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Doctor Who – 6.05 – „The Rebel Flesh“ Review

„Doktor, kommen sie schnell her, der Doctor atmet nicht!“ – „Verdammt, er hat einen Schock!“ – „Qualitätswerte sinken dramatisch, bereits unter Durchschnitt!“ – „Künstliches Drehbuch anschließen!“ – „Ist angeschlossen!“ – „Werte weiterhin kritisch.“ – „Initiiere Wiederbelebungsmaßnahme in Form von wenig überraschender Schlusspointe!“ – „Das EKG gähnt weiterhin! Patient ist bedenklich langweilig, aber nun ausreichend stabil!“ – „Okay, Leute, wir haben unser bestes getan. Nun müssen wir sehen, wie sich sein Zustand in der nächsten Woche entwickelt.“


Inhalt: Rory, Amy und der Doctor stranden auf einer Welt, auf der komische Arbeiter seltsame Klon- und Säureexperimente veranstalten. Doch die Kopien dieser Leute haben andere Pläne.

Meinung:

Aha. Diesmal geht es also um eine paar Arbeiter, die „Arbeitssicherheit“ nur für ein Wort halten, das sich auf das Vorhandensein einer krisenfesten Anstellung bezieht. Nur so ist es erklärbar, warum diese Idioten sich gegenseitig in ein Säurebad schubsen („Ehrlich, er musste sich auf den Beckenrand stellen, alle wichtigen Schalttafeln sind direkt über und in der Flüssigkeit angebracht!“), und generell Probleme zu haben scheinen, dem riesengroßen Bottich im Keller auszuweichen. Der anscheinend auch immer schön „atmen“ muss und nicht mal ein Fliegengitter spendiert bekam. – Von DIESEN Leuten wird also immer gesprochen, wenn man erwartet, dass Sportflugzeuge versehentlich in Atomkraftwerke krachen.

Und auch, wenn um die Personen-replizierende Flüssigkeit ein großes Trara gemacht wird, finde ich diese Idee für Who-Verhältnisse gar nicht mal sehr abgedreht. In „The Doctor’s Daughter“ (2008) wurden Menschen ebenfalls am Fotoautomaten in der Zimmerecke kopiert, nur dass 2011 halt mehr verpuffte Altausgaben durch den Lüftungsschacht abgesogen werden müssen. Und Doctor’s Daughter sah wenigstens noch HEIß aus!

Dass die Kopien später irgendwelche Probleme haben, konnte man ebenfalls vermuten, da diese immerhin aus genverändertem Sojabohnenbrei bestehen. Da war es nur eine Frage der Zeit, bis einem der Griesbrei aus dem Gesicht suppt, als hätte man einen Säugling bei ersten Essversuchen vor sich.

„Oh, schön, Eselsmilch! Lasst mich raten: Kleopatra muss vor dem Ertrinken gerettet werden? Nicht? Idee ausnahmsweise zuuuu irre für diese Serie?“ – So hohl, das schwimmt sogar in Milch: Das Drehbuch dieser Folge. Der Doctor fingert mal wieder ungefragt an gefährlichen Substanzen herum, nachdem ihm der Sonic Screwdriver keine giftigen Stoffe gemeldet hat. Kein Wunder, das Ding hat ja weder Display noch Sprachausgabe…

Alles in allem krankt die Geschichte daran, dass die lebensmüden Assi-Arbeiter („Oh, wieder ein Betriebsunfall. Also besser doch keinen Trinkwasserspender an die Säure-Pipeline anschließen, wa?“) so dämlich erscheinen, dass man ihnen eigenhändig (einhändig?) ein gemütliches Salzsäure-Schaumbad einlassen möchte. Sympathisch sind die Figuren ebenfalls nicht, und das schließt ausdrücklich die Zeit mit ein, in der sie noch nicht versuchen, sich in der Hierarchie „hochzuschleimem“. Und dass die Kopien die Erinnerungen der Originale besitzen, war ein etwas dünner Moralaufhänger. Zumal diese Leute schon Monate(?) und die Zuschauer sogar Jahrzehnte (durch andere SF) mit diesem Thema vertraut waren.

Somit fand ich die „Was ist ein Ich und warum bin ich’s nicht (oder doch)?“-Fragerei bei gleichzeitigem Kneten alter Passfotos sehr langweilig und plakativ. Dazu kamen Elemente, die man in dieser Form nicht mehr wollte: Rory, der sich auf der Flucht vor Marshmellow-Fresse hinter Fässern versteckt (die Fässer sind in diesem Trümmerladen vermutlich gefährlicher) und Amy, die nur hilflos neben sich steht, obwohl sie gar nicht verdoppelt wurde. Nicht zu vergessen den Doctor, der allen Anwesenden erklären darf, dass Kopien mit Gefühlen auch Gefühle haben und Lebewesen sind.

Ein kluger Junge, wenn man bedenkt, dass er vorher ohne Not auf der Substanz rumgepatscht hat („Baba? Bubuuu?!“). Aber ein cleverer Mann wie er weiß natürlich einfach, dass die Handfläche in der nächsten Einstellung wieder trocken sein wird. Die Gesetze der Physik sind da eindeutig.

„Bitte! Ich bin doch auch nur ein Mensch, so wie ihr! Oh, Frankensteins Monster, Dracula, lieber Werwolf, wendet euch bitte nicht von mir ab!“ – Einer dieser „Glory Hole“-Pornofilme mal etwas anders: Die Mutter von Gwen (ja, die Tante aus „Torchwood“) kämpft noch immer mit der steckengebliebenen Viagra-Tablette in ihrem Hals. Aber da kann der Doctor sicherlich auch ein spaciges Glas Wasser als Lösung anbieten, oder?

Doch zurück zur „Auch Kopien sind Lebewesen“-Problematik.

Eine Sache, die die Arbeiter anfangs noch genau so sahen. Immerhin kopierten sie sich nur(!) zu Demozwecken und ließen die ältere Ausgabe einfach pennen, um den Neuling kommentarlos im Kreise der Matschbirnen aufzunehmen. Erst, als dermatologische Unregelmäßigkeiten auftraten, zeigten sie sich angewidert, was mir als hautunreinen Science-Fiction-Fan sehr, sehr weh tat. – Tiefstes Unikat-Klischee waren dann auch die Berichte der Schlamp… Schlammigen, die sich plakativ an leckeren Tee und ihre Kinder erinnerten. Wie herzzerfließend! – Ich möchte mich dem Rückblickzauber anschließen und mich meinerseits an BESSERE und durchdachtere Who-Episoden erinnern, obwohl ich nur in einer handelsüblichen Plazenta hergestellt wurde…

Am Ende darf dann auch der Doctor vervielfacht werden, was weniger überraschend war als die Tatsache, dass selbst das Drehbuch verdoppelt wurde: Ja, dieser Käse ist ein Zweiteiler! Und schon der düstere Auftritt vom Zweit-Doctor (in Zusammenspiel mit der Vorschau von nächster Woche) lässt vermuten, dass die Doppelgänger mental doch nicht so identisch zum Original sind. Motto: „Buuuh, ich bin mies drauf, denn ich bin (k)ein Mensch!“ – Der Autor dieses ethischen Ekelpakets wusste wohl beim Schreiben auch nicht wirklich, was er (und ICH!) eigentlich wollte.

Optisch war diese Folge eher was für Höhlenforscher, spielte das Teil doch offensichtlich in einer alten Burg, in der das Filmteam ein paar Fässer und Requisiten angenagelt hat. Nette Idee, aber nach dem megaaufwendigen Staffelauftakt wäre das doch sehr ernüchternd, wenn ich die Episode nicht mit einer halben Flasche Erdbeerwein hätte runterspülen müssen.

„Okay… Mein Name ist Günther, und ich bin Alkoholiker.“ – „Hallooo, Güntheeer!“ – „Und ich heiße ‚Der Doctor‘ und fühle mich immer so schwach und leer, wenn ich nicht alle zwei Folgen mein Steven-Moffat-Drehbuch bekomme.“ – Der Kreis ist heiß: Dieses Bild fasst die Folge exzellent zusammen. Aber in der Fortsetzung wird es bestimmt noch dramatischer. Denkbar wäre eine kreisende Laufbewegung und das gleichzeitige Schmettern von „Hier fliegen gleich die Löcher aus dem Käse!“

Und hier wieder das Storyarc-Update: Es gab einen dritten Auftritt von „Guckloch-Gertrud“. Congratulations und Willkommen in der Who-Familie! Und Amy ist immer noch nur zu 50% schwanger. Gut, dass Rory ihn nur zur Hälfte reingesteckt hat, isn’t it?


Fazit: Enttäuschend öde Schwabbelbacken-Hatz, bei der nicht nur die Zweitausgaben ziemlich langgezogen daherkommen, sondern auch die Guckzeit. Die bekloppte Ethik-Diskussion wirkt aufgesetzt und widersprüchlich, der allgemeine Style grau, farblos und relativ humorbefreit. Diese dünne Story auf zwei Folgen zu strecken und dafür den Staffelauftakt mit Storylines zuzuscheißen, erscheint mir moralisch das diskussionswürdigere Thema dieser Episode zu sein…

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM
SPARKS MICKRIGER MEINUNGSKASTEN
Doppelgäng(bäng) der Emotionen
Neulich erwähnte ich ja mein Erfolgsrezept für eine mindestens durchschnittliche Who-Folge: Ein origineller Handlungsort (Weltraum-Wal, Dimensons-Müllkippe; hier: Kloster-Fabrik), merkwürdige Gegner (Wegguck-Engel, Hinguck-Alzheimeraliens; hier: Modelliermasse mit Hirn) und ein grobes Reinhämmern des mysteriösen roten Fadens (hier: Amy macht Tür auf, Türschlitztante macht Schlitz zu, Amy guckt doof und macht Tür wieder zu. Schon komplex, das Ganze!).

All dies war auch hier wieder vorhanden. Und gerade deswegen wieder recht unterhaltsam, machte man sich gar nicht die ohnehin zwecklose Arbeit einer großartigen Erklärung. Das intelligente Knetgummi wurde halt irgendwann mal erfunden und fertig. Und ist anscheinend auch günstig herzustellen, wie die Einleitung mit dem Arbeitsunfall schwarzhumorig und ohne viele Worte aufklärt. Anscheinend ist Weniger manchmal tatsächlich Mehr!

Gut, ob auf der Erde des 22. Jahrhunderts diese komischen Sonneneruptionen einfach nur gängig sind hätte man gerne mal nebenbei erklären können. Und warum extrastarke Säure der Exportschlager dieser kleinen Industrieabtei ist muß ich wohl überhört haben? („Wegen Michael Bay stößt es sovielen Kinobesuchern übel auf, da kommen deren Mägen alleine gar nicht mit!“)

Neben der ungewöhnlichen, aber durchaus netten, (Spar?-)Kulisse haben mir aber auch die Simpelmasken der Schleimkopien ganz gut gefallen. Nur wenige Änderungen und es hätte sich auch um eine neue Deep Space Nine-Folge um einen blassen Odo und seine Kumpels handeln können. Die Effekte waren okay, wirkten auf mich oft aber etwas arg „photoshoppig“ und eher wie eine Collage.

Fazit: Eine inhaltlich durchaus gesunde Folge mit dem Blubb frischer DNA. Nicht wirklich eine deftige Mahlzeit mit hohem Nachdenk-Faktor, aber vielleicht sorgt ja Teil 2 für einen ordentlichen Nachschlag. Die letzten Sekunden deuteten es ja an.

Note: 6 von 10 Punkten


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Artikel

von Klapowski am 22.05.11 in TV-Review

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Kommentare (4)

  1. FF sagt:

    War auch sehr gelangweilt und habe es nur nebenbei laufen lassen. Die einzige Hoffnung besteht darin, dass es mit dem Doppelgänger-Doc noch interessant werden könnte. Auch denke ich, dass hier auch einige auf eine falsche Spür geführt werden sollen, was den Tod des Doc in der Zukunft angeht. Hoffe da allerdings auf eine intellegentere und logische Auflösung.

  2. DJ Doena sagt:

    Yeah, ich war auch unterwältigt. Insbesondere, weil sie mal wieder die alte Idee „Sie sind unsere Feinde, weil wir sie eigentlich ohne wirklichen Grund nicht mögen“ verwurschtelt haben. Ernsthaft, der ganze Konflikt wurde weswegen genau von der Frau (Miranda?) gestartet?

  3. Thomas sagt:

    Mit solchen Folgen verabschiedet sich „Doctor Who“ vom Mainstream, denn Herumgerenne in dunklen Korridoren begeistert nicht mal mehr Hard-Core-Fans. Die gucken dann lieber gleich Classic-Who. Amy und Rory wirken in letzter Zeit ein wenig schlafwandlerisch, wahrscheinlich sind sie vom vielen Rennen aber auch einfach nur erschöpft. Vielleicht hätte diese Folge doch eine Donna Noble gebraucht, die den Zuschauer mit einem kraftvollen „Doctoooooor!“ aus dem Dämmerschlaf gerissen hätte.

  4. bergh sagt:

    tach auch !

    Jau Donna fehlt mir auch und Rose und wie hieß nochmal Doktor Jones mit Vornamen.
    Die war suess.

    Amy und Rory sind ….irgendwie lame of the lamest.
    (Was aber imho an den Drehbüchern liegt.)

    Gruss BergH

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