Film- und Serienkritiken

Das ernsthafte Magazin für Kritiken zu Film und Serie.

„Sie schufen sie für MICH!“ – Klapowskis Lieblingsfilme

In der Medienbranche gibt es ein Sprichwort: „Sag du mir, welchen Film du magst, und ich sage dir… welche… Filme du halt so magst.“ Gut, etwas vorhersehbar und sperrig, aber dennoch ein wahres Wort! Nachdem ihr nun langsam wissen dürftet, was ich von Star Trek halte (Im Moment? Seinen Hals zwischen meinen Händen!), ist es nun mal wieder Zeit für einen Artikel aus reinstem Licht und purer Freude!

Da ich der Meinung bin, dass nichts so sehr den Charakter enthüllt wie die Lieblingsfilme eines Menschen (und seine Orthografie in Kommentarfeldern), lasse ich heute mal meine Fassade fallen und bitte euch in mein Innerstes. Doch Vorsicht! Die (Ein)wände sind noch nicht ganz trocken! – Und wenn wir uns alle dann mal so richtig kennen gelernt haben, möchte ich mit euch allen zusammen gerne mal an einem Sonntag in’s Kino gehen! – Muss ja nicht das gleiche sein… Sofern eurer Geschmack mit meinem kompatibel ist. Aber das werdet ihr ja gleich sehen. Ihr liebt doch auch „Das letzte Einhorn“, oder?

Alleine schon mit Nakedtruth und Bergh fühle ich mich sehr verbunden. Alleine schon, weil jeder Busch und jeder Strauch euer Gesicht zu haben scheint. Wenn ihr mal in der Nähe von Ostwestfalen-Lippe seid und Lust auf einen DVD-Abend habt, sagt mir unbedingt bescheid; ich bin dann nicht da!

Doch nun zu meinen absoluten 10 Lieblingsfilmen. Bitte seid anständig zu ihnen, und sie werden euch im Gegenzug behandeln, wie ihr selber gerne behandelt werden möchtet… Wie? Dildos? Die haben sie nun wirklich nicht… Wieso?


Platz 1.) Braveheart

Wenn ich ganz tief in mich hineinhorche und mich frage, bei welchem Film ich wohl die meisten Tränen vergossen habe, so kann es nur eine mögliche Antwort geben: Der dritte Teil von Matrix. Auf Platz 2 landet jedoch immerhin noch „Braveheart“! – Vor diesem Stück Filmgeschichte ziehe ich nicht nur meinen Hut, sondern gleich – passend zum Schlachtengemälde – den ganzen Kopf dazu! Obwohl in gewisser Weise kitschig, pathetisch und mit 3 Stunden viel zu kurz, hat dieser Streifen eine solche Fülle an einprägsamen Szenen zu bieten, dass ich wohl noch meinen Enkeln begeistert davon berichten werde. Alleine schon, dass ich gleich darüber schreiben werde und durch diesen Film sogar inspiriert wurde, mal ein echtes Pferd zu berühren, wird jeglichen Leerlauf vor meinem Schaukelstuhl vertreiben helfen!

Bei dem Tod des Vaters von William Wallace, beim Tod der Ehefrau und nicht zuletzt beim Tod des Helden könnte ich jederzeit heulen wie ein Todhu… Schlosshund. Bei so herzzerreißend gespielten Toden fühle ich mich selbstverständlich schon jetzt unter Druck gesetzt, sollte ich jemals von einem Bus erfasst werden. – Dass die Geschichte in ihren groben Grundzügen eine reale ist, sorgte für meine zusätzliche Faszination. Und die grandios inszenierten Schlachten lassen jedes neuere Großleinwand-Computerspiel wie „Troja“ oder „Herr der Ringe“ so altertümlich aussehen, wie es deren Schauplätze verlangen.

Gut, 75% meiner Bewunderung resultiert aus der wohl schönsten Filmmusik, die jemals mein Ohr mit glockenhellem Klang zu umschmeicheln vermochte. Wenn Dudelsäcke dudeln, verwandelt sich mein Herz irgendwie immer in Buttercreme… Was mich zum Heulen bringt, hat nicht nur den Oscar verdient, sondern auch, viel wertvoller, Klapowskis Silberne Träne im mundgeblasenen Glasauge.

„Und wenn ihr einst als alte Männer sterbend in euren Betten liegt, würdet ihr dann nicht jeden Minute eintauschen von heute bis zu jenem Tag, um hier wieder stehen zu können und diesen Film zu sehen!?“

“Ihr könnt mir die Freiheit nehmen, mich in Ketten legen, doch wann ich mir in dieser entwürdigenden Haltung selber auf die Oberschenkel pinkle, bestimme immer noch ICH!” – So ver-Held man sich als Anführer: William Wallace hält selbst in der schlimmsten Lage noch immer einen aufmunternden Spruch für Fans und Scharfrichter bereit. Und dabei hat er seine letzten Worte, wie „von Früüühtau zu Pferdeee…“ und „Auch der letzte Gang macht schlank“ noch nicht mal ausgepackt.


Platz 2.) Matrix

„Und wie Real ist Deine Welt?“ – Was wie ein genialer Werbeslogan einer großen Kaufhauskette klingt, ist das Motto des großartigsten Gedankenspiels der jüngeren Kinogeschichte! Die Idee, in einem Computer zu leben, war zwar beileibe nicht neu (bereits 1935 spielte Hollywood mit dem Gedanken, Charlie Chaplin in das Innere eines Rechenschiebers zu versetzen), doch wurde dies nie zuvor so genial umgesetzt wie hier.

Was mich bei anderen Ideen mit virtuellen Welten (auch in Comics) immer geärgert hatte, war die Tatsache, dass man jeden Aspekt des Computers visualisieren musste: Ein Programm konnte nicht einfach verlassen werden, nein, man brauchte mindestens ein rostiges Gartentor dazu! Übertragene Daten hatten als Bücher, riesige Disketten oder große Nullen und Einsen durch die Luft zu fliegen, um dem analogen Austauschschüler in die Gefahr einer Gehirnerschütterung zu bringen. Viel Guck statt Denk. Verirrte Großeltern mussten nach solchen Filmen tatsächlich denken, dass Daten in einer Art trockengelegter Wasserrutsche vom Word-Teezimmer zur Excel-Lounge hinuntergleiten.

Ich gebe solchen Werken auch die Schuld daran, dass ich einer 60-Jährigen Kollegin ohne PC-Erfahrung wirklich mal erklären musste, dass wir den Rechner nicht durch den ständigen Programmwechsel „verwirrt“ haben, er jetzt keineswegs „ein bisschen Ruhe“ braucht und gleich auch keine Hand aus dem Diskettenlaufwerk schießen wird, um die Stromgebühren abzurechnen…

Zwar brauchte man auch noch bei Matrix Telefone und Pillendöschen, jedoch hielt sich der visualisierte Schmonzes für Oma und Opa ansonsten sehr im Rahmen. Schade, dass Teil 2 & 3 dann mit dem „Trainman“ daherkommen mussten (nicht noch ein neuer Superheld!), neben den von mir verhassten Türen und verzauberten Stockwerken im Hochhausviertel… Besonders nervig: Der Schlüsselmacher. Warum nicht gleich ein Leistenbauer, damit man die gestarteten Matrix-Programme auch mal unten ablegen kann?

Doch zurück zum ersten Teil: Die visuellen Ideen, die Kämpfe und Aktionen in Zeitlupe wurden völlig zu Recht hundertfach kopiert. Auch wenn sich Parodien wie „Scary Movie“ und „Der Wixxer“ im nächsten Jahrzehnt mal wieder behutsam an einen neuen Gag heranwagen sollten. Gerade die Sache mit der Zeitlupe erscheint im Nachhinein so logisch und selbstverständlich, dass man sich ehrlich fragt, warum dies vorher noch niemand anders angetestet hat. Deutsche „Action“filme der letzten 50 Jahre mal außen vor gelassen. „Matrix“ ist einfach einer der genialsten Zelluloidgötter und verbindet nebenbei auch noch buddhistische Ideen, Geschirrwissenschaften (verbogene Löffel!) und christliche Erlösergedanken zu einem großen Geilen. Unbedingt anschauen, wenn ihr ihn noch nicht kennt! Ja, Oma, das gilt auch für dich! Nein, das hier ist tatsächlich nicht die Homepage der BRIGITTE-Redaktion, na und?

Auch wenn der Film WIRKLICH bemerkenswert grün ist…

– Dies nur als kleiner Insider-Gag für meine lieben farbenblinden Forumskollegen von 1999. Wer hat’s erfunden, oder besser gesagt, von Anfang an gesehen? Kleiner Tipp: Es waren nicht die Schweizer.

„Es gibt keine Löffel! – Ihr habt sie wieder mal nicht abgespült!“ (üblicherweise fallender Satz beim täglichen Kaffeetrinken mit meinen Kollegen)

„Hast wohl nie Schießen gelernt, was?“ – „Püh. Mit Fluganfängern rede ich grundsätzlich nicht!“ – Die Zeitlupe vergeht mal wieder wie im Fluge: Mr. Anderson beweist, dass er seine Ausbildung nur bei den Besten der Allerbesten genossen hat! Diese Ringelpiez-Einlage hat er beispielsweise von seiner asiatischen Kindergärtnerin, Lin Ma. Doch aus irgendeinem Grund war dem Produzenten des Films der Titel „Ma-Tricks“ irgendwie nicht cool genug.


Platz 3.) Fight Club

Was dem Star Wars seine neuen Episoden, ist dem Bud Spencer dieser Film: Ein modernes Remake der vielschichtigen Problematik von Gewaltbereitschaft.

Vor einigen Jahren wäre dieser Klopperfilm hier noch auf Platz eins gelandet. Nach vier nachträglich gelesenen Büchern des „Fight Club“-Erfinders Chuck Palahniuk habe ich seine aus rostigen Nägeln zusammengezimmerte Weltsicht allerdings doch ein bisschen über… – Chucks Hauptfiguren könnten nicht einfach in eine Imbissbude gehen, nein, es müsste schon eine stinkende Imbissbude sein, in der die fetttriefenden Rinderfrikadellen wie eine Parodie auf tierisches Leben daherkämen, während die fette Kellnerin mit ihrem Triefauge die ewig gleichen Bestellungen in einen fleckigen Block einträgt. Hinkend. Pardon: Hinkend.

Dennoch hat Fight Club so viele geniale Ideen zu bieten, so viele surreale Schmankerl wie z.B. die selbstgemachte Seife aus Körperfett bis hin zu dem fragwürdigen Nutzen von Selbsthilfegruppen, dass dieser Film einfach aus der übrigen Hollywoodware heraussticht. Ungefähr wie ein angebrochener Schneidezahn aus den zerschlagenen Mündern einer enttäuschten Generation, wie Onkel Chuck es an seinen optimistischeren Tagen vielleicht ausdrücken würde.

Wem der Film zu hohl, zu gewalttätig, ja, schlicht zu fern einer sinnvollen Botschaft erscheint, mag mit seiner Meinung glücklich werden. Ich hingegen bevorzuge es, mit Hilfe des Clubs mindestens einmal im Jahr mächtig unglücklich zu werden! Und zwar auf einem bemerkenswert hohen niedrigen Niveau. Ob der Film nun eine Kritik an die Konsumgläubigkeit der Menschen ist, ein Portrait von Männern ohne echte Vorbilder oder einfach eine Clipshow mit ungewöhnlichen visuellen Einsprengeseln wie dem Zoom in einen dreidimensionalen Ikeakatalog, ist eigentlich völlig Latte. Faszinierend ist er so oder so… oder auch noch mal ganz anders. Und die Vielzahl an „Tyler Durdens“ in den Onlineforen dieser Welt beweist, dass er nicht spurlos und blutleer an der Menschheit vorübergegangen ist.

„Ich bin Jacks pumpendes Adrenalin im Angesicht dieser DVD!“

„Nun stell dich doch nicht so an! Es ist nur mein Freundschaftsbändchen am Handgelenk!“ – Was sich neckt, das legt sich: Eigentlich wollte Edward Norton nur einen Asthmaanfall vortäuschen, um Tyler Durden endlich zum Staubputzen zu bewegen. Doch nun kommt er nicht mehr hoch. – Der Fußboden ist einfach zu klebrig. Aber ein liebender Freund wie Tyler hilft einem wirklich in allen Dingen. Bevorzugt Selbstverstümmelung und Selbstmord.


Platz 4.) Forrest Gump

Tom Hanks ist Gott und ich sein Formular für den Kircheneintritt…

Da „The Green Mile“ auf dem unsichtbaren 11. Platz dieser Liste verharren muss, soll hier wenigstens dieses Meisterwerk sein Ego rühmen und lobpreisen! „Forrest Gump“ ist wie ein begehbares Kinderüberraschungsei mit Räumen, Hinterzimmern und prall gefüllten Lagerräumen. Jeder darf sich nehmen, wonach es ihm beliebt! Darf es absolut genialer Humor sein? Kein Problem, mein Freund, Lachfalten gibt’s hier in Vietnam, drittes Einschussloch links! Oder beliebt es euch eher, amüsant verpackten Geschichtsstunden zu folgen? Einer Liebesgeschichte? Skurrilen Dialogen? Dem Busfahrplan? Einem bemitleidenswerten Deppen, damit ihr die Sonderschule nicht absolut hoffnungsbereinigt durchstehen müsst, solltet ihr selber nicht allzu helle sein?

„Forrest Gump“ ist vieles, aber sicherlich keine Sekunde langweilig. Auch nach fast drei Stunden Dauersitzung im Fernsehsessel möchte man dem Film immer weiter zurufen: „Lauf, Filmchen, lauf!“ – Dieses hanksche Meisterstück hat etwas, was nur sehr wenigen Produktionen vergönnt ist: Sehr viel Herz und eine Schluss- bzw. Anfangsszene, die auch in Jahrzehnten noch legendär sein wird und keine (Achtung!) Federn wird lassen müssen… Die Klimpermusik und die unmerkbaren, aber extrem wirkungsvollen Computereffekte sind sowieso über jeden – EUREN ausdrücklich eingeschlossen – Zweifel erhaben.

Abschließend nicht zu vergessen, dass ich diesen Film einfach nennen musste, um an dieser Stelle nicht stattdessen „Die fabelhafte Welt der Ameliè“ aufführen zu müssen. Äh… Was guckt ihr so…? Ich… ich… rede natürlich von der indizierten Ultra-Bloody-Version, in der die Hauptdarstellerin ihre Rehaugen hinter roten Kontaktlinsen verbirgt.

Aber zurück zum Wald-Gump: Schade, dass Star Trek niemals etwas derartig Perfektes abliefern wird… Wobei, der Satz „Mein Name ist Archer, Jonathan Archer, Ma’m!“ hätte durchaus was für sich!

„Das Leben ist wie eine Schachtel Pralinen: Wird man gefressen, ist man weg. Hö. Höhö-hö.“

“In 20 Minuten werde ich wohl die Rückseite meiner Pralinenschachtel durchgelesen haben. Kann ich dann vielleicht dein Bilderbuch haben, Tante?“ – Der hat wohl einen sitzen: Forrest weiß ganz genau, dass sein 37er-Bus gleich kommt! Er hat schließlich gestern extra in seiner Heimatstadt auf den Busfahrplan vor seinem Haus nachgeschaut… In der Zwischenzeit belästigt er halt einfach noch ein paar Leute: „Entschuldigung, Sir! Sind sie ein Penner? Ich bin nämlich auch dauernd müde, wissen sie?“


Platz 5.) Star Trek VIII – First Contact

Huch! Was hat Star Trek denn in dieser Liste verloren? Seinen ehemaligen Komponisten James Horner, der erst mit Braveheart eine wirklich geile Mucke abgeliefert hat? Bevor mir Picard & Co. hier eine Szene machen, noch dazu eine schlecht gespielte und mangelhaft beleuchtete, muss ich ihnen zu dem auffälligen Mangel an ST-Produktionen in dieser Liste sagen: Selbst schuld! Hättet ihr in der Filmschule besser aufgepasst, wäre aus euch vielleicht auch was geworden! – Star Trek gehört einfach nicht in irgendwelche Filmlisten, nicht mal in die für besonders miese Filme. Dafür sind fast alle ST-Movies zu mittelmäßig, zumindest im Vergleich zu den hier aufgeführten Hammern, die an ihren epischen Knochen stahlharte Regiemuskeln und keine festgeklammerten Fanboys mit sich herumtragen.

Doch für Star Trek VIII mache ich eine Ausnahme, da ich ihn abartig liebe. Für immer. Ihm selber wird es sogar langsam zuviel, und so bat er mich zwischenzeitlich sogar mal um einen Besuch bei der Eheberatung, um gemeinsam zu erfahren, wie wir etwas mehr Alltag, Langeweile und Missachtung in unsere Beziehung einbauen könnten… Aber er ist einfach zu stark gebaut, gerade im Regiebereich: Jedes Bild ein Treffer, jeder Gag ein Lacher. Jeder Schuss hat Pfeffer, konzeptuell ein Kracher. Zeitreisen, Borg, auch Datas Seele: Egal, was is’, ich darf net fehle’!

Man mag ST 2 oder 4 oder von mir aus auch 6 für die besten Vertreter halten, aber wenn es etwas aus den späten 90ern sein darf, was man auch zusammen mit Freunden gucken kann und gegen Star Wars (alt!) nicht auf den ersten Blick abschmiert, muss man schon vertrauensvoll zum ersten Warpflug greifen. Allein schon, um den selbstironischen Umgang mit einer der ST-Sternstunden zu genießen. Sich vorzustellen, wie ein NEMESIS-Autor oder -Regisseur die Sache zu einer bierernsten Mad-Max-Parade hätten verkommen lassen, sorgt bei mir für Schüttelfrost nahe des absoluten Nullpunktes.

Wer noch mehr über das MEHR an ST-Film wissen will, dem sei dieses Review an’s Herz gelegt.

„Die Menschheit der Zukunft kennt kein Geld! – Außer die Jungs von DS9, die hatten da mal so eine Fortbildung…“

“Als sie sagten, sie würden uns nicht beachten, wenn wir sie nicht bedrohen, hatten sie da genau DIESE Problemlösung im Kopf?“ – „Was haben sie denn? Ich habe schon in schlimmeren WG’s gewohnt. Und in spätestens 20 Jahren wird dieses Schiff sowieso außer Dienst gestellt.“ – Dieses Schiff ist nur ge-borgt: Picard auf dem täglichen Weg zur Kantine. So ganz passt ihm die ganze Sache aber auch nicht: Die Borg brauchen morgens immer ewig, bis sie sich in seinem Badezimmer angezogen haben…


Platz 6.) Memento

Es gibt bewusstseinsverändernde Drogen und es gibt Filme. Doch es gibt nur sehr selten bewusstseinsverändernde Filme…

Nachdem ich diesen (Film)Stoff das erste Mal ungestreckt und hochkonzentriert verfolgt hatte, ging es mir plötzlich wie einem Leser der BILD-Zeitung: Ein gewisses Schwindel-Gefühl machte sich breit. Trotzdem trat ich in meinen dunklen, staubbedeckten (Sorry, falscher Film) Flur, da ich noch zum Einkaufen fahren wollte.

Doch das Gefühl, dies schon getan zu haben und mich nur nicht daran zu erinnern, war so übermächtig, dass ich nur schwerlich dem Impuls widerstehen konnte, mich hinzusetzen und die 5 Stunden bis zum Frühstück abzuwarten. Das war so um die Mittagszeit. – Die ganze Welt feierte in meinem Kopf eine extreme Uhrumstellungsparty mit Zeigern wie Windmühlenflügeln. Für mindestens eine halbe Stunde ging mein Sensor für Ursache und Wirkung komplett den Bach, ach was: den Zeitstrom hinunter. Ich hätte durchaus aus dem Fenster springen können, da die Tatsache, dass ich in diesem Moment noch lebte, nur beweisen konnte, dass ich es bereits probiert und es mir nicht geschadet hatte.

Nach einigen Minuten bewegte ich mich dann gedanklich wieder im Einklang und revolutionäre Konzepte wie „Was du heute kannst besorgen… hast du gestern vielleicht schon erledigt“ ruhten wieder in meinem Geist. Nachdem mich ein Experiment mit einem Streichholz, einem Benzinkanister und der Nachbarwohnung darin bestärkt hatte, dass Vergangenes auch auf erschreckende Weise vergangen blieb, war ich wieder normal… Nur dass ich plötzlich Star-Trek-Satire für’s Internet schrieb und keine Ahnung hatte, wie ich dort hingekommen war.

Doch genug gescherzt. „Memento“ komplett rückwärts zu verfolgen, war eine meiner überraschendsten Filmerfahrungen überhaupt. Und das sage ich als jemand, der sich nach 20 Minuten „Sixth Sense“ bereits in Douglas Adams „totalen Durchblickstrudel“ wähnte… Die Story, so genial sie auch ist, gerät seitdem immer chron(olg)isch in den Hintergrund, wenn ich von diesem Film berichte.

„Vertrau seinen Lügen nicht. Er ist derjenige. Töte ihn!“ (kürzlich gefundene Bildunterschrift auf einem Foto von Rick Berman)

„Hey, ich trage eine Brille und einen Schnauzbart?! – Moment mal! Das ist ja überhaupt kein Spiegel!“ – Kannste vergessen, Alter: Dieser Gedächtnisverlust tritt immer in den ungünstigsten Augenblicken auf. Selbst Foltern macht keinen Spaß mehr, wenn man das Opfer 5 Minuten später zur Polizeiwache fährt und besorgt fragt, wer es denn so übel (zu)gerichtet hat.


Platz 7.) Cube

Auch wenn die Faszination nach dem 30. Sehen aus unerfindlichen Gründen um 24% abnimmt, steht dem beliebtesten Würfelspiel aller Cineasten natürlich ein Ehrenplatz zu.

Allein die ungewöhnliche Idee gehört natürlich schon belohnt. Wo andere Regisseure sich irgendwann in ihren Kammerspielen verfransen, macht Vincenzo Natali dies sogar zur Ausgangssituation seines Films: Menschen, die von einer Kammer zur nächsten gehen und sich (oder diverse Metallfallen) in die Köppe kriegen. Im Kino kam die Sparkulisse damals über mich wie eine klaustrophobische Urgewalt! Es machte einfach Spaß, den Figuren dabei zuzusehen, wie es ihnen langsam so rein gar keinen Spaß mehr machte…

Zugegeben, viele Dialogzeilen oder persönliche Enthüllungen der Charaktere kamen etwas ungelenk daher, nach dem Motto: „In 10 Minuten bin ich vielleicht tot! Was würde wohl meine geschiedene Frau dazu sagen, mit der ich 20 Jahre auf einer Ranch am Mississippi lebte, bevor ich 1992 in den Polizeidienst eintrat und bei einem landesweiten Skatwettbewerb den 3. Platz machte?“ – Aber es gibt Schlimmeres. Dafür ist „Cube“ eine ungewöhnliche Metapher für die Ziellosigkeit des Lebens, menschliche Schwächen und unsere Unfähigkeit, das große Ganze zu sehen. Oder einfach ein stellenweise brutales B-Movie mit voll krassen Fallen, Alter. Je nachdem, ob ihr gerade euren Hauptschulabschluss nachholt oder eine Hochschule besucht habt.

DS9-Fans dürfte interessieren, dass hier Nichole de Boer (Ezri Dax) eine der Hauptrollen spielt.

„Hast du denn gar nichts, wofür es sich zu leben lohnt!?“ – „Doch. Ich habe eine 1-A-Pornosammlung!“

„Meine Güte, den hat es aber wirklich erwischt!“ – „Hm, ich weiß nicht. Für mich sieht das nicht wie Liebeskummer aus.“ – Die Würfel sind gefallen: Diese Menschen sind hier, um den Tod zu finden. Und das Tolle ist: Sie dürfen ihn nach dem Experiment sogar behalten! Trotzdem versuchen sie nicht, die gedrückte Stimmung wegzureden. Bei der letzten perversen Falle wurden nämlich 3 Mitglieder des Teams gezwungen, alles und jeden zu Tode zu diskutieren…


Platz 8.) Titanic

Auch wenn der Film unter vielen Männern und Männer-Anwärtern eher schlecht abschneidet, da die Liebesgeschichte das Drama um den Untergang zu ersäufen droht (oder umgekehrt?), gehört dieser Meilenstein einfach in meine Liste. Vom handwerklichen Standpunkt aus ist er auch einfach zu perfekt, um ihn sich von einer Zungenkuss- und Sexualphobie kaputtmachen zu lassen. Wen die Hühnerbrust namens DiCaprio wirklich über alle Maßen stört, möge sich mal fragen, ob der Streifen mit Brad Pitt und Julia Roberts erheblich an Qualität dazugewonnen hätte… Immer davon ausgehend, dass Waschbretter nicht unterzugehen belieben.

Mehr will ich an dieser Stelle gar nicht dazu schreiben. Jeder weitere Satz von meiner Seite würde wie eine billige Rechtfertigung für meine Vorliebe für dieses zu Unrecht als Frauenfilm verspottete Meisterwerk gelten. Und außerdem habe ich keine Zeit mehr, da ich mir vor Platz Nummero 9 noch schnell die Nase pudern will.

„Es tut mir leid, dass ich ihnen kein besseres Schiff gebaut habe, kleine Rose!“ – „Ach was, halb so wild… Warum gehen sie nicht auf das unterste Deck und trinken einen Schluck? Einen großen, salzigen!“

“Ich fliegeee! Ich bin der Köniiig der… – ach, was soll’s: SCHEIßEEEEE!” – Sink, mein Engel, sink für mich: Die berühmte Reling-Szene wurde im Nachhinein im Geist der Zuschauer doch tatsächlich zu etwas Schönem hochstilisiert. Dabei spürt Jack in diesem Moment, wie das Wasser seine Geliebte mit jeder Sekunde ein bisschen mehr bedroht. Aber nicht jeder hat in Paniksituationen nun mal seine Blase unter absoluter Kontrolle…


9.) Star Wars (die alten Filme)

„Man reiche mir das schwarze Weihwasser!“ – Warum? Na, noch heute könnte ich mich dafür verteufeln, dass ich die Filme so wahnsinnig spät gesehen habe! Nein, ich meine nicht nach 22 Uhr, wie wahrscheinlich die anderen von euch es kurz nach dem Erwerb der Lautsprache getan haben! Nein, ich war – nun folgt ein besonders dunkles Kapitel meiner Vergangenheit – bereits 19 Jahre alt, besaß aus sicherheitspolitisch mir nicht nachvollziehbaren Gründen einen Führerschein und hatte trotzdem noch nie einen Star-Wars-Raumer beim rückwärts Einparken gesehen!

Irgendwie bin ich halt nie dazu gekommen… Erst Kindergarten, dann Schule, dann noch mal Schule und dazu jeden Tag dieser ganze Quatsch mit der Nahrungsaufnahme, den Toilettengängen und der Umwandlung von Sauerstoff zu Kohlendioxid! Dafür hatte ich aber in Deutsch immer eine 2… Meine Spezialität: Lange Aufsätze, die nicht zum Punkt kamen!

Wo war ich? Ach ja.

Noch dazu hatte ich als Kind lange Zeit kein Privatfernsehen, keinen Videorekorder, keinen Freund… – mit Vorlieben für Laserschwerter (Puh! Das war knapp) oder ich war schlicht zu blöde, die einfache Wortfolge „Star Wars“ in der PRISMA (so was wie die FUNKUHR, nur mit mehr Treppenlifterwerbung) als etwas zu identifizieren, was nachts heimlich gesehen werden musste. Kurz: Ich war verachtenswert. Nur ein einziges mal versuchte ich zu jener Zeit, in eine Videothek zu gelangen, was jedoch a) an meiner fehlenden Volljährigkeit scheiterte und b) völlig umsonst gewesen wäre, da ich tatsächlich nach dem „neuen Pumuckl-Heft“ fragte. – Damals war ich noch auf dem Standpunkt, dass jedes Geschäft (Ausnahmegenehmigungen nur für Autohäuser) gefälligst eine Zeitschriftenecke zu besitzen hatte, in welchem ich mich durch die bunten Poster, Hüllen und schamesroten Gesichter im hinteren Teil des Ladens eher noch bestärkt fühlte…

Somit werde ich also nie den Kult und die Verehrung nachvollziehen können, die ein Yoda-Schnuller oder eine Boba-Fett-Windeledition so früh in den Köpfen der anderen Kinder verankern konnten. Geprägt hat mich Star Trek; Star Wars lief nebenbei und wurde seitdem allerhöchstens 2-3 Mal von mir gesehen. Dann dekorierte der Videothekenbesitzer, der sich auf meinem täglichen Weg befand, nämlich das Schaufenster um und packte die VHS-Hüllen zurück in seine Schatztruhe.

Um es kurz zu machen: Ich mag Star Wars wirklich – von den Ewoks mal abgesehen – und habe jeden einzelnen Film auch mit großer Begeisterung gesehen! Da könnt ihr gerne meinen besten Freund fragen. Der wird euch bestätigen, wie enthusiastisch und freudig erregt ich über die mangelnden Schießkünste der Sturmtruppen genörgelt habe, als wir die Remakes im Kino sahen! – Warum ich die 3 Filme als einzige der hier aufgeführten bis heute nicht in meiner DVD-Sammlung habe, weiß ich selber nicht so genau. Ich hatte halt immer so viel zu tun! Die ganze Berufseinsteiger-Geschichte, mein Auszug von daheim, der Einzug 600 Meter weiter links… Ich kann mich doch auch nicht vierteilen!

Immerhin erklärt das alles, warum ich den neuen Filmen stets so reserviert (und damit ist keine Vorreservierung gemeint!) gegenübergestanden habe! Die Charaktere sind mir einfach nicht präsent genug, als dass ich in ihren Lebensläufen blättern möchte. Ob Boba Fett nun einen Sohn hat oder Darth Vader als Kind mal auf den Bluescreen gekotzt hat, interessiert mich eher weniger… Ist ja nicht so, dass die erste Filmreihe wegen ihrer ausgefeilten Charakterisierung berühmt wurde.

„Luke… Ich – bin – dein – Vater!“ (Kürzlich bei Vera am Mittag)

„Und wenn ich das Universum gerettet habe, kann ich mich dann endlich, endlich zur Ruhe setzen, Meister?“ – „Nun ja… Nicht ganz. Erinnerst du dich an das Konzept der multiplen Universen, von dem ich dir mal erzählt habe?“ – Wüste Gedanken: Als Luke die Zivildienststelle für den verwirrten Alten annahm, schwor er sich, dem Typen in seiner verwirrten Gedankenwelt nicht zu widersprechen. So ein Quatsch aber auch! Eben behauptete der auch noch glatt, hinter ihm stände ein Roboter!


Platz 10.) 12 Monkeys

Eigentlich sollte an dieser Stelle die Alien-Filmreihe auftreten, aber bei einer kritischen Durchsicht der Filme musste ich dann doch zugeben, dass Teil 1 sich streckenweise ziemlich zieht, Teil 3 größtenteils langweilt und Teil 4 zu sehr dem Mainstream anheim gefallen ist.

Stattdessen lobe ich an dieser Stelle dieses außergewöhnliche Stück SF, das es mit seinem unkonventionellen europäischen Touch und sparsamster Ausstattung dennoch zu einem Klassiker geschafft hat. Zu welchen, verrate ich hier aber nicht! Nur soviel: Der Film ergießt sich nicht in Doofbattel-konformen Erklärungen, überrascht und verwirrt zu gleichen Teilen und umgeht die typischen Zeitreiseprobleme einigermaßen zuverlässig. Außerdem ist die ständig auftauchende Kirmesmusik so schön.

“So? Sie meinen also auch, dass ich ganz, gaaanz viel Ruhe brauche, Doktor? Ich hätte dazu gerne noch eine siebte Meinung, wenn’s Recht ist!“ – Irgendwie müssen wir ja am Ende die 12 Monkeys aus dem Titel zusammenbekommen. – Diese Zeitreisen hatten Bruce Willis so geschafft, dass er am Ende eine medizinische Entscheidung traf: Diese verdammte innere Uhr muss raus! Inzwischen kann er sogar schon zwischen seinen Halluzinationen und der Realität unterscheiden. Im Moment unterdrückt er daher die Krankenzimmer-Vision, um sich wieder ganz auf seine Frau, ein sprechendes Walross, konzentrieren zu können…


Für Indiana Jones, Zurück in die Zukunft, Pulp Fiction, Shrek und die Rocky Horror Picture Show hat es dann nicht mehr ganz gereicht. Aber dass mein Filmgeschmack hochseriös ist und dennoch nicht den luftigen Kern der Unterhaltung verschmäht, dürfte ja bereits klar geworden sein.

Ihr dürft euch also nun entfernen. Husch-Husch!

Alle weg? Na, dann kann ich jetzt ja…

*In Sammlung noch fehlende Bud Spencer & Terence Hill-DVD aus dem Amazonpaket heb und liebevoll streichel*


Weitersagen!

Artikel

von Klapowski am 16.04.06 in All-Gemeines

Stichworte

,

Ähnliche Artikel


Kommentare (52)

  1. Klapowski sagt:

    Äh. NON-SciFi-Buch?!

    Gibt es die in der Ecke im Buchhandel, in dem sich die ganzen Menschen tummeln, welche lachen, eine reine Haut haben und teilweise sogar weiblich sind?

    Kennichnich.

  2. Gast sagt:

    Also die Zeitlupengeschichte empfand ich nicht als neuartig… gut in Realfilmen vielleicht aber in Anime schon ein alter Hut.

    Insgesamt fand ich den Film eher langweilig bis gut. Teil 2 und 3 waren aber grottenschlecht. Kein Wunder wenn krankhaft ein abgeschlossener Film weitererzählt werden soll.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Brandneues
Gemischtes
Arschiv
Zum Archiv unserer gesammelten (Mach-)Werke.
Büchers
Jenseits der Goetter

Jenseits der Macht

Jenseits der Welten