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Doctor Who – 7.01 – „Asylum of the Daleks“ Review

Woran erkennt man, daß der Doctor endlich wieder da ist? Natürlich an den Tausenden von Fans, welche ihren nackten Pöter in Richtung Fernseher strecken für eine längst überfällige mediale Enddarmreinigung! Denn schon zu Beginn ist der Doc mit seinem Finger wieder ganz tief drin in unserem vor lauter Trennungsschmerz bereits wunden Hint— Herzen, während er mit den anderen Griffeln gefühlvoll unseren Hippocampus massiert, um diesen wieder an die Verarbeitung abgedrehter Storyelemente zu gewöhnen. Eine weise Vorraussicht, wie sich herausstellt.

Denn der Gaga wird uns auch prompt präsentiert: Kaum unter dem fadenscheinigen Vorwand einer Rettungsaktion auf den Heimatplaneten der Daleks gerufen, surrt einer vermeintlich Hilfesuchenden auch schon ein Teleskop-Glubschauge aus der Stirn und ein Lähmungsstrahler aus einer… igitt… Körperöffnung. Alles ist also noch Normal im Who-Land unter der Führung von Julius Moffat. Schnitt zu den Ponds, beziehungsweise, da beziehungslos, den Ex-Ponds. Just in diesem Moment unterschreibt Amy nämlich die Scheidungspapiere von deren Ehe eher früher als später. Warum? Sowas braucht nicht immer einen Grund, wie Amy später selber sagt und was ja auch stimmt.

Kurz darauf treffen aber auch die beiden auf andere Glubschaugen-Agenten, welche diese durch einen weiteren gekonnten Schnitt in eine Zelle verfrachten. Denn wirklich offensichtlich war deren Entführungsmethode für mich nicht. Wurden die beiden bewußtlos über die Schulter geworfen in das nächste Raumschiff Richtung Dalekhausen geworfen? Oder doch nur wegteleportiert? Aber warum dann das ganze Auflauermanöver? Passt sowas, inklusive dem Einsatz humanoider Lakaien, überhaupt zu den taktisch eher sehr simpel gestrickten Daleks? Für mich war dies ja immer der Gag, daß diese eigentlich immer nur ihr simples „Exterminate!“ kreischen und dabei vor Frust vor- oder auch mal zurückrollen.

„Aha, SO gehen Daleks also auf die Toilette!“ – „Korrekt! Der Doktor soll jetzt aber hinnemachen und das Loch benutzen. Einige von uns warten bereits seit Monaten auf die Fäkal-Extermination. Ächz!“ – Die Größe des Lochs wurde übrigens seit dem letzten Weihnachtsspecial angepasst. Bei soviel schleimigen Dünnschiss war dies einfach nötig.

Jedenfalls findet sich das gesamte Team Who nun in einem Versammlungsraum der Kreischenden wieder. Das wurde bestimmt in einer vorherigen Folge erklärt, aber waaaarum gibt es von denen nochmal wieder soviele? Woheeer stammt dieser zerfledderte Ober-Dalek im Einmachglas? Zuletzt erinnere mich an eine Handvoll verschieden farbiger Versionen der fahrenden Mülleimer und später an welche im Untergeschoß eines Kaufhauses. Es ist aber mittlerweile auch wirklich schwierig, sich als Normalsterblicher diese vielen „Comeback“-Momente der Daleks und Cybermen zu merken. Davon gibt es ja pro Staffel mittlerweile gefühlte fünf oder sechs Stück.

Dieses Mal immerhin mit einem Twist: Retten soll der Doc nämlich die Daleks! Und zwar vor… öh… einem möglichen Ausbruch NOCH böserer Daleks aus der Klappsmühle der Daleks. Dessen Insassen wollen nämlich alles vernichten, was natürlich nicht ganz in das politische Programm der „normalen“ Stielaugen passt, welche einfach nur alles zerstören wollen. Und deswegen soll der Doktor das Kraftfeld des Irrenanstaltsplaneten ausschalten, was… äh… nur von Innen möglich ist? Was für mich erneut einige Fragen aufwirft:

1. Ist es WIRKLICH eine Überraschung, daß das gezielte Aufbewahren von Millionen „noch bekloppterer“ Daleks auf einem einzelnen Planeten später eine Gefahr darstellen könnte?

2. Warum kann man das Planetenkraftfeld nicht von Außen deaktivieren? Oder bin ich einfach nicht informiert und man bewahrt auch in irdischen Gefängnissen den Schlüssel INNERHALB der Zelle auf?!

3. Normalweise würde ich noch fragen: WARUM diese ganzen Kaputten eigentlich nicht einfach zerstören? Aber dies wurde (leider?) vom Chef-Gehirn mit „Auch Hass ist eine Kunst!“ erklärt. Was nebenbei erklärt, warum die Kunstwerke meiner Heimatstadt immer so extrem scheiße aussehen. Graaah!

An dieser Stelle sollte man noch Oswin erwähnen, welche mit ihrem Raumschiff auf dem Planeten für geisteskranke Roboter notgelandet ist und zudem sooo schlau ist, daß sie auch das Kraftfeld deaktivieren könnte und somit letztendlich die Normalo-Daleks veranlasst, den Doktor zu entführen um diesen auf den Planeten runterschicken. DAS ist doch mal ein Beispiel für Ursache und Wirkung, aber Hallo!

„Guten Tag und Willkommen im Gehirn von Steven Moffat. Die schwulen Killerlutscher, das berühmte Barberquartett dreiäugiger Nummernschilder und ein bärtiger Dinosaurier-Fluglotse von der Venus werden sich sofort um Sie kümmern.“ – Insbieration. Der Convention-Besucher unter den Who-Fans liebt den Moffat übrigens ganz besonders, braucht man für eine passende Verkleidung schließlich nur die eigene Kostümkiste einmal feste schütteln.

Mangels eigener Entscheidungsfreiheit landen die Drei jedenfalls kurz darauf auf der Oberfläche des Planeten, wo auch schon ein weiteres Besatzungsmitglied des gecrashten Schiffes auf sie wartet. Und weil der Zuschauer auch noch nicht verwirrt genug ist, stellt sich dieser ebenfalls als Robo-Zombie mit Stielauge heraus. Denn auf dem Planeten geht als Sicherheitssystem nämlich ein unsichtbarer Virus rum, welcher alle Organischen in willige Helferlein verwandeln kann. Welchem natüüüürlich einer unserer Helden ausgesetzt wird, in diesem Fall Amy. Es wird also nochmal doppelt so spannend, denn man weiß bekanntlich nie… auf welche Weise die Gute kurz vor Schluß gerettet wird.

Der Rest der Folge besteht ansonsten aus viel gutem Zureden, Schleicherei in der Dalek-Anstalt und dem gelegentlichen „Exterminaaaate!“, welches auf mich mittlerweile den Effekt von Fingernägeln auf einer Schiefertafel hat. Bei der Rettung von Amy scheint man sich an das Weihnachtsspecial erinnert zu haben und heilt die Schnuckelige daher einfach mit der, gerade für Autoren, wunderbaren Macht der Liebe. Oder, ganz sicher bin ich mir auch hier nicht, man hat diesen Plotpunkt einfach vergessen. Auch einen weiteren netten Twist gibt es am Schluß. Zwar werden sich die Meisten wohl schon gedacht haben, daß mit der Trulla im Wrack irgendwas nicht stimmt (Stichwort „Miiiilch?!“), aber nett war das Ganze trotzdem.

Fazit: Trotz plumper, oder einfach völlig fehlender, Erklärungen ist das „Asylum of the Daleks“ ein starker Auftakt für die siebte Who-Staffel. Schöne Charaktermomente, nette Sets und halt der wie immer tolle Doktor machen für viel faules Story-Fallobst wieder wett. Aber vielleicht verstehe ich diese Folge auch besser, wenn sie von den Jungs des Whocast besprochen wurde. Natürlich erst, nachdem diese mit der hervorragenden vierten Torchwood-Staffel fertig sind. Harhar!

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM
KLAPOS KLAPPRIGER MEINUNGSKASTEN
Da lek's mich am Oarsch!
Ich muss gestehen, dass mir der einstige Doctor-Hype in meiner Seelenprothese inzwischen etwas peinlich ist. Was fand ich mal an dem schnellsprechenden Schwengelschwenker, der mit seinem Sonic-Gedönsdriver irgendwelche irren Aliens verjagt, die alleine schon durch ihre wahnwitzige Anzahl zu allen Orten, Zeiten und Dimensionslöchern längst die Erde und ihre phasenverschobenen Parallelen hätten übernehmen müssen?

So hatte ich mich geistig (haha, als wenn das für die Serie nötig wäre) noch gar nicht auf die überraschende Fortsetzung eingestellt, weswegen mich die neue „Doctor Schmu“-Staffel auch eher klötenkalt erwischte. Eigentlich bin ich nur bei der Lektüre klassischer Literatur (= alte Zukunftiartikel) auf dem Klo eingeschlafen und wachte innerhalb dieses kleinen 5-Zimmer-Meinungskastens wieder auf. Danke dafür an Kollege Sparkiller, auf dessen fast wöchentliches (Mail-)Stalking man sich immer verlassen kann, wenn man mal schlappe 168 Stunden seine Ruhe will.

Die übliche Schwachsinnsstory hat mein haariger Vor-Hinterfrager ja oben schon (nicht) aufdröseln können. Die Daleks sind halt wieder da, wobei die Zeitspannen ihrer Abwesenheit eigentlich das stolze Wörtlein „wieder“ gar nicht mehr rechtfertigt. Da auch Comiccharaktere gelegentlich mehrere „Geschmacksrichtungen“ brauchen – nämlich Böse, Irre, Gemäßigte, Koch-Daleks, Talkshow-Daleks… -, müssen eben diesmal die rollenden Klapsen-Konservendosen be-ent-ex-wasauchimmer-freit werden.

Und nach dem süßlichen „Liebe heilt alle Wunden und generiert neue Wunder“-Gefasel der letzten Who-Jahre wirkt es dann doch etwas lieblos, dass Amy und Rory (DAS Liebespaar unter den Doctor-Anhängseln!) sich praktisch zwischen Tür und Dimensionsportalangel getrennt haben sollen. Nachhaltige Personenentwicklung sieht wirklich anders aus, aber nach dem überbordenden River-Song-Geschwurbel habe ich da eh alle Hoffnungen und den einen oder anderen Darmwind fahren lassen.

Und wieso schickten die Daleks den Doctor ohne Tardis auf den Planeten, wenn er denn schon helfen sollte? Okay, das Improvisationstalent seiner Drehbuchautoren ist legendär… Aber ohne Ausrüstung, Karte oder technische Unterweisung ein paar Leute in einer Schneewüste auszulegen, DAS entspricht nicht einer hochtechnisierten Zivilisation, die sich rühmt, nur an Fahrradpedalen und dem Umblättern einer Zeitung zu versagen. – Okay, dieses Random-mäßige ist in der Serie zwar immer äußerst „süß“, aber manchmal will man halt mehr Knochen im Fleischeintopf. „Schön“ ist es immerhin, dass die Serie so bekloppt ist, dass man selbst offensichtliche Logikfehler immer noch mit einem locker zitierten Spruch aus einem 50er Jahre Heftroman desintegrieren kann („Alphawellen, Nanobots, Hirnklops. Kapito?“).

Schön allerdings die Idee, dass Menschen in Dalek-Puppen verwandelt werden, sich aber dessen nicht bewusst sind, bis sie als „Gefängniswärter“ gebraucht werden. Das ist wieder so ein typisch-genialer existenzialistischer Moffat-Scheiß, vor dem man den Hut oooder diverse Stielaugen vom Kopp ziehen möchte… So ist dann auch die finale, halbwegs überraschende Auflösung eine Art „Sinnbringer“ der ganzen Episode, die ansonsten als normaler Schnarr-Soundcheck der Daleks durchgewunken worden wäre. Auch wenn ich vermute, dass der Twist GANZ am Ende („Doctor… WHO?!“) nicht ewig vorhalten wird.

Fazit: Optisch und von der Inszenierung her ein weiteres Meisterwerk in der Grabbelkiste abgelutschter Who-Ideen. Kleine Materialfehler und der alte Kaugummi auf der Packungsrückseite werden durch 2-3 schöne Einfälle wieder wett gemacht.

6 von 10 Punkten


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Artikel

von Sparkiller am 04.09.12 in TV-Review

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Kommentare (8)

  1. BergH sagt:

    tach auch !

    Alles was Ihr sagt ist richtig und gleichzeitig egal.
    Dr. Who kann man nicht mit normalen Zukunftia Massstäben messen.
    Die Folge war wieder sehr unterhaltsam und machte Spass.
    Was will man mehr ?

    Gruss BergH

    • Tittenalarm sagt:

      DW kann und soll man nach normalen Maßstäben messen, schließlich steht die Serie nicht unter Naturschutz.

      Aber ich muss sagen, endlich mal wieder eine durchschnittliche Folge, nach lauter unterdurchschnittlichen.

      Das macht diese Folge nicht besser, nur sieht die dazu gleich unverdient besser aus, als sie ist.

      Aber das Ende und die Erklärung warum DW, DWHO heißt, lässt mich sehr zwiespältig zurück. Hier opfert man einen langfristigen Running Gag, der nie einer Erklärung oder größerer Erwähnung in der Serie bedurfte für eine kurzfristige Plotidee. Wenigstens hat es aber eine größere Auswirkung auf die Serienwelt von DW und die Daleks und es ist am Ende wenigstens nicht wieder alles wie vor der Folge.

  2. bergh sagt:

    tach auch !

    Das mit Doctor Who ? muss ich verpasst haben.
    Wo ungefährt wird das am Ende erklärt ?

    Gruss bergH

    • Flori sagt:

      Tatsächlich nirgendwo…er sagt das einfach nur vor sich hin und von den Daleks aus gesehen war es einfach nur eine normal Frage.
      Tittenalarm fuhr aller Wahrscheinlichkeit nach gerade eine andere Raelitätsschiene als die Folge zuende ging^^.

    • Realitätsverlust sagt:

      Für die Daleks (und zwar für alle) wurde doch die Erinnerung an den Doctor gelöscht, also auch mindestens eine gewissee Zeit über diese Folge hinaus, nehme ich an. Also nicht einfach eine „normale“ Folge ohne Konsequenzen.

      Und dass der Doctor jetzt für die Daleks Doctor WHO ist, ist schon eine naheliegende Erklärung, warum die Serie auch so heißen könnte.

    • DJ Doena sagt:

      Die Frage „Doctor Who?“ ist so alte wie die Serie selbst. Nur wurde der Uralt-Gag in der Neuauflage eben nicht mehr benutzt bis jetzt.

      Er stammte einfach daher, dass sich der Doktor immer als „der Doktor“ vorstellt und die natürliche Reaktion jedes Gastcharakters war eben „Doctor Who?“, weil dieser Charakter annahm, dass nach dem „Doctor“ auch sowas wie ein Nachname folgen würde.

      Aber Raketenwurm hat natürlich recht, dass die Frage aufkommen würde, wurde schon länger angedeutet und dass die Daleks sie gefragt haben, lag einfach daran, dass die neue Tuss den Doctor aus dem Bewusstsein aller Daleks gelöscht hat. Damit war „der Doktor“ keine Referenz mehr im Dalekbewusstsein.

  3. Raketenwurm sagt:

    Ihr klingt alle so, als hätten ihr das letzte Staffelfinale nicht gesehen. Da hat der Kopf vom dicken Bläuling ja schon angekündigt, dass die große Frage „Doctor Who“ immernoch auf den Doctor wartet. Und dass die Daleks nun auch diese Frage stellen, knüpft letztendlich nur an diese Szene an und wird dann wohl die Einleitung zu dem sein, was uns im großen Geburtstagsjahr nächstes Jahr erwartet. Von „einfach mal so das WHO für eine Episoden-Pointe verbraten“ kann also keine Rede sein.

    Was die Folge angeht: Hab mich sehr gut unterhalten gefühlt. Ich wünschte mir zwar generell, dass die Serie mehr Science-Fiction liefern würde, als nur Action-Scifi, aber wenn ein Dalek-Staffelanfang erstmal nur unterhalten möchte, nehme ich ihm das nicht übel.

  4. BergH sagt:

    tach auch !

    Ich habe es nochmal geschaut und muß schließe mich der Auffassung:
    Alter running Gag an.
    Mit der Möglichkeit,
    daß mehr draus wird. ;)

    Gruss BergH

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