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Doctor Who – 7.02 – “Dinosaurs on a Spaceship” Klapos Review

„Dinosaurier! Auf einem Raumschiff!“ ruft der Doctor in dieser Folge erstaunt und zeigt damit, dass er das Motto der Serie („Alles kann, alles muss“) immer noch nicht ganz verinnerlicht hat. Da er derartige Besonderheiten nur untersuchen kann, wenn andere Leute die überfälligen Fragen auf seine längst vorliegenden Antworten liefern, schleppt er diesmal gleich 5(!) Leute mit sich herum. Darunter natürlich die Ponds. Gegen dieses Konzept wirken die Dinos ja auch gar nicht mehr sooo prähistorisch, oder…?

Inhalt: Bevor ein Alienschiff abgeschossen wird, will der Doc in Erfahrung bringen, woher es stammt. Zusammen mit seiner Gang plant er den großen Enthüllungsbang. Doch der alte Mann an Bord (die Dinos erwähnte ich ja schon oben) ist alles andere als gastfreundlich…

Meinung:

Anhand dieser Episode sehen wir wunderbar standardwurstig den Aufbau einer typischen Who-Episode. So, als würde man im Anatomieunterricht eine Moorleiche durch die Reihen wandern lassen und ihr in den Schamhaaren herumwühlen. – Besonders wichtig ist zu Beginn die Reise zu einem gefährlichen, unbekannten Ort (hier das fremde Schiff), den man todesverachtend, herumalbernd und Babyrassel-um-sich-schlagend betritt. Sogleich tauchen neue oder alte Monster/Roboter/Dinosaurier auf, während der Doctor fasziniert in die eigenen Hände oder auf fremden Schaltern herumpatscht und aus minimalen Informationen („Die Anzeige ist rot“) einen ganzen Fanboy-SF-Roman zusammenspinnt („Sie ist rot, weil der Zeitstrahl durch den Milchkaffee geleitet wird!“).

Dass man sich selber dieser „Makel“ (oder nennen wir sie einfach „gewollte Luftlöcher im Leerdamer des Lebens“) sehr wohl bewusst ist, zeigt auch des Doctors Kommentar, dass die Dinos „natürlich“ nicht die Steuermänner, sondern nur die Passagiere des Schiffes sind, haha („Anders wäre es ja auch albern.“)… Hier ist man sich seiner selbstironischen Verantwortung bewusst, die allerdings manchmal schon ins Leere läuft, denn Selbstironie verlangt immer noch nach aufzubrechender Ernsthaftigkeit. Und diese ist schon vor Jahren nicht nur zerbrochen, sondern zerbröselt worden. Und ironisierte Ironie ist selbst MIR zu schwierig, rein humormathematisch betrachtet (Plus und Plus ergibt Minus?!).

„Sind diese Wesen bissig?“ – „Ein Trycoklopsus? Sei nicht albern! Die ernähren sich von weichen, kleinen Wurzeln, die wie Finger aussehen.“ – „Na, dann kann ich ihn ja strei… (*Haps*) – cheeeeeln?!“ – Ungez(w)ungen: Der Doctor glänzt wieder mal durch sein Spezialwissen. Und das Sabberopfer glänzt einfach nur so. Steven Spielberg musste übrigens mit Fackeln und Heugabeln davon abgehalten werden, in dieser Folge Regie zu führen…

Auch gibt es (wieder) schräge Roboter, die ebenso bedrohlich wie lustig sind, wenn man denn die große „Jar-Jar-Binks-Comedy-Tour“ (sponsored by Mario Barth) als amüsant empfindet. Und während Amy schmunzelnd dem „Button Pressing“ nachgeht, weil sie das zufällige Umschiffen von Luft-Ablass- und Selbstzerstörungsmechanismen vom Doctor gelernt hat, trifft besagte Hauptfigur auf einen armen Beinlosen.

Was sonst noch? – Es wird wieder fleißig weggerannt, damit das Produktionsbudget für die Dinos dem Doc nicht die Hose vom Hintern knabbert. Und wann immer man eine echte Kunstpuppe („Echte Kunstpuppe“ = Wort des Jahres?) aufzubieten hat (man wundert sich, dass die BBC überhaupt damit aufwarten kann), so schleckt diese auch schon mal plakativ an Rorys Vater herum. So als wollten die Macher sagen: „Wir haben in manchen Szenen KEINE Computerkreaturen und schrecken auch nicht davor zurück, sie NICHT zu benutzen!“

Ein bisschen hat man freilich das Gefühl, dass all die Nebencharaktere nur deswegen eingebaut wurden, weil irgendeiner der Autoren mit einem anderen darüber gewettet hat, dass der andere sich nicht traut, zwei beliebige Geschichtsfiguren in die Story zu klatschen. Eine Wette, die in einer Serie wie dieser nur mit einem Riesenerfolg des Herausgeforderten ausgehen kann („Eine Wolke aus Fußnägeln? Kein Problem! Die Kiste Bier ist schon quasi mein!“) Äh, hallo?! Eine ägyptische Königin? Warum nicht gleich Jesus versus Cybermen? Und weil der feindliche Wetter beim Durchsehen des ersten Drehbuchs erstaunt „Heiliger Vater….“ ausgerufen hat, hat Autor Nummer 1 auch noch gleich Rorys Vatti reingeklatscht.

„Doctor, sagen sie mir die Wahrheit! Wie schlimm steht es um meine Beine?“ – „Hmm, das kommt darauf an, Solomon… Legen sie denn großen Wert of Mobilität? So mit ‚Bett und Zimmer verlassen können’ und dem anderen Krempel?“ – Laufmasche: Dieser undurchsichtige Typ muss erst mal durchschaut werden. Unterhalb der Hüfte (Achtung, Hammergag!) gelingt das sogar schon sehr gut!

Dass die Serie zwischendurch dringend einer Zwangsjacke und eines Anästhesisten als permanente Nebenfigur bedarf, ist den Machern anscheinend selber klar wie Klos… Adrenalinbrühe. So nehmen sie sich selbst aufs ADHS-Korn, indem sie ein indisches(?) Raumschiff der Zukunft, Nefertiti, einen Archäologen, die Ponds und Rorys Vater in einem atemberaubenden („Nein, die Atemluft wird von einer Alienrasse geraubt, Herr Rezensent. Darum kümmern wir uns AUCH noch!“) Tempo zusammenmischen und selbst der Doc nicht weiß, warum der alte Mann mit der Glühbirne plötzlich mit ihm in einem Alienraumschiff steht.

Aber Seltsamkeiten sind ja hier an der Gag-esordnung. Zum Beispiel ein Raumschiff, das von den Wellen an einem künstlichen Strand an Bord angetrieben wird? Gut, gebongt. Aber das nächste Mal will ich dann auch eine Energiequelle, in der Rentner durch einhändiges Kleingeldwühlen an der Supermarktkasse einen Laser antreiben, oookay? Apropos Laser: Wenn zwei Roboter einen davonstampfenden Dino mit drei Personen auf dem Rücken nicht abknallen können, muss ich wieder mal die „Wieso trifft in SF-Schusswechseln nie einer?!“-Holzkeule rausholen. Und die verantwortlichen Autorenköpfe bei deren Niederschwingen um 100 Meter verpassen. Glück für sie.


Fazit: Aber Kindereien hin oder her… Es geht hier weder um die entfleuchten Silurians (*In Who-Almanach nach Vorgeschichte blätter*), die auch jede andere Rasse hätten sein können und AUCH nicht wirklich um die Dinos, die auch Hottehü-Pferdchen hätten sein können. Okay, um den Amoralitäts-Oppa ging es dann schon irgendwie, aber so wirklich spannend war diese freiberufliche Kapital-Heuschrecke dann auch nicht. Da hat man bei Who schon spannendere Gegner gesehen. Oder wenigstens welche, die laut pupsen konnten. (Höhö)

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Artikel

von Klapowski am 10.09.12 in TV-Review

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Kommentare (4)

  1. Thomas sagt:

    Das Problem scheint mir, dass Moffat das Zumüllen mit vermeintlich coolen oder witzigen Elementen irgendwie für „gutes Doctor Who“ hält und dabei gar nicht merkt, dass er selbst längst in einem Dalek auf einem Irrenhausplaneten hockt und sich einbildet, noch immer ein Producer von „Doctor Who“ zu sein. Das „je abgedrehter, je besser“-Konzept nutzt sich aber mehr und mehr ab, und permanente Kalauer (höhö, er hat „balls“ gesagt und meinte seine Golfbälle, die er in der Hose hat) helfen da auch nicht.

  2. DJ Doena sagt:

    3 Anmerkungen:
    1) Rorys Vater war Arthur Weasley
    2) Der Bösewicht war Argus Filch
    3) Die beiden Roboter wurden von denen hier gesprochen: http://www.youtube.com/watch?v=FsNLbK8_rBY

  3. Onkel Hutt sagt:

    Die Folge muss euch ja ziemlich beeindruckt haben, das direkt zwei Reviwes davon erscheinen. Hab ich da als No-Whoianer was verpasst ?

    • Sparkiller sagt:

      Ich hatte das übliche Knap-Gejammer („Buhuu! Soooviel zu tun! Bin nur noch für Kaka zu Hause!“) als Ankündigung einer Auszeit mißverstanden. Er korrigierte aber später, daß damit nur sein WOCHENENDE gemeint war. („Lasse Kaka einfach bis Montag drin!“)

      Aber doppelt genörgelt hält sowieso besser und zu Star Trek Enterprise-Zeiten war der Doppelhammer sogar durchaus gängig. Vielleicht kommt von unserem Ex-Chef Hoffmann ja sogar mal wieder etwas, wenn er mit der dritten ENT-Staffel fertig ist. Er meinte 2006 ja, daß er sich mit dem Angucken mal etwas beeilen will.

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