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Museum Of Modern (Un)Art: Aliendesigns zum Heulen

Grau ist nicht nur alle Theorie, sondern auch alle Xenophobie… Aliens haben eine interessante Geschichte hinter sich, von der beklebten Ganzkörpermüllhalde in den 50ern/60ern über aufwendige Premiumpüppchen wie Yoda oder E.T. (denen bis heute 130% der SF-Fans hinterhertrauern) bis hin zu der farblichen Verschattung, die wir heute haben. Denn seit einiger Zeit ist zu beobachten, dass sich der Look von außerirdischem Studioleben in eine bestimmte Richtung entwickelt, in der die Phantasie Purzelbäume schlägt. Weil sie nämlich sonst nichts anderes mehr zu tun hat.

Nehmen wir nur einmal „District 9“, „Battle L.A.“, „Super 8“, „Cowboys and Aliens“ oder auch die fiesen Budgetfresser aus „Stargate Universe“, deren seltenes Auftauchen die Produzenten zum Verstecken ihrer goldenen Krawattennadeln (und der RICHTIGEN Drehbücher!) animiert hat. Das moderne Wesen von (Außen)Welt hat prinzipiell die Farbe von geteertem Nebel zu tragen: Eine Art Rentnerstoffhosen-Grau, das einem sagt: „Unser Design wird sooo hipp, dass wir gar keine kultige Farbe mehr brauchen!“ – Hier schlagen sich eventuell die 291 offiziellen Alien-Obduktionsvideos auf YouTube nieder, die uns neben dem Roswellzwischenfall mitteilen, dass die Außerfarblichen diesem spontanen Gagnamen auch gerecht werden.

„Entschuldigung, ich habe ihre Nase nicht gesehen. Aber bei ihnen kommen die Schnotten ja sowieso aus dem GANZEN Gesicht.“ – Glanzzeiten: Das Alien von Welt (Hier aus dem Film „Super 8“) verdient sich als großformatiger Ballettspiegel gerne mal ein paar Krediteinheiten dazu…

Ab und zu sind auch Brauntöne zugelassen, aber nur, wenn vorher ein schriftlicher Antrag bei der Mutvergabestelle eingereicht wurde. Okay, das könnte man noch verstehen, denn Grün ist zu ausgelutscht (Wenn sogar meine Oma „Grüne Männchen“ kennt, ist es Zeit, keine Chlorophyllfarben mehr zu tragen), Blau wäre wohl zu eindeutig abwegig (wobei ich den Sidekick aus Hellboy sehr angenehm fand), Weiß bietet sich dramaturgisch nur bei besonders reinen und friedvollen Wesen an (z.B. dem sogenannten Jackson-Michael), Rot brennt in den Augen oder erinnert an christliche Darstellungen des Staffelbösewichts vom Lieben Gott, Gelb tragen nur Mädchen und Schwarz verbietet sich aus Political-Correctness-Gründen. Und das meine ich nicht mal besonders scherzhaft, wurden ja schon die HdR-Rassen des Rassismus verdächtigt (Baumgart ist ein Brauner? Trolle brauchen einfach nur mehr Deutschkurse?)…

Was mich jedoch noch mehr nervt, ist der CGI-Look, der sich in anatomischen Nebenkriegsschauplätzen verläuft und Gesichter, Gliedmaßen und Oberkörper mit überbordenden Details vollstopft. Es ist zwar „schön“, dass man einen Alienkiefer aussehen lassen kann, als hätte man einen Haufen unsortierter Streichhölzer gefilmt, allerdings würde ich „eingängiges Design“ dann eher mit einem klassischen „Weniger ist Mehr“ verbinden. Man weiß heute ja teilweise nicht mehr, was es mit dieser „Teile-Wiese“ auf sich hat: Ist das nun ein Knochen, ein Zahn, eine Sehne oder doch nur der Rest vom letzten Redshirt, das dem Vieh da aus dem Maul hängt? Zeichnet auf der Brust das Bild von Muskeln, Skelett, Tätowierungen oder doch nur das von Maria Magdalena ab? Wieso bewegen sich die Arme so unnachvollziehbar wie ein sich verwandelnder Transformers-Roboter bei seiner Dominanz-Demo?

„Helfen Sie mir, ich bin gestürzt und kann nicht mehr richtig verstümm… gehen!“ – „Oh, sie Armer! Nehmen sie meinen Arm! (*ausreiß*) Hööö?!“ – Willkommen im Hockenheim: Wer mir sagt, aus welchem der oben genannten Filme dieses Wesen ist, darf als Belohnung die Zwillinge aus der Ratiopharm-Werbung auseinanderhalten!

Nichts gegen harmlose Details, schließlich entscheiden diese über Bundespräsidentenämter, aber der Mut zum Einprägsamen ist heute einfach wie weggeblasen, weggeblastert. Dabei hat doch jeder von uns noch die Form der „Alien“-Aliens vor Alien… äh… Augen, quasi als Positivbeispiel für Kreaturendesign. Da sich hier sinnvolle Details mit tollen Ideen wie „Birnenschädel“ und „ausfahrbarer Zweitkiefer im Kopp“ paarten, ist das Wesen zu Recht eines der furchterregendsten seit der Erfindung des Fluch(t)instinkts. Verdammt, sogar „ALF“ hat mehr Unverwechselbares als die gräulichen (Einzel)Teilchenbeschleuniger aus „Destrict 9“ oder „Battle L.A.“! Welche ja eigentlich auch nur wie ein bräsiges Brandopfer aussehen, dem man zum Trost für die körperlichen Unzulä… Vergänglichkeiten ein paar Dutzend Armprothesen an den Leib getackert hat.

Man kann es auf einen Nenner bringen, warum man die neuen Wesen nicht den „Bringer“ nennen kann: Man hat zwar mehr zu gucken, wird aber für’s Aufpassen nicht mit Erkenntnis belohnt.

Oftmals kann man gar nicht alle Details gleichzeitig erfassen, weil man sich optisch in Kleinigkeiten verläuft, während das Wesen SELBER läuft. Nicht selten scheinen sogar die Filmemacher den Glauben an ihre Xeno-Zappelphillips verloren zu haben, wenn sie in „Battle L.A.“ so selten ein komplettes, ruhig stehendes Alien zeigen, als wäre es ihnen peinlich, ihre Bewerbung zum nächsten „Modern Warfare“-Add-On mit so etwas Blödem wie Außerirdischen versehen zu müssen. Oder man hält sein eigenes Design für so unschlagbar und unheimlich, das dem Zuschauer nur Ausschnitte gezeigt werden. Im Dunkeln. Mit einer Kamera, die noch mal von einem ganz anderen Energiewesen besessen zu sein scheint.

Wie sagt doch der Volksmund so treffen: „Ein gutes Design im Hause erspart den Schlimmer-Mann!“ – Die Viecher aus „Battle L.A.“ sind so ziemlich das Hässlichste und Uninspirierteste, was ich je gesehen habe. Allein die Evolution hätte dafür sorgen müssen, dass dieses Lochansammlung sich ständig auf irgendwelchen Ästen und Ranken des Heimatplaneten aufspießt. Aber okay: WAS hieran hätten potenzielle Fressfeinde schließlich noch mampfen können?

Und das alles geschieht in der irrigen Auffassung, mit 5 Milliarden Polygonen bereits der designtechnischen Mitwirkungspflicht nachgekommen zu sein.

„Interessant“ auch (für langjährige Isolationshäftlinge), dass das moderne Alien von Welt meist nackt ist oder einfach keinen effektiven Körperschutz trägt, der modischen oder schützenden Anforderungen entspricht. Keine spannende Uniform, keine coole Schirmmütze und kein schöner Pferdeschwanz (aus Tentakeln kann man viel machen!) stört den Einheitsbrei aus bösen Reinschlagfressen. Da ist selbst eine Skinhead-Demonstration abwechslungsreicher…

Apropos Leute, die nicht gescheit sprechen können: Das Sounddesign hat sich aufgrund kosmischer Strahlung oder dem weltweiten Release eines bestimmten Audioprogramms ebenfalls vereinheitlicht: Ein Alien klingt generell wie ein kaputter Transformer: Ein schnurrender Grundton wie von einer hustenden Schildkröte, unterbrochen von ein paar schnellen Pausen, die selber schon fast wie Klickgeräusche rüberkommen. – Bei DER affenartigen Geschwindigkeit, in der sich ein gerenderter Rädelsführer normalerweise bewegt, ist es aber auch kein Wunder, dass das Lungenäquivalent irgendwann darnieder liegt.

Auch bei „Skyline“ gibt es vor lauter Details nichts zu erkennen. Hier zum Beispiel ist gar kein Alien zu sehen, sondern eine Designer-Straßenlaterne, die von den Schülern des Künstlers Joseph Beuys mit Fett und Scheiße beschmiert wurde. Aber immerhin besser als im Dunklen zu kotzen…

Da muss man ja fast George Lucas schon wieder Danke sagen, der bei seiner Epilepsie 1-3 immerhin Quarkköppe zum Einsatz kommen ließ, die eine gewisse Eigenständigkeit besaßen. Eine düstere Ausgabe von Jar-Jar (ohne Sprachausgabe) wäre mir inzwischen sogar lieber als der nächste Aliensoldat, dessen herumklackernde Gliedmaßen irgendwie an den RTL-„Domino Day“ erinnern!

Also: Macht nicht zu fremd, was bereits fremd ist, denn Minus und Minus heben sich bekanntermaßen auf. Gleichzeitig sollte man aber dann doch IRGENDEINE Designidee haben, abgesehen von „Knochig/Krötig“.

Gezeichnet:

Deutscher Verein für Alienvarianz und sinnvolle CGI-Nutzung („DvfAusCGIN“)


Bei „Cowboys And Aliens“ gibt es immerhin so etwas wie ein Gesicht. Ja, daaa! In dem Felsen ganz links, wenn man die Augen etwas zukneift! Könnte Abraham Lincoln sein? – Nein, im Ernst: Preise verdient dieses Vieh auch nicht. Überhaupt scheint „Haut“ und „Fleisch“ zwischen den Knochen und Gliedmaßen ein Luxus zu sein, den sich nur James Camerons Mörder-Budgets leisten können?


Wichtig: Ein Außenweltler muss glänzen wie ein neugeborenes Kohlestück, das eben erst aus der Placenta gezogen wurde. Nichts gegen ein schräges Design, aber eine Bowlingkugel mit beleuchteten Löchern zum Reingreifen (gemacht für den Arm des Typen aus „Battle L.A.“ weiter oben?!) zeugt jetzt nicht von Einfallsreichtum über Klingeltonwerbung-Niveau.


Unerreicht! Kein Wunder: Dieses Alien LÄSST sich nicht erreichen, sondern erreicht DICH, wenn es Bock drauf hat. Dies ist das Design aus der ECHTEN Hölle, nicht diesem Produzenten-Höllen-Abklatsch, den man heute häufiger sieht…

Danke auch an Sparkiller für seine fachsparkische Unterstützung bei der Bildersuche!


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Artikel

von Klapowski am 04.01.12 in All-Gemeines

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Kommentare (9)

  1. gff sagt:

    Tjaor, so ist das.
    Bei Star Trek Fans herrsct Beleibigkeit und bei den Außerirdischen Beliebigkeit.

    Automatisch ziehe ich beim Auftauchen solcher CGI-Männchen Schlüsse auf die Menschen die diese Filme produzieren. Es ist schon ein Unterschied, ob man im Grafikprogramm auf den Random Button klickt und das Ergebnis dann in den Film rotzt, oder ob man das verdammte Ding selber baut und am Set steuert…

  2. Zhemni sagt:

    Ich kann mir nicht helfen, aber die Aliens in District 9 haben mir gefallen.

    Klar, nicht so kultig wie Alf, aber auf ihre insektoide Art
    doch ganz nett.

  3. Donald D. sagt:

    Beim richtigen, also dem original Alien muß es doch jedem klingeln: da fehlt dann doch noch der „PREDATOR“. Der war wenigstens „echt“ (d.h. ein echter Mensch steckte in dem mörderschweren Kostüm).

    • huHn sagt:

      Sogar in dem neuesten Predator Film (Predators) werden die Predatoren durch Menschen in Kostuemen dargestellt. Und das merkt man im Film (auf eine positive Art).

  4. flyan sagt:

    Immerhin hat man den CGI-Kröten bei SG:U noch etwas mehr Charakter geben wollen als „endfies“. Letztlich waren es ja sowas ähnliches wie die Guten. Auf jeden Fall schon besser als die Hauptdarsteller-Riege.

    Ist der Tag schon gekommen, an dem SG:U durch das eklatante Versagen der Film- und Fernsehindustrie in den Status „doch nicht so schlimm“ erhoben wird, ähnlich wie ST:Nemesis durch den noch viel schlechteren elften Film?
    – Nein! Heute noch nicht. Aber ich fürchte, der Tag wird kommen.

  5. BigBadBorg sagt:

    Wenn ich an gelungene Aliendesigns der letzten Zeit denke, fällt mir eigentlich nix ein außer Doctor Who. So albern die oft sein mögen, so prägnant sind sie auch…

    Und ich habe so gut wie jeden SF-Film der letzten Jahre gesehen, auch wenn ich es oft bereut habe.

    Bisschen schade eigentlich. Bin mal auf Prometheus gespannt. Da dürfte ja eigentlich nichts schiefgehen. Ridley Scott und bewährtes Design.

  6. Halbnerd sagt:

    Sogar aus der menschlichen Grundform kann man mehr rausholen, als aus dem Standard-CGI-Vieh. Die Borg oder auch die Narn waren wunderbare Aliens mit humanoiden Erscheinungstyp. Bei den nicht-humanoiden Wesen ist mein Favorit aber immer noch die Horta – solche Kreaturen gibt es heute nicht mehr. Die gibt es nur in der Zukunft aus der Perspektive der Vergangenheit.

    • Raketenwurm sagt:

      Auch bei der klassischen Doctor Who Serie gab es schöne Aliens; humanoide wie Handpuppen…
      http://img830.imageshack.us/img830/1663/classicwhomonsters.jpg

      Weiß auch nicht, wieso die sich heutzutage kaum noch sowas getrauen. Vielleicht aus Angst, es würde zu sehr nach Mensch mit Maske auf dem Kopf aussehen, nur notfalls könnte man ja auch noch zusätzlich mit CGI arbeiten und z.B. eine computergenerierte Mimik auf die Maske blenden. Alles kein großes finanzielles Problem.

  7. DJ Doena sagt:

    Sehr schöne Puppenaliens hatte auch Farscape. Auch abseits von Rygel und Pilot.

    Gleich im Pilotfilm gabs doch da diesen Alien-Wochenmarkt wo man alles mögliche rumkreuchen und -fleuchen sah.

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