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Doctor Who – 5.07 – „Amy’s Choice“ Review

Träume sind wichtig für das menschliche Gehirn: Sie sorgen für ausreichende Durchblutung im Kopf, für sexuelle Wunscherfüllung ohne Aids-Gefahr und erhalten die Arbeitsstellen sogenannter „Dreamlords“. Diese machen sich einen Spaß daraus, Reisende zu veräppeln und ihnen den Sinn für die Realität zu rauben. – Der geraubte Realitätssinn wird dann übrigens für teures Geld ins Ausland verkauft; in Deutschland kann damit nämlich keiner etwas anfangen…


Okaaaay, die Mannschaft gondelt zwischen zwei Welten hin und her: In der einen spuken zombiehafte Rentneraliens mit Gehhilfe und Alienglubschauge durch ein Dorf, in der anderen Welt fällt die Tardis in einen Stern, der Kälte satt Hitze erzeugt. In dem Kaff ist Amy schwanger und lebt dort mit ihrem Freund, wohingegen auf der Tardis anscheinend erst wenig Zeit zum letztwöchigen Abenteuer vergangen ist. „Was davon ist der Traum und was die Realität?“, will ein Mann namens „Dreamlord“ wissen, der in beiden Welten herumspringt wie ein Q auf Schlafentzug. Von der Entscheidung, in welchem der beiden Abenteuer sich die Mannschaft töten lässt, hängt ihr Leben ab (klingt logisch?).

(SPOILER)

Tja, werden die Serienautoren uns tatsächlich ein englisches Engstirn-Kaff als Realität verkaufen, in dem Riesen-Amy demnächst ein Baby und vielleicht sogar das Zeitreise-Handtuch wirft? Wer an dieser Stelle annimmt, dass DIESE Realität die echte ist, hat entweder einen Hang zum Melo-un-dramatischen oder traut den Serienmachern unpopuläre Entscheidungen auf dem Stand eines mittleren FDP-Parteitags zu. Will sagen: Natürlich ist das Dorf nicht echt, doch die Geschehnisse auf der Tardis (und das ist die einzige Überraschung der Episode) sind es ebenfalls nicht und der Dreamlord war nur ein weiteres REM-Schlaf-Produkt.

(SPOILER ENDE)

„Okay, ich bin der Dreammaster, Leute! Einer von euch hat leider zu schwer gegessen und hat jetzt Alpträume… Hm, weeeer könnte daaaas wohl sein?“ – Schwang(er) aus seiner Jugend: Der Doctor trifft einen neuen Widersacher, welcher nach den Daleks und den Cybermen wohl der allerschlimmste ist: Das obszöne Kegelvereinsmitglied, mit dem man entfernt verwandt ist und der bei jedem Sonntagsspaziergang höfliche Hinweise darauf überhört, dass man ihm beim nächsten Grillabend NICHT dabei haben möchte…

Wie man diese Episode bewertet, hängt davon ab, was man sich von Doctor Who wünscht: Mag mal gleich zwei bis drei Geschichten zum Preis von 42 Minuten bekommen? Pfeift man darauf, dass mindestens die Hälfte dieser Folge nur herbeigesponnene Hirnpisse ist? DANN wird man hier wohl traumhaft glücklich. Das Tempo ist schließlich so hoch, dass man 5 SGU-Folgen draus machen könnte (sagen wir mal, 5 Zweiteiler!), Und die visuellen Ideen kann man ja auch dann genießen, wenn später eine der beiden Realitäten zwischen sich öffnenden Wimpern für immer verpufft.

Andererseits fühlt man sich aber auch eventuell bei BEIDEN Storys verarscht, da mindestens zwei gute Ideen zwangsläufig zu kurz kamen. Den kalten Stern fand ich durchaus interessant, wenn auch etwas lahm umgesetzt, da man nur fröstelnd drauf zufliegen konnte. Man tat ja eigentlich nicht mehr, als sich in den Deckenfuhrpark einzuwickeln und auf das nächste Einschlafen (oder Aufwachen?) vorzubereiten. Da waren die alten Leute, die da mit Gehwagen über die Wiese krochen, um meine Urängste in Bezug auf Faltenärsche zu nähren, fast schon interessanter. Aber auch die gingen natürlich etwas unter, wenn es zum fünften Mal wieder hieß: „Hey, you must choose a reality!“ oder „This one is real! I can feel it!“

Etwas billig wirkte auf mich der Kniff, die beiden Realitäten mit Amys Problem zu verknüpfen, sich nicht zwischen dem unlustigen Comedien (Dorf) und dem Doctor (Tardis) entscheiden zu können. Dieser neue Dreh schien mir etwas aufgesetzt, nutzte er dieses psychologisch ernstzunehmende (*Pruuust*) Problem doch nur für einen Realitäteneintopf, der stellenweise etwas versalzen schmeckte. Und am Ende spielte es ja nicht wirklich eine Rolle, ob Amy ihre Lieblingsrealität nur anhand der potenziellen Beknatterungspartner auswählte – oder sich stattdessen einfach von ihrem Gefühl leiten ließ. Wie viele Gefühle sie auch immer haben mag…

„Okay, Leute. Ich zünd mir noch ein schöne, kubanische Augenhavanna an. Sterben muss man sowieso, gelle?“ – Nikotin war Gestern: Zukunftia plädiert für die Freigabe von Alienaugen für medizinische Zwecke und für Über-80-Jährige, die sich im Laden als Berufsjugendliche ausweisen können. Wenigstens ist endlich das galaktische Rätsel gelöst, warum es bei alten Leuten immer so komisch riecht.

Optisch war die Episode wieder mal gelungen: Endlich verbrachte man mal etwas mehr Zeit in der (neuen) Tardis, die sonst ja nur dazu da ist, die Reisenden in die Klauen eines altrömischen Roboter-Aliens auszuspucken. Nach „The Beast Below“ freute ich mich auch darüber, dass es wieder mal etwas Weltraumiges gab, wenngleich eine Wandtapete und eine offene Tiefkühltruhe für diesen Handlungsstrang ebenfalls ausgereicht hätten. Das Dorf gefiel mir und war eine willkommene Abwechslung nach gefühlten 17 Staffeln, die auf der Londoner Hauptverkehrsstraße spielten.

Aus dem Thema „Träume“ hätte man aber sicherlich noch etwas mehr herausholen können. Statt personifizierter Urängste muss sich die Crew wieder mal mit Aliens in Menschengestalt herumschlagen. Wobei: Die Serie ist ja meist sooo schräg, dass mir gar keine Traumsymbolik einfallen würde, welche NOCH einprägsamer als ein Auge zwischen den Dritten Zähnen wäre.

Ein wenig nervt mich aber leider Amis Verlobter. Er trägt nur wenig zu der Handlung bei, verwässert das schöne Zusammenspiel zwischen Doc und Luder, ist nur so lustig wie ein Zukunftia-Review zu einem Weltklassefilm und sieht auch noch aus wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Ich hätte nichts dagegen, wenn der amüsante Langweiler (oder langweilende Amüsierer?) demnächst in einen Stern fällt. Ob heiß, kalt oder aus Schokopudding, das ist mir fast schon egal.

Da hätte ich mich mehr über Opa Mott aus der letzten Tennant-Staffel gefreut…

„Du brauchst mir keine Brote zu schmieren. Ich habe noch drei Tiefkühlpizzen in der Eissonne!“ – Doctor Who präsentiert: Irrsinnige Dialoge für britische SF-Liebhaber, Folge 3.293. Auch hier frage ich mich erneut: Wenn ich einem intoleranten Nicht-SF-Fan jemals erklären würden, was ich hier eigentlich ständig schaue, würde es vor manchen Gerichten Deutschlands bereits für eine Entmündigung meiner Person ausreichen?


Fazit: Traumhafte Folge von drei Leuten in der Traum-Haft. Ich fand’s ganz nett, war aber durch das hektische Abwickeln der verklumpten Realitäten auch kein Megabrüller. Vor allem am Ende wurde noch mal schnell ein neues Element eingeführt, das alles bisher Geschehene in sich vereinen und erklären sollte.

Das ist nicht die feine englische Drehbuchart, aber eigentlich auch typisch für Doctor- „Ich hatte noch einen Koffer mit Koma-Klößen auf dem Dachboden“ -Who.

Langweilen wird sich hier trotzdem keiner, dem einprägsamen Tatteraufstand sei Dank.

2 Ohren1 Ohren0 Ohren3
SPARKS MICKRIGER MEINUNGSKASTEN
Allergietest für die Sinne
Ob Halluzinationen (SGU), Träume (Who) oder parallele Universen (Seeker), diese Woche scheint bei verdächtig vielen Serien der „Alles nicht real!“-Themenabend stattzufinden. Schade eigentlich, bin ich persönlich ja nicht der große Fan dieser Story-Stilmittel. Zu hoch ist doch die Chance, dass man sich am Ende wieder am Anfang befindet und die Ereignisse dieser Folge sich gegen eben diese Bezeichnung wenden… um nämlich folgenlos zu bleiben.

Und so spiegelt sich hier der Bösewicht zwar noch kurz im Armaturenbrett der TARDIS wieder, aber letztendlich haben wir nur wieder etwas über die Ängste und Wünsche der Hauptrollen erfahren. Was mich wieder auf die erwähnte SGU-Folge von Gestern zurückbringt, welche zufälligerweise genau die selbe Absicht hatte. Und selbst die Auflösungen hier wie dort waren erschreckend ähnlich. Hier Pollen, dort Zecken. Gibt es gar ein rotes Telefon zwischen der BBC und SyFy?!

Punkten kann Doctor Who da höchstens wieder einmal mit den netten Charakteren (Mecker-Amy mit dem Bollerbauch!) und der flotten Schlaf-ein-Wach-auf-Achterbahnfahrt durch die Nicht-Realitäten. Leider machte man sich aber erneut keine Mühe, die bösen außerirdischen Mundaugen (?) näher zu beleuchten, außer der kurzen „Wir wurden vertrieben! Da ist man schonmal mies drauf, weisste?“-Ansprache wie schon bei den Fisch-Vampiren vom letzten Mal. Immerhin verzichtete man damit auf eine übertrieben fadenscheinigen Ausrede, um Opis und Omis mit Todesstrahlen bewaff… bemundet durch ein Dorf zu hetzten. Doof, aber lustig. (Was sowieso eines der Grundthemen dieser Serie ist.)

Fazit: Humorvolle Charakter-Folge, aber ohne große Enthüllungen (Doc hat durch seinen großen Begleiterverbrauch ein dezent schlechtes Gewissen?). Einen kleinen Punkteabzug gibt es zudem dafür, dass ich einen Ähnlichkeit mit SGU (!) feststellen musste. Daher von mir nur eine 3 minus.


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Artikel

von Klapowski am 16.05.10 in TV-Review

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Kommentare (5)

  1. DJ Doena sagt:

    Ich hatte den Folgentitel während der Titelsequenz nicht gelesen und um ehrlich zu sein, bin ich da ganz froh drüber und ich denke, es ist auch ein bisschen spoilernd. Natürlich sind alle „Doctor Who“-Titel ein wenig spoilernd (Was erwartet man von „Vampires in Venice“?) aber ich denke, in diesem speziellen Fall hätten sie ruhig etwas kryptischer sein können.
    Nachdem das gesagt wurde kann ich behaupten, dass ich raus gefunden habe, um wen sich das ganze dreht, lange bevor es in der Folge entfernt klar gemacht wurde.
    Allerdings dachte ich, dass es anders enden würde. Ich hatte gedacht, dass die TARDIS-Realität zuerst verschwinden würde. Mein Grund dafür war, dass für alle Companions die Reisen mit der TARDIS ein wahr gewordener Traum sind. Aber eines Tages, unausweichlich, geht dieser Traum zu Ende, die Companion wacht wieder in der realen Welt auf. Das wird genau so wahr werden für Amy, wie es für Sarah Jane, Rose, Martha, Donna und all die anderen gewesen ist, die eine zeitlang mit dem Doctor gereist sind.
    Aber ich muss auch zugeben, dass ich nicht herausgefunden habe, wer der Dream Lord war, für einen Augenblick dachte ich, dass es ein Schatten des Masters oder etwas Ähnliches sei.
    PS: Die Folge hat mir sehr gut gefallen.

  2. FD sagt:

    Ich fand die beiden Szenarien nicht besonders spannend. Die Auflösung,
    dass beide Welten geträumt waren, hat noch einiges gerettet. Hatte nämlich inzwischen sowas einfallsloses erwartet wie, dass tatsächlich einfach die Tardisrealität echt ist. Aber das Ende mit Rorys Tod als real wäre natürlich am interessantesten gewesen. auch weil der Kerl mich nervt, einen Namen für Mädchen trägt (auch wenn es wohl offiziell auch ein Männername ist), aber gar nichts mit Rory von den Gilmore Girls gemeinsam hat und überflüssig wie ein Kropf ist. wer so einen zopf trägt hat sowieso den tod verdient, da hilft auch keine reue und die schere kurz vor ende, das war für mich eindeutig zu spät. und es hätte der Serie auch mehr Tiefe verliehen. Das traut man sich aber wohl nicht. Nur bei Torchwood wär sowas möglich gewesen, hier widerspricht es wohl leider dem Konzept einer Kinderserie, wozu man die Serie allerdings wie ich finde zu Unrecht einengt. Schade.

  3. DJ Doena sagt:

    @FD: Seit wann schreckt denn Doctor Who zurück, Leute sterben zu lassen? Sogar Kylie Minogue hat sich für den Doctor geopfert…

    Das Problem wäre ja wohl eher gewesen, dass dann Amy ein gebrochener Charakter gewesen wäre und als Companion wohl eher früher als später ausgefallen wäre.

    http://www.youtube.com/watch?v=GkEx9FGznzA#t=190

  4. FD sagt:

    naja, das ist ja auch schon ne weile her. bei kylie hatte man auch gar keine andere wahl, die konnte gar nicht in der serie behalten

    aber der kurswechsel zu reinen familienserie bei der wohl keine hauptcharaktere tragisch sterben werden, ist doch offensichtlich von den produzenten so beabsichtigt. die hatten doch auch vor kurzen verlautbaren lassen, dass es keine crossover mehr mit torchwood geben werde um keine kinder von doctor who zu torchwood zu locken, da dies eine erwachsenenserie sein soll, die nicht für kinder geeignet ist.

  5. Anonymus (Bosch) sagt:

    Zu den letzten Kommentaren:
    Der doctor hat durchaus schon früher „echte“ Companions dem Tode überantwortet, da war nämlich auch ma so ein junge mit überdurchschnittlicher Intelligenz, der sich für die Erde geopfert hat und die Cybermen in die Sonne gelenkt.
    Damit mussten der Doctor (Peter Davison/ Doctor Nummer 5) und seine derweil 2 anderen Companions auch erstmal fertig werden… lange VOR Torchwood wohlgemerkt!

    Aber abseits von dieser nerdigen Überlegung fand ich gar nicht mal so schlecht, dass man die Vorstadtrealität als Zuschauer gleich verwerfen musste, denn früher oder später wird sich selbst Klapowski (wenn er gaaaaanz ehrlich ist) gefragt haben, ob es nicht doch sein könnte, da ja auch die Aliens in die „Risse-im-Universum“ Rahmenhandlung einfügten und die Geschehnisse dort endlich mal WIRKLICH etwas in der Serie verändert hätten.
    Das Ende war somit wirklich enttäuschend, da der Zupfgeigenhansel jetzt immer noch an Bord rumgurkt und die Dreiecksbeziehung sich wohl zumindest bis zum Ende der Staffel erstrecken wird, wo den Begatter mit dem Pferdeschwanz hoffentlich der Cyberman holt…
    Und Charakterepisoden sind für mich so ziemlich das Gegenteil von fortschrittslos.
    Das sind nur die Holodeckepisoden in diversen Star Trek Serien (wobei eigentlich am Ende jeder Episode von THG alle weiterfliegen, als wäre überhaupt nix passiert).
    P.S.: Hat das „Alien der Woche“ jemals den Doctor wirklich weitergebracht?

    Soviel dazu..

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