Das ernsthafte Medienmagazin

KLAP-KLASSIK: Kling. Sprachkurs & Star Trek Kochbuch

Neben unserer Leserbriefecke gehörte in seiner Blütezeit auch der knallharte ST-E Produkttest zu den Lieblingen unserer Leser, was vor allem an dem damaligen Angebot skuriler Merchandise-Produkte zum Thema Star Trek lag. Wagen wir daher also wieder einmal einen Griff in unser Archiv, um dem allerersten Teil der Reihe einen Platz in unserem Newssystem zu gewähren. Aber dreht euch bitte mal kurz um, denn ich habe die Diskette mit dem Backup an einem sicheren Ort verwahrt… *hose runterzieh*

Amazon.de meint zu diesem Produkt:

„Der Audiosprachkurs Klingonisch, der mit etwas über 51 Minuten locker auf eine Audio-CD passt, ist laut Intro vorwiegend für Touristen gedacht, die die klingonische Sprache nicht langfristig und tiefgründig erkunden, sondern nur im Imperium ihren Urlaub verbringen wollen.“

Genau! Und wer will das nicht?

Wer hingegen die klingonische Sprache „langfristig und tiefgründig“ erforschen möchte, hat selbstverständlich noch zahlreiche andere hochwertige Produkte zur Verfügung, die sich an eine mir nicht bekannte Zielgruppe richten… Selbst unter Aufbietung aller Phantasie konnte ich mir jedoch nicht ausmalen, warum Menschen sich stundenlang mit der Aussprache von intergalaktischen Tierstimmen beschäftigen sollten… Wie wäre es denn statt dessen mit Englisch, Französisch oder Latein? – So tot kann doch eine Sprache gar nicht sein, daß das Kosten-Nutzen-Verhältnis ungünstiger läge, als es bei debilen Grunzlauten der Fall ist. Entwirrt aus dem Hirngespinnsten gewiefter Marketingstrategen, die dem Ganzen unentwegt einen seriösen Anstrich zu verpassen versuchen…

„Auch einfache Dialoge werden vorgestellt und analysiert, um dem terranischen Touristen das Überleben inmitten der (von Ehre und Schmerzen beherrschten) Kultur der Klingonen zu erleichtern.“

Wie muß man sich das vorstellen?

Man steht auf dem Raumflughafen von D`Reck, das Handköfferchen mit den glattgebügelten Admirals-Uniformen zwischen den Beinen… Um einen herum nur Ehre und Schmerz, wohin man blickt. Gerade fragt man sich, ob man dasselbe Programm nicht auch bei einem Urlaub in arabischen Gefilden viel preiswerter hätte erhalten können (man könnte z.B. im Iran einen Apfel stehlen und sich dann erwischen lassen), da kommt ein Klingone mit Kampf-Pagenuniform und einem quitschenden Handwägelchen auf einen zu. Sofort erleichtert man sich das „Überleben“, blättert in dem Büchlein und rotzt gekonnt ein „Krra`psch! Kratz` ZACK-ZACK! Heckmeck!“ hin. („Möge die Ehre deines Vaters der Ehre meines Vaters eine Ehre sein“). Mit grimmigen Gesicht spuckt der Klingone ein „Trrap`Da!“ aus. („Danke, gleichfalls!“)

Sogleich weist man auf sein Handgepäck und sagt: „Hap`Rtschhh!“ Man erntet nur ein wohlwollendes, etwas zu kräftiges Schulterklopfen und ein kriegerisches „Tup`per War`!“… („Gesundheit!“)

Sogar amazon.de muß leicht amüsiert zugeben: „Anfänger sollten aufgrund der unvermeidlichen Spuckgefahr grundsätzlich genügend Servietten zur Verfügung und um den Hals gebunden haben.“

Was natürlich eine bodenlose Frechheit und Beleidigung ist. Wie sieht denn ein klingonischer Krieger (und der wollen wir ja zweifelsohne sein) aus, der mit seinem Kampfsäbel in die blutigste Schlacht springt und dabei eine im Wind flatternde Tischdecke um den Hals gebunden trägt?? – Ist das etwa verwegen?? Nein, das ist total krank!

Gummiohrenfaktor: 10/10


Ein ST-Kochbuch! Grandiose Idee!

„Gibt es ein Gericht, das Menschen, Klingonen, Bajoraner und Vulkanier gleichermaßen mögen? Wenn ja, wie würde es schmecken? Wie würden Sie es zubereiten? Wo erhält man die Zutaten vor Ort?

Diese Frage stellt sich Neelix, Chefkoch auf der U.S.S. Voyager, jedesmal, wenn er seine anspruchsvolle 140-köpfige Crew bekocht. Während seiner Reise durch unendliche Weiten hat Neelix sein Handwerk gelernt, und er gibt es nun an die menschlichen Hobbyköche des 20. Jahrhunderts weiter.“

Der obige Text bedarf einer kleinen Verbesserung! RICHTIG muß es heißen:

„Gibt es Gerichte, von denen schmierige Paramount-Bauernfänger glauben, Trekkis könnten sie mit klingonischem Madeneintopf und pürierter Fingerkuppensuppe verwechseln?“

Gibt es gar Nahrungsmittel, die einen besonders „logischen“ Eindruck machen und somit als vulkanische Delikatesse herhalten könnten? Bananen? – Ungeeignet! Walnüsse? – Perfekt! Sesambrötchen? – Aber nicht doch! Vollkornbrot? Selbstverständlich!

Die vorgestellten Rezepte dürften ungefähr so außerirdischen Ursprungs sein sein, wie eine Tupperdose in einem unheimlichen Kornfeldsymbol, das irgendwie an die Umrisse eines Picknicktuches erinnert.

Und auch, wenn es weh tut und der Text das Gegenteil zu vermitteln versucht: Neelix hat dieses Buch NICHT geschrieben! Ja, unglaublich, aber wahr: Unbestätigten Gerüchten zufolge existiert er noch nicht einmal und ist in Wirklichkeit ein Schauspieler mit Latexmaske und Tortenheber! – Und noch nicht mal ein guter!

Die grausame Wahrheit, die wir hier in ungläubig zu uns heraufschauende Kinderaugen sagen müssen, ist: Es gibt gar kein takalerianisches Rebhuhn! Und Kartoffeln aus den weitläufigen Anbaugebieten des Saturn sind eine Erfindung des Franch-Scheiß! Nur völlig überteuerte Doktor(Nicht mal Admiral!)-Oetker-Rezepte in der 28. Neuauflage!

Die Gerichte tragen halt nur so Namen, wie „Zuckersüßer Warpstrudel“, „Schmelziger Subraumsaftkeks“ oder „Deftiger Direktiveneintopf mit Plasmaklößen und knusprigen Shuttleschmorbraten“!

Als überteuertes, aber spaßiges Geburtstagsgeschenk für Kochwütige und Neelixfanatiker dürfte sich dieses Buch wohl noch gerade so eignen. Immerhin bringt es im Gegensatz zu klingonische Fremdspeichelkenntnissen noch einen gewissen inhaltlichen Nährwert mit.

Gummiohrenfaktor: 7/10


Weitersagen!

Artikel

von Sparkiller am 28.06.06 in Das Test-Labor

Stichworte

,

Ähnliche Artikel


Kommentare (9)

  1. Auswurf sagt:

    Ja, Hallo ERST(ER) mal.

    Schön, dass das System des Recyclings nicht nur bei Paramount so gut funktioniert. Wird die Old-StuS-Ecke bald dichtgemacht? Oder warum die Repostings.

    Gruß
    Auswurf

  2. Sparkiller sagt:

    Das lässt sich ganz einfach erklären. Auf Old-STuS befinden sich viele Artikel momentan in einer völlig anderen Subraumphase, weswegen diese auch nicht über die hier eingesetzte Quantenscanner-Suchmaschine sowie der Verzeichnis-Anomalie aufgespürt werden können.

    Und da die Website-Quadranten "Keiner fragt?" und "Star Trek Produkttest" aus diesem Grunde sowieso noch Unterbrechungen im Artikel-Tachyonennetz aufgewiesen haben, haben wir uns für eine segmentweise Vervollständigung dieser Sektionen entschieden.

    …so, Kinder, wer von euch kann mir obigen Technobabble jetzt übersetzen? Oder seid ihr durch die ST-Ferien schon eingerostet?

  3. DerGraf sagt:

    heißt das Klapows Artikel tarnen sich?
    Warum? aus angst gelesen zu werden?
    Naja… Die Tachyonen werden helfen. Und Notfalls baut man sich draus noch ein hübsches kleines intergalaktisches Transwarptor….
    Das geht nämlich auch nur mit Tachyonen, welche übrigens masselose, überlichtschnelle Partikel sind und sich deshalb super für einen Nebel (ST: ARMADA II) oder wahlweise für einen leckeren Außerirdischen Pudding eignen.

  4. Dr.Best (der mit dem Schwingkopf) sagt:

    Ah ja, schön das wir mal drüber gesprochen haben.

  5. bergh sagt:

    tach auch !

    Die kognitive Relevanz von Sinnerscheinungen, hilft dabei durch Plattentektonik entstandene Formationen anders zu lokalisieren.

    Ich Glaube ausserdem, daß Klapowski die seite noch attraktiver machen will,
    in dem er ab und an eine Art "The very Best of" STUS bringt.
    Das machen andere große Künstler auch so.
    Von A wie ABBA bis Z ähhh Z ähhh ZZ Top.

    Gruss BergH

  6. Klapowski sagt:

    Einer der schönsten Links seit langem!

    Ein legasthenisches Wahl-Spitzohr ("Ich bin den Vulkaniern nicht unähnlich"), das Vulkanisch lernt!

    Nicht, dass ich mich darüber lustig machen will… aber ich werde ja auch dazu gezwungen!

    *Vorsichtig auf eigenen Hirogen-Sprachtrainer mit bedrohlich schwingendem Oma-Eusebia-Nudelholz zeig*

    Als Legastheniker würde ich all meine Kraft dem Ziel widmen, endlich fehlerfrei Teutsch schreiben zu können. Oder Englisch. Oder das, was Dr. Who nach einer Koffeintablette von sich gibt. Oder Französisch.

    Schade, dass dieser User kein Preisschild als persönliches Foto gewählt hat. Hätte ihn gerne einem Produkttest unterzogen…

  7. bergh sagt:

    tach auch !

    BTW: Mal wieder nicht realisiert, daß der Artikel vom
    Sparkiller ist.
    Sorry.

    Sehr schön Sparkiller !
    Weiter so !

    Gruss BergH

  8. Sparkiller sagt:

    Nein, Nein!

    Bis auf die Einleitung war das schon alles dem Klapowski sein Klassiker. Dachte eigentlich, die fesche Betitelung dieser Sommerloch-Kollektion als "Klap-Klassik" würde da ausreichen, aber nachdem als Reaktion bereits Tonnen von Fanpost und Shampooflaschen an MEINE Adresse geschickt wurden ("Sparkiller, Du bist der Größte! – Grüsse, der Star Trek-Stammtisch Lilliput"), muss ich das in Zukunft wohl noch etwas deutlicher formulieren.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Brandneues
Gemischtes
Newsletter
Arschiv
Zum Archiv unserer gesammelten (Mach-)Werke.
Büchers
Jenseits der Goetter

Jenseits der Macht