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„Men In Black 3“ – Das Schwarz(?)seher-Review

Oh Mann, haben wir auf Zukunftia viele Filme verpasst! „Cowboys versus Aliens“, die 5. Blu-ray-Edition zu Avatar und dann diese angeblich außerirdisch schlechte „Wetten dass…?!“-Folge. Aber zumindest MIB3 will ich heute endlich mal besprechen, bevor der Film schlecht über MICH redet. Kann das erneute Aufbacken des ersten Teils wieder an alte Qualitäten anknüpfen, oder sollte man das harte Franchisebrötchen nach all den Jahren vielleicht doch lieber zum Diamantenschleifen benutzen?

INFORMATIONEN:

Regie: Barry Sonnenfeld
Jahr: 2012
Budget: 215 Mio. Dollar

Poster
Nichts gegen Schwarze, aaaber...
Inhalt: Agent K wird in der Vergangenheit gekillt, worauf Will Smiths (Alias anderer Buchstaben-Name) zurück reist, um mit dem jüngeren Ich seines Kollegen auf die Jagd auf den Fieswicht zu gehen.

Wertung:

Ich habe MIB 2 bestimmt drei Mal gesehen (spätere Alpträume nicht mitgerechnet) und weiß immer noch nicht, worum es da ging. – Womit ich mit den Machern wohl schon einiges gemeinsam habe. Heeey, aber immerhin war das damals diiiie (*dunkle Moderatorenstimme bekomm*) volle, miese Schlangen-CGI-Poooower! Jaaa, schlagt ein, ihr Machermaden! (*klatsch*)

Wie auch (schl)immer: der dritte Teil macht einiges wieder gut, was der zweite schlecht oder gleich GAR NICHT gemacht hat. Zuerst einmal macht er etwas sehr Cleveres, mit dem jede erlahmende SF retten kann, wenn der abgenagte Franchise-Knochen nur noch Tabakkrümel vom zigarrerauchenden Producer aufweist: Eine ZEITREISE einbauen! Das sorgt nicht nur für beliebte Fragestellungen wie: „Wenn ich meinen Großvater umbringe, nachdem ich sein Enkel geworden bin, komme ich dann in den Jugendknast?“, sondern auch für neue Einsichten im Gesamtkontext. Wie war z.B. Agent K, als er noch jung war und von einem anderen Schauspieler gespielt wurde, der ihm aber verdammt ähnlich sieht? Und wie geht eine fast schon parodistische Filmreihe wie „Men in Black“ mit einer anderen Zeitebene um, obwohl sie schon in UNSERER um 100% überzogen hat?

Die Antwort lautet: Zu Beginn recht gut! Das Jahr 1969 passt auf die gewollt trashige Gesamtausrichtung der Serie wie einstmals Kirk in ein Shirt mit Sollbruchstellen vorne! Und das ist den Machern auch so sehr bewusst, dass sie uns mit Vergnügen kurzberockte Sekretärinnen im MiB-Hauptquartier zeigen und die dort herumlaufenden Aliens mit einem Mal kaum noch CGI-animiert sind, sondern wie angemalte Schrotthaufen aussehen. Ein großartiger Spaß für Groß und Kl… Retrointeressiert, der auch noch einen anderen, sehr netten Nebeneffekt hat: Will Smiths Figur darf endlich wieder über seine Umwelt staunen (und den Zuschauer durch schlechte Comedy-Mimik und bipolare Störungen zum Mitmachen einladen), ohne dass man ständig denkt: „Junge, Du bist seit über 10 Jahren dabei. Hat dir das lustige Clownsbuch, dass ihr ‚Berufsanweisungen‘ nennt, immer noch nicht seine bunten Bilder offenbart?“.

„Sie werden mir büßen, was sie aus meinem Körper gemacht haben! Ich bin verstümmelt durch ihr außerirdisches Contergan!“ – „Entschuldigung, unsele Folscher konnten doch nicht wissen, dass einem danach ein liesiger Anzugtläger aus dem Hinteln wächst!“ – Chinesisch süß-kalauer: Agent Dings und der Bruder vom „Matrix“-Smith lassen auch bei Tentakelträgern keines der 5 Augen trocken!

Ein paar der besseren Gags wären diese hier:

Andy Warhal war ein verkleideter MiB (= konterkariert den seit 2,5 Teilen üblichen Gag(a), dass alle schrägen Promis Aliens sind), beim buchstäblichen Sturz in das Zeitloch fliegt Will Smith an einem sich in den Tod stürzenden Börsenhändler vorbei und der Verkäufer der Timemachine ist ein dicklicher Computerladenbesitzer, der aber noch eine ipad4-Länge vor der Grenze namens „Lustige dicke Nerds, die Tausendste!“ Halt macht. Okay, die Scherze sind allesamt nicht zum Totlachen oder sonstwie körperlich beeinträchtigend, aber sie zeigen, dass manchmal reine Skurrilität besser ist als ein humorwissenschaftlich konzeptionierter Gag, den es aus gutem Grund schon bei Monty Python NICHT gab. Ja, ein kleines Bisschen Britisch wirkt das Ding hier schon, und das soll trotz der Unerträglichkeit britischer Urlauber auf europäischen Urlaubsinseln keine Beleidigung sein, im Gegentum!

Die Formel bleibt aber durchschaubar: Will und Will-nicht-mit-Will-unterwegs-sein düsen durch die Stadt, treffen dödelige Menschendarsteller in der Fake-Pelle und stellen lustige Sachen mit ihnen an. Zum Beispiel einem SEHR unecht aussehenden Menschen den CGI-Kopf von den Schultern popeln und damit bowlen. Klingt einfallsreich, ist es aber nicht, wenn man spontan auf 100 ganz ähnliche Ideen kommt. – Eine Oma mit lebenden Haarknoten zum Beispiel oder einen Taliban mit Tentakeln im Bart.

„Okay, dieser Zeitsprung ist das wichtigste Event in der Menschheitsgeschichte!“ – „Hmm… Ich weiß, sie lieben den Quatsch, aber hätten sie nicht auch NORMAL die 2 Stunden abwarten können, bis das große Hallenhalma-Turnie startet?“ – „Lochzeit“ nicht nur im Freudenhaus: Wie immer ist das Zeitreisegedöns nicht unbedingt frei von Logiklöchern. Wieso ist der Typ in der Mitte beispielsweise „Voll wie ein Eimer“, wenn er gerade 3 Liter Flüssigkeit erbrochen hat, hä?

Zwischendurch reden die beiden Agenten über ihr noch nicht etabliertes Verhältnis und bestätigen sich gegenseitig, dass sie sich gegenseitig für völlig gegenseitige Typen halten. Beruht wohl auf Gegenseitigkeit… Man sollte vielleicht mal eine Alienkomödie miteinander drehen, wäre ja ein schöner Kontrast?

Schade nur, dass dieser Anarchoaspekt später immer seltener zum Tragen kommt. Ach was, TRAGEN… Am Ende SCHLEPPT sich die Handlung sogar etwas über die aufgesetzte Buddy-Stimmung. Nichts gegen die Homo-Ehe, aber am Schluss wollte ich dann doch nicht mehr hören und sehen, wie selbstlos Will Smith seinen besten stummen Freund, mit dem er stets über alles schweigen konnte, retten möchte. Über alle Zeiten, universelle Möglichkeiten und Drehbucheinschleimungen hinweg. Charakterszenen sind ja gut und schön, aber erstens sind das hier keine (man analysiert ja auch nicht die Zwischenmenschlichkeit von R2-D2 zu 3CPO) und zweitens verdamelt man damit nur Zeit, die man auch auf hübsch-sinnlose Weise (siehe oben) sinnvoll hätte füllen können.

Der Futzi, der in die Zukunft sehen konnte, nahm irgendwann erschreckend viel Tempo raus. Was man ihm jedoch nicht übel nehmen sollte. Da war ja eh so wenig Tempo und er wollte sie nur an sich nehmen, damit keiner darauf tritt. Und die Alibi-Verfolgungsjagd will ich da noch nicht mal mitrechnen. Am interessantesten fand ich dabei immer noch meine Erkenntnis, dass nach einem Zusammenstoß mit einem Lkw nie der FAHRER des Großgefährts aussteigt.

„Okay, haben wir alles? Waffen? Antimaterie-Unterwäsche? Humorvolle Verweise auf ihre jetzigen und zukünftigen Charaktereigenschaften?“ – „Ich kann diesen Worten keinen inhaltlichen Mehrwert abgewinnen, der Herr.“ (*Gelächter einspiel*) – Comedy für Co-Stars: Smiths „neuer“ Partner bringt frischen Wind an den biederen Pfefferminz-Duftbaum an seinem Gaumenzäpfchen.

Der Bösewicht ist ebenfalls erstaunlich flach, wenn man bedenkt, dass einem in der ersten Sequenz noch fast ein Mondfahrzeug über die ausgeklappte Zunge gefahren wäre. Außer durch seine berußte Brille schauen (schon wieder Sonnenfinsternis?) und uns den Dentalmessie mimen hat der armlose Haltungsarme nicht viel zu bieten. Was schon erstaunlich ist, wenn man bedenkt, dass es hier immerhin um eine Zeitreisegeschichte geht. Aber diese hätte man auch bequem zu einer „Will Smith bekommt neuen Partner“-Story umschreiben können. Die grundlegende Formel der Filme lautet sowieso „Aliens verstecken unter Mützen, Turbanen und künstlichen Pickeln ihre anatomischen Eigenheiten“. – Äh… Da fällt mir ein: Gibt es eigentlich eine Pornoparodie hiervon?!


Fazit: Ein erstaunlich frischer Start wird immer mehr zu einem Brot-und-Butter-losen Buddy-Abenteuer, das teilweise an einen besseren Fernsehfilm erinnert. Einige Passagen und Ideen sind inzwischen in den 3 Filmen so oft vorgekommen, dass man sich problemlos zutraut, mittels schrägem Bösewicht (Punk mit wegschießbarem Irokesen, Kosmische Gemüseverkäuferin mit zupackendem Damenbart?) eine Fortsetzung zu stricken. Die Alienraumschiffe schlagen ja eh nie richtig zu, und so wird die einzige „Bedrohung“ auch weiterhin die bleiben, dass ein One-Liner nicht zündet. Aber dann wären wir JETZT wohl schon alle tot.

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

SPARKS MICKRIGER MEINUNGSKASTEN
Wer hat Angst vorm Mann in Schwarz? ICH!!
Hurra, ein dritter Men in Black! Endlich wird man alles besser machen, nachdem man den zweiten Teil in Sachen Charme und Humorigkeit am liebsten in den Weltraum schießen wollte. Und es war ja auch wirklich einfallslos, daß man uns dort nach dem doch recht kultigen Kakerlaken-Mann („Meeehr Zucker!“) sofort wieder ein fieses Alien mit Ekel-Bonus (Glibberwürmer-Frau) zeigte, welches nur deswegen auf die Erde plumpst, um diese aus reiner Bösheit(tm) in Schutt und Asche zu schießen.

Toll daher schon die reine Grundidee von MiB 3, wo ein fieses Alien mit Ekel-Bonus (Stachelkäfer-Mann) auf die Erde plumpst, um diese… öh… äh… tja.

Man muß aber auch klarstellen, daß eine ausgefuchste Rahmenhandlung wohl auch gar nicht ein Markenzeichen der Men in Black-Reihe darstellen soll. Sind die Zutaten doch recht einfach: Oberböse Ekel-Aliens, schräge Aliens im Menschenkostüm und dazwischen halt die Men in Black mit ihren Chromwaffen und Blitzdingern. Quasi das SF-Schundheft aus den 60ern als Film, was uns auch direkt zum Thema Zeitreise bringt.

Hauptgrund derselben dürfte wohl vor allem der sein, daß Tommy Lee Jones mit seinen 66 Jahren mittlerweile eine Spuuuur zu alt für größere Actionszenen sowie cineastischen Jugend-Appeal sein dürfte und deswegen ein jüngerer Ersatz herbeigeschafft werden mußte. Und der temporal gestraffte Agent K macht seine Rolle durchaus gut, auch wenn dieser auf mich lediglich wie eine Parodie seiner selbst wirkte. Humorlos sein und keine Miene zu verzerren schöpft den Charakter meiner Meinung nach jedenfalls nicht aus. Da fand ich die kurzen nachdenklichen Momente des Originals wesentlich sympathischer.

Überhaupt geht mir hier alles zu ratzfatz. Das Effekte-Budget soll schließlich ausgeschöpft werden, weswegen wir dann auch von einer Mond-Basis, dem MiB-Hauptquartier, diversen New Yorker Schauplätzen in Gegenwart nebst Vergangenheit bis nach Cape Canaveral hetzen. Ruhige Szenen wie das Umstürzen von Js Weltbild auf einer Parkpark in Teil 1 sucht man hier vergeblich.

Fast schon widersprüchlich daher, daß ich die Story von MiB 3 für unnötig kompliziert hielt, was ich bei Zeitreisen sonst eigentlich sehr mag! Aber wenn die außerirdischen Invasoren absolut NULL Hintergrundstory erhalten, fällt es mir halt sehr schwer für die verschiedenen Wendungen Interesse zu zeigen, welche letztendlich zur Vernichtung der Ballermänner führen. Zumal ich mich dunkel erinnere, daß diese irgendwie teilweise sogar gar keinen Sinn ergaben. Aber in meinem Fall ist das Angucken schon eine Weile her, wobei es angeblich so ein Such-Dingsbums im Internet geben soll, wo man so etwas herausfinden kann.

Fazit: Eine risiko- und einfallsfreie Geschichte zum mittlerweile nicht nur im MiB-Universum ausgelutschten Thema Erdeninvasion. Ich bin ja kein Drehbuchautor, aber sollte es in einem so möglichkeitsoffenen Bereich wie der Science-Fiction nicht noch andere Geschichten geben?

Also solche, wo der Antagonist KEIN Käfer oder Wurm ist und ausnahmsweise mal NICHT unseren blauen Planeten zerbröseln will? Ist ja nicht so, daß wir darin nicht selbst schon ganz gut sind…

*plastik-trinkbecher aus dem fenster werf*

Wertung: 5 von 10 Punkten

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Artikel

von Klapowski am 16.11.12 in Film-Review

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Kommentare (2)

  1. bergh sagt:

    tach auch !

    Tja was soll man sagen?
    Der erste Teil war der coolste , weil es etwas neues gab,
    man sich den aber auch ein zweites und drittes Mal anschauen konnte.
    Den zweiten Teil ertrage ich kein drittes Mal und dieses Machwerk
    will ich nicht mehr sehen.
    Ich stimme allem oben angeführten Gedanken zu.

    Gruss BergH

  2. jabba sagt:

    Ich werden den dritten Teil mal bei lovefilm ausleihen, mehr Geld möchte ich nicht investieren

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