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„Diese Stelle bietet (k)einen Spielraum für Fehler, Ben!“

DS9 ist toll. Die Charaktere haben so viel Tiefe, dass sie höchstens mal mit einer Taschenlampe „in sich“ gehen, jede einzelne politische Entscheidung hat gravierende Auswirkungen auf Quarks Aktiendepot und alleine die Gastdarsteller haben vor der Serie bereits mehr mitgemacht als die komplette ENTERPRISE-Besatzung mit ihrem ganzen Lebenslauf: „Vor 35 Jahren wurde ich geboren. Und wenn ich jetzt schon mal da bin…“ Doch auch DS9 hatte auf dem Personalplan jede Menge „Schwachstellen“ zu vergeben. Vier von ihnen, allesamt nur aus den ersten dreieinhalb Staffeln, präsentiere ich euch heute, liebe Zuleserinnen namens Livia:

1.) Abgesendet oder nicht?

Bis in die 4. Staffel hinein hatte ich stets das nebulöse, fast weihrauchumschwängerte Gefühl, dass die Autoren nichts mit der biblischen Tatsache anzufangen wussten, dass Sisko der Abgesandte ist. Wenn nicht gerade Kai Winn auf der Station unbeteiligte Statisten mit der bajoranischen Volksbibel auf dem Kopf schlug oder Sisko halbtot auf der Defiant herumdämmerte und sich selbst für den Titel des „Abgekackten“ empfahl, hörte man von der Sache eher wenig.

Wäre Jesus wiedergekehrt und hätte das Kommando über einen US-Flugzeugträger übernommen, wäre den Autoren sicherlich früher aufgegangen, dass hier eine einmalige dramaturgische Gelegenheit wartet. Erst in der Mitte der 4. Staffel, als ein Bajoraner unseren bisherigen Meister im Schwergewichtsglotzen unter Wurmlochaliens herausforderte, wurde Sisko klar, dass er seine schlummernde Macht besser hätte nutzen sollen. Wobei dieses Versäumnis natürlich primär an den Drehbüchern lag, die ab und an einen bajoranischen Diplomaten „Abgesandter“ murmeln ließen, bevor dieser aber wieder auf selber Augenhöhe, schulterklopfend und schnittchenfressend mit Benjamin hinter’m Buffettisch verschwand. – „Sie hätten alles von uns verlangen können!“ meinte Kira in jener Folge der vierten Season und erst jetzt schien es in Siskos Augen so, als habe er es wirklich kapiert: „Auch – unten – herum?“

Auch die Tatsache, dass die Sternenflotte unglücklicher war als eine takerianische Wollrücken-Büffelherde im Hochsommer (aber zu den seltsamen Metaphern bei DS9 kommen wir irgendwann auch noch), wenn sie an Siskos Status als Abgesandter dachten, hat man nie so wirklich mitbekommen. Nie tauchte auf dem Hauptbildschirm ein Admiral auf, der kopfschüttelnde Siskos angequetschte Ohrläppchen begutachtete. Niemals wurde er ermahnt, wenn er beim Staubputzen versehentlich mal den einen oder anderen Säugling gesegnet hatte…

Auch wenn die Bajoraner schon sehr lange sehr kurze Raumschiffe kennen, so dürfte es die erste Direktive wohl verbieten, sich als Messias im „Um-Kreis“ (=also auf einer Raumstation) eines Volkes zu bewegen, das mit unbedachten Äußerungen leicht zu beeinflussen ist. Sisko hätte ja nur im richtigen bzw. falschen Umfeld sagen müssen: „Ich möchte nur, dass sie mir ihre Loyalität beweisen!“ und schon sitzen 10 Bajoranische Sicherheitsoffiziere in der Luftschleuse und friemeln am Öffnungsmechanismus herum. Ganz abgesehen von unbedarften, aber brandgefährlichen Sprüchen, wie „Dafür könnt ihr eure Hand in`s Feuer legen!“ oder „Erst dann, wenn sie ihren Kopf unter dem Arm tragen!“. Da hätte ich als Admiral schon im Pilotfilm einen kessen Funkspruch in den Subraum gepustet und von dem Commander völlige verbale Enthaltsamkeit zu ungeraden sowie geraden Sternzeiten gefordert.

Auch, dass erst die 4. Staffel anbrechen musste, bevor Kira und Sisko darüber sprachen, dass es für sie schwierig ist, für eine religiöse Figur zu arbeiten, ist schade. Bei allem, was DS9 Star Trek an Kontinuität und Charaktermomenten gebracht hat, schlummert hier ungenutzte Energien, mit denen man ganz Bajor 3 Jahre lang mit Strom versorgen könnte. Oder Berlin für eine halbe Stunde.

“Okay: Wir behaupten einfach, wir hätten gleichzeitig eine Vision gehabt, nach der wir BEIDE Abgesandte der Propheten sind.“ – „Und was ist mit meinem arbeitslosen Bruder in New Oerlins?“ – „Jaja, von mir aus. Der auch. Aber übertreiben sie es nicht, Sisko!“ – Heilige Dreifaltigkeit plus X: Er kann, sie kann, Vati kan(n). So entstehen Religionen… In Episode 4.16 muss sich Sisko entscheiden, ob er weiterhin der Abgesandte der Propheten bleiben möchte, oder ob er sich mit den Posten ihres Fahrradkuriers begnügt. Das Sschicksal dieses Volkes liegt nun ganz allein in seiner Ha… Ups, runtergefallen.

2.) „Wieso `raus hier`? Ihr Fenster war nur angelehnt und ihre Couch sah einladend aus!“

Preisfrage: Wenn Sie auf ein unbekanntes Gebiet im Weltraum treffen und eine dort bereits etablierte Großmacht erklärt Ihnen: „Wir wünschen nicht, dass Ihre Schiffe unser Territorium verletzen!“, wie verhalten Sie sich dann?

A) Sie fertigen einen dienstlichen Vermerk an und sparen nicht mit Worten wie „gängige Rechtsauslegung der Ausführungsbestimmun-gen zum Territorialrecht v. 1963“ und „Sachlich, örtlich und launemäßig befinden wir uns für völlig unzuständig“. Dann leiten sie dieses an die unzuständige Stadtverwaltung in Bajor City weiter (Ordnungsamt, Abteilung Gewerberecht), heften 3 bis 17 holographische Kopien des Vorgangs in einen Aktenordner im Subraum und freuen sich auf das Ende eines produktiven Tages.

B) Sie nicken dem Vertreter der Aliens freundlich zu und schicken in der nächsten Folge folgendes durch das Wurmloch: 178 botanische Forschungsschiffe, 121 Vermessungssonden, 109 archäologische Erkundungstrupps, 96 Geologenteams, 72 mobile Versorgungsschiffe mit Saatgut (siehe die 178 botanischen Forschungsschiffe), 53 Kampfschiffe (grundlos), 39 Shuttles mit zusammen 8.900 Mann Besatzung, 22 Frauen, 10 Vedeks (für die Frauen), 7 Reisebusse, 5 Fässer Altöl, 3 Müllbeutel (grüner Punkt), 2 Hundehaufen und 1 Ferengi mit „Bruuuudaaaaa“-Komplex.

C) Sie verstehen überhaupt nicht, wieso sich die Aliens auf den tentakeligen Schlips getreten fühlen. Sie verweisen auf fehlende Schilder mit dem Schriftzug „Privatgrundstück“, „Selbstschussanlage“ oder „Rechtsschutz-Flatrate vorhanden“, argumentieren mit einem Gewohnheitsrecht von 2 Staffeln, ihren gut abgefüllten Tränendrüsen, drohen abwechselnd mit dem Verfassungsgericht und der Schenkung von 24 Flaschen edelsten Aldi-Wein („Lassen `se uns doch jetz doch `wieder vertraaachen, Herr Nachbar!“). Alternativ können sie auch damit argumentieren, das sich das Gebiet des Dominion eher auf den Parkraum einer bescheidenen Hinterhofsonne beschränken kann, da in 24 Monaten nicht ein einziges Gamma-Alien von intravenösen Strohhalmschlürfern (allein wegen der dadurch entstehenden Geräuscheentwicklung müssten die Jem Hadar in jedem Kino des Quadranten bekannt sein) und riiesigen Streitkräften berichtete.

Schließlich würde man den Fremden umgekehrt auch nicht die Existenz der Klingonen vorenthalten, wenn diese unmenschlich, brutal und herrschsüchtig wären. Wobei dies natürlich nur eine hypothetische Überlegung ist, denn in der Praxis werden die Blut(wein)trinker sich nicht auf derartig humane und johanniterbundkompatible Adjektive reduzieren lassen. Wenn das ALLES nichts hilft, hämmern sie vor dem Dominion mit einem Spielzeughammer und/oder ihrem Kopf auf den Boden und benennen sie ihre Motivation mit „Will aber!“ – Wenn`s das auch nicht war, streichen sie die Begegnung aus Logbuch und Gedächtnis und freuen sich auf die glorreichen Wirtschaftswunderjahre, die nach dem bevorstehenden Krieg auf sie warten werden.

D) Sie entschuldigen sich für die Grenzverletzung, veranlassen, dass der Föderationsrat jedem Födi-Schiff die Durchreise durch das Wurmloch persönlich stoppt (vielleicht eine neue Aufgabe für Kompetenzwunder Michael Glos? – Bahnschranke für Schiffe?) und suchen sich ein hübsches Wurmloch in den Beta- oder Deltaquadranten. Wer weiß, vielleicht heißt es in denen ja dann sogar: „Der Sisko ist von Cardassia. Möchten Sie einen Kaffee, während wir sie foltern?“

Tatsächlich wäre der Krieg vermeidbar gewesen, wenn die Sternenflotte/Föderation nicht durch das Gamma stolziert wäre wie eine Gruppe Cowboys mit Hodenschwellung. Als fast alle Hauptfiguren von den Gründern in eine künstliche Realität versetzt werden, in der das Dominion sich bereits im Alphaquadranten etabliert hat (3.02 „Die Suche“), waren alle Charaktere sogar besonders schnell bei der Beseitigung der Gefahr: Anlässlich einer kleinen Kneipenschubserei (ja, Jem Hadars schubsen Kneipen. Was dagegen?) holen Dax und O`Brian sofort eine Rohrzange und feuchte Tücher, um den galaktischen Geburtskanal für Seriendramaturgie fachmännisch zu verrammeln. – Dass lange Zeit danach keine Rede mehr davon war, das Wurmloch zu verriegeln und den Schlüssel in Roms Schmutzwäsche zu deponieren, verwundert daher doch gaaanz, gaaaanz leicht!

*Auf gusseiserne Skulptur einer 5-Meter-Feder auf dem Rathausplatz zeig*

“Chefchen? Wenn die Föderation unsere Übermacht bemerkt, werden sie dann nicht das Wurmloch für immer schließen?” – „Na gut: Nummer 5 und Nummer 6? Ihr entfernt euch und geht einkaufen! Wir brauchen noch Magermilch für die Tetrapak-White-Produktion…“ – Man wird ja mal nicht fragen dürfen: Ist es erst dann ein „kriegerischer Akt“, wenn sich diese Herrschaften entkleiden? Die desinformierte Föderation tut alles, um die Gefahr eines Krieges noch zu verschärfen. Dabei hat Odo seine Berichte doch immer pünktlich abgeschickt! Oder sollte der Ferengi etwa doch keine Lizenz für die Betreibung einer Deutschen-Post-Filiale in seiner Bar…? – QUAAAARK!

3.) „Was kostet der Anschluss meines Quartiers an’s Lebenserhaltungssystem noch mal im Monat?“

Die Aktion „Raubkopierer sind Verbrecher“ fruchtete anscheinend auch irgendwann bei Star Trek. Mit Spots wie „Wann kommt Papa wieder?“ – „Benutze deine telepatischen Kräfte, mein Kind!“ oder einem verfilmten Dialog aus einem Ferengi-Vergewaltigungsknast („Der Neue ist Raubkopierer!“ – „Gut! Du hälst ihn fest und ich mache bei ihm Omox!“) schaffte man es, illegale Replikationen zu stoppen.

Zuständig: Der VgMaE, der „Verband gegen Materie aus Energie“. Den letzten Nerv raubten aber auch weiterhin die abgespielten Spots, sobald man LEGAL eine Lizenz für das Herstellen von 3 Hosenknöppen erworben hatte: Kaum hatte man den einmaligen Freigabecode in den Replikator eingegeben, wurden vorher 3 drohende und freischwebende Zeigefinger repliziert, die drohend auf die Nasenlöcher des Käufers einpiekten und zu sagen pflegten: „Raubkopierer sind VERBRECHER!“ – Auch ein Daumendruck-Donnerwetter auf den „Menü“-Button half da nicht weiter.

Wo bei TNG noch ganze Fertighäuser von Schwarzarbeitern (nämlich von Geordie) aus dem Replikator gezogen wurden, musste auf DS9 selbst Traubenzucker, Papierstaub und stilles Mineralwasser gekauft oder gar eingeschmuggelt werden. Und selbst die wenigen Dinge, die mit dieser Technologie hergestellt werden konnten, galten stets als minderwertig oder schmeckten irgendwie nach Quanten… Dabei hätte man doch nur ein einziges nicht-minderwertiges Getränk (oder was auch immer) molekular einscannen brauchen – siehe Transporterstrahl – um dann auf ewig seinen Lieblingsschnaps in Gerät und Quadratschädel herumtragen zu können. Möglicherweise ist die Geschmacksbeeinträchtigung aber auch nur ein Zugeständnis an die Nahrungsmittel-GEMA der Zukunft. Bei uns liegt ja auch auf jedem DVD-Brenner und Drucker ein unsichtbarer Preisaufschlag, der an notleidende Shakiras und Spearses weitergeleitet wird. In der Zukunft muss dafür eben jeder Replikator bei jedem Nahrungsmittel automatisch einen Gülleanteil von 3% dazumischen. Auch Dr. Oetker lebt schließlich nicht nur von Luft und Pizza!

Mehr dazu in unserem älteren Artikel zur ST-Wirtschaft…

“Erstaunlich… Nicht nur, dass Geld bei euch nicht stinkt, es SIEHT sogar wie Seife AUS!“ – Hier lernt man was für’s Leben. Jedenfalls bis zum baldigen Totlachen… Von einer Währung namens „Federation Credits“ hat man eigentlich noch nie etwas gehört. Kein Wunder, dass die Föderierten mit Bildern wie diesen verkackeiert werden können: Ein „Strip“ ist Hundertmal so viel wert wie ein „Slip“, obwohl das Ding nur 3 Mal größer ist? Wollt ihr mich verarschen? Und wenn ja: Was nehmt ihr dafür?

Wir fassen zusammen: Das Wirtschaftssystem bei DS9 stellt den schönsten bekannten Seemannsknoten dar und sieht im Detail so aus: Obwohl es auf der Station Replikatoren gibt, bezahlen zahlreiche Gäste und Einwohner dafür, dass Quark ihnen in seiner Bar die lästige Überstrapazierung der Stimmbänder abnimmt. Statisten können schließlich am Tresen auf die Flasche mit dem gewünschten Getränk zeigen. Am Computer führt dieses Gebaren jedoch schnell zu der Anfrage: „Ihre Anfrage kann nicht bearbeitet werden. Angestrengtes Atmen wird von diesem Konsole nicht als mündliche Anforderung akzeptiert!“

Wir fassen noch weiter zusammen: Auch Latinum kann nicht repliziert werden und wenn doch, dann schmeckt es nicht besonders. Sternenflottenoffiziere bekommen keinen Lohn, haben aber irgendwie immer eine Kiste mit Barren unter dem Bett herumstehen, um notleidenden Schlepperbanden weiterhin die Einschleusung von holographischen Prostituierten zu finanzieren („Quark, wo soll ich die 500.000 Disketten hinkippen?“).

Dieses Latinum wird vermutlich von der Sternenflotte gestellt. Ich stelle mir in diesem Zusammenhang ein Bergwerk(?) vor, in dem irdische Arbeiter kostenlos(?!) schuften, damit diverse Außenposten-Offiziere behutsam an prähistorische Konzepte wie Tausch- und Währungshandel herangeführt werden können.

Außerdem erstaunlich:

– Der große Nagus schickt einen drittklassigen Barbesitzer als seinen Stellvertreter durch den Gammaquadranten.

– Statt mit Scheinen oder einer digitalen „Credits“-Währung zu bezahlen, muss jeder schon VOR dem Shopping mit riesigen Plastiktüten in der Innenstadt erscheinen („Barrentraining“ gibt es also nicht nur beim Schulsport)

– und bajoranischen Waisenhäusern fehlt es angeblich an Decken.

Gerade letzteres ist komisch. Zu meiner Zeit stellte man ja noch einen Auszubildenden mit den Worten „Bitte (*hier 5-stellige Menge einfügen*) Seiten bis Morgen fertigmachen!“ vor den Kopierer. – Da hätte man doch auch Jake Sisko mal sinnvoll am Replikator beschäftigen können, statt ihn Geschichten über sprechende Hasen und kricketspielende Elfen verfassen zu lassen. Wobei ich aber natürlich jeden Ausbilder verstehen kann, der lieber Bajoraner frieren lässt, als sich alle 5 Minuten Fragen wie „Soll ich die Decken beeeidseeeeitig machäään?“ oder „Er macht sie aber nur in DIN-A-4!“ anhören zu müssen…

“Quark! Ich warne davor, uns über den Tisch zu ziehen! Sie würden die roten Streifen nie wieder von der Platte bekommen!“ – Mit Kollege Lancelot wäre das nicht passiert: Die rustikalen Dosi verstehen den Ferengi-Humor nur, wenn er laut schreit und mit Geschirr nach der Zimmerbeleuchtung wirft. Doch Quark hat in dieser Episode (2.07) nur wenige Wahlmöglichkeiten, von denen keine als frei, gleich, anonym oder ansatzweise demokratisch durchgeht. Ohne diese Tulabeeren braucht er gar nicht erst nach Hause zu kommen! Denn die aus dem Replikator sind nur in den Geschmacksrichtungen „bemalte Knallerbsen“ oder „gelbe Plastikhülle aus Ü-Ei“ zu bekommen.

4.) „Nein, das ist kein Krakelbild meiner 2-jährigen Tochter. Das ist das Organigramm von DS9!“

Wir fassen zusammen: Nachdem die Cardassianer abgezogen sind und abgezogen haben, wurden „viele“ der an Bord befindlichen Bajoraner (laut Kira) sofort in den Sicherheitsdienst aufgenommen. Was in dieser Konsequenz so seltsam ist, als wenn die Gefangen von Ausschwitz nach ihrer Befreiung den Wach- und Schließdienst übernommen hätten. Ohne Bedenken der Bajoranischen Unter-, nein, Übergangsregierung durfte zeitgleich auch unser Odo seinen Posten behalten. Und auch gleich den der Sternenflotte!

Diese schickte zwar ebenfalls Sicherheitsoffiziere, ließ diese aber von Odo herumkommandieren (da seine fragwürdigen Observationstechniken bekannt sind, wurden vor allem ostdeutsche Offiziere eingesetzt), ohne unseren Peter – Vorname Wackel – nachweislich einer Sternenflottenausbildung unterzogen zu haben. Ab und an tanzte also ein Schluffi vorbei, der mit Odo zusammenarbeiten sollte, jedoch nach einer angestrengten Diskussion über die Anschaffung von farbigen Beschriftungen für die Kellerschlüssel wieder für 10 Folgen unter einem Bett verschwindet. – Um dort mit den ebenfalls bis zum Ende der vierten Staffel sparsam eingesetzten Jem Hadar das weitere Vorgehen zu besprechen.

Weder ist klar, wo die bajoranischen Sicherheitskräfte wohnen (Hotel Mama?), warum sie an Bord geblieben sind (Konfrontationstherapie?), warum ihr erstes gesprochenes Wort stets ein „Orgh?“ ist (Aber rezitiert IHR mal Shakespeare, während einer Phaserbestrahlung) und wie diese mit Sisko als Abgesandten klarkommen. Meiner Meinung nach fehlt ganz deutlich eine Charakterfolge, in der Benjamin einen harmlosen Befehl gibt und die bajoranische Belegschaft rückwärts und in Form einer 7 davonschleicht: „Ja, Abgesandter! Es ist mir eine große Ehre, für den Abgesandten die Erste-Hilfe-Kästen zu inspizieren! Ich werde ein paar meiner privaten Mullbinden als Opfergabe dazulegen, oh Abgesandter!“ – Eine verpasste Gelegenheit, die es in dieser Form im Charakterwunderland „Babylon 5“ nicht gegeben hätte. Zumindest nicht als „verpasst“.

Weiterhin fragwürdig ist, warum Major(!) Kira stets nur Landplätze an Raumschiffe verteilt. Und auch, wieso eine Karriere als Bombenlegerin, die um ihre Granaten nie viel Aufhebens (mal ein subtiles Wortspiel zum Angewöhnen) gemacht hat, fachlich zur Leitung einer Raumstation geeignet war. Graf von Stauffenberg wurde schließlich auch nicht Verkehrsminister! Wie geht’s dem eigentlich so? Lange nichts gehört…

Rätsel- und später in Einzelhaft bleiben ebenfalls die dubiosen Alienbesucher aus aller Herren Quadranten: Wieso diese zum Handeln ihrer Schmuggel- und Hehlerware überhaupt an Bord kommen, statt den Klumpatsch nebenan im All `rüberzubeamen und erst anschließend bei Quark die Strapazierfähigkeit femininer Kraftfelder testen, ist für mich wie ein Sudoku mit 3 vorgegeben Ziffern. Aber einen neugierigen Wechselbalg durch die Harnröhre fließen zu lassen, soll ja angeblich ein erhebendes Gefühl sein. Überhaupt hat man genau dieses. Und zwar, dass der Anteil an vertrauenswürdigen Händlern weit unterhalb des durchschnittlichen Einkaufspreises ihrer Waren liegt („Das? Das ist im klingonischen Sektor vom Laster gefallen.“). Aber seitdem die Bunderwehr in Afghanistan in die Geheimnisse des Mohnanbaus eingewiesen wird, kann man vielleicht auch in der SF verstehen, dass die Jungs dort ihre Körnerbrötchen mit irgendwas ähnlich Dubiosem bestreuen möchten.

Weitere organisatorische Fragen: Wieso kann jedes noch so ungewöhnliche Schiff problemlos an den genormten Luftschleusen andocken, ohne den einen oder anderen der Andocktürmchen brennend in die bajoranische Sonne trudeln zu lassen? Auch andere Mütter haben schließlich hübsche Untertassensektionen… Und wie schon mal an einer anderen Stelle erwähnt, ist mir die ganze Organisationsstruktur an Bord so undurchsichtig wie takalerianischer Kaffee: Sisko fällt bereits als Commander ohne Rücksprache mit der Bajoranischen Regierung, der Föderation oder seinem Gewissen (jetzt auch mit „Biss“!) Entscheidungen, die die Zukunft von mindestens 3 Quadranten mehr beeinflussen als Jean-Luc in 7 Staffeln Schiedsgespräch. Wobei man dies sogar nachvollziehen kann. Denn tauchten tatsächlich mal Vorgesetzte von Sisko auf, waren diese entweder Formwandler, Marquis-Angehörige, korrupte Sausäcke oder Gesellen, die so passiv sind, dass sie an der knüppelvollen Bushaltestelle vergewaltigt werden können, ohne dass es jemand mitbekommt.

“Irgendwann werde ich für all diese Leute offene Stellen haben, Kira.“ – „Sie HABEN bereits überall offene Stellen!“ – Hilfe, Herr Aufseher! Dieser Mann hier ist (k)ein Bluter! – Obwohl Odo für die Cardassianer arbeitete, schenkte man ihm später mehr Vertrauen als der Faltencreme von Mutter Teresa. Möglicherweise lag es daran, dass er damals passiven Widerstand leistete, indem er seinen Regenerationszyklus heimlich von 8 auf 10 Stunden heraufsetzte. Dieser Schlingel.

Fortsetzung folgt…


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Artikel

von Klapowski am 19.08.06 in Star Trek

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Kommentare (5)

  1. Gast sagt:

    Schöner Artikel.

    Aber andere Star Trek Serien haben genauso viele undurchdachte Storyelemente. Eigentlich könnte man das auch auf die gesamte Fernsehlandschaft ausweiten (auch auf LOST).

  2. LiviaDrusilla sagt:

    Traurig, aber wahr: Ich bin die einzige Frau in Herrn Klapowskis flüchtigem Internet-Bekanntenkreis.

    Zum Thema des Artikels äußere ich mich bei Gelegenheit, nämlich sobald ich mir DS9 auf DVD zugelegt habe. Also irgendwann im Laufe des Jahrzehnts.

  3. Gast sagt:

    Die Figur Quark und seine Bar waren einfach um vieles cooler als jedes Welt(raum)wirtschaftssystem je hätte dargestellt werden können! Dementsprechend ist Punkt 3) kein Bug sondern ein Feature. Wie sonst hätte Quark ein Gentleman Ganove sein können? Ohne Geld bleibt einem Kriminellen doch nur noch der Terrorismus – und der Posten war ja schon an Kira vergeben.

    Mein Fazit: 3) ist eine Schwachstelle wie man sie sich nur wünschen kann!

  4. Klapowski sagt:

    Selbstverständlich sehe ich das genau so.

    DS9 ohne Quark, Materialmangel, Schmuggel, Wirtschaft, Glücksspiel, Cyber-Bordell und Pseudo-Kriminellen wäre um einiges ärmer. Praktisch wie Voyager ohne Küchenchef. Und es gibt wohl kaum eine intensive Charakterszene, die in seiner Bar nicht hervorragend aufgehoben war… Zumindest, wenn der Gesprächspartner nicht zu schwer ist, um über einen Tisch geworfen zu werden. – Im Gesamtkontext des Franchise ergibt das alles zwar keinen Sinn, aber das ist eh egal. Außer DS9 und TNG und einigen wenigen Filmen kann man den Rest eh in die Tonne kloppen und Morn oben drauf setzen.

    Einen Ort zum Reden, Verweilen, Sorgen teilen und Gedanken austauschen… Wo gab es den in dieser Qualität jemals zuvor bei Star Trek?

    – Und halt' jetzt bloß die Klappe, Troi!

  5. bergh sagt:

    tach auch !
    @Gast über Klapowski
    Nicht gegen Kira. Ich wollte Nana schon immer mal visitieren,
    seit ich sie das erste Mal in McGyver gesehen habe.

    Zum Artikel :
    Leider habe ich nicht genug DS9 gesehen, um ihn sachlich beurteilen zu können.

    Amüsiert hab' ich mich trotzdem.

    Gruss BergH

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