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Auf den Za’ahn gefühlt: Die Science Fiction im Interview!

Es hat lange gedauert, doch all unsere elektronischen Cookies, die wir an den holografischen Manager der SCIENCE FICTION geschickt haben, tragen endlich Früchte: Das Genre himself hat sich heute zu einem Interview mit uns bereit erklärt! Die Zeit mit ihr war durch eine diesbezügliche Schleife leider auf unendlich (dafür aber voller Wiederholungen!) begrenzt, weswegen wir nur die wichtigsten Fragen und Statusberichte abfragen konnten. Was macht die Science Fiction also gerade so und wieso wird ihr nächstes Album ein Hit?

Zukunftia: „Hallo, liebe Science Fiction! Schön, dass wir uns endlich mal persönlich kennenscannen!“

Science Fiction: „Ja, tut mir Leid wegen der Verspätung. – Aber dieses Gerichtsverfahren gegen die letzten zehn Jahre „Star Trek“ läuft immer noch und „Seelische Grausamkeit“ ist nicht leicht zu beweisen, weil der letzte Film ein Erfolg war und seine Fans immer noch in beklebten Werbebuggies durch die Gegend fahren, die später mit Motiven zu „Thor“, „Transformers 4“ und „Die Chipmunks 3“ neu beschriftet werden!“ (*Nippt an einem Earl Grey und schüttelt sich dabei, so dass der Tee in seinem Mund hörbar schäumt*)

Zuk.: „Schön, dass es jetzt mal geklappt hat…“

SF: „…Nur halb! In unserem Spiegeluniversum habe ich sie gerade wieder mal versetzt…“

Zuk.: „Egal, egal, Transporterstrahl, ha-ha. Erste Frage: Wie fühlen Sie sich von der Öffentlichkeit aufgenommen, die zukünftigen Entwicklungen aus der Sicht eines gottgleichen Aliens vorweggenommen?“

SF: „Eigentlich ganz hervorbeamend! Jedes zweite Blockbuster-Baby hat irgendwelche SF-Anleihen, Superhelden lassen sich eben doch nicht NUR mit Rahmspinat und Biorettich erklären. Und wenn wir den Erfolg von ‚Avatar‘ mal außen vor lassen, so sehe ich unendlich viele Filme und Serien, in denen es um mich geht. ‚LOST‘ kann man ebenso dazu zählen (bei Leuten, die gerne jahrelang sinnlose Zahlen ausstoßen) wie ‚Planet der Affen‘, ‚In Time – Deine Zeit läuft ab‘ oder ‚Real Steel‘, einen Boxfilm mit Kampfrobotern! Ja, ich habe die Welt(en) mit einem Fingerstreich erobert und mit einem ganz anderen Körperteil befruchtet, mein lieber Freund und Kupferschleimer!“

Zuk.: „Ist jetzt also alles Eitel, Sonnenphoton?“

SF.: „Nicht ganz, denn trotz meines großen Erfolges zieren sich viele Menschen immer noch, „Science Fiction“ als Lieblingsgenre anzugeben. Was haben SIE zum Beispiel für Erfahrungen gemacht, wenn sie jemanden erzählt haben, mal wieder einen klassischen Film mit Weltraum und Raumschiffen sehen zu wollen? Erlebten sie da nicht auch Szenen wie aus den alten Zeiten der Hexendesintegrierung?“

Zuk.: „So schlimm war es nicht. Die meisten Gefragten waren schlecht zu verstehen, während sie brüllend vor mir davonliefen.“

SF: „Ah. Wegen des Dopplereffekts beziehungsweise der Frequenzverschiebung bei sich entfernenden Geräuschquellen?“

Zuk.: „Auch. Aber die Leuten scheinen auch sehr zu unterscheiden zwischen ’normaler‘ SF, die notwendig ist, um neue Ideen umzusetzen – zum Beispiel die Maschinen in ‚Inception‘ oder ‚Matrix‘, um lächerlich realistische Träume zu erzeugen – und halt dem nächsten Schritt, dem Raumschiff.“

SF: „Ja, wem telepathieren sie das, mein Freund… George Lucas hat mit seinen drei einprägsamen Alzheimer-Movies mehr zum Niedergang der SF beigetragen als Herr Fritzl zur Kellerphobie seiner Kinder! Sagen sie doch mal einer Frau, dass sie es eher futuristisch mögen! Ich schwöre ihnen: In ihren Augen wird sich Jar Jar Binks spiegeln und sie wird unwillkürlich annehmen, dass sie ein erotisches Abenteuer mit den Worten ‚Michse dichse drauflegen?‘ einleiten würden! Wozu es natürlich nie käme, da man in ihren Augen stundenlange Raumschlachten mit ‚Piuuu, Piuuu‘-Klangteppich favorisiert!“

Hier einer der Franchisenehmer meines Gesprächspartners: Zwar sieht SF die Kommerzialisierung seines Namens mit Sorge, ist andererseits aber froh, immer genug Einmachgläser mit Alienföten im Kühlschrankfach mit der Konfitüre zu haben…

Zuk.: „Dabei haben sie mit ‚2001‘ doch schon gezeigt, dass man mit Vakuumverpacktem durchaus Filmgeschichte schreiben kann!“

SF: „Hörn’se auf, mir kommt ja schon das Essen von meiner morgigen Zeitreise den Magen hoch! ‚2001‘ hätte ich gar nicht genehmigen dürfen! Ich kenne nur alte Männer und solche, die es gerne wären, die diesen Streifen verehren, als wäre schon Morgen das Standbild verboten! Ich wurde schon in Raucherecken schöner beweihräuchert! Ein Film, in dem nichts passiert, man wenig versteht und einem selbst die Spezialeffekte zu hoch sind?! Das ist für mich ungefähr so viel Werbung wie ‚Shining‘ für das Komödiengenre!“

Zuk.: „Aber sie sagten doch eben, dass sie in zahlreichen Blockbustern zu finden seien?“

SF: „Ja, aber man nimmt mich nur stillschweigend zur Kenntnis, wie den Schatten des Kameramannes beim Pornofilm. ‚Transformers‘ ist für viele Leute keine SF, sondern ein teuer subventionierter Augentest. Nicht, dass ich mich darüber beschweren würde… Und ‚Avatar‘ halten viele primär immer noch für eine Liebesgeschichte, die vermutlich auf einer Außenstelle von Mordor spielt! Oder in der Unterhose von Pocahontas, völlig egal.“

Zuk.: „Ja, ich selber kenne eine Frau, ‚Sachen mit Raumschiffen‘ gar nicht schätzt und sich den Film nur deswegen anschauen konnte, weil lustige Hubschrauber zwischen fliegenden Bergen zu sehen waren.“

SF: „Eben! Die Science Fiction als Begriff alleine hat nach wie vor ein Imageproblem! ‚Gib mir alles, was heute noch nicht möglich ist, aber nenn‘ dich dabei Mona-Lisa-Genre‘, sooo nenne ich das, der Herr! Wenn Andreas Eschbach einen Roman wie ‚Der Letzte seiner Art‘ herausgibt, der zwischen Krimi und SF angesiedelt ist und von einem traurigen Cyborg erzählt, können sie davon ausgehen, dass der Verlag das als ‚Thriller‘ verkauft, um das Buch nicht in die Ladenecke stellen zu müssen, in der sich die Piratenpartei-Wähler gegenseitig die Pickel in die Hand geben! Oder ‚Auferstehung‘, wo Menschen in digitale Datenpakete zerlegt werden können und man die Kopie regelmäßig umbringen kann: Das ist dann ein ‚Science-Thriller‘, oder besser nur ein ‚Roman‘! Da kann ein Polizist auch behaupten, er wäre ‚Türsteher für den Staat‘, oder etwas ähnlich Verdruckstes!“

Zuk.: „Ist das nicht eigentlich egal, von welcher Seite man das Pferd aufzäumt bzw. klont? Wir können doch froh darüber sein, dass ‚unser‘ Genre neben den Schmachtschinken von Tränenakrobat Nicolas Sparks steht. Dessen Buchtitel mit ‚Wie ein einziger Tag‘ oder ‚Das Leuchten der Stille‘ klingen übrigens auch irgendwie nach Zeitblasen oder Dunkler Materie, die sich endlich mal eine Kerze angezündet hat…“

SF: „Sie verstehen das nicht. Ich verlange doch nur etwas Respekt! Und dass man mir nicht einen Schlagstock anal einführt, wenn ich auf der Polizeiwache nach dem ‚Picard-Manöver‘ frage, buhuhuu! Ich bin doch auch nur kein Mensch! – Action darf man als Mann mögen, Komödien, Western, Stummfilme, Fummelfilme, aber wer MICH anschaut und davon berichtet, wird angeschaut, als hätte er Michael Jackson zu Lebzeiten den Schlüssel für die Kinderklinik gegeben. Apropos Pädophile: Vor 6 Jahren brachte ihre Seite doch auch die Meldung, dass Kinderpornographiebesitzer auffällig oft Star-Trek-Fans waren!“

Zuk.: „Wenn’s doch zufällig so war? Bleib doch mal locker und erfreue dich an deinen Kindern, auch und gerade als TV-Serien. Da wird die kleine(?) Nische aber mit ein paar Sumoringern mit 4-stelligem Body-Mass-Index ausgefüllt! Und Freunde von Nationalsozialistischen Liebesschnulzen (‚Zärtliche Gestapo‘?) haben es da ja viel schwerer, im TV an ihr Genre zu gelangen, auch wenn 10% der Deutschen angeblich eindeutig rechts sein sollen.“

SF: „Ja, sie haben ja Recht. Ich bin schließlich Science Fiction, kein Arzt, Jim! Haha… Schnief. Alles halb so wild und nicht mal überlichtschnell. Vielleicht bin ich auch nur eifersüchtig auf meine Cousine, die sich dauernd umstylt.“

Zuk.: „Die, die vor ein paar Jahren diese runde Brille getragen hat?“

SF: „Genau die!“

Zuk.: „Und die sich diese scharfen Eckzähne hat einsetzen lassen?“

SF: „Ja, siehe oben, gerade eben!“

Zuk.: „Und die einen Werwolf nur küsst, wenn der ihr vorher die Pille verschreibt?“

SF: „Nein, das ging anders: Wenn der so doof ist, dass er sich sogar bei dem Wort ‚Pille‘ verschreibt!“

Zuk.: „Apropos Pille: Was würde der berühmte Schiffsarzt zu dem Hexen/Zauberer/Vampir/Werwolf-Kram der heutigen Mädchengeneration sagen, wenn man bedenkt, dass ein waschechter Vergewaltiger ebenfalls das Bedürfnis nach urtriebhafter Liebe stillen könnte?“

SF: „Vermutlich: ‚Sie hatten Recht, Spock. Diese Emotionen sind reinstes Teufelswerk.‘ Nein, im Ernst: Sollen die Mädels doch! Wer einem Vampir beim Balzen mit der eigenen Asexualität zugesehen hat, wird früher oder später vielleicht auch sein Freundschaftsbändchen in einem Überlichttriebwerk suchen. Und das ist etwas, was mir Hoffnung gibt, wenn die Erde im Jahre 2015, 2019, 2046, 2068 und 2183 von Menschen in Raumschiffen verlassen werden muss, weil wir unsere Ressourcen wieder mal aufgebraucht haben…“

Zuk.: „Apropos Ressourcen: Das Internet ist jetzt voll mit unserem Gespräch. Vielen Dank für das Interview.“

SF: „Gerne. Wer noch Interesse hat: Ich eröffne am 19.12.2011 einen Baumarkt in der Bielefelder Innenstadt!“/b


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von Klapowski am 13.12.11 in All-Gemeines

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Kommentare (6)

  1. Exverlobter sagt:

    „„Nicht ganz, denn trotz meines großen Erfolges zieren sich viele Menschen immer noch, „Science Fiction“ als Lieblingsgenre anzugeben.“

    Also selbst wenn es einmal so war, dass man sich nicht gern zur Sci-Fi bekannte (was ich übrigens für ein Gerücht halte, genauso wie, dass alle Trekkies einen Termin bei Weight Watchers bräuchten)- mittlerweile hat sich das geändert. Ich hatte gerade erst gestern ein Gespräch mit jemandem, der mich (und mein Interesse für Sci-Fi/Fantasy) noch nicht so gut kennt.
    Thema war „Captain America“. Ich fand den Film scheiße, da er mir zu abgehoben war, (Laserkanonen im Zweiten Weltkrieg, WTF??) und hätte mir gern mehr Realismus gewünscht. Mein Gesprächspartner wies mich zurecht und sagte, ich solle mich nicht wie ein seniler ZDF-Opa aufführen, und den Sci-Fi/Fantasy Elementen des Films eine Chance geben. Das hab ich auch noch nie erlebt! Das mir jemand vorwirft, dass gerade ich Sci-Fi nicht ausstehen könne,lol.

  2. Halbnerd sagt:

    Ein guter Artikel, welcher die Leiden eines Science Fiction-Fans sehr genau ausformuliert. Nur Anspielungen auf unsere nicht vorhandene Sexualität haben noch gefehlt.

    • Exverlobter sagt:

      Jetzt geht das wieder los

    • zhemni sagt:

      @Exverlobter
      Dír ist bewusst das das komentar ironisch gemeint ist, oder? : )
      Genau wie meiner Meinung nach auch der Artikel,
      der einfach nur Klishees verbreitet.

      Selbst unser alteingesessener Herr Klapowski dürfte eine
      ‚wachsende Akzeptanz‘ gegenüber dem Thema festgestellt haben.

  3. biermaaan sagt:

    Science-Fiction ist doch schon längst im Main-Stream angekommen. Lääängst! Wird nur eben nicht mehr so explizit angegeben, wenn davon Elemente in einem 200 Mio Dollar Film auftauchen. Marketing und so

  4. das obst sagt:

    science fiction ist eigentlich spätestens mit dem erfolg der ersten „star wars“-trilogie im mainstream angekommen (allerdings wurden auch schon seit den 1940ern jede menge massentaugliche filmchen rund um ufo- und monster-invasionen produziert). seitdem werden mehr oder weniger brauchbare genre-filme wie am fließband hergestellt. nur die anspruchsvolle science fiction (aber die mag klapo ja eh nicht) hat es schwer. doch das ist eigentlich mit jedem anderen genre genauso – leichte kost gewinnt (fast) immer vor schwerer kost. was ja auch gar nicht so schlimm wäre, wenn das verhältnis zwischen diesen beiden geschmacksrichtungen auf dem film-/serienmarkt wenigstens einigermaßen ausgewogen wäre. ist es aber nicht. wenn man tatsächlich mehr tiefgang haben möchte, kann man sich auf die flimmerkiste also nicht verlassen. da gilt nach wie vor der altbewährte rat, zu einem guten buch zu greifen (oder dem aktuellen ereader-trend zu folgen).

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