beziehen sich dabei nur auf den bald notwendig werdenden Aufenthalt im Mehrbettzimmer auf der Krankenstation.

So wird also durch die Gänge gehoppelt, bis schon der Erste niedergeschossen wird. Sofort drückt sich der müde Rest(alkohol) an die Wände und feuert aus allen Rohren. Manche sogar in den korrekten Schiffsgang, aus dem die dunkle Bedrohung naht! Jahaaa, wie in den schönsten Star-Wars-Szenen geht es dann plötzlich zu! Schon damals konnte man dort Laserstrahlen nicht von Torschüssen der deutschen Nationalelf unterscheiden.

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Sicherheitsoffiziere beschossen einen bewaffneten Alien, der sich mehrere Minuten vor dieser Wand verbarrikadierte. Dann konnte er entkommen…

Kurz: Würde sich ein Sicherheitsmann das Leben nehmen wollen, er dürfte sich niemals eine Schusswaffe in den Mund stecken! – Der Lauf würde in die falsche Richtung weisen und nur den Abschiedsbrief auf dem Tisch in seiner Existenz bedrohen.

Gerade in der 7. Voyager-Staffel starteten dermaßen viele Aliens erfolgreich ihre Invasionen, dass man sich als Filmliebhaber zeitweise in das Jahr 1950 zurückversetzt fühlte. Ob Gefangenentransport, Jahresversammlung der klingonischen Schrumpelkopfdeligation oder hypnotisierte Marquismütter: Wer an Türsteher Tuvok vorbeiwollte, mußte nur 18 sein und topmodische Strampelanzüge tragen, schon erschlaffte der Widerstand des Sicherheitschefs wie Kim’s Liebhaberinnen ohne Luftpumpe.

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Überfordert? – Sicherheitschef Tuvok bewacht im Aboretum wertvolle Rohstoffe…

Niedlich sind in Star Trek allemal regelmäßig die Versuche, Eindring- Ausdring- oder einfach nur Sonderlinge durch sich schließende Türen und herabsenkende Kraftfelder aufzuhalten. Jedes Kind, das die grundlegenden Prinzipien eines Lichtschalters begriffen hat (da bei der Föderation alles und jeder ebenso grundlegende wie zahlreiche Prinzipien hat, ist dies zugegebenerweise auch nicht ganz sooo simpel), nimmt in diesem Falle einfach die Wandverkleidung ab und zieht irgendeinen Nippel durch die Lasche.

– Voilà! Willkommen im Selbstbedienungsfuhrpark der Firma Shuttle!

Im schlimmsten Falle ist es jedoch die Brücke, die dran glauben muss. – Nämlich an uneingeladene Gäste mit gewöhnungsbedürftigen Vorlieben für Partyspielchen!

Da die Erfindung des Vorhängeschlosses in den letzten Jahrhunderten bedauerlicherweise vergessen wurde (ähnlich der Antigravitation beim Pyramidenbau), kann man als Brückenoffizier nichts dagegen tun, demnächst Kommandosessel und Kloschüsseln räumen zu müssen. Da bleibt einem nur noch höfliches Abspülen und der sofortige Rückzug. Denn jeder, der einen Turbolift bedienen kann, kann schnell eine ausgewachsene Brückencrew bedienen. Nämlich mit Phaserstrahlen im Schlafrock, DER kommenden Delikatesse für alle Kommandierenden in Uniform!

Retinascan, DNA-Analyse, Fingerabdrücke, Infrarot, Stuhlprobe… – Alles Sicherheitsschnee von Vorgestern. – Von vor ziemlich vielen „Vorgestern’s“, um genau zu sein. Statt dessen beschränkt man sich auf Codes wie: „Notfallüberbrückung! GammeBetaZeta-Jones! Eins, Zwei, Drei, ganz viele! Omega nicht zu vergessen!“

Ich vermute mal nicht, dass derlei Salatsilben nur dann funktionieren, wenn der Computer sie auch von der richtigen Stimme gesagt bekommt. Denn wenn es nach Stimme ginge, könnte man sich den Kinderreim ja auch sparen… Was wäre dann, wenn die fernöstliche Weisheit (genauer: DDR) recht behalten würde, die da sagt: „Feind hört mit“? Die Welt von Star Trek ist ein Ort, an dem Worte wie „Überwachungsmonitore“ nur mit Schulterzucken bedacht werden „Warum sollte man Monitore überwachen? Die tun doch keinem was!“

Ich geb’s auf, Star Trek. – Dann lass‘ dich halt wenigstens invasionieren, wenn schon die Zuschauer nicht mal mehr ‚reinschauen…

(Artikel vom 02.07.2003.)


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Artikel

von Sparkiller am 10.02.13 in Star Trek

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