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Per Anhalter durch die Galaxis (1981)

Lars Moritz Aan gehört neben G.G. Hoffmann zu den redaktionellen Urgesteinen dieser Seite. Ja, er ist sogar so urgesteinig, dass man ihn demnächst als stilisierte Erdschicht auf Mineralwasserflaschen finden wird. – Und nur Lars hat das biblische Lebensalter, um sich noch an die TV-Serie von „Per Anhalter…“ zu erinnern. Folgen wir ihm also gemeinsam auf einen Trip in seine Kindheitserinnerungen. – Hey, DU! Ich sagte: GEMEINSAM!

Ein Artikel von Lars Moritz Aan

Mit dem neuen Anhalter-Film ist auch der Hype wiedererwacht, der diese Story Zeit ihrer Existenz verfolgte.

Angefangen hat alles mit einer Wiese in Österreich und einem Reiseführer durch Europa. Herr Adams ließ sich von einem Inspirationspartikel treffen, der dazu führte, dass eine Radiosendung namens „Hitchhikers Guide to the Galaxy“ ausgestrahlt wurde. Dass diese Serie nun so begeistert von den Hörern aufgenommen werden würde, dass dies sogar für eine Buchfassung, ein Theaterstück, ein Musical und irgendwo dazwischen dann auch für eine sechsteilige TV-Serie ausreichte, dürfte alle und vor allem ihren Schöpfer in Staunen versetzt haben.

Nun ist also der Kinofilm erschienen und das mal gar nicht so schlecht, wie viele Kritiker das befürchtet hatten. Nö, er ist sogar sehr unterhaltend und selbst als Spaßverweigerer hat man es schwer, die Mundwinkel unten zu behalten. Ich halte dies für einen echten Erfolg.

Na gut, bei Star Wars Episode III habe ich mindestens genauso herzlich gelacht, als Darth Vader die Inneneinrichtung der OP-Suite zerquetschte. – Nachdem er erkannte, dass seine geliebte Ehefrau trotz seiner Bemühungen, alles zu zerstören, was ihr gefährlich werden kann (und aus mir nicht ganz so logisch erscheinenden Gründen gehörten auch Kinder und Jedi-Ritter – die sie bisher beschützten – zu den Opfern dieser Gewaltausbrüche), abgenippelt war oder zu Deutsch „Fratze gemacht“ hatte.

Das Bild erinnerte doch stark an den Walt Disney Film „Das Schwarze Loch“, wo ein schießwütiger Roboter im Duell mit einem anderen, großkotzigen Roboter verliert und ihm vor Zorn die Sicherungen durchbrennen. Für alle die, die diese Szene nicht kennen: Man kann es auch mit Frankensteins Monster vergleichen, das einen Rappel bekommt, weil es nicht den passenden Schraubenschlüssel findet, um besagten Fixierbolzen festzuziehen und das ständige Gequietsche es in den Wahnsinn treibt…

Möglicherweise aber auch die Tatsache, dass es mal eben aus den Leichenteilen von einem halben Dutzend Typen zusammengenährt, mit dem Hirn eines cholerischen Irren ausgestattet und durch einen Blitzschlag ins Leben gerufen wurde. Aber das ist eine andere Geschichte. Ich jedenfalls fand das schon erheiternd… also diese Szene mit Darth Vader… aber auch den neuen Anhalter Film.

Womit wir wieder beim Thema wären. Ohne Umschweife nun hier endlich der eigentliche Inhalt dieses Artikels: Per Anhalter durch die Galaxis, die BBC TV Serie von 1981.

Mit dem Wahnsinnserfolg, den Herr Lucas mit seinem „Krieg der Sterne“ Ende der 1970er Jahre hatte, war die Zeit für eine andere Art der Science Fiction geboren. Nicht länger sollten Außerirdische Menschen auf andere Planeten verschleppen oder gar die Erde selbst bedrohen. Keine lächerlichen Raumschiffchenattrappen durch Sternenansammlungen brausen, denen man ihren Ursprung aus einem Duschkopf ansehen konnte. Es war die Zeit für etwas Neues gekommen. Das dachte man sich auch bei der BBC und produzierte kurzerhand die TV Serie zum Buch „Per Anhalter durch die Galaxis“ und den Folgeroman „Das Restaurant am Ende des Universums“.

Endlich konnte mal eine neue Story von Erdenmenschen erzählt werden, die von Außerirdischen mit ihren Attrappenraumschiffchen durch Duschsternenhaufen auf fremde Welten verschleppt wurden, nachdem die Erde von ihnen pulverisiert worden war. Es mag nun so klingen, als würde ich diese Serie nicht mögen. Hierzu kann ich beruhigend die Hand heben… ach, was soll der Geiz, sogar beide Hände, und verneinen. Ich bin sozusagen ein wahrer Liebhaber. Diese Serie hat mich im zarten Alter von 9 Jahren eiskalt erwischt. Ich sah die ersten Minuten (im Kinderprogramm vom ZDF wohlgemerkt… was für Banausen) und war fortan für mein Leben gezeichnet. Nie wieder würde ich etwas sehen können, ohne die Ironie dahinter zu suchen (oder einfach selbst hinein zu interpretieren). Aber ich schweife schon wieder ab.

Wo liegen denn eigentlich die Unterschiede zu der Serie und dem neuen Film? Warum musste denn unbedingt ein Kinofilm her? Tut´s nicht auch eine olle Serie mit schlechten Kulissen aus einer Zeit, in der man neonfarbene Hosenträger und pastellfarbene Stoffhosen für den letzten Schrei hielt? Das ist jetzt sicherlich die Frage, die sich in den Köpfen der Leser formt… Jedenfalls gehe ich davon aus. Und sollte das nicht der Fall sein, so werde ich dieses Tatsache ignorieren und trotzdem einfach so weitermachen, wie ich will und ihr könnt nichts dagegen tun. Ha! Wollen wir doch einfach mal hinabtauchen durch den Strudel der Zeit und Dr. Who-like aus der Tür in ein anderes Fernsehzeitalter treten:

DING! Erster Stock, Jojos, NDW und eine britische Fernsehserie über das Ende der Welt und einen konservativen Engländer in Bademantel und Pantoffeln, nebst diverser Reisebegleiter.

Gut, zu Jojos und NDW nur so viel: Was für ein Glück, dass das vorbei ist. Kommen wir lieber gleich zum Ende der Welt mit unserem englischen Pantoffelhelden nebst Reisebegleitern. Da liegt auch schon mal der erste große Unterschied zum Arthur Dent aus dem Film. Der TV-Arthur ist ein waschechter Brite, freundlich bieder, in seiner Welt festgefahren und in keinster Weise darum verlegen, alle paar Minuten zu fragen, ob es denn auch Tee an Bord der diversen Raumschiffe gibt, mit denen er durchs All reist.

Der neue Arthur sollte da wohl eher den durchschnittlichen Weltbürger verkörpern, mit einem Hauch Brite. Denn auch er fragt an zumindest einer Stelle nach Tee. Ansonsten ähnelt er dem alten Arthur nur noch in dem Punkt, dass er einen Bademantel und ein Handtuch trägt. Dem TV-Arthur fehlt dafür oftmals einfach auch die Peilung, was diverse Charaktere dazu veranlasst, an den Hirnaktivitäten besagten Arthurs zu zweifeln. Die alte Serie hat einfach mehr Biß und ist fieser zu einfach allem. Die Macher trauten sich noch unnette Dinge über andere zu sagen, ohne sich später dafür entschuldigen zu müssen. Die Erde blieb zerstört und wurde nicht durch den Nachbau, der übrigens auch in der Serie gezeigt wurde, ersetzt. Die Arbeiten an Erde 2 wurden eingestellt, nachdem man (maus) Arthurs Gehirn hatte… zumindest vorübergehend.

Kommen wir zum nächsten Charakter, Ford Prefect. Auch er verkörpert den typisch schrulligen Engländer mit null Geschmack, was Kleidung und Konversation anbelangt (wer steckt sich schon gerne freiwillig einen Fisch ins Ohr, um die Kommunikation zu verbessern? Richtig, höchstens die EU-Saboteure). Der Mann trägt ein Testbild als Anzug, soviel nur mal dazu. Ansonsten ist er herrlich locker und lässig und eigentlich durch nichts aus der Fassung zu bringen. Das wiederum liegt aber nicht daran, dass er nicht minder auf seine eigenen Vorteile bedacht wäre, als all die anderen Crewmitglieder. Ford besitzt einfach eine hundertprozentige Scheiß-egal-Haltung gegenüber allem, was um ihn herum geschieht. Er ist in der Serie so ein richtig fetziger Typ, der sicher auch seine Chancen bei den Frauen hat, wenn sie es schaffen, seine Klamotten zu ignorieren, die allerdings in der Tat sehr laut sind.

Die nach innen gerichtete Aufmerksamkeit betrifft jeden Charakter der Serie, ganz besonders aber Zaphod Beeblebrox, der hier sogar mit zwei NEBENEINANDER liegenden Köpfen gesegnet ist. Diese darf er auch tatsächlich bis zum Ende der Serie behalten, egal, wie scheiße das aussieht. Er hat auch einen deutlich sichtbaren dritten Arm, der nicht nur für einen kurzen Gag eingesetzt wird, wie im Film, sondern für mindestens zwei kurze Gags. Außerdem ist der TV-Zaphod ein nimmersatter Hengst, denn wer genau hinsieht, kann eine zweite Abzeichnung in seinem Schritt ausmachen. Ja, das offenbart ungeahnte Möglichkeiten beim ansonsten so tristen Beischlaf.

Zudem wird auch erklärt, was es mit den Sonnenbrillen (aka PAL-Brillen; PAL = Problem anderer Leute) zu tun hat. Dies wurde im Film nicht erwähnt, so dass ein unbedarfter Zuschauer die Dinger einfach nur für doofe Modetrends halten musste. Dass damit Gefahr automatisch ausgeblendet wird, so dass man weiterhin lässig und cool bleibt, obwohl ein Klavier auf einen niederstürzt, konnte somit niemandem bewußt werden, der die Funktionsweise dieser nützlichen Ausrüstungsgegenstände nicht kannte.

Kommen wir nun zur einzig (und wirklich einzig) weiblichen Person in der Serie. Trillian schert sich darin einen Dreck um Arthur (und umgekehrt). Früh schon erkennen die beiden, dass sie nicht füreinander geschaffen sind und das gut ist. Sie ist auch nicht so niedlich (Geschmackssache), wie die Film-Trillian und hat eine schrillere Art zu sprechen, die nach spätestens 3 Monaten Beziehung in einer Raserei mit blutiger Todesfolge enden dürfte (wobei mindestens eine Axt und ein Megafon mit gespeichertem Ausruf „HALT DIE KLAPPE!“ involviert wäre).

Der eigentliche Held des Films hat auch in der Serie seine großen Momente. Richtig, die Rede ist von Marvin. Und wer meint, dass ihm dieser Blechkamerad schon einmal begegnet ist, der hat womöglich sowohl die Serie, als auch den Film gesehen. Denn Alt-Marvin hat einen Auftritt im neuen Film. Beim vogonischen Begnadigungsamt steht der Gute nämlich in der Reihe der Wartenden und wird subtil ca. 42 Mal mit der Kamera eingefangen, damit auch ja jeder Fan erkennt, dass das der echte Marvin ist. Spätestens nach dem dritten Mal will man ihn dann aber auch endlich wieder aus dem Bild haben, weil er die wichtigen Ereignisse im Hintergrund verdeckt. Marvin hat sich, bis auf sein Äußeres am wenigsten verändert. Er ist nur körperlich gewachsen und weniger trendy vom Design her, als im neuen Film, hat dafür aber ein wundervoll blecherne Stimme, die vor Selbstmitleid und Vorwürfen nur so trieft. Nebenbei bemerkt finde ich es auch überaus angenehm, dass man den Text überwiegend belassen hat, wie er ursprünglich war. Sätze, wie: “Das wird Dich jetzt gleich sicherlich erschrecken. Ich selbst habe dabei immer einen Riesenbammel.“ Sind einfach zu schön, um sie durch neumodischeres Slanggequake zu ersetzen.

Wo wir schon bei einem seiner Sätze sind, haben wir da noch Slartibatfas, der in der Serie als seniler alter Kauz dargestellt wird und frappierende Ähnlichkeit mit Gott hat… jedenfalls so, wie sich unsereiner Gott immer vorgestellt hat. Weißer Bart, weiße, fließende Gewänder und alt. Das ist aber auch schon alles. Okay, auch der TV-Slartibatfas hat einen Preis für Norwegen gewonnen, aber auch er, wie alle anderen Charaktere der Serie zeichnet sich durch eine gewisse Eigensinnigkeit aus und wird von dem Schicksal anderer nur peripher tangiert.

Einen leichten Unterschied kann man auch an den Türen der Herz aus Gold beobachten. Während diese sich im Film lediglich damit begnügen hingebungsvoll zu seufzen, wenn sie sich öffnen, hauchen sie in der Serie schon mal gerne ein ätherisches „Danke“ oder ein lüsternes „Es macht mir ein Vergnügen, mich für sie Sie zu öffnen“.
Auch der Bordcomputer hat definitiv mehr zu sagen und nervt die Besatzung mit seiner überschäumenden guten Laune. Dass er dabei begleitet von Relaisklicken meterweise Druckerpapier auswirft, wollen wir aus heutiger Sicht mal als Anachronismus hinnehmen. Das Papier gehört einfach mit zu seinem Wesen und unterstreicht seine hyperaktiv positive Ader noch.

Kommen wir zum letzten Charakter, der sowohl im Film, als auch der Serie seinen mehr als wichtigen Part spielt, dem Anhalter. Die Stimme des alten Anhalters hat immer etwas äußerst Ironisches. Sie klingt wie jemand, der sich das Geschehen von außen ansieht und sich königlich über die irrwitzigen Situationen amüsiert. Zudem hat der alte Anhalter bedeutend mehr Auftritte und kann in den kurzen Zwischensequenzen eine solch ungeheuerliche Fülle an Informationen übermitteln, dass man diese selbst nach über 20 Jahren noch immer nicht alle aufgenommen hat.

Und wenn ich schon erwähne, dass Marvin schon ein Cameo im Film hatte, dann soll auch nicht verschwiegen werden, dass die Original Titelmusik des TV-Anhalters ebenfalls zu hören ist, als dieser sich monolithartig dem Zuschauer offenbart, was mir im Kinosaal ein aus Nostalgie geborenes Lächeln entlockte.

Bleibt abschließend die Frage, ob die Serie aus heutiger Sicht nicht einfach nur billiger Ramsch ist und ihre Haltbarkeitsdauer deutlich überschritten hat. Nein, und das sage ich mit Dem…Vehemenz. Die Serie sieht heute immer noch besser aus und hat mehr Flair und Stil, als so manche Hochglanzproduktion aus den US of A. Sie ist voll von Ironie, schwarzem Humor und wundervoll britisch. Die Vorgonen sind schleimiger, die Katastrophen fataler, Männer noch echte Männer, Frauen noch echte Frauen und kleine grüne Männchen vom Alpha Centauri noch kleine grüne Männchen vom Alpha Centauri. Sagen wir es doch geradeheraus, wie es ist. Der Film ist wunderbar geeignet für all jene, die den Anhalter noch nicht kennen: Ein schönes Einstiegsvehikel.

Wer aber mehr von den Gags haben will, wer einfach fieser drauf ist und schrulligere und verrücktere Szenen sehen will und zu faul zum Lesen ist, der sollte sich doch noch mal diese sechs Teile anschauen. Es sind nur drei Stunden, aber in dieser kurzen Zeitspanne kann sich ein Leben doch drastisch verändern… zumindest die Sichtweise auf eben dieses.

Ein Artikel von Lars Moritz Aan


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von Lars Moritz Aan am 28.06.05 in All-Gemeines

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Kommentare (7)

  1. Darkk sagt:

    Mhm…ich weiß nicht ^^
    Wenn ich zuerst den Film gesehen hätte…glaube nicht dass ich mich dann für die Bücher interessiert hätte ;-)

  2. Kaworu sagt:

    Und demnächst noch bitte einen Artikel über die Bücher, die Hörspielserie (deutsch & englisch), die Comics und das Computerspiel!

  3. nakedtruth sagt:

    Ein Ehemaliger der STUS-Crew schreibt über eine alte TV-Serie, die gerade neu verfilmt wurde.
    Ist das jetzt doppelte Nostalgie?
    Und wann kommt dann LMAA – DER FILM?

    Thema Film :

    WoW läuft ja nun, wie wäre es statt einer normalen Rezi mit einem Bericht über den Kampf Presse/Zuschauer vs. Verleih? Aber eigentlich ist das ja schon Satire gewesen.

  4. Gast sagt:

    Klapowski, wann kommt "Krieg der Welten – STUS vs. B&B"? (Vorführung in jedem führen Star Trek – Satireinternetmagazin in ihrer Nähe)

  5. Gast sagt:

    Bitte Film unbedingt auf Englisch schauen!! Syncro bringts nicht

  6. Gast sagt:

    Gehört zwar net hierher wird wohl aber alle freuen:
    http://voyager-center.de/artikel/news/
    news_1120200107.stvc

    Oder ich sag mal, ZAHLT NICHT und Voyager Center ist am ENDE!

    MFG

    Corny

  7. Mani sagt:

    Quatsch, alle müssen zahlen für das Center :)
    Ich will auch in Zukunft noch über diese Seite lachen!

    http://www.savevoyagercenter.de
    und http://www.voyagercenterunited.com

    Bald kommen Rettungstrailer 1 und 2!

    Die Besucher sind übrigens schuld, dass die Seite zu Grunde geht, weil sie nicht zahlungsfreudig sind… alles klar :D
    Die Serverkosten von 90 Euro kann sich ein solches Portal halt nicht leisten… weil ein Star Trek Fan erwartet ja auch featues !! :)

    Beliebt gemacht bei mir hat sich die Seite durch Kommentare wie:

    "Damit ist "Raumschiff Voyager" ein waschechter und gesunder "Star Trek"-Sprössling – ganz im Gegensatz zu "Deep Space Nine"oder gar "Enterprise" – den "Star Trek"-Missgeburten."

    :D

    So long
    mani

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