Das ernsthafte Medienmagazin

DS9: Fight Club – Folge 30 – „Die Ch(l)orknaben“

Gefahr droht, als ein Mafiosi seine preisgünstigen Betonschuhe an DEN Mann bringt, der diesmal nicht alleine als ruhender Po(o)l die Rettung seiner Mannschaft vorrantreibt. – Sensiblen Zigarrenliebhabern wird wegen Gewaltszenen an lebenden Tabakkulturen vom Genuss dieser Folge abgeraten…

Und so waren sie also nur noch zu Dritt unterwegs: Fleischkopf-Müller, Bleibhier und Flex…

Wie eine Friedhofsprozession schlichen sie durch die Gewölbe der unteren Decks der Station, funkende Kabelstränge, glitschige Öl- und Urinflecken sowie schmerzhafte Handkantenschläge des Captains mit gazellenartigen Sprüngen meidend…

Bereits wenige Stunden später war ihre Suche nach einem Ausgang in die oberen Decks von Erfolg gekrönt sowie vom Captain zum Ritter geschlagen:

„Captain Fleischkopf-Müller! Sehen sie nur!“

Alle drehten sich abrupt zu Bleibhier um, der eine undefinierbare Flüssigkeit zwischen seinen Fingern zerrieb, welche von der Decke tropfte… Noch während er daran schnüffelte und vorsichtig kostete, betätigte sich Flex als Schwarzseherin:

„Was soll das schon sein? Doch wieder nur Maschinenöl, verschmutztes Kühlwasser oder ein gesprengter Raktaschino-Automat… Wir sollten uns keine Hoffnungen mach…“

Bleibhier`s Gesicht durchzog jetzt jedoch ein breites Lächeln, als wären alle seine Zuhörer privat versichert …

„Nein! NEIN! Es… ist… es ist… BLUT!“

„Was?? Tatsächlich?? Aber da ist so viel davon! Das… das könnte bedeuten…“

Flex Stimme überschlug sich…

„JA! Wir müssen direkt unter ihrem Quartier sein, Captain! Bis zur Hops ist es dann nicht mehr weit!“

Mondamin urinierte unberührt, desinteressiert und bedrohlich nahe an einem funkenden Kabelstrang…

„MAUL HALTEN, DOKTOR! – Ich halte gerade Zwiesprache mit den heiligen Proleten! Wollen sie etwa meine Religionsausübung sabotieren?“

Wütend drehte sich Mondamin zu dem störenden Fremden hinter sich herum…

„KAPIERT?“

„Jajajaja… Captain, Sir! Alles OK, Sir! Kapiert, Sir! Sie pinkeln auf meine Schuhe, Sir!“

„Oh… Und ich wollte schon den verfickten Neuen… Ach… den Ramsch zusammenscheißen… Ist der nicht für Schuhe und so was verantwortlich?“

Flex schielte genervt an die Decke des dunklen Ganges und ließ gedanklich den Stellenplan Revue passieren: „Schuhe, Socken, Bügelfalten, Biomüll, Fenster, sanitäre Anlagen, Körperflüssigkeiten, Fußböden, eklige, widerwärtige, menschverachtende Tätigkeiten aller Art, inklusive Systemadministrator…“

„Hallo? Ist da unten jemand?“

Ein Loch in der Decke unterbrach Flex. Eine wegen mangelnder Lichtverhältnisse und dramaturgischer Kniffe schwarz angestrichene Gestalt wisperte nun etwas zu ihnen herunter:

„Wir haben sie überall gesucht, Abgefuckter! Das Licht ist überall aus, unsere fetten Trümmerlotten von Frauen mutieren durch radioaktive Strahlung zu Kalbshälften, unsere Kinder weinen, wenn sie nicht gerade tot sind und der Rest irrt führungs- kopf- und ideenlos durch die Station! Ich lasse ihnen ein Seil hinunter, damit sie zu mir auf das Promenadendeck kommen können…
Ach… Bitte erschrecken sie aber nicht! Wir mussten ein paar Yetianer skalpieren, um aus ihren Fell Decken, Zelte und Notunterkünfte zu bauen… Noch dazu haben wir begonnen, Gräber für die Verstorbenen und Kartoffelfelder gegen den Hunger zu bauen. War nicht einfach, den Linoleumboden hier umzupflügen, aber wir sind ein Volk der Bauern…
Wie dem auch sei: Wir brauchen jetzt eure Führung, Abgefuckter!“

„Jaja, schon gut! Aber erst mal muss ich nachsehen, ob mein Schrein was abgekriegt hat. Jetzt helft mir hier endlich mal aus dem Scheißloch raus, Gewürm!“

Fleischkopf-Müller erkannte, dass seine Chancen hier unten, im „Keller“ der Station, minimal waren, wenn es darum ging, ordnungsgemäß ordnungswidrig zu meditieren. Er musste raus hier und nachsehen, ob noch alles beim Rechten war… Flex unterbrach die momentane Stille, die aufgekommen war, als der Majoraner davoneilte, um eine Leiter zu holen.

„Mondamin ich glaube über Deine Pornosammlung solltest Du Dir die wenigsten Gedanken machen…“

„WAS FASELST DU DA, ALTER PENNER?! OHNE DIESE HEILIGE SCHRIFT WÄRE ICH HOFFNUNGSLOS VERLOREN! ICH HÄTTE KEINEN HALT MEHR IN DER WELT!“

Fassungslos starrte er Flex an. Dr. Bleibhier versuchte die Situation und auch Flex´s Leben zu retten, indem er krampfhaft versuchte, auf ein anderes Thema zu zappen: „Äh, guckt mal, das Licht geht ja wieder. Toll! Dieser Notstromreaktor ist fast sofort nach dem Unfall angesprungen!“

„Ja, echt toll, Idiot. Das habe ich doch schon erledigt, oder?“ kommentierte der Captain, der generell gerne ansprang… Immerhin war er abgelenkt worden. – Kurz darauf klapperte eine Aluleiter herunter. Mondamin Fleischkopf-Müller griff beherzt zu und rumpelte grazil hinauf, wobei er sein immenses Körpergewicht in jeden Schritt warf. – Unter ihm wimmerte Dr. Bleibhier mit eben jedem dieser Schritte auf, da die Leiter dummerweise auf seinem rechten Fuß geparkt worden war.

Oben angekommen, bot sich dem Captain ein Bild der Verwüstung, des Chaos, der Apokalypse und der totalen Zerstörung. Er konnte also keinen Unterschied zum Normalzustand feststellen. – Aus einer dunklen Ecke heraus nahm er den schwachen Schein einer glimmenden Zigarre wahr. Doch noch ehe er protestieren konnte, dass ihm solche Waren sofort übergeben werden müssten (genauso wie Bargeld, Drogen, Alkohol und Frauenkleider), wenn man auf der Station eintraf, trat auch schon der Besitzer des Objektes der Begierde hervor…

Es war ein harter Kerl mit Glatze, zu schmalen Schlitzen verkniffenen Augen, gestähltem Körper und markantem, unrasiertem Kinn. Mit gefährlich klingender Stimme, die sich wie ein Reibeisen im Ventilator anhörte, sagte er:

„Ich bin Clint, Clint Brettermeyer, Sie dürfen mich aber auch ‚Der Sarge’ nennen… Freunde nennen mich Lumpi.“

„Mir doch egal. Ich will die Zigarre!!!“ Fleischkopf-Müller wusste, mit dieser Forderung und dem leicht unterschwelligen Nörgelton, wie er ihn auch früher verwendete, wenn er von seiner Mutter Bonbons oder taktische Nuklearwaffen haben wollte, würde er sein Ziel sicher bald erreichen. Aber er wurde enttäuscht:

„Hören Sie mal gut zu, Sie Fettsack. Sie hatten Kontakt zu einem gewissen Captain Cont R´Gan, ein übler Raumpirat und gesucht auf zehn Planeten.“

Am Aussichtsfenster schwebte ein Erdklumpen mit einem Holzschild vorbei, auf dem geschrieben stand: „Major-City 4 km“…

„Oder halt neun. Wie auch immer: Ich bin Kopfgeldjäger und schon geraume Zeit hinter dem Mistkerl her. Also, wo ist er?“ Der Sarge ballte seine behandschuhte rechte Hand zur Faust und zerquetschte damit die Zigarre. Fleischkopf-Müller lief eine Entsetzensträne die Wange hinunter.

„Ja, erst sind sie immer alle ganz hart, aber nur ein Satz von mir und sie wollen zu ihrer Mama.“ – Der Sarge konnte nicht ahnen, was nun folgen würde…

Wimmernd ging der Captain zu Boden…
Der Sarge verschränkte als Antwort nur seine Arme und nuschelte siegessicher vor sich hin, während er Zigarrenkrümel auf sein vermeintliches Opfer rieseln ließ. „Dem Sarge macht so schnell keiner etwas vor, Jungchen!“ Goldzähne entblößend beugte er sich etwas herunter und fügte hinzu: „Es haben schon mehr Leute vor mir den Löffel abgeben müssen, als ich zählen kann, Bubi, also mach dein Maul auf und…“

Der Kopf des Captains hob sich langsam…

„L… Löffel?“

– Fieses Nicken…

„A… abgeben?“

– Feistes Grinsen…

„AAAAAAAAAAAAAAAAAAARRGLL!!!“

– Wüstes Keuchen, Bluten und Jammern…

Es dauerte eine ganze Weile, bis Flex, Bleibhier und der türkische Hausmeister den verschmolzenen Klumpen aus umsichschlagenden Gliedmaßen entwirrt hatten…
Mit in die Hüften gestemmten Armen stand Fleischkopf-Müller nun keuchend da, während der Sarge auf allen Vieren hasenartig über den Stationsboden von Dannen hoppelte, Stoff-, Haut- und Geldscheinfetzen hinterlassend…

„Hinterher! Worauf wartet ihr noch? Soll dieser böswillige Entwender hilfreichen Bestecks etwa ungeschoren davonkommen???“

Als Antwort hallte es zurück: „Das werden sie büßen, und das bitter!!! Juuungs!!!“

„Halt`s Maul, du Penner, sonst komme ich hinter dir her! Was willst du dann machen, hmmmm??“

Szenenwechsel:

Mondamin, Flex, Bleibhier und der türkische Hausmeister stehen mit Betonklötzen an den Füßen und mit 20 Maschinengewehr -bestückten Zigarrenkauern neben dem Sprungbrett des stations-internen Swimming-Pools… Selbst Udo war von irgendwo her wieder aufgetaucht und war, da man ihn an seinen „Hi, mein Captain! Züchtigen sie mich?“-Rufen sowie einem aufgemorphten Zielkreuz auf dem Hintern als Bekannten von Mondamin erkannte hatte, gleich miteinbetoniert worden…

„Captain! Wie ist ihr Plan? Es sieht schlecht aus, oder?“ nuschelte Flex zu Fleischkopf-Müller herüber…

Lächelnd drehte sich der Captain um und sagte mit wissender Miene: „Keine Angst! – Wir tun einfach so, als würden wir ertrinken, halten aber in Wahrheit die Luft an, bis man uns findet!“

Im Hintergrund erschallten verzweifelte „Allah“-Rufe des Hausmeisters…

„So, das war´s dann wohl, wie? Habt ihr noch etwas zu sagen? Ich will nur wissen, wo ich Cont R´Gan finden kann.“ wollte Der Sarge wissen. Seine Spießgesellen lachten dreckig in ihre Drei-Tage-Bärte, da sie wussten, dass nichts ihren Chef davon abbringen konnte, diese Schießbudenfiguren ins Becken zu schubsen.

Noch bevor irgendjemand etwas erwidern konnte dröhnte Fleischkopf-Müller voluminös:

„Ha! Niemand wimmert hier um Gnade… Richtig, Freunde? Lieber sterben wir, als uns der Tyrannei hirnfressender Körperfressermutanten hinzugeben! Stimmt’s?“

„Hmmm, tja, also ich kann mit dieser Aussage zwar nichts anfangen, aber auch egal. Also los, da rein mit ihnen!“

Der Sarge nickte zwei seiner Leute zu, die dann auch schon damit anfingen die Betonbottiche mit langen Stangen an den Rand des Beckens zu schieben. Mit einem letzten Kraftakt (gerade beim Captain) ließen sie ihre Opfer über die Ecke fallen.

Kurz darauf:

Einer der beiden Kopfgeldjäger meinte: „Nun, Sir, sie sind drin, aber irgendwie war das so doch nicht gedacht, oder? Ich meine ja nur.“

„Nein, eigentlich sollte da Wasser sein…“ sagte der andere.

„Huarharharhar! Das haben wir schon vor drei Monaten ablassen müssen, wegen der Klage die man uns aufgehalst hat. Angeblich zu viel Chlor im Wasser. Pah, waren doch nur 5 Tote… Noch dazu so schön knusprig und braungebrannt. Tja: 80% Chlor lässt eben die Sonne in dein Herz, Stinkpuper!“

Mondamin provozierte seine Gegner gerne und setzte noch einen drauf:

„Trottel, Versager, na nana na naaaaa, ätschi-bätsch, Lutscher…“

Er zog noch einige wirklich ekelhaft obszöne Fratzen, die die Kopfgeldjäger dazu veranlassten, angewidert zwei Schritte zurückzugehen. Ihre Waffen wurden nun zitternd auf die Helden im Becken gerichtet.

„Mondi, vielleicht wäre es klüger weniger zu sagen…“ meinte Flex, die ahnte, dass die Toleranzgrenze der Kopfgeldjäger überschritten war.

„Recht haste! Genug der Worte! Ich kann auch anders…“ Dann geschah etwas, um das niemand gebeten hatte…

Plötzlich dröhnte und vibrierte der Boden, fast wie bei einem Erdbeben…
Während die Deckenfunzeln (von Ruß und Staub geschwärzte Glühbirnen) wie gigantische Pendel ins Schwingen kamen, sprangen zahlreiche Keramikfliesen aus der Beckenwand und zerbrachen unter ohrenbetäubenden Klirren auf dem Boden… „Allah, warrum machsu` das mit mirr, Alder?“ Der türkische Hausmeister war noch neu auf der Station (er war illegal, unter einem kleinen Raumfrachter gebunden, eingereist) und hatte daher noch nicht die nervliche Stabilität, die das regelmäßig Chaos auf der Station einfach voraussetzte…

Unter brodelndem Donner waren unsere Helden ins Schwingen geraten und dümpelten „dank“ der runden Beton-Unterseite an ihren Füßen wie Stehauf-Männchen hin- und her, hoch und runter…
Die unbeabsichtigten Kopfnüsse, die der Captain Flex dabei immer wieder verpasste, fielen bei dem Lärm akustisch kaum noch auf…

Der Sarge samt seinen Kumpanen hatten begonnen, sich wimmernd an Säulen, Rutsch- und Springvorrichtungen, sowie an kleine und größere Gummiringe, Latexdrachen und aufblasbare Riesenbienen zu klammern, die am Beckenrand verstaut waren… In einem größeren Schwimmreifen-Stapel feststeckend, rollte bereits der Erste der schmutzigen Gaunergestalten in Richtung Beckenrand, um mit einem gequälten „Mama Mia!“ 3 Meter in die Tiefe zu stürzen… Mondamin, der von ihm nur knapp verfehlt worden war, schrie und zeterte in das tosende Chaos um sich hinein…

„Kannst du nicht aufpassen, du Riesen-Kellerassel?? Verfickter Fickmist, diese Insektenschwärme machen mich noch mal krank! Kein Wunder, wenn ich den sexuellen Bedürfnissen meiner Hand wegen ständiger Migräne nicht mehr nachkommen kann!“

Weiter kam er nicht, denn jetzt passierte es: Aus dem Gang zu den Umkleidekabinen trampelte eine ganze Horde von fettärschigen Majoranerfrauen ohne Badeanzug. Ihre Leiber drängelten sich ächzend, gummiartig quietschend, unappetitlich fettig und wabbelnd durch den viel zu engen Durchgang zur Schwimmhalle… Eng aneinandergedrückt und sich gegenseitig verdrängend, quoll die aufgebrachte Menge hinein… Dazu kamen plärrende, von hysterischem Lachen geprägte Laute, wie:

„HIHIHIHIIIII, ICH WILL ZUERST! AUS DEM WEG! HIHIHIHIIII!“

oder

„Wer zuerst drin ist, hat gewonnen (kicher)!“

oder

„He, pass auf, wo deine Brüste hinbaumeln, ich wäre fast auf einer ausgerutscht!“

Das große Schild über dem Becken löste das Rätsel, das im Raume stand:

„Montags Warmbadetag für Frauen über 40… Badeanzug nicht erwünscht, Toleranz gefordert… Nicht auf die Hülle, auf den Menschen kommt es an!“

Die ersten Verbrecher aus der Bande des Sarges wurden bereits grausamer von den wogenden Fleischbergen überrannt, wie die CDU einst von anonymen Spendern auf der Witterung nach Saumagen…

„Hiiiiineiiiiiin!“

Ein Schatten und ein schrilles Pfeifen fielen auf die vier Helden am Beckenboden, bevor ein riesiger Knall, aufspritzender Mörtel und Keramikfliesen sowie eine Staubwolke folgten…

„Verdammt!“ Dr. Bleibhier starrte entsetzt auf den scheinbar bodenlosen Krater 2 Meter neben sich, aus dem es bedrohlich rauchte. Mit einem Grashalm im Mundwinkel, mit dem er für kurzzeitigen Western-Flair sorgte, raunte er:

„Wir müssen uns etwas einfallen lassen, Jungs! Hier unten wird die Luft zu fetthaltig!“


Weitersagen!

Artikel

von Klapowski am 17.10.02 in Fight Club

Stichworte

,

Ähnliche Artikel


Kommentare (1)

  1. Gast sagt:

    Die storris solltn vielleicht nich ganz so meschugge sein…
    Quasi weniger dummes gesülze,dafür mehr handlung oder so.Is sonst fad auf die dauer,sprich; hast du eine gelesen, kennst alle.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Brandneues
Gemischtes
Newsletter
Arschiv
Zum Archiv unserer gesammelten (Mach-)Werke.
Büchers
Jenseits der Goetter

Jenseits der Macht