Das ernsthafte Medienmagazin

Stargate Universe – 2.02 – „Nachwirkungen“ („Aftermath“) Review

Macherfutzi Joseph Mallozi versprach uns (laut seinem Blog) für diese Episode den „Whoa! Did NOT see THAT coming!“-Effekt. Aber schön, wenn ich nicht der einzige bin, der die sinnlosen Wendungen der Serie nicht fassen kann. Aber Spaß/Hass beiseite: Diese Episode ist wirklich GUT! Okay, nicht GUT im Sinne der klassischen Deutung des Schulnotensystems, aber für SGU wurden die Zahlen 1 und 3 ja sowieso schon vor einiger Zeit abgesägt…


Story: Während ein Shuttle über einem Planeten abstürzt, der nur ein verschüttetes Stargate besitzt, entscheidet sich Young dafür, die fiesen Luzianer demnächst auf einem Planeten auszusetzen. Nebenbei sitzt Rush mit seiner Verstorbene-Frau-Halluzination auf der Brücke herum und spielt aus jeder Menge Textzeilen das gute alte „Könnte für die Serie später noch mal wichtig sein“-Scrabble!

Review:

Na also, geht doch, GEHT DOCH, wenn man mit einem Klingonischen Schmerzstock ein wenig anschiebt! SGU gefällt mir zwar weiterhin nicht, präsentiert hier aber immerhin eine GUTE Folge in einer SCHLECHTEN Serie, was das Paradoxon ermöglicht, die abschließende „4+“ mit einer militärischen Parade zu empfangen. Zur Feier des Tages habe ich aus den Beipackzetteln meiner Beruhigungsmittel sogar 20 Kilo Konfetti gestanzt! Und Sparkiller knüpfte Lamettafiguren aus Eigenhaar…

Kommt es mir nur so vor, oder ist die Kamera um einiges ruhiger und verirrt sich nicht ständig in der eigenen Linsenschutzkappe? 3 Aufnahmen gefielen mir diesmal sogar richtig gut, vor allem da, wo gefallen wurde: Bei dem Shuttleabsturz gab es zum Beispiel durchaus ein paar raue und dynamische Momente, für die sogar sekundenlange(!) Computer(!!)spezialeffekte verwendet wurden. Es gibt eben doch noch Zeichen und… Wunden. – Apropos offener Corpus Delicti: Der verblutende Wehrdienstleister verblutete auch recht angenehm. Mit einer gaaaaanz ruhigen Kamera direkt im schützenden Gebüsch der rechten Wimper. Und zwischendurch schien goldenes Licht durch das kaputte Shuttle, als hätte auf dem Pilotensessel der Adventsgottesdienst gestartet.

Die „Hübsche Aufnahme Nummero 3“ gab es dann bei Doctor Rush, der träumend in den Hyperraum starrt und sich blaugelbes Licht auf den Zauselbart malen lässt. SGU kann zwischendurch also fast aussehen wie ein Obdachloser nach ’nem Freifahrschein für eine Kosmetikbehandlung. Gefiel mir fast schon „mittel“ statt „Mittellos“, wie sonst!

„Hübsches Blau habt ihr hier! Aber gibt es das auch in Krebsgeschwürrosa?“ – Bis dass das Hirn euch scheidet: Die Frau von Rush ist wieder da! Und sie hat sogar extra die alten Fragen&Antworten von Botschafter Kosh (aus „Babylon 5“) neu aufgetragen! Okay, ein paar ihrer Bemerkungen waren wirklich ganz hilfreich. Man kann z.B. Rotweinflecken wirklich mit etwas Salz von einem Touchscreen rubbeln!

Okay, zu meckern gibt es natürlich auch wieder ausreichend bis befriedigend: All die spannenden Dinge, die zu Beginn der Folge angesprochen wurden, wurden auf die 19. LOST-Staffel verschoben. So erfahren wir, dass die Destiny womöglich durch Zeit und Raum zu reisen vermag, sehen letztendlich aber wieder nur einen Haufen Kaputte beim Wegmalochen der üblichen Science-Fiction-Probleme. Von der Stimmuuuung her geht die Folge also sehr in Ordnung, während der (neue & wichtige) Inhalt erneut an 10 Fingern abzuzählen ist. – Und damit meine ich die Silben, die man für die Zusammenfassung benötigt.

Da wäre einmal Rush: Der hängt auf der Brücke rum (die außer ihm keiner kennt) und unterhält sich mit seiner imaginären Frau auf ihrer Post-Krebs-Tournee. Da wir hier ja immer noch LOST imitieren (und das schlecht, was vielleicht gut ist, da LOST mies war?), ist nicht ganz klar, ob sich Rush alles nur einbildet oder das Schiff mit ihm kommunizieren möchte.

Gegen letzteres spricht aber, dass seine Imaginären-Ische eigentlich nichts Hilfreiches von sich gibt. Sie begnügt sich mit patentierten Psychologen-Sätzen wie „Waruuuum magst du deinen Chef noch mal nicht?“ (=Der Zuschauer sollte das zwischendurch noch mal hören und sonst sprichst du ja mit keinem) und „Ja, scheint alles so zu sein, wie du in den letzten anderthalb Monologen sagtest, isn’t it? Aber da wir gerade (nicht) darüber reden: Erinnerst du dich noch an unsere Spaziergänge im Mondschein, als du an die Aufnahmeprüfung an der Arschloch-Akademie bestanden hast?“

Noch etwas weiter oben auf der Skala für Matratzenwand-Anwärter ist nur noch Colonel Young: Erst zerkloppt und würgt er einen der randalierenden Gefangenen am Waschbeton, bis die Moral röchelt, später dann erweist sich die eingeübte Rolle als Sauerstoffreduzierer als RICHTIG hilfreich. Dann wird nämlich der schwer verletzte Shuttleboy mal gerade per Hand(!) auf „luftlos“ gestellt, da eine ausgeliehene Pistole unseren Young blöd dastehen lassen würde(!). Die Sympathien für Young steigen mit solchen Aktionen natürlich nicht wirklich. Aber dem Jungen einfach die Pistole an den Kopf zu halten und weinend abzudrücken, ist für eine ach-so-erwachsene Serie natürlich nicht diskussionswürdig genug. Da müssen die haarigen Affenhände wohl mindestens die Nase eindrücken, damit das „Emmy“-Komitee („Beste sinnlose Schockszene in einer Fernsehserie?“) überhaupt verzückt die Augen aufschlägt.

„Colonel, ich denke darüber nach, dass sie mir eventuell Sterbehilfe…“ – „Okay, soll ich DAAA reindrücken?“ – „Ich und der Zuschauer hatten eigentlich erwartet, dass sie nicht ganz so schnell zustimm…“ – „Komm, ich kann dir helfen, Junge! Du hast schließlich große Schmerzen, wenn ich dir erst noch mal aufmunternd in die Seite getreten habe! Ich sage dir was: Ich drücke schon mal zu und du sagst mir einfach bescheid, wenn es irgendwie unangenehm für dich wird, ja?“

Ich sehe sie schon in den Foren diskutieren, all die SGU-Versteher, die Youngs Ausraster als vorbildliche Sterbehilfe bezeichnen werden. Nach dem Motto: „Hier drückt dich der Chef noch persönlich“. In Wahrheit würde es mich aber nicht wundern, wenn der Colonel das Baby von TJ in den Müllschlucker geworfen hat, während diese davon träumte, es an der Babyklappe für esoterische Blockhüttenbesitzer abzugeben…

Etwas kurz kam der Handlungsstrang um die ehemaligen Geiselnehmer („Ihr fliegt demnächst raus, Punkt!“), was ich nach dem schiffskranken Ballermanngeschaukel der letzten 4 Folgen einerseits etwas merkwürdig fand, anderseits aber wirklich keinen GSG9-Mann mehr hinter der Schutzweste hätte hervorlocken können. Da tut so ein kleiner Shuttleabsturz zur Lockerung der Nackenmuskulatur (fehlendes Licht kann nämlich Vitamin-D-Mangel verursachen, was die Knochen schädigt!) durchaus mal gut, bevor demnächst wieder an Bord darum gestritten wird, mit wie vielen Vorräten man die ehemaligen Bösen aussetzt („Ein Mann hat ein Recht auf eine fensterlose Latrine, Colonel!“)…

Etwas saftlos war dann auch der fremde Planet, der – wie immer – nach zerbröseltem Baumkuchen aussah. Wen die kanadischen Wälder in den Vorgängerserien bereits nervten, wird mit der ständigen Adaption des Nachtprogramm-Knüllers „100 Deutsche Geröllhaufen“ (ARD, 0:55 Uhr) langfristig sicherlich auch nicht warm werden. Und die Betätigung des Tages war dann auch nur „Stargate ausbuddeln“, was auf der Skala für rattengeile Science-Fiction-Konzepte nicht mal auftauchen würde, weil von der Bewertungskommission gar nicht erst zugelassen.

„Ah! Subtropisches Balinitgestein! Wird unter Sonneneinstrahlung schwerelos und erzeugt einen tiefen Brummton, wenn es berührt wird! Tja, man wird ja noch von SF-Konzepten träumen dürfen…“ – „Halt die Klappe, Eli, und helf‘ gefälligst mit, das verschüttete Bobbycar vom Chef auszugraben!“ – We’re the Flintstones: Willkommen bei Stonehenge! Leider habe ich die uralten Steine nach dem Sehen der letzten Folge ein wenig… nun… „umgestaltet“. Da musste wohl mal was raus in mir?

Immerhin gibt es kaum peinliche oder völlig überflüssige Dialoge, wenn man Rushs liebevolle Aussprache mit sich selbst mal außen vor lässt. Und auch das Ende dudelt einem nicht mit plötzlicher Soapmucke die Augenränder kringelig, sondern will nicht mehr sein, als ein Spar-Cliffhanger für SF-Fans. Wenn wir ganz viel Glück haben, sehen wir die rothaarige Exverbrecherin auch bald mal wieder. Die Kleine hat durch den Monolog am Anfang („Ich wurde damals gezwungen und bin für diese Staffel außerdem für die Rolle des geläuterten Schäfleins vorgesehen!“) ja jetzt schon mehr Background als die Stammbelegschaft.


Fazit: Licht(!)blicke in der Dunkelkammer meines Hasses. Die eigentliche Story ist immer noch so dünn wie Strohsuppe und versucht sich mit sinnlosen Gewaltszenen im Relevanzbereich zu halten, ist aber immerhin etwas flotter und freundlicher gefilmt als bisher. Wenn das so weiter geht, gibt es schon in Staffel 4 die ersten Folgen mit echten Geschichten drin!

1 Ohren0 Ohren1 Ohren4+
SPARKS MICKRIGER MEINUNGSKASTEN
Zwei Fäuste stürzen ab!

Huuui! Heute gab es ja mal, für SGU-Verhältnisse, so etwas wie nachvollziehbare Handlungsbögen: Doc Rush macht den Anti-Troll und versteckt sich AUF einer Brücke, die besiegten Lutzis schieben Kohldampf im Kerker und Team Scott besucht einen fremden Planeten mit dem einzigen Sinn und Zweck, mal wieder dort festzusitzen und gerettet zu werden. Zwischendurch darf Young noch das Würgen, Schädelbrechen und Ersticken üben, bis der Arzt kommt. Welcher höflicherweise solange draußen gewartet hat.

Im Ernst, der Colonel lässt mittlerweile selbst Ben Sisko wie eine Mischung aus Gandhi und Mutter Theresa wirken. Aber die Drama-Regeln verlangen es wohl, dass man nach einem traumatischen Verlust wohl erstmal den Kopf des nächstbesten aufmüpfenden Gefangenen gegen den Boden schmettert. Ist eh nur ein Statist und wird gegen Ende mit den meisten Komparsen vom Schiff geworfen. Was den Mehrteiler, um diese überhaupt erstmal dorthin zu bekommen, übrigens umso sinnvoller erscheinen lässt! Und wer war jetzt eigentlich deren Chef? Die „Schwupps, da bin ich plötzlich!“-Trulla? Der Sauertopf aus „Prison Break“? Oder doch der Dings, welcher lediglich durch ein „my people“ die Macht an sich reissen wollte? Erinnert mich übrigens, den Young nie um Sterbehilfe zu bitten! („Ich will es Dir doch nur leicht machen! Ersticken ist schliesslich die schönste Art zu sterben!“)

Wer den Arschloch-Aspekt von Doktor Rush mag, kann aber eventuell etwas damit anfangen, dass dieser einfach mal die Brücke des Schiffs geheim hält. Auch, wenn ich bei dieser vor lauter öder Einfarbigkeit erst fünfmal hingucken musste, um diese als solche überhaupt zu erkennen. Und wenn man sich als Autor in die Gesprächspartner-Sackgasse geschrieben hat, dann kann sich dieser (der Doc, nicht der Autor) immerhin noch mit eingebildeten Personen unterhalten. An dieser Stelle will ich übrigens meinen Meinungskasten endlich beenden, mir fällt aber kein guter Grund ein. Oooh, Moment, meine Schreibtischlampe hat es mir gerade befohlen! Tschühüüüss!

Fazit: Immerhin, durch die vielen parallelen, wenn auch eher uninteressanten, Handlungen und die daraus resultierende Storydichte gab es eine dezente Aufwertung zur Vorgängerfolge. Man mag natürlich argumentieren, dass MEHR Scheisse am Schuh zwangsläufig nicht besser ist, aber vom Bauchgefühl her (ich bekam beim Ansehen tierische Blähungen) vergebe ich einfach einmal eine viel zu nette 4 minus. (Schliesslich kam auch Chloe NICHT vor!)


Weitersagen!

Artikel

von Klapowski am 07.10.10 in TV-Review

Stichworte

, ,

Ähnliche Artikel


Kommentare (7)

  1. bergh sagt:

    tach auch !

    Zugestimmt, diese Folge hatte ein paar Lichtschimmer,
    hoffentlich deuten die das Ende des Tunnels an, sonst bin ich bei S2E10 wirklich raus aus dem Franchise.
    Sozusagen : Ein Star Geht ! :lol:

    Die Erstickungsnummer ging imho allerdings gar gar gar überhaupt gar NICHT !!!

    Gruss BergH

    • taubenuss sagt:

      „Die Erstickungsnummer ging imho allerdings gar gar gar überhaupt gar NICHT !!!“

      Klar ging die – hat funktioniert. Patient tot. Was willst Du noch?

      Ansonsten: war wirklich besser als sonst. Klar, Tor ausbuddeln war jetzt nicht der Superplot aber naja.
      Weiß jetzt auch nicht, warum das Schiff verschüttete, aber immerhin funktionsfähige Tore nicht anwählen kann. Der Ereignishorizont hilft doch beim Ausbuddeln. Mist wirds natürlich, wenn man in dessen Richtung grad mit dem Ohr am Stein lauscht. „Eli – ich hör da was trappeln…“

  2. dröhn sagt:

    Episode hat mir gut gefallen.

    Inzwischen vermisse ich aber wirklich McKlöhn aus SG-A, der hätte bis zum Beginn der 2. Staffel nicht nur die Brücke gefunden und den Start/Stop Schalter identifiziert sondern auch eigenhändig alle Löcher in der Destiny geflickt, das Schiff komplett Rosa gestrichen und dabei noch diverse Psychofimmel durchlebt. Ach hätte ich fast vergessen, mäßig aussehen wäre auch noch problemlos gegangen.

    Die Erstickungsnummer ging ja gar nicht, da braucht man einen RDA als verfetteten General O`Nein. Der hätte sich brav danebengesetzt und Witze und lockere Sprüche bis zum Tod des Delinquenten äh Verwundeten erzählt. Also wenn ichs mir recht überlege war die Erstickungsnummer dann doch menschenwürdiger.

    Von mir ne glatte 2

  3. zero sagt:

    Stimmt, Chloe kam garnicht vor! Hätte Sparki es nicht erwähnt, wär’s mir garnicht aufgefallen!*lach*^^
    Ansonsten bis jetzt eine der besten – da inhaltsreichsten und am-wenigsten-ruckligen – SGU-Folgen. ;P

  4. Piet sagt:

    Die Folge war einzig und allein dazu da, den Schauspieler (weder den Namen der Figur, noch des Darstellers konnte ich mich merken, was nochmal zeigt wie absolut überflüssig die Figur war) aus dem Cast zu streichen, weil man das Geld lieber für die LA Truppe ausgeben will:D

  5. bergh sagt:

    @Piet
    Wen meinst Du mit getsrichen?

    Und wo bleibt die Rezension von Folge 3 .
    Ich hab‘ schon vergessen was ich da gestern gesehen habe ud wollte es heir nachlesen,
    aber hier steht auch nix.

    Hoffentlich ist Klapo nicht in einer Belanglosigkeits-Matrix.

    Klapo guckt S2E03.
    Klapo geht an den Compi , um Rezension zu schreiben, hat aber schon alles von dieser belanglosen Folge vergessen.
    Klapo guckt S2E03.
    Klapo geht an den Compi , um Rezension zu schreiben, hat aber schon alles von dieser belanglosen Folge vergessen.
    Klapo guckt S2E03.
    Klapo geht an den Compi , um Rezension zu schreiben, hat aber schon alles von dieser belanglosen Folge vergessen.
    Klapo guckt S2E03.
    Klapo geht an den Compi , um Rezension zu schreiben, hat aber schon alles von dieser belanglosen Folge vergessen.
    Klapo guckt S2E03.
    Klapo geht an den Compi , um Rezension zu schreiben, hat aber schon alles von dieser belanglosen Folge vergessen.

    Das wäre schlimm.
    Wa ich noch weiß:
    Es tauchen neue Aliens auf, die aussehen wie die eine Zinti Rasse aus ENT.
    (Und genauso dämlich agieren und nach CGI 2.0 aussehen.)

    Gruss BergH

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Brandneues
Gemischtes
Newsletter
Arschiv
Zum Archiv unserer gesammelten (Mach-)Werke.
Büchers
Jenseits der Goetter

Jenseits der Macht