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PID Adè? – oder: Die Hölle im Reagenzglas?

Alle Jahre wieder… kommt das PID-Kind? Wer jetzt noch nicht weiß, worüber gleich die Rede sein wird, hat sich vermutlich noch nicht über die debile Deutschländer-Diskussion erregt, die im Moment durch die Reproduktionsmedizin schwappt wie verschüttetes Bier bei 3 Promille. Wieder mal beweist unser Volk, dass wir mit Zukunftstechnologien von Vorgestern nichts anfangen können, solange in der Bibel „Du sollst nicht Zellhaufen analysieren“ steht. – Äh, wo war das doch gleich genau? (*blätter*)


Situation: Die PID (Präimplantationsdiagnostik) erlaubt es, bei künstlicher Befruchtung nur ausgewählte Eizellen einzupflanzen, nachdem diese auf schwerwiegende Krankheiten untersucht worden sind. Dies betrifft natürlich vor allem Paare, die auf natürlichem Wege keine Kinder bekommen können. Nachdem das Verfassungsgericht vor einigen Monaten die PID für zulässig erklärte, will (u.a.) Merkel dem mit einer Gesetzesänderung wieder den Riegel vorschieben. (Link)

Meinung:

Wer sich entscheidet, sein ungeborenes Kind aufgrund schwerwiegender Probleme abtreiben zu lassen (kein passender Großbildfernseher fürs Kinderzimmer, Kindergeld zu niedrig, ect.), kann dies relativ einfach tun. Und das ist auch gut so, schließlich gehört der Bauch meiner Freundin/ Frau/ Lebens(Disco?)abschnittsgefährtin immer noch MIR… äh… ihr! – Ja, Babyab(t)reibung ist inzwischen so normal wie vorehelicher Geschlechtsverkehr, auch wenn Oma Platuschke anderes behauptet. Und natürlich bin ich mir – Scherz mal beiseite – den moralischen Problemen durchaus bewusst.

PID sorgt nicht automatisch für dünne, gesunde und clevere Babys. Während die Forscher „nur“ überzählige befruchtete Zellen verschwinden lassen, müssen die Eltern das Schmalzfass schon noch selber verstecken…

Wer jedoch auf natürlichem Wege (hihi, kicher) keine Kinder bekommen kann und/oder zur Zeugung von schwerstbehindertem Nachwuchs neigt, soll vorher nicht auswählen dürfen, welche Zellhaufen eingepflanzt werden? Man stelle sich vor, man müsste einen Neuwagen kaufen und wäre gesetzlich gezwungen, einen zu erwerben, der in einer Blindenwerkstatt zusammengelötet wurde. Und wenn man gaaaanz viel Glück hat, erwischt man beim 20. Wagen vielleicht einen ohne Schweißnähte quer über die Kühlerhaube.

Wie? Man kann Embryonen nicht mit Autos vergleichen? Stimmt, denn in einem durchschnittlichen Kleinwagen steckt mehr Liebe und Seele als in einem Zellhaufen aus 4 oder 8 Zellen! Dieser bessere Fliegendreck ist doch KEIN Mensch, ansonsten müsste ich doch auch mein Sperma mit „Sir“ anreden und für jeden blutigen Eisprung eine Säuglingsbestattung arrangieren! Wieso dürfen die vielen befruchteten Eizellen nicht analysiert und dann nur EINE in die Gebärmutter eingepflanzt werden? Der Rest: Müllkippe oder Hundefutter. Wer sich deswegen in die Hose macht („Recht! Moral! Zeter! Mordio!“), gleichzeitig aber womöglich den neuesten „Sarrazin“ auf dem Nachtisch liegen hat, sollte durchaus mal über eine Spätabtreibung am eigenen Leib nachdenken.

Warum ist die Präimplantationsdiagnostik doch gleich in Deutschland verboten? Ich überhöre die Gründe immer, weil die Wirklichkeit so laut rauscht: Die Spätabtreibung ist doch auch nicht verboten, wo bis kurz vor der Geburt per Nadelstich das Baby im Körper der Mutter getötet wird. WEIL per Fruchtwasseruntersuchung eine schwere Behinderung festgestellt wurde. So kann es zu der grotesken Situation kommen, dass Reproduktionsmediziner ALLE befruchteten Eizellen einpflanzen müssen und die Eltern das Kind viel später töten lassen, wenn Down-Syndrom, Offener Rücken und Co. fröhlich aus dem Fruchtwasser in den DNA-Analysecomputer winken. Mit der PID wäre das Risiko dafür schon mal sehr minimiert. Und das Leid für Eltern und Kind sowieso, aber was interessiert das schon eine Industrienation, die sich schon nach dem Verzehr eines Genmaiskolbens mit drei Beinen im Grab wähnt?

„Gestatten: Em Brio! Was ICH in mir trage, geht keinen was an! Kennt ihr den Pschyrembel? – Dann lest es selbst nach! Aber wer es wagt, mich NICHT in eine Gebärmutter einzupflanzen, soll bis an sein Lebensende von tausend bunten Zellwolken heimgesucht werden, auf dass MEIN verlorenes Leben auf immer vor euren Augen vorbeiziehen möge! Mann, bin ich böse! Hey, wieso kommt dieser Stiefelabsatz immer näh…? Krnstpf.“

Viele argumentieren ja damit, dass irgendwann die „Designer-Babys“ durchbrechen könnten, die blondäugigen, blauhaarigen Monster aus der Retorte (Rhetorischer Tipp für PID-Kritiker: „Retorte“ klingt immer gut, da künstlich und dubios!)…

Werden wir dank PID demnächst in Reproduktionskliniken nur noch Eizellen einsetzen, die dem Kind eine „Mathegenie-Wahrscheinlichkeit“ von 2,3% vorhersagen (gegenüber von 1,8%, wenn überhaupt nicht aussortiert wurde)? Werden nur noch Mädchen geboren, weil Jungen so streng riechen, oder gibt es nur noch 2-Meter-Menschen, weil die Industrie gern teure Sondergrößen verkaufen möchte? Alles Quatsch mit Soße, solange der „hippokratische Eid“ auch nur ansatzweise auf dem gehirngeschädigt(!) hohen Niveau verbleibt, bei dem die Bundesregierung ihn im Falle der PID festzurren will.

Und selbst wenn ein deutsches Ehepaar nach Polen fährt, weil sie unbedingt einen hasenschartenfreien, schwarzgelockten Beethoven haben will und dafür 293 befruchtete Eizellen wegzuwerfen bereit ist (Frau wiegt danach 5 Kilo weniger): Watt soll’s? Geht dadurch die Welt unter? Steht ihr das Wasser überhaupt bis zum Knie? Nö.

Und werden Behinderte in Zukunft schlechter behandelt, wenn die PID erlaubt wäre und Eltern sich trotzdem dagegen entschieden? Nach dem Motto: „So was wie dich, das muss doch heute nicht mehr geben“? – Abgesehen von dem vorhandenen (unsensiblen) Wahrheitsgehalt des Satzes zweifle ich sehr daran. Für eine solche Diskussion wären wir immer noch zu korrekt. Es geht hier ja schließlich nicht um dreckige Ausländer, ha-ha. Und man sollte den Leuten schon etwas mehr Sensibilität zutrauen, zumindest bei denen, auf deren Urteil man auch Wert legt.

Schlimm: Die sogenannten „Designerbabys“. An jeder Straßenecke werden sie einmal stehen, mit dem Finger auf uns zeigen und „Boah, watt bitt du häääässlich!“ rufen! Wer’s nicht glauben mag, möge sich „Der Zorn des Khan“ anschauen. Der hat mit der Realität nämlich eben so viel gemeinsam wie viele christdemokratische Politiker derzeit…

Zusammengefasst schlage ich ständig die Hände (oder auch „Gynäkologische Instrumente“ genannt) über den Kopf zusammen, wann immer es um „fortschrittliche“ Themen in Deutschland geht. Genmanipuliertes Essen: Macht unerwiesenermaßen total totkrank! Liebe ’ne kranke Kuh oder eine natürlich mutierte Kartoffel. Stuttgart 21: Kein Dreck, kein Lärm bitte! So’n Bahnhof muss oderirdisch bleiben, sonst müsste er ja „Bahnhöhle“ heißen! Atommüll: Gerne, aber bitte im Tacka-Tucka-Land lagern, WIR wollen nur den fertigen Strom. Fortschritte bei Gentechnik, Google oder Gartenbau: Macht sicher krank, verrät potenziellen Einbrechern meine Schuhgröße und lässt die Begonien verwelken!

SO werden wir nie zum vielfach ausgerufenen „Wissenschaftsstandort“, weissu?


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Artikel

von Klapowski am 05.11.10 in All-Gemeines

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Kommentare (33)

  1. Kirk sagt:

    Soweit richtig was PID angeht.

    Mal davon abgesehen, dass ich schon gern ein Designerbaby hätte. Beim Autokauf kann ich zig Testberichte lesen. Auch schon beim Kauf eines Joghurt mache ich das übrigens manchmal. Aber gerade bei sowas wie Nachwuchs darf ich nur die Katze im Sack wählen? Warum sollte ich freiwillig das Risiko eingehen mir mindestens 20 Jahre einen Spasti aufhalsen? Dann lieber gar keinen Nachwuchs. Wenn es das ist, was die Politiker wollen! Es gibt auch so noch genügend unkalkulierbare Lebensrisiken, wenn die religiösen Heinis nur auf Gott vertrauen wollen, sollen sie es doch machen und von einer Brücke springen und sehen ob es ihnen hilft, aber mich mit ihren Ansichten in Ruhe lassen. ;)

    Aber Gentechnik ist wieder was anderes. Da gehts nur um die Profite von Agrar- und Pharmakonzernen, die mit patentierten Frankenfood mehr Profit rausschlagen können, als mit dem Jahrtausende erprobten Fraß, der übrigens völlig ausreichend ist, da in der EU immer noch Lebensmittel auf der Halde landen und der Export in dritte Weltländer eh nicht sinnvoll ist.

    Bei Stuttgart 21 gehts nur um die Profite bei den Grundstücken, die danach frei werden und den Geschäften mit den Bauaufträgen. Das ist nur eine Menge Küngelei bei der Polikerkaste, die bloß auf ihren Vorteil bedacht ist, egal ob dabei Millarden an Steuergeldern sinnlos in den Sand gesetzt werden.

    Bei Atomenergie machen auch nur die Energiekonzerne Profit, verlagern aber die Kosten für Entsorgung in Steuerzahlerhand. Das ist typischer Kapitalismus bei den Gewinnen, Sozialismus bei den Kosten, wie bei der Bankenrettung übrigens. Mal davon abgesehen, das Atomenergie nicht wirklich zukunftsfähig ist und Uran usw. auch sehr endlich ist.

  2. paranoid android sagt:

    Warum die PID verboten ist, wurde mir im Studium folgendermaßen erklärt:
    Bis zu dem Stadium, in dem der Embryo aus 8 Zellen besteht, sind alle Zellen komplett identisch (sog. totipotente Stammzellen). Aus jeder dieser Zellen könnte ein ganz neuer Embryo entstehen – theoretisch könnte man also den Haufen auseinanderpflücken und eineiige Achtlinge erzeugen (funktionert praktisch allerdings schon bei Tieren nur selten).
    Für die PID muss eine dieser Zellen entnommen und zum Zwecke der DNS-Extraktion zerstört werden. Das kratzt den Embryo wenig, der bildet einfach eine neue nach. Aber nach bisheriger Auslegung des Embryonenschutzgesetzes darf die eine Zelle nicht verbraten werden, denn sie könnte ja in einer besseren Welt Klein-Embryos Zwilling werden.

  3. aristarchb sagt:

    Und, hast du das mit den Zellhaufen schon in der Bibel gefunden? Nein? Immer noch nicht? Hmm, es könnte vielleicht daran liegen, dass das Thema der Produktion „fehlerfreier“ Menschen nicht allein den von dir offensichtlich leidenschaftlich gehassten christlichen Werten gegen den Strich geht, sondern vor allem dem Humanismus. Dieser Zellhaufen, und sei er noch so klein, hat immerhin das Potential einmal ein Mensch mit Bewusstsein, Wünschen, Würde, Identiät, Individualität, Glücksempfinden und dem ganzen anderen Schnickschnack zu werden. Warum maßt du dir an entscheiden zu können, ob ihm das verwehrt werden sollte? Wegen genetischer Fehler? Die haben wir alle – mehr oder weniger. Weil den Eltern ein Pflegefall eine zu große Last wäre? Welches Recht haben Eltern, ihren Kindern das Leben zu verwehren? Auch ein nach deinen Maßstäben „behindertes“ Kind kann wunderschön sein, kann lachen und sich freuen, ist jemand Besonderes. Menschen haben Rechte, egal ob groß, ob klein. Du solltest dich schämen, ihm sein Recht ein Mensch werden zu können zu versagen. Die Art, wie du über diese für dich „behinderten“ Menschen schreibst, ist verletzend und wenig durchdacht.

    Du willst keine Moraldiskussion führen? Nicht doch im 21. Jahrhundert? Kommerz scheint eher das zu sein, was dich antreibt. Was glaubst du, wie sich Werte mit der Zeit verschieben, wenn wir plötzlich fähig sind uns unseren Nachwuchs auszusuchen? Es mag anfangen mit der Vermeidung von Spina bifida und mag da eine gute Sache sein, um Kinder vom Leiden zu erlösen. Aber wer setzt das Maß, wer kann ein vernünftiges Maß dafür setzen, wann einem Zellhaufen das Recht verwehrt wird ein Mensch zu werden? Traust du dir das zu? Traust du das unseren Politikern und Ethikräten zu? Für das Jetzt und alle Zukunft? Ich jedenfalls nicht.

    Du solltest nach meiner bescheidenen Meinung als alter Schuster bei deinen Leisten bleiben und deine herausragenden Fähigkeiten als Satiriker nicht dem Materialismus und der Kommerzialisierung in den Dienst stellen, sondern eher zur unterhaltsamen Ermessung von Filmqualität beitragen. Wie wärs, wenn du zur Abwechslung mal einen guten Film kritisierst? Mein Vorschlag wäre „Gattaca“.

    MfG, ein langjähriger Leser.

  4. Klapowski sagt:

    „Dieser Zellhaufen, und sei er noch so klein, hat immerhin das Potential einmal ein Mensch mit Bewusstsein, Wünschen, Würde, Identiät, Individualität, Glücksempfinden und dem ganzen anderen Schnickschnack zu werden. Warum maßt du dir an entscheiden zu können, ob ihm das verwehrt werden sollte?“

    Eben das ist der Punkt an der Diskussion, den ich nicht verstehe: Natürlich KÖNNTE aus jeder befruchteten Eizelle alles mögliche werden: Ein Massenmörder, ein Landschaftsgärtner, ein Wohltäter oder ein Walfänger. Aber diese Zukunft existiert eben oft aus den unterschiedlichsten Gründen nicht, sofern wir nicht in die „Viele-Welten-Theorie“ der Kosmologen und Quantenphysiker einsteigen. Eben diese Zukunft ist wie Silberstaub auf der Terrasse: Theoretisch und praktisch wertvoll, aber nun mal verweht.

    Was ist mit dem Verhütungsmittel namens Spirale? Sie soll zwar die Befruchtung verhindern, doch wenn sie doch mal geschieht (was vorkommt), wird die befruchtete Eizelle von der Einnistung abgehalten. Spiralen im Körper verbieten, zurück ins Sofa mit ihnen?

    Mit „hätte, könnte, würde“ kann man ganz alltägliches Leid natürlich auch recht bequem davonschieben. Reden wir nämlich mal über die PID-Eltern, die allesamt derzeit einen guten GRUND haben, die Technologie zu nutzen. Wir reden nicht von leichtfertigem „Die Guten ins Töpfchen“-Spielchen in Schlafzimmern oder beim Frauenarzt (wobei ich selbst das für diskutierenswert halte).

    Erstens können jene Paare auf natürlichem Wege kaum Kinder bekommen und haben oft einen langen Leidensweg hinter sich. Viele haben schon ein behindertes Kind oder sind mental und anderweitig einfach nicht in der Lage, ein (weiteres) schwerst(!)behindertes Kind großzuziehen. Man könnte sich natürlich die Philosophenmütze aufsetzen und sagen: „Dann muss die Gesellschaft sich halt ranhalten, um zu helfen. Und die beiden egoistischen Schweine mögen sich einfach mehr anstrengen!“

    Normalerweise richtig, aber warum in diesem Fall, wenn die Vermeidung so einfach, schmerzlos und ohne „Leiche“ möglich ist? Mit „Potenzial“ kann ich in Bezug auf 8-teiligen Zellhaufen nichts anfangen (ist nach einigen Entwicklungswochen natürlich ganz anders). Ich selbst hätte das Potenzial zu so vielen Potenzialkindern, wenn ich einfach öfter das Gummi weglassen, meine Nachbarin verführen oder mich als Samenspender registrieren lassen würde.

    In einer Paralleldimension wurden vielleicht nur 29.301 befruchtete Eizellen abgetötet, statt 31.291, who knows? Interessiert mich auch nicht.

    Eigentlich müsstest du sogar die künstliche Befruchtung an sich verbieten, da selbst bei der Einpflanzung ALLER befruchteten Eizellen das extrem hohe Risiko besteht, dass alle absterben. Aber das ist ja dann im Körper der Frau und somit wieder „Gottes Wille“, „Schicksal“, „Pech“ oder so ähnlich…

    P.S.: Natürlich stelle ich meine „satirischen Fähigkeiten“ nur aus „Kommerzgründen“ in solchen Artikel ab. Weiß ja jeder, wie viel Geld, nackte Weiber und Besucher man mit solchen Texten erhaschen kann! Mit total „unkommerzialen“ Filmreviews gelingt das natürlich nicht…

  5. Laberkopp sagt:

    Ich glaube ganz wesentlich hat aristarchb, womöglich sogar ganz absichtlich, übersehen, das hier mit zweierlei Maß gemessen wird.
    Zum einen werden Embryonen abgetrieben wenn im x-ten SchwangerschaftsMONAT eine Fehlentwicklung festgestellt wird, auf der anderen Seite wird aber bei einem ohnehin schon künstlichen Eingriff in die Fortpflanzungsmaschinerie die Möglichkeit verhindert mit fast 100%iger Sicherheit ein gesundes Kind zur Welt zu bringen.
    Mit den betroffenen Frauen wird da ein ziemlich fieses Glücksspiel gespielt. Zum einen müssen sie sich, unverschuldet, der Prozedur der künstlichen Befruchtung unterziehen und dann im schlimmsten Fall nach hoffnungsfrohen Monaten doch noch eine Abtreibung machen, weil es leider schief gelaufen ist?!?!!
    Was ist daran denn bitte humanistisch?!

  6. biermann sagt:

    Selektion ist doch ein natürlicher Prozess, das macht die Natur jeden Tag, in vielen verschiedenen Bereichen, und gerade in der Arterhaltung. Meiner Meinung nach ist die Schwelle zu Gattica Kindern noch nicht übertreten, da erstens nicht jede Frau die befruchtet werden will diese Methode wählt. Zweitens können wir ja auch nicht die Zellhaufen so manipulieren, dass plötzlich alle Parameter wie Körperbau, Intelligenz, etc bestimmt werden können.

    Man wählt einfach den Embryo, der die höchste Überlebenschance hat – das haben behinderte nunmal nicht, so hart es klingt.

    P.S.: Endlich mal wieder ein Thema das mit SF zu tun hat, nicht wie SGU ;).

  7. StruwelPeter sagt:

    In Asien (etwa Indien und Südkorea) ist man glücklicherweise gesellschaftlich schon einen Schritt weiter und mutig genug massenhaft weiblich Föten abzutreiben, da Mädchen oft eine schwere wirtschaftliche und gesellschaftliche Belastung für die dortigen Menschen sind. Viele Asiaten haben schon ein Mädchen oder sind mental und anderweitig einfach nicht in der Lage, ein (weiteres) Mädchen großzuziehen! Ein Hoch auf die moderne Forschung und Technik die den Eltern die Qual ein Mädchen zur Welt zu bringen nun endgültig erspart.

    • Klapowski sagt:

      Hat mit der aktuellen Diskussion in Deutschland nix zu tun, ist falsch, fordert hier auch keiner und hat mit der PID-Diskussion nur in sofern etwas gemein, dass man zufällig vor der Geburt etwas feststellen kann (=Geschlecht). Ansonsten: Zurück ins Äpfel- und Birnenregal mit diesem Vergleich, bitte.

    • StruwelPeter sagt:

      Du hast doch selbst geschrieben

      „Werden nur noch Mädchen geboren, weil Jungen so streng riechen,“

      Ich habe diesen Faden nur aufgegriffen und mit der traurigen Realität in einigen asiatischen Länder verknüpft.

      Artikel zum Thema (wenns intressiert)
      http://www.welt.de/politik/ausland/article906642/Millionen_von_Maennern_finden_keine_Braut.html

      Weg von den Birnen zur Situation in Deutschland:

      Die Dimension der PDI ist im Verhältniss zur Diskussion „winzig“

      „In 17 europäischen Ländern sind im Jahr 2007 weniger als 900 Kinder nach einer PID geboren worden.“

      „Höchstens 200 Paare in Deutschland kommen nach Einschätzung von Experten im Jahr für eine PID infrage.“

      Quelle
      http://www.zeit.de/2010/43/01-PID-Embryonenschutz?page=2

      Frau Merkel kann sich also als brave Christin und Konservative präsentieren. Die Katholische Kirche ist glücklich und kann endlich wieder einen Erfolg feiern. Man kann über das Verbot Kontakte zu den PDI kritischen Grünen knüpfen. Die FDP könnte man durch das Verbot so richtig demütigen.

      Das man sich dabei zusätzlich noch als Retterin von behinderten Kinder, die wenn man genau hinschaut trotzdem abgetrieben werden dürfen, präsentieren kann ist ein netter Nebeneffeckt. Wird ihr bei einigen Wählergruppen zusätzliche Pluspunkte einbringen.

      So sieht eben gelebte Machtpolitik im Jahre 2010.

      Und die Anzahl der Betroffenen die man durch das Verbot verprellt ist (noch) recht überschaubar. Dies könnte aber nach hinten loßgehen, wenn sich etwa mehr Menschen als eigentlich Betroffen von diesem Verbot betroffen fühlen würden.

    • KojiroAK sagt:

      Das machen die solange, bis sie merken, dass dann irgendwann niemand mehr da ist um die Rente zu zahlen.

    • flyan sagt:

      Das ist ein verdammt seltenes Phänomen, welches hier in den Medien gerne hochgespielt wird. Über die Gründe kann man nur spekulieren. Gerade in China ist es so, dass lieber Jungen als Nachwuchs genommen werden, weil es in den ärmeren Bevölkerungsschichten (die immer noch 90% ausmachen) zum wirtschaftlichen Desaster werden kann, eine Tochter zu haben. Aber da muss man sehen, dass diese Leute meistens nicht mal jemanden kennen, der eine Abtreibung vornehmen kann und sowieso nicht das Geld hätten, dergleichen zu bezahlen.

      Dass es in diesen Ländern Probleme mit der Arterhaltung gäbe ist sowieso in nächster Zeit nicht anzunehmen.

  8. StruwelPeter sagt:

    Komisch das die Zeit 33-45 noch gar nicht stärker Thematisiert wurde, schließlich ist das eine der Hauptgründe warum auch nicht religiöse Menschen mit dieser Thematik so stark zu knabbern haben. Auch die bedauerte mangelnde Begeisterung vieler Deutschen für neue Technologien ist teilweise auch eine Folge dieser Zeit.

    Der Nationalsozialismus war die modernste Bewegung seiner Zeit, die auf der einen Seite begeistert von Technologie, Technik und Effizienz war. Auf der anderen Seite trat sie jedoch offensiv für den Tier-und Umweltschutz ein, eine weitere Industrialisierung und Verstädterung wurde von ihm scharf abgelehnt.

    Unsere angefachte Technologie Begeisterung ist aber 1945 praktisch in Rauch aufgegangen. Die Erfindung des Sturmgewehrs, Nachtsichtgerät, des Düsenjägers und der V-Waffen hat die Roten Horden und Uncle Sam nicht stoppen können. Auch das Deutschland am Ende die modernste Industrie und die fortschrittlichsten Flugzeuge, Panzer und U-Boote besaß hat sich nicht ausgezahlt. Diese Niederlage trotz technologischer Überlegenheit,die über die Propaganda den Deutschen eingehämmert wurde, hat sich doch ziemlich stark in der Psyche eingenistet und ist an die kommenden Generationen teilweise doch weitergegeben wurden.

    Die andere Seite, nämlich das Führen eines naturverbundenen Lebens in einer sauberen Umwelt hat den Untergang des NS überlebt. Wegefallen dort ist aber die ausprägte rassische und eugenische Komponente.

    Und was an Eugenik, Euthanasie, Experimenten an Menschen,(heimlicher) Zwangssterilisierungen und erzwungener, teils barbarisch durchgeführten Abtreibungen von begeisternden deutschen Medizinern (keine Berufsgruppe war den Nazis so verfallen wie die Weißkittel) betrieben wurde ist hinlänglich bekannt. Teilweise hat man nach dem Krieg an einigen Kliniken bis in die 80er die heimlichen Sterilisierungen weitergeführt.

    Daher ist es verständlich warum man sich gerade es gerade in Deutschland so schwer mit der Thematik macht. Der dunkle Schatten von 33-45 wird wahrscheinlich noch eine Zeitlang darauf liegen.

    • Dingens sagt:

      Den Bezug von mangelndem Technologieglauben aufgrund der Niederlage der Nazis halte ich für eine sehr gewagte These, und ich würde mich freuen, dazu untermauernde Informationen zu erhalten. Wenn es sie gibt.

      Manche Formulierungen gefallen mir aber ganz eindeutig nicht: „weitere Industrialisierung und Verstädterung wurde von ihm scharf abgelehnt“, „Uncle Sam ’stoppen'“, „Führen eines naturverbundenen Lebens in einer sauberen Umwelt“, „… hinlänglich bekannt.“ Mir ist das nicht hinlänglich bekannt, und ich besitze eigentlich hinlängliche Kenntnisse.

      Sicher dass du nicht irgendwelcher Propaganda aufgesessen bist?

      Wo ich zustimmen würde, ist, dass wir Deutsche tatsächlich mehr Angst vor entsprechender (Bio-)Technologie besitzen, weil die Nazis die Ideologie der überlegenen Rasse verteten haben. Der Gedankensprung dorthin, bei der PID den „überlegenen“ Embryo auszuwählen, liegt nah.

      Allerdings hat Klapowski das tatsächlich absurde Problem schön erklärt, dass es verboten ist, das _Potenzielle_ Leben zu beenden, um zu verhindern, dass ein späteres Kind keine schweren Behinderungen aufweist, im Gegensatz zum quasi geduldeten späten Schwangerschaftsabbruch, bei dem der Fötus definitiv schon ein weiter entwickeltes Lebewesen ist.

  9. ted_simple sagt:

    > Kirk sagte:
    >
    > Aber Gentechnik ist wieder was anderes. Da gehts nur um die Profite von Agrar-
    > und Pharmakonzernen, die mit patentierten Frankenfood mehr Profit rausschlagen
    > können, als mit dem Jahrtausende erprobten Fraß, der übrigens völlig ausreichend
    > ist, da in der EU immer noch Lebensmittel auf der Halde landen und der Export
    > in dritte Weltländer eh nicht sinnvoll ist.
    >
    > Bei Stuttgart 21 gehts nur um die Profite bei den Grundstücken, die danach frei
    > werden und den Geschäften mit den Bauaufträgen. Das ist nur eine Menge Küngelei
    > bei der Polikerkaste, die bloß auf ihren Vorteil bedacht ist, egal ob dabei
    > Millarden an Steuergeldern sinnlos in den Sand gesetzt werden.
    >
    > Bei Atomenergie machen auch nur die Energiekonzerne Profit, verlagern aber die
    > Kosten für Entsorgung in Steuerzahlerhand. Das ist typischer Kapitalismus bei
    > den Gewinnen, Sozialismus bei den Kosten, wie bei der Bankenrettung übrigens.
    > Mal davon abgesehen, das Atomenergie nicht wirklich zukunftsfähig ist und Uran
    > usw. auch sehr endlich ist.

    Wenn man alles durch die Brille des Klassenkampfes betrachtet (Kapitalisten vs. die „da unten“ bzw. Steuerzahler), wird man damit den Sachverhalten nicht gerecht.

    Bei dem Genfood stimme ich noch weitestgegehend zu, dass die Risiken zu unkalkulierbar sind, um den Nutzen zu rechtfertigen.

    Dass es bei Stuttgart 21, also einem Infrastrukturprojekt nur um Geschäfte mit den Grundstücken und Bauaufträgen ginge, ist eine etwas befremdlich Behauptung. So ein Projekt wird nur angestoßen, wenn es (Studien zufolge) die Infrastruktur verbessern kann und damit den Bürgern zugute kommt, da liegen umfangreiche Kosten-/Nutzen-Rechnungen zugrunde, oder meinst du die Schweizer würden jahrzehntelang ihre Tunnel bohren, nur um das Baugewerbe zu subventionieren? Natürlich betreiben Politiker oft Missbrauch und es gibt jede Menge Klüngel, aber nicht immer und überall und man darf den Blick für andere Kategorien nicht verlieren.

    Klapowski hat auch eher den Umstand kritisiert, dass es offenbar eine Angst vor Veränderungen gibt (man will keinen unterirdischen Bahnhof) und viele Leute nur darum protestieren. Bei uns macht sich allgemein ein konservativer Zeitgeist breit, der mehr zu „bewahren“ versucht, als der Entwicklung unseres Landes gut tun kann.

    Deine Argumentation kontra Atom-Strom greift echt viel zu kurz. Leider haben die meisten AKW-Gegner sehr utopische Vorstellungen bzw. überblicken einfach nicht den ganzen Sachverhalt. Wir können nicht von heute auf morgen 100% der Stromerzeugung auf regenerative und klimafreundliche Energiequellen umstellen. Die Entwicklung des Marktes von „Öko“-Strom wird bereits stark subventioniert und ich habe bisher keine auch nur halbwegs überzeugenden Modelle gesehen, wie es noch schneller gehen sollte. Wir müssen zurzeit halt noch zwischen Pest und Cholera wählen: Bauen wir mehr Kohlekraftwerke oder betreiben wir die AKWs länger? Mit den Kohlekraftwerken fahren die Stromriesen ebenso Gewinne ein. In meinen Augen ist Kohle wegen des CO2-Ausstoßes die schlechtere Wahl.

    Ich stimme dir aber grundsätzlich zu, dass die Verteilung von Kosten und Profiten am Strommarkt sehr zugunsten der großen Firmen und zu ungunsten der Verbraucher erfolgt. Nur ist das ein Problem am Strommarkt insgesamt und nicht insbesondere bei AKWs… bei den großen Windparks kommen auch zunehmend die Großkonzerne zum Zuge, weil nur sie die Finanzierung stemmen können, und ich fürchte dort werden bald die gleichen Oligopol-Verhältnisse herrschen wie bei den konventionellen Kraftwerken.

    Die einzigen Argumente, die man gegen Atomstrom wirklich gelten lassen kann, weil sie nicht ein Systemproblem der gesamten Strombranche sind, wären die Angst vor dem GAU, die Endlagerproblematik u.ä., alles Punkte die mich nie besonders überzeugt haben, da mir die Risiken bzw. Umweltbelastungen vergleichsweise gering vorkommen.

    Super Artikel, stimme Klapo zu 100% zu.

    • KojiroAK sagt:

      Mach dich mal schlau, wie viel CO2 bei der Förderung von Uran entsteht. Ausser dem wäre da noch die Subventionierung des Atomstroms, das was bei dir auf der Stromrechnung steht, ist nicht das einzige was du zahlst.

      Die genauen Zahlen habe ich nicht im Kopf, aber man könnte schon einen grossen Teil des Energiebedarfs aus erneuerbaren Energie erzeugen. Man müsste nur etwas in die Infrastruktur investieren. Blöd nur, dass die der Strommafia gehört und die es eher unterlassen wird, da Geld zu investieren, solange die mit Atomstrom so schöne Profite machen. Die behindern sogar noch Ökostrom. Mit dem Ausstieg vom Ausstieg wird diesem verhalten noch Vorschub geleistet.

      „Endlagerproblematik u.ä., alles Punkte die mich nie besonders überzeugt haben“
      O.k. ich geb’s mal nach Berlin durch, das Endlager ist gefunden. du hast ja nichts dagegen, wenn man den Atommüll in deinem Garten verschart. Ist ja keine Gefahr.

    • ted_simple sagt:

      Wenn man die Uranförderung einbezieht, ergibt sich eine CO2-Bilanz von um die 100g pro kwH. Z.B. diese AKW-kritische(!) Quelle: http://www.klima-luegendetektor.de/2008/05/25/atom-lobby-co2-und-reich-dabei/ Bei Stein-/Braunkohle sind es 600-1000g. Subventionierung? Vollkommen absurdes Argument, angesichts der ebenfalls starken Subventionierung von sog. Öko-Strom. Wer unsubventionierten Strom will, muss dann wohl zum Kohlekraftwerk greifen…

      Wie bereits gesagt, stimme ich zu dass es am Strommarkt ein Oligopol gibt, welches auf Kosten der Steuerzahler geht. Deine zentrale Behauptung, dass der Ausstieg vom Ausstieg dazu führt, dass Ökostrom noch langsamer ausgebaut werden wird, ist nicht ganz von der Hand zu weisen. Nur muss es nicht zwingenderweise so weit kommen. Wenn die Politik die CO2-Zertifikate weiter verknappen würde, dann würden die bestehenden AKWs nicht mehr ausreichen, um genügend CO2-Ausstoß einzusparen (und neue AKWs können ja nicht gebaut werden), also wären die Stromriesen gezwungen in Ökostrom zu investieren. Soweit ich mitbekommen habe, ist es leider zu einer solchen Verknappung nicht gekommen. Meine „Lösung“ wäre daher, die Zulassung neuer Kohlekraftwerke (die zurzeit dutzendweise gebaut werden bzw. in Planung sind) strenger zu reglementieren, denn wenn die erstmal stehen, werden wir sie 40 Jahre nicht los.

      Zum Endlager, habe nie gesagt, dass der Müll keine Gefahr wäre. Du bist absolut unsachlich. Klar ist das ein Problem, aber es ist zu bewältigen, lieber eine kleine Menge Müll in festem Zustand lagern, als die Lagerung gar nicht erst zu versuchen, indem man eine große Menge gasförmiges CO2 in die Luft pustet… welches zur Aufheizung des Klimas führt und die Natur massiv schädigt.

    • KojiroAK sagt:

      Also ein paar tausend Fässer nenne ich nicht klein.
      Und wie unkritisch das ist, sieht man an Asse 2.

    • Spock sagt:

      Die CO2-Bilanz ist völlig belanglos. CO2 ist kein Treibhausgas. Die Lüge von der Klimaerwärmung dient nur dem Machterhalt und der Profitgier einer kleiner Elite. CO2-Zertifikate zeigen das sehr deutlich. Die nächste Spekulationsblase mit nichts als heißer Luft. Nicht mal die Offiziellen trauen sich mittlerweile noch von Klimaerwärmung zu sprechen, die nächste Sau, die durchs Dorf getrieben ist schon wieder „Klimastörung“.

  10. ted_simple sagt:

    Die Menge des Atommülls und des CO2-Ausstosses bei Kohlekraftwerken spielen in vollkommen unterschiedlichen Größenordnungen. Wenn es dich interessiert, kannst du ja recherchieren. Ich vermute stark, dass es billiger ist, die Fässer gut zu lagern als erstmal die Umweltschäden durch Klimaerwärmung abzuwarten und die dann nachträglich durch Umweltschutzmaßnahmen zu „kompensieren“ (so weit das überhaupt möglich ist). Wie das mit der Lagerung in Asse 2 gelaufen ist, das ist eine Sauerei. Aber warum protestieren die AKW-Gegner dann nicht einfach für künftig bessere Kontrollen der Lagerstätten?

    Die Anti-AKW-Bewegung ist ein deutscher Sonderfall, schaut man sich den Rest der Welt an, wird fast überall die Klimaerwärmung kritisch gesehen (d.h. v.a. Kohle- und Gaskraftwerke kritisiert), mit Atomkraftwerken hat man aber weniger Probleme. Aber der Atomstrom gibt in den naturromantischen Vorstellungen vieler Deutscher nun mal so ein schönes Feindbild ab.

    Wir belasten übrigens so oder so unseren Planeten sehr stark, diese Schwarz-/Weiß-Malereien werden alle der Wirklichkeit nicht gerecht.

    • ted_simple sagt:

      Wenn ich mir anschaue, was da heute mit den Castor-Blockaden abgeht, habe ich außerdem den schlimmen Eindruck, dass es eher um das Feiern eienes Events als um echten Protest geht. Ein Event auf Kosten der Steuerzahler… vielen Dank ihr Helden.

    • KojiroAK sagt:

      „Lagerung in Asse 2 gelaufen ist, das ist eine Sauerei. Aber warum protestieren die AKW-Gegner dann nicht einfach für künftig bessere Kontrollen der Lagerstätten?“

      Weil die genau wissen, dass diese Kontrollen das erste sein werden, was zusammengestrichen werden wird.

      Und bei Atommüll reden wir von einer Zeitspannen im vierstelligen Bereich. Man müsste also eine Kontrolle von ein paar tausend Jahren gewährleisten. Durch private Firmen. Ja, die Lagerung soll privatisiert werden.

      Wie gut das geklappt hat sieht man an „der Bahn“.

      Und die Wahl heisst nicht Kohle oder Atom sondern Kohle und Atom oder Wind, Wasser und Sonne. Für letzteres wurden die Subventionen durch Schwarz-Geld gekürzt im Sparpaket.

    • KojiroAK sagt:

      Ach ja, mit privatisieren sind nicht Kosten gemeint, die bleiben beim Staat (-> Bürger), nur die Lagerung selbst wird privatisiert.

    • huHn sagt:

      Wind, Wasser und Sonne? Das Maerchen vom umweltfreundlichen Strom *hehe*.

  11. ted_simple sagt:

    > Und die Wahl heisst nicht Kohle oder Atom sondern Kohle und Atom oder Wind,
    > Wasser und Sonne. Für letzteres wurden die Subventionen durch Schwarz-Geld
    > gekürzt im Sparpaket.

    Mal im Ernst, ich habe sehr sauber argumentiert, da verbitte ich mir jetzt so einen Knochen vorgeworfen zu bekommen. Wir sind uns hier im Forum alle einig, dass wir zu Wind, Wasser und Sonne wollen. Die Frage ist jetzt, wie kommen wir am schnellsten da hin. Bei Solarenergie sind die Subventionen derzeit schon jenseits von Gut und Böse und vollkommen unwirtschaftlich. Würde man das Geld aus diesen Subventionen direkt in Umweltschutz investieren, wäre viel mehr geholfen. Es existiert einfach noch keine Solartechnik, die sich in einem sonnenarmen Land wie Deutschland auf großer Fläche rentiert. Die Wasserkraft ist auch nicht mehr nennenswert ausbaufähig, soweit ich weiß.

    Bleibt nur die Windkraft, vielleicht die Geothermie, deren Ausbau sich vielleicht noch beschleunigen ließe. Aber die Vorstellung, dass man mithilfe derer mal eben bis zur Abschaltung der letzten AKWs eine Vollversorgung erreichen kann, die alle (dann abgeschalteten) AKWs UND Kohlekraftwerke ersetzt, ist utopisch.

    Es läuft also auf eine einfache Rechnung hinaus: Die (zu früh) abgeschalteten AKWs müssen durch (neu zu bauende) Kohlekraftwerke ersetzt werden. Weil wir die AKWs keine rund 10 Jahre länger betreiben wollen, setzen wir neue Kohlekraftwerke hin, die für 40(!) Jahre laufen. Glückwunsch!

    So long, ted_simple

    • KojiroAK sagt:

      Dieses „Wenn wir die AKWs abschalten müssen, müssen Kohlekraftwerke hin“ ist Atomlobby-Palaver. Deutschland exportiert Strom, da ist also schon mehr da als wirklich gebraucht wird. Und das Problem ist nicht, dass die AKWs noch 10 Jahre laufen (das wäre schon mit der Rot/Grün-Vereinbarung gewesen.) sondern, dass die noch ein paar Jahre drauf bekommen. Und da sind auch ein paar ganz alte bei, die schon mehr als einmal knapp an einem Unfall vorbeigeschlittert sind.

      Die jetztige Regelung hat nur ein Ziel, den Stromkonzernen noch mehr Geld in den Hintern zu blasen.

      Und wie gesagt die Investitionen in Ökostrom wurden zurückgefahren.
      Da wurde kräftig auf die Bremse getreten.
      Bestehende Windkraftanlagen stehen still, weil die Energieversorger ihnen die Einspeisung ins Netz verwehren. (Da man sonst schnell merken würde, dass das eine oder andere AKW nicht wirklich gebraucht wird, also eine schrittweise Abschaltung durchaus schon möglich wäre. Und ich bin sicher nicht für ein von 100 auf 0 in 10 Sekunden.)

      Ich sage nichts gegen AKWs, als Ergänzung zu den Ökovarianten (wobei man hier nie nur auf eine setzen sollte), aber im derzeitigen Plan sind die AKWs die Hauptversorger und blockieren den Strom, der schon ökologisch gewonnen werden könnte.
      Weil der nicht so schön viel Gewinn für die Strommafia abwirft. Und von dem Gewinn wird sicher nichts in die Aufrüstung von Stromnetzen fliessen, damit man die Schwächen der Ökostromvarianten abfangen könnte.

      Der Ausstieg vom Ausstieg war einzig und allein ein Geschenk an die Strommafia.

  12. ted_simple sagt:

    Der ursprüngliche Diskussionsanstoß war eine allgemein gehaltene Aussage zur Atomenergie („Bei Atomenergie machen auch nur die Energiekonzerne Profit… Mal abgeshen davon, dass Atomenergie nicht wirklich zukunftsfähig ist.“) und ich habe für die Atomenergie als „Brückentechnologie“, also als zeitlich befristete Ergänzung zu den Ökovarianten argumentiert.

    Dass der „Ausstieg vom Ausstieg“ ein Geschenk an die Konzerne ist, da offenbar nicht geplant ist die Zertifikate zu verknappen, sehe ich leider auch so. Die Argumentation „weniger AKWs = mehr Kohlekraftwerke hin“ ist meiner Meinung nach aber stichhaltig. Es geht ja nicht darum, wie du schreibst, dass wir Strom im Überfluss haben, sondern darum dass regelmäßig neue Kohlekraftwerke gebaut werden müssen, um alte Kraftwerke zu ersetzen (vielleicht nicht 1:1, aber die meisten müssen ersetzt werden). Derzeit im Bau oder in der Planung:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Liste_geplanter_Kohlekraftwerke_in_Deutschland

    Wenn die KW erstmal stehen, ist doch klar dass sie bis zum Ende ihrer regulären Laufzeit genutzt werden. Den Anteil von Kohlestrom langfristig zurückzufahren wird umso schwieriger, je mehr neue Kraftwerke wir uns aufhalsen.

    Ganz konkret: Wenn Windenergie etc. in 10 oder 20 Jahren so richtig an Fahrt gewinnt, und schneller ausgebaut werden könnte, als überhaupt Kohlekraftwerke abgeschaltet werden sollen („junge“ Kohlekraftwerke werden die Betreiber mit Hinweis auf Unwirtschaftlichkeit nicht abschalten), dann droht der bestehende Kraftwerkspark zum Hemmschuh zu werden.

    Ich habe dieses Szenario natürlich nicht durchgerechnet, vielleicht ist das Modell auch falsch. Ich finde es auf den ersten Blick jedenfalls einleuchtend.

    • KojiroAK sagt:

      „sondern darum dass regelmäßig neue Kohlekraftwerke gebaut werden müssen, um alte Kraftwerke zu ersetzen“

      Wozu muss man Kraftwerke ersetzen wenn es einen Energieüberschuss gibt?
      Wieso wird nicht das Geld in Ökostromanlagen investiert?
      Wieso stehen bereits bestehende Anlagen still, obwohl ja ein Bedarf da sein muss, wenn neue Kraftwerke gebaut werden „müssen“?

      Ganz einfach, man muss es nicht, der einzige Grund ist, dass die Atommafia dadurch höhere Profite erzielen kann. Und wer zahlt dürfte klar sein, der Bürger. Denn auch Kohle wird noch subventioniert.

  13. ted_simple sagt:

    Ohne genaue Zahlen zu kennen, können wir da nicht weiterdiskutieren. Z.B. wie viel Stromüberschuss es gibt, wie viel Prozent des Kraftwerksparks jährlich regulär erneuert wird.

    Eines kann ich beantworten: Das Geld wird nicht in Ökostromanlagen investiert, weil es sich um Konzerne handelt die gewinnorientiert handeln. Das ist ja auch erst mal normal. Hier liegt die Schuld bei der Politik. Auf der einen Seite Ökostrom subventionieren, auf der anderen aber auch Kohle zu subventionieren ist doch vollkommen pervers, die Effekte heben sich ja dann gegenseitig auf…

    • KojiroAK sagt:

      Die Subventionierung von Ökostrom wurde wie bereits erwähnt zurückgefahren.
      (afaik noch hinter Kohle)

      Und um das geht es den Demonstranten, sie demonstrieren gegen eine verfehlte Energiepolitik der Regierung.

      Imho, wäre das einzige was helfen würde, eine Verstaatlichung der Energiekonzerne. Die Privatisierung hat ihr Ziel ja meilenweit verfehlt, nur das wird nicht passieren, solange die Regierung eine Marionette der Stromkonzerne ist.

  14. Klapowski sagt:

    Was die beste politische Herangehensweise wäre, könnte wohl nur ein Team aus seriösen Mathematikern, Klimawissenschaftlern, Steuerexperten, Wirtschaftsweisen und 171 Regierungsvertretern herausfinden. Wobei letztere den Experten dann in der Mittagspause verklickern müssten, was Regierung und Energiekonzerne schon längst hinter verschlossenen Türen entschieden haben.

    Für mich klingt es halt halbwegs vernünftig, die Atomkraftwerke NICHT alle dichtzumachen, bevor mir nicht die liebe Sonne den Computer antreibt. – Was im November zu eher kurzen Surf-Sessions führen dürfte. Zwar wird ja immer gerne von „Saharastrom“ gesprochen, aber irgendwie befürchte ich, dass wir uns dort „unten“ angreifbar machen könnten. Ein paar Taliban könnten sich an einen wichtigen Infrastruktur-Knotenpunkt (z.B. auf die Sonne) setzen und diesen einfach sprengen. Okay, passiert bei Ölpipelines zwar auch nicht dauernd, aber traut IHR etwa Männern, deren Bärte länger als der von Jesus sind?

    Wind und Wasser scheinen mir da auch nicht wirklich geeignet. Außerdem will Oma Platuschke und ihr linksradikaler Enkel doch auch kein störendes Windrad im Garten haben! Denn das macht Krach und steht im Weg, wenn man besoffen mit dem Mofa die Landstraße zu treffen versucht.

    Gegen jede neue Hochspannungsleitung und jedes Biokraftwerk wird doch zur Zeit demonstriert. Strom: Ja. Aber bitte direkt aus der Steckdose. Oder abgepackt im Kühlregal. Bloß keine Unannehmlichkeiten. Wasserkraft? Tötet den stark gefährdeten Regenbogenstichling. Außer der – noch immer nicht spruchreifen – Fusionsenergie (bitte selber googeln, danke!) wüsste ich jetzt auch nichts, was sauber, zuverlässig, leise, unstrahlend, platzsparend und wohlerzogen ist.

    Die Castor-Demonstrationen verfolge ich mit einem unguten Gefühl: Demolierte Gleise, Köppe und Nervenkostüme können wohl kaum so einem komplexen Problem gerecht werden. Okay: Gorleben (und die Atomkraft an sich) könnte wohl wirklich um einiges sicherer sein, aber solche Massenveranstaltungen mit Überhitzungsgarantie verstehe ich mit meinem westfälischen Antitemparament einfach nicht.

    Oder würde jemand auf die Idee kommen, Gefangenentransporte zum Knast zu blockieren, um eine Modernisierung des Strafgesetzbuches zu verlangen?

  15. KojiroAK sagt:

    Gegen Atomkraftwerke als Übergangslösung sage ich auch nichts, aber wie es derzeit aussieht, sind sie eher auf Langzeitlösung geplant. Nebenbei werden auch noch neue Kohlekraftwerke gebaut.

    Was Sonnen-/Windergie angeht, da kann man Druckluftspeicher (solange durch die Sonne/Wind mehr Energie kommt als benötigt wird, wird Druckluft in Tanks gespeichert die dann später Generatoren antreiben). Oder Wasserspeicher (Wasser wird in ein erhöhtes Becken gepumpt und wenn die Sonne weg ist, treibt es auf dem Weg nach unten Turbinen an.)

    „Die Castor-Demonstrationen verfolge ich mit einem unguten Gefühl: Demolierte Gleise, Köppe und Nervenkostüme können wohl kaum so einem komplexen Problem gerecht werden. Okay: Gorleben (und die Atomkraft an sich) könnte wohl wirklich um einiges sicherer sein, aber solche Massenveranstaltungen mit Überhitzungsgarantie verstehe ich mit meinem westfälischen Antitemparament einfach nicht.“

    Man kann damit die Leute auf das Problem aufmerksam machen. Wenn die Demonstranten es nicht jedes mal machen würden, würden es die Leute bald wieder vergessen.

    Zu Gorleben: http://blog.fefe.de/?ts=b22879f7

  16. Dingens sagt:

    Um nochmal zum eigentlichen Thema zurückzukommen: Die CDU hat sich heute auf ihrem Parteitag gegen die PID ausgesprochen, wenn auch ziemlich knapp: http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,729429,00.html

    Ich hätte nie gedacht, dass ich mal einer Meinung mit den Ministerinnen von der Leyen und Schröder sein könnte…

  17. plumps sagt:

    klapo, leider hast du dich mal wieder mit keinem der themen, die du hier anprangerst, so richtig beschäftigt. allein dein abschließender kommentar zu atommüll und s21 zeigt, dass du nicht zwischen konstruktivem widerstand und notorischer ablehnung unterscheiden kannst. aber das kommt eben davon, wenn man als elitärer dauernörgler die welt nur aus seiner schön heimeligen langzeitstudentenfurzkuhle heraus betrachtet.

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