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Kindertestkäufe? Also ICH gebe meines wohl wieder zurück…

klein_kinderkauf.jpgFrau von der Leyen hatte einen Vorschlag gemacht: Die Einhaltung der Jugendschutzgesetze sollte zukünftig von minderjährigen Testkäufern überprüft werden. Doch sofort sprang die bundesdeutsche Ablehnungsmaschinerie an und ließ die Ministerin eilig zurückrudern. „Man kann doch Kinder nicht zu Spitzeln machen!“ hieß es unter anderem. – Aber warum kann man das nicht? Die meisten Kinder haben schließlich hervorragende Ohren und einen unstillbaren Hang zur Wichtigtuerei…

Vermutlich handelt es sich bei den Ablehnern um die selben asozialen Subjekte, die beim Stadtspaziergang jeder Knöllchenverteilerin „Zettelschlampe“ oder „Papierpupe“ zuraunen. Einfach deshalb, weil es für sie nicht nachzuvollziehen ist, warum man für falsches Verhalten verwarnt werden soll. Macht ja auch irgendwie keinen Sinn, wenn man nur oberflächlich drüber nachdenkt, sofern man den Vorgang an sich denn überhaupt einleiten konnte.

Interessanterweise findet dieser Personenkreis jedoch meist nichts Verwerfliches daran, Triebtätern (und zwar OHNE Verwarnung) „gleich den Schwanz abzuschneiden“. Ganz klar: Denn Triebtäter ist man selber ja nicht (und wenn doch, dann „wollten sie es ja auch“), Falschparker aber eher selten. Auch wenn Letzteres vom wortspieltechnischen Standpunkt her problemlos mit Ersterem kombinieren könnte…

Ganz klar: Der Deutsche an sich hat Angst vor Petzen. Ob das kulturhistorisch begründet ist, vermag ich mit meinem mittelprächtigen Geschichtswissen nicht zu sagen. Vielleicht hat einst Otto von Bismarck auf die Frage, warum er denn die Rentenversicherung erfunden habe, auf seinen Großvater gedeutet und gerufen: „Der hier war’s! Er ist an allem Schuld, buhuuhuuu!“ – Oder vielleicht ist es nur – ganz profan – die gute alte Stasi, die uns noch in den Knochen steckt. Zumindest bei denen unter uns, bei denen damals die Knochen auch wirklich verwanzt wurden. Oder war es sogar das alte Schindluder Hitler, der zwischenzeitlich ja auch selbiges mit seiner Staatsmacht getrieben haben soll?

kinderkauf1.jpg

Manche Kinder versuchen durch Tricks ihr Aussehen zu verändern, um so erwachsener zu wirken… Selbst seriöse Verkäuferinnen (hinten rechts) lassen sich durch solche Tricks manchmal beirren. Hier konnte der 6-Jährige im Kostüm eine ganze Schachtel Kippen aus dem Geschäft tragen. Hätte er angesichts seiner „anatomischen Ausstattung“ auf die dringend benötigten „Zigaretten danach“ verwiesen, hätte er vermutlich sogar 50 bis 60 Päckchen abstauben können…

Ständig wird nach neuen Gesetzen geschrieen, welche Killerspiele, -stängel und -flaschen verbieten oder einschränken sollen, doch um die Ausführung kümmert sich keiner, höchstens Reiner. – Und der ist 62 und sitzt sich in irgendeiner Schießbudenkommission die Arschbacken altersfleckig.

Wieso sollte man ständig neue und härtere Alterfreigaben für z.B. Videospiele fordern, wenn die einzigen Verwarnmaßnahem des Verkaufspersonals nur über die TV-Sendung „Hart aber Fair“ laufen? Wo dann ein ältlicher Professor oder Regierungsabkömmling mit dem Zeigefinger die Kameralinse blank wedelt und blumig von „stärkeren Kontrollen“ und „Verantwortung des Einzelhandels“ redet. – Und nebenbei auch noch erzählt, dass „Nintendogs“ ein echtes Killerspiel ist, wenn man es nur jemanden hart genug an den Kopf wirft…

Ja, liebe Leut! Wie sollen diese Kontrollen denn nun stattfinden? Ganz klassisch mittels eines Sonnenbrillenträgers, der neben dem Kassenbereich ein Periskop aus dem Trenchcoat fahren lässt? – Um dann den verdächtigen Kunden nach dem Bezahlen den Ausweis rauskramen zu lassen? Der mit zusammengekniffenen Augen auf die Alterfreigabe der Ware auf dem Tresen stiert, 4 Meter von ihm entfernt? Nach einem Tag würde diesem Überwacher wohl offiziell bestätigt werden, dass Computerspiele krank machen. Und zwar mittels eines Attests vom Augenarzt…

Nein, nein, nein: Testkäufe halte ich für eine gute und akzeptable Idee, um die strengen Jugendschutzgesetze, die wir ja nun mal haben, auch jenseits des Rauschens im Blätterwald zu vernehmen. Da überlege ich es mir als Verkäufer doch zukünftig dreimal, ob ich einem 8-jährigen Mädchen nun wirklich „Ponyhof-Massaker VI“ verkaufen soll. Zumal die Kleine sowieso irgendwie verdächtig ausschaut und irgendwie den Eindruck einer geschulten Eliteverkäuferin macht, die im Wechselgeld-Nahkampfeinsatz ausgebildet sein könnte. – Psychologisch wären diese Gedankengänge sicherlich eine nicht zu unterschätzende Waffe!

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„Wir wollen zwar nicht, aber wir MÜSSEN unsere Handflächen für Testkäufe prostituieren, um genug Geld zur Ausreise aus diesem fürchterlichen Land zu bekommen!“ – Kindliche Testkäufer, wie sie von deutschen Bedenkenträgern gesehen werden: Geschundene Kinderseelen werden in ihren Augen dazu genötigt, stundenlang mit Bierfässern und metallischem Sexspielzeug an der stickigen Ladenkasse anzustehen…

Und kein Mensch hat davon geredet, 6-Jährige 8 Stunden täglich im Akkord Testkäufe machen zu lassen! – Das stundenlange Schreiben der Berichte danach („Doofe Tante. Nix Fluppe gekriecht.“) erst mal außen vor gelassen. Es ging in der (abgewürgten) Diskussion um vereinzeltes, von Erwachsenen überwachtes und vom Jugendamt überprüftes Mini-Shopping! Meine Güte, in manchen Teilen der Welt bekommen die Kids statt einer Rassel als erstes einen Steinbruchhammer in die Hand gedrückt und glauben bis zu ihrem 10. Lebensjahr, ihr Name sei „Schneller“ und ihre Eltern hießen „Überstunde“ und “Haltdichran“! da wird man in einem demokratischen Staat doch mal einen Minderjährigen in 3 Geschäften gehen lassen können!

Der Staat will nicht, dass Kinder rauchen, saufen und Pornos kaufen? Dann steht doch zu dieser etwas ausgeflippten und unpopulären Mindermeinung und lasset die Testkäufe beginnen! Zwar wird dies nicht verhindern, dass zukünftig auch weiterhin ältere Geschwister in die ab-18-Abteilung des örtlichen Tabakdealers geschickt werden, aber diese Maßnahme ist weit wertvoller als ein generelles Verbot von „Killerspielen“. Zumal die derzeit kursierenden Definitionen dieses Begriffes eigentlich auf eine komplette Zubetonierung der Softwareabteilungen großer Kaufhäuser hinauslaufen dürfte. Daher sage ich: „Liebe Testkaufen als gesetzlich Amok laufen“

Als Videospieler befürworte ich die strengeren Kontrollen schon deshalb, da sie endlich das durchsetzen würden, was seit langer Zeit vorgeschrieben ist. Somit würde vielleicht eine weitreichendere Regulierungswut auf Seiten der Regierung entfallen (z.B. das Vorlegen eines psychologischen Eignungstestes vor dem Kauf eines Shooters), was sofort zu einer Reduzierung meiner eigenen Wutbestände führen könnte.

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„Ja, ich habe es genau gesehen! Einen Eisbären, der erst gekillt und dann mit den Überresten gespielt hat! Und die Grafik war unglaublich realistisch! So tun sie doch was, Herr Wachtmeister!“ – „Hmmm… Haben Kinder denn die Attacke gesehen?“ – „Ne, die sind alle in der Wohnung und spielen ‚Mario Kart’, ‚Anno 1702’ und ‚Tetris Reloaded’… Diese Perverslinge müssten sie dann gleich nach dem Eisbären erschießen, Herr Polizist!“

Also: Klein Erna gehört zukünftig an die Ladentheke und den Besitzer verknackt, wenn er das Kind tatsächlich mit einer Kiste Korn davon trotten lässt.

Ist doch toll: Dann verdienen sich die Kids eben ein kleines Taschengeld vom Staat dazu und können Jahre später mal damit angeben, als Kind mal „Verdreckter Ermittler“ gewesen zu sein. Und wenn der Testkaufalltag mal besonders anstrengend war, gab’s von Papi des abends auch schon mal ein Pilsken extra („Wer arbeiten geht, ist auch groß genug zum Biertrinken…“).

Darauf trinke ich. Und zwar auf dem Kinderspielplatz.

*Zigarette anzünd*


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von Klapowski am 15.10.07 in All-Gemeines

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Kommentare (7)

  1. Otto Normalzuleser sagt:

    Da kommt einer der seltenen, wirklich hoch vernünftigen Vorschläge aus der Politik, und die Leute, die nach Massnahmen geschrieen hatten, sind dann die ersten, die sie auch wieder verurteilen (nämlich der deutsche Kinderschutzbund). Vielleicht weiß Frau von der Leyen als Familienministerin und Mutter von sieben Kindern einfach besser als die Stänkerer, was zu tun ist.
    Und für die Aktion hätt ich mich auch gleich als ERSTER gemeldet.

  2. Marvin sagt:

    Kinderarbeit! – Pfui!

    Scheint aber in der Tat ein vernünftiger Lösungsansatz zu sein. Schon die Möglichkeit der sechsjährige Stöpsel mit den Kippen an der Ladentheke könnte ein verdeckter Ermittler sein, dürfte einiges Abschreckungspotential beinhalten.

    Und, hey, der BND könnte auch gleich noch seinen Nachwuchs rekrutieren.
    Außerdem könnten Arbeitslose bzw. deren Kinder so noch etwas dazuverdienen.

  3. paranoid android sagt:

    In den USA gibt es „teenage decoys“ schon länger, und Bekannten zufolge hat das meiste Verkaufspersonal solche Angst vor diesen Fallen (Strafe: ca. 1000 Dollar, oft plus Jobverlust), dass sie bei fragwürdiger Ware von jedem ID verlangen, der noch keine grauen Haare hat. Klingt doch mal nach einer wirkungsvollen Maßnahme!

  4. Bergh sagt:

    tach auch !

    Das Problem ist doch, wie von Klapowski beschrieben, daß
    InDuLa (In diesem unserem Lande) völlig blödsinnige Gesetze gemacht werden
    und dann aber nicht überwacht werden.

    Oder habt Ihr in letzter Zeit leute mit Handy am Ohr AQutofahren sehen?
    Eben !
    Wenn die wirklich jedes 3 te Mal die 40 Euro bezahlen müßten würden sie damit aufhören !!!

    Also Überwachung ja , Polizisten, verdeckte ermittler : Ja.

    Da brauchen wir keine Kinder für; echt nicht.

    Gruss BergH

  5. Otto Normalzuleser sagt:

    Doch, klar brauchen wir Kinder zur Kontrolle in Kaufhäusern un Kiosken. Die müssen und dürfen nämlich nicht bezahlt werden, sonst wär es ja bÖÖÖÖÖse Kinderarbeit ;-).

  6. Donald D. sagt:

    Na dann halt etwas anderes als Entschädigung für die paar Minuten „Kinderarbeit“. Ein Tag schulfrei oder bereits ausgefüllte Klassenarbeiten oder ein Computer(killer)spiel. Ich wette, daß dann in jedem Supermarkt rund um die Uhr irgendwelche BND Junioren rumrennen.

  7. Otto Normalzuleser sagt:

    Eine geringe Aufwandsentschädigung wäre wohl angebracht, 5 bis 10 € vielleicht?

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