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Star Trek Enterprise – 4.12 – „Babel“ („Babel One“) Spark-Review

Alberne Antennen und knorke Schweinenasen. Doch wer denkt, bei der neuesten Folge Enterprise in der vorzeitigen Ausstrahlung einer gruseligen Karnevals-Show des MDR gelandet zu sein, der irrt. Denn im Gegensatz zur künstlichen (Bier-)Laune der Fassenacht, sind die neuesten Abenteuer von Archers-Crew sogar durchaus lustig. Taa-taaa!

Das kommt davon, wenn man bei IKEA of Andoria einkauft! Nicht nur daß immer eine Schraube fehlt, nein, die selber zusammengebauten Raumschiffe halten nicht einmal den Angriffen von echter Space-Handarbeit tellaritischer Schwei… Schreinermeister stand! Und so beginnt die Folge auch damit, daß der alte Blaudegen Shran sich gerade aus den Überresten seiner Brücke pult, während dort wieder einmal überall lustige Lagerfeuer brennen. Dies hielt ich übrigens, das sensible Konzept von Reisen im luftleeren Raum betreffend, schon immer für etwas unrealistisch. Keine Ahnung, wieso.

*mit fackel und zuckerwürfeln beladen in die wanne spring*

„Endlich, da ist sie ja!“ – „Worum geht’s, Fähnrich?“ – „Meine Dialogzeile! Im Drehbuch! Ich hab sie endlich gefunden… Moment… Verdammt, war doch nur Fliegendreck!“

Aber Rettung ist natürlich schon unterwegs, denn wie alle anderen Schiffe mit dem Namen Enterprise, ist dieses ebenfalls zufällig gerade in der Nähe. Genauer gesagt, auf dem Weg zu einer uuuunglaublich wichtigen Konferenz auf dem Planeten Babel, was somit so ziemlich die selbe Route darstellt, welche Captain Kirk in einigen Jahrzehnten nehmen wird. Und wie schon Kirk damals… später, so hat auch sein Kollege John eine Fuhre tellaritischer Botschafter an Bord, welche unbedingt mal die Sau rauslassen wollen. Was natürlich schon allein optisch kein Problem sein sollte.

Und auch Archer macht mit, gehört nämlich ein gegenseitiges Anschnauzen bei dieser weitentwickelten Rasse quasi zum guten Ton. Doch gerade als der Captain dem Botschafter das große tellaritische Kompliment „Du stinkst wie ein Iltis!“ vor dem bärtigen Schädel stoßen will, da kommt auch schon der Ruf von der Brücke, daß die Trümmer eines Schiffes entdeckt wurden. Und da der Weltraum von der Größe her nicht der Rede wert ist, handelt es sich, welch Zufall, natürlich um Shrans Ex-Kreuzer. Ok, das ist chancenmäßig in etwa damit vergleichbar, als wenn man auf dem Grund eines tibetanischen Bergsees eine Autopanne hat, und trotzdem nach zwei Minuten der ADAC auftaucht. Aber auf der anderen Seite ist es natürlich ein gutes Zeichen, da ich sonst einfach nichts Anderes zum Meckern gefunden habe.

„Heute blau, und morgen blau, und übermorgen wieeeeeda!“ – Trinken im Dienst? Mitnichten, aber diese arme Wache wird später trotzdem über Kopfschmerzen klagen.

Doch Andorianer und Tellariten auf dem selben Schiff? Kann das gut gehen? Ha-ha, natürlich nicht! Denn nicht nur, daß der grunzende Teil der Botschafter etwas schlecht gelaunt ist, die Garantie auf deren Schiff war nämlich gerade erst abgelaufen, auch Archer muß die Stirn (noch mehr) runzeln. Denn kurze Zeit später wird die Enterprise von einem, diesmal andorianschem, Schiff angegriffen, welches, Alleskönner-Torpedo sei Dank, noch so gerade eben abgewehrt werden kann. Dieses Hin und Her lässt natürlich auf eine Verschwörung blicken, welche anscheinend sogar über Schiedsrichter-Bestechung hinausgeht. Aber bevor Archer etwas unternehmen kann, nimmt Shran die Sache bereit in die eigene Antenne. Mittels der Präsentation halbnackter Tatsachen, welche dieser Episode soweit schon einmal eine höhere Note verschaffen (*lechz*), gelingt es dem blauen Bock samt Anhang, aus seinem Quartier auszubrechen und den Kollegen Weihnachtsmännern einen Besuch abzustatten. Und das nicht, um diese von den Vorzügen des Blaumachens zu überzeugen.

Zur selben Zeit hat Captain Archer ganz andere Sorgen, hat man doch herausgefunden, daß beide Rassen gar nichts mit den Angriffen zu tun haben. Stattdessen wird uns, durch einen irgendwie unspektakulären Szenenwechsel, klargemacht, daß die bösen Romulaner ihre spitzen Ohren im Spiel haben, und natürlich auch bereits über Holo-Technolologie verfügen. Da freut man sich doch, daß die Serie erst im 22. Jahrhundert spielt und uns somit ganz neue Möglichkeiten zum Erzählen von Geschichten liefert… nicht waaaaahr?

„So, Ihr neues Rundum-Handy ist jetzt aktiviert und einsatzbereit!“ – „Aber gibt es dafür auch den verrückten Frosch? Oder eine versoffene Stimme, dir mir sagt, dass ich endlich rangehen soll? Und extra laut einstellen, bitte, ich fahr nämlich gleich mit der Straßenbahn nach Hause…“

Der Rest der Folge verläuft natürlich wie erwartet. Nachdem Reed und Tucker auf das fremde Schiff gebeamt wurden, wackeln diese dort durch die Gänge, bis sie auf die Brücke gelangen. Und dort gibt es eine, wie ich finde sehr gelungene, Überraschung, die an dieser Stelle natürlich nicht verraten wird. Sonst bringen wir euch noch um die Gelegenheit, entzückt „Ei der Daus, damit hab ich ja gar nicht gerechnet!“ oder „Potzteufel! Wie machen diese Autoren das nur immer?!“ zu rufen.

Fazit: Einmal dasselbe, bitte, aber anders!

Nach den Organiern in „Observer Effect“ reiht sich auch „Babel One“ offensichtlich bei den Episoden ein, welche uns TOS-Anspielungen mit dem brachialen Holzhammer bieten. Doch dieses Mal wurde das Ganze wenigstens so geschickt durchgemixt, dass man trotzdem gut unterhalten wird. Und auch weil es, im Gegensatz zu den trockenen Vorgängerfolgen, diese Folge verstand, unterhaltsame Dialoge, nette Effekte und nackte Haut in der Balance zu halten. Einen großen Abzug gibt es nur dafür, dass man sich einfach zu wenig Neues einfallen ließ, sondern sich fast ängstlich an die Ideen der klassischen Serie klammerte.

Daher mein Rat an euch, liebe Autoren. Legt die alten TOS-Drehbücher wieder in die Schublade zurück, mit der vierten Season haben wir unser Soll an Anspielungen soweit überschritten, das es für zwei-drei weitere Staffeln reicht. Jetzt hätten wir gerne wieder etwas Anderes.

…aber nicht zu Anders!


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Artikel

von Sparkiller am 31.01.05 in Star Trek - Enterprise

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Kommentare (18)

  1. Gast sagt:

    Seit wann haben die Romulanerer eigentlich schon zu der Zeit den Warpantrieb?

  2. Gast sagt:

    Ich finde die Anspielungen auf TOS gerade gut und freue mich, dass die Serie endlich wieder Star Trek lastig wird.
    Nach der dritten Team America-Staffel bin ich Kummer gewohnt, aber z.Z. finde ich macht die Serie eigentlich alles richtig. Endlich wird TOS stück für Stück aufgebaut.

    Ich geb der Folge eine gute zwei.

    Btw. was verdienen wohl die "Fühlerspieler" der Andorianer, die tatkräftig die kleinen Fühlerleinchen der blauen Ale-Drosseln spielen?
    Ich find das putzig ;)

  3. bergh sagt:

    tach auch !

    Tiefrosa Unterwäsche auf blauer Haut ?
    Das beißt sich doch.

    Unglaublich.

    Gruss BergH

  4. Gast sagt:

    nunja, ein Disqualifikationsgrund wär es jedoch sicher nicht gewesen :)

  5. Gast sagt:

    tolle folge tolle folge tolle folge und endlich mal ein richtig richtig spannendes ende wie ich finde

    glaubt mir ;-)

  6. Gast sagt:

    Hoooooooshi

  7. Gast sagt:

    Gesundheit!

  8. Gast sagt:

    Was passiert denn nun am Ende der Folge?

  9. Gast sagt:

    Die Credits erscheinen. Eine unglaubliche Storywendung!
    -Hace

  10. Gast sagt:

    Die Romulaner waren gar nicht im Schiff, sondern – ACHTUNG – Auf Romulus, haha…

  11. Gast sagt:

    DAS nenne ich mal eine FERNBEDIENUNG!

  12. Gast sagt:

    Also diesmal kann ich mit dem Review überhaupt nicht übereinstimmen, mir hat die Folge sooo gut gefallen, dass ich ne 1- geben würde… kann nur sagen: Coto, weiter so!!!
    Das Auge

  13. Gast sagt:

    Warum müssen sich die Menschen immer den Aliens anpassen? Immer dieses Kuschen, immerhin schwingen die ihre fetten Schweinehüften in Starfleet Kojen. Das sollte doch genug guter Willen sein. Man man.

  14. hotzenplotz sagt:

    Naja, die Folge war… mager. Nicht schrecklich, aber mager. Dafür hab ich bei den Kommentaren wiedermal schön lachen können – auch was wert :-)
    Somit schliesse ich mich an und rufe laut:
    Hoooooooshi!
    hozt'

  15. Raketenwurm sagt:

    Ist halt alles irgendwie inzwischen ausgelatscht. Sei es das Gegeneinanderauspielen, das Holo-Schiff oder der Ausbruch mit Wachenverführung – das hat man alles schon drei- oder viermal in fünf oder sechs verschiedenen Scifi-Serien oder Yakuza-Filmen gesehen. Bis auf die eine Überraschung (Mayweathers Textzeile) war alles so schrecklich vorhersehbar. Da grübeln sich Archer und die Polin einen Wolf, obwohl ich die ganze Zeit "ROMULANER ! RO-MU-LANER !" in Richtung Bildschirm schreie. Die Nachbarn klopfen schon an die Wand.
    Ärgerlich !
    Ansonsten war die Folge trotz allem akzeptabel und die tatsächlich vorhandene Vorfreude auf die nächste Folge wird mir die ganze Woche versüßen. Danke Manny.

  16. Gast sagt:

    Manchmal frage ich mich echt warum einige von euch die Serie überhaupt noch schauen.

  17. bergh sagt:

    tach auch !

    Ist doch klar :
    Wir haben sonst nichts zu läster!

    Das TV Programm ist so gut, die ersten Sweety Tweety HASS-Pages enstehen und werden aus Traffic-Gründen schon wieder geschlossen.

    Big Brother interessiert auch keine Sau mehr.
    Die Burg kriege ich an meinem TV nicht rein.
    (Meine Fernbedienung[*grins*] weigert sich auf diesen Sender zu schalten.)

    Worüber sololen wir uns dann aufregen ?

    Gruss BergH

  18. Gast sagt:

    Ich will wieder Weltraumamoeben!!!!!

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