Das ernsthafte Medienmagazin

Star Trek Enterprise – 2.02 – „Carbon Creek“ Hoffmann-Review

Geh`n Se mit der Konjuktur! (Geh`n Se mit!) Geh`n Se mit auf diese Tour (Geh`n Se mit!). Oder: Willkommen in den 50ern.


von Gert Günther Hoffmann

„A litte less conversation, a little more action please!“ Mit diesem Leitmotiv aus einem bekannten Song des Königs der Könige begrüße ich Euch in den 50er Jahren und zur ersten regulären Folge der zweiten ENT-Staffel. Ich wünschte, meine Urgroßmutter hätte so ausgesehen… Doch der Reihe nach.

Bei dem Versuch, das einjährige Jubiläum der Spaßbremse auf Archer`s Vergnügungsdampfer zu feiern, gerät T`Pol unter dem Einfluss von Alkohol ins Plaudern. Eine Gute-Nacht-Geschichte für Trip und den Captain (andere Crewmitglieder spielen zum 12. Mal in Folge keine Rolle) nährt das Trekuniversum mit nagelneuen Spekulationen: fand der erste Kontakt mit den Vulkaniern bereits 1957 statt? T`Pol weiß ihren staunenden Kumpanen zu berichten, dass weiland zu jener Zeit bereits ein vulkanisches Schiff in einer Garage in Pennsylvania zerschellt ist. 29 Jahre vor ALF. Das Land scheint eine erstaunliche Anziehungskraft auf Außerirdische zu haben. Jedenfalls wurde bislang nichts von Aliens in den 190 anderen Staaten dieser Erde bekannt. Von wegen Antiamerikanismus und so. Dafür sind allein wir (im Sinne von: der Bundeskanzler und STuS) zuständig.

Der Sonntagsausflug einer 4-köpfigen Vulkaniercrew, die durch den bedauerlichen Aufschlagunfall auf sechs / acht Ohren (Standardkalauer) reduziert wird, darunter T`Pol`s Urgroßmutter T`Mir, endet in einem verschlafenen Bergbaudorf im Osten der Staaten. Kein Wunder, dass T`Mir ganz aus dem Häuschen vor Aufregung ist. Schließlich bekommt man nicht jeden Tag die Gelegenheit, in einem miefigen 50er-Jahre-Fummel durch die Kante zu laufen und die Zeit in schmierigen Musikantenscheunen zu vertrödeln. Eine harte Probe für jeden Stoiker und eine willkommene Gelegenheit, sich in Selbstbeherrschung zu üben. Während sich T`Mir stillschweigend, doch für jeden sichtbar, mit Selbstmordgedanken trägt (wer könnte es ihr nicht nachfühlen? Man stelle sich vor: gestrandet in der Oberlausitz…), richten sich ihre Kollegen heimisch auf unserem Planeten ein. Der vulkanische Warpfeldtechniker kann seine Fähigkeiten als Gas-Wasser-Scheiße-Installateur sinnvoll einsetzen, während Kollege Mestral die Situation ohne Illusionen pragmatisch analysiert und sich daran macht, seinen Samen unter menschlichen Weibchen zu verbreiten.

So plätschert die Story sinnfrei vor sich hin, bevor T`Mir den wissenschaftlichen begabten, aber sexuell unausgelasteten und finanziell minderbemittelten Sohn der Kneipenwirtin kennen und schätzen lernt und ihm durch die „Erfindung“ des Klettverschlusses das Studium finanziert. Originell abgekupfert von Star Trek IV als Scotty dem 20. Jh. das transparente Aluminium gab. Natürlich wird die vulkanische Crew schlussendlich doch noch aus den 50er Jahren errettet, mit Ausnahme des Schwerenöters Mestral, der sich noch ein wenig hierzulande amüsieren wollte. Soweit so öde. Natürlich stellen sich Archer und Trip die gleiche Frage wie der Zuschauer: was war denn das für eine bescheuerte Geschichte? Wissen wir doch seit 35 Jahren, dass Zefram Cochrane den ersten Kontakt mit den Vulkaniern herstellte.

Doch T`Pol läßt offen, ob sie einfach zu tief ins Glas geschaut hatte oder ob die Geschichte der Wahrheit entsprach. Um für die nächsten 30 Jahre Diskussionsstoff für 17 Millionen „Panels“ abgehalfterter Star-Trek-„Stars“ auf „Conventions“ zu liefern, fischt T`Pol zum Schluss der Episode noch eine Handtasche aus den 50er Jahren aus ihrer Schublade.

Wow, wow, wow. Das war aber ganz schön spannend. Zumindest die Szene, als T`Mir (alias T`Pol alias Jolene Blalock) sich hinter einem Bettlacken im Gegenlicht entkleidete. Ich warte eigentlich nur noch auf die Folge, wo die ukrainische Schiffsputze bei T`Pol einen Vibrator im Nachtschränkchen findet. Ganz klar: die Autoren ziehen langsam aber sicher die Erotikkarte. Schließlich befinden wir uns im 21. Jh. und „Sex and the City“ ist ein echter Quotenrenner (im Gegensatz zu Star Trek). Um die Trekkies mit der ihnen privat fremden Thematik nicht zu überfordern, ist diese Strategie natürlich auf Langfristigkeit angelegt. Von Kirk`s kühlen Küsschen bis T`Pol`s fasst nackten Knöspchen war es nur eine Frage von 35 schlappen Jährchen. Ich rechne für das Jahr 2037 mit echt frivolen Schweinereien bei Star Trek.

Trotzdem hat mir die Episode irgendwie gefallen. Trotz trübsinniger Story, schlappen Dialogen, fehlendem Wortwitz und hölzernen Darstellern. Zeitreisestorys, selbst wenn sie nur aus dem Mund einer besoffenen Sekretärin stammen, können mich immer wieder erheitern und gnädig über alle Logikfehler hinwegsehen lassen. Schließlich hatte die Geschichte alles, was wir Männer mögen: dicke Titten, geile Autos, Alkohol. Genau mein plattes Niveau. Da macht es auch nichts, dass man nach dreimonatiger Sommerpause nicht gleich wieder alles versteht, was dort genuschelt wird. Hauptsache die Optik stimmt.

Aber `mal im Ernst: ich habe kein einziges Mal gelacht. Das geht mir langsam auf die Eier. Diese sterile Humorfreiheit beim New-Age-Trek. Diese völlig uncoolen Leute. Langsam trübt sich auch mein ursprünglich positiver Eindruck von Archer. Der geht doch zum Ablachen hinter den Warpkern. Von Masturbation will ich gar nicht erst sprechen. Und der Vorzeigecoole (nein, nicht Mayweather), Charly Tucker, scheint sein Pulver auch schon verschossen zu haben. Enterprise ist ungefähr so hip wie die 3. Big-Brother-Staffel. Nicht gerade ein Trendsetter für richtungsweisende Unterhaltungen auf dem Schulhof. Und modische Akzente werden dort auch nicht gesetzt. Geschweige denn coole Sprüche geprägt. Früher konnte man wenigstens noch mit einem Terence-Hill-Zitat („Ein Wetterchen heute… kann man glatt zwei draus machen.“ haha…) Punkte bei den Klassenkameraden sammeln. Der Coolheitsfaktor von Star Trek reicht bestensfalls noch hierfür.

Note: 3

(ggh)


Weitersagen!

Artikel

von Hoffmann am 03.10.02 in Star Trek - Enterprise

Stichworte

,

Ähnliche Artikel


Kommentare (2)

  1. Gast sagt:

    ist das wirklich Heike Makatsch ? Wo kann man diese Folgen sehen ? Meine Videothek hat die nicht und im TV läufts auch nicht. Woher kennt ihr das ????

  2. Gast sagt:

    Diese Frage lässt sich einfach beantworten: Feenstaub!
    Und nein es ist Heike Makatsch' second For-Mother!

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Brandneues
Gemischtes
Newsletter
Arschiv
Zum Archiv unserer gesammelten (Mach-)Werke.
Büchers
Jenseits der Goetter

Jenseits der Macht