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Q wie Q, der, die, das

Ewiges Leben… Ein unendlicher Ringelpiez in einer fremden, wunderbaren Dimension… Mit Löffeln gefressene Weisheit… Seltsame Ansichten zu menschlicher Fortpflanzung… Die Guten belohnen, die Bösen strafen… – Wenn ihr DAS erwartet, meldet euch lieber bei einer christlichen Institution eurer Wahl. Denn hier behandeln wir heute die anarchischen Energiebündel vom Q-Continuum. Nun denn: Es werrrde Artikel! *ZAPP*

Q – der, die, das

Definition: SF-Volk mit göttlichen Kräften. Egoistisches Verhalten zählt unter Ausübung der Religionsfreiheit. Ein Q kann Zeit, Raum und Lachmuskeln fast beliebig manipulieren. Diese Wesen nehmen mit Vorliebe die Gestalt von Menschen an, oder dekorieren zumindest die eines bestehenden kreativ um. Der bekannteste Vertreter der Q ist Q alias John DeLancie… alias Q. Dieser hat es aufgrund seines gar göttlichen Testosteronspiegels verständlicherweise auf Captain Picard abgesehen.

Wissenswertes:

In der Qürze liegt die Würze

Der Name des Volkes lautet Q, die Eigennamen lauten auf Q und das Kontinuum teilt sich mit dem Wort „Quarkbällchen“ ebenfalls mehr als nur die Form… Von dem nervtötenden Alphabetlied in der Q-Version der Sesamstraße ganz zu schweigen! Dagegen ist die Sprache der Schlümpfe direkt mal verschlumpft zugänglich!

Q – Der ungewöhnliche no-name wurde von jemanden völlig richtig aus der Buchstabensuppe gezogen, der anscheinend wusste, wo gutes Marketing den Most holt. Denn hippe, coole Kunstnamen müssen im allgemeinen ebenso kurz wie unverständlich sein wie ein Gästebucheintrag auf einer Counterstrike-Clanseite. – Das erst recht, wenn der zu Benennende ein Zauberer mit Gotteskomplex ist (Big G hat Q beim Pokern nämlich ständig abgezogen).

Am liebsten genommen werden dabei Hicks-, Schlaf-, Würg- und Mechanikgeräusche, die einen längeren Krankenhaus- und/oder Werkstattaufenthalt implizieren: iiiii-Pod, Getz! oder Klapo. – Um nur einige zu nennen. So war es eigentlich klar wie Konsonantenbrühe, dass ein Wesen wie Q ebenfalls einen kurzen wie unverwechselbaren Klang bekommt, dessen angemessene Erwiderung nur ein billiger Scherz wie „Gesundheit!“ sein kann.

Schratz, Lull und M’Baff hätten sich hier angeboten, klingen aber eher wie eine dermatologische Praxisgemeinschaft ganz in meiner Nähe. Die Wahl eines einzelnen Buchstabens war daher NOCH cleverer. Alle coolen Dinge in der SF fangen schließlich mit Q an: Quanten (Der Zustand, nicht die Füße), Quark (Das Teilchen, nicht der Barkeeper), Quest (Die Suche, nicht das bescheuerte Buch von Andreas Eschbach), Qual (Voyager, nicht das tolle Buch von Greg Egan) und Quasi-Qualitätskontrolle.

„Riker seinen Schal zurückgeben?! Aber ich verspüre stets einen aufkommenden Hustenreiz in meiner menschlichen Erscheinungsform!“ – Mensch Meier: In dieser Gestalt fühlt sich Q so wohl, dass er damit durchaus alt werden könnte. Zumindest ist das ein Erklärungsansatz dafür, dass er bei Voyager bereits sichtlich über 70 ist… Gerne würde er allerdings auch mal in Picard schlüpfen. Aber der ist hintenrum sofort ganz verkrampft, wenn’s mal blitzt und nicht sofort ein Donner folgt…

“Ich kann waaaas , was Du aaaauch kannst!“

Das ist ein typischer Satz auf einem Schulhof im Q-Kontinuum…

Die durchaus realitätsbezogene Frage für gutaussehende Profisatiriker wie uns lautete natürlich: Was geschieht psychologisch mit einem, wenn man überall hingehen kann, wohin man will; wenn man alles tun kann, was man möchte? In unserem Fall bekommt man vermutlich einen Fensterplatz beim Gefängnispsychologen. Oder man ist plötzlich der Verursacher von Radiomeldungen, die man früher eigentlich nie verstanden hatte: „Achtung! Auf der A2 Richtung Paderborn kommt Ihnen auf dem Mittelstreifen ein Mann auf einem Tretroller entgegen!“

Wer aber WIRKLICH ungestraft alles tun kann, tut es natürlich auch irgendwann. Nämlich strafen. Ich persönlich kann mir gut vorstellen, dass man nach einigen Jahrtausenden der unbegrenzten Macht (oder Stunden, je nach moralischer Vor-Verkommenheit durch die bösen Mööödien) die Schnauze voll hat, hungernden Völkern selbige zu füllen. Selbst Gott scheint Mitte des neuen Testaments das Interesse an uns verloren zu haben, weshalb sich die Meere auch nicht mehr teilen, wenn gerade einer drüberzulaufen versucht. Es sei denn, bei Trekkies.
*subtil Backen aufpust*

Ab diesem moralischen Wendepunkt haben Wesen wie Q die Faxen dicke und starten deren Version 2.0: Doofe Beule auf der Stirn? Sonne verstecken, dann sieht man‘s nicht mehr so. Großes Maul mit noch mehr Geruch drin? Ab jetzt seid ihr ein Kriegervolk und verwaltet eurer (fiktives) Bruttosozialprodukt ausschließlich an der Blutbank.

„Entschuldigung, dass ich störe, aber… könnten sie vielleicht noch etwas kräftiger an ihr saugen? Geht das?“ – Des einen Freud ist des anderen Sigmund: Manchmal ist eine Zigarre einfach nur eine Zigarre? Schön wär’s! Q lässt sich stets allerlei Dinge einfallen, um in Picards Nähe zu kommen. Die Gestalt eines Lungentumors scheint für diesen Zweck bereits ein guter Anfang zu sein…

“Ja, der tut was. UND er will nur spielen!“

Obwohl Q Völker ausrotten, Allmacht verbreiten und Lebewesen entwürdigen kann, sieht man ihn in der Serie nur selten den Amerikaner raushängen. Die von ihm verursachten Schäden verursachen bei Jean-Lucs Haftpflichtversicherung höchstens ein helles Quietschen, wenn diese langsam den Deckel zur Portokasse aufklappt. Seine Todesopfer kann man an weniger Fingern abzählen, als man für einen zauberhaften Schnipser gemeinhin benötigt. Zumindest in der Serie. In der Realität gehe ich davon aus, dass Q mehr Lebewesen auf dem Gewissen hat als die Pest. Und selbst die war von ihm ja nur als freundlicher Wink mit dem Begräbnispfahl gedacht, nachdem seine freundlich vorgetragene Bitte („Wascht euch mal, ihr Stinker, sonst werdet ihr noch krank!“) auf eher wenig Gegenliebe gestoßen war.

Richtig zornig war man dem sympathischen Massenbeschwörer jedoch in der Regel nicht. Aber da genau diese chronisch von ihm gebrochen wurden, kann ich trotzdem mit einem Beispiel aufwarten:

Wenn ich daran denke, dass Q der Enterprise einen Kampf auf Leben und Borg aufgehalst hat („Zeitsprung mit Q“), habe ich sogar heute noch ein „A-A-Aber… der kann doch nicht…!?“ auf den Lippen. – Das wäre schließlich das selbe, als wenn mich Siegfried & Roy plötzlich nach Berlin-Kreuzberg versetzen würden! Ein echter Grund für die Kündigung einer Freundschaft. Blöd nur, dass jene Kündigungsfrist bei Picard und Q so lang war, dass zwischendurch locker ein ganzer Kontinent durch die Gegend schippern konnte.

Aber wenn man sieht, dass etliche Borgkuben der Voyager nur ein breites Lächeln auf die Stromlinie zaubern konnten, muss man immerhin in Erwägung ziehen, dass Q den Prothesenkramladen nur mal ordentlich aufmischen wollte.

„Waaahnsinn! Ein echter Darmwind von Jean-Luc!“ – Heiter, weil wolkig: Q’s schräge Verehrung in Bezug auf sein Idol findet im stillen Kämmerlein ihren Höhepunkt. Wenn man denn ein Kämmerlein als „still“ bezeichnen möchte, in dem den ganzen Tag Picards Toilettengeräusche aus der Stereoanlage wummern…

“Versicherungskarte? Welche Versicherungskarte??“

Ein Thema, das mir ein bisschen zu kurz kam, war jenes, dass Q beim Popel-Wegschnipsen durchaus auch mal ein Sy,phonieorchester herbeizaubern kann. Also Leben erschaffen kann. Ein Umstand, der die Katholische Kirche interessieren dürfte, sobald das nervöse Rasseln des letzten kollektiven Asthmaanfalls nicht mehr auf den Fluren des Vatikans zu vernehmen ist. Ist der Film „Da-Vinci-Code“ denn jetzt endlich verboten worden? Bin da jetzt gar nicht auf dem neuesten Stand der letzten Verfassungsänderung. Steht die freie Meinungsäußerung denn noch?

Jedenfalls erschuf Q in der Folge „Gefangen in der Vergangenheit“ gleich einen ganzen Sherwood Forrest mit Besatzung (auch, wenn ihm die GENESIS-Kreditbank anscheinend keine Ratenzahlung für anständige Kulissen gewährte), in der Episode „Rikers Versuchung“ eine klingonische Frau für Worf und in „Noch einmal Q“ immerhin einen mexikanischen Trompetenchor. Alles echte Lebewesen!? Bei einer deutschen Volksmusikgruppe hätte man bei dieser Frage ja noch das eine oder andere Auge spastisch zugekniffen, doch hier ergibt sich eine interessante Frage: Haben nicht auch Pausengags ein Recht auf Leben, wenn sie erst mal erschaffen wurden?

Immerhin haben auch diese Wesen Bedürfnisse! Okay, sie blasen ausschließlich gern Trompete oder würden sich sofort und ungefragt nackig machen. Aber es gibt Wachkomapatienten, die würden sich ob eines derartigen Monotoniereichtums vor Neid in ihrer Magensonde verbeißen.

Habe daher auch immer drauf gewartet, dass Picard mal einen Pausenclown an die Seite nimmt, den Grünen Alarm verkündet (= Verdacht auf vollwertige Lebensform) und sogleich einen Fragebogen à la Einbürgerungstest aus der Teetasse zieht: Wo liegt die galaktische Barriere? Nenne 3 Mittelgebirge über 23.000 Kilometer Länge auf Vulkan! Benennen sie die Eigenständigkeit ihres Denkens auf einer Skala von 1 bis 10!

Solche Menschen kann man nach moralischen Gesichtspunkten schließlich nicht einfach wieder verschwinden lassen! – Andererseits ist das aber wohl die einzige Möglichkeit, sie von esoterischen Call-In-Sendungen im Fernsehen abzuhalten, wo sie als Moderator von solch unerhörten Dingen berichten, wie: „Ich habe meine Kraft durch die Zeugung eines Wesens aus der 9. Dimension und bestand ursprünglich aus reinstem Licht!“

„Ich finde das sehr, sehr geschmacklos, Q! Zumindest die Linke!“ – Jetzt aber mal Hand auf’s Herz und noch vieeel tiefer: Um den genauen Grad der Geschmacklosigkeit ermitteln zu können, muss Riker sich jetzt allerdings kurz zurückziehen… Der Zuschauer freut sich unterdessen, dass die ersten Castingaufnahmen von Jeri Ryan und Jolene Blalock noch nicht verloren gegangen sind…

“Euch nach Hause bringen? Gerne! Passierschein L7-28 bitte!“

Überhaupt schien Q stets sehr an Picard interessiert zu sein. Ein Umstand, der umso mehr die göttliche Weisheit und den exquisiten Geschmack des Herrn der marodierenden Blitzlichter zementiert. Da fragt man sich als kritischer Gläubiger natürlich, was der bummelnde Weltenbildner an einer intellektuellen Trümmerfrau wie Janeway gefunden hat. Aber das menschliche Auge ist vielleicht selbst für ihn zu komplex, um es voll funktionstüchtig auszubilden… Von Schamgefühl ganz zu schweigen.

So viel Sack hat nicht mal eine Fußballmannschaft, als dass man so sehr darauf gehen könnte: Wenn 19-jährige Drehbuchabiturienten bei Voyager auf ein Konzept wie „Nichts ist unmöglich“ stießen, konnte die Q-Faszination natürlich nur noch als Dachstütze im Niveaukeller herhalten. Die Entzauberung des Putzplans im Continuum wurde so schnell und fachgerecht durchgeführt, dass auch ich fast vor den Autoren auf die Knie gefallen wäre, ein ängstliches „Ihr sein große Zaubermeister?!“ auf den plötzlich etwas wulstig wirkenden Lippen.

Von Spielzeughersteller Mattel dem expandierenden Barbie-Universum inspiriert, setzte man plötzlich immer mehr Q’s in Janesway’s rosa Teestube und spielte zuletzt sogar Vater, Mutter, Kind, Trek-Stiefkind. – Wobei alle Beteiligten brav in der Gestalt von Menschen auf dem Schiff herumtobten. Vorher herrschte bei mir noch die Vorstellung, die Q seien Energiewesen und in der Regel nicht sehr erpicht, die Erscheinungsform von Menschen anzunehmen, Nicht mal ein Förmchen.

Apropos Förmchen: Spätestens, als Q seinen Sohn zwecks Erziehung zum Chorknaben bei Janeway vorbeibrachte („Q2“) , war der Ofen der Leidenschaft für die ST-Hexerei wieder aus, während die Charakterdramen in „Bibi Blocksberg“ plötzlich wieder ein Hauch von Intellektualität umwehte. Gut, man kann bei Star Trek ja einen Haufen Blödsinn anstellen… Aber einem Kugelblitz aus einer anderen Dimension beizubringen, beim Essen die Mund stillzuhalten und die Füße zu schließen (oder umgekehrt? Man kennt sich mit diesen neuen Körper ja nicht so aus), ist dann doch etwas weiter hergeholt, als ein dreidimensionaler Raum gemeinhin so hergibt.

“… und er spielt gern Ball. Sie sollten daher vorläufig an bewohnten Planeten vorbeizufliegen!“ – „Halbstarker“ ist eine 50%ige Untertreibung: Die thüringische Sozialpädagogin Katrin Janenweg hat plötzlich Q’s Sohn am Hals. Und sobald dieser genug angeschwollen ist, bekommt sie auch noch seinen 10 Jahre älteren Bruder Kai-Uwe dazu, einen ungepflegten Langzeitarbeitslosen, der bei einer Weltraumerkundung mal zu tief in einen Nebel aus Ethanol geflogen ist.

Nur ein plötzlich auftauchender Q-Sachbearbeiter vom Q-Familiengericht hätte die Illusion einer unbegreiflichen Daseinsform noch weiter beschädigen können. Zerstören jedoch nur nach einem schriftlichen Antrag in 3-facher Ausfertigung… Am schlimmsten war schon vorher jene Folge, in der im Continuum der große Krieg tobte („Die Q-Krise“). Bewegungstechnisch völig synchron mit der Halsschlagader des kritischen Zuschauers, der bei diesem Anblick durchaus nicht sagen konnte, was gegen ein Bajonett im Augapfel eigentlich ernstlich einzuwenden wäre.

Damit die Voyager-Crew auch etwas davon hatte, spielte man nämlich freundlicherweise den Amerikanischen Bürgerkrieg nach. Zugegeben, ich habe ja nicht erwartet, dass Janeway japsend im Vakuum hängt und bunten Lichtern beim böswilligen Verwirbeln, aber allmächtige Wesen mit Musketen durch die Tannenschonung zu jagen, kann es dann auch nicht (un)wirklich sein. Dafür gibt es schließlich bereits das SF-Fachmagazin mit dem Gate.

“Nicht so schnell da vorne, Major! Wir können doch nicht hexen!“ – Günter im Gras mit Blechtrommel: Ein stolzes Volk wie die Q würde sich niemals für menschliche Besucher so zum Affen machen! Aber für Tuvok machen sie gerne mal eine Ausnahme… Und der freut sich daher sämtliche Äste im Umkreis dieser Lichtung ab: Schließlich sind die forstrechtliche Aspekte des Continuums immer noch ein weißer Fleck auf der Landkarte der Forschung.

Die vorherige Folge „Todessehnsucht“ war jedoch auch schon hart an der Grenze gewesen. Dort sollte Janeway als Schiedsrichter das Leben im Continuum begutachten, um den Selbstmordwunsch eines Q’s für angemessen zu befinden. Quasi die niederländische Version von Star Trek.

Zur Klärung dieser Frage verwandelte man Teile des Contiuums einfach in eine Wüste, in der inzestuösen Deppen mit Cowboyhüten noch nicht mal den Ton angaben. Und siehe, die Götter schwiegen…

– Überhaupt erstaunlich, dass man sich bei den Q’s einigen konnte, wie die rätselhaften Elemente ihres Continuums denn übersetzt werden sollten. Was etwa könnte denn hinter Sätzen wie „Jeder von uns war schon mal die Vogelscheuche“ stehen? Wird da einer im Subraumloch fixiert und verscheucht 5-dimensionale Quantenvögel? Oder ist es nur ein Bild für allgemeine Langeweile, konkretes Star Trek, oder gar nur eine politische Karikatur, um an die Machtlosigkeit des Q-Bundespräsidenten zu erinnern?

Diese ganze Inszenierung war in etwa so aufschlussreich, als würde man in einem Mordverfahren alle Beteiligten ein Krippenspiel aufführen zu lassen. Ebenso unbekleidet wie rückwärts. Aber immerhin haben wir es nur solchen Aktionen unseres ST-E.de-Anwalts, Herrn Tigerfels, zu verdanken, dass unsere Seite auch heute noch online sein darf.

„… und die meiste Zeit stehe ich einfach nur so da. Aber ich will mich nicht beschweren. Wir alle waren schließlich schon mal die Freistoßmauer.“ – Ein Haus, kein Äffchen und kein Pferd: Von allen unglaublichen mentalen Kräften der Q ist der Autismus immer noch am stärksten ausgeprägt. Was gar nicht so schlimm wäre, wenn allmächtige Wesen nicht eine unglaubliche Menge an Speichelfäden hinter sich herziehen könnten…

„Data, sie machen den Buzzer!“

Unter dem Vorwand der intellektuellen Weiterentwicklung der Menschheit tischte Q vor allem der Mannschaft der Enterprise stets haarsträubende Quizfragen auf. Dabei legte er die selbe Penetranz an den Tag wie ein Urlaubsanimateur, der mit eingeätztem Wohlfühlgrinsen seine Schäfchen dazu zu überreden versucht, klatschenderweise am Strand zu stehen und sich zum Inselaffen zu machen. Und das, obwohl man selber bereits im Sanfriaeimer liegt und die Welt im Allgemeinen und die Zukunft der Menschheit im Besonderen längst ausgeblendet hat.

Mit hängenden Schultern und Mundwinkeln in im freien Fall quittierten die Hauptpersonen denn auch irgendwann jeden Lichtblitz auf der Brücke, und sei es nur eine Spiegelung auf einem uns bestens bekannten Charakterschädel. Der nächste Satz könnte schließlich ein von Q fröhlich vorgebrachtes „Mal sehen, ob die Menschheit schon weit genug ist, um gegen verkleidete Stinkemonster zu kämpfen!“ sein… – Geschehen in „Rikers Versuchung“.

Auch das erste Kennenlernen zwischen Q und Picard lief entsprechend tiefsinnbereinigt ab: Nach einem ersten Kontakt bei einer Onlinebörse für homosexuelle Autoritätspersonen (www.macht-menschen.de) initiierte Q gleich ein Treffen. Erkennungsmerkmal: Kraftfeld im Knopfloch. Wenig später befand sich die Crew auch schon in einem Gerichtsverfahren, in dem Barbara Salesch – schöne Idee für das Nachmittagsprogramm – auf einem Gabelstapler hereingefahren kam.

Dieses Verfahren entwickelte sich vom ersten Gongschlag an zu einer Tour de Farce und rief uns nachträglich in’s Gedächtnis, dass man der kenianischen Rechtssprechung in all den Jahren arg Unrecht getan hat. Die Crew wurde plötzlich vergangene Verbrechen an der Menschlichkeit vorgeworfen, obwohl die Beteiligten diese niemals begangen hatten. Wenn’s wenigstens DEUTSCHE Offiziere gewesen wären…

Warum Q vor diesem Hintergrund niemals durch Neelix’ Teeküche geschwebt kam, um der Voyagercrew ähnliches vorzuwerfen, überrascht dann schon etwas. Wenigstens hätte bei Janeways klamaukiger Kindestagesstätte eine Verurteilung auch im Liegestuhl erfolgen können, ohne die rechtsstaatlichen Grundsätze mehr als angemessen missachtet zu haben.

„Der Vorschlag ihres Anwalts klingt vernünftig… Ich bitte den Angeklagten daher nun, uns zu seiner eigenen Entlastung das Beweisstück c) zu präsentieren: Den Ententanz auf einem Bein!“ – Nie wieder Wesley als Rechtsbeistand: Picard fühlt sich völlig ungerecht verhandelt. Schließlich kann er keiner Seele was zuleide tun! – Rein technisch. Sollte Q jedoch nur für einen Moment einen halben Meter tiefer schweben, droht ein Blutbad…

Diese TNG-Gerichtsverhandlung sollte in der allerletzten Folge noch einmal aufgegriffen werden. Während nebenbei eine Anomalie rückwärts durch die Zeit raste, durfte Picard dort mit Q eine ordentliche Kelle Urschlamm abschmecken, dement durch drei Zeitabschnitte stolpern und nebenbei mehr Visionen haben, als Sisko am Vatertag vor einer frisch geweißten Hauswand. Apropos Sisko: Q’s Auftritt auf DS9 war eine etwas eigentümliche Mischung aus Pflichtvorlesung und Kindergeburtstag und hinterließ bei mir nur wenig Erinnerungen. Von einem gähnenden Bashir mal abgesehen. – Aber vielleicht habe ich mich auch nur in der Mattscheibe gespiegelt.

Ich denke, also sag ich’s

Q erfüllte in der Serie eine wichtige Funktion, die ich einmal mit psychischer Hygiene der Autoren vergleichen möchte. Nichts gegen Schleim zum Selberschreiben, aber ab und zu muss es wohl auch frustrierend sein, die ewig gleichen Figuren mit Kant und Hegel aufzupäppeln. Stellervertretend für Zuschauer und Drehbuchfutzie durfte der lästernde (Sch)Erzengel daher so manchen Spruch zu Mensch und Material absondern, welchen man sonst eher in unserer Porquoi-Rubrik erwarten würde:

Worfs Spatzenhirn wird mal eben völlig richtig seiner ornithologischen Benennung zugeführt, Picards Überheblichkeit und Kleinkariertheit durch Q’s Jonglieren des neuesten Shakespeare-Werkes investigativ enthüllt und Datas Wunsch, menschlich sein zu wollen, dem Q’schen Dampfhammerreview unterzogen. Nicht umsonst gilt Q als der eigentliche Erfinder der ST-Satire, was die hohen Lizenzkosten von unserer Seite an John DeLancie erklärt.

Q’s Persönlichkeit war dem natürlich äußerst zuträglich. Wer seine Freizeit damit verbringen kann, dem Erdenmond die Form eines Gesichts zu verpassen (mit Haaren!), hält sich natürlich nicht großartig damit auf, bei Troi einen Gesprächstermin für einen niedergelassenen Philosophen zu beantragen. Nein: Füße uffen Tisch, Solitär gespielt und auf einfach auf Kalkleistes entgleisende Gesichtszüge beim Eintreten in „seinem“ Raum (hätte er wohl gern) gewartet!

Klar, dass Q sich da auch nicht mit Höflichkeitsfloskeln aufhält, wie einem ehrlich gemeintem: „Ach, Wesley, was bist Du aber groß geworden!“. Da wird noch mindestens ein Satz drangehängt, wie“…seitdem ich Deinen Vater habe sterben lassen!“. Wobei der erste Teil der Bemerkung auch schon wieder einen gewissen Reiz hätte, wenn er Picard entgegengebracht werden würde. Natürlich stilecht mit einem Streichler über’s Kinn, versteht sich!

„Faszinierend, diese Welt der Menschen! Schnelles Reiten in Verbindung mit tiefhängenden Ästen verursacht bei mir eine Art von… Schmerz… an der Stirn!“ – Und auch andere geben mächtig Stoff: Wenn John DeLancie am Set auftaucht, ruft der Kostümbildner stets zuhause an, damit dort keiner mit dem Essen auf ihn wartet.

Das Verhältnis zwischen Picard und Q war sowieso stets das eigentliche Highlight zwischen Moralapostel und Gandalf-Neffe. Sogar homosexuelle Tendenzen wurden vom Publikum aufgespürt, schnell wieder verworfen und wenig später von der Sittenpolizei erneut aufgegriffen. Selbst im Tode („Willkommen im Leben nach dem Tod“) blockiert Q Picards Seele beim Rückwärts ausparken und machte dem frisch Verstorbenen ein Angebot, dass ein Buddhist im Geiste nur schwer ablehnen kann: Ein zweites Leben soll es sein, als Fähnrich an der Sternenflottenakademie. Picard, mach uns den Shinzon, du Sau! – So turnte er dann also noch einmal in seiner Wehrdienstzeit herum, um die Schweiß-, Kohl- und Klogerüche seiner Erinnerung noch mal anhand der Realität zu eichen.

Wissenswertes und Anekdötchen

Man kann tatsächlich ein Q sein, ohne es selber zu bemerken. Das gilt allerdings auch umgekehrt. Wenn ihr also glaubt, ihr könntet ein Q sein, seid ihr höchstwahrscheinlich keiner. Dennoch sollten ihr sicher gehen, indem sie ihre örtliche Polizeidienststelle aufsucht und den Schreibtisch des Kommissars durch undeutliches Gemurmel in den Schwebezustand zu versetzen versucht. Alternativ könnt ihr euch auch an euren zuständigen Geistlichen wenden, dem ihr bitte nach allerlei Herumdrucksen zu erklären versucht, dass ihr zaubern könnt und mit der dafür vorgesehenen Strafe durchaus einverstanden wärt. Zumindest wenn gerade trockenes Holz und eine Art Podest im Hause wäre… Für fotografische Aufnahmen des Gesichts des Priesters zahle ich übrigens gut.

All dieses Unsicherheiten musste auch eine Junge Frau in der Folge “Eine echte Q“ durchmachen. Da die Vererbungslehre das einzige Naturgesetz ist, an dem die Q mit andächtigem Staunen vorübergehen, ist das Kind zweier Q selber ebenfalls ein omnipotentes Energiebündel. Mit etwas Übung kann man dann ebenfalls kritisch die Schulphysik abklopfen wie eure Oma ihre Stirn, sollte es dieser Artikel jemals in die neueste Ausgabe des „Goldenen Blatts“ schaffen.

Interessanter als die Entdeckung, dass man Jahre seines Lebens mit so einem Scheiß wie Körperhygiene und Anklopfen verschleudert hat, ist jedoch der Hintergrund dieser Geschichte: Die Herrschaftsstruktur der Q scheint auf der Basis von demokratisch-parlamentarischer Assassinität zu beruhen. Oder, anders ausgedrückt: Ich hex dich tot, wenn du misch nisch wählst. – Alter!

Jene Eltern wurden nämlich von einem Continuum-initiierten Sturm umgebracht. Gut, ich kenne die ersten 4 Ziffern der verwendeten Windstärke nicht, aber diese Unsterblichen sind auch nicht mehr das, was sie zu meiner Sonntagsschulzeit noch waren…

Eine andere Art der Bestrafung lernten wir in der Folge „Noch einmal Q“ kennen: Q wurde für einige Zeit ein Mensch, was man einem großartigen Darsteller wie DeLancie jedoch nur schwerlich abnehmen konnte. Humortechnisch ist dies sicherlich eine der stärkeren Q-Folgen. Alleine schon, wie Q sich verdutzt auf das seltsame Konzept der Nahrungsaufnahme einstimmte, machte den Zuschauern starke Hoffnungen auf dessen ersten Toilettengang.

Natürlich auch hier absolut anekdotensicher mit der diesbezüglichen Fachkraft namens Data.

„Wieso finden sie DAS hier denn geschmacklos, Picard? Immerhin habe ich SIE den ganzen Morgen in einer Naziuniform auf der Brücke herumlaufen lassen!“ – Hoffentlich ist das tausendjährige Reich bald vorbei: Als Jean-Luc in Q’s „Feldherren-Spiel“ einwilligte, dachte der unverbesserliche Pazifist noch, es handele sich hierbei um eine Gaudi, bei der verschiedene Arten von Landwirten erraten werden müssen…


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Artikel

von Klapowski am 02.06.06 in Ernies Sternenflotten-ABC

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Kommentare (4)

  1. Auswurf sagt:

    Was machst du dich eigentlich über CS-Nicknames lustig? Das ist eine (zurecht?) verachtete Kunstform.

    Genau wie das hier:
    ERSTER? :)

  2. nakedtruth sagt:

    In TOS hätte Kirk sich den Pullover vom Leib gerissen und Q in nach nur einer Folge mit seinen Brustwarzen in die Flucht geschlagen. Um sích dann mit dem nächsten Superdepp zu kloppen. Wäre Picard doch nur auf diese Idee gekommen. Oder Janeway hätte Seven den Befehl gegeben…

    Im übrigen muss man im Autobahnkreuz Bielefeld von der A2 auf die A33 um nach Paderborn zu kommen. NEEEEEEERD!!!

  3. bergh sagt:

    tach auch !

    Q for president.
    Auch wenn es manchmel etwas peinlich war, vor allem im zusammengeschnippelten Piloten von TNG,
    so war Q öfters für einen schmunzler gut.

    Göttlich auch sein Auftritt in Janeways Badewanne.
    Leider blieb dann die Koonzeptvorstellung der körperlichen Vermehrung gänzlich aus.

    Auch mit Seven hätte Q mehr anstellen können/sollen, aber leider war die mal gerade wieder effizient.

    Gruss BergH

  4. crysis sagt:

    Auch Tach!

    Wirklich umfangreicher Artikel über den all-mächtigen Q – um so besser da ich den leisen Verdacht habe dass du zum schreiben dieses Klassikers nicht besonders viel Zeit hattest. Naaaaa? (Wer neben dem Betreiben und Designen einer Webseite noch arbeiten, essen und schlafen will hats eben nicht leicht.) Meinereiner muss einen Artikel ja noch ungefähr 800x korrektur lesen bevor auch nur für 5 Gramm Witz enthalten ist während die SA-Tiere (kleiner Nazigag) bei dir nur so von der Deck prasseln.

    Drusilla hat aber recht: Jetzt ist langsam mal schluss mit dem Kuschelkurs! Wenn du nicht bald einen Artikel veröffentlichst den ich in der Luft zerreißen kann werde ich noch des Einschleimens beim Arbeitgeber bezichtigt! Und mit berechtigter Kritik kann ich nun wirklich nicht umgehen…

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