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Doctor Who, Staffel 1, Teil 1: Ein Kult erwacht neu!

Seit einigen Wochen kursiert diese brandneue SF-Serie aus dem Hause BBC in den Flüsterstimmen der Geber von Geheimtipps. Vor kurzem wurde ich von einem Leser auf diese schrille Serie aufmerksam gemacht und habe es bisher nicht bereut! – Wenn man von den Kopfschmerzen und Übelkeit absieht, die der knallbunte Vorspann unweigerlich hervorruft…

Doctor Who gehört ohne Übertreibung zu den Urgesteinen der britischen SF-Serien. Bereits Mitte der 60er reiste der „Doktor“ durch Raum und Zeit, wobei er sich – Hartz IV lässt grüßen – nur einer blauen Telefonzelle bediente, die er auch „Tardis“ nannte. Jede Woche erwartete den Doktor (der sich selber auch „Timelord“ nennt) eine schrille neue Folge, in der irgendein Planet, ein Paralleluniversum oder die Erde in Gefahr schwebte. Ob in der Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft, das blieb stets der spontanen Laune und Reiselust des Veranstalters überlassen… Also die totale Handlungsfreiheit für Autoren, die sich schon immer mit dem Hammer die Zähne geputzt haben!

Nachdem etliche Hauptdarsteller (je nach Infos im Netz zwischen 8 und 11) verschlissen worden waren, erreichte die Serie ihr vorläufiges Ende am Anfang der 80er. Wahrscheinlich wäre sie aus unserer Sicht auch dort geblieben, wenn RTL(Plus) nicht vor ca. 15 Jahren einige Folgen gezeigt hätte. Zumindest erinnere ich mich deutlich daran, damals einige Episoden gesehen zu haben. Immer sonntags. Immer gegen Mittag. Aus irgendeinem Grund habe ich die wirren Storys damals nicht kapiert, was allerdings auch der gagadisierenden Wirkung des sonntäglichen Kirchenbesuchs zugeschrieben werden könnte.

Oder auch mit der schlichten Tatsache, dass die Ausstrahlungsreihenfolge mit der Benutzung folgenden Satzes zusammenhing: „Das Ziehungsgerät wurde vor der Sendung notariell überprüft.“

Doch damalige Verwirrung hin oder her: Wenn ich mir heute die Episodenbeschreibungen von damals durchlese, erscheint mir alles furchtbar logisch und durchdacht zu sein! Ein Beispiel an voyagersker Klarheit und Logik:

„Der Doctor glaubt, wieder auf der Erde zu sein. Tatsächlich ist er in einer Nachbildung gelandet, die von Androiden bevölkert wird, um hier die Eroberung der Erde zu proben.“

Diese Story ist natürlich nur ein skurriler Sonderfall. Normalerweise sieht der Alltag des Doctors um einiges langweiliger aus:

„Ein Virus infiziert den Doctor im Tardis, aber er kann Leela noch zu einem Asteroiden-Krankenhaus dirigieren. Dort begeben sich Miniaturausgaben des Doctors in sein Gehirn, um das Virus zu stoppen. Der Plan schlägt fehl, das Virus entkommt aus dem Gehirn, nimmt riesige Ausmaße an und will in das Makro-Universum eindringen. Der Doctor setzt seinen Roboterhund K-9 ein, um es zu stoppen.“

Alles klar? Zu Risiken und Nebenwirkungen wenden sie sich bitte an ihren imaginären Freund… Die 720 Episoden der ursprünglichen Serie ergeben insgesamt übrigens „nur“ 159 komplette Geschichten, da viele der 25-Minüter als Mehrteiler ausgelegt waren. 108 Folgen sind durch Lagerfehler bei der BBC einfach mal gerade vernichtet worden oder „verschütt“ gegangen. Sie werden seitdem auf der ganzen Welt gesucht. Phantombilder finden sie in jeder Polizeidienststelle…

„Bitte achten sie darauf, dass ihr Schal während der Zeitreise innerhalb des Vehikels bleibt!“ – „Mein“ RTL-Who ist mir vor allem wegen seiner ver-locken-den Haarpracht und des coolen, futuristischen SF-Outfits im Gedächtnis geblieben! Plötzlich wollte ich nicht mehr Astronaut, sondern Deutschlehrer werden!

Tja, jedenfalls ist der seltsamste Promovierte aller Zeiten (neben Frau Doktor Merkel) nun endlich wieder mit einem 2005er-Remake zurück. Ganz im Stil des angebrochenen 21. Jahrhunderts darf natürlich ein junges Blondchen nicht fehlen, das ihm gleich ab der ersten Folge begleitet. Trotz 900 Jahren Lebensalter im Reisepass ist der Doctor ein aufgedrehtes Kind, das von absonderlichen Vorkommnissen gar nicht genug bekommen kann. Ich bin mir sogar sicher: Führe er mit seiner blauen Telefonzelle über die Autobahn statt über den Zeitstrahl, würde er stets den ersten Auffahrunfall durch Abbremsen verursachen, weil er einfach nicht an dem Unfall in der anderen Fahrtrichtung vorbeifahren kann.

Darsteller Ecclestone grinst auch bei Problemen verdächtig auf dem Niveau Honigkuchenpferd und rattert zukünftige Gesellschaftsformen mit der Beiläufigkeit der Lottozahlen herunter. Allerdings ist das gar nicht mal so unlustig und sorgt zusammen mit den seltsamen Ausnahmestorys für viele „Aha“- und „Haha“-Erlebnisse. Die Storys sind allesamt schrill, bunt und besitzen von Anfang an einen liebenswert experimentellen Charme, den andere SF-Serien aufgrund ihrer Logik-Hörigkeit gerade mal bei Paralleluniversen und Traumsequenzen hinbekommen.

Doch Inhaltangaben und JPG-Bilder mit irreführenden Bildunterschriften sagen ja bekanntlich mehr als tausend Worte! Hier die Kurzrezensionen der ersten 10 Folgen von 13:

1.01 – Rose

Die Story: Life in plastic, it’s phantastic: In der Londoner Innenstadt erwachen plötzlich Schaufensterpuppen und Mülleimer zum Leben. Der Grund dafür ist eine Art Lebensenergie, die sich auf Plastik spezialisiert hat und geradewegs aus dem All kommt. In diesem Durcheinander begegnet ein junges Mädchen einem geheimnisvollen Mann, der sich selbst „Der Doktor“ nennt und nie ohne Telefonzelle und Sprengstoff unterwegs zu sein scheint…

“Okay, Okay!! Ich wusste ja nicht, dass du ein berühmtes Handschuh-Model bist!” – Wie hier zu sehen ist, ist der Doctor leider völlig (Aufgepasst!) „verarmt“. Aber das kommt halt davon, wenn man Mitglieder von der (Achtung!)
„Ha(i)lsarmee“ reinlässt… Hohoho!

Klapowski meint: Er kloppt, Sie kloppt, Be kloppt… Diese Episode zeigt gleich zu Beginn, wo die Gummizelle die Noppen hat! Obwohl (oder gerade weil) der Plot megatrashig ist, macht die wandelnde Schaufensterdekoration Lust auf mehr. Und spätestens, als London gegen Ende von der Plastikarmee fast verwüstet wird, fühlt man sich in eine filmische Mischung aus Killertomaten und Zombiestreifen versetzt. Ein Serieneinstand, wie er schräger kaum sein könnte! So einen Käse als Pilotfilm zu servieren, ist schon kein normaler Mut mehr, sondern grenzt an SciFi-Patriotismus! Bravo! Kollege G.G. Hoffmann würde hier sagen: „Mission Accomplished!“

1.02 – The End Of The World

Die Story: Die Erde. Wie schreiben das Ende der Menschheit. In wenigen Minuten wird die explodierte Sonne den verlassenen Planeten zerstören. Die ideale Gelegenheit für einen Haufen schräger Aliens, diesem Moment auf einer eigentlich unzerstörbaren Raumstation beizuwohnen. Doch irgendwer sabotiert die Systeme, während die Wand aus Feuer näher rückt…

“Mein lieber Mädchen! Wenn denn DAS schon schlimm findest, dann erzähle ich dir mal von meiner hartnäckigen Schuppenflechte!“ – Haut doch mal ab: Diese aufgehängte Epidermis war früher mal eine normale Frau. Bis zu jenem schicksalsschweren Tag, an dem sie diesen Glückspfennig vor der Dampfwalze fand…

Klapowski meint: Dr. Who zeigt, was jenseits von Stargate und ENTERPRISE jede Woche technisch möglich ist: Hinreißende Sets, egal ob groß oder klein, ob digital oder aus schönstem Teakholz, sind ebenso zu sehen wie gelungene Weltraumszenen, tolle Kostüme, niedliche Puppen, CGI-Miniroboter und ein lebendes Stück Haut in einem Rahmen (fragt bitte nicht…). – Wenn fernab von Hollywood ein solches Budget möglich ist, verlange ich sofort Ottfried Fischer und Jochen Busse in einer Neuauflage von „Raumschiff Orion“! – Auch ist beeindruckend, welche maskentechnische Vielfalt für eine einzige Episode entwickelt wurde, obwohl wir diese Aliens wohl nie wiedersehen werden… Egal, wo die BBC ihr Geld her hat: Ich will ein Beitrittsformular!

Schönster Moment: Die letzten Minuten der Erde werden von einer altertümlichen Musikbox begleitet, auf der die Aliens verzückt den Klängen von Brittney Spears und Marylin Manson lauschen. Die Story ist im Übrigen Okay, wenn auch kein Überkracher. Aber wen interessiert das schon, solange alle Farbspektren artig abgearbeitet werden?

1.03 – The Unquiet Dead

Die Story: London, Ende des 19. Jahrhunderts: Geistwesen aus Gas besetzen die Körper frisch Verstorbener und wandeln sich dann `nen Wolf. Als Dr. Who mit ihnen Kontakt aufnimmt, bitten diese Wesen um die Überlassung der toten Körper. Der Doktor ist aus pragmatischen Gründen sogar geneigt, ihnen diese zuzugestehen, doch die romantischen Verfechter von sinnlosem Zerfall und schnarchiger Totenruhe sehen das anders. Aber… (Achtung! Rhetorische Frage aus dem Trailer-Klonlabor!)… kann man diesen fremden Lebensformen überhaupt vertrauen?!

“Roooaaahr! – Hmmm… Nun gut, wir kaufen das Gitter. Aber viel enger dürften die Zwischenräume für die Arme wirklich nicht sein!“ – Der Tod ist, was ihr draus macht: Diese Herrschaften haben einen schönen Weg gefunden, ihre reichhaltige Freizeit zu verbringen. Mit den Beinen geht diese Übung übrigens auch, nur siehst das nicht ganz so furcheinflößend aus.

Klapowski weint: Nun ja… Nicht jede Folge kann ein Treffer sein. Ich habe mich zumindest sehr gelangweilt. Okay, wandelnde Tote sind schön morbide und meist schon beim bloßen Aufstehen lustiger als die übliche Stand-up-Comedy. Doch irgendwie ist das Thema auch parodistisch nach „Shawn of the Dead“ und anderen Vertretern inzwischen ausgelutscht… Und Aliens, die fremde Körper besetzen, sind für uns Trekkies eh so alltäglich wie Mietverträge und Feindliche Übernahmen.

1.04 – Aliens Of London

Die Story: Ort: London. Zeit: Hier und Jetzt. Als ein außerirdisches Raumschiff erst Big Ben rammt und dann in der Themse versinkt, hält die Welt den Atem an. Der tote Astronaut scheint eine Art Schweinewesen zu sein, was nicht nur bei Metzgern für erfreutes Schenkelklopfen sorgt. Währenddessen benehmen sich die gewählten Volksvertreter äußerst merkwürdig… (Fortsetzung in der nächsten Folge)

“Das ist wirklich faszinierend! Was meinen sie, gibt es diesen schicken Hosenrock auch bei H&M?“ – Frauen eignen sich eben einfach nicht für Obduktionen… Dieses außerirdische Schwein ist eine Sensation! Zahlreiche Vegetarier begannen bereits kurz nach der Landung, es als ihren Gott anzubeten…

Klapowski meint: Schon irgendwie congenial, wie sich selbst vermeintliche Trash-Gags plötzlich als inhaltlich wichtiges Element herausstellen. So hat es schon einen ganz bestimmten Grund, warum der Außerirdische wie ein Schweinchen ausschaut. Und selbst die lautstarken Darmblähungen des dicklichen Premierministers ergeben gegen Ende durchaus einen tieferen Sinn. Etwas, was ich bei UNSEREM Dr. Kohl früher immer vermisst habe.

Dazu kommt: Der Absturz des Raumschiffes in den Big Ben ist vorbildlich destruktiv! – Und auch die Masken und CGI-Aliens sind auf einem (auch von der Screentime!) recht hohem Niveau. Das hätte der alte Sparfuchs ENTERPRISE am Ende wohl nur noch hinbekommen, wenn nach solch einer Folge so viele Bottleepisoden gefolgt wären, dass es für einen ganzen Altglascontainer gelangt hätte…

1.05 – World War Three

Die Story: Während sich Dr. Who vor den RICHTIGEN Außerirdischen verschanzen kann, gerät auch Roses Mutter in ihrer Wohnung in die Gefahr, von außerirdischen Klauen zerfetzt zu werden. Der nun offenkundige Plan der Aliens ist so diabolisch, dass Dr. Who eine Rakete auf seinen eigenen Standort abschießen lässt, um die Brut zu vertilgen…

“Bush hat eben über’s rote Telefon angerufen! Er lässt fragen, ob wir getaufte Christen sind!“ – Politik ist ein schm… putziges Geschäft: Willkommen beim Parteitag der Grünen. Da fragt man sich, warum diese Leute gegen Kernreaktoren sind. Welche anatomischen Nachteile durch Radioaktivität müssen sie denn jetzt eigentlich noch fürchten?!

Klapowski meint: Dr. Who beweist, dass er auch bei 90 Minuten nicht die Potenz verliert, unser Hirn mit genialem Unsinn zu penetrieren! Die Grünkern-Aliens sehen sowohl im digitalen als auch im analogen Kostüm ziemlich gut aus, die Spannung steigt ins Unvergessliche und die Erde befindet sich kurz vor ihrer Vernichtung. – Folgen wie diese machen alleine durch ihre liebenswerte Leichtfüßigkeit eine Menge Spaß!

1.06 – Dalek

Die Story: Ein Museum für außerirdische Artefakte im Jahre 2012: Der letzte Vertreter der „Daleks“, einer menschenhassenden Roboterarmee, kann aufgrund einer unbeabsichtigten Befreiung durch Rose den unterirdischen Komplex in Angst und Schrecken versetzen. Doch wenn man der Letzte seiner Art ist, scheint man selbst als mordgieriger Mülleimer an derartigen Aktionen Zweifel zu bekommen…

„Ich verrrlange nurrr eins von euch unwürrrdigen Menschen: Hustenbonbons!“ – Heiliges Photonenrohr: Mit diesem schwenkbaren und blau beleuchtetem Auge entgeht dem Dalek fast nichts. Aber wo ist nur dieser verdammte Doctor Who hin?!

Klapowski meint: Die Daleks sind im „Dr. Who“-Universum in etwa das, was die Borg für Trekkies sind: Die ultimative robotische Bedrohung für die Menschheit und der Alptraum eines jeden Sprachtrainers. Mit dem Unterschied, dass die Daleks schon in den 60ern durch die TV-Landschaft rollten und krächzten. – An dem herrlich schrottigen Design der überdimensionierten Hydranten änderte man glücklicherweise auch im Jahre 2005 nicht viel. Das finde ich gut, denn nur so können alle Dr.-Who-Anfänger (als deren kopf-, richtungs- und ahnungsloser Anführer ich mich gerne anbieten möchte) den modrigen Hauch längst archivierter TV-Geschichte schnüffeln.

Und wie der unscheinbare Blechhaufen eine halbe Kompanie auslöscht, muss man sowieso gesehen haben… Das Erstaunliche ist jedoch, dass auch die ernsten Aspekte, wie der Hass des Doktors und die Möglichkeit, dass selbst ein Dalek etwas Gutes beinhaltet, in dieser Episode Platz gefunden haben. Eine klasse Folge mit Folgen: Spätestens ab hier war ich Fan der Serie!

1.07 – The Long Game

Die Story: Eine Raumstation im Jahr 2139: Hier werden sämtliche Informationen des Imperiums der Menschen verwaltet. Dabei hilft, dass viele Menschen jener Zeit einen Chip im Hirn haben, welcher Zugang zu Computersystemen erlaubt. Doch, oh Schreck: Ist dieses System der Zukunft wohl endlich mal so ausgereift, dass der Doktor und Rose mal nicht in Probleme geraten? Es darf gezweifelt und schon mal die Pflegecreme auf die Handgelenke aufgetragen werden, denn unsere Helden geraten abermals in Ketten…

„Das ist ekelhaft und pervers! Sie lädt sich doch tatsächlich eine ENTERPRISE-Folge aus dem Netz!“ – Wer hätte gedacht, dass Bluetooth WIRKLICH blau ist? Und wer findet, dass diese Art von Datenübvertragung albern ausschaut, hat sich selber noch nicht mit erhobener Faust vor seinem DSL-Router stehen sehen…

Klapowski meint: Die wichtigsten Darsteller sind diesmal ein Haufen Zombie-Datenverarbeiter und ein schmieriger Bösewicht. Und damit ist noch nicht der tropfende 20-Tonnen-Fettklos an der Decke gemeint… Eine mäßig spannende Episode über die Macht von digitalen Informationen. Ein Problem, so alt wie der Unterschied zwischen 0 und 1… Licht an oder aus? Rein oder raus? – Nächste Woche wird’s aber wieder besser, jaaa?

1.08 – Father’s Day

Die Story: Wieder London, 1987: Rose möchte gerne sehen, wie ihr Vater bei einem Verkehrsunfall zu Tode kommt. Diese masochistisch einfach zu bewältigende Aufgabe wird weitaus komplizierter, als sie ihn, einem spontanen Impuls folgend, rettet. Dieser Eingriff in die Zeitlinie hat Folgen: Er ruft drachenähnliche Wesen hervor, die nicht nur Paradoxien lieben, sondern auch noch Menschen vertilgen.

„Ich rieche ein zeitliches Paradoxon! Das da wäre: Wie kann man die ganze Woche lang arbeiten und sonntags noch Zeit für die Kirche haben?!“ – Den hier anwesenden Gläubigen kommt die Kirchensteuer ab diesem Tag plötzlich gar nicht mehr so… ungeheuerlich vor.

Klapowski meint: Äh, hallo?! Der Doctor reist auch sonst wild durch Vergangenheit und Zukunft und hat durch seine bloße Anwesenheit wahrscheinlich schon derartig die Zeitlinie verquirlt, dass man eine Schleife reinmachen könnte. Aber sobald es etwas offensichtlicher wird, kommen fliegende Drachenwesen an und verschleppen die Menschen?! Das muss mir erst mal jemand erklären… Aber da ich niemanden dazu zwingen kann, finde ich mich einfach damit ab, dass ich dies mit dem typischen Who-Dooffaktor akzeptieren und somit diese Folge unterhaltsam finden kann…

1.09 – The Empty Child

Die Story: Okaaaay, diese Inhaltsangabe wird knifflig… Aber es kommt auf einen Versuch an: Der Doctor und Rose folgen einem seltsamen Schiff auf die Erde des Jahres 1941, London. Während Rose dort in Gefahr gerät und von einem anderen Zeitreisenden gerettet wird, verfolgt der Doctor die Spur eines unheimlichen Kindes, das andauernd nach seiner Mutter ruft. Dessen Gesicht hat sich in eine Gasmaske verwandelt! Und es gibt sogar noch mehr von diesen unheimlichen Rockzipfelsuchern… (Fortsetzung in der nächsten Folge)

„Mummy! Muuummy! Are you my mummy?!“ – Nicht die Mama: Dr. Who hatte sich eigentlich nur Gutes dabei gedacht, als er eine Patenschaft für Menschen in der Dritten Welt einging. Doch gemeint war nicht die „Dritte Welt“, sondern das „Dritte Reich“! Nun hat er all diese Leute an der Backe. – Was gar nicht mal so schlimm wäre, wenn diese ihrerseits wenigstens Backen HÄTTEN.

Klapowski meint: Die Story ist so wirr, dass ich bezweifle, dass man so etwas bei klarem Verstand schreiben kann. Höchstens nach dem Genuss eines „Klaren“. Nicht desto trotz sind die Bilder wie immer unheimlich und großartig, das Feeling der deutschen Bombenangriffe kommt gut rüber und überhaupt… Ich gebe 5 Sterne, auch wenn nach dieser Folge erheblich mehr um meinen Schädel kreisen.

1.10 – The Doctor Dances

Die Story: Während sich hinter unseren Helden eine immer größeren Volksaufmarsch von Gasmaskenträgern versammelt, scheint der Doctor eine Vermutung für all die seltsamen Geschehnisse zu haben. Die technischen Fähigkeiten des zeitreisenden Captain Jack sind bei den Recherchen durchaus von Vorteil.

“Hühaaa, mein Bömbchen! Wir wollen doch Onkel Adolf nicht warten lassen?“ – Und so reitet er davon, in das langsam schwindende Licht des untergehenden Traktorstrahls… Meine Oma hat mir ja viel vom Krieg erzählt, aber diese Begebenheit muss ihr wohl irgendwie entfallen sein…

Klapowski meint: Alleine die humorvolle Auflösung des Cliffhangers ist mir schon einen Alufolien-Oskar wert! Und tatsächlich gelingt es, die verwirrende Story lückenlos aufzuklären! Diese erinnerte mich übrigens an vielen Stellen frappierend an Steven Spielbergs „A.I.“ – Öfter als hier kann man den Kosenamen des weiblichen Teils der Erzeugerfraktion wohl aber wirklich nicht mehr nennen: „Maaaaammmiii!“

Soweit die ersten 10 Folgen.

Christian Eccleston hatte leider bereits nach den 13 Folgen der ersten Season genug davon, einen namenlosen Doktor mit Haschmich zu spielen. Für die bereits geplante 2. Staffel (2006) tritt daher der berühmte… (blätter, wühl, abheft) David Tennant in seine Fußstapfen! – Zumindest der Übergang von einem Schauspieler zum anderen sollte dabei relativ reibungslos verlaufen: Gut ein Dutzend mal standen die vorherigen Doktor Whos nun schon vor der Himmelspforte und durften stets wiederkehren. Powered by Unsterblichkeit. Anderer Körper, anderer Charakter. Warum auch nicht? Wer regelmäßig einem Pizzabringdienst davon überzeugen muss, WIRKLICH an einer einsamen Telefonzelle im Gewerbegebiet zu klopfen, hat schon Schlimmeres überstanden…

Und so kann man aus dem Doof auch gleich eine Tugend machen. Der Autor: „Ich freue mich, dass auch dem jungen Publikum nun diese typische Doctor-Who-Erfahrung zuteil wird!“

Ja, klar… Ich bin mir sicher, die Kollegen von der Castingabteilung und die Produzenten, die dank der guten Quoten mit den bisherigen Figuren zufrieden gewesen sein dürften, freuen sich auf einer kreativen Metaebene auch gehörig über solche Entwicklungen… Mit ziemlich viel „Meta“ zu ihrer Ebene…

Fazit: Frisch, fromm, fröhlich, frei, so lauten die Attribute dieser Serie. – Wer angesichts des Titels allerdings immer noch fragt „Doktor… – Weeeer?“ dürfte nicht alleine sein. Denn dieser Artikel bringt das Who-Erlebnis natürlich nur sehr unadäquat rüber… Die Mischung aus knallbuntem Trash, trockenem Humor und halbwegs innovativen Storys ist entfernt mit „Buffy“ vergleichbar, wenngleich die Serien inhaltlich natürlich unterschiedlicher nicht sein könnten.

Ich zumindest frage mich inzwischen bei jeder neuen Folge, welchen Scheiß die sich jetzt schon wieder ausgedacht haben… Doctor Who beim Skatspiel mit Höhlenmenschen? Rose beim Striptease im Moulin Rouge? Hammerwerfen auf dem Mond? – Alles ist möglich und das bisherige sehr löblich.

Dabei hatte ich eigentlich die Schnauze voll von SF-Serien, die sich selber so überhaupt nicht ernst nehmen. Nein, die paar Gags bei Stargate und ENTERPRISE meine ich nicht! Ich meine Serien, die vom ersten Vorspannbildchen bis hin zum letzten Ausblenden klar machen, dass man dies alles mit ironischer Distanz von der Strecke Hamburg-München zu sehen hat. Prinzipiell nichts gegen Ich-kann-vor-Coolness-kaum-geradeaus-fliegen-Andromeda, der meiner Meinung nach völlig überschätzten Serie Farscape und die teilweise pseudolustigen Voyager-Episoden, aber: So was nervt irgendwann! Das Leben ist nun mal eines der schwersten, und zu dieser Erkenntnis haben nun mal auch irgendwann SF-Serien zu kommen, indem sie sich nicht in Selbst- und Fremdparodien verzetteln!

Bei Doctor Who funktioniert dieses Konzept allerdings (noch) erstaunlich gut und sorgt für beste SF-Unterhaltung auf niedrigem bis mittlerem Niveau! – Weitermachen!

Link-Tipp:

Trailer zu allen bisher ausgestrahlten Folgen


Weitersagen!

Artikel

von Klapowski am 05.06.05 in TV-Review

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Kommentare (28)

  1. KERNELpanic sagt:

    ERSTER! So, Sparkiller, du darfst dich dan schon mal ans löschen machen.

  2. KERNELpanic sagt:

    Und um wenigstens ETWAS Content hinterher zu schieben: Der Artikel klingt doch eigentlich nach der Art von Ideen, die Klapowski schon seit längeren fordert – oder irre ich mich da? Hört sich jedenfalls besser an als jede Woche 2 graue CGI-Schiffe mit Photonen-Transphasen-Dingsda-Torpedos rumballern zu lassen. Werd mich da gleich mal näher informieren… *auf Trailer klick*

  3. Gast sagt:

    Ja da schau her, Herr Klapowski schaut Doctor Who. Glückwunsch dazu, guter Geschmack.
    Aber warum schreibst du jetzt auf einer Satire-Seite eine durchaus ernsthafte Kritik über eine konsequent satirische TV-Serie? Ist das sowas wie Hans Metz' "Humorkritik" in der Titanic?
    Das hat doch keine Zukunft! ^^

    The Chosen One

    P.S. Bad Wolf!

  4. god_at_hell sagt:

    Es handelt sich bestimmt um einen Arzt der Weltgesundheitsorganisation.

  5. ted_simple sagt:

    [quote]Es handelt sich bestimmt um einen Arzt der Weltgesundheitsorganisation.[/quote]
    Aha, Unterabteilung "Ärzte ohne Grenzen". Wohl gar die britische Schwesterserie zu "Die fliegenden Ärzte". Okay, dann muss ich jetzt nur noch wissen, warum er ausgerechnet in einer Telefonzelle reist.

  6. Gast sagt:

    Also die schwachsinnigsten Szenen waren für mich immer die wenn irgendwie das Internet im Spiel war. Z.b. wenn Mikey sich mal eben in eine Seite einloggt und über ein komfortables interface eine Rakete von einem U-boot auf Downing Street abfeuert. Oder die wo der Dalek sich das ganze Internet runterläd – wieviele Pornoseiten der wohl leergeräumt haben muss…

  7. bergh sagt:

    Doctor Who ?

    Mal infromieren………..

    Gruss BergH

  8. Gast sagt:

    [quote]Aber warum schreibst du jetzt auf einer Satire-Seite eine durchaus ernsthafte Kritik über eine konsequent satirische TV-Serie?[/quote]

    Ich fand den Artikel zwar nicht wirklich ernsthaft….. aber generell ist es immer ziemlich schwer sich über etwas lustig zu machen, dass sich selbst nicht ernst nimmt.
    Wie sollte man etwa einen Clown veräppeln ? Sich über seine zu großen Schuhe lustig machen ?

    Aber was anderes:
    Finde Reviews von Nicht-ST-Serien durchaus wünschenwert.
    Wie wär´s mal mit Firefly ?

  9. Mani sagt:

    Freut mich, dass es dir gefallen hat Klapowski :)

    *meeeeeeeehr doctor whooooo will*

    *EXXXXXTERMIIIIIIIIIINATE*

  10. FloydThreepwood sagt:

    das problem ist, dass dir bei serien, die dir wirklich gefallen, die bissigkeit in deinem humor abhanden kommt.

    ansonsten mach weiter so.

  11. Gast sagt:

    "ich hab jetzt meinen hausarzt gewexelt: wenn ich den rufe, kommt der gleich mit noch klingelnder telefonzelle. wie war noch mal sein name…"

    mal ehrlich: SciFi laesst sich doch nur genieszen, wenn sie nicht vorheuchelt logisch zu sein. ab und zu etwas gesellschaftskritik ist das salz in der suppe und rundet die sache ab.

  12. Kaworu sagt:

    Ach, wie fein… Nur weil es mich gibt, existiert nun auch der Artikel? Das macht mich ja gleich stolz… auf mich selbst. *verlegen die Händchen auf die Wangen leg*

    Aaaaaber ein paar Fehler habe ich doch gefunden. *grunz* Die Original-Serie lief nicht bis ANFANG der 80er, sondern bis ENDE der 80er. *grins* Und der RTL-Doktor ist nicht der Kerl auf dem Bild, der wäre nämlich der mit dem Regenschirm und dem Strohhut. Aber sonst alles fein gemacht. *auf Schulter klopf*

  13. Supamarioana sagt:

    @Klapo: Der Babylon5-Macher J.M.S. würde gerne Star Trek weiterführen. Nachzulesen hier:
    http://www.trektoday.com/news/080605_03.shtml

  14. Gast sagt:

    "Doctor Who" ist meine Lieblingsserie schlechthim. Demnächst wird in Köln die Serie im Cinedom auf der Cologne Conference präsentiert. Es bestehen also Chancen, dass ein deutscher Sender die Serie einkauft.

  15. Gast sagt:

    Ich wäre ja sogar imstande, den Doctor bei RTL2 zu ertragen – aber hey, die DVDs sind doch schon auf englisch draußén und die Tardis-Box kommt im Herbst – wozu brauche ich da eine deutsche Synchro?
    Na schön, ein paar mehr Fans wären schon nett, ja doch, so irgendwie…
    Und demnächst gibts ja wohl Daleks für alle! :-)
    Prospero

  16. Gast sagt:

    Der Zombiefilm wird "Shaun of the Dead" geschrieben.

  17. bergh sagt:

    tach auch !

    Muß sagen :
    Klapowski hat wie so oft recht.
    Dr. Who ist klasse.
    So schräg wie ein Fahnenmast, schrill, laut und lustig.

    Danke für den Tipp.

    Gruss BergH

  18. ted_simple sagt:

    Spoiler für Episode 12:

    Aa-löört! Aa-löört! We are de-tec-ted!

  19. ted_simple sagt:

    Doctor Who hat mir die Augen geöffnet. Ich stehe nun Plastik nicht mehr so leichtfertig gegenüber, sondern bringe ihm eine gesunde Vorsicht entgegen. Metallboxen sind das personifizierte Böse schlechthin, darum rühre ich wohl auch meinen Toaster nicht mehr an. Wovor haben andere Menschen Phobien? Spinnen? Diese Leute wissen doch gar nichts. Neuerdings beunruhigt es mich auch, wenn ich Menschen mit Gasmasken über den Weg laufe.

  20. Klapowski sagt:

    Folge 12 ist ebenfalls wieder ein Schmuckstück!

    Der Doctor im Big-Brother-Haus der Zukunft! Herrlich, diese Weiterentwicklung der Idee!

    Und dass zukünftig die herausgewählten Kandidaten einfach per Laser verdampft werden, statt dass sie noch großartig CD's produzieren dürfen (oder uns bei Neun Live mit unserer Telefonrechnung vermählen), beruhigt mich dann doch sehr.

  21. Kaworu sagt:

    Heisst das dann, daß noch ne Review zu den letzten drei Folgen nachgereicht wird? *g*

    Und nur noch eine Folge, dann ist bis zum nächsten März wieder Pause. *heul/sabber* Aber zumindest gibt's zu Weichnachten noch ne Extra-Folge. Danke, Santa!

  22. ted_simple sagt:

    'Everybody watches this stuff. How come you don't?' – 'Never paid for my license.' – 'Oh my god, you get executed for that!'

    So viel Sarkasmus von Seiten der BBC, da möchte man schon in GB wohnen und seine Gebühren zahlen dürfen.

  23. Gast sagt:

    Apropos "Shaun of the Dead": Shaun alias Simon Pegg spielt den "Editor" in "The Long Game"

  24. ted_simple sagt:

    Schönes Finale, aber die letzten zehn Minuten waren mir etwas zu drauf gesetzt. Die Auflösung hätte eleganter sein können!

    Löblich ist die Durchgeplantheit von der ersten Folge an; zum Beispiel wirft die "coward or killer"-Entscheidung wieder die Frage auf, ob der Doktor ein Killer ist, wie ihm die Bürgermeisterin von Cardiff in Folge 11 vorgeworfen hatte.

    Trotzdem kann ich nicht sagen: meine Fragen sind alle beantwortet, hier ist alles klar geworden! Des Doktors Entscheidung, die Daleks NICHT zu zerstören, kam sehr gestellt rüber, und liegt wohl darin motiviert, dass sie für den Fortgang der Handlung so schön ins Drehbuch passte.

    Verwirrung! Bisschen unerfüllter Schluss! Das Blutbad hat ja schon eine dunkle Atmosphäre geschaffen, aber ne richtige Auflösung hat mir gefehlt, die meine innere Unruhe wieder geglättet und alles ins rechte Licht gerückt hätte!

    Ich glaube man kann mich einen leidenschaftlichen Fernsehzuschauer nennen…

  25. Gast sagt:

    Nur zur Anmerkung: Der Doctor reist keineswegs in einer Telefonzelle (die wäre ja tiefrot) sondern in einer "Police Box".

  26. bergh sagt:

    tach auch !

    Mir hat es auch gefallen :-) Sehr sogar.
    Nur der Neue Doctor sieht Sch***e aus.

    Na mal sehen, oder der den Doctor 2005 erreichen kann.

    Gruss BergH

  27. Gast sagt:

    Ha! DAFÜR lernt man englisch!
    (würde sowas in Frankreich produziert, wäre sicherlich auch meine Französischnote besser *g*)
    "Dr Who?" ist einfach eine herrlich skurriele Scifimischung: knallbunt, lustig, spannend und hat immer einen geringen Ekelfaktor.Was will man mehr?
    Der Plot überfordert einen nicht und ist doch stets in sich schlüssig.
    Mein persönlicher Favorit: "The empty child" und "the doctor dances".
    Klapowski, are you my mummy?

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