Das ernsthafte Medienmagazin

Star Trek wählt!

Star Trek, US-Präsident, Star Trek, US-Präsident… Junge Leute wie wir haben eine so kurze Aufmerksamkeitsspanne, dass nur zwei Themen in den letzten Tagen zu uns vorgedrungen sein dürften. Da kann es schon mal passieren, dass man schon mal einiges durcheinander wirft. Oder wieder dahin, wo es eigentlich hingehört? Entscheidet selbst!

Nun ist es also endlich soweit: Die Trekkies können wählen! Beschränkte sich diese Möglichkeit meist sonst nur auf Übergewicht und Herzschwäche, so steht jetzt mehr zur Auswahl: Wird der (noch) amtierende Republikaner Rick Berman das Rennen machen oder entscheidet sich das Volk für Manny Coto? Hatte man in der Vergangenheit oft das Gefühl, dass Berman in einem beispiellosen Gnadenakt sein Volk wählte, und nicht umgekehrt, soll diesmal vieles besser werden. – Im Sinne von: Das Schlechte von damals wird noch unterhaltsamer.

Wieder kursieren Ängste, dass etliche Stimmzettel wieder einmal ungültig sein könnten. Schon bei der letzten Wahl dieser Art las sich die Gültigkeit der einzelnen Stimmen wie eine Plauderei unter Binären (1. Staffel TNG) : „1-0-0-1-0-1-1-0-1-0-1“.

Showdown der Schaumschläger: Wer hat mehr Fettlösekraft am Franchise? Wer hält die Explosionen frisch und bunt? Wer hält die Fackel, wer bald den Mund?

Doch nun sieht alles anders aus. Trekkies aus aller Herren Kinder werden die Stimmzettelabgabe mit Kameras überwachen und später auf DVD veröffentlichen. Bereits jetzt wurde eine Special Edition mit einem geheimen Blick hinter das Wahlgeheimnis angekündigt. – Zuletzt kamen jedoch Zweifel an der Durchführung der Wahl auf, da Rick Berman darauf bestand, Holodecksimulationen als Wahllokale zu nutzen. Schon bei ersten Probeläufen zeigte sich, dass die Stimmabgaben in diesem Falle äußerst leicht manipuliert werden können: Hacker verwandelten die Wahlurnen in Sitzkissen oder Butterberge.

Ausgesuchte Holodeckfiguren verwickelten außerdem dankbare Rentner vor der Urne in Gespräche (Früher alles besser / Bringt ja sowieso nichts / Trotzdem wählen ist aber schon wichtig / Man muss ja auch mal raus / Ach, sie sind’s, Herr Hitler), was für Verzögerungen bei der Stimmabgabe führte.

Noch immer sind zahlreiche Trekkies so verunsichert wie noch nie: Welcher Mann bringt denn nun den Aufschwung? Und sind diese Wahlkabinen nicht fürchterlich eng um die Hüfte herum? Woher weiß ich, dass die Wahl diesmal gerecht zugeht und warum lautet der neue Titel von Bermans ehemaligem Propagandaminister neuerdings „Moraloffizier“? Und sind Neelix-Episoden im Fernsehen nur dazu da, um schon Kleinkinder auf die „richtige“ Partei festzulegen?

Wem der beiden Kandidaten der geneigte Wähler an der Urne sein Ja-Wort gibt, bleibt selbstverständlich ihm überlassen. Als politisches Magazin erlauben wir es uns jedoch, die Kandidaten kurz gegenüberzustellen.:

„Liegt dieses Haus nicht wunderschön? Es sind nur 100 Meter bis zum nächsten Eismann!“ – Blasenentzündung, bis der Eiter schimmelt: Berman geht hier nicht freiwillig weg.

Richard Tiberius Berman wuchs unter der Fittiche seines strengen Vaters Ende der 80er Jahre auf. Sein Daddy Gene wurde nur wenig später abgewählt, da eine kleine Pingeligkeit im Wahlrecht ihm eine erneute Kandidatur verbot: Er war tot. – „Eine zu vernachlässigende Lücke im Gesetz“ fanden und finden viele seiner Anhänger und fordern noch heute die Befolgung seines damaligen Parteiprogramms.

Auf Parteiveranstaltungen sprachen daher etliche Redner stets aus, was des Toten Wille gewesen sein KÖNNTE. Auch dass dieser angesichts bestimmter Änderungen im Programm im Grab rotieren würde, wird von übernatürlich begabten Mitgliedern stets gespürt oder gar gesehen. Neben Elvis ist Gene daher der am meisten gesichtete Untote bei Trekkies.

Berman machte dieses schwere Erbe anfangs nichts aus, da er locker durch’s Leben ging. Auch, wenn man schon damals munkelte, dass der Jungspund diversen Abhängigkeiten frönen könnte: Einerseits dem Alkohol, bis ein bajoranischer Fernsehpastor ihn eines Tages wieder auf den rechten Weg brachte. Anderseits den Antimaterie-Scheichs auf Ceti Delphi IV, die mit ihren Bohrtürmen den explosiven Stoff förderten und schon früh enge Bande zur Berman-Familie knüpften.

Rick Berman hat zwei Stiefkinder und zwei eigene: TNG und DS9 zählen in die erste Kategorie, während zu letzterer ENT und Voy gehören dürften. Diese zeugte er mit einem Jüngling namens Brannon Braga. – Eine Beziehung, die dem zunehmend erfolgloser werdenden Berman zunehmend kreativ auszerrte und ihm von seinen politischen Gegnern stets vorgeworfen wurde.

Bermans wichtigste Entscheidung in den letzten Jahren war sicher der „Krieg gegen den Terror“, womit er die Wünsche der Fans meinte. Diese überschwemmten ihn tatsächlich mit einer Vielzahl von „Angriffen“: Bombige Ideen und knallige Fanfiction. Diese nahm sich Berman trotz seines Hasses später als Vorbild für die Steuerung der Medien in seinem Reich. Geheimdienstinformationen, Interviews und offizielle Mitteilungen: Alles Fanfiction made by Berman… „Star Trek ist beliebt wie noch nie und ich sowieso. Gute Nacht.“

Umstritten: Die neuen Wahlscheine. Immerhin müssen diese nicht mehr wie in 2000 mit einem Locher gelocht werden, was vieles vereinfacht. Stattdessen legt der Wähler 2 mikroskopische Wurmlöcher auf die auserkorenen Felder.

Nachdem Berman erfuhr, dass sein liebster Flugzeugträger ENTERPRISE auf Grund gelaufen war, kam er nur kurz in’s Wanken: Er gab kurzerhand den Schaulustigen die Schuld. Wenn mehr von ihnen da gewesen wären, wäre das schließlich gar nicht erst passiert!

Manny Coto ist dagegen ein Demokrat der ersten Stunde: Aufgewachsen als Fan, machte er sich schon früh für Mitbestimmung stark und schien genau zu fühlen, welche früheren Parteiprogramme die beliebtesten und somit einer Wiederbelebung am würdigsten waren. Er ist eine Art Newcomer, der sich seine Sporen jedoch erst noch verdienen muss. Bei Fernsehdebatten und Interviews bestach er jedoch stets durch seine besonnene Art und konnte seinen Widersacher Berman oft mit seinem Fachwissen degradieren. So kannte er nicht nur sämtliche Folgen der Klassik-Serie, er wusste im Gegensatz zu Rick sogar, dass damals noch kein weiblicher Borg an Bord war. Berman war sich jedoch sicher, dass es eine gab und diese noch dazu Sprecherin eines Nudistenclub war.

Vor laufenden Kameras brachte Coto Berman schließlich dazu, sich und anderen einzugestehen, dass er das wohl doch nur letzte Nacht geträumt haben konnte. Die Show erreichte Kult-Status.

Manny Coto ist in Sachen Star Trek ansonsten noch immer ein (fast)unbeschriebenes Blatt. Wer ihn wählt, tut dies nicht aus Überzeugung, sondern aus Hoffnung.

Und nun… entscheiden SIE!


Weitersagen!

Artikel

von Klapowski am 02.11.04 in Star Trek

Stichworte

Ähnliche Artikel


Kommentare (8)

  1. Gast sagt:

    erster!
    Juchu

  2. nakedtruth sagt:

    Bei Fahrenheit 9/11 hat doch auch der Tote gegen den Bibelwerfer Ashcroft gewonnen. Lang lebe DeForest Kelly.

    Isch bin eine Apfeltasche.

  3. Gast sagt:

    und ick bin ein uiener uörstcken! Har Har! Tach pa, tach pä!b

  4. Gast sagt:

    Das heißt
    PACH PA, PACH PÄ !

  5. Gast sagt:

    Was ein Scheiß! Bush wird schon wieder Präsident. Im Grunde wäre Storm Front wohl eine bessere Episode genommen, wenn man als Nazipendant Bush eingebaut hätte… etwas politische Kritik von den ansonsten doch achso demokratischen Filmschaffenden der Westküste. Wer ist denn von denen schon republikanisch, abgesehen von Arnold Schwarzenegger und Clint Eastwood? Tja, aber wie es doch immer so schön ist, wenn man die Qual der Wahl hat: Man macht alles falsch. Amerika, ihr habt heute die wohl einzig gute Chance verstreichen lassen, euer Land wieder zu einem starken Land zu machen. Wenn Bush seine konservativen Richter ernannt hat, wird er eurem Land für die nächsten 50 Jahre seinen Stempel aufgedrückt haben. Keine Homoehe, keine Stammzellenforschung, keine anderen Kirchen… Das habt ihr nun davon! Tja, auch schade dass ihr Nader wählt, denn jeder weiß: Es hat keinen Sinn Nader zu wählen. Nader ist eine Erfindung von Cheney, der Mann existiert nicht, genauso wie Bielefeld und der Mond (bzw. die Landung darauf). Wenn ihr euch gedacht habt: Ja, stimmt schon, Bush muss weg, aber doch nicht mit Kerry… das ist Schwachsinn! Und in vier Jahren? Da gibt es gar keinen demokratischen Kandidaten mehr, und die Republikaner kriegen irgendwie Arnie Schwarzenegger in die Stellung Präsident zu werden. Und wollt ihr das wirklich? Ihr wisst doch, wie das mit Reagan war, warum wollt ihr es nochmal probieren?
    Die Intelligenz möchte ich dem amerikanischen Volk nicht absprechen, aber zumindest den gesunden Menschenverstand. Man kann doch nicht ernsthaft glauben, dass Bush einer vom Volk wäre, das sagt zumindest der Großteil der Amerikaner, während sie aber auch gleichzeitig erwähnen, dass Bush eher die größeren Firmen und reicheren Menschen bevorzugt. Das ist ihnen egal, weil Bush ein reicher Südstaatler ist, aber bei Kerry ist es genau andersherum, weil er ein reicher Nordstaatler ist. Was soll die Scheiße?! Was soll der Mist?! Ohio… vier Buchstaben… Owei, owei, Oh Hy, Ohio!

  6. ted_simple sagt:

    Ergebnis der Wahl: Berman bleibt an der Spitze, Coto bleibt im Senat.

    Bermans einfache Formeln und seine Ignoranz der Krise ("Star Trek ist weiterhin eine ganz große Erfolgsserie!") haben den Fans einfach ein gutes Gefühl gegeben.

    Kritiker fürchten, dass er eine zweite Dolchstoßlegende schafft, sollte sein Imperium ins wanken geraten. "Hättet ihr mich damals unterstützt…wir saßen doch alle im selben Boot, und ihr habt gezweifelt! Das habt ihr nun davon: Ihr hattet Recht!"

  7. Gast sagt:

    dolchstoßlegende: Lol

    kein Angriff, lustige Meinung :-)

  8. ted_simple sagt:

    Die Idee mag damit zusammenhängen, dass ich heute gehört hab, man hatte den Hitler damals nicht töten wollen, um keine zweite Dolchstoßlegende zu schaffen :-)

    Soviel zum Vermischen von dem, was auseinander gehört… das ist ja sowieso das Thema hier.

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Brandneues
Gemischtes
Newsletter
Arschiv
Zum Archiv unserer gesammelten (Mach-)Werke.
Büchers
Jenseits der Goetter

Jenseits der Macht