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Doctor Who – 6.12 – „Closing Time“ Review

Das große Finale naht langsam, was man schon daran bemerkt, dass die Haufen in den Windeln größer werden! Um vor dem großen Knall warmzulaufen, erzählt der Doctor diesmal nur einem halben Dutzend Cybermen, dass er der Doctor ist. Unterstützung bekommt er dabei von einem Mann, der verzweifelt sein Baby getötet sehen möchte, es aber vor der Polizei wie ein normaler Unfall mit Metallaliens aussehen lassen will…

Inhalt: Der Doctor besucht seinen alten Vermieter, der inzwischen Vater geworden ist. Zusammen kommen sie den Cybermen auf die Schliche, die sich unter einem Kaufhaus versteckt halten.

Willkommen bei „Two And A Half Brain Cells“! Die neue Sitcomhoffnung am Haha-Himmel schickt sich an, den Markt und die Zwerchfelle von hinten aufzurollen! Erleben Sie den wahnsinnigen Doctor, wie er durch eine Stromschwankung der Straßenlaterne einer Alieninvasion auf die Spur kommt! Oder alternativ einem Pfusch am Bau, ausgelöst durch sparsame Stromkonzerne, das kann man vorher nie so genau sagen, hahahaaa! Und ihr solltet mal sehen, was für einen Aufstand er wegen angeblicher Zwergeninvasionen macht, wenn irgendwo der Wasserhahn tropft…

Erleben Sie den ultralustigen Doctor, wie er sich mit neuen Spezialfähigkeiten (Anzischen von Menschen stellt diese ruhig) für ein „Smallville“-Spinoff empfiehlt. Lachen sie über… äh… MIT ihm, wenn er „Baby“ spricht, die berühmte Sprache der Dichter, Denker und der nicht ganz Dichten, auch windeltechnisch. Sehen Sie ihm zu, wie er einen abgeschalteten Fahrstuhl/Transporterstrahl mit seinem Screwdriver aktiviert/repariert, denn mit einem Druck auf den Zauberknopf schält dieses Allround-Utensil Kartoffeln und verwandelt ausgehängte Türen in große Flachbildfernseher! Erleben sie einen blödelnden Doc, der einen Mann samt Baby in Gefahr bringt und diesen lieber mit „Küss mich“-Gags ablenkt, als ihm die Wahrheit zu sagen. Dem Mann jetzt, nicht dem Baby. Das weiß eh schon alles.

Die Gags waren allesamt gut gemeint, manche sogar schwulenfreundlich witzig (Alte Dame: „Man sagt heute nicht mehr Companion, sondern Partner!“), insgesamt aber nur Füllmaterial für den hohlen Zahn, der erst durch den hier versprühten Zucker so kariös geworden ist. Stets hatte man das Gefühl, dass die Story mit Babywitzchen und der silbernen Spielzeugratte auf die 0,7 Liter angefüllt werden musste, die man sonst aus einer Weinflasche zu sich hätte nehmen müssen. Da passt es ins Bild, dass die Cybermen einfach nur dröge in einem unterirdischen Laber… äh… Lagerhaus für ihre finsteren Pläne sparten.

„Doctor, was mache ich denn nur mit diesem Kind?“ – „Was habt ihr denn sonst zusammen getan?“ – „Hmm. Heute Morgen habe ich ihn zum Beispiel aus dem Kinderwagen seiner echten Eltern gestohlen. Aber das können wir doch nicht IMMER machen?“ – Seitdem die Serie so einen großen Storyarc besitzt, muss man echt auf alle Details achten. Hier zum Beispiel streut der Doctor seinem Kumpel tatsächlich Pfeffer in den Nacken. Ich nehme an, um ihn den Cybermen zum FRAß vorzuwerfen?

Wie immer übrigens sehr beeindr… bedrückend, wie lahmarschig und rostmetallig die Gegner mit dem Doctor umgingen. Welcher wiederum schon fast gelangweilt die Augen zu verdrehen schien, als ein Cyberman laut rasselnd von hinten an ihn herantrat, um ihn in die übliche Diskussion zu verwickeln.

„Sie sind der Doctor.“
„DasstimmtundichwerdesiedemontierenwennsienichtzurVernunftkommen,wassiewohlnichtwerden!“
(*Screwdriver hochhalt*)

Vorher killte ein Cyberman den Sicherheitsfutzi (missglückter Protest gegen den Polizeistaat in Kaufhäusern?) und haute dem Doctor aber nur eins vor die Rübe, da der Tötungsaufsatz am Arm gerade ausgefallen ist (kommt vom Onanieren, wetten)? Und mittendrin zieht Fragenstell-Frankie den Kinderwagen hinter sich her, weil es in der Nähe des Doctors „am sichersten ist“, weil die BBC ihn mit einem Unblutigkeitskraftfeld umgeben hat? Sorry, aber wofür gibt es noch die Spin-Off-Kinderserie „Sarah Jane Adventures“? Wobei daaa immerhin auch Hauptfiguren sterben, teilweise durch sehr engagiertes „Method Acting“.

Kurz innegehalten habe ich in dem Moment, in dem Fetti umgewandelt werden sollte. Sollte es tatsächlich die Pointe der Folge sein, mit unerwartetem Schwermut zu enden und Babylein als gestörtes Heimkind aufwachsen zu lassen? Sollte DAS der Grund werden, warum der Doctor sich in sein Schicksal fügt und am Ende überhaupt zu seiner eigenen Hinrichtung ausrückt? Natürlich nicht, denn „Babygeschrei(c)“ weckt nicht nur den Nachbarn, sondern auch den Anti-Gehirnwäsche-Tiger in Dir! Flugs stand der dicke Lustige wieder bereit, um zu Schluss den debilen Winkaugust zu mimen: „Tüü-hüüüss, Doctor! Danke fürs Wohnung-Aufräumen und Weltretten (ersteres war mir ja wichtiger).“

„Aaaarg! Das Episodenbudget-Einspar-Tool will mich fressen, helfen sie mir!“ – „Ich komme ja schon. Aber wir pflegen die Monster bei uns offiziell nicht so zu nennen, okay?“ – Gefundenes Fressen: Der Dicke hat das Grauen gesehen! In dieser Designerverpackung befindet sich nämlich das, was sein Hausarzt ihm verschrieben hat: Weizenkleie, gestampfte Salatblätter und irgendeine fremdartige Frucht namens… „Vitamine“?

Sollte diese Episode nur noch einmal zeigen, wie der Doctor so ist (daher die Durchschnittsstory?), bevor er in der nächsten Folge irgendwie dann doch nicht stirbt? Ein Mann, der für die Armen und Entrechteten der Unterwäscheabteilung eintritt und sich STÄNDIG über sich selbst beschwert, weil er Leute in Gefahr bringt? „Buuuhuu, ich bin ja so gemeeeeein! So, komm mit, Dicker, wie fragen den Cyberman dahinten, ob er uns ein Taschentuch reicht!“

Wobei der Doctor sich über seinen SEHR geringen Companion-Verschleiß gar keine Sorgen machen müsste, schließlich sind die im Zweifel so schlecht geschrieben, dass sie mit fadenschleimigen Monologen ALLES mitmachen, was dem Doc wieder mal in das planungsabstinente Hirn kommt: „Er haaaat ja sonst keinen, der dick genug wäre! Und wenn ICH ihm nicht helfe, greift ein anderer die ganze fette Nebendarsteller-Kohle ab!“

Und, Frage zum Schluss: Hat der Doc nun ENTSCHIEDEN, dass er am nächsten Tag sterben muss/will? Ich frage nur, weil er ja eine Zeitmaschine hat und noch 1.000 Jahre irgendwo anders hätte rumflitzen können. Aber nachdem sich die Bösen so viel Mühe gemacht haben, die Geschichte des raumanzuginduzierten Doctor-Todes zu einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung umzustricken („Aaaah, sooo müssen wir das also machen und DORT wird er zu diesem Zeitpunkt sein? Dankeschön, Kausalitäts-Unlogik!“), wollte er halt niemanden enttäuschen. Reichte ja auch schon mit dieser Folge…

„Aaah, jetzt habe ich verstanden! (*Robotermaske aufspreng*) Das Gute überwindet das Böse! Na, dann komme ich mal ganz schnell raus, bevor jemand mein Führungszeugnis anfordert, was?“ – Steeeeht auuuf, wenn Iiihr ein Sidekick seiiid: Dieser Mann wurde durch das Geschrei seines Kindes vor der Umwandlung bewahrt. Leute wie wir hätten hingegen auf die Startmelodie ihres PCs vertrauen müssen.


Fazit: Willkommen bei Comedy Central mit dem „Doctor Special“!

Mit rasender Atemlosigkeit passiert hier fast GAR nichts, abgesehen von Einzeilern für Einzeller. Die zwischendrin reingestopften Tiefgründigkeiten („Ich darf meine Sargträger nicht verpassen!“, „Ich WILL nicht mehr jeden retten müssen, es sei denn, es steht eine Füllfolge an!“, „Ich bringe Leute in Gefahr, die zu diesem Zweck geschrieben wurden!“) retten die Folge zwar vor dem völlig Untergang im Kinderplantschbecken, haben aber mit gewieftem Drehbuchschreiben so viel zu tun wie Babypuder mit Puderzucker…

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM
SPARKS MICKRIGER MEINUNGSKASTEN
Horror bei den Eisenwaren...
Waaah, Torchwood-Effekt! Volle Homo-Dröhnung! Fade Ärmel-Bösewichter! Interesse schwindet! Zu Hüüülf!

Mal im Ernst, diese Folge wurde für MICH höchstens noch vom wie immer skurilen Doctor in seiner Mi— Endlife-Crisis gerettet. Die Cybermen wurden extrem lust- und spannungslos präsentiert („Müssen Welt erobern. Seufz. Mal wieder.“), der moppelige Companion-Ersatz dritter Wahl ging mir ziemlich auf die Eier („Buhuu, alles so schwieriiig! Nöl, Jammer, Heul!“) und selbst der Amy-Gastauftritt war irgendwie merkwürdig. („Okaaay, die ist plötzlich Werbemodel? Was für ein unerwartetes Detail.“)

Auch der Running-Gag, wo Doc und sein drittklassiger Pausbacken-Partner für ein Liebespaar gehalten werden, wurde recht schnell (bzw. sofort) unlustig, von der ständigen Übersetzung der Babysprache ganz zu schweigen. Hatte der Autor gerade alte 80er-Komödien wie „Kuck mal, wer da spricht!“ gesehen, oder wie?

Fazit: Eine günstige „emotionale Vorbereitungsfolge“ für das große Mal-wieder-Finale, dessen letzte Minuten um River Song zudem plump drangetackert wirken, da sie dies auch waren. Wenn man weiterhin noch die kitschige Disney-Problemlösung („Liebe sprengt selbst die härteste Eiserne Jungfrau!“) abzieht, dann bleiben am Ende leider nur noch dürftige 5 von 10 Punkten übrig.


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Artikel

von Klapowski am 25.09.11 in TV-Review

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Kommentare (2)

  1. Mieze sagt:

    Hmmm .. wenn ich es richtig verstanden habe, hat der Doctor sowas wie eine „innere Uhr“, die wohl am nächsten Tag abläuft. Und zu dieser Zeit befindet er sich dann halt an diesem See, weil .. öhmm .. gab es da nicht sowas wie feststehende Ereignisse in der Geschichte, die nicht geändert werden können/dürfen? .. *kratzamkopp* .. irgendwie sowas .. deswegen kann er auch nicht 1000 weitere Jahre rausholen, Zeitreisen hin oder her ..

    Ich fand die Folge auch ziemlich mittelmäßig, und die Cybermen fand ich schon immer öde .. aber über das erste „He likes to call himself Stormageddon“ musste ich doch schmunzeln ;)

  2. FF sagt:

    >gab es da nicht sowas wie feststehende Ereignisse in der Geschichte, die nicht geändert werden können/dürfen?

    ja, feststehende Ereignisse im Drehbuch. :D

    fand die folge unterdurchschnittlich, aber im Vergleich zu den letzten deutlich besser, war wenigsten ein bissel lustig, die drittklassige kopie zu 2 männer und ein baby. aber das Amy und Rory schon wieder aufgetaucht sind, fand ich grusliger als die Cybermen.

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