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Star Trek Voyager – Staffel 2, Teil 5: Im Schlafwagen durch den Deltaquadranten

Mittelmaß im Einmachglas: Bis auf einen Ausrutscher nach oben war ich auch bei dieser Viererkombi nicht begeistert. Aber vielleicht schaffen das ja wenigstens meine launig-amüsanten Reviews, die ich mit verdammt viel Charme, Witz und meinem unglaublich guten Aussehen geschrieben habe? Hoffen wir das Beste. Aber da es hier ja um Voyager geht, zitieren wir wohl vorsichtshalber Dante, der schon vor 700 Jahren wusste: „Lasst alle Hoffnung fahren, und dann tretet ein.“

Der Flugkörper

Inhalt: B’elanna muss eine Superwaffe aufhalten, die sie einst den Kardassianern entrissen und umprogrammiert hat. Waffe und Halbklingonin kennen sich noch von früher, doch der Flugkörper glaubt der Madame kein beschissenes Wort, von wegen „Du steuerst den falschen Planeten an!“

Review:

Wer von Euch schon auf die Endbwertung geschielt hat und nun eine hochgeistige Erklärungsorgie erwartet, welche diese Folge mit den Werken von Kant und Hegel auf eine Stufe stellt, der muss zwangsläufig enttäuscht werden. Das hier ist definitiv nicht die tiefgründigste Geschichte seit der Erfindung der Tiefsee und garantiert nicht anspruchsvoller als ein Betrunkener im Park, der alle Leute… anspricht (sagt Bescheid, sobald die vergleichenden Wortspiele zu albern werden, ja?).

Aber ich kann Euch ja erst mal sagen, was die Folge NICHT ist. Sie ist keine Zusammenstoppelung von Logikfehlern, Unwahrscheinlichkeiten (sofern man die „Superwaffe gelangte in Deltaquadranten“-Prämisse nicht mit alten Tomaten bewerfen will) oder aufgesetzten Psychoelementen, die dann doch nur mit einem nackten Indianer im Wald enden, oder halt mit einer Anti-Tetrion-Welle, welche mit Glücklich-mach-Strahlung allen ein abschließendes Lächeln auf das Gesicht zaubert.

Wie B’elanna mit dem Computer des Massenvernichtungsdildos diskutiert, ist einfach lässt mich einfach schamlos… nein, SCHAMHAFT unterhalten zurück. Die Geschichte mag Marcel Reich-Ranicki nicht begeistert vom Nachttopf springen lassen, doch fand ich das Timing nahezu perfekt und die Bedrohung gegen Ende hatte brav ihr Zeltlager auf der Spitze der Sinuskurve errichtet. Dass es der Crew einfach nicht gelingen wollte, diese tödliche Massenvernichtungsmasse davon zu überzeugen, dass man sich am anderen Ende des Sonnensystems befindet, hat bei mir erstmals eine gewisse Sorge um das fremde Alienvolk ausgelöst. Warum, das weiß ich auch nicht so genau… Vielleicht, weil dessen Vertreter sich artig auf einen kleinen Bildschirm zurückzog und seine Mannen dann einfach in der Schlacht verheizen ließ?

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„Ich möchte, dass Du sofort anhälst und umkehrst!“ – „Ungültige Eingabe. Biep. Mehr Schweiß, angestrengtes Keuchen und dramatische Musik sind erforderlich, bevor ihre Anfrage ausgeführt werden kann!“ – Dramatik unter Buntglasfenstern: In der Kathedrale zu Ehren des Sankt Technophilius geht es mal wieder rund. Aber dann lassen wir die choralen Gesänge heute einfach mal ausfallen und dafür den Replikator ein paar Pullen Messwein erzeugen, hips!

Vielleicht lag es daran, dass Geschichten, in denen mir sprechenden Bomben diskutiert wird, generell vom Kultkomitee von einer niedrigen Wertung ausgeschlossen sind. Die Art und Weise, mit der Torres diesen zu manipulieren versuchte, war übrigens immer nachvollziehbar und nicht mit übertriebenem Techniktrash à la „Wir könnten die Datenbank mit leicht bekleideten Tetrion-Transen überschütten!“ überladen. – Wer selber schon mal mit Windows darüber „diskutiert“ hat, einen neuen Treiber klaglos anzunehmen, wird sich hier wie Zuhause fühlen.

Schön und interessant auch die Belügungsversuche des Rechners, B’elanna sanft(!) angedeuteten Schuldgefühle und der temporeiche Schluss mit dem ersten Selbstzerstörungscountdown auf der Voyager. Bitte mehr davon! – In Zukunft darf der Countdown dann auch gerne mal bis zum Ende durchlaufen, denn so klasse geht es bei „Raumschiff Voyager“ leider vorläufig nicht weiter…

Fazit: Wenn es mal keine peinliche Nebenhandlung gibt, bei der der Doktor seinen ersten holografischen Stuhlgang erforscht, muss selbst der Drehbuchautor von seinem Werk überzeugt gewesen sein. Außer der schwammigen Aussage, dass es natürlich NOCH bessere Folgen als diese gibt, will einfach kein böses Wort über meine Lippen gelangen. Und wenn IHR mir dieses SF-Kleinod kaputtredet, lasse ich Eure vielleicht sogar anschwellen, mal sehen…


Todessehnsucht

Inhalt: Ein Q kommt aus einem Asteroiden auf die Voyager. Er wurde dort eingeschlossen, weil er sich umbringen wollte. Der uns aus TNG wohlbekannte Q taucht auf, weil er etwas dagegen hat. Alle zusammen sind ratlos, bis die Qs die liebe Janeway ins Kontinuum mitnehmen. Jetzt sind zwar immer noch alle ratlos, dafür ist diese Episode dann aber schon zu zwei Dritteln rum!

Review:

Ein allmächtiges Wesen, das allmählich sterben möchte. Das ganze Q-Kontinuum, das sich über unbekannte Auswirkungen dieser Maßnahme Sorgen macht. Die Frage, ob ein unsterbliches Wesen zwangsläufig in ewiger Langeweile versackt. – Was hätte man daraus für eine großartige Episode machen können! Philosophisch auf dem neuesten Stand der Denktechnik, inhaltlich ein Fest mit lecker-blasphemischen Nachgeschmack! Ein Einblick in das Kontinuum, wie es wirklich is(s)t!

Doch stattdessen gab es diese zusammengestoppelte Mischung aus hektisch eingestreuten Schnipser-Scherzen (Q befragt im Gerichtssaal sich selbst, sinnloser Riker-Gastauftritt, Isaac Newton passte auch noch irgendwie rein) und einer ebenfalls hektisch wirkenden Argumentationsablauf. Und was war denn jetzt das Problem, das mit dem Selbstmord des einen Q hätte passieren können? Es wurde ja laut und deutlich (und ebenso inbrünstig wurde dieser Einwand dann weggenuschelt) gesagt, dass schon bei TNG bekannt geworden ist, dass gelegentlich mal Q-Mitglieder exekutiert wurden.

Da fällt es mir schwer zu glauben, dass ein Q, dem ein Haus auf dem Kopf fällt (war bei Jean-Luc nicht mal einer der Bande von einem starken Sturm getötet worden?), einfach nur schön tot ist, während ein Selbstmord das Universum auseinanderbrechen lässt. In Wirklichkeit traute man sich einfach nicht, zu sagen: „Wenn der sich umbringt, ist das womöglich cool und dann wollen das vielleicht später alle. Unsere Rasse würde aussterben.“ – Das wäre ja auch leicht zu entkräften gewesen, denn offensichtlich fühlen sich die Qs in ihrer lebendigen Form ganz wohl im Universum, trotz der Tatsache, dass sie in schlechten Westernkulissen in der Wüste herumlungern. Aber dazu später mehr.

Für mich kam einfach nicht rüber, wie sehr der/die Q darunter leiden, alles gesehen, erlebt und erforscht zu haben. Die beiden Haupt-Qs machten auf mich nicht den Eindruck, als seien sie der Spielerei überdrüssig oder könnten durch nichts mehr überrascht werden. Wer die Voyager in einen Christbaumschmuck(!) verwandelt oder sich in Janeway verknallt (sollte ja später noch intensiviert werden), hat definitiv noch infantile Restenergie und erinnert mich eher weniger an meinen Großvater, dessen Wunsch, die Zimmerdecke über dem Pflegebett nicht länger betrachten zu müssen, ich damals einfach besser nachvollziehen konnte.

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„Sorry für das Chaos hier. Wir hatten früher ein Touristen-Kontinuum mit Strand und Wasser, aber unser Hausmeister sagt, dass die Wellen zu wartungsintensiv waren.“ – „Machen sie sich mal keine Sorgen, Q. Der Fürsorger hat schließlich auch in einer amerikanischen Holzbaracke gewohnt und die Geistwesen der letzten Woche sogar in einem riesigen Hamburger.“ – Totally sa(n)d: Das ganze Universe speaks American Pampa. Genau genommen fehlt eigentlich nur noch ein Stargate, um die Klischeeansammlung komplett zu machen!

Und das Kontinuum als Wüste mit Straße, einsamen Haus, Schaukelstuhl, Zeitung und Vogelscheuche darzustellen, war natürlich ein Risiko. Klar, Janeway hätte das wahre Kontinuum (bunter Nebel? Stadt aus Gold? Kunstwerk von Beuys?) genau so wenig kapiert wie wir, aber dieses Kasperletheater war ebenfalls nicht aussagekräftiger als die Himmelsbeschreibung in der Bibel („Alles total toll da! JETZT Karten kaufen!“). Diese Episode ist Schuld, dass ich danach nur noch DIESES Bild im Kopf hatte und mit stets Q vorstellte, wie er nach dem Gespräch mit Jean-Luc zum Förmchenspiel im großen Sandkasten antrat.

Und als neugieriger Mensch hätte mich schon interessiert, was Sätze wie „Wir alle waren schon mal die Vogelscheuche“ nun eigentlich bedeuten sollten, außer, dass dem Zuschauer klar werden sollte, dass er zu doof ist, um den Hintergrund dieser Episode vollständig verstehen zu können. Hätte man alternativ nicht einen Q zeigen können, der gerade gelangweilt an einem Sonnenssystem schraubt (per Tricktechnik sicherlich machbar gewesen) oder auf der Zeitlinie in den Sonnenuntergang reitet?

Und da mehrfach gesagt wurde, dass die Q auch nicht wirklich allmächtig seien, muss es doch irgendetwas geben, was es noch zu erforschen gibt? Ist die 27. Querdimension (die mit den anderen Naturgesetzen) nicht schon immer besonders schwer zu erreichen gewesen? Wäre das nicht ein Projekt wert, inklusive spannendem Scheitern und Jahrtausende währende Schuldzuweisungen an den Projektmanager?

Fazit: Eine gutgemeinte Episode, die normalerweise 4 Ohren verdient hätte. Doch da es sich hier immerhin um das Q-Kontinuum handelt, bei dem einem die Pluspunkte wie durch Zauber-Schnipserhand entgegenfliegen sollten, war ich doch etwas enttäuscht. Dieses Thema KONNTE nur lückenhaft präsentiert werden, weswegen die abschließende Wertung von mir auch gar nicht mal so böse gemeint ist. Sie ist nur die grafische Umsetzung meines obigen Unbehagens. – Aber in Wirklichkeit ist ja auch die (wertungstechnische) Hälfte der denkbaren Unendlichkeit immerhin auch noch die Unendlichkeit, oder? – Gesehen haben muss man diese Episode daher auf jedem Fall.


Lebenszeichen

Inhalt:

Eine im Sterben liegende Vidiianerin kommt an Bord. Der Doktor transferiert ihren Geist in ein holografisches und makelloses Abbild ihres früheren Körpers, um mit ihr reden zu können. Pardon: „reden“ in Anführungsstrichen. Denn: Der Dok-tor ist ver-lie-hiiiebt, hihihii!

Review:

DAS hier ist eine jener Folgen, vor denen uns unsere Eltern nie warnen mussten, weil sie wussten, dass sie folgen- und antriebslos an uns vorübergehen würden: Eine Liebes- statt eine Lasergeschichte, Gutmenschen-Blabla statt Gewalt-Bummbumm und ein großvaterkompatibler Spannungsverlauf. Hier herrschte gutgemeinte Langeweile, wie sie TNG nicht besser hätte aus Roddenberrys Urinkatheter laufen lassen können. Alles war so vorhersehbar wie eine Strecke, die man jeden Tag mit seinem Auto zurücklegt! Und selbst, wenn man zwischendurch an der Ampel einschlafen sollte: Alle anderen sind ebenfalls schon so lethargisch, dass sie höchstens aus Versehen auf die Hupe drücken, wenn der Kopf nach vorne fällt.

NATÜRLICH verliebte sich der Doc in das Hologramm, denn schließlich hätte die Tante ja sonst keines werden müssen, oder? Und dass es nach einigem hin und her („Ich… ich hab Dich gern.“ – „Ich auch. Aber erwarte nicht, das ich das schon 20 Minuten vor dem Ende zugebe, klaro?“) einen großen Verlust für den Doktor geben würde, war ebenfalls klar. Immerhin rückte die Krankheit zwischenzeitlich so auffällig in den Hintergrund, dass man den holografischen Leichenwagen vor seinem geistigen Auge schon an der Ecke Krankenbett/Medizinkoffer vorfahren sah. Voyager präsentiert also mal wieder: „Dramatische Wendungen für Leute, die das erste Mal fernsehen!“

Und dass es der Vidiianerin in ihrem holografischen Körper besser gefiel als in dem ranzigen Bioabfall auf dem Bett, war auch keine wirkliche Story, sondern eine psychologische Selbstverständlichkeit. Vielleicht hätte man den Hologeist ab und an wieder in den Knetgummibehälter zurückschicken sollen, um dem Zuschauer klar zu machen, dass der Doktor nicht nur ihr programmiertes Aussehen liebt…?

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„Verstehe doch bitte! Auf diese Weise kann unsere Liebe einfach nicht funktionieren!“ – „Nur, weil ich meine alten Kaugummis und Silikonringe auf deinem Kopf festgeklebt habe, bis ich sie wieder brauche? Bist du jetzt nicht doch ein wenig kleinlich, Schatz?“ – Liebe Sünde: Mit dem Sex gibt es leider ebenfalls noch Probleme. Wenn das Hologramm mal keinen Bock hat, schmeißt sich der Arzt nämlich einfach an die Komapatientin ran. Tja, DARAN haben die Gesetzgeber wohl wirklich mal nicht gedacht, als sie den „Vergewaltigung in der Ehe“-Paragraphen schufen!

Die ruhigen Erzählungen, wie das gesellschaftliche Leben der kranken Viidianer so verläuft, nehme ich nachträglich selbstverständlich als Entschuldigungen für die beiden doofen „Vom-Fleisch-fall“-Folgen in der ersten Staffel an. Wirklich interessanter wirken die ehemaligen Fledderköppe aber nicht, wenn man ihnen ein langweiliges Stirntoupet aufsetzt (war diesmal so unauffällig, dass es man die Maske fast hätte weglassen können) und ihnen ein paar naheliegende Anekdoten andichtet („Größere Ansammlungen sind verboten, wegen der Krankheit.“).

Wie der Doktor bei Kes und Paris um Liebesberatung bittet, war zwar auf dem ersten Blick ganz niedlich, konnte aber nicht mit den kultigsten Data-Folgen mithalten. Im Gegensatz zum Mechano-Mann traut man Doc „Bin-eine-echte-Lebensform-weil-alle-das-sagen“ einfach automatisch mehr zu. Schließlich hat er ja anscheinend sogar Liebesgefühle entwickelt, ohne dafür programmiert worden zu sein. Da wird er einen romantischen Abend ja durchaus selber in den Griff bekommen, ohne sich auf dem Rücksitz des verdecklosen Holo-Autos (Tom Paris‘ Idee) irgendein Kraftfeld zu stauchen.

Fast schon interessanter als des Doktors Liebesleiden war ein Gespräch zwischen Tom und Chakotay. Denn nachdem sich der ehemalige Wiedereingliederungsweltmeister (ich meine jetzt den Nicht-Indianer unter den beiden) so toll in die Crew integriert hat, fängt er neuerdings doch wieder an, seine Arbeit zu vernachlässigen. Was aber nicht so schlimm ist, weil er ja keine hat: „Genau so gut könnte man die Voyager auf Autopilot stellen!“

Stimmt! Schön, dass das den Autoren auch aufgefallen ist. Außer einmal am Tag den Kurs von A nach B zu programmieren (der möglichst nicht durch Sonne C oder Planet D führen sollte), hat Tom ja nur was bei der „Weltraumbedrohung der Woche“ zu tun…

Fazit: „Lieber langweilig als doof.“ – Und das gilt nicht nur für potenzielle Lebenspartnerinnen für Satireautoren. Unter diesem Titel möchte ich auch diese Fazit zusammenfassen, denn diese Episode ist definitiv ersteres und sticht damit gegenüber verfilmten Intelligenzbeleidigungen wie „Tattoo“ oder „Elogium“ positiv heraus. Folgen wie diese sind es, für die das menschliche Gehirn einen Vergesslichkeitsmechanismus eingebaut hat…


Der Verräter

Inhalt: Neelix kommt einer Verschwörung auf die Spur, ich schwör‘ ey! Denn an Bord ist ein cleverer Spion, der die Crew den Kazon ausliefern will. Warum der Clevere das tut? Na, er ist halt doof! – Tom Paris verlässt außerdem das Schiff, weil er schon immer mal eine „beleidigte Leberwurst“ pantomimisch nachstellen wollte.

Review:

So viel Stumpfsinn, so wenig Zeit! Hier die größten Klopfer im Überblick:

– Es gibt Leute, die ernsthaft die Sendung „Briefing mit Neelix“ (mit Kochrezepten für Replikatorbenutzer!?) während der Arbeit verfolgen? Wieso darf ICH dann eigentlich nie 9LIVE im Büro gucken, hä?

– Statt einfach ein bisschen herumzurecherchieren, wie Neelix es getan hat, entschied man sich zur Enttarnung des Spions lieber dafür, Tom Paris wochenlang als Arschloch auftreten und ihn dann das Schiff verlassen zu lassen? – Das ist in etwa so, als würde einen Mörder enttarnen wollen, indem man die Witwe zum Astronautentraining schickt! Wenn DAS Tuvoks Logik ist, geht der wohl auch bei rot über die Fußgängerampel. Und zwar mit Bergsteigerausrüstung.

– Woher wusste Janeway, dass Tom von den Kazon entführt werden würde, sobald er bei den Talaxianern ist? Und was wäre gewesen, wenn das erst nach Tagen, Wochen oder Monaten (oder gar nicht?) passiert wäre? „Liebe Crew, wir haben Euch nur verarscht. Wir müssen leider zurückfliegen, um einen Talaxianer-Frachter einholen, auf dem Mister Paris auf uns wartet. Der ist jetzt übrigens ungefähr da, wo wir während des Pilotfilms gestartet sind. He, hört auf, meinen Kopf auf die Komm-Station zu schlagen. Ich versuche hier eine Durchsage an alle zu machen!“

– Wurden die Talaxianer eigentlich gefragt, ob sie ihr Schiff von den Kazon kaputtschießen lassen möchten, damit Tom entführt werden kann? Wie auch immer: Nett vom Frachtercaptain, dass er Janeway nicht erzählt hat, wie viele Männer von den „gewalttätigen“ Kazon gemeuchelt worden sind. So was hätte bei der Voyager-Crew ja vielleicht doch für moralische Unruhe gesorgt… („Verdammt. Wir haben vergessen, vorher Harry Kim entführen zu lassen, damit er die Waffensysteme der Kazon vorher entschärft. Aber wie hätten wir Kim von Bord bekommen, ohne vorher…? Raaah!“)

– Wieso wollte der Spion Neelix im Maschinenraum überwältigen, als dieser in den Datenbanken lediglich seltsame Stellen entdeckt hat (zumal diese noch gar nicht viel bewiesen haben)? Was hätte er denn mit dem bewusstlosen/toten Talaxianer gemacht? „Mister Neelix? Zuletzt in meiner Nähe im Maschinenraum gesehen? Ich weiß wirklich nicht, was sie meinen. Öh, es wäre mir lieber, wenn sie von diesem Wandschrank weggehen würden. Das Rote, was da rausläuft? Warpplasmareste, nix weiter.“

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„Und HEUTE stecke ich mir die Kelle in den Popo! Und SIE dürfen anrufen und darüber abstimmen, ob ich das mit der vorderen oder der hinteren Seite mache. Und nein, Mister Klapowski: Sie brauchen nicht wieder 50x für „hochkant“ anrufen, diese Option habe ich diesmal gestrichen!“ – Die Show „Briefing mit Neelix“ sollte in der Serie eigentlich eine ganz große Sache werden. Leider wurde jedoch kurzfristig die umstrittene Episode gestrichen, in der Janeway mehrere Aliens mit der „Kika-Kochecke“ aus Neelix‘ Seppelsendung foltert.

– Tom darf auf dem Kazonschiff erst mal alleine(!) an einem Computer rumspielen? Und wie sollte er da eigentlich wieder runterkommen, wo er doch keine Waffe dabei hatte? Hier half ihm nur reines Glück, gepaart mit der fortgeschrittenen Verblödung des Gegners, der im Zweikampf wie eine rollige Katze auf dem Boden herumzulümmeln pflegt! Das war keine Aufklärungs-, sondern eine Forschungsmission. Und zwar zu dem Thema „Gibt es ein Leben nach dem Tod, Mister Paris?“.

– Nach Chakotay (vor einigen Folgen) kann auch Tom mal gerade ein Kazon-Shuttle stehlen. Sicherheitslusche Tuvok kann man mit einem Vorhängeschloss oder einem Passwortsystem vielleicht noch beeindrucken, den Zuschauer aber nicht!

– Dafür war es aber sehr stabil, dass Schüttel-Shuttle! Minutenlang wird es vom Hauptschiff beschossen, ohne einen zukünftigen Pilotenschwund an Bord der Voyager zuzulassen. Aber wahrscheinlich war Tom nach 10 Sekunden Flugzeit auch einfach so geübt in den Ausweichmanövern mit der fremden Hutschachtel.

– Der böse Spion schlägt Neelix mit einer schwuchteligen Ohrfeige(!) nieder, woraufhin der Talaxianer sekundenlang einen Knock-Out vortäuscht. Mal ehrlich: Nachdem dem Backpfeifengesicht schon mal die Lunge gemopst wurde, hätte man ruhig zwei oder drei Zähne in die Kamera fliegen lassen können.

Fazit: Und zum dritten Mal sehen wir, dass Detektivgeschichten nicht auf die Voyager gehören, solange die Ermittler nur den eigenen Lattenschuss auf Schmauchspuren untersuchen. Total nervig auch die Ernsthaftigkeit, mit der Neelix („Ein Journalist wie ich muss tun, was ein Journalist, der ständig Selbstgespräche führt, eben so tun muss.“) von der Crew unterstützt wird. Und sind Tuvok, Janeway, Seska und Co. eigentlich alle wirklich so bescheuert, oder verstellen die sich auch nur für eine SPÄTERE Folge?

Immerhin muss man aber eingestehen, dass Toms Scheinrebellion einer langfristigen Planung (eine Folge im Voraus) unterlag…


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von Klapowski am 18.10.09 in Star Trek - Voyager

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Kommentare (12)

  1. paranoid android sagt:

    So spannend, dass niemandem ein Kommentar einfällt – das passt ja.

    „Lebenszeichen“ hat jedenfalls die zweifelhafte Ehre, eine von sehr wenigen Star Trek-Folgen zu sein, an die ich mich auch nach Lesen der Kritik absolut null erinnern kann! Die Verrätergeschichte ist mit exakt EINER vage erinnerten Szene allerdings auch nicht viel besser. Und da diese Szene leider Neelix beinhaltet, würde ich gern drauf verzichten.

  2. Terek sagt:

    Vielen Dank für die Aufarbeitung eines jahrelang verdrängten Traumas… Ich muß sagen, ich konnte mich an „Flugkörper“ erinnern, und daß die Folge eigentlich ganz ok war und außerdem mag ich natürlich auch Bomben – vor Allem existentialistische. Gibt es hier eigentlich ein „Dark Star“ Review?

    Bei des Doktors holographischer Freundin gab es ein kurzes unbedeutendes Aufflackern der Erinnerung, was, so fürchte ich, bei mir die Fähigkeit zur Herleitung des Kosinussatzes verdrängt hat und an den Rest kann ich mich beim besten Willen überhaupt nicht erinnern.

    Mein (allgemein spärliches) Mitgefühl gilt Klapowski, der sich zum Ziel gesetzt hat diesen unbedeutenden Mist der Star Trek Geschichte zu besprechen… „Solidarität Mann!“ *die Faust zum Arbeitergruß ballend*

  3. Raketenwurm sagt:

    Da habe ich mich aber damals aufregt, als Sat.1 „Der Verräter“ nicht gezeigt hat, sondern stattdessen die Beerdigung von Lady Di. Die hatten sowieso schon Murks mit den Sendeterminen gemacht und wollten die Serie nach dieser Folge pausieren lassen, aber stattdessen dann die olle Sargschau. Ich weiß noch, wie ich traurig vor dem Fernseher saß und den Videotext studierte, ob die Folge nicht doch noch kommt, aber sie kam nicht. Und dabei gab es in der TVMovie sogar ein großes Bild von der Episode – das war nicht alltäglich, also mußte da etwas total Tolles passieren.
    Ein halbes Jahr mußte ich ungeduldig warten, und als ich dann die Folge sah, fand ich sie (laut alten Notizen, die ich gleich mal herausgekramt habe) „mehr oder weniger spannend.“ Außerdem erkannte ich schon damals „Vermutlich taucht das „Briefing mit Nelix“ nur in dieser Folge auf, was man ja nun schon gewöhnt ist.“ – ja, da machte sich beim jungen Voyagerfan doch schon ziemliche Ernüchterung breit.

  4. chritz sagt:

    Ich kann mich nicht an die Folge erinnern, aber an die vom Raketenwurm erwähnte Verschiebung jedoch schon. Meine Gemütslage damals war ähnlich.

    Aber spricht das nun nicht irgendwie doch Bände?

  5. miz sagt:

    das war ja teilweise wieder mal stark vom sfdebris beeinflusst (besten dank nochmal fuer den tipp, DJ Doena!). da waere es unterhaltsamer, gleich die youtube-kritiken zu rezensieren…

  6. ted_simple sagt:

    Habe doch stark gehofft, dass mir niemand das Dreadnought schlecht macht… *Neelix‘ Kochlöffel drohend schwenk*, die Folge war echt ein kleineres Kleinod! Die Episode mit dem Verräter hingegen sowas von „nette(r) Idee, schlechte(r) Umsetzung“.. also weiter so! (Mit den Rezensionen, meine ich.)

  7. Klapowski sagt:

    Manches muss hier einfach mal entgegen der Netiquette gesagt werden. Und zwar: „Fresse, Miz!“

    Ich habe schon seit Monaten nicht mehr den sfdebris gesehen. Und damals auch nur eine(!) Folge. Dass es anscheinend gewisse Ähnlichkeiten und Überschneidungen zwischen diesem Herrn und mir gibt, liegt einfach daran, dass

    1.) Wir den gleichen Rotz rezensieren

    oder

    2.) Dieser sf-depri (Oder so) den Klapowski-Stil anscheinend so dreist kopiert, dass es demnächst eine Abmahnung geben dürfte. Wäre besser für Euch, wenn Ihr Euch bereits jetzt von Herrn s&m-Hybris distanziert.

  8. G.G.Hoffmann sagt:

    @Raketenwurm:
    Ich habe damals offen gestanden gar nicht bemerkt, daß dort statt einer VOY-Folge die Beerdigung von Lady Di gezeigt wurde. Danke für die Aufklärung. Ich habe mich damals gefragt, seit wann Neelix auf dem Klavier Elton-John-Songs spielt.

    @Klapowski
    Das Konzept von sfdebris ist bestensfalls skurril. Satte 20 Minuten einer 45-minütigen Folge werden ohne den Anflug eines Witzes belabert, während der Originalton in fast gleicher Lautstärke mitläuft. Welche Zielgruppe wird hier bedient? Vermutlich die gleichen Leute, die sich auf einer DVD den Audiokommentar des stellvertretenden Chefbeleuchters anhören („Hier sehen wir Bruce, wie er in die Luft fliegt. Das war total cool. Und hier sehen wir Bruce, wie er eine Treppe runterfällt. Mann! Das war echt cool. Und hier wird Bruce mit seiner Panzerfaust beschossen. Das war super cool! Und by the way: wir hatten auf dem Set eine great time!“ *gähn*).

  9. JannLee sagt:

    Wird die Reihe eigentlich fort geführt? Ich schau regelmäßig vorbei ob die Voyager-Reviews erweitert werden, da ich es immer ziemlich amüsant finde wie es so zerrissen wird. Aber irgendwie gehts nicht weiter? =/

  10. Klapowski sagt:

    Doch, zumindest das Ende der zweiten Staffel gibt es demnächst. Es gab nur gerade noch so viel anderes (SGU), so dass meine Halsschlagader erst wieder etwas abschwellen musste…

  11. JannLee sagt:

    Na an Arbeitseifer mangelt es euch gewiss nicht. ^^

  12. Exverlobter sagt:

    @ GG.Hofmann
    ICh weiß, dein Beitrag ist schon eine Weile her und du siehst meine Antwort wahrscheinlich gar nicht. Aber SFDebris mit DVD-Audiokommentaren gleichzustellen??
    Der Mann ist super unterhaltsam! Man muss genau hinhören. Er hat einen sehr trockenen Humor und kann durchaus mit dem von Klappo verglichen werden. Also jeden Samstagabend ist bei mir SFdebris im Terminkalender vorgemerkt.
    Schau dir nur die Review zu „Treshhold“ , da zieht es mir jedesmal die Schuhe aus vor lachen.

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