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Die Simplen und die Tiefen – TV-Serien zweigeteilt

Man wird älter, das Haar wird dünner (außer bei Trekkies, höhö) und man betritt Schulhöfe nur noch, um mit dem Gehstock anklagend auf die herumliegenden Zigarettenkippen zu zeigen. Und laaaangsam schaut man sich auch Serien an, die einem vor 5-10 Jahren so „schwuuuul“ vorgekommen wären, wie es selbst „Torchwood“ nie geworden ist. Heute soll es also mal darum gehen, was TV-Serien ihren Zuschauern auch mal zumuten (positiv gemeint). Und wie man erkennt, DASS sie es tun. Übrigens: Zum ersten Mal wird Zukunftia dabei SUBJEKTIV!

Gleich hiernach müsst ihr natürlich wieder unserer Meinung sein, versteht sich…

Ja, irgendwie komme ich langsam weg von Serien, die den Dramaturgieregeln in „Malen nach Zahlen“-Manier folgen. All diese „Der dieswöchige Autor wollte halt unbedingt was über Monstertrucks einbringen“-Episoden, wo man vorher schon genau weiß: Der Spion wird heute enttarnt, das Kind gerettet und die süßen Tierbabys geimpft. Selbst bei SF-Serien der 90er („Voyager“) wusste man schon auf der Auffahrt zum Dreiviertelstundentakt: Janeway wird nicht dauerhaft homosexuell, schwanger oder sonst irgendwie menschlich werden. Und Seven wird sich bis zum Ende der Serie wie eine Wurstpellenversion der nuttigen Dorfschönheit kleiden, weil’s die Zuschauer honornanier… hornanieren… honorieren.

Inzwischen teile ich jede neue Serie in eine von zwei Kategorien ein: „Doof, aber vielleicht unterhaltsam“ und „Anspruchsvoll, aber vielleicht trotzdem unterhaltsam“.

Oder, noch kürzer: Serien wie „Sopranos“, „Games of Thrones“, „Dexter“ oder „Breaking Bad“ heißen bei mir inzwischen schlichtweg „L.G.“: „Lahm Gewinnt!“ – Wobei ich großzügig auch die Sachen einschließe, die mir nicht gefallen haben: „Mad Men“, um jetzt nur mal ein aktuelles Beispiel zu nennen.

„Darf ich ihnen meine BriefMACKENsammlung zeigen? Zum Beispiel habe ich beim Briefeschreiben die Macke, die Umschlagoberseite Richtung Mekka zu halten!“ – Die Rolle der Frau beim Gähnen für Lau: „Mad Men“ verstehe ich einfach nicht. Ich weiß doch schon, dass Frauen früher anders behandelt worden sind! Und wenn ich doch daran erinnert werden möchte, kann ich am Sonntag doch auch einfach meine Eltern besuchen?!

Wobei man da sehr aufpassen muss: „Nip/Tuck“ könnte z.B. in die LG-Kategorie fallen, wenn man nur die erste Folge sieht, ist aber beim näheren Hinsehen doch seeehr „D.R.“ („Dumpf ruuult!“) „Stargate“ auch, wobei der „Universe“-Ableger trotz Klauaktionen bei LG-Produktionen ebenfalls nicht über DR hinauskommt. Und „Doctor Who“ ist so sehr DR, dass alleine die Nennung seiner Kategorisierung meine Zuleser beleidigen könnte. Nicht, dass mich das stören würde.

LGs haben nicht mehr den Anspruch, den „Plot der Woche“ zu erzählen: Der Plot ist oftmals sogar so glasklar, dass er nur aus wenigen Silben besteht: „Machterhalt“, „Geheimnis bewahren“ oder „Böse sein und trotzdem interessant“. Und nicht selten zieht sich ein Problem über ganze Staffeln, wird über Horden von Nebendarstellern aus immer anderen Frosch- und Lieber-Gott-Perspektiven betrachtet, was konventionelle Zuschauer schon mal irritieren kann: „Warum wird zum 19. Male gezeigt, dass der Zeitungsjunge von Toni Soprano vom Rad getreten wurde und nun in der Reha ist?“ – Antwort: Weil es den Zeitungsjungen GIBT, sein nun kaputtes Fahrrad TEUER war, von seinem künstlichen KNIEGELENK ganz zu schweigen!

In modernen Serien ist es gottlob seltener geworden, dass man 50 Statisten und Neben-Nebendarsteller verarschen, umbringen oder verkloppen kann, ohne dass irgendwas passiert und sie scheinbar zu existieren aufhören, sobald sie den „Ereignishorizont“ (sprich: Mattscheibe) verlassen haben. Geradezu köstlich würde ich mir eine postmoderne ST-Serie vorstellen, in der ein umgenieteter Sicherheitsfutzi eine Beschwerde einreicht, weil der Captain ihn gegen ein erwiesenermaßen „unbesiegbares“ Alien in den Ring geschickt hat. Stichwort: „Verletzung der Fürsorgepflicht“. Sisko und Co. müssten dann aber natürlich trotzdem nicht die Replikatoren in Quarks Bar säubern, denn schließlich hat so ein Captain ja die Möglichkeiten, seinen Schützling zur Zurücknahme der Beschwerde zu überreden:
„Sie erinnern sich doch, dass ich damals die Aufzeichnungen über ihre Bettnässerprobleme vernichten wollte? Nun, ich habe das… vergessen! Und jetzt mache ich mir Sorgen, dass ich mich beim Memo-Verschicken mal verklicken könnte, versteeehen sie?!“

Hier das Bild einer Star-Trek-Serie, die sich um den „Soprano“-Stil bemüht: Captain Sisko ist ein alternder Musikproduzent, der sein schrumpfendes Vermögen dazu nutzt, einmal im Jahr auf eine russische Raumstation geschossen zu werden. Dort lernt er James Kirk kennen, einen Milliardär, der durch Softpornos reich wurde. In Folge 1.05 („On The Edge“) versucht dieser unseren Sisko zu einer großen Investition zu überreden. Die Serie bekam 2010 drei Emmys!

Aber bevor die Beispiele zu abwegig werden: Ich mag es inzwischen, wenn Figuren mit so scharfer Feder gezeichnet sind, dass diese auch mal 5 Minuten in den Kaffeeautomaten starren können und man TROTZDEM ein Gefühl dafür bekommen hat, was in ihnen vorgegangen ist (=Kaffeedurst?). In „Breaking Bad“ gibt es eine ganze Folge, in der Walter sinnloserweise versucht, eine Fliege im Labor zu fangen. Das bringt uns kaum weiter, doch am Ende der Episode hat man tatsächlich ein Gefühl, wie durchgedreht und nervös der Charakter inzwischen geworden ist. Ganz davon zu schweigen, dass das Fliegenklatschen wohl sein bescheidener Versuch ist, sich wenigstens auf einer rudimentären Raumpflegerebene zu behaupten und seine Welt zu ordnen.

Ich will die oben genannten LG-Serien nicht mal „anspruchsvoll“ nennen, obwohl das wohl per Definition gut hinkommt. Aber „Anspruch“ klingt elitär und wird selbst von Schrottserienschauern zweckentfremdet, weil es natürlich immer NOCH eine Stufe scheißiger geht. Aber eine moderne LG-Serie zeichnet sich vor allem dadurch aus, dass dem Zuschauer nicht ständig ERZÄHLT wird, was die Figuren gerade fühlen. Die Zeit dieser plumpen Vorstellungsgespräche kurz nach dem Pilotfilm ist eigentlich vorbei: „Ja, liebe Frau von der Telefonauskunft: Ich BIN alleine bei meinem prügelnden Vater aufgewachsen und habe lernen MÜSSEN, dass man nur mit HÄRTE weiterkommt. Deshalb QUÄLE ich kleine Tiere und wenn ich dann das Gefühl habe, dafür bestraft werden zu müssen, lasse ich mich von einer DOMINA wundpeitschen!“

Nein, bei LGs wird irgendwann in der Folge eine Skulptur mit einer erhobenen Faust gezeigt („Meinem Vater würde das gefallen“) und der Hautarzt macht sich Sorgen über die Striemen auf dem Rücken des Patienten („Sie nimmt immerhin schon eine Weichere“), was man aber erst nicht kapiert. Dann tröstet der Darsteller zwei Mal ein Mädchen in der Nachbarschaft, deren Kaninchen verschwunden ist. Komisch nur, dass das Ding auf der Protagonisten-Pfanne am Ende der Folge zwei abstehende Ohren hat…

„Eine Schießerei? Aber könnte dabei nicht jemand getötet werden?“ – „So etwas wollen wir hier nicht, Jungs.“ – „Okay, hört auf, drohend an der Teekanne zu rütteln! Ich frage dann in 10 Episoden noch mal nach.“ – Unbestritten anspruchsvoll: Die Westernserie „Deadwood“. Allerdings bedeutet dies, dass kultige Dialoge wie „Mein Pferd zieht schneller als du deine falschen Asse aus dem Ärmel, Fremder!“ hier eher selten zu hören sind.

Okay, durch diese Verklausulierung verliert man Zeit für Mord, Totschlag und Wiederbelebung, aber es gibt nichts Langweiligeres als eine Serie, die nach zwei Folgen aussieht, als wäre der Produzent mit dem „Alle Zielgruppen bitte!“-Bügeleisen drübergegangen. „Wenn wir es nicht explizit sagen, merken die nicht, dass der plotrelevante Mercedes in der Folge der drinsitzenden Schuldirektorin gehört und nicht dem Obdachlosen daneben!“ – Kleiner Test für die Abgrenzung zwischen LGs und DRs: Augen zuhalten und schauen, ob man die Folge auch anhand des Gesagten wunderbar kapiert. „Dumpf Ruuult“-Serien sind meist nur bessere Radioepisoden, bei denen man nur ab und zu hochschauen muss, um zu sehen, wo man sich ungefähr befindet. Bei LGs ist man schon verloren, wenn man nicht sieht, wie nervös der junge Typ mit dem Mordauftrag seinen Kaffee einschüttet.

SGU hat übrigens auf eine sehr interessante Art und Weise versucht, in den LG-Status zu rutschen: Doch „Rau + Hoffnungslos + Alltagsgespräche = Anspruchsvoll“, so einfach ist es dann doch nicht. Es war keine echte LG-Serie, die sich so schaut, als würde man einen guten Roman lesen. Denn statt etwas hinzuzufügen, nahm man nur etwas weg und erhielt einen klinisch toten Schmierenroman von Martin Walsers koppkrankem Urenkel. – TJ hat ihr Kind verloren? Lasst sie sich freuen, denn es ist in Sicherheit, weil das in einem sinnlosen Traum gesagt wurde, welchem später völlig widersprochen wird. – Die Serie wirkte so, als hätte jemand den kultigen „Royal TS“-Dialog aus „Pulp Fiction“ kopieren wollen, dann aber nur die Tageskarte von McDonalds abkopiert, weil er den Subtext nicht verstanden hat.

Wie gesagt: „Anspruchsvoll“, das ist natürlich höchst subjektiv und obwohl andere das Gegenteil behaupten, so ist „LOST“ für mich eine der anspruchslosesten Erfolgsserien der letzten Jahre. Zu Recht unterscheidet man zwischen Bauernschläue ist echter Intelligenz, wobei ich diesem verfilmten Brainstorming-Protokoll eigentlich keines der beiden Attribute zuschreiben möchte.

LOST gab stets vor, sich für die Charaktere zu interessieren, weswegen wir gefühlte Stuuuunden in koreanischen Fischerdörfern verbringen mussten. – Nur um dann zu erfahren, dass tote Fische gar kein Teil der Serienauflösung waren. Enttäuschend und absolut anspruchslos!

Der Nachteil bei LGs ist allerdings nicht gerade klein: Man sieht sie sich eigentlich nur ein Mal an. Ein explodierter Tanklastzug sieht auch bei der dritten Wiederholung noch interessant aus, aber eine „anspruchsvolle“ Serie, die auf psychologische Tiefe und die Charaktere Wert legt? Ich sage ja nicht einer Frau, die ich nach Jahren zu verstehen gelernt habe: „Komm, zeige mir noch mal, wie Du Dich 2006 fühltest. Wie laaange hast Du noch mal in Großaufnahme an der Kaffeetasse genuckelt bevor Du gemerkt hast, dass gar nichts drin ist?“ (*Stoppuhr raushol*)

Dadurch, dass die LGs recht realistisch sind, fühlt sich der Umstand der Wiederholung für mich umso falscher an. Ich WEIß jetzt, wie sich Petra Puller in Extremsituationen verhält, ich brauche keine 50 Minuten (LGs sind oft etwas länger), um das erneut zu kapieren und eine halbe Staffel, die mir zeigt, dass sie oft bei ihrer amphetaminabhängigen Halbschwester abgehangen ist, weil diese ein Händchen für die Buntwäsche hatte.

Und somit werde ich womöglich noch im Jahre 2020 den alten TNG-Schrott rauskramen, während meine derzeitige Lieblingsserie („Dexter“) längst über alle (Kult-)Berge ist. Motto: „Spannend, aber flüchtig“.

Somit haben also beide Kategorien eine Berechtigung. Auch wenn ich nach Testsession mit der neuen „Knight Rider“-Serie zwischenzeitlich das Gefühl hatte, dass man dem Französischen Programmkino der 30er Jahre vielleicht doch Unrecht getan hat…

Zum Schluss noch die Grenzgänger zwischen Anspruch und Ranschmeiß: „Californication“, „True Blood“, „Battlestar Galactica“…

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Artikel

von Klapowski am 21.09.11 in All-Gemeines

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Kommentare (13)

  1. DJ Doena sagt:

    Wobei man nach einer geiwssen Pause auch die LG-Serien wieder anschauen kann.

    Ich hab Dexter bis up2date geguckt und dennoch vor ein ppar Monaten mal wieder die erste Staffel reingeworfen.

    Der Haken an den LG-Serien ist, dass man nicht mal eben „die eine Folge da mit dem …“ gucken hat, sondern sich üblicherweise gleich eine ganze Staffel durch die Nase ziehen muss.

    Wobei es auch DR-Serien gibt, die nur augenscheinlich DR sind. Bei House hat mich noch nie interessiert, woran der Patient gerade abnippelt. Und bei Castle noch nie, wer eigentlich der Gärtner war.

    Auch bei diese Serien ist meine Motivation sie zu gucken, die Charaktere und ihre Interaktion.

  2. Kataka! sagt:

    Naja, interessante These über die Unterteilbarkeit von modernen Serien. Doch hier die Probe aufs Exemple:
    Wo würde man Boston Legal einordnen?
    Einerseits reicht es oft nur zuzuhören, Gefühle und Stimmungen kommen recht gut in den Stimmen (Selbst in der erstaunlich guten deutschen Synchro.) und Hintergrundmusik durch. Allerdings ist die Serie auch garantiert nicht auf den breiten Markt ausgelegt. Sie hat zwar massig Sex aber auch zu tiefe Hintergründe. Wieder ein Grenzfall?

    MfG,
    Kataka!

    • Klapowski sagt:

      „Boston Legal“ ist einfach einzuordnen: Trotz politischer Themen ist das Ganze nicht realistischer als die These, die Juden hätten beim Verlassen des World Trade Centers noch schnell alle Bomben gezündet.

      Es ist schnell, überdreht und die Charaktere overacten völlig. DAS ist nicht dieser hyper-realistisch( sein sollende) Soprano/Breaking Bad/Games of Thrones-Stil. Es ist reine Unterhaltung und das sogar sehr Gute!

  3. BungaBunga sagt:

    Verführerische These, so verführerisch sogar, dass ich mir diese Begriffe wohl merken und zukünftig selbst damit um mich werfen werde. :)
    Nicht, dass ich mit dieser klaren Unterteilung wirklich übereinstimmen würde, teilweise ist selbst Breaking Bad bloß DR (zB wenn Walter wieder mal demonstriert, wie unendlich eitel er doch ist, einfach, damit der Zuschauer das nicht vergisst), nur dass der Holzhammer eben manchmal im Bild steckt und nicht in der Tonspur (siehe auch die Fliege). Serien, die die Charakterisierung ihrer Figuren so subtil vortragen, dass es realistisch und nicht gewollt wirkt, wären allerdings auch nur sehr schwer zugänglich für den Zuschauer, weil er meist gar nicht wüsste, warum die Protagonisten grad so handeln und nicht anders. Ist schon gut, dass man das meist mit der groben Kelle serviert bekommt, egal ob LG oder DR.

    Ich frag mich übrigens grad, wo ich Buffy einordnen würde…
    Alles in mir sträubt sich dagegen, es als DR-Serie zu sehn, denn viel weniger doof als Buffy geht es imo kaum (so meta und selbstironisch, dass Scharen von Fans und Kritikern am Kern der Serie vorbeidiskutieren und sich lächerlich machen, indem sie bewusste Albernheiten kritisch diskutieren und dabei jedes Gefühl für Humor verlieren), trotzdem laut deiner Definition sicher eher DR als LG… wobei in der Serie auch nicht immer jeder sagt, was er denkt oder fühlt, isb in späteren Staffeln. Außerdem muss man die Dialoge oft auch von den Figuren trennen, weil sie teilweise einfach rumkalauern, selbst wenn das eigentlich gar nicht zu ihrer Persönlichkeit passt (also OOC). Da lenkt der Dialog manchmal eher ab von der Handlung, lockert sie auf, erklärt aber nichts.

    Aber ich nehm einfach mal an, dass diese Einteilung eh nur für einen Teil der Serien Sinn macht, Buffy und die am Schluss im Artikel genannten nutzen einfach je nach Situation beide Erzählweisen.

    Bei Lost würd ich übrigens widersprechen. Deiner Definition nach ist das eindeutig eine LG-Serie, all die Andeutungen und kryptischen Bilder, deren Entschlüsselung dann natürlich größtenteils ausbleibt, die Erzählform ist ganz klar LG, auch wenn das natürlich alles reines Blendwerk ist.

  4. Kataka! sagt:

    Buffy sind eigentlich 2 Serien in einer:
    Am Anfang eher 90er Jahre hipcomedy-horror, die sich dann (wie gesagt) über die Jahre in etwas Tiefgründigeres entwickelt. Dass es eine fanatische Gefolgschaft hat und die Handlung zum Ende hin fast schon episch wurde (‚Once more with feeling‘, ich könnte dahinschmelzen *Schnurr*), tut nichts zur Sache, dass der Anspruch stets noch gering gehalten wurde. Man konnte die Serie eben auch verfolgen, wenn man nebenbei Minecraft gespielt hat. Nur mal so ein Beispiel.

    Ähnliches kann man auch bei Kinofilmen beobachten: Zunehmend wird die Handlung dünner/dümmer. Das hat jedoch eher psychologische Gründe, die Nostalgie verklärt eben sehr extrem.

    Ich bin mir sicher, irgendwo gibt es empirische Studien zum Informationsgehalt und zur Erschließbarkeit von Medien, aber wer will sich schon als Medienwissenschaftler outen? Igitt.
    Von daher: Ziehen wir vor Gericht und verklagen die Sender! Oder klagen auf Alzheimermittel. Was immer uns neben Serien wie Smallville oder Star Trek Enterprise beschäftigt.

  5. G.G. Hoffmann sagt:

    Ich unterteile Serien nur noch in die Kategorien „KZZG“ (Keine Zeit zum Gucken) und WVLDS (Wo verdammt läuft der Scheiß?). Zum einem habt Ihr alle meine ungeteilte Bewunderung dafür, daß Ihr es zeitlich schafft, 23 Serien gleichzeitig zu verfolgen. Meine Empfehlung an die Familie und den Arbeitgeber. Das müssen ja ganz nachsichtige Menschen sein, die Euch umgeben. Zum anderen scheint mir ein Großteil dieser Serien irgendwie nicht auf Free-TV zu laufen. Da außerdem mein Regal „DVDs und BluRays, die ich noch nie gesehen habe“, immer größer wird und inzwischen einen ganzen Raum einnimmt, werde ich in absehbarer Zeit wohl keine Zeit für „Mad Men“ & Co. finden. Freue mich aber schon auf die Rente.

    • Klapowski sagt:

      Du hast wie immer meine uneingeschränkte Solidarit… Mitgefühl.

      Ich nehme an, so ein 16-Stunden-Arbeitstag ist noch zu wenig, um ein leistungsorientiertes Unternehmen (z.B. die FDP?) an der Spitze zu halten? Wir normalen Menschen sehen übrigens – laut offizieller Statistik – ca. 210 Minuten am Tag fern.

      Ziehen wir bei Zukunftia-Lesern das Free-TV mal großzügig ab (210 Minuten Minus 10 Minuten Tagesschau, natürlich ohne Sport), so bleiben 200 Minuten, die man wunderbar mit beinahe 4-5 Folgen einer beliebigen Serie auf DVD verbringen kann. Teilweise kann man seine Familie sogar dazu setzen (bzw. Sie mit der abgebrochenen Bierflasche dazu zwingen, wenn man eher DIESER Typ Familienvater ist), so dass für gemeinsame Zeit gesorgt ist. Und vielleicht ist manchmal sogar der eigenen Arbeitgeber darunter.

      Und dabei ist noch nicht mal eingerechnet, dass wir nebenbei für 5 €/Stunde ein paar Hartz-4-ler beschäftigen, die uns parallel ein paar Zusammenfassungen zu zweitklassigen Serien anfertigen.

    • G.G. Hoffmann sagt:

      210 Minuten Fernsehen pro Tag? Das überbiete ich spielend! Aber allein das Projekt „Die besten Filme der letzten 100 Jahre schauen“ (im Schnitt etwa 10 pro Jahr), kostet mich unglaublich viel Zeit. Dabei habe ich schon großzügig die gestrichen, die ich ohnehin schon 15 mal gesehen habe (Und täglich grüßt das Murmeltier, Zurück in die Zukunft…). Aber gerade Monumentalfilme aus den 20ern und 50ern, Screwball-Komödien aus den 40ern und Dramen aus den 30ern können sich ziehen… Glücklicherweise kannte man in den Jahren 1903 bis 1925 den abendfüllenden Spielfilm noch nicht. Da schafft man also locker 2-3 Filme pro Abend. Weitgehend unbekannt war mir, wie ich feststellen mußte, das Filmwerk der 60er und 70er. Ich wußte gar nicht, daß Robert Redford, Dustin Hoffman oder Jack Nicholson schon vor 1985 Filme gedreht haben….

      Mein Tip: einfach mal eine Word-Tabelle mit 100 Zeilen mit den Jahren 1912 bis 2011 erstellen und die jeweils besten Filme des Jahres eintragen, die man selbst schon gesehen hat oder von denen es heißt, sie seien sehenswert. Man glaubt es nicht, wie viele Filme man schon geschaut und nicht geschaut hat. Allein die 90er und 2000er Jahre füllen ganze Seiten der Tabelle.

  6. ted_simple sagt:

    Battlestar Galactica ist neben Star Trek (v.a. TNG, DS9) für mich die anspruchsvollste Sci-Fi-Serie überhaupt. Ich käme gar nicht auf die Idee, von Zumutung zu sprechen, weil manche Folgen etwas langatmig seien, auch wenn manche Leute das so sehen. Und nein, das ist keine Ironie… die Serie ist für mich die Créme de la Créme. So gut ausgearbeitete Charaktere (Tiefenpsychologie) habe ich ansonsten selten erlebt.

  7. Donald D. sagt:

    Ich wundere mich sowieso, warum auch Serien, die eine Handlung über eine Staffel oder z.T. noch länger erzählen immernoch produziert werden. Die Sender verlangen ja regelrecht, daß man ja keine Folge verpaßt, was ich ziemlich fies finde. Ich habe das bisher nur einmal mitgemacht und zwar bei BSG. Jetzt mache ich es wieder, bei V, obwohl ja schon feststeht, daß es kein richtiges Ende gibt. Und deshalb sind mir die Serien, die ihre Probleme innerhalb einer Folge oder auch eines Zwei- bzw. Dreiteilers lösen, wesentlich lieber. N.C.I.S. macht das z.B. so oder auch Hawaii 5-0: Da gibt es einen größeren Handlungsbogen, der aber dermaßen im Hintergrund präsent ist, daß man auch mal ein paar Folgen verpassen kann. Und am Ende der Staffel geht es dann nochmal rund. Das ist m.E. die beste Art der Erzählung. Der Bösewicht ist nicht nach 40 Minuten bereits tot, sondern taucht des öfteren mal auf, wie Mark Dacascos bei Hawaii 5-0, der mir als Schauspieler so sympathisch ist, daß ich es schade gefunden hätte, wäre er gleich gekillt worden. Das US-Publikum scheint diese Art der Unterhaltung ebenfalls den großen Staffelbögen vorzuziehen, denn während diese Art meist ohne richtigen Schluß abgesetzt wird oder unter ferner liefen vor sich dahinvegetiert (BSG), sind C.S.I., N.C.I.S., Housewives usw. die reinsten Quotenrenner.

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