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„Star Wars Episode III – Die Rache der Sith“ – Review

Die Sith (zu Deutsch: Der Siff) breiten sich unbemerkt in der Politik aus und schaden der Republik. So weit, so bekannt. Doch als der Kanzler eines Tages einen jungen Mann namens Anakin trifft, geht es erst richtig los: Dieser wird zum Franz Müntefering des Bösen, während Obi Wan in der Opposition den leicht verspielten Westerwelle gibt. Noch mehr über Politik gibt es in der folgenden Rezension:

So schöne Landschaften! Diese herrlichen Thronsäle! Diese Raumhäfen! Diese Riesenstädte! Sogar die sanitären Anlagen befinden sich auf einem extra Planeten! – Wären da nicht diese nervigen Figuren, die immer die schönsten Pixel abdecken, könnte Star Wars auch im Nachtprogramm auf der ARD laufen: Die schönsten Bahnlinien auf LSD. Aber so machen die wuseligen Klonkrieger und Wookiebarbaren mit ihren tollkühnen fliegenden, stampfenden und quakenden Kisten das Ganze irgendwie unübersichtlich. Okay, das mag aber auch daran liegen, dass ich im Kino nur noch einen Platz ganz vorne bekommen habe. Bin inzwischen auch wegen eines Schleudertraumas in Behandlung, weil ich unbedingt den Flug eines Raumschiffs von rechts oben nach links unten verfolgen wollte. Selbst schuld.

Die übliche Kritik an den neuen Episoden ist so alt wie die Geschichte der Menstruation. Nur gibt es bei Star Wars in einem Punkt eigentlich keine Missverständnisse: Die „alten“ Filme sind einfach besser. Punkt. Basta. Ein Epos von bestechender Einfachheit und auch von jedem Seppelarsch sofort zu durchschauen: Maximal zwei Schauplätze parallel, eine handvoll Figuren, eine klare Dramaturgie. Harrison Ford reißt ein paar Sprüche, der Wookie brüllt, R2-D2 fiept und ist niedlich, Yoda ist alt, Darth Vader atmet schwer und ist Lukes Vater und der Todesstern wird zerstört. That it is.

“Duu-huuu, Mamaaa? Darf ich bitte böse werden?” – „Na gut. Aber nur wenn du jetzt artig bei Tisch bist und endlich die Gehirne deiner Feinde zuende auslöffelst!“ – Endlich fügt sich alles zusammen! Endlich ergibt auch das seltsame Pod-Rennen aus Episode 1 einen Sinn! George Lucas Masterplan hat halt Hand und Fuss. Dumm nur, dass diese Extremitäten in diesem Film bevorzugt zerhackt werden…

Die Episoden hingegen erschreckten schon in Teil I und II mit ihrem Beitrag zur Chaosforschung: Ein kleiner Handelskrieg hier. Ein Bösewicht, der in der Teermaschine übernachtet hat, dort. JarJar-Binks ist der Goofy für Astro-Kids und irgendwo passt immer noch ein sinnloser Showkampf rein. George Lucas feierte Kindergeburtstag und alle gingen hin. Und zuhause mümmelte man dann an seinem Müsli und hatte plötzlich eine von 374 verschiedenen Actionfiguren zwischen den Zähnen. Ein Kult, sie alle zu knechten.

Wo uns früher kultige Figuren wie Darth Vader, Luke Skywalker und Harrison Ford (hat für mich aus Coolness-Gründen keinen Filmnamen) unterhielten, hüpften nun bleiche Abziehbilder durchs überfrachtete Bild. z.B. als Podest für 2 Meter hohe Frisuren oder weil im Arbeitsspeicher noch ein bißchen Platz war.

Neue Gegner wie der röchelnde Roboter mit Cape (übrigens inklusive norddeutschem Seemannsakzent) mussten natürlich bei Star Wars Episode 3 auch noch rein. Da fehlte im Spiel zum Film nämlich noch ein Level inklusive Endgegner. Außerdem hielt George Lucas es für sinnvoll, Obi Wan mitten im dichtesten Schusswechsel auf einem 10-Meter-Echsenviech an der Frontlinie vorbeireiten zu lassen. Fällt dem Gegner ja auch gar nicht auf. Zwar waren die alten Filme schon kein Beispiel an bestechender Logik, doch solch bekloppte Selbstmordszenen waren selten.

Da stellte man sich auch noch nicht wagemutig in einem Raum mit Dutzenden Droiden, um blind darauf zu vertrauen, dass der Obermacker gerade Bock auf einen Zweikampf hat und einem stattdessen nicht einfach über den Haufen schießen lässt. Ist Luke Skywalker auf dem Todesstern je in der überfüllten Mannschaftsumkleide von der Decke gesprungen? Nein, denn solche Aktionen bescheren einem recht schnell die Überlebenschance von Jabba the Hut. Auf dessen Cholesterinwert und Herzverfettung bezogen.

Aber Jedis haben nicht nur nach jeder Aktion einen coolen Spruch drauf (das ganze Kino hat sich gebogen vor… Tiefschlaf), sondern sind auch laserfest bis 5.000 Grad. Macht doch nichts, dass Hunderte Knarren auf mich gerichtet sind! Bei dem allerersten Gegner hat man ja noch den ersten Überraschungseffekt auf seiner Seite. Die restlichen 20 müssen sich mit den Überraschungseffekten 2 bis 19 zufrieden geben. Der Droide an sich hat ja sowieso nur die intellektuellen Fähigkeiten eines Fahrkartenautomaten. Wobei ich letzteren ja eher als Leibwächter und Scharfschützen engagieren würde. Droiden lassen sich einfach zu gerne von einem Jedi zulabern und geduldig hinhalten, bis dieser pünktlich zum Abendbrot zum Lichtgriffel greift und Darwins Idee von der natürlichen Selektion (hier gemeint: Mülltrennung) demonstriert.

Star Wars Episode 3 - Sithf

„Ich muss aufpassen! Angst, Sorge, Unwissenheit, Schmerz, Egoismus – und überhaupt alles andere – zur dunklen Seite der Macht führen! Ich jüngste Rentenkürzung also irgendwie anders muss verarbeiten…“ – Yoda mag zwar alt sein, aber er ist durchaus noch sehr gelenkig. Wurde ihm zumindest berichtet. Seit einiger Zeit reden seine Gelenke nämlich nicht mehr mit ihm.

Dazu kommen immerhin Charakterzeichnungen von unbeschreiblicher Schönheit. – Zumindest wenn man moderne Kunst mag und normalerweise auch einen schwarzen Klecks auf einem mit Lokuspapier eingewickelten Rahmen anbetet. Okay, Anakin hat einen Traum, in dem seine Frau stirbt. Kann passieren, so was: Ein bisschen zuviel genascht vor dem Schlafen hier, ein wenig heimlich TATORT geguckt dort, und schon flattern einem die Nerven. Nichts, was ein guter Neurologe nicht mit ein paar Hammerschlägen wieder geradebiegen könnte.

Doch statt seine „Visionen“ kritisch zu betrachten und zu beurteilen, setzt er von nun an alles drauf und dran, der Dunklen Seite zu dienen, da man laut deren Parteiprogramm damit angeblich Tote wieder zum Leben erwecken kann. Ist George Lucas bei dem SW-Franchise mit Hilfe der Episoden 1 bis 3 ja auch ein wenig gelungen…

Apropos Schorsch Lucas: Eine echter Unsympath! Was die Kritikresistenz angeht, irgendwo zwischen Helmut Kohl („Wie könn’se misch das nur frag’n?“), Joschka Fischer („Kann mich an keinen Fehler erinnern!“) und Rick Berman („Euch gefällt meine Episode nicht?! Dann geht mal zur Filmhochschule, Pack!“). In den letzten Jahren durfte man in Interviews immer wieder hören, wie sich Lucas von der Welt im Allgemeinen zurückzog: „Was die Fans sagen, interessiert mich nicht!“ oder „Was die Kritiker kritisieren, interessiert mich auch nicht!“ oder „Schauspieler sind nicht so wichtig.“. – Noch so jung und schon kein Interesse mehr an nichts. Bei meinem Opa hat es damals auch so angefangen…

Dafür mag Lucas Effekte. Er hat sie sogar richtig lieb und kämpft stets dafür, dass seine Star Wars-Filme anfangs nur in den allerbesten Kinosälen laufen. Bei 3,5% weniger Farbtiefe könnte man das glitzernde Raumschiff ja schließlich mit gefülltem Butterbrotspapier verwechseln. Und außerdem würde Schorsch bei nur einem einzigen Wortspiel, welches „Star Wars“ mit „Grauem Star“ gleichsetzt, sich sofort in einen Kürbis zurückverwandeln. Ich traue dem Mann also durchaus zu, dass er bei Vorhaltungen bezüglich der Charakterentwicklung mit der Erwiderung kontert: „Kein Wunder! Der Filmprojektor stand ja auch schief!“

“Wir sind auf ein feindliches Kriegsgefährt gesprungen, konnten uns sogar festhalten, haben wie durch ein Wunder keinen Kratzer abbekommen und DU sagst mir, wir müssten noch mal zurück, weil Du die Pfeile für Deine Armbrust vergessen hast?!“ – Haarige Situation: Einerseits kommt’s jetzt auf die beiden an, anderseits zappt George Lucas in 0,9 Sekunden aber sowieso zur nächsten Actionszene.

Doch zurück zu der Seelenqual des Anakin: Erst verpfeift er den bösen Kanzler beim Rat der Jedi, bevor ihm plötzlich doch wieder sein grauseliger Traum in Erinnerung kommt: Padme! Tot! Doof! – Rasch besucht er den Kanzler, der gerade von Meister Windu das Lichtschwert auf den Hals gesetzt bekommt, da der Kanzler auch verhaftet angeblich noch zu gefährlich sei. Windu steht also kurz vorm Schröder-Köpf, da vorgezogene Neuwahlen am zerdepperten Aussichtsfenster etwas an ihrer psychologischen Wirkung eingebüßt hätten, da greift Anakin durch: Während Palpatine unseren Windu mit den berühmten Blitzattacken aus den Fingernägeln einheizt (vermutlich „Scherz Spezial-Dragees“), hackt Anakin dem Jedi nebenbei den Arm ab.

Soweit, so Wut. Anakin ist erschrocken über sein eigenes Handeln und bis hierhin wäre das Ganze wohl als „Körperverletzung im Affekt“ durchgegangen und wäre mit Jugendarrest und Laub harken nicht über 3 Wochen geahndet worden. Doch da Kanzler Palpatine den nun (H)armlosen gleich den Rest gegeben hat, kann Anakin ja auch gleich ganz auf die Dunkle Seite umschwenken. Wo eben noch Kanzlerverrat keimte, wuchert kurz danach schon Kinderalzheimer: Plötzlich ist der Schrecken über sich und Palpatine vergessen und Mumiengesicht wird noch am Tatort die Treue geschworen. – Ratlose Gesichter im Kinosaal. Nur ein versteckter Guerilla-Eisverkäufer im Mittelgang begreift das alles und rennt sabbernd und Scheißelabernd aus dem Saal, da diese Erkenntnis ihn für die herkömmliche Alltagslogik für immer blind gemacht hat.

Schlecht drauf und noch nichts anderes vor? Dann werfe doch dein Leben weg und unterjoche die Galaxie! Natürlich mit BÖSE© – Der original Instant-Quark mit den schwarzen Schlieren. Da hat sich George aber mal kräftig vergriffen! Charakterentwicklung ist nicht gerade seine starke Seite, höchstens seine dunkle. Was auch die debile Liebesbeziehung zwischen Padme und Anakin erklärt. Selten so bescheuerte Dialoge gehört! „Du bist heute besondern schön, Liebling!“ – „Nein, es ist Deine Liebe, die mich schön erscheinen lässt.“ Oder so ähnlich. Aus satirischer Sicht – so das denn das Ziel sein sollte, und wie könnte es nicht? – hätte Lucas ruhig noch ein paar Blümchen, Herzchen und Poesiealben draufsetzen können: „Oh, ein Lebkuchenherz von der Kirmes! Für mich?!“

Wo bleibt da der Alltagsbezug?! Wo finde ich mich wieder? Wo bleiben für den Zuschauer die kleinen Inseln der Erkenntnis, dass auch in einer weit, weit entfernten Galaxie immer noch mit Wasser und Strom gekocht wird? Von mir aus auch aus den Fingernägeln? Wieso kann Padme sich nicht nebenbei die Beine rasieren und dabei eine Packung Ohrstäbchen mit den Zähnen festhalten?

“Alleeees einsteigeeeen! Ja, auch du, Anakin! Du wolltest doch früher immer Zugführer werden, oder?“ – Szenen aus einer unbeschwerteren Zeit: Anakin als braver, zurückhaltender Junge… Doch wehe, wenn das Schicksal gar hart zuschlägt und plötzlich… (*Donnergrollen*) das Gegenteil im Drehbuch steht!

Von der verbalen Zuckervergiftung mal abgesehen, wirkt die ganze Beziehung so erotisch wie Körperpflege im Altenheim. Lucas hat, seitdem er seine Filme mit „Episode“ untertitelt, ein untrügliches Gespür dafür, jedes Mitgefühl für die Hauptdarsteller im Technikwahn zu ersäufen. So stapfen sämtliche Darsteller mit Leichenbittermine durch den Bluescreen und versuchen sich verzweifelt vorzustellen, das Betttuch hinter ihnen sei der Thronsaal einer anderen Galaxie. Klar, dass da der Blick etwas fahl und leer wird. Immerhin blicken die Darsteller wie in Episode I aber nicht mehr meterweit an fliegenden Riesenkäfern vorbei…

Der plötzliche Meuchelmord an den Kindern wirkte ebenfalls aufgesetzt. Eben noch Demokratie fordern und 5 Minuten später den Jedi-Kindergarten in Hämoglobin ersäufen? Diese groß angekündigte Entwicklung zur Dunklen Seite hatte irgendwie was vom Umsteigen am Busbahnhof. Sicherlich will Star Wars nicht als Titelgeschichte in der nächsten „Psychologie Aktuell“ auftauchen, aber ein bisschen mehr Alltagsbezug hätten die Figuren dann doch haben können… Zumal man als Zuschauer nie in’s Wanken geriet, ob nicht auch die Dunkle Seite ihre Berichtigung haben sollte. Da haben Buffy-Dämonen ja schon bessere Überzeugungsarbeit geleistet.

Superkräfte? Erledigt die Macht! Weitsprung aus dem Stand? Erledigt die Macht! Ahnen, wo der nächste Laserschuss hinzielt? Erledigt die Macht! Ein bisschen dröge in der Birne sein? Macht nichts, schon erledigt. – Dass der gute Anakin nicht der Hellste ist, wissen wir jetzt ja schon. Und dass er sich extra die Augenbrauen an die Nasenwurzel annähen lässt, um mit einem bösen Blick irgendwann mal Padme zu retten, geht ja auch noch irgendwie durch. Doch da er weiß, dass die Frau bei der Geburt eines Kindes sterben wird und eben diese Geburt bald bevorsteht, habe ich nicht kapiert, warum er mal gerade einen Single-Urlaub auf dem Lavaplaneten antritt. Das alles ist die Logik einer sehr, SEHR weit entfernten Galaxie, so scheint mir.

“Es ist wahr: Anakin ist auf dem Weg zur Dunklen Seite. Aber er hat versprochen, dort nur kurz eine zu rauchen und dann zurückzukommen!“ – Eine sehr euphemistische Umschreibung für ein Lavabad… Wenn Obi Wan jetzt nicht sehr gefühlvoll mit seinen Worten ist, wird Padme in wenigen Augenblicke Rotzflecken auf den Bluescreen zaubern.

Nun könntet ihr natürlich aufstehen und sagen: „Erfreue Dich an den Effekten, Klapowski! Und all diese Action! Preise das Lucas-Evangelium!“ – Sischer datt. Mache ich auch gerne. Die Effekte sind ganz doll. So richtig effektiv und so. Aber seit Episode 1 kann ich keinen Quantensprung mehr erkennen. Die Figuren, Landschaften und Schiffe wirken immer noch so echt, dass sie schon wieder unecht aussehen. Und die Zeit, in der man sich noch vor einem handwerklich solide umgesetzten Pixel-Paule verneigt hat, müsste eigentlich schon seit Jahren vorbei sein. Ja, die Figuren sind toll und ja, animiert sind sie auch wie wild. Aber darf ich trotzdem noch Puppen-Yoda aus den alten Filmen gut finden? Ja? Danke.

Zumal ich ihn schon seit Episode II als betrügerisches Arschloch im Verdacht habe! Erst gebückt am Gehstock gehen, um von Seiten der Krankenkasse wenigstens Pflegestufe 1 einzusacken, und dann wild herumspringen, als hätte man einen Dackel unter Strom gesetzt! Ich dachte früher immer, die Kräfte eines Jedis hätten nichts mit der Körpergröße zu tun? Dass stattdessen die geistigen Kräfte ausschlaggebend sind. War das nicht immer der Witz an der Sache?

So hätte ich mir ohne größere Probleme einen längeren Kampf zwischen Yoda und Palpatine vorstellen können, in dem der greise Wicht Gegenstände auf diesen schleudert oder ihn mit Jedi-Mindtricks verwirrt. Bin übrigens kein absoluter Kenner der Materie, aber warum sehen wir diesen Trick hier nicht? Wurde der wie der Mindmelt bei den Vulkaniern erst in der 4. Staffel der kommenden Star-Wars-TV-Serie erfunden haben… werden… sollen? Jedenfalls finde ich Flummi-Yoda mächtig Kacke. Der totale Griff in’s Klo.

Vielleicht bin ich aber auch einfach etwas schlecht drauf. Diese riesigen Schauplätze drückten mir ja irgendwie auf’s Gemüt. Nur für 2 Minuten hätte ich mir gewünscht, dass Obi Wan mal kurz in einer Besenkammer stehen bleibt, damit ich mich nicht so winzig und unvollkommen fühle. Aber nein, es wird geklotzt und gigantomiert, bis zum allerletzten Lavasee.

Wenn man nicht so gnadenlos übertrieben hätte, hätte ich ja noch einen Funken Sympathie für den Film gehegt! Was hätte dagegen gesprochen, Obi Wan nicht aus 2 Kilometern in den Tümpel fallen zu lassen, sondern aus einer gesundheitlich völlig unbedenklichen Höhe von 500 bis 700 Metern? Wieso müssen Obi Wan und Anakin auf freischwebenden Röhren kämpfen, die nicht breiter als ihre Schuhsolen sind? Hätten es da nicht vom TÜV als unbedenklich eingestufte Plattformen von der Breite von 30 Zentimetern geben können?

“Kanzler, ihr seid verhaftet! Legen sie sofort das Laserschwert und diese ebenmäßigen Gesichtszüge ab!“ – Meister Windu greift hart durch: Verrat wird von den Jedis nicht geduldet! Es sei denn, es liegt Antrag 93 b in zweifacher Ausfertigung vor.

Die politischen Hintergründe interessierten mich auch nicht wirklich. Was in den ersten beiden Episoden passiert ist, hatte ich damals am Kinoausgang sowieso schon wieder vergessen. Im nachhinein könnte es auch sein, dass ich diese gar nicht gesehen habe und einfach ein transparentes Bonbonpapier vor meinen Augen hin- und herbewegt habe. Wie bei den James-Bond-Filmen werde ich einst auch bei Episode I-III mal froh sein, wenn ich wenigstens die drei wichtigsten Stunts je Film auseinander halten kann. Episode I hat in meiner Erinnerung nur dahingehend Spuren hinterlassen, dass irgendwelche fliegenden Schwebeautos zerdeppert wurden. Vielleicht war das aber auch nur „Zurück in die Zukunft“, man weiß es nicht genau…

Bei Episode II sehe ich R2-D2 in einer Roboterfabrik, einen Haufen Klonkrieger (von oben) und einen hüpfenden Yoda. Aus irgendeinem Grund habe ich auch eine schwache Erinnerung an eklige Würmer unter der Bettdecke. Aber das war vielleicht auch nur ein Erlebnis in meiner eigenen Wohnung (Ich esse gerne im Bett).

Meine persönliche Inhaltsbeschreibung von Episode III wird später mal lauten: „Also Mutti, da war so ein großer Gecko auf einem Felsen! Dann lag dieser brennende Typ am Lavasee und hat zwei Babys zur Adoption freigegeben. Zwischendurch ist Yoda wieder gehüpft. Weiß auch nicht, warum. Vielleicht verwechsele ich das alles auch nur mit Episode II?!“

Warum die Handelsföderation wieder erwähnt wird, wann der Kanzler „entführt“ wurde (schon am Ende von Episode II??) und worum die Droiden eigentlich genau kämpfen, werde ich dann nicht mehr sagen können. Eigentlich schon jetzt nicht mehr. Da muss ich wohl mal Sparkiller fragen, seines Zeichens Aushilfs-Wookie und ein so großer SW-Fan, dass seine riesige diesbezügliche Internet-Community dagegen fast schon zu klein wirkt (Sorry, Kollege. Den Link habe ich vergessen. Aber Du hast ja auch das Schmiergeld vergessen).

„Endlich ist der Scheiß vorbei! Anakin ist jetzt echt böse geworden!“ – „Na und? Das war Klapowski schon bei Episode 1!“ – Alle SW-Schießbudenfiguren haben nach dem Ende von Episode III endlich ihren unverdienten Urlaub nehmen können. Doch was ist das? Waren da etwa Gerüchte im Internet? – Episode VII? „Die Rache der Handelsföderation“? Episode VIII? „Die Rückkehr der Wookie-Ritter“? Episode IX? „Darth Vaders Neffe schlägt zurück“? (*Schauder*)

Fazit:

Die Hälfte der Kinogänger ist gnadenlos enttäuscht und doch rennt jeder rein. Nun ja, für George lege ich gerne meine paar Kröten auf den Tresen, und wenn’s nur ist, um der Raubkopier-Industrie einen herben Schlag zu versetzen.

Star Wars Episode III ist Actionkino mit wenig Sith und Verstand. Immer, wenn man auf den fahrenden Zug aufsteigen will, um vielleicht doch mal mit den Figuren mitzufiebern, rammt einen der Schaffner (ein Droide mit Pfeife statt Mund – Lucas-Humor) wieder aus dem Waggon. Immerhin bewahrt die Action den Film vor dem totalen Untergang. Auch die Überleitung zu Episode IV und die Beantwortung von offenen Fragen ist ganz nett gelungen. Sparkiller? Bitte applaudiere ein wenig für mich. Aber nicht zu lang!

Aber schon jetzt weiß ich, dass dieser Streifen wie schon HdR und Matrix 2 + 3 nur für das einmalige Sehen im Kino geeignet ist. Zuhause verpuffen solche Gigantowerke schnell in Langeweile. Wenn die Lavawelt später bei 70 Zentimetern Bildschirmdiagonale zum roten Klecks mutiert und man bereits vorher schon weiß, dass alle Beteiligten gleich wieder einen Aussetzer im Hirn haben, dann schläft man ganz schnell ein, bevor es um 23 Uhr heißt: „Dies war die Free-TV-Premiere auf Pro7 mit Bitpower Premium Pils. Dem Bier für Menschen, die gern rendern.“

Daher gibt es heute mal zwei Bewertungen:

Kinosaal-Wertung:

Pro7- Free-TV-Premiere-Wertung:


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Artikel

von Klapowski am 27.05.05 in Filmkritik

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Kommentare (57)

  1. Gast sagt:

    Ach, wie kommen wir uns originell vor mit einigen drollig-dreisten und wahnsinnig witzigen, achwietollen Alliterationen und (ach so verspielten) Schachtelsätzen! Raffiniert – oder auch nicht.

    Es leben die Hobby-Kritiker – oder auch nicht. Halb so viel hätte es auch getan – GÄHN!

  2. Gast sagt:

    Zwei Punkte zu diesem ,wie immer sehr unterhaltsam geschriebenen, Artikel.

    1.: Wenn sie, Herr Klapowski die Zusammenhänge zwischen Episode 2 und 3 nicht verstehen, können sie sofern es sie überhaupt interessiert, die Animationsfilmreihe "StarWars – CloneWars" ansehen (da wird u.a. geklärt wann der Kanzler "entführt wird" und warum der dumme Androide dauernd hustet(Achtung Spoiler: es kommt nicht vom rauchen.)

    2.: Dafür das es sich hier um eine Satire-Seite handelt wird hier eigentlich noch reichlich wenig eigene Meinung kundgetan; Es wirkt vielmehr so als ob sie sich nur das Durchlesen was andere Kritiker verzapfen und es mit einer ordentlichen Ladung Sarkasmus hier kund tun (Diese These stützt sich auf ihren Eintrag vom 27.05.2005 hier weiter oben stehend)

    Scheinbar kann ein Film, oder eine Serie ihrer Meinung nach nur dann Anspruchsvoll sein wenn sie nicht "massentauglich" ist (vgl. hierzu Reviews von Enterpise mit Reviews von Babylon 5)

    Mfg Gast

    P.s.: Wenn sie Rechtschreibfehler finden dürfen sie sie gerne behalten und gegen die in ihren Beiträgen eintauschen.

    • Uncle Hut sagt:

      Spricht aber auch nicht gerade für einen Film, wenn man sich zum Verständnis der Geschichte (Story) eine beknackt animierte Serie reinziehen muss

  3. Gast sagt:

    Tja, da kann man mal sehen was Mikrowellenstrahlung anrichtet.
    Was die andauernde Bombardierung der TV Satelliten und GPS Eumel nicht schafft, wird durch konzentriertes Handybombardement des Gehirns vervollständigt.
    Anders kann ich mir diese tiefgreifende Diskussion über die Logik in diesen Film(machwerken)en nicht vorstellen.
    Grad wie ne Diskussion, ob nun der Burger von McDoof oder BuggerKing besser is!!!!!

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