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„Dune – Der Wüstenplanet“ – Das wüste Review

„Dune“ ist einer dieser Filme, die wohl jeder SF-Fan schon mal gesehen hat, und sei es auch nur, um den anklagenden Blicken der älteren SF-Fans zu entkommen. Doch heute möchte ich enthüllen: Auch diese haben den Film nur deswegen gesehen, weil David Lynch ihnen sonst nicht das Ende von Stanley Kubricks „2001“ erklärt hätte. Wirklich freiwillig und mit uneingeschränktem Genuss hat nur einer „Dune“ bislang geschaut: Regisseur Lynch selbst. Und das auch nur, weil sein Produzent ihn so fordernd angesehen hat, welcher wiederum von seiner Frau…


INFORMATIONEN:

Regie: David Lynch
Jahr: 1984
Budget: 40 Mio $

Poster
Die 3-Stunden-Sanduhr, um sie alle zu knechten...
Inhalt: Die Droge Spice (=„Gewürz“) gibt es nur auf einem einzigen Planeten. Ohne sie ist Raumfahrt nicht möglich. Ein Typ namens Leto Arthritis… äh… Atreides soll den Abbau überwachen, doch der böse Baron Harkonnen hat was dagegen. Zwischen die Fronten gerät Paul, ein blaublütiger Nachwuchsmessias, der im Laufe des Filmes auf die mystischen Fremen trifft, welche vom „Wasser des Lebens“ faseln und einen Anführer brauchen. Paul wird daher gerne ihr „Muad’Dib“, reitet den Monsterwurm und macht Harkonnen & Co. platt.

Wertung:

Vermutlich gibt es unter meinen Zulesern selbst für diesen Space-Schwachsinn diverse Fans. Schließlich müssen diese Leute, welche auch die „Pate“-Trilogie für die besten Filme aller Zeiten halten, noch die nachfolgenden Plätze auf ihrer Favoritenliste besetzen.

Ich hingegen hatte beim Sehen von „Dune“ ständig das Gefühl, als wollte David Lynch mir mit bretthart gefrorenem Toilettenpapier den Hintern abputzen, obwohl ja nur ER eiskalt kluggeschissen hat. Denn alle Figuren sind hier höchstens so sympathisch und zugänglich wie die aus der Bibel („Und siehe, Hiobulus gebar Schizoidus 40 Söhne und 12 Silberdukaten, bevor er über die Stadt Horoskopus nach Istegalus zog.“); die allgemeine Stimmung schwankt somit irgendwo zwischen „Die 10 Gebote“ und pseudointellektueller Selbstbefriedigung des Regisseurs.

Fast vermisst man nachträglich diese erklärende Textzeile im (sowieso schlechten) Startmonolog: „Spice… ähm… My Sperm is the stoff, what the universe to-sammenhält. Auf folgenden VIER Planeten beabsichtige ich, die Zuschauer mit meinem gehörigen Brain-Cumshot zuzusiffen: …“

„Ich komme wirklich nicht gerne zu diesem zeitraubenden Treffen, lieber Leto. Mein Arzt sagt, wenn ich nicht jede Stunde meine Chemotherapie bekomme, könnte mir doch noch irgendwo ein Haar wachsen!“ – „Stimmt. Deine Karriere als Pornodarstellerin für erektil dysfunktionale Esoteriker wäre dann gelaufen…“ – Baron Haarkommen: Die Welt von Dune ist voller Probleme. Alle Betroffenen warten allerdings noch immer auf einen externen Gutachter, der sie ihnen nachvollziehbar erklärt.

David Lynch hielt sich spürbar für den Meister der doppel-, ach: multibödigen Tiefgründigkeit, als er seinen mumienhaften Metaebenen-Möbelpackern (auch „Filmfiguren“ genannt) auftrug, mit Glückskeksweisheiten herumzuwerfen. Schon zu Beginn bekommt man fast die Krise – na, wenigstens etwas „Drama“ – als eine der vernachlässigbaren Föhnfrisuren irgendwas faselt von wegen „Das Schlafende muss erwachen“. Ein Satz, bei dem ich noch pflichtschuldig hochgeschreckt bin, obwohl diese Schlafsache schon verdammt verführerisch klang.

Überhaupt konnte ich mit der Art des Schauspiels wenig anfangen: Entweder staksten alle mit Leichenbittermi(e)ne in den Rohstoffkonflikt, nach dem Motto: „Selbstironie behindert nur die Unzugänglichkeit des Plots“, oder aber die Darstellung wirkte so überdramatisch und gespielt, dass ich schon vor 12 Jahren nur eine Szene im Kopf behalten hatte: Ein irre lachender Fettwanst-Bösewicht fliegt ohne sichtbare Hilfmittel an der Decke herum. Gaddafi und Achmadinedschad sollten sich daran ein Beispiel nehmen und uns die Abendnachrichten mit Motorcrosseinlagen und Skydiving-Elementen versüßen.

Und nein: Ich werde mir die Bücher NICHT durchlesen, um das sicherlich sehr durchdachte Kult-Universum verstehen zu können. Wir sind hier ja nicht bei Star Wars, wo jeder blaue Plastikpimpf im Hintergrund eine eigene Comic-Trilogie hat und mit deren Lebenslaufkenntnis alles angeblich noch viiiiel mehr Sinn ergibt. Drauf geschissen, ähm… gespicen. Und vielleicht würde ich „Dune“ auf jeden Fall hassen, denn die Miniserie von 2000 (fortgesetzt 2003 mit „Children of Dune“) fand ich ebenfalls schier unerträglich kläglich. Das gleiche mystische Stühlerücken mit lobotomierten Laberköppen, nur halt mit mieseren Kulissen. Und wenn man auch beim dritten Sehen nicht kapiert, was eigentlich Grundkonflikt und -aussage der Geschichte sein soll, dann sollte man sich entweder auf Space-Alzheimer untersuchen lassen oder allen filmischen Umsetzungen für die Bindung von so viel klimaschädlicher heißer Luft gratulieren.

„Ich sehe was durch’s Fenster, das ist hellgelb! Was ist das?“ – „Schnauze Junge, sonst zeige ich dir gleich mal meinen Fausttanz!“ – Wenn Patrick Stewart die Synchro der „Sinnlos im Weltraum“-Macher hätte, könnte man dem ganzen Film ja noch durchaus etwas Kunstvolles abgewinnen. So aber muss man sich vor Langeweile selber mit dem Sandschäufelchen im Anus herumgraben. Oder – noch besser – in dem von David Lynch, sofern man vorher seine Verehrer herausbekommt.

Immerhin ist die Optik hier noch ganz gut gelungen. Die Kulissen wirken liebevoll zurechtgezimmert, ebenso wie die diversen Zimmer. Die Wüste wirkt sandig und episch und das Universum irgendwie doch durchdacht, wenn man sich erst mal mit dem Riesenwurm auf den Kopf geschlagen hat, um zu verstehen, dass das Spice Menschen befähigt, per Gedankenkraft(!) den Raum zu krümmen. Gleichzeitig ist die Droge Wurmkot, macht arisch-blaue Augen und verlängert das Leben. Nur, dass dieses es in einem derartig langweiligen Universum nicht sehr lebenswert erscheint. Entweder hockt man hier nämlich in Wüstenhöhlen und erzählt mystisches Zeug in anderer Leute Träume (geplante Kinderbuchreihe: „Huibuh, das Spicegespenst“), oder man ist den ganzen Tag damit beschäftigt, sich über das Fraktionen-Gefurze der Gegenspieler auszulassen.

Immerhin bietet sich da ein lustiger Zungenbrecher an: „Wenn das Herrscherhaus haust, haut das Herrscherhaus auf des anderen Herrscherhauses Haut.“ – Im Ernst: Ich musste mich zwingen, die 3 ultralahmen Stunden der TV-Fassung (Kinofassung ist erheblich kürzer) irgendwie wach zu überstehen. Nur dank „Spice“ (= habe mir alle 5 Minuten scharfen Pfeffer in die Augen gerieben) war eine lebens… äh… wachphasenverlängernde Maßnahme möglich. Was aus dem Nachwuchsmessias (Toll, jetzt wird „Matrix“ sogar in der Vergangenheit schlecht parodiert!) werden sollte, war mir egal, die kalten Hauptdarsteller hätten alle sterben dürfen und Herr Harkonnen fiel nicht mal als kultiger Bösewicht auf. Der taugte höchstens als Erklärmodell für die Tatsache, dass viele Leute so genervt von Zirkusclowns sind.

Die pannigsten Sequenzen im Überblick:

– Gewaltherrscher Harkonnen bekommt ein paar Pickel ausgedrückt, wird von seinem Leibarzt angeschwult („Hübsche Haut!“) und zieht einem Jüngling einen Stöpsel aus der Brustwarze. Wir lernen daraus: Den Bösen läuft das Fiese sogar mittels Beulen aus dem Kopf. Kein Wunder, dass in Hautarztpraxen inzwischen keine Salben mehr verschrieben werden, sondern philosophische Standardwerke zum Thema „Moralisches Handeln“.

Sehr geehrter Herr Harkonnen! Wir, die Liga der Akne- und Leprakranken möchte sie in diesem Jahr für ihren offenen (SEHR offen, würg) Umgang mit ihrer Krankheit auszeichnen. Wir Erkrankten müssen uns wirklich nicht dafür schämen, dass jegliches Gebäude nach unserem Betreten abgerissen und neu errichtet werden muss! Desweiteren möchten wir sie heute trotzdem auf neue Hinweise der Akneforschung hinweisen: So liegen neue wissenschaftliche Erkenntnisse vor, dass das morgendliche Wälzen in Schweinefäkalien unsere Krankheit unter Umständen DOCH verschlimmern kann.

– Eine Art Hoh(l)enpriesterin fordert den Held auf, seinen Hand in ein Kästchen zu stecken, woraufhin sie ihm telepathisch suggeriert, dass diese verkohlt. „Unglaublich, so viel Schmerz hält keiner aus!“ – Doch! Denn auf der Schmerzskala geht es nach oben hin ja noch weiter. Diese peinliche „Isser nicht tapfer, der Bubi?“-Szene macht garantiert mehr Aua! Wo sind wir denn hier? In der offiziellen Verfilmung zur Band „Wir sind Helden“?

– Auch immer wieder gerne (zurück)genommen: Mystischer Blödsinn, der so sehr seiner eigenen Unlogik folgt, dass man selbst den Filmfiguren nicht zutraut, die Regeln zu verstehen. Ständig möchte man Patrick Stewart in seiner Nebenrolle als grimmiger Dingsbums zurufen: „Trikorder raus und Umgebung scannen! Diese Spice-Verschwörung ist doch ein Klacks für eine schöne TNG-Doppelfolge! Data? Brechen sie dem Fiesling den Arm!“

Immerhin preisverdächtig: Auf der mir vorliegenden Original-DVD war das Bild so unscharf, milchig und wackelig, dass es nicht mal zur VHS-Technikreferenz reichen würde. Aber irgendwie passt das zum schwammigen Inhalt. Sogar mit dem Drehbuch könnte man vermutlich auch die Windschutzscheibe seines Autos sauberwaschen oder die Küchenspüle reinigen…

„Ich weiß nicht. Irgendwie fand ich diese Wurmlochgeschichten bei Deep Space Nine noch interessanter.“ – Da ist der Wurm drin: Meister Blauauge versagt bei dem Versuch, Terence Hill in Sachen strahlende Guckerchen und Durchschlagskraft zu beerben. Aber immerhin dauert dieser Film dafür 3 Stunden, was jedem SF-Fan neue Vitalität verschafft. Also: DVD einwerfen, Film starten und in dessen Laufzeit endlich mal wieder einen längeren Waldspaziergang unternehmen!


Fazit: Zwar gibt es „nur“ 4 Planeten, 2-3 Fraktionen und ein halbes Dutzend mächtige Personen, doch die innere Dynamik und Logik des Konflikts erscheint mir noch immer so unzugänglich wie die Frage, warum ich mir die 3 neuen Star-Wars-Episoden anschauen sollte, nur um Anakin dabei zuzusehen, wie er schlussendlich Samuel L. Jackson aus dem Fenster schmeißt. Für mich hat „Dune“ kein Herz und mit zugänglicher Filmkunst so viel gemeinsam wie die Pyramiden mit gemütlicher Wohnarchitektur.

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von Klapowski am 25.02.11 in Film-Review

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Kommentare (21)

  1. DJ Doena sagt:

    Da muss ich doch gleich erstmal Klapos Anweisung misachten und ihm „Der Wüstenplanet“ als Roman (lächerliche 800 Seiten) ans Herz legen.

    Ich hab ja Anfang der 90er liebend gerne Dune II gespielt, welches mit dem Film in etwa so viel zu tun hat, wie der Film mit dem Buch.

    Den Film fand ich gleich beim ersten Mal gucken genauso faszinierend wie unverständlich. Inzwischen ist das glaube ich die DVD, die ich in mehr Editionen als jeden anderen Film hatte – seit einiger Zeit nun auch in der Blu-ray Variante.

    Bei den Büchern finde ich auch das erste sehr genial. hab es mehrfach auf deutsch gelesen und sogar einmal auf englisch. Auch den „Herrn“ hab ich noch gelesen, bei den „Kindern“ hab ich dann aber aufgegeben.

    Dennoch, das erste Buch kann ich einem Sci-Fi-Leser (einem richtigen, nicht einem „ich hab schon mal ein Star-Trek-Buch in der Hand gehalten“-Leser) nur empfehlen. Danach macht dann auch der Film halbwegs Sinn.

    Bi-la kaifa!

  2. Anubiz sagt:

    Och, die Bücher gehen ganz in Ordnung, allerdings kein leichter Stoff.

    ach ja: Die können nicht mittels Gedanken den Raum krümmen, sondern im Hyperraum navigieren – oder so :)(zumindest im Buch)

    • Klapowski sagt:

      Ich glaube schon, dass das am Anfang relativ deutlich gesagt wurde: „Raumkrümmen… blabla… Spice.“ – Spielt aber sowieso keine Rolle, da generell wenig erklärt wird. Wobei ich nicht mal was gegen Filme habe, wo man richtig mitdenken muss. Aber dann müssen die schon so genial sein, dass man es auch GERNE tut.

    • Marvin sagt:

      Im Film wird wohl einfach viel als gegen gesehen. War wirklich schwer nachzuvollziehen. Korrigiere, setze „schwer“ als „quasi nicht“.
      Habe Vieles erst nach dem Lesen der Bücher verstanden.

      Zur Fortbewegung im Weltraum. Das Krümmen haben schon Maschinen übernommen. Allerdings erfordert das sichere Erreichen des Zielortes genaue Berechnungen. Das hatten am Anfang Computer übernommen, mit einem immernoch hihen Restrisiko in einemn Stern oder sonstwo zu landen. Nach Butlers Jihad (der durch diese Technologie überhaupt erst gewonnen wurde, wenn ich mich recht entsinne) durfte es aber keine „Denkmaschinen“ mehr geben. Das übernahmen später durch das Gewürz mutierte „Navigatoren“, deren Intuition qusi das Rechnen ersetzten. Ganz nette Idee.

  3. FF sagt:

    Und was haltet ihr von den diversen TV-Verfilmungen?

  4. Bierman sagt:

    Die Bücherreihe ist einfach genial, ich empfehle jedem die zu lesen. Frank Herbert ist ein begnadeter Autor! Es ist schön wie SciFi mit religiösen, mystischen Elementen verbunden wird, und eben nicht alles mit einem reversed Tachoyn Beam gelöst wird ;). Die Charaktere werden weiterentwickelt, viele schöne Szenen, und einiges an DRAMA.

  5. Klapowski sagt:

    Dann könnte man mir vielleicht mal an dieser Stelle erklären, was jetzt den Reiz der Geschichte ausmachen soll, gerne auf die Bücher bezogen.

    Geht es „Neo“-mäßig weiterhin irgendwie um den „Auserwählten“? Oder werden nur dauernd neue Herrscherhäuser zerlegt? WAS DENN NUN?!

    • DJ Doena sagt:

      Im Prinzip geht es darum, dass Paul Atreides versucht, sich gegen eine Zukunft zu stemmen, die er vorhersehen kann – eine Zukunft, in der er das ganze bekannte Universum in einen blutrünstigen Krieg verstrickt. Das Problem ist auch, dass alle anderen Optionen noch schlimmer werden.

      Letztendlich kämpft er also gegen ein unausweichliches Schicksal.

      Was die Buchgeschichte so interessant macht, ist das Paul als Kwisatz Haderach nur ein „Unfall“ war – ein Unfall in dem Sinne, dass die Bene Gesserit zwar schon einen KH züchten wollten, aber es sollte nicht Paul sein und schon glei8ch gar niemand, den sie nicht unter der Kontrolle haben.

      Und auch die Legenden bzgl des KH wurden seit Jahrhunderten auf allen Planeten gestreut, Paul und seine Mutter haben sie nur für sich zu nutzen gewusst, um zu überleben.

      So erfüllt sich am Ende die Prophezeiung wie geplant – nur nicht, wie es irgendjemand geplant hatte.

    • esSarah sagt:

      Ich bin mal gespannt, ob der Kommentar 12144 Zeichen plus die gerade getippten übersteht ;-)

      Tatsächlich ist schon der zweite Roman eine massive Dekonstruktion des Madhis (Messias) die er vor allem selbst betreibt. Der unausweichliche Jihad ist gelaufen, das Rückerobern von Arrakis (begleitet von der universalen Machtübername, so als angenehmer Nebeneffekt ;-) ) hat den Tod von Milliarden verursacht, und obwohl Millionen eine Statistik sind (er vergleicht da schön mit ein paar der bekannteren Bösewichte wie Djingis Khan und Hitler) hat er ein extrem schlechtes Gewissen.

      Sein Sohnemann (Leto der II.), praktisch eine noch mächtigere Version seiner selbst, geht den Goldenen Pfad – die Idealversion der möglichen Zukünfte, für die er sich aber schon von Vornherein als böser und im wahrsten Sinne unmenschlicher (er geht eine Symbiose mit den Würmern ein)Tyrann etablieren muss.

      Die letzten zwei Bände spielen dann soweit in der Zukunft (des Universums), dass sie für Nichtleser eigentlich uninteressant sind.

      Ich versuche mal, eine vereinfachte Inhaltsbeschreibung zu geben.
      Die „Spieler“:

      – Die feudale Struktur

      Ein typisches Hierarchisches System mit einem Imperator an der Spitze, der zum Zeitpunkt des Film-/Buchstarts von der Famillie/Haus Corrino gestellt wird. Dem Imperator unterstellt sind dann die weiteren Adelsfamillien/Häuser, die als Lehen ganze Planeten halten.
      Wie es typisch für so ein System ist, gibt es komplexe höfische Regeln, eine davon ist Kanly, ein anderer Name für Fehde, quasi eine geordnete Feindschaft zwischen zwei Häusern, die Ehrenvoll ausgetragen werden muss. Eine solche Fehde besteht seit längerem zwischen den Häussern Atreides (die guten ;-) und Harkonnen (die Ultrabösen ;-) ) Die Häuser sind im Laandsrat organisiert. Von den anderen Häsusern hören wir nicht viel.
      — Haus Corrino
      – Stellt den Imperator (Padischa Imperator Shaddam der wasweisichwievielte)
      – Die älteste Tochter ist Prinzessin Irulan, Gebildet, Nett, Hübsch, aber im Kontext nur als Weg zum Tron interessant.

      Dem Imperator ist das Haus Atreides ein Dorn im Auge, weil sie sehr beliebt sind und an Einfluss gewinnen und so die Angst besteht, dass der Imperator abgesägt und durch einen Atreides ersetzt wird.

      — Haus Atreides
      – Herzog Leto -> Famillienpatriarch bis zuu
      – Lady Jessica, seine Konkubine (er heiratete sie nicht, um die Möglichkeit einer politisch motivierten Heirat nicht zu sabotieren)
      – Paul Atreides, später Mua’dib (Selbstgewählter Frehmenname), Madhi (mehr die unterstellte Funktion), Kwisatz Hadderach (die tatsächliche Funktion), Usul (Nur innerhalb seiner „Einheit“ bekannter Name) und wahrscheinlich noch ein paar Namen, die ich vergessen habe ;-)

      — Haus Harkonnen
      – Baron Fladimir (der sein exzessives Übergewicht liebt und pflegt, da es die Leute verschreckt). Liebt ausserdem blutjunge Männer.
      – Sein Neffe Feydd Rauta (der dafür im Gegensatz wie aus dem Ei gepellt aussieht, aber ein klassischer Narzisst ist)
      – Rabban, ein anderer Neffe, der für seine Vorliebe für Brutalität bekannt ist.

      – Die Raumfahrergilde
      Die Piloten brauchen Spice, da es präkognitive Kräfte weckt. In der Buchvariante müssen sie den Kurs vorberechnen/präkongnitiv Vortesten, denn aufgrund böser Erfahrungen wird keinen Computern mehr vertraut. Spice ist da quasi Trick 17 ohne den es keine Raumfahrt mehr geben kann – und damit ohne Spice zwangsläufig die ganze Kultur zusammenbrechen würde. („Das Spice mus fliessen“)
      Die Monopolstellung der Gilde sorgt ausserdem dafür, dass sie die Preise für Raumfahrt fast beliebig festlegen können und deshalb über enorme finanzielle Mittel verfügen

      – Die Bene Geserit
      Eine philosophische Schule, die mentale Techniken übt, allerdings normalerweise nicht auf einem telepathischen oder präkognitiven Level. Macht sich nützlich, als Beraterinnen, Lehrerinnen (für mentales Training), Wahrsagerinnen (nicht Zukunft, sondern lebender Lügendetektor) und Macht aus dem Hintergrund aus, auch und gerade, in dem sie die zukünftigen Verpartnerungen organisieren.

      – Die Fremen
      Quasi die „Eingeborenen“ auf Arrakis/Dune. Sie wollen vor allem in Ruhe gelassen werden, siehe auch: Gehemeime Pläne. Sie haben sich extrem gut an die schwierigen Bedingungen des Planeten angepasst, sind sehr streng und hierarchisch organisiert.

      ———-
      Geheime Pläne:

      Bene Gesserit

      Die Bene Gesserit kennen einen Weg, eine Art genetische Erinnerung freizusetzen. Das funktioniert bislang allerdings nur bei Frauen und die haben ein Problem mit den männlichen Erinnerungen im Genpool. Deshalb versuchen sie den Quwisatz Hadderach zu züchten, einem Mann, der das freisetzen der Erinnerungen überleben kann und auf den Pool beider genetischer Erinnerungen zugreifen kann – einen männlichen Bene Gesserit, einen „Mann der an mehreren Orten (in der Erinnerung) gleichzeitig sein kann. Das ist die Bedeutung der Worte „Quwisatz Hadderach“.

      Jessica war von den Bene Gesserit (denen sie auch angehört) angewiesen, eine Tochter zu gebähren, die dann später mit dem Sohn der Harkonnens (ich glaube Sting / Fyedd Rauta) Verpartnert werden sollte. Das hätte gleichzeitig die politischen Probleme etwas entschärft und den geplanten Quisatz Hadderach hervorgebracht. Dummerweise hatte sich Jessica das Verbrechen (als Bene Geserrit gegenüber den Bene Geserrit) zu Lieben erlaubt und ihrem Leto den von ihm gewünschten Sohn geboren, eben Paul, und es ist am Anfang noch etwas unklar, ob er denn vielleicht schon die Eigenschaften besitzt, die man herzüchten wollte.

      Die Bene Geserrit sind Dank ihrer weiten Verbreitung Meisterinnen darin Mythen zu streuen, derer sich in Not geratene Angehörige der Bene Geserit bedienen können – was exakt das ist, was Pauls Mutter tut, als die Fremen ihre einzige Chance zu überleben sind.

      Ausserdem sind die Bene Gesserit, sobald man sie etwas besser kennt, für ihre langen, generationsübergreifenden Planungen bekannt, für die eigentlich keine der anderen Organisationen die Geduld hätte.

      Haus Corrino (Herrscherfamillie)

      Da sich der Imperator vor dem wachsenden Machtanspruch des Hauses Atreides fürchtet, hecken sie mit dem Haus Harkonnen zusammen einen Plan aus, halten aber ihre Beteiligung geheim. Würden sie offen gegen die Atreides vorgehen, hätten sie die anderen Famillien gegen sich aufgebracht.

      Haus Harkonnen

      Hielt den Planet Arrakis / Dune als Lehen, der die einzige Quelle für Spice ist. Die Produktion ist etwas ins Stocken geraten und das liefert einen guten Vorwandt für die Intrige, an deren Ende das Haus Arrakis ausgelöscht ist und die Spice Ernte wieder besser gesichert ist. Da das Spice ein Monopol darstellt, wurde das Haus Harkonnen mit diesem Lehen sehr Reich.

      Der Plan ist, sich durch den Imperator das Lehen nehmen zu lassen, welches dann dem Haus Atreides übergeben wird. Das Haus Atreides wird, auch mit Hilfe getarnter Elitesoldaten des Imperiums, zerstört und die Harkonnen übernehmen wieder das Lehen. Dies wird erstmal mit Hilfe des „Monsters“ Rabban extrem „geknechtet“ (keine explizite Anweisung erforderlich, man kennt die seinen ja ;-) ) und das Volk des Planeten dann quasi durch den sorgsameren (und „hübscheren“) Feydd Rauta „befreit“ werden, der dafür dann vom Volk dort geliebt werden soll (ergo besser motivierte Leute ohne Rebellionspläne).

      Haus Atreides

      Nur ein kleiner Geheimplan, aber nicht ganz unwesentlich für die weitere Geschichte: Paul, der Erbe, wurde vom Vater ohne dessen Wissen zum Mentaten ausgebildet. Eine bestimtme „Denktechnik“ mit der das Fehlen von Computern (Denkmaschinen) ersetzt werden soll.
      Als sie das Lehen Arrakis erhalten, wittern sie schon eine Falle und versuchen allem Voran, zu überleben. Sie wittern schon, das hinter den Fremen mehr steckt, als man auf den ersten Blick sieht und versuchen, sie für sich zu gewinnen.

      Die Fremen

      Haben wohl den grössten Geheimplan von allen. Der planetare Ökologe, eine Beamtenposition die ironischerweise vom Imperator bezahlt wird Keyns Senior, hatte das ökologische System des Planeten soweit durchschaut, dass er einen Langzeitplan aufstellen konnte, der den Wüstenplaneten zu blühenden Landschaften Terraformiert. Den hat er allerdings dann nicht etwa dem Imperator präsentiert, sondern den Fremen und die arbeiten jetzt in den ersten Stadien im geheimen an dem Plan, und im ersten Schritt bedeutet dies vor allem, so viel Wasser zu sammeln, wie nur irgend möglich. Keyns Senior ist zum Zeitpunkt des Filmes/Buches schon verstorben, sein Sohnemann heimlicher Anführer der Fremen (Alec Guiness im Film).
      Die ganze Sache hat nur einen Nachteil… die Sandwürmer können auf einem grünen, für Menschen paradisischen Planeten nicht überleben, und sie sind die Quelle des Spice. Gleichzeitig „schmieren“ sie die Raumfahrergilde, so dass ihre Bemühungen (die letztlich aus dem Weltall sichtbar würden). Die hat, zusammen mit den präkognitiven Fähigkeiten, die ihre Navigatoren dank des Spices habe, ziemlich genauen Einblick und schauen besorgt auf die Ereignisse und versuchen die Mächtigen zu Warnen, ohne allzuviel zu verraten, um den Spicenachschub zu sichern. Das sorgt dann Teils für kryptische Botschaften, die dann so richtig mystisch klingen („Das Spice muss fliesssen!“)

      ——–

      Was dann passiert:

      Ein aufeinandertreffen der ganzen Geheimen Pläne. Das Haus Atreides wird wie geplant von den Harkonnen (und Corrino) vernichtet, aber Jessica und Paul überleben das Gemetzel, ohne dass es bekannt wird und kommen erstmal, auch dank des als Mystizisumus etablierten Sicherheitsbackups bei den Fremen unter (die diese manipulation Gottseidank nie bemerken). Unter dem Schock und dem ersten Überlebenskampf nimmt Paul zum ersten mal seine Mentatenausbildung wahr und beginnt plötzlich so einige Zusammenhänge zu verstehen, auch seine bislang eher latenten präkognitiven Fähigkeiten werden zum ersten mal zu einem Werkzeug. (Auf Arrakis ist quasi unmöglich, kein Spice zu sich zu nehmen)
      Als die Fremen mitbekommen, dass Mama Jessica eine Bene Gesserit ist, wird die geehrte Mutter, eine Bene Gesserit, die eine mächtige quasireligiöse Position bei den Fremen einnimmt durch sie ersetzt. Bei dem oben erwähnten Ritual, bei dem die genetischen Erinnerungen freigesetzt werden (+ die der Person, mit der das Ritual durchgeführt wird). Dummerweise hat man aber vergessen, darauf zu achten, dass Jessica mit einem Mädchen Schwanger ist, das diesen Prozess dadurch ebenfalls mitmacht und nun schon in Utero das Wissen tausender Generationen in sich trägt.
      Derweil arbeitet sich der Rachebessene Paul in den Rängen der Fremen immer weiter hoch, die religiöse Verzerrung als Madhi (das Sicherheitsnetz für Bene Geserrit) ist dabei sehr Hilfreich.
      Ganz nach Plan der Harkonnens schindet derweil Rabban Harkonnen die Bevölkerung, was zu offenen Aufständen führt, die auch durch die Fremen (und Paul, der sowieso was persönliches gegen die Harkonnen hat) unterstützt. Wie gesagt merkt man bei der Raumfahrergilde nun, dass da was ganz böse schief läuft, und überreden den Padischa Imperator, doch mal nach dem Rechten zu sehen.
      Etwa zum selben Zeitpunkt hat Paul das Gefühl, in einer Sackgasse zu stecken. Immer wieder hat er gewaltvolle, grausame Visionen, in denen im seinem Namen übelste Genozide im Rahmen eines Djihad ausgeführt werden. Mittlerweile hat er über seine Mutter von den Plänen erfahren, die die Bene Gesserit mit ihm hatten / haben und unterzieht sich heimlich dem Ritual, um die genetischen Erinnerungen zu erlangen. Er überlebt nur knapp, aber es klappt.

      Mit all diesen Fähigkeiten kombiniert, dem Mentatentraining, dem Bene Gesserit Training, den genetischen Erinnerungen und den spiceinduzierten Präkognitionen, die wohl in Verbindung mit den „Kwisatz Hadderach“-Genen bei ihm ganz besonders stark wirken (er nimmt auch immer wieder Überdosen Spice zu sich) erlangt er gewissermassen den vollen Durchblick, bemerkt, dass der Imperator samt Hofstaat auf Arrakis gelandet ist und kommt mit einem Plan auf, mit dem er den Imperatortron erobert…

      … nur seine Befürchtungen bezüglich des Djihads werden wahr und er kann es nicht verhindern (er hätte es verhindern können, wenn er auf seine Machtansprüche und Rache verzichtet hätte)

    • Raketenwurm sagt:

      Um Dir ein „Was ? Keine Reaktion auf meinen schönen, langen, in vielen Stunden wohldurchdacht formulierten Text ? Hätte ich die dafür aufgebrachte Zeit mal lieber in die Suche nach meinem Seelenverwandten gesteckt !“ zu ersparen, möchte ich erwähnen, dass ich alle Passagen Deines Essays gelesen habe, die Informationen enthielten, die mir neu waren.

    • esSarah sagt:

      Jahre später :-) Ich habe gerade erfahren, dass es wohl vor Lynchs Verfilmung beinahe eine andere gegeben hätte, die ihn allen bemängelten Punkten noch schlimmer gewesen wäre. Der beinahe-Verfilmer plante einen filmischen LSD Trip auf Basis des Romans. Zum Thema Lynch selbst. Es ist schon fast traurig, dass dies eines seiner wenigen Medienprodukte ist, die immerhin Sinn ergeben. Vielleicht wagt sich ja mal jemand im Sinne von Game of Thrones an die Serie, mit genügend Zeit, um alles und jeden angemessen einzuführen ohne dabei die Spannung abreissen zu lassen. Verdient hätte es das Basismaterial.

      Was am Misserfolg der Lynch-Produktion ein wenig schade ist, ist das Mangels Nachfolger die Dekonstruktion des „Gary Stue – Supermann um den sich das Universum dreht“ fehlt. Vor allem weil er in der Lynch Variante noch um so mehr als solcher aufgebaut wird.

      Mir ist noch etwas aufgefallen: Wie ich oben schrieb hätte Paul wohl eine Menge verhindern können, wenn er sich mit dem einfachen Leben bei den Fremen abgefunden hätte. Und mit seiner Präcognition wusste er, dass seine (ersten) Kinder ein zumindest sehr wahrscheinliches Opfer seines persönlichen Rachefeldzugs werden. Was für ein megalomanisches, egoistisches Arschloch.

  6. Raketenwurm sagt:

    Dune – ja, der Film ist seltsam, aber gut. Mein erster Kontakt mit „Dune“ war das gleichnamige Computerspiel auf dem Amiga – „Dune“, ein abstruser Mix aus Adventure und Strategiespiel, aber äußerst schön zu spielen, wenn man erstmal kapiert hat, wie das da alles langläuft. Dann kam „Dune 2“, hat wie erwähnt nix mit dem Film zu tun, begründete aber letztendlich das RTS-Genre, aus dem u.a. C&C, Warcraft und Starcraft hervorgegangen sind. Ohne David Lynchs „Dune“ kein World of Warcraft – wer hätte das gedacht. Und damit wären wir beim Film. Als ich den zum ersten Mal sah, war ich schockiert. Wenn man bisher nur Star Trek geguckt hat, ist das natürlich ein Kulturschock – diese wirre Story über hässliche Figuren, die merkwürdige Dinge tun. Aber, nach der dritten Wiederholung habe ich angefangen den Film wirklich richtig gut zu finden. Die Atmosphäre ist einfach toll – eben weil alles so fremdartig und unsympathisch ist. Der TVMovie gings glaube ich ganz ähnlich, denn während der Film bei den ersten Ausstrahlungen immer einen blassen Stern bekam, wird ihm seit ein paar Jahren ein dicker, Roter verliehen. Dune ist eben wie Sex mit einer Affaire, während man verheiratet ist – es macht jedes mal ein kleines bißchen mehr Spaß…öh, habe ich gehört. Wahrscheinlich ist es gut, sich außerdem die TV-Verfilmung anzuschauen, die deutlich mehr erklärt. Dadurch wird dann wahrscheinlich auch „Dune“ nachvollziehbarer und leichter zu konsumieren.

  7. Dingens sagt:

    Mich hat an Dune vor allem die (mehrere?) zehntausend Jahre alte Geschichte der Menschen im Universum fasziniert, und die Tatsache, dass die Bene Gesserit tausende Jahre im Voraus geplant hatten, um diese Qisatz Wieauchimmer zu erzeugen, und dabei ganze Religionen und Prophezeiungen geschaffen haben, die sie dann selbst erfüllen konnten. Faszinierend und erschreckend.

    • Dingens sagt:

      ich sollte dazu sagen, dass ich zuerst das Buch gelesen habe und daher den Filmen etwas abgewinnen konnte, ansonsten wäre es mir wohl auch wie Klapowski ergangen. Von filmtechnischen Aspekten her finde ich vor allem den ersten Film tatsächlich als etwas blutarm…

  8. icebär sagt:

    Zeit, um mal Werbung für eine WIRKLICH gelungene Prequel-Trilogie in Buchform zu machen: „Dune – Die Legenden“ erzählt die Geschichte, die über 10.000 Jahre vor dem Film spielt. Da gibt es Computer, Roboter und Cymeks (monströse Cyborgs, die ihr Gehirn auf den Wechselkörper der Woche pflanzen) und auf der anderen Seite die Menschheit. Bei der Vielzahl unterschiedlicher Charaktere grenzt es wirklich an ein Wunder, dass das Lesevergnügen dabei nicht auf der Strecke bleibt. Unter dem Strich wird hier wirklich ein galaxisweiter Krieg beschrieben, der seines Gleichen sucht. So wird zum Beispiel die komplette Erde mitsamt der menschlichen Sklavenbevölkerung durch Nuklearsprengkörper sterilisiert, nur um einen einzigen der Superdupermega-Allgeist-Computer-Inkarnationen aus der Galaxis zu tilgen. Im Kern ist es eine Aneinanderreihung von äußerst fragwürdigen Entscheidungen auf Seiten der Menschheit, um sich gegen die totale Vernichtung durch die Maschinen zu behaupten. Im Anschluss daran ist es nur allzu verständlich, warum Navigations-Computer und Roboter verboten wurden, um durch Spice-Navigatoren und Mentaten ersetzt zu werden.
    Die Klonkriege und die ganzen Star-Trek-Konflikte, der Krieg aus Terminator und der Bug-Krieg aus Starship Troopers sind dagegen nur lächerliches Gewerfe mit Sand im Sandkasten. Da hat Kevin J. Anderson wirklich ein gut geschriebens Stück Mainstream-Science-Fiction zutage gefördert, der sich nicht mit den pseudointellektuellen Altlasten von Frank Herbert abmüht.

    • DJ Doena sagt:

      ARGL!!!

      Diese Bücher sind für sich betrachtet triviales SF-Mittelmaß. Eingebettet in das Dune-Universum werden die Bücher an dem Anspruch, dem sie sich damit automatisch stellen nicht annähernd gerecht. Auch wenn sie 10.000 Jahre vor „Der Wüstenplanet“ spielen, zeichnen sie das Universum nicht so, dass es sich mit dem anderen zusammenführen lässt. Oh ja, viele bekannte Namen werden eingebaut und verwendet (Atreides, Harkonnen, Butler, Suk, usw.), aber man baut keine emotionale Verbindung zu diesen Menschen auf. Ein weiterer Makel ist die sehr einfach gehaltene Sprache. Dies macht es zwar relativ einfach, sich durch die insgesamt 2500 Seiten zu lesen, entspricht aber nicht dem Anspruch, den Frank Herberts Bücher aufgestellt haben. Inwieweit sich die Sprache auf die Übersetzung zurückführen lässt und ob das Original besser geschrieben ist, kann ich an dieser Stelle nicht beantworten.

      Inhaltlich merkt man den Einfluss von Kevin Anderson, der bereits viele Geschichten für das Star Wars Universum geschrieben hat. Da sind wir nun, die Denkmaschinen – primär verkörpert durch den Zentralcomputer Omnius und zwei unabhängige Roboter Erasmus und Seurat – versklaven die Menschen auf rund 550 Welten, während ihnen nur wenige Liga-Welten entgegenstehen, welche ihrerseits mit versklavten Menschen auch keine Probleme haben. Eine dritte und vierte Partei sind Menschen, die sich vor vielen Jahrhunderten von ihren menschlichen Körpern getrennt haben. Erstere sind die „Titanen“, welche das Omnius Computersystem vor 1000 Jahren erschaffen haben, um die Macht zu erlangen – dummerweise übernimmt Omnius selbst die Macht. Die anderen sind die Kogitoren, welche ebenfalls seit 1000 Jahren über „das Leben, das Universum und alles sonst“ philosophieren.
      Zwischen der Liga und den synchronisierten Welten besteht kein Frieden, aber ein brüchiges Gleichgewicht. Der Hauptcharakter Vorian Atreides, Sohn des Titanen Agamemnon lebt im Omnius-Imperium, bis ein Ereignis den Djihad (Djihad heißt eigentlich „heiliger Weg“, wird aber oftmals mit „heiliger Krieg“ übersetzt) der Menschen gegen die Denkmaschinen auslöst. Ab dort bis zum Ende der Trilogie vergehen knapp 200 Jahre in denen sowohl die Denkmaschinen, als auch die Menschen unvorstellbare Grausamkeiten begehen, um diesen Krieg zu ihren Gunsten zu entscheiden. Dabei reisen die Menschen und Maschinen mit Unterlichtgeschwindigkeit, sind aber trotzdem innerhalb weniger Monate in den feindlichen Territorien. Es werden Milliarden von Menschen geschlachtet und geopfert und wenn es zum Nahkampf kommt, kämpfen Söldner mit „Pulsschwertern“ gegen Kampfroboter – George Lucas hätte seine wahre Freude gehabt. Dann gibt es da noch „Zauberinnen“, welche sich dem Kampf gegen die Titanen verschworen haben und mit „Mentalblitzen“ Gehirne zerstören können. Außerdem schafft es eine Frau, sich innerhalb einer Lebenszeit in einen Navigator zu verwandeln, wie wir ihn aus dem Lynch-Film kennen – nichts mehr mit „Jahrtausende des Spice-Konsums haben sie genetisch verändert“.

      Selbstverständlich ist am Ende der Trilogie jeder tot, der in den originalen Dune-Büchern nicht vorkommt (Omnius, Titanen, Kogitoren) und jede wichtige Organisation zumindest angedeutet (Gilde, Suk-Schule, Bene-Gesserit). Des Weiteren wird aufgrund einer hanebüchenen Wendung der Story die Atreides-Harkonnen-Feindschaft 2 Seiten vor dem Ende des 3. Bandes aus dem Ärmel gezaubert.

      Fazit: Wer einfach SF-Kost mag, kann’s lesen, wer auf spannende Weise erfahren will, was in Butler’s Djihad passierte, sollte es lieber bleiben lassen.

    • Marvin sagt:

      Dem kann ich nur bedingt zustimmen. Las auch nur die deutsche Übersetzung, die durchaus zugänglich war. Man konnte auch inhaltlich gut folgen, was bei den vielen Handlungsorten- und teilnehmern auch gut so war. Ich fand die Geschichte durchaus passend für das Universum 10.000 Jahre später. Das pseudo-religiöse Geschwurbel war etwas abgespeckt aber immernoch in Ansätzen soweit vorhanden, dass man die diversen Glaubensrichtungen (Bene Gesserit, Bene Tleilax, Fremen,…) einigermaßen plausibel nachvollziehen kann. Denke nicht, dass Frank Herbert ein großes Problem damit gehabt hätte. Immerhin hatte ja wohl auch seine Sohnemann mitgeschrieben. Überhaupt sehe ich einige Parallelen zu J.R.R.Tolkien. Beide hatten sich eine komplette Welt mit allem drum und dran ausgedacht, starben aber bevor alles als runde Sache veröffentlicht wurde (vermutlich von beiden auch eh dafür gedacht, aber es bringt halt Geld). Beide waren wohl auch eher nicht so die geborenen Geschichtenerzähler.Bei Tolkiens Herr der Ringe zog sich die Geschicht zum Ende hin immer länger, da hatte ich trotz immenser Begeisterung für das Thema arg zu kämpfen (insbeondere beim zweiten Mal Lesen). Bei Herbert ist es ähnlich. Waren die ersten beiden Bände noch spannend, man entdeckte ein völlig neue Welt, legt sich das mit steigender Buchanzahl. Beim „Gottkaiser des Wüstenplaneten“ hatte ziemlich zu tun. Viel Blabla, eine schwer nachzuvollziehende Gedankenwelt. Da sind die späteren Bücher von Anderson und Herbert Junior wesentlich zugänglicher. Gibt ja nicht nur die oben erwähnte Trilogie sondern auch noch Hintergründe zu den Häusern Harkonnen, Atreides und Corrino, und nicht zu vergessen der Abschluss der Saga, der vielleicht nicht 100% zufriedenstellend aber wenigstens nachvollziehbar ist.

      Zum Fazit: gibt es eine andere Möglichkeit zu erfahren, was in Butler’s Jihad passiert ist? Irgendwelche Original-Dokumente? Wäre ja mal interessant.

  9. Piet sagt:

    Junge Junge, „Sinnlos im Weltraum“ hat sogar die besseren Soundeffekte!

  10. Benk sagt:

    Also…
    ich persönlich mag den Film Dune wirklich sehr gerne und muss trotzdem zugeben, dass er sich leider nicht wirklich verteidigen lässt. Das dumpfe Spiel der Schauspieler etwa, das für mich aber innerhalb der Welt passt.
    Schlimm sind leider die Sachen, die sich der Regisseur so ausgedacht hat (Schallwaffen, Stöpsel ect.), grässlich.
    Dennoch sind die Kulissen fantastisch und auch so mancher Effekt sieht immer noch ganz ansehnlich aus.
    Soweit dazu und ganz ehrlich er gehört wirklich zu meinen Lieblingsfilmen (was das so alles über mich aussagt).

  11. Hrim sagt:

    Die Bücher als Beiwerk abtun, und sie wegen eines – zugegebenermassen schlechten – Films zu ignorieren, ist schon dreist. Zur Information: ‚Der Wüstenplanet‘ wurde 1965 veröffentlicht (fast 20 Jahre bevor der Film enstand) und gilt zurecht als eines der besten Science Fiction Bücher der Geschichte.

    Ansonsten ist die Rezension voll von platten Wortspielen und müden Witzelein, wie man sie sonst nur im Privatfernsehn findet. Ganz schlechter Stil.

  12. Schloti sagt:

    Dune ist auf alle Fälle sehenswert. Gehört für mich zur Science-Fiction wie Herr der Ringe zum Fantasy-Bereich. Der Film mag seine Tiefpunkte haben, aber auch ein paar wirklich gute Momente. Der Film ist halt weniger SciFi-Action-Gewitter, viel mehr pathetisches Heldenepos. Naja, sowas muss man wahrscheinlich mögen, ansonsten wird man den Film wohl weitesgehend als kitschig und dröge empfinden.

    Es gibt übrigens 3 Film-Varianten.
    Einmal die ursprüngliche Kinoversion (beste Fassung).
    Dann gibs noch die britische TV-Version, deren zusätzliche Szenen nie deutsch synchronisiert wurden. Einige Fans haben dann wohl so einigen Jahren mal eine Fassung ins Netz gestellt, welche die zusätzlichen Szenen mit dt. Untertiteln enthielt. Diese Version schaffte es, wohl aufgrund ihrer Beliebtheit, sogar auf dem DVD-Markt.
    Und dann gibs halt noch eine komplett-deutsche Fassung der (langen) TV-Version, welche noch einmal komplett neu-synchronisiert wurde, um die zusätzlichen Szenen einheitlich einfügen zu können (relativ neu diese Fassung).

    Die neue deutsche Synchronisation ist auf alle Fälle grausam, kann man niemandem empfehlen. Wer Dune geniessen will, sollte zur urspünglichen Kino-Fassung greifen. Die zusätzlichen Szenen nehmen dem, ohnehin sehr langen, Film auch eine Menge Tempo und sind inhaltlich komplett überflüssig. Wenn ich Klappos Review richtig verstehe, scheint er den dramatischen Fehler gemacht zu haben, sich diese neu-deutsche Langfassung anzutun, schade.

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