Das ernsthafte Medienmagazin

Doctor Who – 6.01 – „The Impossible Astronaut“ Review

Da! Eine HELLE Serie! So mit LICHT, bunt und Spaß! Sogar bei den Machern, möchte ich vermuten! Schon von Vorteil, wenn man seine Autoren nicht aus der Selbsthilfegruppe der Selbsthasser rekrutiert hat! – Zur Feier der neuen Doctor-Staffel haben Sparkiller und ich übrigens einen kleinen Tanz choreografiert, den wir mangels Sichtbarkeit an dieser Stelle jedoch nicht vorführen können. Stellt Euch daher bitte daher einen herumwirbelnden Klapowski vor, der sich immer dann auf seinem Bürodrehstuhl dreht, wenn Sparkiller „Mana-Mana“ singt.


Inhalt: Der Doctor versammelt River, Amy und Rory, um in den USA etwas wichtiges zu erledigen, das mit einem Astronauten zu tun hat. Leider wird dabei einer von Ihnen erschossen, so dass man erst mal Präsident Nixon aufsucht. (Irre Serie. ICH wäre ja stattdessen zum Bestatter gefahren)

Wertung:

„Aaaah! Hilfe, aaaanhalten! Aussteigeeeen!“ – Tja, nicht jeder fühlt sich in wilden Fahrgeschäften wohl, die im ganzen Vergnügungspark Essensreste regnen lassen. Denn die ersten drei Minuten dieser Folge fühlen sich bereits bereits an, als hätte der Doctor dem Internet das… Dings gemopst, halt den „Content“, auf den immer alle so scharf sind. Ja, wenn man die letzten Wochen nur SGU gesehen hat, werden einem bei so viel Lebendigkeit durchaus die Haarwurzeln angebraten: Ein Doktor unter dem riesigen Rock einer Frau, dann in einem Tunnel, dann in einem Dick&Doof-Film(!), dann eine Postkarte an Amy und Rory. Dann River Soong, dann fetzige Filmmusik, dann Wüste, Doctor mit Cowboyhut, Vorspann!

„Endlich mal eine normaaale Folge.“ – „Hey, hat der Mann im Mond nicht gerade mit dem rechten Auge gezwinkert?!“ – (Pic)knick in der Optik: Der Staffelauftakt bietet erstaunlich viele Details. Sogar größere, die dann wohl „Dotoils“ heißen, hahaha! Wie, albern? Ich? – Aber nur, um ebenfalls die Welt zu retten, mein Hörr!

Mal ehrlich: Mir hat diese Serie mit ihrer Lebensfreude und ihrem todesverachtenden Langeweilehass wirklich gefehlt. Die weiteren Minuten gibt es dann weiterhin einen „What the Fuck?!“-Moment nach dem anderen, die ich Euch auch nicht verderben möchte. „Was ist der Fick?“-Szenen sind schließlich das Schöne an der Serie, wenn man sich stets sagt: „Okay, jetzt sind sie völlig irre geworden. Ich wünschen ihnen von Herzen, dass so eine Gummizelle innen größer als außen ist“.

Und am Ende ergibt doch wieder alles einen Sinn. So wie bei diesen Kinder-Steckbaukästen, wo man verschiedene Formen (Dreieck, Kreis) durch vorgestanzte Löcher stecken muss. Dass man dieses „Logikspiel“ unsinnigerweise auf der Rückseite des Pluto ausführen muss, sollte man hierbei einfach nicht beachten… – Ob diese ganze Geschichte um Zeitreisepost, die man sich selbst aus der Zukunft zuschickt, überhaupt sinnvoll ist (woher wusste Future-Doc, dass sich alle pünktlich im Restaurant treffen würden?) und ob das Ganze nicht auch funktioniert hätte, wenn man einfach allen GESAGT hätte, um was es geht (um was auch immer es hier geht?), das alles ist für mich ein großes Rätsel. Aber als bielefelder Doctor-Reinkarnation möchte ich an dieser Stelle rufen: „Hoorey, I loooooove miracles! Wibbely-Wobbely-Timey-Winey! Do you want to join me?!“

„Hm, ich weiß wirklich nicht, wie der ECHTE Präsident bei all den Leuten in Ruhe arbeiten kann. Und die ganzen Telefone auf der Tischkante sind auch nicht gerade gut für die Beinfreiheit.“ – „Wer sind Sie eigentlich?“ – „Wenn ich jetzt ‚Doctor‘ sage, versprechen sie mir, dann nicht das abgedroschene Wort mit ‚W‘ zu fragen?“ – Doctor, Wo? Natürlich im schön nachgebauten Büro bei Präsident Nixon! Schon toll, dass die Produktionscrew nach der letzten (Billig-)Staffel anscheinend entdeckt hat, dass der BBC-Tresor von Innen doch größer als von außen ist.

Aus den oben genannten Gaga-Gründen will und kann ich daher gar nicht weiter auf den Inhalt eingehen, dafür aber auf etwas ganz anderes: Landschaft! Schöne Bilder! Toll gefilmt und auch so bunt! Sieht erheblich teurer und aufwendiger aus als die erste Folge der letzten Staffel. Denn auch Rumfahren kostet die Produktion Geld. So wie Whiskeyfahren oder Bierfahren, ha-ha-ha! Tschuldigung, sinnloser Spontan-Gag, der als Bonusmaterial einfach direkt im Text gelassen wurde. Macht die BBC hier ja schließlich auch so: Nicht lange denken, sondern den Irrsinn und die spontane Gedankenkette einfach durchziehen! Ziehen. Ziehen lassen. Tee! Einen im Tee haben. Besoffen sein! Was uns zum Witz mit dem Rum-Fahren zurückbringt! – Greeeeeeat!

Auch gut gefiel mir der Twist, dass Amy, Rory und River später MEHR wussten als der Doctor, sie ihm aber nichts sagen konnten. Praktisch die umgekehrte Variante der üblichen „Doof halten“-Konstellation. Diesmal musste der Doc seinen Kumpels vertrauen, dass das alles einen Grund haben würde (äh, welcher war das doch gleich?) und dabei im Blindflug durch die verschachtelte, vollgestopfte Story fliegen. Apropos Blindflug: Dass sich die Tardis neuerdings unsichtbar machen kann, ist durchaus praktisch. Dass der Doctor NICHT unsichtbar ist und im Oval Office gegen sein Raumschiff rennt, ist hingegen witzig. Praktisch. Witzig. Waktisch. Pritzig. Nicht verwechseln, my old friends! Hey, don’t touch me, I’m not mad!!

Schöne – und irgendwie für die Serie typische – Idee: Sobald man sich umdreht, vergisst man, dass man eben noch ein Alien gesehen hat. Ähnlich den bekannten Steinengeln sollte man in Gefahrensituationen also NICHT wegschauen. Und der mysteriöse Astronaut hat auch wieder mal den „Leute mit undurchsichtigen Masken und Helmen sind unheimlich“-Faktor, der in der Serie oft angewendet wird. Da stand er ja schon „Silence in the Library“ drauf, der gute Moffat.

„Sie sind sehr, sehr unhöflich, junger Mann. Ich erwarte, dass sie mir sofort einen Entschuldigungsblitz rüberschicken, jawohl.“ – Herumgestromert: Der Einsatz von Hochenergie-Aliens musste nach einem Unfall auf der Damentoilette in der Nähe von Fukushima leider überdacht werden. Die Technik ist leider noch nicht ausgereift und darf als „Brückentechnologie“ nur noch unter gleichnamigen Bauwerken angewendet werden.

Trotzdem kann ich noch keine GANZ hohe Punktzahl vergeben, denn erst in der nächsten Folge wird man sehen, was es mit dem unheimlichen Astronauten-Kind, den gruseligen „Schau weg und vergesst uns“-Aliens und den Zeitwirrungen auf sich hat. Und das Herumkriechen in dunklen Gängen konnte in Sachen „Flottiness“ auch nicht mehr mit dem Beginn mithalten. Macht man es normalerweise nicht so, dass man langsam anfängt und sich dann erst steigert? Aber gut, in der nächsten Folge geht es dann ja noch weiter…

Und jetzt entschuldigt mich. Ich muss die Folge noch mal sehen, um zu schnallen, warum sie überhaupt vom Salzsee zum Präsidenten gereist sind. (*Tardis-förmiges Notizbuch raushol*)


Fazit: Tolle Folge, habe gar nichts kapiert! Noch nichts… Aber Steven Moffat (manche nennen ihn auch den David Lynch für SF-Fans) darf seine Geschichten auch gerne im Inneren einer Zahnspange spielen lassen, so lange es so flott und kurzweilig daherkommt. „Doctor Who“ gucken ist eben immer ein bisschen wie träumen. Und diesmal hat man halt vorher zu schwer gegessen… Börps.

ACTION
HUMOR
TIEFSINN
ALLES IN ALLEM
SPARKS MICKRIGER MEINUNGSKASTEN
Einladung in die Vergangenheit!
Zu Beginn erstmal: Die eigentliche Handlung um den mysteriösen Astronauten möchte ich an dieser Stelle noch nicht bewerten, da der Großteil meiner letztendlichen Meinung halt von der Auflösung abhängt. Pluspunkte aber schon einmal für die skurrile Idee an sich. Solche Typen sieht man ja eher selten aus irgendwelchen Wüstentümpeln stampfen. Übrigens, meine Vermutung als selbsternannter Moffat-Versteher, wer sich am Mehrteiler-Ende hinter dem Helm des schießwütigen Kosmonauten versteckt: Dr. Song. Wegen der Ironie und so!

Übrigens, nachdem ich mich schon länger über die ewigen River Song-Einsprenkler geärgert hatte („Wissen Sie noch, Doktor? Damals, wo wir uns schon länger kannten als jetzt?“), scheint man in dieser Staffel das Ganze endlich zum Ende bringen zu wollen. Oder zum Anfang, je nachdem!

Sehr gelungen fand ich auch die Enthüllung, wer sich hinter „Einladung Nr. 1“ verbirgt. Schön, wenn das mögliche Potential einer Zeitmaschine auch einmal verwirrend-nützlich ausgenutzt wird und das Zuschauerhirn zum Verstehen etwas mehr Aufwand als üblich aufbringen muß.

Apropos Aufwand. Wie üblich wurde kaum etwas an Altbauten wiederverwendet und man spendierte uns ganz nebenbei noch das Weiße Haus von Innen. Inklusive gut geschminktem Nixon. Eventuell mit dem Hintergedanken, uns schon einmal für die neuen US-Torchwood-Folgen aufzuwärmen?

Trotz Klische-Maske fand ich sogar die Anzug-Aliens ein bisschen gruselig. Die Toilette ist schließlich der letzte Ort, wo man plötzlich das Gedächtnis verlieren will. („War ich jetzt schon Kaka machen, oder nicht?!“) Abgesehen davon hoffe ich, daß deren Motivation noch etwas ausgearbeitet wird. Auf dem Damenklo rumstehen und alte Damen zerbröseln ist irgendwie noch etwas mager.

Fazit: Wie so häufig gilt auch hier, daß ein herrlich wibbeliger Doctor schon die halbe (Noten-)Miete darstellt. Dazu noch das sympathische Ehepaar Pond, der übliche Aufwand und, um ganz sicher zu gehen, noch ein Firefly-Darsteller. Würde der Folge in der zweiten Hälfte nicht dezent die Luft ausgehen, wäre wohl eine Bestwertung drin. Aber 8 von 10 Punkten ist doch auch töffte!


Weitersagen!

Artikel

von Klapowski am 24.04.11 in TV-Review

Stichworte

Ähnliche Artikel


Kommentare (8)

  1. FF sagt:

    Tja, was soll man da noch groß sagen. Ganz ok, wenn man sich erstmal an das Niveau gewöhnt hat. Von der Ausstattung besser als der letzte Staffelauftakt. Kann damit hoffentlich nur besser als die letzte Season werden, auch wenn die Serie trotzdem leider vom gelungenerem, etwas trockeneren Humor des neunten Doctors immer noch weit entfernt ist und die aufgeregte Slapstick nicht so mein Fall ist.

  2. Gamlor sagt:

    War ne ziemliche Achterbahn fahrt, die mir gut gefiel. Ich warte mal auf die Fortsetzung.

  3. paranoid android sagt:

    Ich würd mich nicht darauf verlassen, dass das Ganze in der nächsten Folge aufgelöst wird. Ein Vorabrezensent meinte, dass die Serie nun in Richtung „Lost“ geht, was die Langzeithandlungen angeht. Hab ich prinzipiell nix dagegen, sofern The Moff einen besseren Plan als die Lost-Macher hat, wie er die Sache beenden will (sprich: ÜBERHAUPT EINEN Plan).
    Freue mich schon auf Folge 4, die dem bizarren Hirn von Fantasy-Ikone Neil Gaiman entstammt.

  4. Anubiz sagt:

    also daß River Song den Doc tötet, hab ich mir schon gedacht seit es hieß sie sitzt wegen Mord!

    feine Folge wieder, hoffe Mark Shepard bekommt im zweiten Teil mehr zu tun :)

  5. Raketenwurm sagt:

    Ja, Mark Shepard, der ist dufte. Und war übrigens nicht nur in Firefly, sondern auch schon in *Lufthooool* Battlestar, 24, Supernatural, Warehouse13, Chuck, CSI, NCIS, Dollhouse, Medium, Monk, Charmed, SpecialUnit2, JAG, ST-Voyager, Sliders, AkteX und dreitausenden anderen Serien, von denen ich noch nie was gehört habe. (Entsprechend ist das größte Mysterium bei LOST eigentlich, wieso er nicht auch da mitgespielt hat)

    Ja, war eine tolle Folge, und ärgerlich ist tatsächlich nur, dass alle Ungereimheiten auch nächste Woche noch nicht aufgelöst werden, und wohl auch nicht in Folge 7 – denn danach heißt es erstmal Warten bis Herbst, weil ja die Staffel diesmal geteilt wird.

  6. bergh sagt:

    tach auch !

    Ich stimme zu:
    Tolle Folge und der hibbeligste Doctor seit Jahrzehnten nervt wirklich manchmal.
    Der letzte war bis dato der Beste.

    Gruss BergH

  7. Lurker sagt:

    Hatte so ein bißchen was von dieser Babylon5-Folge, in der man durch verschiedene Zeitzonen reiste und lustig Raumanzugwechseldich spielte. „Du bist der Doctor der war. Du der Doctor der ist. Und Du der Doctor der sein wird!“
    * Aliens mit Krawatte sind immer creepy, weil sie was von BWLern haben
    * Dass River Soong den guten Doctor umgebracht hat/umbringen wird, hab ich schon vermutet, seit ihr Haftgrund genannt wurde. Wär schon fast zu einfach.
    * Der EX-FBI-Mann wollte bestimmt einen Mann heiraten und ist deshalb geflogen.
    * Es ist seit über einer Staffel kein einziges Mal mehr salutiert worden. Und das, obwohl die Folge in den Staaten spielt. Toll.
    Alles in allem ein schöner Auftakt, der – im Gegensatz zur letzten Staffelpremiere – nicht altes Material wiederkäut und erstaunlich gut ausgestattet ist.
    Wenn ich jetzt nur nicht ständig das Gefühl hätte, dass die BBC verkrampft versucht, die Serie auf dem amerikanischen Markt zu etablieren

  8. Laertes sagt:

    Staffel 6 läuft übrigens ab nächste Woche jeden Mittwoch 20:15 auf EinsFestival (ja, den Sender gibt’s wirklich).

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Brandneues
Gemischtes
Newsletter
Arschiv
Zum Archiv unserer gesammelten (Mach-)Werke.
Büchers
Jenseits der Goetter

Jenseits der Macht