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Star Trek Enterprise – 2.04 – „Todesstation“ („Dead Stop“) Hoffmann-Review

Ärger mit dem Opel-Vertragshändler? Zeigen Sie ihm ganz Al-Qaida-mäßig, was sie von seinem Scheiß-Service halten. Eine Sprengladung an der Hebebühne kann Wunder wirken.

Wenn alte Leute wie ich sich bei jungen Menschen anbiedern wollen, üben sie sich im Gebrauch aktueller Jugendsprache. Deshalb fallen mir zu dieser Folge spontan coole Begriffe wie „dufte“, „frech“, „knorke“ oder „stark“ ein, wie sie auch Humoranästhesist Cherno Jobatey vorzugsweise verwendet. Gerne auch in Verbindung mit dem oberhippen Begriff „Kinder“. Und schon finde ich mich coolheitsmäßig irgendwo zwischen Peter Alexander und Peter Krauss wieder.

„Kinder, das war echt total dufte!“.

Ja, ich glaube, damit habe den Nerv der Episode richtig getroffen. Hatte diese Episode nicht alles, was wir an der Serie seit 70 Jahren so schätzen und lieben? Weltraum. Raumschiffe. Weltraum. Unverwechselbar Star Trek eben. Und im übrigen eine wunderbare Adaption der legendären TOS-Folge „Ich heiße Nomad“.

Hier der Vergleich:

Nomad: „Men-schen sind un-lo-gisch und feh-ler-haft. Sie müs-sen ver-nich-tet wer-den.“ (so sprechen Computer in 250 Jahren)

Kirk: „Ja, aber… das wäre doch auch irgendwie unlogisch… Menschen sind so wunderbare Wesen. Mit unbegrenzten Fertigkeiten. Ich meine: wir können grüne Aliens ficken. Und, äh… und, und….. auch blaue! Kann Nomad das etwa auch?“

Nomad: „No-mad ist lo-gisch.“

Kirk: “Ist er nicht.”

Nomad: „Ist er wohl!“

Kirk: „Ist er niie-cht! Ist er niie-cht!“

Nomad: „No-mad lo-gisch. Un-lo-gisch. * pfiiieptöllerööö * Un-lo-gisch. Lo-gisch.”

Kirk: “AHAAA! Nomad ist also fehlerhaft!”

Nomad: * röchel * spottz * rauch * „Feh-ler… Ver-nich-ten. No-mad. Ver-nich-ten…“ * schredder *

Spock: „Faszinierend, Captain. Ich bewundere ihre Logik (und die unseres Drehbuchautors).“

Kirk: „Tja, Spock. Menschen können manchmal sogar logischer sein als Vulkanier.“

Spock: „Können sie nicht!“

Kirk: „Können sie wo-hool. Können sie wo-hool!“

Spock: „* röchel * spotz * rauch*“

Und hier Tucker nur 35 Jahre später und 120 Jahre früher:

Trip: „Ich hätte da noch eine Frage zur Verbrauchsgüterkaufrichtlinie.“

Computer: „Ihre Anfrage konnte nicht bearbeitet werden.“

Trip: „An welches Service-Center muß ich mich wenden, wenn der Warpantrieb explodiert?“

Computer: „Ihre Anfrage konnte nicht bearbeitet werden.“

Trip: „Also bei uns auf der Erde… ich meine: im Land der Mutigen und Freien, da hat der Kunde immer recht.“

Computer: „Ihre Anfrage konnte nicht bearbeitet werden.“

Trip: „Kann sie wo-hool. Kann sie wo-hool!“

Computer: „Verschwinde mit Deinem Gaul aus meiner Stadt, Fremder.“

Trip: * seufz * „Tucker an Captain.“

Captain: “Janeway hier.”

Trip: “Wir müssen das verdammte Ding trotz aller ethischen Bedenken in die Luft sprengen.”

Captain: „Ok, Trip. Aber was ist mit den ganzen Leuten da drüben? Die würden wir alle umbringen…“

Phlox: „Die sind eh nur noch welkes Gemüse.“

Captain: „OK, Reed. Dann schönen Gruß aus Solingen. Feuer!“

Genial! Ich mag es, wenn bekannte Motive wiederaufgegriffen werden. Da sitze ich immer weinend vor meinem Roddenberry-Schrein. OK. Der Schluß war nicht so sophisticated wie seinerzeit bei Kirk. Hier hat letztlich doch die rohe Gewalt über nachvollziehbare Argumente („Wo-hool! Wo-hool!“) gesiegt. Aber was will man erwarten, wenn (Achtung! Running gag!) „Weißkohlstirnchen“ B’Elanna Torres auf dem Regiestuhl sitzt. Sie kennt es eben nicht anders….

Roxann Dawson: „Connor, was machst Du da?“

Connor Trinneer: „Trip versucht den Computer zu überzeugen, dass er moralisch gesehen im Unrecht ist.“

Roxann Dawson: „Lass den Quatsch. Spreng’ endlich den scheiß Fürsorger in die Luft!“

Drehbuchautor: „Aber Miss Dawson….“

Dawson: (keifend) „Schnauze! Ich führe hier Regie! Sie werden niemals nach Hause gekommen und für ewig im Delta-Quadranten gestrandet sein, wenn sie sich benehmen wie die Weicheier.“

Drehbuchautor: „Aber Miss Dawson….“

Dawson: (hysterisch) „PYROTECHNIKER! Jagen Sie endlich die verdammte Station in die Luft!“

Tradition und Kontinuität sind ganz wichtig bei Star Trek. Sonst sind die Fans verwirrt. Deshalb immer mal wieder `was Bekanntes einflechten. Lange keinen Replikator mehr gesehen? Einmal Fish’n’Chips für den Kerl mit dem überflüssigen Chromosomenpaar und ein Glas Leitungswasser für die Frau mit der Mütze.

Schon immer wußte ich Episoden zu schätzen, die ausschließlich auf Schiffen und Stationen spielten. Das hat so etwas – Klapowski hat es letzte Woche schon so einmalig gut formuliert -: weltraumiges. Wer will denn diese Pappplaneten mit bekloppten Hinterwäldlern und ihren Neandertalerbräuchen sehen? Kein Mensch. Weltraum findet im Weltraum statt, um es einmal mit Ex-Wirtschaftsminister Rexrodt zu sagen ( Bitte nicht verwechseln mit oben erwähnter Roxann [Dawson]. Nicht, dass Ihr wieder 3 Stunden „Sabine Christiansen“ glotzt und sagt: „Pööh! Blöd. Kein einziges Wort über Star Trek.“) Und diese Folge war extrem weltraumig, fand ich. Da muss man auch mal den Special-Effectlern ein Lob aussprechen. So schöne Animationen. So eine prima Station. So schön weiß. So schön hell. Bei DS9 und VOY hatte man ja immer den Eindruck, Paramount hätte die Stromrechnung nicht bezahlt. Aber vielleicht bin ich da ja auch TNG-geschädigt. Ich bevorzuge Schiffe, die aussehen wie Midsommer bei IKEA. Nicht nur weil sich die „Värde“-Küche auch als OPS ganz klasse macht.

Schiffsepisoden haben auch den Vorteil, dass alle mitspielen dürfen. Sogar Mayweather. Der durfte ‘mal wieder das tun, was er am besten kann. Scheintot in der Pathologie rumliegen und doofe Fragen stellen: „Gibtan, Gibtan. Ich verstähe nicht….“. Mit T’Pol’s Zweitfrisur hätte er verblüffende Ähnlichkeit mit einem russischen „The Monkeys“-Imitator, wenn man mal von seinem dunklen Teint absieht. Und Phlox hatte sicher auch eine wichtige Rolle. Glaub ich. Hobleidörnichallesvestannwassergesagthat. Schlimm diese Wespen in der Cola. Klingt man wochenlang immer wie behindert.

Insgesamt kann ich dieser Episode mit gutem gewissen ein wohlwollendes „Gut“ erteilen. Habe mich kaum eine Minute gelangweilt. Wenn man mal den lächerlichen Versuch ausklammert, eine Hightech-Maschine mit einer Phasenpistole zu überlisten, indem man ihr die Tür zum Kartoffelkeller perforiert. Naja.

Aber insgesamt:

Note: 2+


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von Hoffmann am 13.10.02 in Star Trek - Enterprise

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Kommentare (12)

  1. Jonas Wagner sagt:

    Hmmm. Phlox nicht verstanden ? Wie geht denn das ? Ich mein, der spricht doch wohl deutlicher als der schwule Tucker, oder ? Wie auch immer, ich finde es ziemlich merkwürdig das du einer Folge, die du als Voyagerepisode sicherlich zerrissen hättest noch eine 2+ geben kannst. Mal abgesehen davon das sie ja wohl so ziemlich durchschaubar war.
    Selbst Dany die Socke hat der Folge noch ne 3+ gegeben.
    Aber hey, das blaue Hologramm der Enterprise in diesem Pit Stop Laden war ziemlich cool. Als einziges.

  2. Sparkiller sagt:

    Ja, das sind wirklich sehr stichhaltige Argumente.

    (ab hier Rom-Stimme vorstellen)

    "Hoooolooograaaam blaaaaaau! Gute Fooolge, Brudaaa!"

  3. Torsten sagt:

    An dieser Stelle eine Bitte:

    Könntet ihr die Bilder zu euren Artikeln nicht auch in größeren Auflösungen zur Verfügung stellen? Wie soll mir sonst einer abgehen?

  4. Brecht sagt:

    Außerdem zu empfehlen, für Leute die dieses Sujet mögen:

    "Asterix erobert Rom"

  5. Torsten sagt:

    Als Antwort auf die Nachticht von "Brecht" empfehle ich das Lesen von Martin Walsers "Tod eines Kritikers".

  6. Brecht sagt:

    @Torsten: Walser isT wohl einer der entäuschendesten Schriftsteller Deutschlands, und wenn solche Menschen auch noch Antisemitische, Rachegeile Bücher schreiben, kann ich mir nicht vorstellen das sich diese zu lesen lohnen!

  7. frakesjoe sagt:

    @ Brecht: Also, wenn man etwas gegen EINEN Juden hat, ist man ein Antisemit? Dann bin ich Rassist, weil ich einen Türken in unserer Stadt nicht leiden kann….(Tatsächlich ist die aktuelle Definition im Bezug auf Juden leider so)
    Ausserdem ist der Kritiker in dem Buch ja nichtmal gestorben!
    Ob sie sich zu lesen lohnen, muss jeder für sich selbst entscheiden.

  8. Jonas Wagner sagt:

    @Sparkiller
    Du bist einem Missverständniss unterlegen:
    Ich fand das Hologramm cool. Deswegen ist die Folge allerdings nicht besser. Und das Argument das die Folge zu sehr Voager ähnelt hat doch der gute Löwi selbst gebracht.

    PS Irgendwas stimmt mit euren Keksen nicht, jedesmal wenn ich eure Seite aufrufen muss ich mich neu einloggen, und nein, keine Firewall bei mir, noch irgendwelche Verbote diesbezüglich im IE.

  9. DJ Doena sagt:

    a propos Türken:

    Ahmed ist mit seinen Eltern nach Berlin umgezogen. Am ersten Tag in der Schule beschließen seine Mitschüler, Ahmed ab jetzt Kalle zu nennen, da er ja jetzt Berliner sei.

    Kalle kommt freudestrahlend nach Hause: "Mudder, Mudder, ick heiß jetz Kalle, weil ick een Berlina bin."

    Die Mutter ahut ihm eine runter und sagt: "Du nix Kalle. Du heißen Ahmed. Du sein Türke."

    Kalle ist leicht enttäuscht und wartet auf die Heimkehr seines Vaters: "Vadder, Vadder, ick bin jetz Berlina, ick heiß jetze Kalle."

    Der Vater haut ihm auch eine runter: "Du heißen Ahmed und du sein Türke."

    Kalle ist noch mehr verwirrt. Als er den nächsten Tag in die Schule kommt, muss er gleich erstmal die Geschehnisse erzählen: "Kaum bin ick Berlina, haben mich zwee Türken uffjemischt!"

  10. Jonas Wagner sagt:

    äih isch schwör, isch hol meinä Familie und dann mach isch dir platt !

  11. frakesjoe sagt:

    Doena für Jonas Wagner? Oder lieber wie alt hergebracht, Pizza?

  12. Gast sagt:

    Das mit den ehtischen Bedenken gefällt mir am besten. Wenn die macher die Serie im Star Trek Rahmen bleiben, dann wird die Crew der Enterprise in einer der nächsten Folgen von einem Multiplex-Virus aufgefressen, der ihrem schlechten Gewissen entfleucht is.

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