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Science and a Sense of Hope – (Buch zu DS9)

Groß war unsere Überraschung, als der TELOS VERLAG ausgerechnet uns bat, eine Rezension zu verfassen. UNS! – Wo wir doch gerade die Redaktion umräumten, da G.G.Hoffmann nicht mehr die Trittleiter hochkommt, um das Zifferblatt der Standuhr zu lesen. Erst glaubten wir daher an geschmacklose Satire, die wir gerichtlich verfolgen sollten, wie es sich schließlich gehört!

… Doch als per Postbote tatsächlich das Rezensionsexemplar eintrudelte (Hochachtung an jeden Briefträger, der 200 Gramm Büchersendung zum Trudeln bringt), rissen wir voller Erwartung das Papier herunter und… machten uns über die darunter liegenden Pizzas her.

Währenddessen rezitierte Oma Platuschke den Titel des nebenbei eingetroffenen Buches: „Science and a Sense of Hope – Zum Verhältnis von Wissenschaft und Religion in der Fernsehserie Star Trek: Deep Space Nine“. Wir schafften ganze 250 Gramm Paprika, 650 Gramm Salami und 980 Gramm Käse, bis der Titel komplett vorgelesen war…

Doch bevor wir nun den Literarischen Dampfhammer herauskramen, noch ein kurzer Hinweis:

Sollten auch IHR Unternehmen unsere fachkundige Meinung zu Trek-DVD’s, zuckerhaltigen Getränken, Tiefkühlpizzas, Toilettenpapier, Markenbenzin(!) oder andere Dingen des alltäglichen Lebens wünschen, so steht ihnen unser Briefkasten jederzeit offen (Benzin wegen Trekki-Brandbomben bitte ausreichend verpacken). Und ich spreche nicht für mich allein, sondern auch im Namen meines starken Partners, der DEUTSCHEN POST AG!

*Bündel Briefmarken zugereicht bekomm*


Der Verlag über das Buch:

„In der Fernsehserie Deep Space Nine werden Inhalte vermittelt, die eine Brücke schlagen zwischen den Wissenschaften, der Notwendigkeit zu lernen und zu forschen, und dem Wunsch der Menschen an etwas zu glauben. (…) In diesem Zusammenhang ist wichtig darzustellen, wie der allgemeine Zustand von Wissenschaft und Religion, Bildung und Glauben, aber auch anderer Werte vermittelnder Instanzen – etwa der Erziehung und der Medien – heutzutage ist. Zuletzt soll die Fernsehserie Deep Space Nine auch als ein Beispiel dienen, wie in den Medien Werte vermittelt werden können.“

Dieser Text wurde als Magisterarbeit an der Universität Münster mit „Sehr gut“ bewertet.


Mir persönlich stellen sich da spontan einige Fragen:

1.) Wer sollte – der DS9 immerhin gut genug kennt, um sich dazu einen intellektuellen Schmöker zu kaufen – ein Buch benötigen, um die religiöse Seite der Serie beleuchtet zu bekommen?

2.) Sind die hier zu gewinnenden Weisheiten so tiefsinnig, so verborgen und voll tieferen Sinns (natürlich außer dem, dass sich der Autor mit einer verdienten „1“ durch die Prüfung schwadroniert hat), dass dieses Werk ein Pflichtkauf ist? Und wenn ja: Wer zum Geier will uns bitteschön dazu zwingen?

3.) Ist die Lektüre so erhellend, dass ein Star Trek Fan mit der typisch albernen Körperhaltung, die Brustbeutel-Kramern zueigen ist, unbedingt nachschauen sollte, ob er noch 16 Euro klein hat? – Und dazu noch euphorisch fragt, ob er die Versandkosten im nächsten Quartal auch noch als Special Edition erwerben kann?

4.) Könnte es sogar sein, dass es sich hier „nur“ um ein Buch handelt, das den Soziologieprofessor froh – und den Prüfer ebenso – macht?

5.) Hätte man nicht auch ein Werk über Männlichkeitswahn (TOS), unausstehliche Klassenstreber (TNG), Stiftung Warentest – Sonderheft Routenplaner (Voy) oder ein sonstwie schnarchiges Thema verfassen können (ENT), damit der Leser mindestens genauso effektiv nichts Neues dazulernt?

All diese unfairen Suggestivfragen werden eine Antwort finden. Wenn… ja wenn ich nach dieser vorverfassten(!) Einleitung überhaupt mal mehr als 3 Zeilen gelesen habe… Bin also gleich zurück!


*48 Stunden später*

Auf Frage 1.) gibt es hier schon mal die Kurzantwort:

Jeder, der sich auch noch das 4. Michael-Moore-Buch kauft, um von oberster notorischer Querulantenstelle auch noch zum 30. Male bestätigt zu bekommen, wie kritisch und weitsichtig man doch in seinem Lesesessel aussehen kann…

Genauer: Jeder, der vermeintlich klugen Menschen gerne dabei zuliest, wie sie Gedanken zusammenfassen, die man selber bei dem selben Thema, dem selben Koffeinpegel und dem selben Druck eines bevorstehenden Abgabetermins ebenfalls hätte formulieren können. Vielleicht nicht als Taschenbuch, möglicherweise auch nicht so schön ausformuliert oder ganz so ausführlich, mit weniger Fachausdrücken und Verweisen, aber inhaltlich im Prinzip auf dem Level „Willkommen beim Internetforum Trekdinner Paderborn“.

Das muss jetzt nicht unbedingt negativ sein. Ganz und gar nicht. Denn 20-50% aller Sachbücher kauft man eh’ nur, um sich das, was man sowieso schon weiß, in’s Regal zu stellen. – Damit man mal mit 80 Lebensjahren abschätzen kann, wie viel man inzwischen Pi mal Daumen vergessen hat. Die wahre Qualität dieses Buches bleibt somit also noch immer im Dunkel seiner Titelgestaltung…

Vorweg: Unverständlich, warum man mit einer gewissen intellektuellen Überheblichkeit Furcht vor der TEUTSCHEN Sprache zu haben schien. Zitate der DS9-Macher – Englisch. Ferengi-Erwerbsregeln – Englisch. Humor und Unterhaltungsgrad – Nicht mal Britisch. Manche der philosophischen und soziologischen Exkursionen – Fachchinesisch.

Da hätte man trotz des Elitedenkens ruhig gleichzeitig eine kleine deutsche Übersetzung mitliefern können. Es mag ja aus intellektueller Sicht durchaus angemessen sein, pfeiferauchenden Deutschlehrertrekkis Honig um den Bart zu schmieren. Bundesweite Zählungen dieser Zuleserart dürften aber bei 2 Exemplaren liegen. Der Rest hat sich bereits bei TNG auf kräfteraubende 38 Kilo herunteronaniert und ist nun zu schwach zum Bücherlesen.

Meine persönliche Ansicht ist: Wenn ich mich abends noch gemütlich mit einem Buch zurückziehe, muss mein Geist so sanft durch den Text schneiden, wie ein Klingone mit heißer Bat’leth-Klinge durch Butt… – seine Mutter. Da bin ich trotz befriedigenden Englischkenntnissen (sprich: 3-) gegenüber jeder vermeidbaren Lesefluss-Störung extrem empfindlich. Deutsch, Deutsch und nochmals Deutsch lautet meine Lesedevise. Und ich muss es wissen. Ich habe schließlich nur die eine…

Eigentlich geht hier auch gar nicht so sehr um DS9. Es sei denn, DS9 steht für „Demonstration Schreibstil hoch 9“. Selbst wenn es um Dumpfbacke Rom geht, hat man das Gefühl, dass Herr Steinrötter eigentlich Nietzsche meint. Vielleicht ist man es auch einfach nicht gewohnt, dass Dominion’sche Bauklotzwerf- und Quadrantenunterwerf-Politik mit Kafka-Zitaten gewürzt wird. Und mit George Bushs Problemen mit Toleranz und Terrorismus modernisiert. – Bekanntlich war der Irakkrieg ja bereits ein großes Problem während der Ausstrahlung von DS9… Nur eben der falsche Irakkrieg und der andere Bush.

Die Raumstation ist also oftmals nur ein Vehikel, um anhand SEHR kurz angerissener Episoden allerlei Gegenwartsprobleme zu erörtern. OK, in diese Richtung will das Buch ja auch gehen und solche Exkurse muss man bei solcher Lektüre natürlich auch erwarten. – Aber man wird sich doch trotzdem gehörig langweilen dürfen, oder? Ist es da wirklich ein Zufall, dass sich die Worte „Vehikel“ und „Raumstation“ irgendwie gegenseitig ausschließen?

Und kann es sein, dass ich mit zunehmender Textlänge ebenfalls zum kleinlichen Selbstverlieber werde, der Äpfel mit Antimateriebirnen vergleicht?

Wie auch immer, hier ein Textbeispiel:

„Er (Sisko) vollbringt prophetische Taten und Wunder, die an der alte Testament erinnern.“

…oder an ein Klassentreffen von Akte X-Bösewichtern… Keine sehr neue Sichtweise, diese Alte Testament-Parallele. Aber typisch für die Erkenntnisse des Autors.

„Vor allem verbunden mit der Tatsache, dass er aufgrund weltlicher Einflüsse – der Visionen unterbindenden Operation auf Jakes Wunsch in Rapture, Kai Winns Sabotage in The Reckoning, und dem Widersetzen der Wünsche der Propheten in Tears of the Prophets – Fehler begeht, die dazu führen, dass das Wurmloch verschwindet, sich der himmlisches Tempel, das Paradies, verschließt.“

Himmlischer Tempel, Wurmloch, Paradies… Alle Assoziationsmöglichkeiten hat Kolja Steinrötter da schön mit Kommata aneinandergereiht. Da massiert sich der Uni-Professor vor Wohlbehagen doch glatt kahle Stellen in den Kinnbart. Genauso ordentlich aufgestellt: Die etlichen Episodentitel. Sicher sehr hilfreich bei eventuellen „Nachrecherchen“ des Lesers (hoffentlich bei einem DVD-Abend mit Chips und Cola und weniger Grips und Koller). Spannende Informationen? Sind leider Stehlanzeige: Alles als Fan irgendwo schon mal gelesen oder unterschwellig längst gewusst. – Aufgrund der Banalität aber nicht näher drüber nachgedacht.

Klassische Erkenntnisse vom Range: „Ein Türknauf ist ein Türknauf, der macht nämlich die Tür auf.“ Wer DIESE geschilderten religiösen Andeutungen bei DS9 noch nicht mitbekommen hat, muss seinen Fernseher schon mit der falschen Seite zum Sofa aufgestellt haben…

Unterhaltsame Abschnitte sind leider Mangelware. Da kommen einem seltene Sätze wie diese fast schon wie oberflächliche Satire vom Schlage Klapowskis vor:

„Nicht, dass ich etwas gegen blöde Witze hätte, aber man muss in der Lage sein, Unsinn richtig einordnen zu können. Wer mit den Teletubbies anfängt und mit Stefan Raab aufhört, dem wird schwer zu erklären sein, warum es aber in Wirklichkeit eigentlich nicht sonderlich komisch ist, die alte Oma die Treppe runter zu schubsen“

Teletubbies und Stefan Raab sind natürlich immer gern genommene Beispiele, um den Klischees berufskritischer Medienprofessoren zu entsprechen. Gegen Ende seines Buches muss man ja auch mal vereinfachen dürfen. Kenne ich auch noch von meinen Deutschklausuren, wo unten auf dem Aufgabenblatt die gefürchtet-berüchtigte Wortkonstellation „Eigene Meinung“ stand. – Das „Sehr Gut“ an der Uni Münster ist also schon mal gerechtfertigt. Na dann: Setzen, Kolja.

*Nach Big-Brother-Konsum Opa mit Dampfwalze überfahr*


Fazit: Sorgfältig beschrieben, führen Kolja Steinrötters Texte durch alle wichtigen (Raum)Stationen der Serie. Und das inhaltlich fast komplett. – Daher ist sein Buch ein schönes Alternativwerk für jeden, der gerade keine zwei Monatsmieten für den Kauf von 7 Staffel-DVD’s übrig hat.

So kann man dank Steinrötter nun trotzdem in Erinnerungen schwelgen, wie Quark „bis zu einem gewissen Grade rücksichtslos“ ist, wie Kira Nerys „frei von typisch weiblichen Rollenklischees“ herüberkommt oder Dr. Bashir „durchaus brillant in seinen Fähigkeiten“ ist.

Neue Erkenntnisse gibt es vermutlich nur für ausgemachte Dummköpfe, die SF allgemein höchstens den Inhalt eines Schoko-Nikolauses zugestehen. Also das ideale Weihnachtsgeschenk für unverständige Patentanten, kopfschüttelnde Mütter und besorgte Omas. Oder für Professoren im Bereich Medien und Politik. Immerhin ist’s illustriert.

Nicht falsch verstehen: Das Buch ist nicht wirklich schlecht, verheddert sich aber zwischen serientechnischem Einsteigerwissen (auf fast 80 Seiten werden erst mal nur Charaktere und Umfeld erläutert) und abgehoben formuliertem Deutungsquark. Wer eines von beidem sucht, dem sei’s an’s Herz gelegt. Ich konnte nicht viel damit anfangen.

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Artikel

von Klapowski am 01.10.04 in Das Test-Labor

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Kommentare (8)

  1. Gast sagt:

    EEEEErster – man fühl ich mich jetzt erotisch.

    ;)

    Tix

  2. Gast sagt:

    muahaha zweiter, und ich fühle mich nicht nur erotisch, ich bin es^^

    thx für die nette erwähnung ;)

    daniel räbiger

  3. ted_simple sagt:

    Schade, wenn die Schlussfolgerungen des Autors wenig Neues vermitteln und weitergehende Zusammenhänge eher gekünstelt sind. Ich vermute dann auch, die Kontextualisierung der Serie ist wohl etwas dünn ausgefallen, da der Mann kein Germanist/Anglist/Historiker/Theologe ist.

    Gut, daher wünsche ich mir eben mehr eine klevere "medienwissenschaftliche" Sicht auf die Serie, nur dann auch bitte die Sicht einer Wissenschaft, bei der etwas dahinter ist. Sprich, die mehr als das Offensichtliche proklamiert.

    Immerhin nett, wenn das Buch der Kategorie "hätt' ich drüber nachgedacht, wären mir die gleichen Gedanken gekommen" entspricht.

  4. Gast sagt:

    Auch wenn das Lesen der Rezension mir natürlich an der ein oder anderen Stelle schwere körperliche Schmerzen bereitete, habe ich mich durchaus amüsiert. Ich hätte vielleicht noch mehr gelacht wenn das Buch nicht von mir gewesen wäre, aber man kann ja nicht alles haben. Danke fürs Lesen, trotzdem… Viele Grüße, Kolja.

  5. Klapowski sagt:

    Danke für's Schreiben, trotzdem…

    An Deiner Stelle würde ich Deinem Verlag einen sanft fragenden Blick zuwerfen. Gerade UNS um eine Rezension zu bitten, das hat schon was von Verstümmelungsphantasien…

    Immerhin ist das Werk vom Amazon-Verkaufsrang 164.417 (vor der Rezension) nur auf 165.107 abgestiegen. Und das wahrscheinlich nicht mal wegen uns. Denn auf uns hört eigentlich sowieso keiner…

    In Deinem nächsten Buch kannst Du dann auch gerne diese Internetseite verreißen! – Bitte!

    Gruß, Klapowski

  6. Gast sagt:

    Schön, dass wir denn nun alle beisammen sind: Autor, Rezensent und Verleger.
    Na, ihr stus-Leute habt mich ja wenigstens vorher gewarnt, so dass mich der Schock nicht völlig unvermittelt niederstreckte. Und der Autor hat sich auch nicht gewehrt, als ich ihm mailte, euch ein Rez.ex. zu schicken.
    Das haben wir jetzt also davon. "Die, die ihr eintretet, lasst alle Hoffnung fahren", steht ja schon über Dantes Inferno.
    Übrigens scheint doch der ein oder andere User eure Site zu lesen – zumindest gab es laut Logfile ein paar Besucher. Womöglich war doch nicht alles vergebens (umsonst schon).
    Mit sportlichen Grüße,
    Roland

    http://www.telos-verlag.de

  7. Ranma sagt:

    Interessantes Buch, vielleicht verschenk ichs.

    Wobei der religöse Zusammenhang bei DS9 schon ein arg triviales Thema ist oder? Aber wenn man wirklich damit etwas aussagen hätte wollen, wäre es dann nicht klarer entwickelt worden?

  8. Gast sagt:

    1.) Seit der letzten Sendung von ANL nicht mehr so gelacht!

    2.) Ich befürchte, dass diese Arbeit all die verdammten Klischees über Trekkies einerseits und Geisteswissenschaftler andererseits bestätigt.

    Peter

    angehender Politikwissenschaftler

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