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KLAP-KLASSIK: SEX in Star Trek

„…“ – So schallt es mir bereits seit längerer Zeit aus Klapowskis Email-Postfach entgegen. Gut, ein vorheriges Abmelden („Spark, bin gerade tot! Also erstmal alte Artikel recyclen, Dankööö!“) erwarte ich sowieso schon seit langem nicht mehr, schließlich war der Herr Kollege noch nie ein Freund von Höflichkeit und Taktgefühl. Aber wem erzähle ich das?! Egal. Denn um die Quoten auch ohne den Höööörrn Autoren in die Höhe zu treiben, wählte ich aus unserer staubigen Ablage einfach ein Thema aus, welches die Google-Besucherzahlen schon immer zum Glühen brachte. Nämlich… *verschwörerisch umguck*… den Sechs!

von Daniel Klapowski, veröffentlicht am 29.10.2001


Hardcore á la Star Trek: Schwester Chapel lässt es sich von einem Strauß Blumen so richtig besorgen!

Tabulose Erotik zwischen Brücke und Warpkern. Star Trek, das ist stets ein Hauch von „Pleasantville“. Sauber. Anständig. Langweilig. Und irgendwie total unerotisch.

Gerade dem Thema Sex stand man in ST bisher sehr distanziert gegenüber. Wenn es sich andeutete, verschluckte ein flinkes Zeitloch den Triebgesteuerten und spuckte ihn erst nach dem nächsten Schnitt wieder aus. – Wo man sich höchstens mal einen Fussel vom Kragen zupfte oder die Hose ausklopfte. Gut, natürlich erwartete niemand die anatomische Zeigefreudigkeit eines „Gina Wild“-Filmes!

Doch sanfte Erotik, ungeduldiges Knutschen oder hektisches Entblättern haben wir sogar schon in Serien wie „Dawsons Creek“, „Ally McBeal“, „Farscape“ oder „Die Sendung mit der Maus“ überzeugender gesehen! Immerhin stolzieren im letzten Beispiel entkleidete Tiere aus dem Kosmetiklabor sekundenlang auf ein und dem selben(!) Bildschirm herum…

Doch warum macht Paramount das? Will man, dass wir uns mittels Phaser- und Konsolenattrappen aus dem Merchandising fortzupflanzen versuchen? Die Antwort ist: Sie haben Angst! – Denn Angst der Amerikaner vor Sex und Erotik ist tief verwurzelt, wenn auch einem flüchtig informierten Europäer auf den ersten Blick nicht begreiflich… Kommt nicht schließlich alles Sündige und Schlechte von „Drüben“? Haben wir das nicht alle von unserer Oma gehört?

Ja, das haben wir. Und Oma hatte Recht! Doch trotz der moralisch unbegrenzten Möglichkeiten steckt die schizophrene Ami-Seele immer noch in einem Zwiespalt. An dieser Stelle kann ein aus der Erinnerung wiedergegebener Satz aus „South Park – der Film“ am ehesten die Doppelbödigkeit der Pommesfresser beschreiben:

„Krieg und Gewalt sind OK, solange dabei keine unflätigen Worte fallen!“.

Und genauso sieht es aus, dort „drüben“…

„Graaah! Einfach geil, dieses erotische Selbstwürgen! War aber auch nett vom Spock, daß er mir diese vulkanische Technik beigebracht hat. Obwohl ich ihm ja kürzlich seine Beförderung zum Captain vermasselt habe… *röchel*“

Spätestens seit „American Beauty“ wissen wir, dass Amerika moralisch gesehen ein verklemmtes, papsthöriges Kaff ist. Vielleicht etwas größer als der Vatikan, Paderborn oder Südbayern, aber dennoch unbeirrbare Verfechter von „kein Sex vor der Ehe“ und der fast fanatischen, leierkastenartigen Huldigung der Familie.

Ein Politiker, der drüben etwas auf sich hält, vergisst in öffentlichen Reden niemals, seinen Kindern, seiner Frau und natürlich seinen Schwiegereltern herzlich für alles zu danken. Auch „Gott schütze unsere Familien“ wird immer wieder gerne gesagt. Das ist natürlich nicht schlecht. Wir würden in Deutschland eben dementsprechend „Mahlzeit“ rufen oder halt „Grüß Gott“, „Moin, Moin!“ und „Was guckst Du??“

Jedoch erklärt diese angestrengte Political Correctnes, die fanatische Hinwendung zu christlichen Ursprüngen auch das ängstliche Verhältnis zu menschlichen Eisprüngen. Wäre ST eine deutsche Serie und hätte sich aufgrund achtstelliger Fördermittelbeträge all die Jahre gehalten, so hätten wir ganz sicher irgendwann erfahren, wie das ST-Universum beispielsweise zu Abtreibung steht!

Jetzt guckt doch nicht so erschrocken wie eine ausblutende Kuh am Fleischerhaken! Wird Abtreibung zwischen Warpgondeln und Sensorraum betrieben? Wenn ja, bis zu welchem Monat? Juni? August? Gar September? Wie verhüten ST-Crews? Kommt das Wort gar von „Hut“ und männliche Stecher tragen Baseballmützen und Badekappen, um den Koitus für das andere Geschlecht erst gar nicht erstrebenswert zu machen? Hatte Kirk immer ein kleines Mützchen für seinen „Sulu“ dabei? Gibt es Pornografie?

Sollte man nicht annehmen, dass Holodecks von 95% der männlichen Besatzung für ausschweifende Sexabenteuer genutzt werden? Oder gibt es einen freundlichen Filter, der kurz vor dem Schuss die Systeme herunterfährt, während eine freundliche Computerstimme ermahnt, das Holodeck bitte nicht befleckt zu hinterlassen und auch an die eigene Seele zu denken, die vielleicht Schaden nehmen könnte?

Und vor allem: Existiert Homosexualität? Natürlich wird sie das! (Siehe auch den Artikel „Homosexualität in Star Trek“)

Wir wissen nicht einmal, ob überhaupt noch das Christentum existiert, auf dem ein Teil derartiger Moralvorstellungen basieren könnte! Ob die Römisch-Katholische Kirche im Jahre 2035 verdienterweise endlich eingegangen ist, da der Verdummungs- und Erklärungsverein in einer Welt, in der durch Technologie fast alles erklärbar wurde, nicht mehr benötigt wurde.

Ich vermute daher stark, dass die Religionen im ST-Universum größtenteils tot sind. Alles andere wäre aus serienpsychologischer Sicht doch ziemlich unlogisch, finde ich. Tatsächlich kann ich mich nicht daran erinnern, die Crew schon einmal Weihnachten feiern zu sehen. Wenn man von Picards Kitsch-Visionen in Star Trek 7 absieht… Ich vermute, dass die Autoren sich nicht trauen, diesbezüglich Stellung zu beziehen, da eine Aussage wie die Folgende in den USA entgeisterte Reaktionen hervorrufen würde:

„Früher gab es den Papst, Naomi. Aber der war senil und musste wegen akuter Massenverblödungsgefahr im Jahre 2004 eingeschläfert werden. Heute haben wir keinen mehr, weil wir wissen, dass Religion Blödsinn ist.“

Zwar verhedderte man sich ausgiebig, was fremde Dummbackenrituale anging (Bajoraner, Klingonen), blieb aber in Bezug auf die menschliche Zukunft immer auffällig schweigsam. Solche Themen gehören auch und GERADE in eine SF-Serie! Wie will man denn glaubwürdig (un)moralische Einmischungen in die Angelegenheiten ferner Völker und gelangweilter Energiewesen rechtfertigen, wenn die Charaktere einer Serie mögliche moralische (und hochgradig menschliche) Probleme kilometerweit umschiffen? Apropos „Schiffen“: Das erste Mal, bei dem wir auch nur die kleinste Andeutung von Crew-Stuhlgang bekamen, war in der Pilotfolge von „Enterprise“!

ST ist nur zu einem sehr kleinen Teil visionär. Zu einem großen hingegen schlottern ihm die Knien und simpelste, grundlegende menschliche Bedürfnisse und Fragen werden stillschweigend ignoriert…

Als Bonus zu diesem Artikel liefert ST-Enterprise diesmal ein Lied, das damals kurzzeitig für den Vorspann von Voyager im Gespräch war.

Für alle unnachgiebigen ST-Fans und hemmungslosen Moralaposteln, die eher einem Fremden den Kopf einschlagen würden, als von ihrem christlich-tugendhaften Weg abzuweichen, präsentieren wir heute das schöne Lied „Every sperm is sacred„. Bitte erhebt euch mit dem Beginn des Songs, singet tapfer mit, lobpreiset dem Schöpfer und wartet dann, bis der Klingelbeutel sein letztes freudiges Klimpern hat verstummen lassen…

There are Jews in the world.
There are Buddhists.
There are Hindus and Mormons, and then
There are those that follow Mohammed, but,
I’ve never been one of them.

I’m a Roman Catholic,
And have been since before I was born,
And the one thing they say about Catholics is:
They’ll take you as soon as you’re warm.
You don’t have to be a six-footer.
You don’t have to have a great brain.
You don’t have to have any clothes on. You’re
A Catholic the moment Dad came,

Because
Every sperm is sacred.
Every sperm is great.
If a sperm is wasted,
God gets quite irate.

CHILDREN: [singing]
Every sperm is sacred.
Every sperm is great.
If a sperm is wasted,
God gets quite irate.

GIRL: [singing]
Let the heathen spill theirs
On the dusty ground.
God shall make them pay for
Each sperm that can’t be found.

CHILDREN: [singing]
Every sperm is wanted.
Every sperm is good.
Every sperm is needed
In your neighbourhood.

MUM: [singing]
Hindu, Taoist, Mormon,
Spill theirs just anywhere,
But God loves those who treat their
Semen with more care.

MEN: [singing]
Every sperm is sacred.
[clunk]
Every sperm is great.

WOMEN: [singing]
If a sperm is wasted,…
CHILDREN: [singing] …God gets quite irate.
PRIEST: [singing]
Every sperm is sacred.
BRIDE and GROOM: [singing] Every sperm is good.
NANNIES: [singing]
Every sperm is needed…
CARDINALS: [singing]
…In your neighbourhood!
CHILDREN: [singing]
Every sperm is useful.
Every sperm is fine.
FUNERAL CORTEGE: [singing]
God needs everybody’s.
MOURNER #1: Mine!
MOURNER #2: And mine!
CORPSE: And mine!
NUN: [singing]
Let the Pagan spill theirs
O’er mountain, hill, and plain.

HOLY STATUES: [singing]
God shall strike them down for
Each sperm that’s spilt in vain.
EVERYONE: [singing]
Every sperm is sacred.
Every sperm is good.
Every sperm is needed
In your neighbourhood.
Every sperm is sacred.
Every sperm is great.
If a sperm is wasted,
God gets quite iraaaaate!


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Artikel

von Sparkiller am 10.05.12 in Star Trek

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Kommentare (5)

  1. Exverlobter sagt:

    „Star Trek, das ist stets ein Hauch von “Pleasantville”. Sauber. Anständig. Langweilig. Und irgendwie total unerotisch.“
    Kurz zum Thema Sex. Klappo. du hast keine Ahnung
    Erst einmal Kirk. Der hat in jeder 2ten Episode eine Love-Interest. Meist küsst er sie nur, manchmal vögelt er sie aber auch, was ziemlich eindeutig u.a. in „TOS: Wink of an Eye/ Was summt denn da impliziert wurde.
    Aber auch in den Storys ist Sex präsent. Z.B. TOS. The Apple:
    Da geht es buchstäblich darum, dass Kirk den puren, reinen engelsartigen Eingeborenen das vögeln beibringen will, da ihr Gott Vaal, der eine Maschine ist, sie ihn einem biblischen, paradisartigen Zustand (ohne Sex) verharren lässt.
    In TNG: „Das Gesetz der Edo“ gab es sogar einen Swingerclub-Planeten. Und Riker spricht da sogar das Wort „Sex“ eindeutig aus ohne peinliche Umschreibungen, wie „Jamaharon!! (TNG: Picard macht Urlaub)“ Apropos Jamaharon, Picard wurde von einer der dortigen (Tantra?)-Masseusen eindeutig zum Jamaharon/Sex aufgefordert! Was unser lustfeindlicher Asket natürlich sofort ausschlug.

    2.Religion. Du hast größtenteils Recht.

    Meist umgehen sie das Thema (zumindest was die Föderations-Menschen angeht)
    Das liegt aber daran, dass die Sternenflotte eine militärische und damit staatliche Organisation ist. Und zumindest in den USA gilt das Prinzip des säkularen Staats (auch heute noch, sogar im US-Militär). Und Trek ist ja ne Ami-Serie, also werden deren Moral-Vorstellungen durchaus transportiert.
    Militärangehörige bleiben säkular. Das überträgt sich dann halt auch auf Star Trek.
    (Eine Ausnahme bildet da die Episode Balance of Terror/Spock unter Verdacht, wo man die Kapelle!! des Schiffes zeigt. Dies bleibt aber ihr einziger Auftritt)

    Das Zivilisten, das mi der Religion evtl. anders sehen, sieht man z.B. an Kassidy Yates, die in der DS9 Episode „Penumbra“ einen kirchliche! Eheschließung mit Ben Sisko und nicht nur eine standesamtliche verlangt.
    Aber zugegeben, da war unser Atheist Roddenberry aber auch schon lange tot. Und Ira Steven Behr sah es wohl stets als Auszeichnung an, auf die Roddenberry’schen Vorgaben zu scheißen (was IMO die interessanteste, da mutigste Trek-Serie hervorgebracht hat)

    Aber es gibt in der Tat kleine Anzeichen, dass Religion teils noch existiert.

    Aber ich muss schon zugeben, dass ich es bemerkenswert finde, das so viele Star Trek als beispielhaftes Gesellschaftsmodell ansehen, wenn wir es bislang ausschließlich aus der Brille des Militärs gesehen haben. Was kann man denn über Deutschland sagen, wenn man ausschließlich die Bundeswehr kennengelernt hat.

  2. bergh sagt:

    tachauch !

    Da gabe es doch auch die Folge wo ein ziemlich andrgynes Wesen Riker sagte:
    Ich wundere mich, ob wir sexuel kompatibel sind.
    Und Riker der Lustmolch aus dem Bart schimmerte.

    Also Sex gabe es angedeutet , reichlich,
    Religion wirklich eher selten.

    Das Lied ist zu schiessen,
    das hatte ich völlig verdrängt.
    Danke Dafür.

    Gruss BergH

    Und was sie wann mit dem Papst machen szteht noch in den Sternen.

  3. Exverlobter sagt:

    Außerdem hat Trek eine große Gay-Followerschaft. Ist zwar nicht Hetero, hat aber trotzdem was mit Sex zu tun.

    Hatte demletzt ein Gespräch mit meinem neuen Mitbewohner. Der sagte dass er totaler Star-Wars-Fan sei. Als ich wissen wollte, was er über Trek denkt, sagte er folgendes: „NoGO, die haben alle so schwule enganliegende Uniformen an. Das geht gar nicht“.

    Also ihr Queers, guckt Trek! Und nicht den grottigen Bully.

  4. biermaaan sagt:

    Nein, bitte nicht! Ihr Schwulen habt uns schon die Farbe Pink genommen! Bitte nicht auch noch Star Trek. Das is nich queer!

    Ja ne, jetzt ma Ernst: Was soll denn an Star Trek besonders schwul sein? Ich kann mich jetzt an keine Episode in allen Serien erinnern, wo sowas auch nur angedeutet wurde. Höchstens diese Sexlosen Viecher in NextGen.

    Egal, auf jedenfall mehr alt Trek von Klapo, bitte schön! Next Gen hat noch viele Aspekte offen, die du abklopfen kannst Klapooo!

  5. DerBeimNamenNennt sagt:

    Ich hoffe, „Klappo“ (falls ich ihn so nennen darf) geht es gut.

    Zum Inhaltlichen: Es ist absolut richtig, dass solche Aspekt menschlichen Lebens wie Sexualität oder Religion in Star Trek überhaupt nicht vorkommen. Das finde ich aber überhaupt nicht schlimm aus 2 Gründen:
    1. Mal ehrlich, irgendwie passt das nicht. Scifi und das ist sowieso kein sehr naheliegendes Thema, ST ist, von der eher konservativen Machart her, da bestimmt nicht besonders geeignet, die Ausnahme zu bilden.
    Das macht auch nicht viel, Historiendramen sind ja auch nicht bekannt dafür, solche Stoffe zu behandeln.
    2. Es kommen in ST überhaupt keine Themen vor, bei deren Behandlung man die zukünftige Gesellschaft in der Föderation zumindest teilweise beschreiben müsste. Das ist auch insofern nicht schlimm, als es in ST um das Thema entdecken von völlig neuen, während man die alten Probleme schon lange hinter sich gelassen hat, geht.
    Das gibt den ST-Fans die Freiheit, dass jeder seine eigenen Wunschvorstellungen in die ST-Welt projiziert. Der Kommunist sieht in der ST-Gesellschaft den perfekten Kommunismus, der Technikgläubige die perfekte Zähmung der Natur durch den Fortschritt (der Wissenschaften), der Rationalist (insofern die beiden vorherigen Gruppen nicht auch darunter zu subsummieren sind) sieh die Vorherrschaft der Vernunft und der Bildungsidealist erkennt darin eine Menschheit die sich schon „vergeistigt“ hat und nur noch nach Selbstverwirklichung strebt.
    ST:TNG und Picard im Besonderen scheint solchen Überlegungen Raum zu bieten. Allerdings relativiert DSN das dann wieder…

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