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„Mission Zukunftia“ – Dampfhammerreview zu unserem Adventure

„Ein völlig neues Spielprinzip im Actionspiel-Genre!“ (PC Lame), „Die 7 alternativen Enden motivieren auch langfristig!“ (Powergay), „Die künstliche Intelligenz der Gegner ist erschreckend; sie sagen stets, was man selbst denkt!“ (Daniel Klapowski)… Ja, Sparkis Adventure ist eingeschlagen wie eine Bombe in einen Kindergarten am Gaza-Streifen! Natürlich möchte auch ich mich da nicht zurückhalten und habe mit dem (Ex-)Kollegen Hoffmann einen nerdigen Testnachmittag verbracht. By the way: Willst Du den Rest der pürierten Kartoffelschips noch oder soll ich die einfrieren?

Als erstes fällt die grandiose Grafik auf, die mit voller DirectX11-Unterstützung (sprich: Das Spiel stört sich nicht dran, wenn DirectX von einem anderen Game im Taskmenü genutzt wird) aufwartet! Die Texturen sind zwar nicht unbedingt hochauflösend – und auch keine Texturen – , atmen jedoch den Charme ferner Tage in Form einer pixeligen Rauchwolke.

Sparkiller hat geschafft, was viele andere vergeblich versuchen: Ein charmantes Abenteuer in Lucas-Arts-Tradition zu erschaffen, das seinesgleichen sucht. Und zwar mit der Lupe in der Hintergrundgrafik, wie es sich für Adventures gehört. – Wobei die obige Aussage nicht ganz richtig ist: So viele Menschen versuchen Abenteuer wie diese gar nicht mal VERGEBLICH zu erstellen. Im Gegentum! Es wimmelt heutzutage nur so vor tollen Fanerweiterungen, Mods, Remakes und Fan-Games, aber wer WILL diese schon spielen, solange man in „Crysis 2“ vor 3829 Nervaliens weglaufen kann, um den nächsten Savepoint mit der eigenen Anwesenheit zu befruchten?

Na, ich natürlich! Und ihr auch! Das sehe ich Euch doch an euren geröteten Wangen an, die sich Bud-Spencer-technisch ganz schnell einstellen, wenn ihr dieses charmante 1,4-MB-Wunder nicht ganz schnell probespielt!

Sparkillers Spiel hat vor allem eines (fünfes?): Seele, Timing, Humor, Charme und diesen kleinen Wiedererkennungsbonus, da er mir seit über 10 Jahren das Mailpostfach mit seinen „Klapo, werde doch einfach Star-Trek-Satire-Gott“-Aufforderungen zumüllt. Und dafür, dass 98,1% meiner Dialoge, 100% meiner Grafiken und 82,3% meiner Rätselideen von ihm verworfen wurden, ist das fertige Spiel immer noch erstaunlich brauchbar!

„Klapo, wieso sagst Du so etwas?!“ – „Ich habe bis heute nicht das Ende von ‚Dawson’s Creek‘ verwunden, okay?“ – Bitte die Pixelcreme gleichmäßig auf den Bildschirm auftragen: Sparkis Abenteuer überrascht schon zu Beginn mit einer völlig hahnebüchenen Aussage und hätte daher im Betatest von mir beinahe eine 1 von 10 kassiert. Aber natürlich musste ich später dann doch mal über den eigenen Horizont schauen, WENN man schon sein eigenes Spiel bekommt…

Die Musik sitzt fest im Sattel eines störrischen 8-Bit-Reitpferdes, die Wendungen und Motivationen der Figuren wirken durchdacht und trotz der Kürze und grafischen Reduziertheit des Games springt aus jeder Ecke der gewisse Funke Liebe. „Shigeru Miyamoto aus Gelsenkirchen“ ist sicherlich nicht der passendste Titel für meinen Designer, aber der erste, der mir dazu einfällt…

Trotzdem möchte ich es nicht versäumen (wir sind schließlich nicht von der Heil… äh… „GEIL!“sarmee), einige winzige Fehlerleinchen aufzuzählen:

So ist das Design der Redaktion doch sehr fraglich: Das Intro suggeriert einen Sitz in den oberen Etagen, während Sparki auf einer kurzen Treppe direkt in den Keller zu gelangen scheint. Aber gut, vielleicht ist dies satirische Kritik an den verkrusteten Gebäudebau-Konventionen unserer Zeit. Oder dieser Moment ist nur schlau „geschnitten“ und Sparki wandert – für den Spieler unsichtbar – durch Oma Platuschkes Wohnküche und das Bombenbauzimmer einer islamischen Terrorzelle. – Hier wäre tatsächlich noch „Raum“ für nachträglich runterladbaren Content! (5,99 Euro pro Etage; Spiel kann nachträglich zu einem Riesentower in Dubai hochgepatcht werden.)

Für uns völlig überraschend schlug das Game im E-Sport-Bereich total ein! Hier sehen wir die Südkoreanische Gaming-Liga, bei der die Spieler versuchen, der Klapowski-Figur möglichst schnell und umfassend behilflich zu sein…

Die Hauptfigur namens „Sparkiller“ ist allerdings nicht besonders sympathisch, versucht sie doch die ganze Zeit, das legitime Interesse ihres Chefredakteurs zu untergraben! Dass es entgegen anderslautender Ankündungen nicht möglich ist, die Klapowski-Figur zu steuern (Stichwort „Koop-Modus“), ist sogar eine Frechheit am Spieler und gehört mit einem Wertungsabschlag von 7,4% in einer noch auszulosenden Wertungskategorie („Durchdachtsheitsfaktor“?) bestraft!

Überhaupt hängt die Motivationskurve in Minute 7:03 für mindestens 20 Sekunden ziemlich durch (Excel-Tabelle wird von der „PC Games“-Redaktion noch nachgeliefert) und die Story hat man in ähnlichen Spielen („Max Payne“, Super Mario Kart“, „Tetris“) bereits besser umgesetzt gesehen, speziell in Minute 4:14. Ganz zu schweigen von der fürchterlich klingenden Sprachausgabe (ich lese mir die Dialoge immer selber laut vor) und der doch etwas altbackenen Grafik. Auch Spiele im Retro-Look müssen gefälligst aussehen wie Vollpreis-Titel des Jahres 2005. – Sagt die „PC Games“ und die muss es ja wissen!


Fazit: Trotz kleinerer Mängel muss ich der Firma „Sparkcom“ jedoch Recht geben: Die Überweisung, welche sie mir auf mein Redaktionskonto zukommen ließ, rechtfertigt definitiv eine Wertung im sehr hohen 90%-Bereich. Würde man kleinere Lapsusse (Lapsi?) noch ausbügeln (mehr lustige Kommentare bei unpassend kombinierten Items wären schön gewesen! Zumal ich deren Ausarbeitung sogar angeboten hatte, grmbl…), so hätten wir den Spiele-Bestseller für 2011 bereits vor uns liegen!

So reicht es aber „nur“ für den Preis „Goldene Erdbeerwein-Sprudelperle“ unserer schönen Internetseite.

Wertung mit den genannten Fehlern:

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

Zukünftige Wertung, wenn Kritikpunkte noch behoben werden:

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM

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Artikel

von Klapowski am 09.08.11 in PC- und Videospiele

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Kommentare (1)

  1. Bolleraner sagt:

    Viele dieser Kririkpunkte wurden bereits umgesetzt:

    Die Terrorzellen arabischer Ligen befanden sich hinter den Türen des Hochhauses von „Mad TV“ und bei „Edna bricht aus“ gab es wirklich für jede mögliche Kombination zumindest einen neuen Spruch gedrückt.

    An diesen Spielen und am hervorragenden Vorgänger gilt es die nachfolgenden Teile der Mission Fahr..Zukunftia zu messen.

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