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„Alarm im Weltall“ – Das Retroreview

Für manche ist dieser Film der beste aus jener Science-Fiction-Frühzeit, in der Wissenschaftler ohne Knacks gar nichts erfinden durften, Frauen gerne mal zum Spannungsabbau kreischten und das All nur aus angepissten Monstern ohne Mitleid bestand. „Forbidden Planet“, wie der Streifen im Original heißt, ist ein Klassiker. Doch trotz sanftem Anspruchbestreben heißen die Professoren auch hier „Morbius“ (huh, wie in dem Wort „Morbid“, jaaa?) und die Roboter – überaus einfallsreich! – „Robby“…


INFORMATIONEN:

Regie: Fred M. Wilcox
Jahr: 1956
Budget: 4,9 Mio $

Poster
Robby, Tobbi und das Ungeheuer
Inhalt: Commander Adams nebst Crew soll einen Professor mitnehmen, der seit Jahren alleine mit seiner Tochter auf einem leeren Planeten lebt. Doch der Prof möchte gar nicht mit und spricht von einem unsichtbaren Monster. – Das sogleich angreift.

Wertung:

„Alarm im Weltraum“ sieht aus, als hätte man eine klassische Star-Trek-Serie mit sogenanntem Geld(tm) verfilmt und die Handlung in einem Regenbogen spielen lassen. Hier gibt es Technicolor… nein, „Eastman Color“ vom Allerfeinsten, so bunt, dass der DVD Schutz- und Verdunkelungsbrillen beiliegen müssten. Und natürlich gibt es an jeder Stelle des fremden Planeten eine so künstliche Studioatmosphäre, dass diese gegen die dunkel-wackeligen Gruftidramen unserer Zeit fast schon wieder als frisch und hormonanregend durchgeht. Ja, hier sieht der romantische Gartenteich noch wie eine Theaterdekoration aus, die man aus Plastikrasenteilen vom Baumarkt zusammengeklöppelt hat, wenn auch fraglos liebevoll. Das Licht ist zudem in jeder Einstellung exakt gleich hell, was vermuten lässt, dass der Beleuchter nur am ersten und letzten Drehtag zum Studio fahren musste, um die Steckdose zu bedienen.

Die Zeitlupen-Story um angeblich „hochintelligente Crewmitglieder“ mit der Auffassungsgabe von lobotomierten 90-Jährigen spielt kaum eine Rolle, da man den Kopf 70% der Zeit damit beschäftigen kann, die Strichliste auf der Farbskala weiterzuführen. Die Geschichte ist sogar so langsam erzählt, dass schon mal gut eine halbe Stunde vergehen kann, bis dem Commander einfällt, dass Tiger und Rehe auf einem fremden Geröllplaneten nicht sehr darwinistisch wirken. Aber da der gute Mann tatsächlich Leslie Nielson ist (hatte ihn nicht erkannt; fehlte wohl O.J.Simpson, der sich unter dem Raumschiff verheddert), sind das vielleicht auch nur erste Zuckungen der „Die nackte Kanone“-Idee.

Auch den Ausführungen des verr… bedrückten Professors wird nur mit halber Lust am späteren Berichteschreiben zugehört: „Dann kam ein unsichtbares Wesen und tötete alle außer mir.“ – „Commander, sollten wir den Prof nicht fragen, unter welchen Umständen? Gab’s Krallenabdrücke, Geräusche, Bisswunden, wurden Scheißhaufen mit unverdauten Fingernägeln gefunden? Äh, Commander?“ – „Schöööööne Basis. Roboter toll. Professoren-Tochter-Rock viel kurz. Gagaga.“

„Okay, der Roboter will uns nicht reinlassen. Dann lesen wir ihm den neuen Wachturm einfach hier vor, wa?“ – Entwaffnender Charme: SO sahen damals noch Filme aus! Und niemand musste sich mit Denken aufhalten, da alles drei Mal erklärt wurde. Nur für den Fall, dass der Zuschauer den gezeigten Felsbrocken für das unsichtbare Monster DAVOR halten sollte.

Die Erforschung der Rätsels ist glatt noch ineffizienter als bei LOST, und das will schon was heißen. Fast möchte man als heutiger Zuschauer die Zügel in die Hand nehmen, um mal zu zeigen, wie die Sternenflotte mit dem Verheizen von nur 2 bis 3 Redshirts jedem Unsichtbaren innerhalb von nur einer Antiprotonenladung die Hose klauen kann! Aber gut, hier sind ja auch alle abgelenkt von der erotisch unterversorgten Tochter des verr… zerknickten Professors. Als wandelnde Marilyn-Parodie mit Silberblick macht sie tatsächlich eine gute Figur und erfährt von Kirk… ähm… Commander Adams nebenbei, was es mit diesem „gesundheitsförderlichen“ Küssen auf sich hat. Das muss damals wohl tatsächlich irgendeine Fetischvorstellung gewesen sein, unschuldigen Dummchen vom (Planeten-)Lande zeigen zu wollen, warum man auf zwei unterschiedliche Arten Pipi machen kann.

Lustig: Der Trailer zuckelt gemütlich vom Anfang bis zum Ende des Filmes.

Lustig auch die Hintergrundsounds: Da in der Zukunft alle Menschen mit Wasserkühlung laufen (damit der Kopf beim Denken nicht heiß wird?), blubbert und gluckst es ständig irgendwo, was wohl 1956 noch futuristisch war, nur 230 Jahre nach der Erfindung der Wasserpumpe. Viele Ausstattungselemente können sich jedoch sehen lassen, gibt es doch immerhin einen Roboter, der noch Jahrzehnte später Gastauftritte bei „Love Boat“ (fragt nicht) und „Columbo“ hatte. Ihr habt diese einprägsame Glasrübe mit den drei rotierenden Metallzwiebeln im Inneren garantiert schon mal gesehen. Auch das Raumschiff in der Form einer Fliegenden Untertasse wurde im Studio nachgebaut, wobei der sichtbare Teil immerhin 10 Mal größer ist als die klaustrophobiefördernden Plastikwürfel, die man bei TNG humorvoll „Shuttle“ nannte.

Der damals hochwertige Look mit gebürsteten Maschinen im Alu-Design und den… hüstel… realistischen Laser-Effekten wurde von anderen SF-Streifen gnadenlos kopiert. Ja, er soll sogar noch George Lucas inspiriert haben, wobei ich DAS für nicht wirklich schwer halte (*auf beliebige Videospiel-Cutszene zeig*). Und noch heute ertappt man sich dabei, dass man die Atmosphäre trotz Papp-Polonaise und sterilem Studiomief doch recht dicht und gelungen findet. Gerade die riesigen Anlagen einer ausgestorbenen Alienrasse wirken tatsächlich greifbarer als so manches Greenscreen-Gemantsche mit digitalen Matte-Paintings.

„Kater Karlo?! Ich wusste, das du hinter all dem steckst!“ – Endlich mal ein Monster mit (Zeichen)Stil: Der Höhepunkt ist das fast sichtbare Ungeheuer, das sich beim Pinkeln vom Elektrozaun hat blitzen lassen. Lustiger ist aber fast noch, wie hier einige Crewmitglieder draufgehen: Mit der Laserpistole(!) gehen sie bis auf einen Meter(!) heran, da sich die Zerstörungskraft von materieloser Munition in den 50ern wohl noch nicht herumgesprochen hat…

Die ganze Geschichte basiert erstaunlicherweise auf dem Shakespeare-Werk „Der Sturm“, in dem der Zauberer Prospero mit seiner Tochter auf eine Insel flüchtet, wo er sich den Luftgeist Ariel und einen deformierten Wilden namens Caliban untertan macht. Die Parallelen sind im Film durchaus zu erkennen, wirklich anspruchsvoll ist der Gummigrusel dadurch aber auch nicht. Immerhin war die Auflösung, dass das unsichtbare Monster eine Manifestierung der Wünsche des Professors war, für damalige Kinoverhältnisse fast schon intellektuell erhebend. Quasi „Sein oder Nichtsein“ zwischen Studiosand und Popp-Phantasien für Blondinenfreunde.


Fazit: Ein Klassiker, nicht ganz zu Unrecht. Die Aufmachung ist herrlich typisch für die naive „Weltenraum“-Gurkerei der 50er und 60er, ebenso wie die seltsam banalen Theatergesten („Ja, ich muss schuldig sein!“ *Haare rauf*) Schade nur, dass das alles so langsam passiert, dass einem die „Hauptsichtplatte“ (AiW-Sprech für „Bildschirm“) gelegentlich etwas welk wird.

Anekdote zum Schluss: Roboter Robby kam in dem Film „The Invisible Boy“ (1957) per Zeitreise auf die Erde der Jetztzeit. Ein peinlicher Kunstgriff, der nur das Ziel hatte, den teuren Blechmann weiter auszuschlachten, dessen Bau immerhin 125.000 Dollar gekostet hatte.

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Artikel

von Klapowski am 13.01.11 in Film-Review

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Kommentare (8)

  1. FF sagt:

    Wenn man bei so einem Film fair sein will, muss man eigentlich die damaligen Maßstäbe anlegen. Und dafür ist der Film überdurchschnittlich. Die langsame Erzählweise ist für mich auch heute eigentlich eher ein Pluspunkt verglichen mit vielen Filmen für die ADHS-Generation, deren Szenen wohl nur nicht noch kürzer geschnitten werden, weil kürzer als eine Framerate einige Probleme bereitet. Paar Logiklöcher fallen dennoch auf, trotzdem ist die Auflösung immer noch besser gelöst als z.B. bei Lost, deshalb 2+.

  2. Klapowski sagt:

    „Wenn man bei so einem Film fair sein will, muss man eigentlich die damaligen Maßstäbe anlegen.“ – Das funktioniert meiner Meinung nach überhaupt nicht. Nach dieser Logik müsste man viele alte Schinken, all die Draculas, Fliegenden Untertassen und den Monstertrash mit Bestnoten überschütten, wenn der damalige Zuschauer ihn für grandios gehalten hätte. Was daraus hinaus liefe, dass ich vor jedem Film erst mal googeln müsste, was das Gros der damaligen Zuschauer über den Film dachte, um das dann in eine geschätzte Note zu transferieren („Super! 1891 zeigte man erstmals bewegte Aufnahmen von dressierten Tieren in einem Guckkasten! Glatte 1 gibts dafür, liebe Zuleser, unbedingt die Blu-Ray kaufen!“).

    Nein, da sehe ich mich lieber als Stellvertreter des Jahres 2011, der alte und neue Filme gleichermaßen kennt (und gelegentlich auch schätzt) und seine Fernsehabende mangels Zeitmaschine definitiv nicht in den 50er Jahren ausrichten kann. Und mal ehrlich: Filme wie „Alarm im Weltall“ schaut man sich doch wirklich nur noch aus geschichtlichem Interesse an und nicht, weil das Drama so mitreißt, oder?

  3. FF sagt:

    Wenn man den Film filmhistorisch nach seinem Wert auch für folgende Filme korrekt einordnen will, sollte man schon so vorgehen. Ich betrachtete aber auch so gerne den damaligen Kontext und für eine wissenschaftliche Filmforschung wäre das natürlich auch Pflicht.

    Aber sonst kann man natürlich auch nur rein subjektive auf den heutigen Unterhaltungswert ausgerichtete Maßstäbe anlegen. Das ist am Ende wohl jeden selber überlassen. Allerdings sollte man dann nur immer bedenken, dass das nicht ganz fair ist, da die Filmemacher damals nicht das selbe Wissen und Vorlagen hatten, wie wir heute.

    Als Kind hat mich übrigens Alarm im Weltall auch in den Neunzigern noch gut unterhalten und auch später fand ich einige Aspekte an dem Film noch besser, als bei manchem detail- und lieblosen modernen Hollywoodblockbuster. Solche Filme haben sicher ihren eigenen Reiz auch jenseits von reinem Geschichtsinteresse.

  4. Gnarf sagt:

    Hoffentlich verwechsle ich da jetzt nichts, aber sagt der Roboter in dem Film nicht auch: „Meine Abwehrstrahlen sind auf ihre Atomwaffen gerichtet, meine Herren“. Dieser Spruch schießt mir da irgendwie gleich durch den Kopf. Lustig, da diese „Atomwaffen“ auch als Handphaser durchgehen könnten, und man heutzutage unter „Atomwaffen“ ja etwas gänzlich anderes versteht.

    Ich finde die Bewertung durchaus fair. Solche Filme kann man sich nicht mehr wirklich „ernsthaft“ ansehen, ich sehe sowas immer als eine Art Komödie (eine unheimlich altbackene, dröge Komödie, die ihren Reiz aber genau daraus bezieht)

    In diesem Zusammenhang auch sehr zu empfehlen: http://www.youtube.com/watch?v=J7AEtFUVdRs&feature=related

  5. Giskard sagt:

    Ich finde schon, dass man sich solche Filme noch „ernsthaft“ ansehen kann und ich habe grade mit diesem Machwerk viel Freude.
    Vielleicht wirkt das ein oder andere heute Albern. In sich ist der Film aber auch aus heutiger sicht stimmig.
    Und Wo wir grad bei der Stimme sind, die Stimmung/Atmospähre gefällt mir persönlich besser als bei vielen aktuelle Streifen.
    Was vermutlich am fehlenden Herzblut und der Liebe zum Detail liegt.

  6. vendetta sagt:

    Man kann ältere Filme nicht völiig ohne ein wenig Kontext bewerten, damalige Maßstäbe ist nun ein wenig zu viel gesagt. Natürlich ist dieser Roboter heute nicht mehr Sci-Fi, sondern nur noch albern. Man hat sich mit dem beholfen was da war. Das sieht heute halt nicht mehr so toll aus.

    Da ein Film ein visuelles Medium ist, kann man diesen Eindruck ja auch nicht aussen vor lassen, zumal er die Atmosphäre die der Film ausstrahlt stark beeinflußt. Da muss man vielleicht zwei Noten geben, naja

  7. DaGerch sagt:

    Eine reichlich unfaire Bewertung des Filmes. Gerade die Einstellungen der Beleuchtung und Eastman-Color sind hervorragend ! Dass man heute soviele Filme mit Technicolor dreht halte ich für Schwachsinn. Von den brillianten Farben könnte sich so mancher neuzeitlicher Film ein Beispiel nehmen. „Mir gefällts jedenfalls !“
    Daß der Rezensent hier völlig auf dem Holzweg ist, scheint offensichtlich seinem jugendlichen Eifer zuzuschreiben zu sein, denn solche Filme mit neuzeitlichen Filmproduktionen zu vergleichen und heutige Maßstäbe zum Vergleich zu benutzen, zeugt doch von ziemlicher Ahnungslosigkeit. Heutige Maßstäbe sind bei solch alten Filmen vollkommen fehl am Platze. Für die damalige Zeit ist die Story und Idee der Handlung um mindestens 50 Jahre voraus – da könnten sich manche neuzeitlichen Verfilmungen eine Scheibe abschneiden. Ich jedenfalls sehe mir den Film seit Jahren immer wieder mal an, weil ich ihn einfach toll finde.

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