Das ernsthafte Medienmagazin

„Das fünfte Element“ – Das Review für Chemiker

Gerade Ende der 90er gab es ja doch den einen oder anderen schönen Genrestreifen. Einer davon (mehr würde man von dieser Sorte auch nicht ertragen) ist dieses Werk von Luc Besson, der hiernach nur noch mit der „Arthur und die Minimoys“-Duologie… äh… bekannt wurde. Und mit einem eher im kleinen Kreis aufgeführten Abenteuer-Klamotte namens „Adèle und das Geheimnis des Pharaos“ im Herbst diesen Jahres. Schade, dass sich der Franzose nicht mehr verbessern konnte, denn der heute besprochene Film versprach uns – und seinem Psychotherapeuten – im Jahre 1997 eine glorreiche Zukunft.


INFORMATIONEN:

Regie: Luc Besson
Jahr: 1997
Budget: $80 Mio.

Poster
Sind die anderen 4 Elemente auch so... angezogen?!
Inhalt: Der Schwebetaxifahrer Korben Dallas trifft auf eine halbnackte Frau, die gerade aus einem Klonlabor geflüchtet ist. Sie ist das von mächtigen Aliens gesandte „5. Element“, das als einziges eine unglaublich böse Kugel aufhalten kann. Doch ein Industrieller namens Zorg unterstützt den Teufelsknödel…

Wertung:

„Das fünfte Element“ ist ein verqueres Vergnügen, angesiedelt irgendwo zwischen der Mailänder Modenschau („Dieses Jahr trägt man ZWEI Zahnstocher über seine Brustwarzen!“), „Die Nackte Kanone“, einem dieser französischen Filme, die man NIE kapiert (z.B. „Die Stadt der verlorenen Kinder“) und einem SF-Film mit noch mehr Fantasygehalt als „Star Wars“. Ja, dieser Streifen ist so irre, dass man sich an manchen Stellen Marmorpfeiler in seine Gummizelle wünscht, zum rustikalen Kopfkratzen. Und nein: es ist wohl auch nicht so, dass eine tiefergehende Story unter all dem Bonbon-Blödsinn verborgen liegt, der einem hier „Kamelle!“-rufend zugeworfen wird.

Hier ein paar Auszüge aus Stellen, an denen die Handlung sich durchaus eine seriöse Krawatte hätte umbinden können, es aber nicht tat:

„Das ist eine uralte Sprache. Sie wurde überall im Universum gesprochen, bevor die Zeit erfunden wurde!“ (Na, endlich mal eine Sprache ohne nervige Vergangenheitsformen…)

Priester (meldet sich zum ersten Mal zu Wort): „Das aufgetauchte Gebilde ist das unendlich Böse, Mister President!“ – President: „Das ist eine sehr interessante Hypothese.“ (Ja, und das sagt er ironiefrei! Ich bin mir fast sicher, dass es bei Bush damals ähnlich gelaufen ist, als ein Vogelschwarm vorbeizog…)

„Das Objekt besitzt Temperaturen zwischen Hundertausend Grad und Minus 5000!“ (Der Absolute Nullpunkt von -273 Grad wurde durch die EU-Schuldenkrise nach unten gefahren?)

Und so weiter… Das ist pure Satire auf SF-Filme, nicht zuletzt durch die gewollt schrägen Kostüme und Frisuren, hinter denen man stets einen verwirrten Mähdrescher vermutet. Oder sagen die Franzosen „Mae Dresèr“? Jedenfalls war niemand anderer als Herr Gaultier damit beschäftigt, die bewusstseitserweiternden Kostüme aus seiner Phantasie zu exportieren. Der Gehilfe des Priesters trägt zum Beispiel eine Art Gummipömpel auf dem Kopf, während nicht mal klar ist, ob es sich um einen christlichen Priester oder um eine fliegenfischende Fantasyreligion handelt. Einen Hinweis erhalten wir zumindest zu Beginn: „Vergebe mir, Herr, denn sie wissen schon zu viel!“ statt „Vergebe ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“.

„Tut mir nichts, ich bin schließlich auch ein Alien, wie ihr, haha!“ – „Stimmt, Kollegen! Er sieht aus wie diese schrägen Außerirdischen in Star Trek!“ – Einen Schießbürger, bitte… Als Korben in seinem Taxi 20 betrunkene Orks transportierte, war noch alles in Ordnung. Er hätte am Zielort aber vielleicht nicht sagen sollen, dass halt der bezahlen möge, der das Geld am kürzesten am „stinkenden Klumpkörper getragen hat“.

Der Hintergrund der Story besteht also aus Erlöserphantasien für französische Anarcho-Erzengel, pfiffigen und peinlichen Ideen der Marke „Wollte ich schon immer mal filmen“ und einem Adolf-Hitler-Verschnitt, der statt seines rechten Seitenscheitels ein Plastikhäubchen trägt. Tja, unser Haar braucht Raum. Oder so. Und Doofheit macht frei. Und spätestens dann akzeptiert man auch, dass eine brustlose Frau das Universum retten kann, weil sie kurz zwischen den Elementen Feuer, Luft, Erde und Wasser aufgestellt wurde. Also wie auf einem Rastplatz für Zigeuner, nur etwas französischer (schlechte Kombination, by the way)…

Dass das „Fünfte Element“ zu so etwas wie einem Kultfilm avan… avang… avanc… – geworden ist, liegt vermutlich daran, dass der Stil einzigartig ist, die Hauptdarstellerin teilweise nur mit weißen Gürtelschnallen bekleidet (Die Grünen hatten Recht: Alles abartig in diesen Klonlaboren!) und man Filme einfach schätzt, in denen Bruce Willis‘ Synchronsprecher so etwas sagt, wie: „Mächtiger Badabumm!“

Es dauert ein gutes Stündchen, bis der Wahnsinn gut ins Rollen kommt und man sich selbst über nichts mehr wundert. Die völlig seltsame Musikauswahl hilft zuverlässig dabei, die Hirnrinde fein säuberlich von restlichen Niveauerwartungen und Storyforderungen zu befreien: Es gibt ägyptische Klänge in der Megacity, Türkische, Französische, Esoterische, Poppige, einfach nur „Geräuschige“, oder eine Mischung aus allem, vielleicht sogar manchmal rückwärts abgespielt, keine Ahnung, bin selbst kein Hippie. – Der Punkt, ab dem es mir dann Spaß machte, war der, wo Bruce seine Gefriertruhe aufmacht, in die er eben noch die schmierigen Militärheinis vor seiner angeblichen „Frau“ versteckt hat: „Ich mach’s“, sprach der Stirb-Langsam-Gott und entnimmt den klammen Betonfingern des Gefrorenen das in Aussicht gestellte Flugticket.

„Hey, Duuudes! Wer hat mit die Penisprothese aus der Elvislocke geschraubt? Was soll denn da die Frau sagen, die mir immer aus dem Badezimmerspiegel entgegenblickt, hä?“ – So weit am anderen Ufer, dass ihn alleine die Erdkrümmung schon wieder in heterosexuelle Gefilde zurückbringt: Chris Tucker spielt Eddie Murphy wie er Michael Jackson spielt, der gar nicht spielt. Definitiv einer der schrägsten Momente im ganze Film. Oder wie auch immer man DAS Gebilde hier nennen soll…

Später besucht man dann ein Kreuzfahrtschiff, das ÜBER dem Wasser fliegt (schützt das Meer vor Metallgeschmack), zerbombt ein Flughafengebäude (WARUM lagerte da eigentlich ein riesiger Haufen Schrott? Steuerliche Gründe?), hört einer blauen Opernsängerin zu, die die gesuchten heiligen Steine in ihrem Körper trägt (Diese Glashandtaschen zerspringen immer beim Hohen C!), wird von einem irrsinnigen Showmoderator vollgekreischt (Mischung aus Michael Jackson und Michaela-Jaqueline), das Kreuzfahrtschiff zerlegt (Laut Bonusmaterial die größte Explosion in einem Filmstudio), um am Ende das Böse auf-, ab- und zuzuhalten.

Man merkt schon: Die Story selber spielt keine größere Rolle als die Plastikverpackung von LSD-Tabletten. Und die SF-Welt ist nur dadurch stimmig, dass alles gleichermaßen irrsinnig erscheint. Der Regisseur sagte später, dass er schon als Jugendlicher von dieser Welt geträumt habe und sich in ihr bestens auskenne. Na, wenigstens einer, der seine Hirnhummeln kontrolliert ausschwärmen lässt, statt Sekten, Masturbantenclubs oder FDP-Ortsvereine (siehe Masturbantenclubs) zu gründen.

Ein echter Glücksgriff ist das ehemalige Model Milla Jovovich als Element Nummero 5: Ob sie nun weint, sich kindisch freut, prügelt, leidet oder ein gebratenes Riesenhühnchen vor sich stehen hat wie Obelix einen Wildschweinbraten: Ihre Darstellung ist so naiv-rein wie Morgentau auf einem Oscar. Halt einfach „elementar“! Milla kann es einfach, macht es einfach, mixt es einfach. Schade, dass sie danach fast nur Idiotenrollen bekam. Sie hätte das Zeug zur ganz Großen, und das sage ich, obwohl sie mir optisch zu sehr als eine Mischung aus Skeletor und Ally McBeal daherkommt.

„Ich werde mich umbringen, und wenn es das Letzte ist, was ich tue!“ – „Niemand wird sie aufhalten!“ – „Und wer sind sie, dass sie das behaupten?“ – „Volker Niemand, angenehm!“ – Den Absprung geschafft: Alle paar Sekunden gibt es einen doofen Spruch. Somit passt der Vergleich „Nackte Kanone im (Kn)all“ eigentlich recht gut. Und wenn sich die Kanone nicht nackig machen sollte, so tut Milla es mit dem größten Vergnügen…

Die Ausstattung ist definitiv phantasievoll. Sieht etwas nach diesen Batman-Filmen der 90er aus, die ja bekanntlich von einem Fötus mit Maßanzug produziert wurden: Alles ist groß, bunt, comichaft. Und alle Menschen so bescheuert und oberflächlich, dass man sich fragt, ob die gezeigten Raumschiffe nicht seit 100 Jahren auf Autopilot fliegen müssten. Aber das muss kein Kritikpunkt sein, sondern geht auch als Kritik an der RTL2-isierung der Gesellschaft durch.

Die Computereffekte erinnern an manchen Stellen etwas an „Toy Story 0,5“, haben auch wirklich schöne Momente, bei denen „Idee“ über „Textur“ geht. Unvergesslich ist für viele das New York der Zukunft, in dem Tausende Fahrzeuge zwischen den gigantischen Häusern herumschweben. Dass man dieses Bild auch in „nichterinnerungswert“ umsetzen kann, bewies später George Lucas in „Star Wars – Episode 2“. Allein Millas Sturz in die Tiefe wurde immer wieder von anderen Werken aufgegriffen.

Spannend ist dies alles an keiner Stelle, aber wem hier nicht ab und zu ein Schmunzeln rausrutscht, hat seinen Humor definitiv im letzten Drittel von „Galaxy Quest“ verloren. Mein Lieblingsgag: Bruce liegt unter einem Tisch und wird beschossen. Er fragt den tauben Popstar, ob er ihm die Waffe zuwerfen kann. Dieser wirft ihm zwei Billardkugeln rüber und grinst hirnerweichend. Nach der Action steht er umringt von dankbaren Frauen in der Lobby und sagt halbbescheiden: „Ich wollte ja nur helfen“. – Besser kann man den ganzen Streifen nicht zusammenfassen…

Einer der seltsamsten Momente der jüngeren SF-Geschichte: Lady Gaga und die Antischlümpfe. Ab Minute 3:30 wird’s schräg, auch musikalisch.

Auch nett: Wenn die außerirdische Kugel bei ihrem menschlichen Verbündeten Zorg mittels normalem Telefon anruft und von der Sekräterin als „Mister Shadow“ durchgestellt wird.


Fazit: Kultfilm mit Knautschköpfen. Sicher, Bruce Willis bleibt blass, die Grundstory kreidebleich und das Ende hätte auch eine gesündere Gesichtsfarbe haben können, da der Höhepunkt schon mit der Schiffsszene gegeben war. Trotzdem ist „Das 5. Element“ ein anarchischer Spaß für alle, die in der Linken Szene der Science-Fiction-Fans noch nicht völlig zur Entfaltung gekommen sind. Mit der Hilfe eines „sechsten Elements“ (= Alkohol) dürfte aber jeder mit diesem Film klarkommen…

3 Ohren2 Ohren0 Ohren2-

Weitersagen!

Artikel

von Klapowski am 21.12.10 in Film-Review

Stichworte

, ,

Ähnliche Artikel


Kommentare (6)

  1. Exverlobter sagt:

    Ich verstehe übrigens nicht, wie du in der letzten Woche bei der Rezension von Starship Troopers beim Bild von Dina Meyer (Soldatin Dizzy Florres) die „Mörderbrüste“ erwähntest (ich fand sie eigentlich eher drahtig), aber Milla Jovovich als zu Ally McBeal-haft kritisierst.
    Zwischen den beiden besteht doch kein großer Unterschied! Oder hast du bei der Rezension von Starship Troopers aus Versehen die DVD von Starship Troopers 3: Marauder verwendet? Da spielt nämlich statt Dina Meyer die üppigere Jolene Blalock (T’Pol) mit, lol.

  2. nobelfetzen sagt:

    Sehr schönes Review, hab mich fast bep*sst vor Lachen! Danke.

  3. Dingens sagt:

    War das Budget wirklich nur $80? ^^

    Dank des Reviews kann ich jetzt auch sagen, warum ich diesen Film so toll fand, er wirkt nämlich wie eine Comic-Verfilmung… IN SPAAAACE! Und auch diverse bereits angesprochene Scherze waren großartig. Mein persönlicher Favorit war, dass der Dauerlaberer Ruby Rhod öftermal keinen vernünftigen Satz auf die Reihe bekommt, sobald er nicht auf Sendung ist. Bsss. BssssSSSS! Sowie natürlich Badabumm!

    Das mit dem Schrott auf dem Flughafen soll angeblich an einem Streik der Müllabfuhr gelegen haben…

    • Sparkiller sagt:

      „er wirkt nämlich wie eine Comic-Verfilmung“

      Das hat sogar einen netten Hintergrund. Der Künstler Moebius war nicht nur für das Design von „Das Fünfte Element“ verantwortlich, sondern zeichnete vorher auch für das Comic-Magazin „Heavy Metal“. Und der Kinofilm DAZU bestand aus mehreren Kurzgeschichten, u.a. um einen Taxifahrer im New York der Zukunft und einem mysteriösen Artefakt:

      http://www.youtube.com/watch?v=ylAowI3UYg0

      (Nebenbei auch mein persönlicher Lieblingstrickfilm für Erwachsene. Viel siffiger kann die Zukunft eigentlich nicht aussehen.)

  4. Dingens sagt:

    Moebius? Das ist wirklich nett, den fand ich schon immer ziemlich gut, und Heavy Metal habe ich eine Weile gelesen, nur den Film nicht gesehen. Danke für den Link und den Hinweis!

  5. Bergh sagt:

    tach auch !

    iucvh muß mich da Exverlobter anschließen.
    irgendwie bringst Du da die Möpse durcheinander.
    Und Ally McBeal hat viuel mehr , als Mila.

    UNd die hübschee Blonde in Starship Troopers sehr viel weniger.

    Gruss BergH

    Ach ja Das 5 Elemt ist ein Kultfilm , weil er so herrlich Gaga aka Banane ist.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Brandneues
Gemischtes
Newsletter
Arschiv
Zum Archiv unserer gesammelten (Mach-)Werke.
Büchers
Jenseits der Goetter

Jenseits der Macht