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Schäuble, sei wachsam: Anti-Terror-Maßnahmen noch nicht „Anti“ genug…

Wolfgang Schäuble steht in der Kritik, ja. Aber er steht in ihr wie ein guter Schwimmer in hüfthohem Wasser. Pünktlich zur dramatisch abnehmenden Dicke des SPIEGELs hat das politische Sommertheater also dieses Jahr begonnen. Dabei haben wir uns schon letztes Jahr gefragt, wie es mit dem Kaspar und dem Krokodil weitergeht…

Natürlich will ich das Thema nicht auf Sitzhöhe des Innenministers herunterreden, denn dafür ist der Auslöser viel zu ernst: Terroristen sind überall. Auf der Straße, unter dem Bett, an der Universität und vor allem überproportional häufig am anderen Ende einer Telefon- oder Internetleitung. Nun, was machen sie da? – Sie schmieden Pläne, um uns alle so lange zu vernichten, bis wir eines morgens im Bett aufwachen und feststellen müssen, dass wir tot sind. Was einen Lemming vielleicht noch in Extase versetzen würde, ist für den Mitteleuropäer jedoch nicht das gelbe vom Ei. Und wahrscheinlich nicht mal dieser eklige Schmier aus Federn und Gebärmutterflüssigkeit, der oftmals auf der Schale klebt…

Vor diesem (terroristischen) Hintergrund kann man natürlich verstehen, dass der Wolfgang sich Sorgen macht, ob wir denn alle richtig geschützt sind. Nun haben andere Minister ja viel publikumswirksamere Möglichkeiten, die Bevölkerung zu belehren oder zu ermahnen. Man denke nur an das Gesundheitsministerium, das mit Werbespots wie „Watt kosten die Kondome?“ unter den hippen Latexhutträgern punkten konnte. Oder dem Verkehrsminister, der mit Aktionen wie diesen aufwarten könnte: „Sicherheitsgurt anlegen macht sexy. Nach einem Unfall vor allem im Gesicht! (Für Unfälle durch eindringende Glassplitter und/oder Leitplanken übernehmen wir trotzdem keine Haftung)“

Da kann ein Innenminister sympathietechnisch natürlich nicht mithalten. Egal, was er vorschlägt: Stets wird Oma Platuschke fürchten, demnächst beim Rosengießen mit der Kamera beobachtet zu werden. – Was umso erstaunlicher ist, da sie kein Problem damit hat, in den Mülltonnen anderer Leute nach falsch eingeworfenen und zutiefst ekelerregenden Dingen zu wühlen. Ihr ahnt es vielleicht schon: Bezüglich der 149 neu geforderten Sicherheitsmaßnahmen vertrete ich ausnahmsweise keine feste Meinung, diese aber dafür mit dem gewohnten Nachdruck.

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„Ihr Händedruck gefällt mir! Kann ich davon vielleicht einen Gipsabdruck für meine Kartei…?“ – Der perfekte Überwachungsstart? Wolfgang hat von seiner Mutter einen neuen Server geschenkt bekommen und dazu den Auftrag, ihn immer schön zu füttern. Meine Daten kann er ruhig haben. Ich habe nichts zu verbergen. – Jedenfalls wohl nicht mehr sehr lange (*Schluck*).

Irgendwie ist mir das ganze Thema zu labbrig im Abgang, um wirklich DAGEGEN zu sein… Ich frage mich stets, was schlimmstenfalls beim Otto-Normal-Surfer passieren könnte, wenn jemand per Onlinedurchsuchung auf seinem PC herumschnüffelt. Wird ein gefundenes Word-Dokument, das das Wort „Bombenwetter“ enthält, für einen realen Kampfhubschraubereinsatz gegen mich ausreichen? Und was ist, wenn ich die letzte Mail meines Designers Sparkiller schriftlich für üblen „Psychoterror“ befand? Wird man mir dann nachträglich die Klassenfahrt nach Langeoog als „Besuch eines Ausbildungscamps für Terroristen“ auslegen, auch, wenn’s im Wortlaut gar nicht so verkehrt benannt wäre? Ist es infantil, wenn ich annehme, dass der Innenminister mit meinen Passwörtern NICHT kleine Rollstuhl-GIFs auf meine Webseite zaubert oder mir über Amazon seine Lieblings-DVDs unterschieben wird („24 muscht Du Dir unbedingt anseh-heen, Klapoowski!“)?

Es gibt für mich persönlich keinen Grund, sich generelle Sorgen über Bundes-Hacker und BRD-Trojaner zu machen. Jedenfalls nicht, solange Russland-Würmer und China-Viren mich viel dramatischer bedrohen. Und selbst mit denen habe ich mich inzwischen arrangiert. Nachdem ich gemerkt habe, dass der richtige Betrieb einer Firewall ein Informatik-Studium unter Computerindern erfordert und diese Schutzprogramme oft auch noch übelst abbremsen, lebe ich mit meinen Trojanern in perfekter Harmonie. Wenn ich nach dem Besuch einer anspruchsvollen Erotik-Seite (auf der alle angezogen sind und nur leicht verführerisch dreinschauen) wieder mal 5 neue Programme in der Taskübersicht erscheinen, grüße ich höflich, aber bestimmt: „Hallo, Web1293.exe! Grüß Dich, quickloader2.exe! Habe die Ehre, sexwebaccount.exe!“

Okay: Wer von denen zuviel im Hintergrund über Sex nachdenkt und sogar die Festplatte „knattern“ lässt, wird dann schon mal des Rechners verwiesen, was allen anderen aber meist eine Lehre ist…

Wenn ich mal Lust und Zeit habe, poste ich hier mal meine aktuelle IP und bitte alle Hacker unter Euch in den nächsten Stunden um eine erheiternde Nachricht auf dem Bildschirm. Etwas kaputtzumachen bitte ich zwar zu unterlassen, jedoch ist auch hier nur schwer ein Schaden möglich, den Microsoft nicht schon bereits in Eigenproduktion bei mir ausgeführt hätte.

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Noch ist diese Datenbank erschreckend leer. Doch schon bald könnten MEINE Kontodaten sie füllen. Ich bin mir sicher, dass meine Überweisungen an Amazon, meinen Vermieter und die Stadtwerke so manche Techniker im Innenministerium begeistern werden. Der Beruf des Datenauswerters verlangt nämlich eine derartig leicht herbeigeführte Euphorie, ansonsten hätte man ja auch Zombie oder Autist werden können.

Von daher: Online-Untersuchungen? Gerne doch! Und ich sehe mich dabei sogar als besonders schützenswerter JOURNALIST. Gut, man will als solcher natürlich nicht, dass meine anonym bleiben wollenden Quellen enttarnt werden, aber für Anwälte, Ärzte, Priester, Journalisten und besserwisserische Blogbesitzer kann es ja auch weiterhin gesetzlich Ausnahmen regeln. Ist ja nicht so, dass wir Deutschen gegen ein paar hohe Absätze nichts einzuwenden hätten. Im Gesetzestext, meine ich jetzt.

Und auch mit der bundesdeutschen Abnahme von Fingerabdrücken habe ich keine Probleme. Datenschutz ist ja gut und schön, aber wer seine Linien auf den Griffeln für etwas schützenswertes hält, müsste im Laden eigentlich auch seinen Einkaufswagen bis zur Kasse mit einer Decke abdecken, damit keiner sieht, dass man Klopapier (Igitt!) und Tampons benutzt. Gut, bei der DNS-Datei hätte ich auch schon leichte Bedenken. Ich möchte ja nicht, dass die Dateien in die falschen (oder schlimmer: in die RICHTIGEN) Hände gerät, und mir meine Versicherung demnächst schreibt, dass man mich nicht mehr zum bisherigen Satz versichern könne, weil ich als Schwarzafrikaner ein erhöhtes Risiko für Crychtophymose hätte.

Aber wenn’s dafür sorgt, dass Vergewaltiger nur noch mit eigenen Reinigungs-Bulli zum Tatort fahren können, um danach ihre DNS vom Gebüsch zu schrubben zu müssen, bin ich bereit. Man müsste den Zugriff auf die Datei natürlich strengstens eingrenzen, das heißt: Nur Polizei, BKA, Zoll, Innenminister, Außenminister (für das Ying und Yang), Meldeämter, Jugendämter, Militär, Bauamt und die zuständige Unterabteilung von Google.

Und sollte man Terroristen wirklich auch Verdacht töten? Na, wie denn sonst? Unwirklich etwa? – Als Pazifist sehe ich natürlich nur ungern tote Menschen. Aber wenn man nicht nur so ein neumodischer „Ich find die Einstellung cool“-Modepazifist ist, hat man ja sicherlich keine Probleme, an den entsprechenden Stellen angewidert wegzusehen. Bei der CIA und FBI funktioniert es ja auch seit Jahrzehnten. Bei den Russen lässt die Subtilität zwar noch etwas zu wünschen übrig („Möchten Sie Ihren Tee mit viel oder wenig Polonium?“), aber was nicht ist, kann ja noch sterben. Wobei das gezielte Töten von (erwiesenen) Terroristen ja selbst dann selten vorkäme, selbst, wenn’s erlaubt wäre.

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Justiz-Irrtum: Diese beiden Herren gerieten einst zu Unrecht in die Mühlen einer Rasterfahndung: Ali bin Schaden (hinten) hatte in einem abgehörten Telefonat verschlüsselt davon gesprochen, dass seine „neuen Augäpfel geliefert“ seien, was in der Tötungsbranche soviel heißt, wie: „Die Autobomben kochen im Perlenwald“. Bin Schaden wurde jedoch recht schnell wieder freigelassen, nachdem ein Freund aus Sri Lanka ihm nachträglich einen fast nicht gefälschten Waffenschein für seine Knarre zukommen ließ…

Denn wenn man weiß, wo die Terrorpaten sind, nimmt man sie halt nach Möglichkeit fest. Von mir aus auch ganz doll fest. Ist ja schießlich auch interessant, was die so zu erzählen haben, alleine schon für den Buchmarkt in 20 Jahren. – Wenn sie sich bei der Festnahme rabiat wehren, werden sie halt erschossen. Peng. Bumm. Tot. Aus der Graus. – War aber schon immer so. Wer es nicht glaubt, kann ja mal mit einer Eisenstange auf seinen zuständigen Dorfpolizisten zustürmen („Für Allaaaaah!“).

Blödsinn wäre hingegen zugegebenermaßen ein Handy- oder Internet-Verbot für mutmaßliche Terroristen. Genau so gut könnte man die Kommunikation mit Allah verbieten, Nur für den Fall, dass dieser tatsächlich die „Ungläubigen“ auf bloßen Bet-Zuruf „zerschmettert“. Und je heimlicher sich der potenzielle Terrorist ein Handy besorgt, umso schwerer wird die schöne Sache mit dem Abhören, alleine schon akustisch.

Auf die Angst vor Überwachungskameras will ich gar nicht mehr eingehen. Ich sehe sie, sie sehen mich… und belästigen mich danach vermutlich niemals mit der Tatsache, dass ich am 07.08.2005 in der Innenstadt gesehen wurde. Wer sich durch den mechanisch-digitalen Blick schon gestört fühlt, muss wohl auch auf der Straße ständig Sätze wie „Ey, was guckst Du! Guck weg!“ ausstoßen. Und seltsamerweise sind diese Beobachtungsverächter ja auch tatsächlich mehr im arabischen Kulturkreis anzutreffen. Zufall oder Vertuschungsabsicht?

Also: Lasst den Schäuble in Ruhe, der hat auch so schon einen schweren „Stand“. Das ständige Präsentieren von neuen Überwachungsideen ist zwar auf die Dauer etwas mühselig, aber man muss ja nicht ständig zuhören.


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von Klapowski am 16.07.07 in All-Gemeines

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Kommentare (1)

  1. Marvin sagt:

    Schönen guten Tag.

    Interessant wie es gelingt, einen durchaus umfangreichen und amüsanten Artikel zu verfassen, ohne eine wirklich Meinung zum angesprochenen Thema zu haben. Immerhin besser als das argumentationslose Gewetter von irgendwelchen Freiheitsfanatikern.
    Dennoch sollte die Angelegenheit nicht mit einem „Ich bin ein anständiger Bürger und hab nichts zu verbergen, aber bei meinem Nachbarn wär’ ich mir da nicht so sicher“ abgetan werden. Trifft zwar auf den größten Teil der Bevölkerung zu (ich zähle jetzt mal den Besitz von „Sicherheitskopien“ von Filmen und Musik zu den Kavaliersdelikten) und ist auch das Totschlagargument der Überwachungsanhänger, aber der „Gläserne Bürger“ und die potentielle Missbrauchbarkeit der gesammelten Informationen sind keine schöne Vorstellung, wenn es auch zu solchen Szenarien wie „1984“ noch ein weiter Weg ist. Auch denke ich, dass Leute, die zu Allah wollen und noch ein paar andere mitnehmen möchten, dadurch nicht wirklich aufgehalten werden können. Und gezieltes Töten von Verdächtigen kommt der Wiedereinführung der Todesstrafe immerhin nahe.
    Wobei ich zugebe, dass die Polizei in einigen Bereichen mehr Befugnisse habe sollte. Denn wenn unsere Freunde ohne oder mit grünen Haaren, um wahllos zwei Bevölkerungsgruppen herauszugreifen, am Rande einer ihnen rechtmäßig zustehenden Demonstration nach körperlicher Züchtigung oder einer kalten Dusche verlangen, sollte ihnen dies gewährt werden, ohne dass sich hinterher die Anwälte einmischen.

    Was Herrn Schäuble betrifft, so ist es sein Job, für die Sicherheit der bundesdeutschen Bürger zu sorgen, aber es ist klar dass er sich mit den massiven Vorstößen in Bezug auf Überwachung und Informationsbeschaffung herber Kritik aussetzt. Nichts gegen ihn persönlich, doch es besteht nicht zu unrecht die Vermutung eines Traumas aufgrund des Anschlags, der ihn zum Rollstuhlfahrer machte, so dass die Frage seiner Objektivität bezüglich der Beurteilung der inneren Sicherheit und somit seine Eignung zum Innenminister durchaus berechtigt ist.
    Ich bin zwar auch der Meinung, dass man viele Aussagen von Politikern getrost ignorieren kann und auch sollte, aber in diesem Fall ist doch ein bisschen Aufmerksamkeit angebracht. Wobei natürlich dennoch wie immer gilt, sich so wenig wie möglich von der Hysteriemaschine der Medien beeinflussen zu lassen.

    Gruß.
    Marvin

    P.S.: Den Mangel an Humor bitte ich zu entschuldigen.

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