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Das große (ziemlich dicke) ABC der Science-Fiction-Fans (Teil I)

Vor einiger Zeit fand die FedCon in Deutschland statt und eigentlich sollten wir dazu den Bericht eines Teilnehmers erhalten. Doch nachdem ich freundlich anmerkte, dass ein bloßes Lob für den Charme des Voyager-Chefbeleuchters nicht gaaanz zu unserem Artikelstil passen würde, hörte ich nichts mehr von dem potenziellen Gastautor. Aber warum forderte ich Depp denn auch derartig Unforderbares? Wer würde auch 500 Billiarden Euro für einen Stehplatz ausgeben und dann über den Sinn derartiger Veranstaltungen ablästern? – Als kleine Entschädigung gibt es aber nun von MIR ein Kleines SF-Fan-ABC…


Anspruchsvoll:

Ausnahmslos jeder Film und jede Serie, die man selber toll findet. So darf sich selbst der von Schimmelsporen verdunkelte Soapabfall namens „Stargate Universe“ anspruchsvoll schimpfen lassen, nur weil die Dialoge mit der Geschwindigkeit einer Miniatur-Bimmelbahn voranschreiten. Auch alte Serien sind und BLEIBEN stets anspruchsvoll, sobald 50% der damaligen Hillbillys nicht gerafft haben, dass es bei der TOS-Folge „Bele jagt Lokai“ irgendwie um Rassenhass geht. Anspruch und Tiefgründigkeit geht angeblich auch über Jahrzehnte nicht verloren, wodurch auch (heutzutage) peinliche und plakative Erziehungs-Science-Fiction als grandiose Kunst zu werten ist, da ein Steinzeitmensch sie nicht verstehen würde.


Convention:

Widerliche Anbiederungsveranstaltung, auf welcher der Beleuchter der 4. „Farscape“-Folge seinen großen Augenblick hat, von dem er auch noch seinen Enkeln berichten könnte. – Sähe er nicht selber aus wie ein SF-Fan, wodurch der Enkelwunsch nur durch Kindesentführung zu verwirklichen ist. Manchmal erscheinen auch (innerhalb der Serie) erfolgreiche Schauspieler, die ihre Stimmbänder für ein paar Euro prostituieren und allen sagen, wie geil die Stimmung auf dem Set war, wenn eine Szene arbeitsvertragsmäßig auf den Film gebannt wurde. Gerne werden jene Schauspieler nachträglich für ihre charmante oder witzige Art gelobt, was selbstverständlich sein sollte, wenn man man sich von einem abgehalfterten Plastikmasken-Kleiderständer besuchen lässt.

Der Ausrichter einer Convention wird meist wegen Großmäuligkeit und/oder dafür kritisiert, wenn er für das Ausrichten einer potenziell gesundheitsschädlichen Veranstaltung einen Gewinn erzielen sollte. Gewinn wird jedoch von irgendwem immer erzielt, da man im Zweifel Tausende von Euro/Dollar in den Sand gesetzt hat, weil man die vergoldeten Käsehäppchen ein paar Monate zu früh bestellt hat.

Im Gedächtnis bleiben Convention vor allem durch die professionell durchgeführten Fremdschäm-Experimente, bei denen verkleidete Besucher sich als Tribble oder als das blaue Alien verkleiden, welches in keiner Serie fehlen darf.

Auch für die Schauspieler können Conventions gefährlich sein: Jennifer Liens Drüsensystem interagierte äußerst unvorteilhaft mit der Luft derartiger Veranstaltungen und reagierte ihrerseits mit einer… Verunstaltung. Die Arme ist inzwischen sogar sooo dick, dass sie mit den Worten begrüßt wird: „Bitte schütteln sie dem Stargate-Toningenieur NICHT die Hand. Sie machen ihm Angst!“


Fanfiction:

Meist von Fans in Roman- oder Kurzgeschichtenform veröffentlichte Weitererzählung des Originals. Wer Fanfiction schreibt, hat ausnahmslos keine Freunde, denn keine SF-Serie der Gegenwart oder Vergangenheit wäre es wert, sie für 3 potenzielle Leser (die sich auf der Suche nach Gyrosrezepten verklickt haben) noch weiter auszulutschen, als sie es eh schon ist. Wer Fanfiction liest, ist selber Fanfiction-Autor und ist im Besitze eines „Eisernen Magens“, was die Toleranz von Satzbaufehlern, Rechtschreibfehlern, Inhaltsfehlern und Fehlern – so ganz allgemein und rundherum – angeht. Die letzte erfolgreiche Fanfiction wurde 1830 gesichtet und wurde als das „Mormonentum“ bekannt.


Fanfilme:

Vor Jahren noch kultig-trashige Spaßgaranten, haben sie sich in den letzten Jahren zum Ziel gemacht, mindestens die Tiefgarage zum Cannès-Filmfestival zu rocken. Seitdem wird nicht nur für „Phase 2“ jahrelang an Kulissen gebastelt, das Drehbuch aber vom Schäferhund des „Produzenten“ verfasst. Das Ergebnis sind Gähnstorys, die schon zu Zeiten der Originalserie als verzweifelte Füllepisode verworfen worden waren.

Seit „Gods and Men“ dürfen auch abgehalfterte Ex-Schauspieler in eigens zusammengetackerten Crossover-Universen herumwirken, was Garagenfilmern und Zahnspangenträgern das Leben schwer macht. Bemerkenswert ist, dass es bis heute keinen Fanfilm aus Deutschland gibt, dessen Sounddesign und Dialogklarheit nicht aus einer Gießkanne stammt.

Der deutsche Fanfilm „Star Wars – The Chase“ ist jetzt schon der Dritte seiner Reihe und trotz vorzeigbarem Aufwand so unsehbar wie all die anderen Versuche, nicht wie ein übereilter auszusehen. Mit diesem Mitteln hätte man auch drei wunderbar-trashige Parodien machen können. Stattdessen wollten die Macher aber eine ernstere Stimmung, als hätte jemand vor dem Brandenburger Tor einen Judenwitz erzählt.


Internetforum:

Ein Ort, an dem über die neuesten Folgen diskutiert werden kann. Deren Bewertung schwankt meist zwischen „Ein Meilenstein!“ und „Ebenfalls ein Meilenstein, aber etwas weniger steinig als das Meisterwerk von letzter Woche!“. – Da SF-Fans keinesfalls aufgeschlossen und zukunftsliebend sind, kehren sie bei Vergleichen stets zu den eineinhalb Serien zurück, die zum Zeitpunkt ihres ersten Samenergusses knorke fanden. 89,2% der „Rezensionen“ bestehen aus 3 Sätzen und enthalten zwei spezifische Details, die für die Bewertung einer Serie/Episode keine Rolle spielen sollten, z.B. das Design des angedockten Schiffes oder die Körbchengröße der U30-Alienqueen. Trotzdem wird über diese Kleinigkeiten stets gestritten, wobei jede Diskussion irgendwann in einer „Babylon 5“-Nennung oder der subatomaren Analyse des gegnerischen Satzbaus gipfelt.

(Teil 2 folgt…)


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von Klapowski am 21.05.11 in All-Gemeines

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Kommentare (9)

  1. DJ Doena sagt:

    Apropos Internetforen und Fanbewertungen. Ihr glaubt gar nicht, wie unglaublich realistisch wir Deutschen Serien bewerten. Wenn man amerikanische Foren liest, dann können sich Bewertungen schon mal so lesen:

    „Schlechteste Folge der Serie. Ich geb ihr ne 7 von 10.“, „Das waren aber viele Logiklöcher drin. Und die Dialoge und Darstellung war auch nicht sehr gut. Aber am Ende haben sie sich geküsst. 10 von 10.“

  2. icebär sagt:

    > Bemerkenswert ist, dass es bis heute keinen Fanfilm aus Deutschland gibt, dessen Sounddesign und Dialogklarheit nicht aus einer Gießkanne stammt.

    Wie immer gibt es auch die berühmte Ausnahme der Regel:

    http://www.hethfilms.de/?show=filme&filmID=12

    Von dieser Parodie könnte sich so mancher eine Scheibe abschneiden…

  3. Exverlobter sagt:

    Kes sieht mittlerweile echt übel aus. Zumindest ist 7of9 auch heute noch hot.

  4. Z3R0B4NG sagt:

    „Anspruchsvoll“… steht auch in direkter Verbindung mit „endlich mal ECHTE Menschen, mit ECHTEN Problemen“ vorallem bei diesen ätzenden Stereotypen Chars die total überkanditelt rüberkommen wie in SGU und BSG.

  5. das obst sagt:

    hui, mal wieder witze über dicke leute… das niveau bei zukotzia steigt und steigt und steigt… in höhen, in die sich noch kein postpubertärer pickelzüchter zuvor gewagt hat (außer im bierzelt, am stammtisch, auf dem schulklo u.ä. zielgruppentauglichen lokalitäten).

    • Giskard sagt:

      *Mimimi*

      Fühlt sich da jemand persönlich angegriffen??

      Ich finds lustig!

  6. biermaaan sagt:

    Hahahah, die sind fett! Danke klapo, lohnt sich doch nochn hier mal reinzuschauen.

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