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CRUSADE – Der Babylon-Faktor (Folgen 4-8)

Weil besser einfach besser ist: Nach zwei weiteren Durchhängern zeigen die nächsten Folgen endlich das positive Potenzial der Serie! Und damit meine ich nicht, dass man sich ganz hervorragend über sie lustig machen kann… Nein, das Franchise beweist langsam durchaus seine Muskeln! – Wo sind denn im Netz nur die Wigald-Boning-Nacktbilder, wenn man mal schnell eine Aussage anschaulich illustrieren muss?

Nein, im Ernst: Auch wenn der Dampfhammer gleich mit erhöhtem Schlagtakt weiter seiner Aufgabe nachgeht, Hohn und Spott zu schmieden, muss ich kurz dazwischenrufen, dass ich Sympathien für die Serie hege! Das Ganze ist eine erfrischende Alternative zu Star Trek und stabilisiert sich gegen Ende auf ein Niveau, das dem Dampfhammer nur noch ein zärtliches Schulterklopfen erlaubt. Aber sehen sie selbst…

4.) Der Pfad der Sorgen / THE PATH OF SURROWS

Story: CRUSADE goes for Gold… – fish: Auf einem weiteren Planeten, auf dem (*blabla, Heilmittel, vielleicht, blabla*) findet die Crew eine Art undurchdringliche Glaskugel, in der ein als Räucherware getarntes Alien sitzt. An Bord gebracht, nimmt es telepathisch mit Galen, Gideon und Metherson Kontakt auf. Dies führt dazu, dass diese besonders schmerzliche Momente ihrer Vergangenheit noch einmal erleben. Denn das fremde Wesen scheint sich von einem einzigen Gefühl zu ernähren: Langeweil… äh, die Vergebung der Verfehlungen anderer.

“Du hast gesündigt, mein Sohn!” – „Ach, halt doch deine verdammte… Klappe!?!?“ – Nicht grundlos mundlos: Dieses Alien lebt ausschließlich von der Vergebung von Sünden. Wer das jedoch merkwürdig findet, sollte mal die Geschichte der Katholischen Kirche studieren! Bis auf die verwendete Menge an Weihrauch hat sich in der Zukunft eigentlich gar nicht so viel geändert (Hust)…

Bewertung: Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Schleimen werfen: Trotz eines interessant aussehenden Aliens ist dies eigentlich nur eine reine Rückblick-Folge, die die Charaktere näher beleuchten soll. Mit einer Tasse Tee, einem Kaminfeuer und einer plauderwütigen Crew hätte man die alten Kamellen aber ebenso gut unterbringen können… Da hat J.M.S. aber früher schon mal subtiler den Rückspiegel angeschraubt! Zumal es jetzt mit den religiös-spinnerten Folgen auch langsam mal gut ist! Was ist Jonny-Boy denn bitteschön nach dem Ende von Babylon 5 passiert?! War er Kassenwart einer neuen Weltuntergangssekte, die das baldige Ende jeglicher Prequel-Serien vorhersagte?

Außerirdische, die sich von Gefühlen wie Hass, Wut oder Trauer ernähren, gab es ja schon bei TOS. Theoretisch kann ich das sogar noch irgendwie nachvollziehen, sind dies doch schließlich elementare Gefühle eines Lebewesens. Wer’s nicht glaubt, möge sich probeweise mit einem Hammer auf den Daumen schlagen oder sich einen Kontoauszug holen… Aber das Gefühl namens „Vergebung“?! Warum futtert das Alien nicht gleich „Geschmacksverirrung“ (und lässt die Crew telepathisch einen innenarchitektonischen Alptraum einrichten), „Menschenwürde“, „Juckreiz großer Zeh“ oder dieses unbestimmte Gefühl, irgendwas wichtiges vergessen zu haben? Zum Beispiel rechtzeitig den DVD-Player auszuschalten?

Gut, Gideons Rückblick ist durchaus interessant und weist auf eine Verschwörung hin, von der wir im weiteren Verlauf der Serien wohl noch hätten hören sollen. Auch Johns Erinnerungen sind erhellend, war er doch einer der wenigen im Psicorps, denen Menschlichkeit nicht nur in einen mühsamen Indizienprozess bewiesen werden kann. So weit, so nett. – But never change a Spinner-Team: Galens Geschichte schlägt dann doch plötzlich über die Strenge. Denn seine einst verstorbene Freundin sendet am Ende der Folge sogar eine Nachricht aus dem Totenreich(!!) an den Computer der Excalibur! Da hat die Schiffs-Firewall wohl noch kein neues Fegefeuer-Update erfahren, wie? Insgesamt lässt diese Ein-Kessel-Buntes-Episode daher vorrübergehend an der Zurechnungsfähigkeit von J.M.S. zweifeln. Dagegen war Babylon 5 ja direkt die letzte atheistische Hoffnung der Galaxis!

„Okay, Leute! Ich warte dann hier, bis ihr von dort zurückkommt… Ist dieser `Ort ohne Wiederkehr` denn sehr weit weg?“ – Da kannst du einen drauf (ver)lassen: Gideon treibt nicht nur im All, sondern seine Reaktion darauf auch seltsame Blüten. Nur mit einem perfiden mentalen Trick konnte sich der Captain ganze 183 Stunden lang ohne Sauerstoff an’s Leben klammern: Er wollte einfach nicht sterben, ohne noch mal ein letztes mal zu sehen, wie die Sonne am Horizont untergeht…

Oberpeinlich ist leider schon der Teaser, der vor der verschlossenen Wohnung des Glaskugel-Mönchs spielt: Galen scheißt Dureena zusammen, was so dumm und aufgesetzt wirkt, dass diese nur auf die einzige angemessene Art reagiert: Sie zahlt es Galen mit gleicher Münze heim und bricht dumm und aufgesetzt in Tränen aus. Mit einer ihrer Tränen öffnet der Magier dann das seltsame Höhlensystem. Wie er darauf kam? Na, wegen der eindeutigen Inschrift: „Du musst den Weg des Leids beschreiten!“ – Da hat er aber Glück, dass er mit diesem ersten Versuch gleich in’s Doofe, Pardon: in’s Schwarze getroffen hat! Das Beil, um dem Captain ein Bein abzuschlagen, stand als zweite Option wahrscheinlich schon hinter seinem Rücken bereit…

Fazit: Langsam langweilt’s! Für die nächste Story rechne ich fest mit der Wiedergeburt von Moses, der das rote Meer mit einem Traktorstrahl teilt. Manches ist so bekloppt, das grenzt schon an geistiges Steinekloppen. Und dann diese Antimusik! Vom Niveau her irgendwo zwischen Wasser- und Trillerpfeife… – Gott, wirf Hirn (aber ohne Hörzentrum!) vom Himmel!


5.) Dureenas Geheimnis / PATTERNS OF SOUL

Story: Die eigentliche Mission der Excalibur wird von einer Sondersendung unterbrochen: Einige Menschen, die die Erde zur Zeit des Drakh-Angriffes verlassen haben, sollen von Gideon gegen ihren Willen von einem kargen Planeten abgeholt werden… Doch diese Menschen (allesamt Ex-Soldaten und ähnliche Mörder) sind absichtlich vergiftet worden, obwohl sie der Erde noch rechtzeitig den Rücken gekehrt hatten. Dureena trifft in dieser Folge außerdem auch schon die bereits erwarteten WIRKLICH letzten Überlebenden ihres Volkes… Jetzt aber so richtig in echt! – Jetzt kommen keine mehr!

“Ich will ihnen wirklich nicht wehtun, Lady! Aber ich würde es sofort tun, wenn es das Drehbuch für nötig befindet!“ – Endlich mal ein Mensch zum Anlehnen und Festhalten: Dieser Soldat hat unglaubliche Kräfte! Glauben kann ich das allerdings nicht… Keine Angst, Dr. Chambers kommt mit heiler Haut davon. Und die jährliche Brustkrebsuntersuchung hat sie jetzt auch schon hinter sich. Den Untersucher übrigens auch…

Bewertung: So langweilig und steril glattgeschruppt, dass man sich beim Gähnen spiegeln kann! Außerdem habe ich die Story nicht verstanden. Und sie mich wohl auch nicht. Vielleicht weil diesmal so wenig gezaubert wurde?

Das Militär will also Soldaten loswerden, welche bionische Körperteile im Körper tragen. Klar, um das Ganze zu vertuschen… Okay. Soweit die üblichen unangenehmen Pflichten eines amerikanischen Verteidigungsministers, seit es TV-Serien gibt. Unlogisch ist jedoch: Man infizierte hier deren Nahrungsvorräte nachträglich mit der Drakhseuche und nimmt somit das Risiko in Kauf, auch die im All befindliche Menschheit dadurch noch zu verseuchen. Weder clever noch sehr smart! Da könnten die sich ihre tolle Quarantäne für die ganze Erde ja eigentlich gleich auf die Admiralsglatze schmieren.

Und bis die Seuche das Töten beginnt, hüpfen die körperlich verbesserten 1-Million-Credits-Men noch eine ganze Zeit über den fremden Planeten? Oder sollen alternativ von Gideon abgeholt und zurückgebracht werden?

Warum der ganze Affenkram, wenn’s doch auch ein zuuuufälliger Unfall beim Schluchtenscheißen auf dem kargen Planeten getan hätte? Sponsored by Erdregierung unter Verwendung eines skrupelloseren Captains als dem Gideon, unseren Matthew! Aber nein, lieber schickt man Uneingeweihte! Auf die Gefahr hin, dass diese noch aus einem Lehrgang wissen, wie herum man einen medizinischen Scanner hält und somit die Verschwörung aufdecken. Oder gar ein geheimnisumwittertes Körperteils namens „Ohr“ benutzen und sich von den Inhaftierten die Implantatsgeschichte kurzerhand erzählen lassen. Was soll das alles!?

“Hey, kleines Mädchen… Warum so traurig? Ist Deine Mama nicht hier?“ – Toll! 138 Jahre (und ein paar Zerknautschte) alt und trotzdem macht man sich immer noch über seine Zöpfe lustig! Kann man diese klischeehafte Vorstellungswelt beim Anblick von ein paar geflochtenen Haaren nicht einfach mal außen vor lassen?! Man kann doch irdische Maßstäbe nicht einfach auf das Aussehen außerirdischer Völker übertragen! Beim Großen Manitu! Hugh!

Und die allerletzten Überlebenden des Volkes von Dureena sitzen zufällig an der selben Stelle fest, spielen aber eine Nebenrolle, haben nicht viel zu sagen und werden in einem Jahr sowieso tot sein? Und wieso deren mystischer Anführer („Ich habe die Steine befragt. Morgen werde ich tot sein!“ – Gallensteine?!) exakt wie ein Indianer mit gelben Kontaktlinsen aussieht, ist mir definitiv zu hoch. Ganz im Gegensatz zum allgemeinen Niveau… Immerhin begeht Gideon auch hier wieder eine dreiste Befehlsverweigerung, um die untergetauchten Soldaten zu retten. Da kann selbst Autoritätsbasher Kirk nur noch anerkennend die Perücke ziehen…

Einziger Lichtblick: Die ersten ernstzunehmenden „Draußen“-Kulissen im Babylon-5-Universum sind nicht ganz so übel, wie man befürchtet hatte. Sehr schöne Grasimitatsmatten aus dem Baummarkt! Und die Felswände sahen zuletzt bei ENTERPRISE sogar deutlich billiger aus als hier!

Fazit: Konnte kaum wach bleiben… Und das um 12 Uhr Mittags! Oder wurde wegen J.M.S. schon wieder die Uhr um 12 Stunden vorgestellt? Vielleicht ist das jetzt die neu eingeführte, dramaturgische Winterzeit? – Noch so eine Folge zum Abgewöhnen… Wie gut, dass es ab jetzt deutlich besser wird! *auf wüsten Haarkranz zeig, der inzwischen schon auf Londo-Mollari-Niveau zurechtgerauft wurde*


6.) Befehle aus dem Grab / RULING FROM THE TOMB

Story: Eine große medizinische Konferenz auf dem Mars soll den Erkenntnisstand über die Drakhseuche zusammenfassen. Gideon und Captain Lochley (von Babylon 5) überwachen die Sicherheitsvorkehrungen, als plötzlich seltsame Morde geschehen und später auch ein Crewmitglied angegriffen wird. Dieses scheint eine bewegte Vergangenheit in einer irren Sekte hinter sich zu haben, welche für die Verbrechen verantwortlich zu sein scheint. Derweil amüsiert sich ein Teil der Crew in zwielichtigen Bars…

„Herr Ober? Ich möchte gerne das, was der Herr hier hat.“ – Jaha, auch in Sado-Maso-Clubs gibt es kleine Lokale! Das gewählte Symbol ist dabei von großer Wichtigkeit! Dieses hier stellt eine Sanduhr dar, die in der Mitte zerteilt wurde. Die ausgelaufenen Sandkörner wurden allerdings nur auf der Vorderseite „aufgemalt“. Jedes einzelne. Vom Kunst-unkundigen Gerichtsmediziner später leider als „Mord in unglaublicher Raserei“ fehlgedeutet… Banause!

Bewertung: Na also! Diese Folge bestätigt mich darin, dass man mit einem etwas mutigerem Schnitt erheblich mehr Qualität in die Serie hätte bringen können. Man hätte nur die ersten 5 Folgen wegschneiden und diese hier als Einstieg bringen müssen… Tatsächlich fühlt sich diese Episode so an, als hätten wir eine gute Babylon-5-Story vor uns: Mächtig wichtige Konferenzen, Kompetenzgerangel der Sicherheitsleute, ein paar Minbari und Narn im Hintergrund, ein Kriminalfall, Captain Lochely von B5, zwielichtige Bars und sogar Charaktere, die miteinander reden, tanzen, saufen, raufen und… im amerikanischen Kulturkreis des Marses garantiert nicht öffentlich eine Zigarette anrühren!

J.M.S. scheint tatsächlich nur auf dicht besiedeltem Terrain seine wahren Stärken ausspielen zu können! Raumschiffe verwirren den süßen Kleinen anscheinend nur unnötig und wie bei Telepathen im Hyperraum schien der Weltall die übernatürlichen Fähigkeiten von J.M.S. in den letzten Storys unangenehm zu verstärken… Halt, Moment! Das Drehbuch ist diesmal ja von einem gewissen Peter David! – Zu früh gefreut…?

Selbst Wortwitz ist in Hülle und Fülle vorhanden: „John Sheridan kochte auch nur mit Wasser!“ – „Und manchmal auch ohne!“ / „Wir haben den Attentäter!“ – „Ich will mit ihm reden!“ – „Gern, wenn sie ein Medium mitbringen!“ / „Beim letzten Besuch auf dem Mars wurde mir sofort beim Eintreffen die Brieftasche gestohlen!“ – „So wie eben gerade?“

“Sie tanzen mir ein bisschen zu hervorragend, Max!” – „Oh, vielen Dank!“ – „Nein, ich meinte damit, dass da an ihnen etwas hervorragt!“ – Diese Unverschämtheit wird sicherlich noch ein Vorspiel haben… Der Archäologe hält sich übrigens für einen gewissen „Frauenschwarm“. Vermutlich der Name eines leckeren Speisepilzes oder eines seltenen Schmetterlings…

Das Highlight ist jedoch die Art und Weise, wie Poker-Gideon auf der Bühne mit einer improvisierten Rede fast eine Masken- bzw. Massenpanik provoziert, um dem Attentäter einzureden, dass er eh nichts mehr vernichten und in die Luft bomben braucht. So genial einfach, dass man auch George Bush zurufen möchte: Ist es wirklich zu viel verlangt, 3 mal am Tag öffentlich über die westliche Dekadenz zu schimpfen? Dass er dabei meist in Richtung Mekka schaut und einen orientalischen Teppich unter sich hat, könnte man sicher irgendwie mit architektonischen und einrichtungstechnischen Besonderheiten erklären…

Noch dazu erfreut die Tatsache, dass der christliche Terrorist, der den Stimmen in seinem Kopf folgt, ein sehr kritisches Bild auf die Religion im Allgemeinen wirft. Bestätigt wird das durch das abschließende Geplauder einiger Hauptfiguren in der Bar. Endlich ein Gegengewicht zu dem magischen Eintopf, der zuvor mit der Penetranz eines David Klopperfields in unsere Schädel geprügelt wurde.

Fazit: Geht doch. GEHT DOCH! But who the fuck is Peter David? Und warum trägt er Straczynskis altes B5-Katra spazieren? Seelentausch im Serienrausch? – John, kannst du mich hören? *Tock, Tock* – Warte, ich hole dich da sofort raus!!
*Mit chirurgischer Schädelsäge auf Peter David zustapf*


7.) Nach eigenen Regeln / THE RULES OF THE GAME

Story: Gideon und Crew ist zu Besuch auf Babylon 5, um den Botschaftern eines zurückgezogenen Volkes Überflugrechte über deren Territorium abzuschwatzen. Doch diese feinen Herrschaften zeigen sich „not amused“ und planen sogar den Tod des Captains. Derweil hilft Max „Staubtrocken“ Eilerson seiner Exfrau, die an einen gefährlichen Kredithai geraten ist…

“Bitte lächeln!” – Premiere: Zum ersten mal ist der Original-Dialog cool genug, um unverfälscht in die Bildunterschrift aufgenommen zu werden… – Mit diesem außerirdischen Artefakt verschafft „Mad Max“ dem Gesetz Geltung. Welches Gesetz genau? Nun, die Paragraphen sind leider nur in diesen stählernen Augen niedergeschrieben. Einzusehen jeden Tag von 12 bis Mittag sowie zwischen den Faustschlägen.

Bewertung: „Willkommen zur Max-Eilerson-Show! Und hier ist ihr Gastgeber: Maaaax Eilerson!“ – Tschüss, Harald… Endlich bekommt ein anderes zynische Wunderkind die Anerkennung, die es verdient: Nämlich die eines verängstigten Kredithais. Wie trocken und abgebrüht er es dem Schurken mit Zins und Zinseszins heimzahlt (ich hoffe, dieses Wortspiel findet Beachtung?), hat einfach nur Spaß gemacht. Wenn Bud Spencer der Gott der Selbstjustiz ist, dann ist Max einer seiner Propheten!

Die Handlung rund um Gideon und Lochely, die sogar in einem One-Night-Stand endet (bei J.M.S. ist Erotik normalerweise so wahrscheinlich wie ein Sexer im Lotto), ist natürlich nicht der Gipfel der anspruchsvollen SF, sorgen aber für sehr ansprechende Charaktermomente. Da lässt man sich doch gerne mal von 2 tuntigen Aliens durch’s „Maschinendeck“ von Straczynskis zuständigen Stadtwerkekeller jagen.

Tja, kaum spielt die Handlung wieder auf Babylon 5, kommen alte Qualitäten wieder zum Vorschein. Auch wenn es die Gesamtstory an sich gar nicht voranbringt, wirkt diese Folge wie eine Frischzellenkur für die geprügelten Hauptfiguren der ersten 5 Episoden. Im Gegensatz zu diesen Storys, die inzwischen vom Sektenbeauftragten der Bundesregierung beim Verwesungsprozess beobachtet werden, ist so ein bisschen kleinkrimineller Alltag erfrischend amüsant. ICH stand ja immer sehr auf diesen kriminellen Alltag bei B5! – Aber ich finde ja auch grüngesichtige Junkies zum totlachen (ja, bei mir in der Gegend haben sie diesen Farbton. Mit gelben Adern!), wenn sie mit ihren ernst-traurigen Gesichtlein nach Geld für eine Bu… Buhuhuuhaha… – BUSfahrkarte fragen.

„Ja, kräftig saugen! Dieses verflixte Drakh-Virus muss aus dem Körper! Irgendwas MUSS doch helfen!“ – Erst speicheln, dann streicheln: Auf der Suche nach einem Heilmittel greift Captain Gideon zunehmend nach dem letzten Strohhalm. Und Captain Lochley (nein, hier mal kein Wortspiel) zunehmend nach seinem. Allerdings wirkt die darauffolgende Duschszene eher Straczynski-untypisch. Hatte da das Studio seine aphrodisierenden Wurstfinger („Mehr Sex, bitte!“) im Spiel?

Fazit: Verbrennt, nein: zerknickt eure esoterischen Räucherstäbchen! Realismus-J.M.S. is back! Ist es eigentlich zuviel verlangt, die Raumstation langfristig mit dem Schiff Excalibur zu verbinden? So eine Anhängerkupplung kann doch nun nicht die Welt kosten… Und scheint es nur mir so, oder sind die Folgen, in denen der Kindergeburtstag-Alleinunterhalter – „Der Große Galen“ – nicht mal auftaucht, stets die allerbesten?


8.) Erscheinungsbilder / APPEARANCE AND OTHER DECEITS

Story: Ein echter Fundskerl: Die Mannschaft findet ein gigantisches Schiff im All, in dem alle bis auf ein einziges Lebewesen tot sind. Nachdem auch dieses auf der Krankenstation der Excalibur gestorben ist, beginnen zahlreiche Crewmitglieder, sich immer seltsamer zu verhalten: Sie grabbeln ihren Kameraden an der Schulter herum, welche daraufhin von fremden Wesen besessen sind. Gideon muss das betroffene Deck schnell abriegeln und sich auf einen Machtkampf gegen die Fremden einstellen…

„Lasst mich bitte hier raus und gebt mir irgendwas zum Anziehen! Dieser Dicke mit dem Schraubenschlüssel zum Beispiel… Braucht ihr den noch?“ – Seel-Sorge: Kurz nach dieser Begegnung wird die Mannschaft sich wünschen, den Kopf mal wieder frei zu haben… Und dabei hatte sich das Rettungsteam so sehr auf einen kurzen, knappen Einsatzbericht gefreut. Aber „Alle tot!“ klang auch einfach zu schön, um wahr zu sein…

Bereits zu Beginn zeigte mein Körper heftige allergische Reaktionen auf die Richtung, in die sich die Story entwickelte. Fast fühlte ich meinen Körper von einer fremden Lebensform übernommen, die einen Hang zur rituellen Bulimie hat. „Energiewesen in Crewmitgliedern?“ Das ist ja allererste Klasse! – An der Paramount-Grundschule… Doch die befürchtete Katastrophe wurde der Plot dann wahrlich nicht: J.M.S. ringt dem bekannten Handlungsstrang um Mutters Seeleneintopf noch zwei, drei frische Szenen ab. Das bringt der in Star Trek ausgelutschten Storyline einen neuen Touch, bzw. Tatsch. Denn die Fremden benötigen Körperkontakt für ihre Übersprungshandlung…

Zumindest habe ich mich kaum eine Sekunde gelangweilt… Angenehm, dass hier das Schiff mal nicht mit irgendwelchen, für Menschen völlig ungefährliche Geisterpartikeln geflutet wurde (mein Geheimtipp: Neutrinos!), auf die die körperlosen Aliens ja sonst gerne mit kopf- und ganz allgemein körperloser Flucht reagieren.

Besonders nettes Detail: Bei J.M.S. sind niedergeschossene Sicherheitsoffiziere nicht nur Kanonenfutter, sondern der Tod eines dieser Kameraden beschäftigt hier sogar den geretteten Max Eilerson, der sich fast ein wenig schuldig fühlt. Auch die letzte Sequenz, in der der Captain die Briefe an die angehörigen der getöteten Crewmitglieder diktiert, lässt ein realistisches wehmütiges Gefühl aufkommen, das bei herzlosen Serien wie Star Trek irgendwie immer gefehlt hat.

„Oooooch, Captain! Was für einen schönen, starken Körper sie doch für unsere Zwecke mitgebracht haben!“ – „Verdammter Körperklau! Euch reiße ich solange die Eingeweide raus, bis ihr meine Crew unbeschadet wieder verlassen habt!“ – „Wie? Oooh, wie puuutzig! Da liegt wohl ein Missverständnis vor, Captain. Wir sind gar nicht die Körperbesetzer. Die wohnen im Gang nebenan! Kommen sie jetzt zu uns rein oder nicht?“

Nebenbei: Das seltsame „Design-Team“, das völlig blödsinnige Änderungen an Schiff und Uniformen vorschlägt, um den Ruf der Mannschaft auf der Erde zu verbessern, scheint mir eine nur wenig verhüllte Kritik an der bescheuerten Studiopolitik zu sein. Recht so! Immer druff!

Fazit: Ich will mal nicht so sein: Selbst J.M.S. soll wenigstens einmal eine echte Exorzismus-Folge schreiben dürfen. Und nicht nur für uns Menschen! – Substanzlose Körper-übernehm-Aliens mögen schließlich auch Marionettentheater! Und wenn man andere außerirdische Versionen der Augsburger Puppenkiste (z.B. bei Star Trek) zum Vergleich heranzieht, ist die Auflösung bei Crusade sogar recht gut gelungen…


Weiter geht’s mit den Folgen 9-13…


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Artikel

von Klapowski am 22.10.05 in TV-Review

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Kommentare (3)

  1. Kaba sagt:

    1RST=3 !!
    Scheint als ob die Crusadefolgen doch stark in ihrer Qualität variieren….
    wenn man sie in der richtigen Reihenfolge anschaut sogar abnehmen…

  2. nakedtruth sagt:

    Könnte die abnehmende Qualität daran liegen das das Studio bei den späteren (ersten) Folgen immer mehr dazwischen gelabbert hat?

    Peter David, lieber Klapowski, ist ein US-amerikanischer Autor, der unter anderem die Star Trek New Frontier Reihe als Bücher schreibt. Außerdem ist er Comic-Autor bei Marvel, u.a. Hulk und ich glaub auch Spider-Man, eine Serie für die J.M.S auch schon geschrieben hat.

    Lange lebe die Klugscheißerei.

  3. Kaworu sagt:

    So sieht es aus. Und für "Babylon 5" hat er seinerzeit auch ein paar Episoden geschrieben.

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