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„Men In Black 1 & 2“ – Reviews

Aus zukünftig aktuellen Anlass (wir heißen nicht umsonst „Zukunftia“) gibt es heute diese beiden Besprechungen. Im Jahre 2012 soll nämlich „Men in Black 3“ in die Kinos kommen. Das ist sehr gut, denn wenn die toll gestartete Filmreihe nach dem zweiten Teil noch weiter runtergegammelt wird, weiß ich wenigstens, dass ich große Hallen mit kaugummibeklebten Sitzen meiden muss. Seht hier nun also bereits alle(!) Reviews zu allen MIB-Filmen, die jeweils gedreht worden sind!


INFORMATIONEN:

Regie: Barry Sonnenfeld
Jahr: 1997
Budget: $90 Mio.

Poster
Nachts sind alle Männer schwarz
Viele schöne Szene gibt es in diesem Film, fürwahr! Selten so gelacht, wenn auch mehr still, so nach innen, wo es länger einwirkt und vorhält:

Lahme Alte, nach Raumschiffabsturz: „Häggar, sag mir schon, was los war!“
Alien in Menschengestalt: „Zucker!“
Lahme Alte: „Ich hab‘ noch nie gesehen, dass Zucker so was kann!“

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Will Smith springt von oben in einen Bus: „Wir sind in New York, da regnen die Schwarzen vom Himmel!“

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Das ist exakt der Humor, wie ich ihn liebe: Nicht zu albern, aber auch nicht zu brav. Schön schwarz nicht nur dank Will „Black Beauty“ Smith, aber auch nicht zu geschmacklos. Und dass ein Witz wirklich gut ist, merke ich stets daran, dass ich mir wünschte, ich hätte ihn damals auf dem Schulhof gebracht, um cooler zu wirken. Mir wäre dann wohl viel Pipi im Ranzen erspart geblieben… Das Timing bei MIB ist wirklich gut: Die Actionszenen sind nur so lang, wie sie sein müssen und selbst die schönsten Effekte, Kulissen und Tricks wissen genau, wann die ersten Neuronen per SMS ein „Laaaangweilig“ an ihre Nachbarn zu funken beginnen.

Würde man MIB mit Vergleichen beschreiben wollen, so käme dabei wohl heraus: „Ghostbusters trifft auf die Muppet Show und auf optischen Humor, für den die Monty Pythons damals zu arm waren“. Allein die Anfangssequenz von einer ewig herumfliegenden Libelle, die dann unspektakulär gegen eine Windschutzscheibe klatscht, ist feinsinniges Tierquälerkino.

Dem GANZ großen Lacher oder Actionmoment jagt der Film allerdings nur sehr selten nach, womit alles jedoch viel entspannter wirkt. Da lacht man dann sogar über solch optisch einfache Szenen wie Will Smith beim Eignungstest im unbequemen Kugelsitz. Der schwarze Mister Bean, möchte man fast sagen. MIB ist tiefgründig und ironisch, ohne dass man es gleich merkt. Die illegalen Mexikaner werden beispielsweise von Tommy Lee willkommen(!) geheißen, bevor sich einer von ihnen als Alien entpuppt und in blaue Suppe zerballert wird. – Hochpreisige Asylpolitik-Satire am laufenden Band!

„Ich fühle da etwas Raues. Es scheint dreieckig zu sein. Und nass.“ – „Sie spielen an meiner Schambehaarung, Doktor Black. Bitte konzentrieren sie sich auf die Leiche, ja?“ – Tot-alitär: Mit weiblichen Hau(p)trollen konnte Will Smith schon immer viel anfangen. Und diese hier seziert auch noch Aliens! Bei diesen lässt sich der Tod leider oft erst dann feststellen, wenn sich der vermeindlich Leblose beim Aufschneiden noch einmal aufbäumt und seine 293 Gottheiten aufzählt, die alle aus Schnalzlauten bestehen…

Schade ist nur, dass bei all dem Blitzdings-Geknipse („Vielleicht bekommt sie davon Krebs oder sie blitzen ihr das Studium weg!“), den Alienmasken und schrägen Sprüchen die Story so hirnerweichend blöde ist, dass man sich selbst für einen Quallenkopf-Symbionten zu halten beginnt. Das Zusatzmaterial enthüllt dann auch, dass das Drehbuch-Derivat ursprünglich ganz anders war (=Zwei Raumschiffflotten bekriegen sich, die Erde ist leider dazwischen), wohingegen in der fertigen Fassung nur noch ein Gegner zu sehen ist, der die Erde wegsprengen will, um ein dort verstecktes Schmuckstück zu retten. – Das klingt tatsächlich nur für diejenigen logisch, die sonst zum Denken in den Keller gehen.

Und so witzig und animatronisch der Film auch größtenteils gemacht ist: Der Endkampf mit der Riesenkakerlake war dann im Vergleich mit dem Rest doch etwas einfallslos. Kaum auszudenken, was passiert wäre, wenn es doch das zuerst geplante Real-Kostüm geworden wäre, statt eine Computeranimation. Hätte man den Insektoiden dann unscharf im Vordergrund herumwackeln sehen, während zu 95% Smiths feixendes Gesicht scharfgestellt worden wäre?

Am Schluss ist dann etwas der anfängliche Pfiff aus dem Film raus, was man auch daran gut erkennt, dass er auch in der Fortsetzung nicht mehr wirklich reingelangte und sich der Pfiff dabei verdächtig nach einer übertrieben eingesetzten Vuvuzela anhörte. Buddy-Movies funktionieren eben immer dann am besten, wenn die Buddys sich noch nicht lieben gelernt haben und sich stattdessen armknuffend und butterbrotmopsend auf der Landstraße darüber streiten, dass einer von beiden das Auto vor den einzigen Baum gesetzt hat.

Fazit: Langzeitgedächtniswürdiger Humor um Aliens und Verschwörungen, von denen es viele Gags bereits in die Popkultur geschafft haben („Michael Jackson ist ein Alien?!“). Tommy Lee und Willibald Schmidt passen einfach gu… gar nicht zusammen und das ist auch ganz prima so. Schade nur, dass die Gags am Ende nicht wirklich besser werden und die „Das Universum in der Murmel“-Geschichte nur einmal um die Block statt richtig ausgeführt wird.

Aber wahre Kultfilme bleiben von so etwas natürlich unbeeindruckt.


INFORMATIONEN:

Regie: Barry Sonnenfeld
Jahr: 2002
Budget: $140 Mio.

Poster
Für diesen Qualitätssprung hatte George Lucas noch 20 Jahre benötigt.

Autor: „Oh mein Gott! Unser erster Film war ein voller Erfolg!Wir haben fast alles richtig gemacht, ganz automatisch! Wie sollen wir das jetzt nur noch steigern? Ich habe Angst!“

Produzent: „Keine Panik auf der Erfolgsdruck-Titanic! Was kam denn beim ersten Teil gut an, völlig unüberraschend?“

Autor: „Na, dieser sprechende Mops! Den fanden vor allem die Frauen und das Tier im Manne totaaaal süß. Warum?“

Produzent: „Weil der jetzt eine große Rolle bekommt, praktisch wie der Kater in Shrek 2. Der Mops hört jetzt coole Musik, steht auf weibliche Möpse und beißt gerne anderen Leuten ins Gemächt, klaro? Ansonsten müsste Will Smith nämlich diese Attribute übernehmen und ich weiß nicht, ob der’s machen würde!“

Autor: „Äh, okay. Aber wohin mit den ganzen SFX-Dollars?“

Produzent: „Ganz klar: Mehr Aliens! Und die liebenswerten Puppeneffekte aus Teil 1 haben wir dabei nicht mehr nötig, Dollarmillionäre sind schließlich nicht liebenswert! Wir starten daher mit einem lustigen Auftakt, bei dem ein computerisierter Riesenwurm in der New Yorker U-Bahn rumdüst!“

Autor: „Toll! Und mit dabei ist die Tante aus dem letzten Teil, die ja die Nachfolgerin von K wurde! Toller Mann/Frau-Slapstick! So was wie „Harry und Sally“ mit Alienschleim?“

Produzent: „Nein, zu unbuddyig! Wir erwähnen irgendwie am Rande, dass die wieder ins Leichenschauhaus gesteckt wurde. Hier hat Will Smith keinen Partner, oder halt, besser: Er blitzdingst sie alle, weil sie einfach nicht so klasse sind! Ausgiebiges Blitzdingsen ist Kult und wird uns midnetsens 10 Millionen Dollar zusätzlich in die Kassen spülen! Und vielleicht sorgt es auch dafür, dass sogar die behämmerten Zuschauer den ersten Teil vergessen, denn der zweite wird einfach eine ähnliche Geschichte erzählen.“

Autor: „Irgend eine außerirdische Magentablette ist auf der Erde und ein komisches Alien in Menschengestalt MIT Menschengewalt zieht mordend in der Großstadt umher, um es zu finden? Okay, lässt sich machen, wenn auch ungern. Aber wie lässt sich der Kakerlakenaugust aus Teil Uno noch steigern?“

Produzent: „Ist diesmal eine Frau und die Kakerlaken werden… hmm… Marienkäfer… nein: kleine Schlangen. Und damit es mindestens so zum Schieflachen(?) wird wie die uralten Disney-Zeichentrickfilme, bekommt die HÜBSCHE Frau als Helfershelfer einen kompletten Idioten an die an die Hand. Der hat dann halt einen zweiten Kopf. Zweimal doof hält besser und gibt uns die Gelegenheit, mehr Gags zu versemmeln! Das weiß doch jedes Kind.“

Autor: „Ich weiß nicht. Ausgerechnet zwei Köppe und Schlangen, die aus einem Körper züngeln? Das sieht doch bestimmt total künstlich aus, weil der echte Mensch zum Vergleich noch dran hängt! Aufgeklebt wie Panini-Sticker auf ’nem rosa Kinderfahrrad!“

Produzent: „Eben! Wir kleben den Zuschauern diesmal einen! Und zwar Kult mit Überdosis an den Arsch! Daher kehrt Tommy Lee nach einer halben Stunde auch einfach mal unter einem blöden Vorwand zurück, den man angesichts der Qualität unserer Story gleich wieder vergisst! Und der preisgekrönte ‚Personengruppen, die meistens Aliens sind‘-Gag wird an dieser Stelle auf die Mitarbeiter der Post ausgeweitet. Haha! – Kam doch im ersten Teil auch gut an, als Prominente wie Elvis und Michael Jackson aufgezählt wurden!“

Autor: „Ich weiß nicht. Irgendwie wirkt das bis dahin etwas ziellos!“

Produzent: „Was? Das darf nicht sein! Zumindest nicht nur ein bisschen! Dann machen wir es eben VÖLLIG ziellos!“

„Wie schöööön, dass wir uns endlich wiedersehen! Sie sind doch der Typ, der mir dieses angeblich ausbruchssichere Terrarium verkauft hat, oooder?“ – „Von mir erfährst du gar nichts! Warum sollte es dir schließlich besser gehen als dem Zuschauer, hä?“ – Eva, Schlange, aber leider kein Baum der drehbuchtechnischen Erkenntnis. Immerhin steht fest: Bei Stargate würde O’Neill an dieser Stelle jetzt einen Schlangenwitz machen. Und dann noch einen. Und dann noch einen…

Okay, wir wollen nicht übertreiben: Ein paar Gags sind ganz nett, wenn auch bedeutend weniger freundlich als beim Vorgänger. Wenn winzige Schließfachbewohner J und K als Gottheiten anbeten und ein Alien seine Hoden am Kinn trägt („Er trägt einen Kinneierwärmer!“), findet das sitcomhafte Rumgeiere manchmal zu alten Stärken zurück. Und als Tommy Lee nach endlosen 45 Minuten endlich wieder seinen Platz als Hauptdarsteller einnimmt, möchte man die erste Filmhälfte immerhin als längsten Teaser der Welt ins Guiness-Buch hiefen.

Dafür sieht die Ach-so-geile Antagonistin aber aus wie eine überschminkte Kalkleiste – mit zwei Hühneraugen in Brusthöhe – und erschreckt beim Masseneinsatz ihrer dämlichen Schlangententakeln (Dürfen 1.000 herbeigezauberte Tonnen davon schon als Deus ex machina bezeichnet werden?) mit grottenmäßig künstlichen Effekten. Habe schon schönere Zwischensequenzen in Computerspielen gesehen. Und das war Ende der 90er.

Aber immerhin taucht das Biest nur gelegentlich auf und killt eigentlich keine Sau(aliens), so dass man zwischenzeitlich vergisst, dass überhaupt irgendeine Gefahr besteht. Außer der, sich bei den erzwungenen Gastauftritten der Nebenfiguren des ersten Films beim Popeln zu verletzen…

Fazit: Das Abrissunternehmen Hollywood hat’s immer noch drauf: Nur eine 1 Stunde und 17 Minuten dauert die Kultdemontage. Und das große Finale ließ mich gähnen, da unlustig und überdreht. Und warum die Erde fast vernichtet worden wäre und was jetzt das absolut Oberwichtige an der außerirdischen Prinzessin war, habe ich tatsächlich nicht kapiert.

Ebensowenig die Bemerkung, dass es angeblich regnet, wenn sie traurig ist. Funktioniert bei mir anscheinend nicht, denn hier fiel beim Sehen des Films (draußen) kein Tropfen. Einigen Grund hätte es gegeben.

Nur für die beiden Hauptdarsteller gibt’s noch die 3 (Verwarn-)Punkte.


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Artikel

von Klapowski am 17.07.10 in Film-Review

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Kommentare (3)

  1. Ishbane sagt:

    Schönes Review! Wobei ich damals für MiB2 noch keine Nerdbrille aufhatte und es unvoreingenommen geniessen konnte.

    Werden die Infoboxen jetzt zum Standard für künftige Filmverrisse? Hebt das Ganze etwas mehr von einem Blogeintrag ab.

  2. Klapowski sagt:

    Infoboxen gibt es nun für alles, was nicht „Reguläre Serienepisode“ heißt!

    Und von Blogs abheben will ich mich sowieso schon, seit es Blogs gibt (5 Jahre?). Warum eine reguläre Internetseite mit dem praktischen „Oben immer das Neueste“-Design vor ein paar Jahren plötzlich wie ein Alienrülpser hieß und als Schülerhobby belächelt wurde, habe ich sowieso nie so ganz verstanden…

  3. bergh sagt:

    tach auch !

    AQlles richtig ich hab‘ nicx zu meckern.

    Mal sehen wie Teil 3 wird.

    Gruss BergH

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