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Star Trek Voyager – Staffel 2, Teil 4: „Lasst mich eure Hälse spüren!“

Nein, das auf dem Bildchen rechts bin nicht ich, wie ich auf meinen Fernseher eindresche, obwohl es natürlich auch diesmal wieder allerlei Anlässe dazu gab! Fairerweise muss allerdings gesagt werden: Immerhin gibt es hier auch ein paar Lichtblicke, womit auch NICHT der Funkenflug aus einem zerstörten Bildwiedergabegerät gemeint ist! Die heute ge-reviewten Folgen schickten mich also auf eine seelische Tour de Force, bei der ich oftmals nicht wusste, ob ich lachen oder weinen sollte. Aber das war eh egal: Wenn man durch Star Trek schon so RICHTIG irre gemacht wurde, tut man am besten sowieso stets beides gleichzeitig! – Buhuhuuuuharharr!

Prototyp

Inhalt: B’elanna findet im All einen putten Roboter. Irgendwann ist er jedoch nicht mehr kaputt und auch nicht mehr auf der Voyager. B’elanna übrigens auch nicht. Denn es existiert ein ganzes Volk aus entarteten Altmetall-Merchandising und B’elanna soll helfen, dieses noch zu vergrößern.

Review:

Eigentlich wäre diese Story eine runde Sache, allein schon von den Gesichtszügen der Roboter her: Die Wünsche, Rechte und Pflichten von künstlichen und gekünstelten (aber auf die Kostüme kommen wir gleich noch) Lebensformen sollten eigentlich auch bei einem lernschwachen Kind wie der Voyager genug Stoff bieten, um ein läppisches Dreiviertelstündchen angemessen zu füllen, oder? – Immerhin wird hier in mehreren Sätzen Data erwähnt, Janeway überlegt, ob Fortpflanzungshilfen für Roboter mit der Ersten Direktive zu vereinbaren sind und ganz am Ende erfahren wir sogar, dass die Blechbüchsen ihre Erschaffer ausgelöscht haben, um nicht selbst zerdeppert zu werden.

Daraus könnte man eigentlich ZWEI tolle Folgen machen, PLUS ein Special, in dem Brent Spiner sich auf seine typisch sarkastische Art über seine mimikabstinenten Brüder lustig macht.

Doch bei Voyager war der Sack mit dem verschenkten Potenzial wieder mal nicht voll genug, weswegen man lieblos diese Episode dazupackte, die Beine aller Beteiligten oben rausschauen ließ, das Ganze mit ein wenig Technobabble zuband und links und rechts noch ein paar Feuerwerkskörper zündete. – Für die Weltraumschlacht am Schluss.

Viel zu viel wertvolle Zeit wird hier nämlich mit nervtötenden Technik-Gesaller ver(b)raten und verkauft. Dabei hätte ich mich durchaus für die Gespräche zwischen B’elanna und der Designer-Gießkanne interessiert! Vielleicht hätten ein paar Szenen mehr auch enthüllt, warum die Crew ihren blechernen Gast sofort „empfindungsfähig“ nannte. Denn der Schiffscomputer der Voyager scheint auch nicht viel weniger clever als die Roboter zu sein, wobei unsere oberflächliche Trümmercrew sich aber wohl SOFORT von den lustigen Armen und Beinen irritieren ließ. Eine Crew von Wissenschlafflern, fürwahr!

Und ein Durchschnitts-Hologramm wirkt ja sogar NOCH höflicher und aufgeweckter, ohne dass man diesem gleich das allgemeine Wahlrecht anbieten möchte. – Es sei denn, es läuft länger als eine Stunde, aber bezüglich des Holodocs war ich in der Vergangenheit ja schon deutlich genug…

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„Okay, ich soll hier für die Geburt neuer Roboterdronen sorgen… Aber haben sie irgendeine Idee, was ich dafür tun soll!?“ – „Lassen sie es mich so fragen, liebe B’elanna: Haben sie in ihrem Leben schon mal mit einen Dildo aus Metall masturbiert?“ – Lieber Blech schrauben als Blech reden: Torres soll für die Robos ein technisches Problem lösen und berät sich daher minutenlang mit ihrem Vorarbeiter. Stattdessen löst sich bei diesem Verbaldurchfall für fantasybegeisterte Elektromechaniker aber nur das Trommelfell vom Zuschauerohr…

All das hätte man wieder mal klären können. Und auch die Tatsache, dass zwei Roboterfraktionen – stellvertretend für ihre toten Schöpfer – einfach blind weiterkämpfen, hätte ein hervorragendes Dilemma zum Rein- und sich Festbeißen hergeben können. Andere Völker hätten unter den dauerkämpfenden Robos leiden und Janeway daraufhin bitten können, einen Waffenstillstand auszuhandeln. Und der Captain hätte sich dabei bis an die Grenzen der Programmierung der silbernen Rindviecher begeben müssen: „Glaubt mir: Es ist unlogisch und sinnlos, was ihr da treibt! Glaubt mir, niemand weiß so etwas besser als ich!“

Doch stattdessen wird Torres entführt und tüftelt sich in einer Einheitskulisse die Stirn faltig, als sie versucht, einen funktionierenden Akku für die neu erbauten Roboter zu entwickeln. In den Dialogen selber fällt zwar häufiger das Wort „Plasma“ und „Signatur“, gemeint ist aber wirklich nur: „Strom geht nicht. Und nu?“…

Als die Geschichte dann endlich zum Kern kam, stand auf dem Minutenzähler am DVD-Player vorne schon fast eine „4“. Von den fast 15 verballerten Minuten am Anfang der Folge ganz zu schweigen, in denen Torres den Gussabdruck-Gustav erst mal nur zum LAUFEN bekommen musste!

Was das Design der Maschinenwesen angeht, bin ich übrigens zwiegespalten wie ein Voyagerautor mit total wenig Zeit, aber künstlerischem Restanspruch: Einerseits ist die absolut detailfreie Oberfläche der Roboter fast schon wieder trashig-kultig, andererseits hätten zwei Augen aber vielleicht auch nicht geschadet. – Und wenn sie nur aus dem Sticker-Teil des neuen Micky-Maus-Heftes entnommen und aufgeklebt worden wären!

Fazit: Es ist ja nicht so, dass ich bei dieser Serie nicht unterhalten werden WILL, aber so manches halbgare Gurkendrehbuch mit Anspruchs-Alzheimer macht es einem hier schwerer als Gewichtheben mit Quecksilberfässern. – Lustiges Detail: 4 Stunden nach dem Anschauen wollte ich diese Rezension schreiben, kam aber erst nach einigen Sekunden des Nachdenkens wieder darauf, was ich da eigentlich vorhin gesehen hatte. – Also ich finde, dass ich spätestens JETZT mal wieder eine total geniale Folge verdient hätte, oder? Und hier drunter kommt sie hoffentlich:


Allianzen

Inhalt: Die Voyager wird dauernd von den Kazon angegriffen. Janeway hat daher irgendwann Schnauze und Haarknoten gestrichen voll und denkt über eine Allianz mit den Bösen© nach.

Review:

Die Welt ist schon seltsam: Die Kazon hatten nur in wenigen Folgen seit dem Pilotfilm einen Auftritt, und dabei noch nicht mal einen, bei dem man „Zugabe“ gerufen hätte. Und nun ist plötzlich die Gefahr durch die Fliegenfänger mit den popelförmigen Raumschiffen so groß, dass die Voyagercrew ihre Warpblase von innen mit Brettern zunageln möchte…?

Umso überraschter war ich, dass sich hinter dieser vermuteten Hirnzwerg-Story doch glatt eine vielschichtige Geschichte verbarg. Hier ging es um Politik, Diplomatie, Prinzipien, Baller, Vertrauen, untergegangene Kulturen, aufgehende Hoffnung, Verrat und eine abschließende Konferenz, bei der sich alles zum Guten wenden sollte, alles aber nur noch schlimmer wurde. – Was bei den üblichen „Eitel-Sonnenschein“-Enden dieser Serie als positiver Aspekt genannt werden darf.

Ja, es wird sogar erklärt, wo die Kazon herkommen, warum ihre allgemeine Laune sie nicht als Moderator für eine Kindersendung empfiehlt und warum sie technisch nicht mehr drauf haben als eine Hausfrau, die ihre Elektrogeräte beim Teleshop bestellt. Und nach langer Zeit ist eine Episode auch mal wieder dialogbasiert. Ja, dann gibt es halt mal keine bescheuerte B- oder C-Handlung um eine holografische Subraumanomalie, die dem Doctor beim morgendlichen Brötchenschmieren entstanden ist! Und? Geht doch auch so!

Teilweise hatte ich fast schon das Gefühl, dass die Episode ZU voll war! Schließlich musste man sich in der Vergangenheit normalerweise höchstens mal 10 Minuten Zeit nehmen, um seine Fernkurs in Warpplasmeeigenschaften weiterzuführen.

Nebenbei wird Neelix hier gefangen genommen, nach Sekunden wieder befreit und nebenbei einer neuen Rasse vorgestellt. Hektisch, aber durchaus wohltuend! Fragt mal Tom Paris, der wird euch genau erklären, warum man ein Raumschiff (dramaturgisch) nicht zu lange im Leerlauf betreiben sollte…

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„Iiih! Sie perverses Schwein! Sie können doch nicht in das Schlafzimmer einer Dame schießen, während sie sich umzieht!“ – Nur Dome schützen: Viele Strahlen, die in normale Wohnhäuser eindringen, sind mit HIV verseucht (= Holografischer Iridium-Vektor). Als Verhütungsmittel reicht bei Voyager allerdings bereits ein formschöner Ikea-Vorhang, Marke „Kruftfeld“ oder „Abschirmunk“…

Auch Janeways Handlungsweise war durchaus nachvollziehbar, was später in der Serie nicht mehr unbedingt der Fall sein sollte: Da hier das ERSTE Crewmitglied seit dem Pilotfilm vor seinen Schöpfer treten durfte, sind alle ganz aus dem Häuschen. Quängelige Ex-Maquis fordern von Janeway Zugeständnisse an die Lumpenträger, Chakotay hat ebenfalls keinen Bock mehr, auf die gebundene Buchausgabe der Ersten Direktive zu warten und der Rest hat ebenfalls keine Probleme, endlich mal vom „Dungeons & Spacecrafts“-Regelwerk abzuweichen.

Hier wehte ein Hauch von Picard-Diplomatie durch das Vakuum, ein bisschen aufgelockert durch kirk’sche Regelarroganz. Schade, dass Janeway nach dem recht guten Ende (auch ich hatte nicht erwartet, das gerade DIESE Person alle Anwesenden verraten würde) leider noch einen oberflachen Spruch in die Kamera jaulen musste: „Wir haben schon einen Verbündeten. Und das sind die tollen Regeln der Sternenflotte. Und glaubt mir, mit der Regel kenne ich mich aus!“

Hier wäre angesichts des Geschehenen doch etwas mehr Zurückhaltung geboten gewesen, so à la „Wir haben eine Linie überschritten, hinter der wir nur schwer wieder zurücktreten können. Wir werden sehen, ob wir stark genug sind, weiteren Verlockungen der dunklen Seite zu widerstehen…“ (*dunkles Trompetensolo, Schiff von außen, Ausblende*)

Fazit: Ein pralles Paket für Leute, die sich für mehr Zusammenhänge interessieren, als für die zwischen Steuerkonsole und Torpedorampe. Schade, dass vieles nur kurz angeschnitten werden konnte und der allgemeine Ablauf etwas hektisch wirkte. Trotzdem ist das hier aber die beste 4-Gummiohren-Folge, seit es Bewertungsskalen auf der Basis von künstlichen Sinnesorganen gibt.


Die Schwelle

Inhalt: Tom erfindet für ein Shuttle mal gerade den Warp 10-Antrieb. Doch nach dem Testflug verwandelt er sich langsam ein schuppiges Wesen… Des Docs Diagnose: Evolutionsüberspringungssyndrom! – Tja, erzählt DAS mal Eurem Hausarzt!

Review:

An dieser Stelle verweise ich einfach mal auf mein langes Review aus dem Jahre 2006.

Denn diese Episode ist auf einer Word-Seite einfach nicht angemessen zu verreißen. Unmöglich! Nicht zu schaffen! Jeder Versuch, eine der schlechtesten Star-Trek-Episoden mit vier Textabsätzen in den Boden zu rammen (selbst vier SCHUH-Absätze dürften nicht genügen), kann nur zum Scheitern verurteilt sein!

Daher sollen die nachfolgenden Zeilen nur eine kurze (und unvollständige) Zusammenfassung für diejenigen darstellen, die den damaligen Megatext nicht lesen möchten:

– Tom erfindet im Deltaquadranten mal gerade den Warp-10-Antrieb. Warum auch nicht, er ist ja schließlich PILOT? Etwas, was die zauselbärtigen Wissenschaftler der Sternenflotte ganz bestimmt nicht waren! – Und wann erfindet IHR Führerscheininhaber endlich das Ein-Liter-Auto, hä?

– Tom stirbt, weil der Doktor gerade keinen Bock auf Wiederbelebungsversuche hatte („Wo habe ich doch gleich meinen hippokratischen Eid hingelegt?!“), wacht aber nach ein paar Stunden mit ZWEI Herzen wieder auf. – Okay, wer hat dem Holodoc den Knoten in den medizinischen Trikorder gemacht, wer war das?

– Tom Paris spuckte seine Zunge aus, redete danach aber wie ein Wasserfall. Aber Brannon Braga konnte dieses Drehbuch ja schließlich auch ohne Hirn zuende schreiben, gell?

– Die Evolution hat neuerdings ein festgelegtes Ziel, das man mit einem Warp-10-Flug vorab ansteuern kann?! Und wenn eine große Lostrommel mitgeflogen wäre, wären die Lottozahlen aus dem Jahre 2.700 gezogen worden, oder was?!

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„Tom! Wenn sie noch einmal sagen, dass moderne Science Fiction vornehmlich dazu da ist, denkbare Entwicklungen in Gesellschaft und Wissenschaft auf philosophische Weise zu interpretieren, werde ich versuchen, ob sich auch Stummelbeinchen dazu eignen, ihnen die Scheiße aus dem Leib zu treten!“ – Das Krokodil und sein Nilpferd: Paris und Janeway gehen im Allwetterzoo Münster auf Reisen, auf die noch nie zuvor jemand im Allwetterzoo Münster gegangen ist.

– Das entführte Shuttle kann überall im gesamten Universum sein, befindet sich später aber im Radius von ein paar Lichtjahren im Umkreis der Voyager? Schon Scheiße, dass der irre Mutanten-Tom zwar noch ein Schiff fliegen konnte, bei der Wahl seines Begattungsplatzes aber nur die Phantasie eines Swingerclubbesuchers an den Tag legte („Vielleicht schauen sie uns sogar noch zu, höhö!“)

– Innerhalb von DREI mickrigen Tagen wird die entführte Janeway ebenfalls zur hässlichen Kröte, wird vom Tom schwanger, legt Eier UND sieht ihre Nachkommen schlüpfen? – Na, dann hatte die Mutation zur Tümpelechse wenigstens einen (evolutionären) Sinn: Wer will schon Schnürbänder, Aufzugknöpfe und Raumschiffe bedienen können, wenn er stattdessen innerhalb von 3 Tagen der ersten Kindergeldüberweisung entgegen sehen darf?

– Wenn der Doktor die Mutation so schnell rückgängig machen konnte, hätte man da nicht die Voyager nicht doch mit dem neuen Antrieb ausstatten können? Bei der Sternenflotte hätte man nach der Behebung der Warp-10-Symptome sicherlich gerne geholfen, auch wenn Beverly Crusher beim Kopfschütteln sicherlich ihren Hals aus den Schultern geschraubt hätte.

Mehr fällt mir gerade nicht mehr ein, zumal ich mich GEWEIGERT habe, mir diese Episode nach 2006 auch nur noch ein einziges Mal in meinem Leben anzusehen! – Es gibt Dinge, die ein Mann zu allen Zeiten einfach tun musste (In den Krieg ziehen, einen Baum zeugen, ein Kind pflanzen), aber das wiederholte Ansehen von „Die Schwelle“ gehört hoffentlich nicht dazu!

Fazit: So überaus schwachsinnig, dass einem die Worte fehlen. Und das hat auch nichts mehr mit Subjektivität zu tun: Diese Episode ist das schlimmste Stück Star-Trek-Scheiße, das man sich neben „Die Macht der Träume“ (TNG) oder „Der Fight“ (Voy) nur denken kann. – Besser NICHT drüber nachdenken…

Sollte ein Star-Wars-Fan jemals in einem Nerd-Battle diese Episode gegen euch verwenden, so gebt Euch einfach geschlagen und zieht mit hängenden Schultern von dannen. Man muss einfach wissen, wann man verloren hat. Den Glauben an eine anfangs vielversprechend aussehende SF-Serie eingeschlossen…


Gewalt

Inhalt: Fähnrich Suder – ein ehemaliger Maquies – begeht einen sinnlosen Mord an Bord der Voyager. Tuvok erfährt, dass der Mann schon immer unstillbare Gewaltphantasien hatte. Kann ihm eine vulkanische Geistesverschmelzung helfen?

Review:

Endlich ging Voyager mal an die Grenzen dessen, was das deutsche Strafgesetzbuch schon vor Jahrzehnten ausgelotet hat: Was passiert eigentlich, wenn man auf einem Raumschiff einen RICHTIG Irren hat, den man auch so schnell nicht los wird (Es sei denn, man macht einfach mit der nächstbesten Folge weiter) und der dann auch noch wertvolle Replikatoreinheiten nebst seinen eigenen Kollegen vertilgt? Bisher waren die Maquis-Offiziere ja alle relativ friedlich und durch so etwas profanes wie „Äußere Umstände“ einigermaßen auf einen gemeinsamen Kurs zu bringen…

Doch das war natürlich nicht realistisch, denn in jeder durchmischten Gesellschaft gibt es mindestens einen, der sich durch vernünftige Sätze wie „Wenn Du mich auf dem U-Bahnhof ausgiebig verprügelst, verpassen wir BEIDE unsere Straßenbahn!“ nicht davon abhalten lässt, sein Küchenmesser an unseren Knochen schärfen zu wollen. – Fähnrich Suder ist so jemand: Ein gewalttätiger Bösewicht, der trotz hervorragender Anlagen (er ist sogar ein Betazoide) lieber in Grünanlagen lauert, um seine Anatomiekenntnisse aufzufrischen. Und der trotzdem noch irgendwie sympathisch wirkt, weil er seine Taten so reflektiert betrachtet: „Ich bin leider so, schon immer gewesen. Wissen SIE vielleicht, was man da machen könnte?“

Ich mochte die Vorstellung auf Anhieb, dass es in einer Star-Trek-Serie einen sinnlosen Mord geben darf, der durch nichts weiter gerechtfertigt wird, als durch „Immer, wenn der die Augen aufgemacht hat, dann hat er irgendwo hingeguckt!“. Diese Episode beschäftigt sich mit dem unklärbaren „WARUM?“ der wirklich brutalen Gewaltverbrechen und kommt dabei einem Kammerspiel so nahe, dass man sich fragt, ob das wirklich die selbe Serie ist, die uns sonst mit hirntoten „Hatten wir noch nicht“-Anomalien auf den Zeiger geht.

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„Nun sagen sie mir schon: Warum haben sie Fähnrich Murx getötet?“ – „Das ist leicht erklärt: Ich dachte, wir befinden uns noch in dieser Phasenüberlagerung in der Raumzeit und mein Baseballschläger würde problemlos den selben Raum wie sein Kopf einnehmen können.“ – Klimaforscher warnen: Wenn die aktuelle Gedankenschmelze anhält, wird der Meeresspiegel bis Ende der Woche um ca. 1 Meter steigen. Und allein 9LIVE hat davon 90 Zentimeter auf dem Gewissen!

Man hätte das Ganze sogar NOCH ein wenig weiter treiben können, indem Suder zum Beispiel bei einer kleinen Gerichtsverhandlung hätte VERLANGEN können, für seine Taten getötet zu werden. Ansätze dafür waren ja da. Auf dem ersten Blick ist die Geistesverschmelzung mit Tuvok nebst anschließendem Durchdrehen des Vulkaniers dann auch nur eine Flucht aus der Grundstory. Halt die übliche „Eine Voyager-Folge ohne SF-Inhalt ist wie eine Kirsche ohne Kern“-Begründung, die stets unterschlägt, dass kein normaler Mensch gerne Kirschkerne mampft.

Aber da die Verbindung zu Suder stets gewahrt blieb und man der Versuchung widerstand, Tuvok fliehen und mit einem gezielten Phaserschuss vom Warpkern holen zu lassen, war dieser Twist wirklich zu verzeihen. Und er erlaubte sogar auch, sich die Frage zu stellen, ob Suder nicht sogar eine zweite Chance verdient hätte, wenn die Geistesverschmelzungen ihn langfristig stabilisiert hätten.

Und schon JETZT muss man der Folge hoch anrechnen, dass der irre Mordsspaß-Sucher in einer späteren Episode noch einmal einen großen Auftritt haben sollte. Wo gibt es denn so was? – Na, natürlich nur bei der innovativen Superserie namens „Voyager“! Ich habe ja schon immer gesagt, dass die total klasse ist!

Fazit: Wer die frühe DS9-Folge „Der undurchschaubare Marizza“ liebte, wird vielleicht auch an der entfernt verwandten Light-Version der Voyageraner Gefallen finden. Für mich ist das hier auf alle Fälle die beste Episode seit Serienbeginn, weil sie sich wirklich mit den Figuren beschäftigt, statt uns mit unausgegorenem SciFi-Blödsinn in die qualitativeren Arme von „Musikantenstadl“, „Frauentausch“ & Co. zu treiben.


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Artikel

von Klapowski am 03.10.09 in Star Trek - Voyager

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Kommentare (19)

  1. Dr.Best (der mit dem Schwingkopf) sagt:

    @Klapowski

    Na da hat sich wohl jemand, als Ersatz für die nochmalige Qual: „Die Schwelle“, die Videokritik von sfdebris reingezogen. Danke an dieser Stelle an DJ Doena für den Tip, die Dinge sind wirklich Klasse und eine gute Ergänzung zum hiesigen Angebot.

    Die Zusammenfassung zu Die Schwelle hat doch sehr große Ähnlichkeit mit dem dort Gehörten. Aber wer will dich schon zwingen nochmal Hirnschmalz in diese Desaster zu investieren.

    Gruß Dr.Best

  2. DJ Doena sagt:

    Jupp, die „Gewalt“-Folge war richtig gut, was aber auch vornehmlich an Brad Dourif lag, den man ja auch als Pieter de Vried in David Lynchs „Dune“-Verfilmung sehen kann oder als Grima Schlangenzunge im „Herrn der Ringe“. Und als „Black Rose Killer“/Bruder Edward in der dritten Staffel von „Babylon 5“.

    PS: Hate einer von euch schon mal in das potentielle Voyager der Neuzeit – Stargate Universe – reingeguckt?

    Also überwältigt war ich jetzt nicht gerade: http://doena-journal.net/302/stargate-universe

  3. Crysis sagt:

    Au ja, super, Gewalt! Gewalt mochte ich schon immer, schon bei meinem ersten Kontakt damit war mir gleich klar, dass ich hier endlich mal was tiefgründiges hatte, wovon ich mich angesprochen fühlte.

    Gewalt ist wirklich empfehlenswert. Schön, dass Klapowski das auch so sieht.

  4. chritz sagt:

    aaaach *entspannt zurücklehn*
    Endlich der erste ST-Verriss, seitdem ich wieder mitlese. Kurzzeitig (=> 3 Jahre lang) war Zukunftia… was für ein scheusslicher Name … aus meiner Erinnerung gelöscht worden – die Taufe zurück zu st-enterprise ist mit diesem Review mehr als fällig und wird hiermit offiziell von mir gefordert.

    Schade, dass ST keine Fans mehr hat, die dir für solche Artikel noch aufs Dach steigen und deinen Fahrradträger vom selbigen abreissen. Oder sind davon im Laufe der Evolution doch noch welche übrig geblieben?

  5. DJ Doena sagt:

    > Schade, dass ST keine Fans mehr hat, die dir für solche Artikel noch aufs Dach steigen und deinen Fahrradträger vom selbigen abreissen.

    Wie auch. Die Einen geben seinem ST11-Veriss recht und die anderen sind pragmatisch genug, dass alles nicht mehr so eng zu sehen.

  6. chritz sagt:

    Er hat ST11 verrissen?? Man kann auch alles schlecht reden! Zum Glück schreibt er keine Rezensionen für Trekflash mehr! Sauerei.. ST 11 ist ein GUTER FILM und er hat ihn VERRISSEN? Man ey… das will doch keiner lesen. Was kommt als nächstes? Stargate-Fanfilme in den Dreck ziehen, obwohl die Laiendasteller sich ganz doll viel Mühe gegeben haben oder wie? Unverschämtheit. STAR TREK WIRD NIEMALS STERBEN UND DURCH DEN NEUEN FILM EINE WIEDERAUFERSTEHUNG FEIERN… MUAHAHAHS *sabbelbrabbelbrummdumm*

    STAR TREK FOREVER!
    Oder sehe ich das zu eng?

  7. Mieze sagt:

    @DJ Doena:
    jepp, ich hab mir „SGU“ angeschaut .. und war auch nicht begeistert .. hatte für mich einfach nicht mehr genug mit Stargate zu tun .. aber das hatte ich nach den Vorab-Berichten auch nicht erwartet .. aber immerhin besteht bei der Story noch die Chance auf das alte „Planet of the week“ .. wobei ich mich schon frage, wie sie bei DER Entfernung noch englisch-sprechende Bauern-Dörfler im kanadischen Wald erklären wollen .. oder gab es da schon eine Begründung für das gesamte Universum? .. *kratzamkopp* ..
    .. und sooo schlecht wars ja nicht .. ich werde mir auf jeden Fall noch ein paar Folgen anschauen, vielleicht bleib ich ja dran kleben ..

  8. paranoid android sagt:

    War der 2. Auftritt von Suder denn wirklich gut? Ich meine mich zu erinnern, dass er am Ende der Staffel recht lieblos entsorgt wurde; wohl zur Strafe dafür, dass Mr. Psycho-Auge Dourif hier das komplette Ensemble nicht nur an, sondern schon fast DURCH die Wand gespielt hat.

  9. G.G.Hoffmann sagt:

    So sehr ich mich über die Rückkehr der ST-Dampfhämmer freue, so enttäuscht bin ich darüber, um diese Uhrzeit noch immer nicht das Review zu Frank Schätzings heute erschienenen neuem Roman „Limit“ vorzufinden. Die 1.300 Seiten wären bis 16.00 Uhr ja wirklich zu schaffen gewesen, notfalls auch während der Arbeitszeit. Aber wie ich Brückentag-Dany kenne, hatte er heute aus Protest gegen die diesjährige Verlegung des 3. Oktobers auf einen Samstag ohnehin Urlaub.

  10. Donald D. sagt:

    @ paranoid android: Ich meine, mich erinnern zu können, daß mir Suder bei seinem zweiten Auftritt noch besser gefiel, da er das Schiff vor -waren es Kazon?- rettete (im Nachhinein war das natürlich ein Fehler, für den der Zuschauer noch fünf Jahre zu zahlen hatte) und das ziemlich Garak-mäßig, also keine Haudrauf-Geballer, sondern stilles Töten war angesagt.
    @ Klapo: Wo wir schon bei „Der undurchschaubare Marritza“ landeten: Wo bleiben eigentlich „Deep Space Nine“-Rezensionen???
    @ chritz: Du laberst zuviel!

  11. Klapowski sagt:

    @Hoffmann: Ich überlege derzeit tatsächlich, mir „den neuen Schätzing“ (wir Buchleser drücken uns so aus) anzusehen. Aber 26 Euro für den Backstein? – Wobei… mir fehlt noch ein Geburtstagsgeschenk. Und zwar für… MICH.

    @Donald: DS9-Rezensionen sind im Moment nicht eingeplant. Irgendwie macht Voyager durch die größere qualitative Bandbreite auch mehr Spaß (nur das Rezensieren, nicht das Gucken!).

    @Chritz: Lass Dich von Donald nicht verschrecken. Das, was Du zu viel laberst, labern die stillen Mitleser, die NIE einen Kommentar absondern (Ja, DICH meine ich! Der mit der Brille!) zu wenig.

    @Mieze: Eigentlich habe ich zu Deinem Kommentar nichts zu sagen. Wollte aber nicht, dass Du das Gefühl hast, ich hätte Dich vergessen.

  12. Flutschfinger sagt:

    Der mit der Brille? Ein kurzer Blick aufs bebrillte Klo verriet: Damit kann nur ich gemeint sein. Dann lasse ich auch hier mal meinen geistigen Durchfall ab, ich will mir ja hinterher nicht sagen lassen, ich hätte nichts gesagt. Sag ich jetzt mal so. Also prinzipiell kann ich nur Crysis rautieren (wo hast du dich denn so lange versteckt, Crysis?), auch ich finde Gewalt überaus toll und unterstütze die Aktion Gewalt gegen Rechts vor links im Geschlechtsverkehr.

    Ich hoffe das war (zwei-)deutlich! Ich wiederhole Voyager nämlich nicht gern.

  13. chritz sagt:

    Keine Sorge Dany, jetzt wo ich ja bald 18 werde, habe ich bereits gelernt das zu sagen, was ich denke. Wenn dabei trekkistische Volksverhetzung pro Star Trek bei rumkommt, soll es so sein. Da ändert auch die Meinung eines Entenhauseners nicht, den ich eigentlich in meiner Kindheit (also bis letztes Jahr) sehr geschätzt habe. Warum er sich hier jedoch so von mir abkapselt weiß ich nicht – nehm ich ihm jedoch übel genug *Lustiges Taschenbuch in die Ecke pfeffer*

    Und jetzt hefte ich mir meinen Kommunikator an und gehe einkaufen. „Herr Schmidt, bitte die Einunddreißig!“ .. das ist mein Stichwort! Wenn ich wiederkehre, möchte ich TNG zu Ende rewievt haben.

  14. Anonymus (Bosch) sagt:

    Hey!
    Woher weißt du, dass ich Brillenträger bin?
    „IM Klapowski“ schlägt zurück! (Ich wußte, bei dem Namen ist was faul)
    Am letzten Wahlsonntag wieder Linkspatei gewählt, was?
    Frechheit, sowas… ;-)

    Ach ja, GEWAAAAALT!!! *sabberlechtz

  15. Donald D. sagt:

    @ chritz: Du tust gut daran, die Lustigen Taschenbücher in die Ecke zu pfeffern. Die sind seit ca. zehn Jahren größtenteils Schrott. Ich empfehle Dir Geschichten von Zeichern wie z.B. Barks, Rosa, van Horn, Vicar und Rota.

  16. JannLee sagt:

    Wo ist denn Staffel 2, Teil 3?

  17. JannLee sagt:

    Vielen Dank ^^ ich finde die Dampfhammer sooo geil xD ich mag zwar die Serie(n) aber die Rezensionen hier dazu sind einfach nur göttlich. ^^

  18. Fellini sagt:

    Es tut mir so leid, aber ich weiß noch ich mochte die Folge (also Die Schwelle), fand die war einer der Höhepunkte der zweiten Staffel (eben neben Gewalt und Prototyp). Ich wusste ja nicht, dass das alles wissenschaftlich nicht haltbar ist, buhuu!!!!! Bin ich jetzt dumm? :-(

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